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20 5
JOURNAL
ORNITHOLOGIE
DEUTSCHES CENTRALORGAN
für die
gesammte Ornithologie.
In Verbindung mit der
Allgemeinen tentschen urnithulagiachen Gegellschaft zu Berlin,
mit Beiträgen von
Kronprinz Rudolf von Oesterreich, Eug. F. v. Homeyer, Dr. A. v. Brehm, Dr. @.
Hartlaub, Prof. Dr. Altum, Aug. v. Pelzeln, Dr. R. Blasius, Dr. Kutter, Victor
v. Tschusi-Schmidhoffen, Forstmeister H. Goebel, Dr. Ant. Reichenow, W.v. Na-
thusius, Graf v. Berlepsch, A. Nehrkorn, Herm. Schalow, Dr. J. A. Palmen,
Dr. @. A. Fischer, J. Rohweder, Dr. R. Böhm, Prof. E. A. Goeldlin, Stud. Aug. Müller
und anderen Ornithologen des In- und Auslandes,
herausgegeben
von
Prof. Dr. Jean Cabanis,
Custos am Königl. Zoologischen Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin;
General-Secr. d. Allgem. deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin.
XXVII Jahrgang.
Vierte Folge, 7. Band.
Mit 2 colorirten Tafeln.
Leipzig, 1879.
Verlag von L. A. Kittler.
LONDON, PARIS, NEW-YORK,
Williams & Norgate, 14. A, Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co.
Henrietta Street, Coventgarden, 524 Broadway,
Preis des Jahrganges (4 Hefte mit Abbildungen) 20 Rmk. praen.
Vs Be Te
Inhalt des XXVII. Jahrganges. (1879.)
Vierte Folge, 7. Band.
I. Heft, No. 145,
Aufsätze, Berichte, Briefliches ete.: er
1. Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. Von Kronprinz
Rudolf von Oesterreich, E. F. von Homeyer und Brehm 1
Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin;
2. Mitglieder-Verzeichniss der Gesellschaft . . > . 84
3. Benachrichtigung für die Mitglieder ee eo. 0. 8
4. Statut der Gesellschaft. . ce vo ce oe oe 0 00 o. 0000. W
Nachrichten:
5. An die Redaction eingegangene Schriften . » » co 0.0... 9
II. Heft, No. 146.
Aufsätze, Berichte, Briefliches etec.:
1. Omithologische Beobachtungen in den Auwäldern der Donau bei
Wien. Vom Kronprinzen Rudolf von Oesterreich und
Beeahul... s:.....% . a:
PR. Ornithologische Male a aus en aba ae (1878).
Von Victor Ritter von Tschusi zu Schmidhoffen . . . . 129
8. Ueber die Fortschritte auf dem Gebiete der Ornithologie vom Jahre
1875 bis zur Gegenwart. Von Herman Schalow. 2... ... 131
mv INHALT.
4. Beiträge zur Geschichte des Chculus canorus. Von Forstmeister
H.Goebel . ». un. um ne, wa
5. Meine ornithologische Sammlung. Von E. F. von Homeyer . »
6. Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. Von Dr. G. Hart-
lanb .. „ 0 Sevemiune ne te nen
7, Ueber die Adelsdorfer Colonie von Laru
mann - en un de © 2 ja
8. Zur Discussion über die Zugstrassen. Von Dr. J. A. Palmen. -
9, Ueber ein neues Genus und neue Arten aus Südamerica. Von Hans
Grafvon Berlepsch -.. se. u 0 a Ve
Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin:
10. Bericht über die November-Sitzung 1878. (Cabanis: Ueber die
ridibundus. Von Neu-
Gattung Psittacula. — R eichenow: Ueber Palaeornis rosa und
cyanocephala.) . . . o . . . . . . [ . . . . . [2 . ° .
11. Bericht über die December-Sitzung 1878. (Schalow: Ueber Lanius-
Arten) e’e 0. gene me Stat, 21,5 441° 5
12. Bericht über die Januar-Sitzung 1879. (Altum: Ueber die Vogel-
sammlung der Forstakademie zu Eberswalde. — Brehm: Häufiges
Vorkommen der Strix nisoria in den Karpathen. — Altum: Ap-
ternus tridactylus in der Mark. — Brehm: Ueber das Leben des
Vanellus gregarius). » «een.
13. Bericht über die Februar-Sitzung 1879, (Cabanis: Passer domesticus
. . . D 21,8
auf Cuba) - «> oe. une en + 071 Fe
14. Bericht über die März-Sitzung 1879. (Cabanis: Ueber Conurus
pertinaw. und verwandte Arten. — Graf von Berlepsch: Neue
südamericanische, Arten.) ».».+ .e. »iwie, u.a. a eEwisEen see
Nachrichten:
:15. An die Redaction eingegangene Schriften . = rn Vesmbastrsiieen
III. Heft, No. 147.
Aufsätze, Berichte, Briefliches etc.:
1. Betrachtungen über die Selectionstheorie vom Standpunkt der Oologie
aus. Von W. v. Nathusius „a. oo 0... V esaneru
2, Ueber Morphnus taeniatus Gurney und M, gwianensis Daud. Von
Augustv, Pelzeln . „0. ..0=. ©. EEE
3. Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. (Nachtrag) Von Forstmeister
H. Goebel ... . - BT 18
4. Briefliche Reiseberichte aus Ost-Africa. IV. Von Dr. G. A. Fischer
5. Zur Naturgeschichte des Icos zanthopygius Hempr. u. Ehrb, Von
Stud. Aug. Müller. (Hierzu Taf. I. Fig. 4. 5.)
6. Compendium der neu beschriebenen Gattungen und Arten. I. Von ,
Ant. Reichenow und Hermann Schalowi,. in. ro nen £
7. Ueber Domicella Kuhli. Von Dr. O.. FEinsch . “.) u.a uugn
Selte
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19
195
206
210 |
212
INHALT. u
Seite
Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin:
8. Bericht über die April-Sitzung. Verhandelt Berlin, 7. April 1879.
(Hausmann: Ueber Otis tetrax in Mecklenburg. — A. Brehm:
Ueber das Brutvorkommen von Erismatura I in Sieben-
bürgen.) . - 331
9. Bericht über ii Mar Sram Verbändelt, Beid, En Mai 1879.
(Cabanis: Ueber Aulanaz latirosiris und Tomi Arten) . . 335
Nachrichten:
10, An die Redaction eingegangene Schriften. - - » » 2. 2.2... 886
IV. Heft, No. 148.
Aufsätze, Berichte, Briefliches etc.:
1. Uebersicht der von Dr. G. A. Fischer auf einer zweiten Reise durch
das ostafrikanische Küstenland von Mombassa bis Wito und am
Tana-Fluss gesammelten Vögel, Von Dr. G. A. Fischer und
Dr. Ant. Reichenow ... ee RR
2. Nest und Ei von Fihynchocyclus Uimereickps Sclat. “ A. Nehr-
Komm u... % ® ee 0
3. Verzeichniss der im Kanton Bebakhanzen en Vögel.
Von Prof. Emil Aug. Goeldlin. .. . 0 80
4. Zur Ornithologie der Insel Cypern. Von Stud, N Müller. . 385
5. Mittheilungen über Nester und Eier des Museum’s Godeffroy zu
Hamburg. Von A, Nehrkorn . .... See. Od
6. Ueber den Gebrauch der Trinomina in der ar Nomen-
elatur. Von Robert Ridgway. Bericht von H. Schalow „ 410
7. Vögel des Uman’schen Kreises, Von E. F, von Homeyer . . 47
8. Compendium der neu beschriebenen Gattungen und Arten. IL, Von
Ant. Reichenow und Herm. Schalow, (Fortsetzung von
Sa ER ee VA)
Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin:
9. Bericht über die September-Sitzung. Verhandelt Berlin, 1. Sep-
tember 1879, (Cabanis: Ueber Macronys tenellus als Typus von
Tmetothylacus n. gen. — Reichenow:; Bericht über neue Arten
von Ost-Africa.) ® [ ® ° . o . D . 437
10. Bericht über die Doler Sikzune, Werhandelt en 6. eb 1879.
(A. Brehm: Jagdausflug nach Spanien.) . . : 441
11. Bericht über die November-Sitzung. Verhandelt Bein, 3, No
1879. (Cabanis: Ueber Corythaix Schuetti n. sp. von Angola.) . 445
Nachrichten:
12. An die Redaction eingegangene Schriften . » «© oe oe 0 0 0. 47
Index der systematischen Namen des XXVII, Jahrganges, 1879 . . 449
I INHALT.
Tafeln des Jahrganges,
I. Fig. 1. Cosmopsarus regius Rchnw. Siehe Seite 324.
Fig. 2. 3. Speculipastor bicolor Rchnw. 2 $ 3 2 Siehe Seite 324.
Fig. 4. 5. Eier von Ixos zanthopygius Hmpr. Ehbg. Siehe Seite 304.
II. Fig. 1. 2. Uraeginthus ianthinogaster Rchw. 1. $ 2. 2 Siehe Seite 353,
Fig. 3. Pitylia caniceps Rchw. Siehe Seite 352.
Fig. 4. Euplectes diadematus Rchw. Siehe Jahrg. 1878 Seite 354.
JOURNAL
für
ORNITEHOLOGIE
Siebenundzwanzigster Jahrgang.
Zwölf Frühlingstage an der mittleren
Donau.
Von Kronprinz Rudolf von Oesterreich,
E. F. von Homeyer und Brehm.
Vorbemerkung:
Angeregt durch empfangene Berichte hatte Erzherzog Rudolf
- beschlossen, in vergangenem Frühjahre das mittlere Donauthal zu
besuchen, um grössere Raubvögel an den ihm bekannt gewordenen
Horsten zu beobachten und zu erlegen. Eingeladen zur Jagdreise
_ waren Seine Königliche Hoheit, Prinz Leopold von Bayern,
Seine Excellenz, Graf Bombelles, ÖObersthofmeister des Kron-
prinzen, und die beiden Mitverfasser nachstehender Zeilen. Zwölf
volle Tage konnten der Jagd und der Beobachtung gewidmet werden;
- die Ergebnisse der letzteren sind es, welche nachstehend folgen.
Wohl wissen wir, dass es ein misslich Ding ist, gemeinschaft-
lich einen Reisebericht zu verfassen; wenn aber drei Vogelkundige
zu gleicher Zeit und am gleichen Orte beobachten, dürfte ein Zu-
sammenfassen ihrer Forschungen doch wohl -die geeignetste Form
der Darstellung sein. Dies schliesst nicht aus, dass der eine oder
_ der andere gelegentlich allein das Wort nehmen wird; nur möchten
lieh inhaltlosen Beobachtungen als gemeinsames Eigenthum be-
trachtet wissen. Schon an Ort und Stelle wurden allabendlich die
über Tags gewonnenen Erfahrungen gegenseitig ausgetauscht und
mitzutheilenden Maasse und Färbungen nackter Theile die Frucht
emeinschaftlicher Arbeit sind.
Cab. Journ. f. Ornith. XXVIL, Jahrg, No. 145. Januar 1879. 1
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2 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm: .
Reisebericht.
Ein herrlicher Morgen begrüsst uns in Pest, welches wir
nach nächtlicher Bahnfahrt in der Frühe des 23. April erreichen.
Das stolze Kaiserschloss in Ofen liegt frühlingsduftig, übergossen
von der reinen Morgensonne, vor uns; das erste Grün des jungen
Jahres schmückt die Gärten an den Bergen. Nur wenige Minuten
verweilen wir in Pest. Schon um sieben Uhr rauscht das schnellste
Schiff der Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft „Kronprinz Rudolf“
auf dem stattlichen Strome dahin. Nicht mehr die „grüne Donau“
Ober- und Unterösterreichs ist es, welche uns zur Strasse wird,
sondern die „blonde“ Donau Ungarns, getrübt durch das fette
lehmige Erdreich, welches der rasche Strom inzwischen von seinen
Ufern abgespült oder durch Nebenflüsse erhalten hat. An den
mit Weinbergen bedeckten, hier und da aber als steile Felsen-
wände vor das Auge tretenden Bergen des rechten Ufers, auf
denen der Mauerläufer vorkommen soll, geht es vorüber; aber nur
noch eine kurze Strecke weit begleiten sie das Ufer. Bald unter-
halb der Stadt verflachen sie sich; an Stelle der Berge treten
kahle Sand- oder Lehmhügel, hier und da steilwandig zum Strome
abfallend; dann und wann säumt auch schon frisches Grün das
eine wie das andere Ufer oder überzieht kleine Inseln und Halb-
inseln. Weisspappeln bilden auch hier den Hauptbestand; da-
zwischen sind Weiden, Weissbuchen, wie einzelne Rüstern und
Eichen eingesprengt. Das linke Ufer ist gänzlich flach und aus-
druckslos; erst tiefer im Innern begrenzt Wald den Gesichtskreis.
Flache, wiesenartige Stellen bieten hier dem Kibitze erwünschte
Aufenthaltsplätze. Im Strome selbst liegen viele Schifismühlen
vor Anker: einfache Bauten mit Schindeldach, auf dem die Bach -
stelze Kerbthiere fangend dahinschreitet. Dann und wann gleiten
wir an einem Dorfe vorüber, dessen einfache Häuser Rauch-
schwalben, einmal auch Mehlschwalben, umschweben.
Unterhalb und gegenüber dem Städtchen Ereseni beginnen
Auen, theils auf die Inseln sich beschränkend, theils beide Ufer
des Stromes einnehmend. Auf der Insel Adony laden Reiher
und Milane zum Aussteigen ein, und ein ziemlich stark bevöl-
kerter, über den ganzen Wald auf mehre Kilometer hin ausge-
dehnter Reiherstand bietet Gelegenheit zu ergiebiger Jagd. Kräch- |
zend erheben sich die massenhaft hier hausenden Saatkrähen von |
ihren Horsten; mit ihnen entfliehen erschreckt die Fischreiher, |
während einzelne bereits vertretene Nachtreiher die Horste |
{ Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. %)
umkreisen, und die in einer mässig grossen, gedrängten Colonie
wohnenden Scharben aus sicher scheinender Höhe auf uns her-
niederblicken, bis das Gewehr auch unter ihnen aufzuräumen be-
ginnt. Der Lärm, welchen in dieser gemischten Ansiedelung die
Krähen verursachen, ist so bedeutend, dass das heisere Gekrächze
der Reiher davon fast verschlungen wird. Der Boden der Inseln,
üppiger Schlammgrund, welchen der Blüthe nahe Maiblumen stellen-
weise so dicht bedeeken, dass sie einen ununterbrochenen Teppich
bilden, trägt vielfach die Spuren der oben in der Höhe hausenden
schwarzen und grauen Gesellen. Auf höher gelegenen Stellen
wuchert die Brombeere in solcher Fülle, dass man schon jetzt viel-
fach am Gehen gehindert wird. Glücklicher Weise trägt dieselbe,
wie wir sie am ganzen Donaulaufe fanden, keine Stacheln. Nesseln
von ungemein üppigem Wuchse und Hartriegel vervollständigen
den Unterwuchs, welcher in späterer Zeit durch vielen Hopfen noch
dichter wird.
Abgesehen von den grossen Brutvögeln ist der Wald arm;
freilich werden Stimmen, Schläge und Gesänge, wenn vorhanden,
von jener Geschrei meist übertönt; aber die kleinen Vögel lieben
es auch nicht, die unmittelbare Nähe so lärmender Nachbarn auf-
zusuchen, ja verlassen sogar langjährig bewohnte Orte, wenn Saat-
kräben sich dort ansiedeln. Ein dem Sprosserschlag täuschend
ähnlicher Gesang fesselt die Aufmerksamkeit und lockt in niederen,
von mehren gleichartigen Vögeln bewohnten Bestand; der Schuss
aber, welcher einen der genannten Sänger fällt, bereichert die be-
ginnende Sammlung nicht mit dem Sprosser, sondern mit dem
Zweischaller, einem von der Nachtigall nicht zu unterschei-
denden Vogel. Spärlich lässt das Müllerchen sich vernehmen,
wogegen das Schwirren des Waldlaubsängers öfter gehört
wird. Ein Buntspecht erscheint, angelockt durch nachgeahmtes
Pochen, in der Nähe des Beobachters; von anderen Arten seiner
Familie ist nichts zu sehen. |
Die eben besuchte Insel Ädony ist von manchen früheren
Reisenden als ein Hauptbrüteplatz verschiedener Vögel gerühmt
worden. Ausser Ardea cinerea, Ardea nycticorax (in Menge) und
Carbo cormoranus nistet daselbst Ardea garzetta in bedeutender
Anzahl. Landbeck giebt das ungefähre Verhältniss so an: Ardea
nycticorax 2000, A. einerea 500, A. garzetta 100 und Carbo cormo-
ranus 200 Stück. Von Raubvögeln Aguila albieilla und A. im-
perialis. Damals, vor etwa vierzig Jahren, war die Insel sehr
4 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
sumpfig, mit fast undurchdringlichem Untergebüsch bewachsen und
mit riesigen Weisspappeln bestanden, so hoch, dass ein Schrot-
schuss die Spitzen der Bäume kaum erreichte. Heute ist der
Wald sehr gelichtet und der Boden trocken gelegt, daher weder
ein Urwald, noch eine Wildniss und nicht mehr das Eldorado für
die Vogelwelt, wie in früherer Zeit.
Von hohem Interesse ist, was Landbeck über diese Insel
mittheilt. Wir sehen daraus, dass die Bevölkerung derselben im
Laufe der Zeit wesentliche Aenderungen erlitten. Landbeck
erhielt diese Mittheilungen durch den damaligen Aufseher der
Insel Franz Müller, einen Mann, welcher sich für die Vogelwelt
lebhaft interessirte und sich durchaus zuverlässig zeigte.
Vor dem Jahre 1817 gab es weder Reiher noch Scharben auf
der Insel; aber die Saatkrähen waren so zahlreich vertreten, dass
viele Bäume im wörtlichen Sinne mit ihren Nestern bedeckt waren,
Das erwähnte Jahr war — wie bekannt — durch ganz Europa
ein Nothjahr, und die Landleute kamen auf die Idee, dass die
schwarzen Vögel die Schuld trügen. Ein Vertilsungskrieg gegen
dieselben wurde unternommen, so dass die Krähen die Insel fast
gänzlich mieden. |
Im Jahre 1818 erschienen nun vier Paare grauer Reiher, welche
im nächsten Jahre mit einigen hundert ihrer Art wiederkehrten
und die Krähen von ihren besten Plätzen verdrängten, so dass die
Mehrzahl die Insel verliess.
Im Jahre 1821 zeigten sich eine Menge Nachtreiher, welche
die verlassenen Krähennester in Besitz nahmen, später aber auch
angriffsweise gegen die Krähen vorgingen.
Im Jahre 1826 fanden sich die ersten Silberreiher ein, ver-
mehrten sich jedoch nicht, wie die Nachtreiher, indem ihnen wegen
der schönen Rückenfedern zu sehr nachgestellt wurde.
Das folgende Jahr brachte die ersten Scharben, welche sich
unter heftigen Kämpfen mit den grauen Reihern daselbst nieder-
liessen, später jedoch friedlich neben denselben horsteten.
Nach ungefähr fünfstündiger Jagd fahren wir weiter. Die
Landschaft wird wechselvoller als bisher; grosse Dörfer mit zwei
bis drei stattlichen Kirchen an beiden Ufern bieten oft recht be-
lebte Bilder. Zahllose Schiffsmühlen bekunden den Getreidereich-
thum des Landes. Nach kurzer, freilich sehr rasch fördernder
Fahrt folgen Auwälder in meilenweiter Ausdehnung, dann wiederum
Felder und Dörfer. Die Waldungen schliessen oft nach allen Seiten
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 5
hin den Gesichtskreis ab. Ein dichter Ufersaum von Weiden be-
grenzt sie nach dem Strom zu; sie überhöhen höhere Bäume der-
selben Art oder Weisspappeln; weiter nach innen endlich erheben
die ältesten und riesigsten Stämme des Bestandes ihre mächtigen
Kronen: prachtvolle Silberpappeln und einzelne Eichen, theilweise
noch strotzend in der Fülle des Lebens, theilweise wipfeldürr,
theilweise gebrochen, theilweise am Boden liegend und hier ver-
‘ morschend und vermodernd. Hier und da trifft das Auge auf eine
Lichtung mitten im grünen Walde; dann und wann weilt es auf
einer wenig über dem Spiegel sich erhebenden, oft überflutheten
Insel oder einer über und über mit dichtem Weidengestrüppe be-
deckten Sandbank. Es sind Auen, zwischen denen wir uns be-
wegen, Auen, welche in vieler Hinsicht denen der oberen Donau
ähneln, sie an Grossartigkeit überbieten, an Anmuth und Wechsel
aber weit hinter ihnen zurückstehen. Der Strom theilt sich fort-
während in neue Arme, umschliesst mit ihnen Hunderte von grösseren
und kleineren Inseln, breitet sich demgemäss weit nach rechts und
links und beherrscht vollkommen die Landschaft; doch gestatten
die Waldungen dann und wann noch einen Blick auf den Hügelzug,
welcher in grösserer Entfernung vom Ufer als bisher den Strom
begleitet. Einen Blick in das innere Land zu werfen, ist selten
erlaubt; wenn es der Fall, lachen fruchtbare Ebenen mit blühenden
Rapsfeldern dem Auge entgegen.
Von Vögeln sieht man wenig. Was in dem Innern der Wälder
lebt, bleibt verborgen; nur was in der Höhe zieht und schwebt oder
auf dem Flusse schwimmt und taucht, kommt zu Gesicht. All-
überall beschreibt der Milan seine sanft geschwungenen Kreise;
sehr einzeln zieht auch ein Königsmilan seine Bahn; eine und
die andere Nebelkrähe schwebt vorüber; Enten!), welche im
Strome fischten, erheben sich, eilen längs einer der grünen Wald-
_ hecken dahin und verschwinden zwischen den Wipfeln der höheren
Bäume.
Abends fahren wir bis Batina, wo wir vor Anker gehen.
Eine kalte Nacht bannt uns in das Innere der Cajüte, und der
_ unter heftigen Winden hochgehende Strom wiegt uns bis zum
nächsten Morgen, welcher, obgleich sich der Wind noch nicht
gänzlich gelegt hat, einen schönen, sonnigen Tag verspricht.
In der ersten Dämmerfrühe des 24. April hat unser Schiff den
') Anmerkung. Gewöhnlich Anas boschas und Anas querquedula.
6 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Ankerplatz verlassen und uns dem Städtchen Apatin zugeführt.
Musik und Hochrufe begrüssen, Hochrufe und Böllerschüsse verab-
schieden den Erzherzog nach kurzem Weilen an der Landungs-
brücke des Städtchens, welches wir. nur aufgesucht haben, um
helfende Leute an Bord zu nehmen. Stromaufwärts geht es wieder
bis zur sogenannten Alten Donau, von welcher sich ein Arm, der
Speckgraben, abzweigt. Ihn mit dem Dampfer zu durchfahren,
wagt unser Schiffsführer nicht; wir steigen daher bei einer Fischer-
hütte an’s Land und sodann in das ziemlich grosse Reiseboot
„Vienna“ des uns begleitenden strom- und vogelkundigen Sammlers
Hodek, welcher die Verpflichtung übernommen hat, die gewonnene
und noch zu gewinnende Jagdbeute zu präpariren. Nicht weniger
als - fünfzehn kleine Nachen, wahre ‚Seelenverkäufer“, Szickeln
(spr. Tschickeln), folgen uns wie junge Enten der führenden Alten.
Bald umgiebt uns rechts und links dichter Auwald, dessen Inneres
der Schauplatz unserer heutigen Jagd sein soll. Nach etwa andert-
halbstündigem Rudern in dem genannten Arme empfängt uns der
Wirthschaftsdireetor der Herrschaft Bellye, eines 109,960 Joch
oder fast elf geographische Geviertmeilen umfassenden Besitz-
thumes des Erzherzogs Albrecht, theilt Jedem von uns eine
Strecke des Waldes zu, giebt uns einen ortskundigen Förster,
grössere und kleinere Ruderboote mit und wünscht uns nach
Jägerbrauche Waidmannsheil.
Nunmehr dringen wir zum ersten Male, bald auf trockenen,
bald auf nassen Pfaden vorschreitend, in das Innere des Waldes,
einer Wildniss, wie sie innerhalb der Grenzen Deutschlands kaum
gefunden werden kann. Der Wald ist nur auf wenigen Stellen
zugänglich, im grossen Ganzen nichts anderes als ein ungeheures
Bruch, aus welchem sich riesige Bäume, Eichen, Weiden, Pappeln
und Weissbuchen, erheben. Mächtige Stämme, vom Alter, vom
Sturme, vom Blitze, vom leichtsinnig angezündeten Feuer des Hirten
gefällt, liegen vermorschend und verfaulend im Wasser, nicht selten
schon zum Nährboden jüngeren, üppig aufgeschossenen Busch-
werkes geworden, andere, noch weniger von Verwesung ergriffen,
sperren Weg und Steg. Abgefallenes Holz, von dicken Stamm-
theilen an bis zu den dünnsten Aesten, zusammengeschwemmt vom
Winde, stellt schwimmende Inseln und Zungen dar, welche den
kleinen Booten nicht allzu selten Halt gebieten. Aehnliche Schwimm-
bänke, aus Rohr und Schilf bestehend, bedecken oft weite Strecken
des Bruches. Auf erhöhten Schlammbänken wuchern verschiedene
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 7
Weiden- und Pappelarten üppig auf. Weite Strecken sind mit Schilf
und Rohr bestanden, Flächen von meilenweiter Ausdehnung nichts
anderes als Rohrwaldungen, aus denen kein Baum, nur hier und da
eine Zwergweide sich erhebt. Was jene Dickichte und die Rohr-
bestände bergen, bleibt jetzt Geheimniss; denn noch sind die meisten
Stellen der Brüche so gut als unbevölkert; nur die Säume dieser
Waldwildnisse vermögen wir zu durchforschen, nur auf breiter
Wasserstrasse uns zu bewegen. Es ist noch zu früh im Jahre, als
dass unsere Erwartungen befriedigt werden könnten; .aber es er-
scheint auch ausserordentlich schwierig, von dem wirklichen Vogel-
leben innerhalb dieser Auwaldungen ein richtiges Bild zu gewinnen.
Ihr Saum ist weniger bevölkert, wie dies bei grösseren Wäldern
sonst zu sein pflegt, vielleicht theilweise deshalb, weil das Innere
ganz ähnliche Plätze bietet, theils aber und wesentlich wohl wegen
der häufisen Ueberschwemmungen, welche es vielen Vögeln zeit-
weise erschweren, ihre Nahrung zu suchen, auch viele Nester zer-_
stören. Daneben ist auch die frühe Jahreszeit zu berücksichtigen.
Immerhin ist die kleine Vogelwelt, etwa mit Ausnahme von Fink
und Staar, nur schwach vertreten. Und noch Eins fehlt uns: der
Gesang der Vögel ist hier nicht unerheblich verschieden von dem,
welchen wir in Deutschland zu hören gewohnt sind. Singdrossel
und Fink, gegenwärtig noch zweifellos die häufigsten Sänger des
Waldes, schlagen zwar sehr fleissig, jedoch so stümperhaft, wie wir
es noch nirgends gehört. Nicht einmal Nachtigallenschlag und
Grasmückengesang können sich mit dem unserer Heimath messen,
und nach dem Sprosser lauschen wir vergeblich.
Nach mehrstündiger Jagd vereinigen wir uns wieder an der-
seiben Stelle, von welcher wir auszogen. Fünf am Horste erlegte
Seeadler, drei einem der Horste entnommene Junge dieses Vogels,
ein Waldkauz, zwei Kukuke, ein Bunt- und ein Klein-
specht, eine weissäugige Ente bilden die Jagdbeute.
Der nächstfolgende Tag findet uns jagend in einem anderen
Theile des Gebietes. Wiederum sind es vornehmlich Seeadler-
horste, welche uns zur Jagd locken. Ausserdem besucht Erzherzog
Rudolf einen Uhu- und einen Kolkrabenhorst. Brehm und
Homeyer widmen den Tag vorzugsweise der Beobachtung.
Der 26. April ist zu einem Ausfluge nach dem Keskenderwalde
bestimmt. Morgens um fünf Uhr verlassen wir das Schiff und fahren
vom ersten Damme ab, zunächst durch den Auwald, welcher hier
nur als schmaler Saum den Strom begrenzt, dem Innern des Landes
8 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
zu. Nach wenig Minuten erreichen wir eine erst am fernsten Ge-
sichtskreise durch niedere Hügel begrenzte Ebene, welche bis auf
wenige Teiche und Sümpfe vollständig in regelmässigen Anbau
genommen ist. Tiefgründiger Boden von ausgezeichneter Be-
schaffenheit lohnt alle Mühe des Landwirthes reichlich; nur die
Trockenheit, welche im Sommer zu herrschen pflegt, verursacht
zuweilen Missernten. Das Land ist trotz der spärlichen Be-
völkerung der Herrschaft vorzüglich bewirthschaftet und zeigt
überall, dass die Leitung sich in besten Händen befindet. Unser
Weg führt uns durch Felder, an herrlichen jungen Eichenculturen
vorüber nach der Ortschaft Albertsdorf, und von hier aus dem
vor uns liegenden Keskenderwalde zu. Letzter, welchen wir nach
etwa zweistündiger Fahrt erreichen, besteht der Hauptsache nach
aus Weissbuchen (Hornbäumen), demnächst aus Eichen (Quereus
pendula), weniger Q. robur, viel Linden, Vogelkirschen, wilden
Obstbäumen, Ahorn, sehr einzelnen Pappeln; auch sollen nach Aus-
sage der Förster einige Rothbuchen vorhanden sein.
Ausserordentlich reich in ist diesem überall schön gepflegten
Walde das Unterholz vertreten, sobald das Alter der Bäume dies
gestattet. Dasselbe besteht aus Liguster, Hartriegel, Zwergahorn,
Schwarz-, Kreuz- und Weiss-Dorn, einzelnen Ulmen und vielen
Linden (Tilia parvifolia). Ausserordentlich üppig, trotz der frühen
Jahreszeit, war auch der Pflanzenwuchs. Der fast überall am
Boden wuchernde Epheu wuchs oft bis in die Kronen hoher Bäume,
ähnlich, doch nicht ganz so hoch, der viel vertretene wilde Wein,
von welchem zwei Arten — mit rother und mit weisser Frucht —
vorkommen. Grosse Strecken waren mit Immergrün dicht bedeckt,
der eben in voller Blüthe stand, was für Norddeutsche um so in-
teressanter war, als diese Pflanze in ihrer Heimath fast nie im
wilden Zustande blüht. Arum maculatum, verschiedene Digitarien
und manche andere Pflanzen zeugten von dem Reichthume dieses
Waldes für den Botaniker in einer späteren Zeit.
In diesem Walde sahen wir auch eine Nadelholzeultur ( Pinus
austriaca), die einzige auf unserer ganzen Reise. Ueberhaupt war
die Beschaffenheit des Waldes gänzlich abweichend von dem, was
wir-in der Nähe der Donau gesehen, und auch das Vogelleben reicher. =
Felder umgeben den Wald ringsum, und somit bildet er
einen herrlichen Aufenthalt für verschiedene Adler, Falken, Wald-
störche und andere grosse Horstvögel. Schön begraste breite Ge-
stelle durchziehen ihn in regelmässigen Abständen und werden so
z
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 1)
zu bequemen Wegen. Eine von den Forstleuten kurz vorher auf-
genommene Karte bezeichnet jeden der aufgefundenen Horste in
übersichtlicher Weise.
Nach kurzer Rast trennt sich die Jagdgesellschaft, und auf
leichtem Bauernwagen eilt Jeder dem ihm zugewiesenen Theile des
Waldes zu. Abgesehen von den in demselben horstenden grossen
Gesellen, sehen wir besonders Finken, Singdrosseln, Staare,
Buntspechte, Spechtmeisen und Meisen, nicht selten den
Waldlaubsänger undden Halsbandfliegenfänger; ausser
ihnen aber bemerkt man nur wenig kleines Volk. Dabei ist jedoch
zu berücksichtigen, dass der Zug der Sylvien, wenigstens in der
Mehrzahl der Arten, noch kaum begonnen hat, was für die elima-
tischen Verhältnisse zwar auffallend erscheinen mag, jedoch mit
den Beobachtungen früherer Reisenden durchaus übereinstimmt.
Obwohl erst vor wenig Tagen von dem Eintreffen des Erz-
herzogs benachrichtigt, hatten Förster und Waldläufer, welche im
Allgemeinen nicht besonders auf die Raubvögel des Waldes zu
achten pflegen, doch die Horste von einem Schlangenbussard,
vier Fischadlern und einundzwanzig Waldstörchen aufder
erwähnten Karte verzeichnet. Dass bei weitem nicht alle Horste
gefunden sein konnten, bewiesen uns sechs Schreiadler, mehre
Edelfalken und eine grosse Eule, welche gesehen wurden. Was
- sich sonst noch von kleineren Räubern im Walde aufhalten mochte,
blieb gänzlich unbekannt. Ein Schlangenbussard, zwei
Fischadler und neun schwarze Störche nebst einigen kleinen
- Vögeln bilden das Ergebuiss der heutigen Jagd.
| Der Rückweg führt uns über mehre Dörfer auf einer guten
Hochstrasse dahin. Auf den Bäumen am Wege sitzen viele Thurm-
falken, Elstern, Blauraken, Nebelkrähen und sehr zahl-
reich Grauammern. Die Blauraken befinden sich offenbar auf
_ dem Zuge, wahrscheinlich auch die Mehrzahl der Thurmfalken.
Y Im Vorüberfahren werden denn auch noch eine Anzahl ver-
schiedener Vögel für die Sammlung erlegt. Nach fünfstündiger,
_ obwohl rascher Fahrt durch das fruchtbare Land erreichen wir
mit der Dunkelheit und hart vor Ausbruch eines heftigen Ge-
_ witters wiederum unser Schiff.
Trübe und regnerisch ist der folgende Tag, ungünstig zum
Jagen und zum Beobachten. Wir verweilen daher nur am Morgen
in den Wäldern und brechen schon um die Mittagszeit zur Weiter-
reise auf, Das Gepräge der Landschaft verändert sich nicht we-
10 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
sentlich. Die Ufer sind eintönig, jedoch nicht reizlos. Die ver-
schiedenen Weiden und Pappeln, jetzt ausnahmslos im frischen
Frühlingsgrüne, zum grössten Theile auch noch im Schmucke ihrer
Blüthenkätzchen, mögen im Sommer wohl sehr einförmig sein,
bieten aber gegenwärtig noch so viel Abwechselung der Färbung,
dass die Wälder hier und da geradezu bunt erscheinen. Wenn aber
des Nachmittags, wie zur Zeit fast die Regel, wiederum ein Ge- |
witter aufsteigt, der Himmel dunkelt, die düsteren Wolken sich
schichten, bieten Luft und Wald und Strom ein geradezu gross-
artiges, obschon mehr erhabenes als schönes Landschaftsbild.
Auffallend ist die Oede und Vogelarmuth der ungeheuren Wasser- 1
flächen. Keine Möve, keine Seeschwalbe, nur wenige Enten
zeigen sich auf dem Strome; blos der unvermeidliche Milan,
welcher über allen Wäldern schwebt, und dann und wann ein See-
adler, ein Reiher, vielleicht auch ein Flug Nachtreiher ziehen
in hoher Luft vorüber: von dem reichen Vogelleben aber, wie wir
es uns geträumt, bemerken wir nichts.
Wir landen in später Abendstunde bei Gombosch und fahren
am Morgen des 28. April bis zu dem Dorfe Czerevitz, von
welchem aus wir bis zum 2. Mai die herrliche Fruszka Gora durch-
streifen. Graf Rudolf Chotek empfängt und begrüsst uns zu- |
gleich im Namen seines Bruders Otto, des Grundherrn und be-
ziehentlich Pächters unseres Jagd- und Beobachtungsgebietes, und
seine Anordnungen sind so umsichtig getroffen, seine Aufmerksam-
keit, Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit so unerschöpflich,
seine Kenntnisse des Landes, der Leute und der Thierwelt so tief-
gehende, dass die in der Fruszka Gora verlebten Tage zu den
schönsten der ganzen Reise werden. Führer, Wagen und Reitpferde
stehen bereit, uns in die Berge zu führen. Wir brechen daher auf,
sobald die sonntäglichen Pflichten dies gestatten, und wenden uns
den grünen Wäldern zu.
Die Gegend, welche wir durchfahren, um zu den von Graf
Chotek’s Leuten erkundeten Horsten des Kuttengeiers (Vultur
cinereus) zu gelaugen, ist sehr anmuthig. In der Nähe des Dorfes
breiten sich Felder aus, über denselben an den Höhen vor dem
Walde Weinberge, dahinter in den Schluchten des Gebirges grosse |
Obst-, namentlich Pflaumengärten, deren Ertrag ein bedeutender
sein soll. Die Wege führen hier vielfach in und neben den kleinen
Wasserläufen und bilden tiefe Einschnitte in das hügelige Land,
oder folgen diesen Einschnitten. Die Hänge an den Wegen sind
Se Sei ei nee
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 11
vielfach mit dichtem Gebüsch bekleidet, darunter prächtig blühende
Cidonien (Crdonia vulgaris), Flieder (Syringa vulgaris) und Zwerg-
kirschen (Prunus chamaecerasus.).
Der Pflanzenwuchs am und im Walde ist herrlich und soll
in späterer Jahreszeit von unbeschreiblicher Pracht sein. In der
That, er muss schön sein; denn er zieht den berühmten Botaniker
Erzbischof Heynald fast jährlich herbei, und auch der einfache
Waldläufer wusste davon zu erzählen. Von der ersten Höhe
aus bietet sich ein prachtvoller Anblick des Stromes und seiner
Arme, der Auwaldungen und der weiten Ebene. Bald aber ver-
schwinden Strom und Dörfer, und ein stilles Waldthal nimmt uns
auf. Steil fallen von beiden Seiten die Bergwände zu ihm ab; zwar
nicht hoher, aber dichter Wald deckt sie wie die Höhe der Berge.
Weiss- und Rothbuchen, Linden (Tilia pannonica, parvifolia und
grandifola, vorzüglich aber Eichen (Quercus pendula, robur und
cerris), mehrere Ahorn, Ulmen und Frasinus ornus bilden den
Hauptbestand; niedere dichte Gebüsche umsäumen überall die
Ränder, und hundert Nachtigallenkehlen schmettern uns aus ihnen
Willkommengrüsse entgegen. Augen und Ohren in gleicher Weise
erlabend, streben wir dem vor uns liegenden Höhenrücken des Ge-
birges zu. Die Fruszka Gora ist ein Zweig der carnischen Alpen,
wesentlich aus Kalkstein bestehend, doch mit Sandstein untermischt.
Die Abhänge erhalten dadurch ein gelbröthliches Ansehen, was
jedoch ihrer Fruchtbarkeit keinen Abbruch thut.
Je tiefer wir in die Berge eindringen, umsomehr befriedigen
sie uns. Die Fruszka Gora ist ein Waldgebirge der köstlichsten
Art. Nicht oft lohnen weite Blicke den Wanderer, welcher ihre
Gipfel erklimmt, aber heimliches Waldesdunkel umgiebt ihn. Die
höchsten Punkte steigen bis ungefähr 900 Meter Seehöhe auf und
bilden mit flach eingesenkten Sätteln dazwischen einen Kamm, welcher
wesentlich in östlich-westlicher Richtung verläuft, aber nach Osten
wie nach Süden hin mehr oder weniger steil abspringende niedere
Ketten entsendet, welche, von irgend einer der Höhen aus be-
trachtet, einen entzückenden Anblick gewähren. Klettert man an
einer dieser Wände -aufwärts, so gelangt man oft an Stellen des
Waldes, denen die Axt bisher fremd geblieben, weil jene die Ab-
fuhr gefällten Holzes kaum gestatten. Auf solchen Stellen fesselt
urwüchsige Waldespracht Herz und Sinn. Riesenhafte Buchen,
glattstämmig bis zum mächtigen Wipfel, erheben sich aus moderndem
Laube und Geniste, in welches der Fuss des Wanderers einbricht
12 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
bis zum Knie; knorrige Eichen recken ihre dürren zackigen
Wipfeläste in die Luft, als ob sie einen der gewaltigen Raub-
vögel einladen wollten, auf ihnen den Horst zu erbauen; hohe |
Linden bilden auf Strecken hin ein so geschlossenes Blätterdach, '
dass der Sonnenstrahl nur als vielfach gebrochener Widerschein
zum Boden herabzittert. Wenn nun auch hier, wenigstens um
die jetzige Zeit, das Vogelleben nicht so reichartig ist, als es
wohl sein könnte, fehlt es doch nicht an Sang und Klang. Edel-
fink und Singdrossel, Amsel und Rothkehlcehen füllen
den Wald mit frischem Schlage und melodischem Liede; der Kukuk
ruft seinen Frühlingsgruss von Berg zu Berge, der Grünspecht
seinen schallenden Paarungslaut aus der Tiefe einsamer Schluchten '
herauf, der erst jüngst eingetroffene Pirol flötet sein einfaches '
und doch so wohltönendes Frühlingslied; Ringel- und Hohl-
taube rucksen um die Wette; der Waldlaubsänger schwirrt '
seine Strophe ab; Kleiber und Meisen lassen sich ver-
nehmen: ganz besonders aber belebt die Fruszka Gora die in ihr
überaus häufige Nachtigall, welche in der Tiefe, aber auch auf
der Höhe zusagende Wohnplätze findet und um die jetzige Zeit in
vollem Feuer schlägt vom frühesten Morgen an bis zum späten
Abende. Mehr als zu hören, giebt es zu sehen. In der Fruszka |
Gora brütet eine viel grössere Anzahl von Geiern und Adlern, als
man erwarten kann, wenn man von der Donau aus einen und den
anderen der stolzen Vögel in ungemessener Höhe seine Kreise
ziehen sieht. Schon der erste Jagdtag lieferte zwei Kuttengeier |
und einen Gänsegeier (Vultur cinereus und fulvus), die nächst-
folgenden steigerten die Anzahl der erlegten Kuttengeier auf sieben
und bereicherten die Sammlung durch Kaiser-, Schrei- und
Zwergadler, sowie andere, jedem Jäger und Sammler willkommene
Beutestücke. Allmorgentlich ziehen wir mit berechtigten Hoffnungen
hinaus in die schönen Wälder; allabendlich kehren wir befriedigt
zurück. Wenn aber der letzte Sonnenstrahl verglommen, sammelt
sich um das uns zum gemüthlichen Heim gewordene Schiff der '
jüngere Theil der serbischen Bewohner von Czerevitz. Geige und |
Dudelsack einigen sich zu wundersamer, obgleich überaus einfacher
Weise, und Burschen und Mädchen schwingen sich, zu eigener
Lust und uns zu Ehren, im volksthümlichen, ebenmässig wogenden ei
Reigen. E
Das rechte Donauufer in der Nähe von Czerevitz fällt hier '
und da steilwandig zum Strome ab und zeigt an allen geeigneten
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 13
"Stellen die Brutlöeher des Bienenfressers neben denen der
"Uferschwalbe. Aber vergebens spähen wir nach erstgenanntem
Vogel, von dem Jedermann uns sagt, dass er hier häufig vorkommt.
eine Zeit ist noch richt erschienen; die Ankunft mag vielleicht
‚in ‚einer Woche erfolgen. Dagegen Döherberkt eine steile Wand,
wie sie der Bienenfresser liebt, einen Brutvogel, welchen wohl
2 ca hier erwartet haben möchte, den Uhu, dessen Horst dem
‚Erzherzoge angezeigt wird und zu eludcheher Jagd Gelegenheit
bietet. Weiter vom Strome ab, auf den Feldern und Weinbergen,
N hat der Steinröthel seinen Stand genommen; auf den die Felder
durchziehenden Wegen treiben sich Haubenlerchen umher; die
inzelstehenden Obstbäume gewähren der theils jüngst ange-
"kommenen, theils noch auf dem Zuge befindlichen Turteltaube
erwünschten Aufenthalt; die Gärten am Dorfe und alle Gebüsche
-schallen wieder von dem Rufe des Pirols und dem Klappern des
eben und in a Weidendickicht übergehen, vernehmen wir
"immer und überall den Schlag der Nachtigall, nicht aber den
des Sprossers.
3 Am Nachmittage des 2. Mai setzen wir auf das linke Ufer
(des Stromes über ‚ landen am oberen Ende der ziemlich grossen,
"echt ungarischen Stadt Futtak, besteigen bereitstehende, vor-
"züglich bespannte Wagen und en uns, wie immer verschiedene
"Wege einschlagend, nach benachbarten Wäldern, um die dort er-
Er die Gegend en in welcher wir uns befinden. In ideni
Valdungen horsten Kaiser-, Schrei- und Zwergadler,
Pate und Milane un vielleicht manch’ anderer Raub-
B er und Brehm inlen: ein Paar Wespenbussarde,
‘von denen keiner der Jäger etwas weiss, ihren schönen Flugreigen
auf. Mit reicher Beute beladen kehren Erzherzog Rudolf und
Prinz Leopold nach der gewöhnlichen Landungsstelle der Dampf-
Schiffe zurück, an welcher inzwischen unsere schwimmende Woh-
Mung angelangt ist. Mit warmem Danke und aller Befriedigung
EEE
14 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
scheiden wir von Graf Rudolf Chotek, dessen vorzügliche An-
ordnungen unvergessliche Tage geschaffen haben, dessen herzge-
winnende Persönlichkeit uns Allen lieb geworden war. Aber auch
Graf Chotek darf mit Genugthuung auf die Jagdtage zurückblicken;
war es doch seinen echt waidmännischen Anordnungen gelungen,
nicht allein seinen allerhöchsten Gästen, sondern uns Allen die
vollste Befriedigung in Ausübung seltener Jagden zu verschaffen,
auch uns Gelegenheit zu geben, unserer Wissenschaft zu dienen.
Unter lauten Hochrufen verlässt unser Dampfschiff die Lan-
dungsstelle von Futtak. Grüsse von beiden Seiten, gleich herzlich
gespendet, fliegen herüber und hinüber; dann entschwinden Menschen,
Häuser und Thürme der Ortschaft unseren Blicken, nur noch die
herrliche Fruszka Gora bleibt in Sicht: Nach ungefähr drei-
viertelstündiger Fahrt erreichen wir Peterwardein, die kleine,
jetzt veraltete, aber schmucke und hübsche, malerisch und wohl
gewählt gelegene Festung. Dann gehen wir in der Nähe von
Karlowitz vor Anker.
In der Frühe des Morgens fahren wir am 3. Mai bis zu der
an einem schmalen Arme der Donau gelegenen Ortschaft Kovil.
In der Nachbarschaft dieses grossen Dorfes liegen rings von Fel-
dern umgebene Waldungen gemischten Bestandes mit sehr dichtem
Unterholze, worin noch Wolf und Wildkatze hausen trotz, der
vielen und grossen Ortschaften ringsum. In diesen Waldungen
befinden sich Horste des See-, Kaiser-, Schrei- und Zwerg-
adlers, beider Milane, des Habichts, Sperbers, Thurm-
falken, des Uhu und anderer Raubvögel mehr, und ausserdem
sind sie reich bevölkert mit vielen kleinen Vögeln, von der Taube
an bis zum Zaunkönige herab.
Während Kronprinz Rudolf und Prinz Leopold der Adler-
jagd obliegen und reicher Beute sich erfreuen, schwimmen Ho-
meyer und Brehm in kleinen Czickeln einem oberhalb der Ort-
schaft liegenden, durch das gegenwärtig herrschende Hochwasser
zum weiten See gewandelten Sumpfe zu. In ihm herrscht, obwohl nur
der geringste Theil seiner Bevölkerung eingetroffen, der Zug vielmehr
noch in vollem Gange ist, bereits Leben. Zahlreiche Flüge von
Trauerseeschwalben (Serna nigra) ziehen, der Donau folgend,
nach Norden, Hunderte von Sichlern, noch zu grossen Flügen
geschaart, und jeder dieser Flüge gewöhnlich ein einziges Dreieck
bildend, wandern, offenbar Brutplätze aufsuchend, hin und her;
Fisch-, Purpur- und Rallenreiher stehen einzeln oder in
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 15
kleinen Gruppen auf ihnen zugänglichen Stellen des Sumpfes; viele
Stock- und Knäckenten halten sich paarweise auf; Rohr-
weihen tragen in den Fängen lange Rohrstengel zum schwimmenden
Horste; Steissfüsse und Wasserhühner zeigen sich. Ein
Förster empfängt uns in einem rings von der Ueberschwemmung um-
gebenen kleinen Hause und wird uns zum Führer in einem Walde,
welchen wir zum grossen Theile mit dem Kahne durchfahren müssen,
da der Hochstand des Flusses alle Auwaldungen bis an den Deich
unter Wasser gesetzt hat. Auf dieser Fahrt kommen wir an mehren
brütenden Stockenten, welche ihr Nest auf alten Kopfweiden ge-
baut hatten, vorüber, so nahe, dass die ausgestreckte Hand die
Vögel hätte erreichen können. Ohrensteissfüsse, welche auf
unserer Strasse fischten, schwimmen bei unserem Kommen seit-
- wärts in’s grüne Dickicht der tief im Wasser stehenden Weiden;
Bachstelzen laufen und fliegen, Kerbthiere fangend, von einem
Treibholzstücke zum andern; Buntspecht und Kleiber hängen
‚sich dicht über der Wasserfläche an die Stämme oder klettern bis
zu ihr herab, um in gewohnter Weise ihrer Nahrung nachgehen
zu können. Ein Bild aus dem Vogelleben verdrängt das andere;
jedes aber erscheint ungewöhnlich, denn es ist durch die obwaltenden
Verhältnisse mehr oder weniger verändert. Um zu einem See-
adlerhorste zu gelangen, müssen wir erst eine weite Strecke durch
das Wasser und den jetzt zum Sumpfe gewandelten Auwald wandern,
um einen Kolkrabenhorst zu besuchen, einen weiten Umweg nehmen.
An regelrechtes Jagen ist unter solchen Umständen kaum zu
denken; immerhin aber fällt so reiche Beute in unsere Hände, dass
der Ausflug auch jagdlich lohnt. Besonders beglückt ist Brehm,
_ weil er über einer breiten Wassertrasse ein im Bau begriffenes
Nest der Beutelmeise entdeckt und, später zu ihm zurück-
- kehrend, auch eine dieser Meisen erlegt. Der heutige Tag hat
auch darum ein besonderes Interesse, als in der Vogelwelt ein be-
-sonderes Leben herrscht; denn wie auf Verabredung ziehen die
_ verschiedensten Vögel. Recht auffällig zeigte sich dies bei Stern«
nigra. Am Morgen des Tages kamen Brehm und Homeyer an
2 einem noch schwach besetzten Brutplatz vorüber, am Nachmittage
bei strömendem Gewitterregen waren die Seeschwalben nicht allein
in grosser Zahl angelangt, sondern griffen auch die Jäger auf eine
Weise an, welche deutlich zeigte, dass sie sich am Brutplatze befanden.
Der 4. Mai versammelt die ganze Jagdgesellschaft in einem
- der geschilderten Feldgehölze, welches von den umwohnenden
16 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Bauern abgetrieben wird, in der Hoffnung, dass einer der hier
hausenden Wölfe zu Schuss gebracht werden könne. Die Wolfs-
jagd liefert wie gewöhnlich kein Ergebniss und wird deshalb bald
abgebrochen, um die wenige noch übrige Zeit lohnender Beobach-
tung der Vogelwelt des Waldes zu widmen. In der That war dieser
Wald vorzugsweise belebt, und wenn nicht die kleine Vogelwelt
noch reicher vertreten war, so liegt der Grund wohl in der grossen
Menge von Feinden, welche dieselbe überall in Ungarn und auch
hier hat. Abgesehen von Wolf, Fuchs und den marderartigen Raub-
thieren, ist die Anzahl der dort hausenden Raubvögel eine ausser-
ordentlich grosse, und es kann daher nicht verwundern, dass bei
so vielen Feinden die Anzahl der kleinen Vögel nicht im Verhält-
nisse steht zu dem schönen Walde mit alten Bäumen und dichtem
Unterholze auf dem fruchtbarsten Boden, umgeben von weiten
Feldern, eine Vereinigung von Lebensbedingungen, wie sie kaum
geeigneter sein kann. Gegen sechs Uhr Abends verlassen wir Kovil
und wenden den Bug des Schiffes wieder stromaufwärts. Nach
Sonnenuntergang erreichen wir Peterwardein; im Laufe der Nacht
fahren wir an Futtak und Czerevitz vorüber; gegen Morgen landen
wir in der Nähe des grossen Rohrsumpfes Hulo, in der Herrschaft
Bellye, um auch ihm noch flüchtig einen Besuch abzustatten. Doch
ist ein tieferes Eindringen in den Sumpf, trotz des hohen Wasser-
standes, in der kurz gemessenen Zeit nicht möglich. Das alte
noch stehende Rohr hat eine Höhe von über fünf Meter und ver-
hältnissmässige Stärke, und die leichten Kähne können nur zoll-
weise fortbewegt werden, zumal unsere Ankunft unerwartet und
die Ausrüstung der Kähne nicht auf den zeitweiligen hohen Wasser-
stand eingerichtet war. Wir müssen uns begnügen, den herrlichen
Edelreiher, nach dem wir vor Allem verlangt haben, in weiter
Ferne auf- und niederfliegen zu sehen. Eine Graugans (Anser
cinereus), welche Erzherzog Rudolf erlegt, und deren Eier, welche
er dem Neste entnimmt, ein Purpurreiher und ein schöner Baum-
falk bilden die unseren verwöhnten Augen spärliche Jagdbeute.
Noch im Laufe des Vormittags setzen wir die Fahrt fort und
gelangen am anderen Morgen nach Pest, früh genug, um den
Schnellzug benutzen zu können. Am 6. Mai Nachmittags erreichen
wir, dankbar der letztverflossenen Tage gedenkend und gleichwohl
ihre Kürze beklagend, Wien, den Ausgangspunkt unserer Reise. !)
yA nmerkung. Bei Gelegenheit dieser — wenn auch kurzen — Reise
ınusste es uns auffallen, dass die Zugzeit vieler Vögel für die elimatischen
Mn Wen a RER Pr Kr AA EEE :
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 17
Verzeichniss der erlegten und beobachteten Vögel.
1. Vultur einereus, Kuttengeier.
Der Kuttengeier ist Standvogel in der Fruszka Gora, unter-
nimmt im Herbste und Winter aber weite Streifzüge durch’s Land
und erscheint bei dieser Gelegenheit nicht allzu selten auch in
ÖOberungarn, so, nach Beobachtung Erzherzog Rudolf’s, allherbst-
lich regelmässig in der Nähe des kaiserlichen Lustschlosses Gö-
döllö. Nach vollkommen verlässlichen Aussagen des Forstmeisters
Dittrich wird der Vogel bei jeder Viehseuche in Nord-Ungarn
bemerkt, und zwar erscheint er bereits beim Beginne des Ster-
bens. Die ungarischen Bauern haben die Unart, gestorbenes Vieh
Verhältnisse des Landes ungemein spät eintrat; bei manchen Arten nicht
‚oder unwesentlich früher, als in Norddeutschland, während doch Syrmien
"eine mittlere Temperatur von 9° R., beziehentlich 10° hat, also ähnliche
- Wärmegrade, wie der grösste Theil der europäischen Türkei, Griechenlands,
-Dalmatiens, Nord-Italiens und Südfrankreichs. Die Verschiedenheit in der
"Ankunft der Vögel in den eben genannten Ländern und Syrmien ist aber
‚eine sehr grosse. Bei den Wasservögeln liessen sich manche Erscheinungen
durch den sehr hohen Wasserstand, der oft (auch in diesem Jahr), ja viel-
‚leicht gewöhnlich, Ende April und Anfang Mai eintritt, erklären, bei den
Landvögeln jedoch — mit Ausnahme der Bewohner der Flussniederungen —
reicht diese Erklärung nicht aus. So sahen wir in den ersten Tagen des Mai
die Würger (Lanzius minor und L. collurio) ankommen, auch Sylvia cinerea
zuerst in den letzten Apriltagen, zu einer Zeit, wo in früheren Jahren die-
selben Vögel auch in Norddeutschland eintrafen.
| Auch die Brütezeit mancher Raubvögel ist im südlichen Ungarn nur
‚um Weniges früher, als in Norddeutschland, z. B. beim Seeadler, der da-
‚selbst in den ersten Tagen des April, oft schon im März Eier hat, während
in Ungarn manche Horste gegen Ende April noch kleine Junge hatten.
Der Schlangenadler jedoch brütete bereits am 26. April, während dies in
"Norddeutschland drei Wochen später stattfindet. Auch die Wachtel soll
nach Aussage zuverlässiger Leute in diesem Jahre bereits Mitte April ge-
‚hört sein.
Das von Brehm beobachtete Hin- und Herziehen mancher Vögel, nament-
‚lich der Ibisse, am 3. Mai, steht wohl unzweifelhaft mit dem Hochwasser
in den Sümpfen in Verbindung, indem die gewohnten Brutplätze ihnen
unzugänglich geworden waren. Nur auf dem von Winterstürmen gebroche-
nen und zusammengetriebenen alten Rohr konnten die Vögel in den Sümpfen
"Ruheplätze finden, denn das Wasser stand etwa zwei Meter hoch. Natür-
lich war das junge Rohr noch vom Hochwasser bedeckt, und auch dies trug
"wesentlich zu der Vogelarmuth in den Sümpfen bei. Recht auffällig zeigte
‚sich dies auf der Bootsfahrt am 3. Mai, wo sich auf den an der Donau
gelegenen Sümpfen auch nicht ein Rohrsänger hören liess, während hinter
‘dem Deiche in einem ziemlich trockenen Sumpfe einer neben dem andern
aus voller Kehle sein knarrendes Lied sang. (Calamoherpe turdina.)
1 Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 145. Januar 1879. 2
18 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
ausserhalb der Dörfer auf das freie Feld zu werfen und in den
meisten Fällen gar nicht oder doch nur höchst liederlich zu ver-
graben. So reichliche Nahrung nun, wie eine Viehseuche sie bietet,
lockt die Geier herbei. Vor mehreren Jahren geschah es, dass
ein Jäger am Rande eines Waldes nicht weniger als zwölf
Kuttengeier um Aas versammelt fand. Auch als im vorigen, Jahre,
im Monat September, eine unbedeutende, auf ein Dorf beschränkte
Viehseuche ausbrach, erschienen die Geier in grösserer Anzahl,
so dass ein anderer Jäger in der Nähe des Dorfes ihrer fünf, auf
alten, dürren Eichen sitzend, erblickte. Hierdurch dürfte bewiesen
sein, dass ausser der Brutzeit fort und fort Kuttengeier auch
durch das ganze nördliche Ungarn streichen. Wahrscheinlich ziehen
sie, durchaus entsprechend den von Brehm in Afrika gesammelten
Beobachtungen, in so bedeutender Höhe dahin, dass sie für
gewöhnlich nicht bemerkt werden. Ihr für uns fast unbegreif-
lich scharfes Auge lässt sie die zufällig sich ihnen bietende
Nahrung entdecken, einer zieht dem anderen nach, und so er- |
scheinen sie für uns überraschend und plötzlich in Gegenden,
welche wahrscheinlich noch innerhalb ihres Jagdgebietes liegen. Die
grosse Mehrzahl aller in der Fruszka Gora horstenden Kuttengeier
verweilt jedoch jahraus jahrein annähernd in demselben Gebiete,
als dessen Mittelpunkt wahrscheinlich der Horst angesehen werden
muss. Dass letzterer lange Zeit hindurch alljährlich benutzt wird,
hat Graf Chotek mehrfach beobachtet. Im Winter schaaren sich
die Kuttengeier des Gebirges zu stärkeren Flügen als im Sommer |
und es kann dann geschehen, dass man zuweilen ihrer zwanzig bis |
dreissig vereinigt sieht; namentlich erfolgt eine bedeutende Zusammen- |
rottung dann, wenn ein Thier ausgelegt wird, um Wölfe anzukirren.
Aus gleicher Ursache versammeln sich nach unseren Beobachtungen |
alle in der Umgegend befindlichen Kuttengeier auch im Sommer. |
So sah Brehm an einem Morgen mindestens ihrer fünfzehn in der
Nähe der altgewohnten Luderstätte auf freie Umschau gewährenden |
Bäumen sitzen und in mehr oder minder bedeutender Höhe über |
dem Platze schweben. Zu lebhaftem Bedauern des Jagdherrn '
Chotek, welcher sie mit Recht als nützliche Vögel betrachtet und |
ihnen Schutz angedeihen lässt, verlieren im Winter nieht wenige |
dadurch ihr Leben, dass sie von vergiftetem, für die Wölfe ausge- |
legtem Fleische fressen, trotzdem man die Vorsicht gebraucht, |
den für die Wölfe bestimmten Köder stets unter niedrigen, mit |
Brettern bedeckten Gerüsten auszuwerfen. Ein grösseres Thier wird |
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 19
‘den Geiern dann immer zum Festschmause, weil sie sich oft
kümmerlich behelfen müssen. In den Kröpfen der von uns er-
legten fanden wir unter anderm die Reste von Zieseln und Eidechsen.
Solche Thiere mögen es sein, welche ihnen zeitweilig ausschliesslich
zur Nahrung dienen müssen. Da man nun aber nur höchst selten
einen ausserhalb seiner Höhle verendeten Ziesel oder eine todte
Eidechse findet, lässt sich annehmen, dass die südungarischen
‚Hirten nicht mit Unrecht die Kuttengeier als Vögel bezeichnen,
welche keineswegs blos vom Aase leben, sondern gelegentlich auf
lebendes Wild jagen. Hiermit steht eine von Reinhold Brehm
in Spanien gemachte Beobachtung (Brehm’s Thierleben, zweite Auflage,
‘Band V, Seite 40) und eine von Heuglin (Ornithologie Nordost-
afrikas, Seite 11 und 12) gegebene Mittheilung vollständig im
Einklange.
- Das tägliche Leben des Kuttengeiers verläuft auch in der
Fruszka Gora in sehr regelmässiger Weise. Da in diesem Gebirge
nacktes Felsgestein äusserst selten und blos broekenweise zu Tage
tritt, schlafen alle grösseren Raubvögel nur auf Bäumen, und zwar
wählen sich, nach Aussage der dortigen Förster und Waldläufer,
die Kuttengeier nicht etwa wipfeldürre Bäume zu ihren nächtlichen
Eihesitzen, sondern regelmässig solche, welche im dichteren Be-
'stande stehen und blos ihrer sperrigen Aeste halber vor anderen
bevorzugt werden. Ein solcher Baum, welchen Brehm besuchte,
schien auch jetzt noch als Schlafstelle benutzt zu werden; denn der
Boden ringsum war unter allen passenden Sitzstellen bedeckt mit
einer Kothkruste, deren Ausdehnung und Dicke bestimmt auf re-
gelmässiges und längeres Verweilen vieler Geier hinwies. Vom
‚Schlafplatze aus treten die Vögel etwa in der achten Morgenstunde
ihre Streifzüge an, schrauben sich zunächst kreisend zu sehr be-
deutender Höhe über das Gebirge empor und ziehen dann nach
allen Richtungen der Windrose durch das Land, erscheinen daher
auch sehr regelmässig über den Dörfern am Donauufer und über
den Auwaldungen. Haben sie früh am Tage Beute gewonnen, und
Sind sie noch nicht durch die Ernährung ihrer Jungen in Anspruch
genommen, so versammeln sie sich in den Nachmittagsstunden gern
auf unbewaldeten Stellen des Gebirges, auf weichem einige ver-
witterte Felsblöcke erwünschte Ruhesitze gewähren. Hier sahen
Homeyer und Brehm eines Nachmittags nicht weniger als zehn
von ihnen auf den Felsen wie auf dem Boden sitzen, träger Ruhe
sich hingebend. In den späteren Nachmittagsstunden trennen sich
n DES
20 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
die versammelten, um einen zweiten Jagdzug anzutreten; schon
vor Sonnenuntergang aber finden sie sich auf den Schlafplätzen
ein. Anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn die Kuttengeier
von dem Vorhandensein eines Aases Kunde erlangt haben. Als
Graf Chotek in der Nähe seiner Schiesshütte ein Pferd auslegen
liess, um in den nächsten Tagen Kuttengeier herbeizulocken, unter-
liessen diese, obgleich sie nicht zu dem verdeckten Thiere gelangen
konnten, ihre gewohnten Ausflüge und sassen schon am frühen
Morgen, mit Gänsegeiern gemischt, Jungernd auf den nächsten Hoch-
bäumen an den Gehängen. Obwohl weder gegen drückende Hitze
noch gegen bedeutende Kälte besonders empfindlich, bekunden sie
doch durch ihr Benehmen, dass ihnen die erste widerwärtig ist.
Im Winter sitzen sie, nach den uns gewordenen Mittheilungen, oft
stundenlang mit gesträubtem Gefieder auf einer und derselben Stelle,
kreisen jedoch nach den Beobachtungen von Sintenis bei einer
Kälte von über 20° R. hoch und anhaltend; aber an sehr heissen
Sommertagen suchen sie an schattigen Waldesdiekiehten Kühlung.
Zu diesem Zwecke lassen sie sich auf einem Fahrwege, welcher
ihnen den Niederflug erleichtert oder ermöglicht, zum Boden herab,
trippeln vom Wege aus dem Dickichte zu, zwängen sich mit knapp
angelegten Flügeln zwischen den Stämmchen der Bäume hindurch,
kriechen förmlich unter den niedersten Aesten weg und gerathen
unter Umständen derart in die Klemme, dass sie angesichts eines’
sie überraschenden pürschenden Jägers nicht im Stande sind, ihre‘
Flügel zu breiten, und mit den Händen ergriffen werden können.
Geht eine solche Gefahr glücklich an ihnen vorüber, so suchen sie
mit Eintritt der Kühlung auf demselben Wege, wie sie gekommen,
die Fahrstrasse wieder auf, nehmen, wie üblich, ihren Anlauf und’
erheben sich dann ohne weitere Schwierigkeit, obgleich sie die,
Zweige rechts und links mit den Spitzen ihrer Schwingen streifen.’
In der Fruszka Gora schreitet der Kuttengeier nicht vor dem
Ende des März zur Fortpflanzung; denn noch in den ersten Tagen
des Mai sassen auf allen Horsten, welche wir besuchten, die Weibchen
brütend auf den Eiern. Der Horst wird selbstverständlich alljähr-
lich etwas aufgebessert und nimmt infolge dessen im Laufe der’
Jahre allmählich an Grösse zu, ist aber kein so ungeheurer Bau,
als man von vornherein annehmen möchte. Hier steht er unter
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Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 21
scheint zu sein, dass der zu erwählende Horstbaum mehrere breit
ausgeleste Wipfeläste und mindestens einige dürre Zacken hat.
Auf ersteren und ausnahmsweise nur auf Nebenästen der Krone steht
der Horst, gewöhnlich so, dass er von eben nicht eingesehen und
selbst von unten nicht ohne weiteres wahrgenommen werden kann.
Einer, welchen Erzherzog Rudolf und Brehm besuchten, war
von unten recht gut sichtbar, aber durch aufgeschossene junge
Zweige ringsum so verhüllt, dass der brütende Vogel von keiner
Seite aus bemerkt werden konnte. Freilich hat jeder Horst immerhin
einen so bedeutenden Durchmesser, dass selbst ein brütender Geier
durch die Ränder ringsum vollständig gedeckt wird. Die Bau-
stoffe bestehen aus verschieden starken, jedoch nicht allzu dicken
"Prügeln, Aesten und Zweigen. Die Mulde ist, nach Aussage der
Steiger, sehr flach und kaum regeimässig ausgekleidet. Nach den
Beobachtungen Erzherzog Rudolf’s, welcher Männchen und
Weibchen am Horste sich abwechseln sah, brüten beide Ge-
schlechter; jedoch waren die meisten Kuttengeier, welche wir vom
Horste trieben und dabei erlegten, Weibchen. Während letztere
brüten, sitzen die Männchen oft stundenlang neben, beziehentlich
schief über ihnen, auf einem der erwähnten dürren Zacken. Das
Weibchen sitzt ziemlich fest im Horste, lässt sich jedoch regel-
mässig durch Anklopfen vertreiben. Ehe es die Schwingen breitet,
erhebt es sich auf seine Ständer, schreitet bis zum Horstrande
vor und wirft sich nunmehr von diesem aus mit einem Sprunge
in die Luft, gleichzeitig die Flügel breitend, schwebt fast ohne
Flügelschlag sausend nieder, gewinnt schon, nachdem es wenige
Meter zurückgelegt, so viel Höhe, dass es über die Spitzen der
nächsten Bäume hinwegstreicht, wendet sich, sobald es ausser
Gefahr zu sein glaubt, und beginnt nunmehr zu kreisen. War es
‚noch nicht oft gestört worden, so kehrt es schon nach kurzer Zeit,
‚gewöhnlich im Verlaufe weniger Minuten, zum Horste zurück,
bäumt auf einem benachbarten Aste, springt von ihm aus auf den
"Horst, nimmt die zum Abfliegen bequemste Richtung an und lässt
‘sich wieder zum Brüten nieder. Kreist es aus irgend einem Grunde
längere Zeit, so findet sich in der Regel auch das Männchen ein;
"beide fliegen dann in Schraubenlinien über dem Horste umher,
äugen nach unten herab und fallen endlich gleichzeitig, schon
"hundert Meter über den Spitzen des Horstbaumes die Fänge
‚Jang von sich streckend, wieder auf den Horst. Zur Zeit, unserer
-Jagden, also wohl gegen Ende der Bebrütung hin, waren die
22 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Weibchen so bruteifrig, dass sie selbst nach einem Fehlschusse,
und zwar binnen nicht allzu langer Zeit, wieder am Horste er-
schienen, infolge eines solchen Angriffes die Bebrütung jedenfalls
nicht unterbrachen, beziehentlich das Ei nicht verliessen,. Brehm
stellte sich am 1. Mai unter einem Horste an, welchen Erzherzog
Rudolf bereits zwei Tage vorher besucht hatte. Auf Anklopfen
strich das brütende Weibchen so schnell ab, dass zum sicheren
Zielen mit der Büchse keine Zeit blieb, und jenes unbelästigt freie
Flugbahn erreichte. Da es in den letzten Tagen zuerst durch den
die Horste suchenden Jäger, sodann durch den Kronprinzen wieder-
holt gestört worden war, verging ziemlich lange Zeit, bevor es
sich wieder zeigte. Endlich fiel es auf den Horst nieder, jedoch
so geschickt, dass es gefehlt wurde, Wiederum strich es ab, und
nunmehr vergingen mehre Stunden, bevor es sich von neuem
zeigte. Brehm verliert endlich die Geduld und beschliesst heim-
zukehren, um unterwegs andere Vögel zu erlegen. Ein von ihm
aufgefundener Baum in der Nähe, welcher als Schlafplatz dient,
bewegt ihn, rasch einen Schirm zu errichten und unter diesem
auf andere Kuttengeier zu lauern. Während dies geschieht, meldet
der begleitende Waldläufer, dass das Weibchen in der Nähe des
Horstes aufgebäumt habe. Brehm begiebt sich nunmehr zum
Horste zurück, versucht zunächst, den Geier anzuschleichen, und
setzt sich, nachdem letzter schon aus weiter Ferne abgeflogen,
wiederum im Schirme unter dem Horstbaume nieder. Nach
wenigen Minuten erscheinen beide Gatten des Paares gleichzeitig
auf dem Horstbaume, und als das Weibchen in den Horst springt,
empfängt es die tödtliche Kugel, bricht auch, ohne sich weiter zu
regen, in der Horstmulde zusammen. Das Männchen fliegt weg,
kehrt aber unmittelbar darauf wieder zurück, um zu sehen, was.
dem Weibchen geschehen. Die auf den Schuss herbeikommenden
Leute verscheuchen es; gleichwohl kommt es nach wenigen Minuten
wieder und kreist über dem Horste, zu welchem währenddem ein
Steiger emporklettert. Als dieser ungefähr dreifünftel der Horst-
höhe erstiegen hat und auf einigen schwachen Aesten zögernd
stehen bleibt, fällt das Männchen, weder den Steiger noch Brehm
und seine beiden Begleiter beachtend, auf den Horstbaum und
büsst seine Treue mit einem Schusse, welcher es schwer verwundet,
ihm aber doch noch so viel Kräfte lässt, dass es bis in die Tiefe
des Thales hinabfliegend dem Schützen verloren geht.
Eine im hohen Grade bemerkenswerthe Beobachtung machte
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Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 23
- Erzherzog Rudolf. „Ich fand, dass zwischen Kuttengeiern und
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Steinadlern eine ausgesprochene Feindschaft besteht, welche sich
beim Horste des ersteren bis zu heftigen Kämpfen steigert. Bei
- vier von mir beobachteten Geierhorsten erschienen Steinadler,
kreisten über den Horsten und stiessen nach den unter ängst-
liehen Rufen herbeieilenden Geiern. Sobald sich der Adler in den
Lüften zeigt, kehrt einer der Geier zurück und versucht durch
seinen eigenen Körper die Brut zu decken. Gerathen die beiden
Vögel in den Lüften zusammen, so ist es immer der Geier, welcher
vor seinem wehrhaften Verwandten flieht. An einem Horste beob-
- achtete ich einen Kampf, welcher eine Ausdehnung annahm, wie
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a el a a en Bann SZd de ch ad ne en
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- ich früher nicht für möglich gehalten haben würde. Ich sass in
den Nachmittagsstunden unter einer alten Eiche, auf deren oberen
Zweigen der Horst eines Kuttengeiers stand. Die beideu Geier
waren einige Male unweit meines Versteckes umhergekreist und
dann in einem Waldthale verschwunden. Wohl schon eine halbe
Stunde mochte ich erwartend gesessen haben, als über mir lautes
Rauschen hörbar wurde. Der Lärm nahm zu, und ich bemerkte
einen grossen Klumpen von dicht aneinander gedrängten Flügeln,
Köpfen und Fängen zweier Vögel, welche gegen den Horst stürzten
und in demselben verschwanden. Staub und Aeste fielen hernieder,
und lautes Getöse liess auf die Fortsetzung des Kampfes im Innern
des Horstes schliessen. Nach wenigen Secunden erschien in kurzen
Abständen der grosse Flügel des Kuttengeiers, sodann sein unbe-
- fiederter Kopf, darauf wieder ein kleinerer Adlerflügel und endlich,
für mich deutlich sichtbar, der Kopf und darauf ein Fuss des
Steinadlers. Leider ging alles so rasch vor sich, dass es unmög-
lich war, auf die mir nur auf Augenblicke sich zeigenden Körper-
theile einen Schuss abzugeben.“
„Plötzlich dröhnte es im Horste, der ganze Bau wankte, und
ein Kuttengeier fiel über den Rand heraus längs des Stammes
_ der Eiche bis zu einem der untersten Aeste herab. Hier fing sich
- der plumpe Vogel und strebte seine Flügel zu breiten; doch diesen
- Moment benutzend, sandte ich ihm eine Ladung groben Schrotes
_ mitten auf die Brust. Kaum dass der Schuss durch den Wald
hallte, als auch schon ein starker Steinadler leichten Fluges den
Horst verliess. Mein zweiter, nachgesandter Schuss holte den
-_ kühnen Räuber leider nicht herab. Ein eingeborener, kundiger
Jäger, welcher mich begleitete, erzählte mir bald darauf, dass
kurz vor meinen beiden Schüssen ein Kuttengeier und ein Stein-
24 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
adler hoch in den Lüften sich verfolgt hatten, kämpfend aneinander
gerathen waren und gegen mein Versteck sich herabgesenkt hatten.“
Aus dem Gefangenleben des Kuttengeiers theilte uns Graf
Chotek folgende Thatsache mit: „Als Knabe erhielt ich von
unserem Pfarrer zu Futtak, Dechant Werner, einen lebenden
Kuttengeier zum Geschenk. Derselbe hatte schon beiläufig zwölf
Jahre im Pfarrhofe gelebt und war seiner Zeit von Fischern,
mitten in der Donau treibend, aufgefunden worden. Nach Angabe
der Leute hatte der Geier einen grossen Fisch fangen wollen, war
dabei in die Fluthen gefallen und unfähig geworden, mit den
nassen Schwingen sich wieder zu erheben. Diesen Geier nahm
ich nun von Futtak mit nach Korompa, wo er ungefähr vom An-
fange der dreissiger Jahre bis 1859 verblieb. Um diese Zeit
schenkte ich ihn meinem seither verstorbenen Freunde, Fürst
Gustav Lamberg; dieser pflegte ihn zu Steier in den Gärten
des alterthümlichen Schlosses ferner zwei Jahre, und wahrschein-
lich würde „Hansi“ noch heute munter in die Welt blicken, wäre
er nicht eines Tages von dem in demselben Garten freilebenden
Edelhirsche, mit welchem er sonst auf gutem Fusse stand, todt-
geforkelt worden. Dieser Geier war ein Weibchen, wie sich schon
in Korompa herausstellte, indem er ein Ei legte. Im nahen Hofe
des Schlosses, wo er sich aufhielt, oder richtiger, wo er während
der ersten Jahre meist eingesperrt lebte, hatte sich aus dem
Hühnerhofe ein mutterloses, dorthin gebrachtes junges Haushuhn
ihm zugesellt. Dasselbe schlüpfte zwischen den ziemlich weiten
Latten des Geierkäfigs nach Belieben aus und ein, ohne vom
„Hansl“ behelligt zu werden. Im Laufe der Zeit bildete und be-
festigte sich zwischen beiden eine so innige Freundschaft, wie
zwischen einer Pflegemutter und einem Kinde überhaupt entstehen
kann. Allabendlich oder bei regnerischem und kaltem Wetter
suchte das Hühnchen den Geier auf, schmiegte sich dicht an
dessen Leib, kroch förmlich unter dessen Flügel und liess sich
von dem rauhen Freunde pflegen, wie ein Küchlein von der
Henne. Die buchstäbliche Wahrheit dieser Mittheilung kann ich
aus eigener Anschauung verbürgen, da ich beide Vögel sehr oft
in der beschriebenen Weise zusammen gesehen habe. Was aus dem
Huhne später wurde, weiss ich mich nicht zu erinnern; so viel
kann ich aber versichern, dass dasselbe nicht von dem Geier ge-
tödtet worden ist und auch, nachdem es erwachsen war, stets in
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 25
dessen unmittelbarer Nähe, ja dicht an ihn angedrückt, zu
schlafen pflegte.“
Maasse.!)
| L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 1065 265 75 38,5 11 12,, >
"Weibehen: 111 2834 82 40 11l3; 13 10,;
Männchen: 103,, 280 76 40,, 11, 2, 11
‚Männchen: 104 270 78 als, 5 13 9
BiWieibchen: 109... 287 . 765 33 11 13 ul
Iris des alten Männchens dunkelbraun mit einem Stiche in’s
"Rothbraune, Wachshaut, Unterschnabel bis zum Vorderrande der
"Wachshaut und Augengegend bleigrau mit röthlichem Scheine,
‚Schnabel licht hornbraun, oben und in der Mitte dunkelbraun,
nackte Halsstelle grau mit einem Stiche in’s Grünliche, rs
‚grünlich blauweiss. Bei einem zweiten Männchen ist das Dunkel-
braun am Schnabel wenig verbreitet; bei einem Weibchen die Iris
Eothlich dunkelbraun, der ganze Fuss hellgrünlich blauweiss.
2. G@yps fulvus, Gänse- oder Fahlgeier.
| Als wir unter Führung unsers Jagdgebers, des Grafen Chotek,
‚sein in einem der reizenden Thäler des Gebirges gelegenes an
haus betraten, machte uns derselbe aufmerksam auf zwei in
früheren Arten von ihm erlegte Gänsegeier und bemerkte, dass
dieselben die einzigen seien, welche er im Laufe einer Reihe von
‚Jahren in dieser Gegend beobachtet habe. Wenige Stunden später
sollte Graf Chotek zu seiner nicht geringen Verwunderung er-
fahren, dass die Verhältnisse sich inzwischen geändert hatten.
"Während Erzherzog Rudolf und Prinz Leopold zu den nächst-
gelegenen Geierhorsten geführt wurden, fuhren Homeyer und
Brehm einem entfernteren zu und scheuchten bei ihrer Ankunft
‚das Weibchen vom Horste, dem das Männchen sich alsbald anschloss.
Da die Geier die Gegend umkreisten, stellte sich Homeyer
bei dem ihm zugetheilten Horste an, während Brehm die Ge-
legenheit zur Beobachtung benutzte.
- Es dauerte auch nicht gar lange, bis die Geier sich näherten
und Homeyer den einen deutlich hinter sich aufbäumen hörte.
"Eine rasche Wendung; war jedoch unmöglich und die mangelhafte
|
|
|
“ ‘) Anmerkung. Alle Maasse sind in Centimetern angegeben. L. be-
‚deutet die ganze Länge vom Schnabel bis zur Schwanzspitze; B. die Flug-
"breite, F. die Fittiglänge, Schz. die Schwanzlänge, Schl. die Länge des
"Schnabels, Fw. die Höhe der Fusswurzel, Mz. die Länge der Mittelzehe,
26 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Deckung liess den Geier alsbald die drohende Gefahr erkennen,
so dass er abstrich. Es verfloss nun eine längere Zeit, bis die
kreisenden Geier sich wieder näherten, stets ohne auf den Horst
einzufallen, der in naher Büchsenschussweite am Hange des Berges,
auf einer alten, jedoch nicht besonders starken Eiche mit dürrem
Gipfel, frei, etwa 15—18 Meter hoch, stand. Inzwischen war die
Tageszeit bereits vorgeschritten, noch ein weiter Weg, zum Theil
auf schmalen Waldwegen, auf engen Felsengraten zurückzulegen,
und Homeyer entschloss sich die Büchse wegzustellen und die
Flinte zu nehmen, um auf einen der vorüberziehenden Geier einen
Flugschuss anzubringen. Es dauerte ziemlich lange, bis einer der
mächtigen Vögel zum vierten Male vorüberzog und auf den Schuss,
unter dem Feuer herabstürzte. Obgleich das alte Jägerohr das
Aufschlagen des fallenden Geiers deutlich gehört, war an der Stelle
nichts zu sehen. Ein Blick nach oben aber zeigte den Geier etwa
vier Meter hoch in einer Baumgabel — verendet.
Wie erstaunt waren aber Brehm und Homeyer, als sie
statt des vermutheten Vultur cinereus einen Vultur fulvus vor sich '
sahen. Manche Ornithologen werden über ein solches Vorkommen |
wohl den Kopf schütteln, zumal diejenigen, welche nie einen Geier |
über sich kreisen sahen. Denn so leicht es ist, beide Arten, auch |
in der Ferne, von der Seite zu erkennen, so schwierig wird dies
in der Höhe,. indem die Unterseite der Flügel auch bei Vultur
fulvus fast schwarz ist. Dazu kam nun noch in diesem besonderen
Falle, dass ein Vultur fulvus nach den empfangenen Mittheilungen
hier durchaus nicht als Brutvogel zu erwarten war, um so weniger, |
als diese Art bisher mit voller Sicherheit nicht auf Bäumen horstend |
beobachtet ist. !)
Der erlegte Vogel war aber auch noch in der Hinsicht merk-
würdig, als er noch die Halskrause des mittlen Kleides trägt.
Uebrigens sahen wir Vultur fulvus, wenn auch sehr viel
weniger als V. cinereus, doch in den folgenden Tagen gar nicht
selten, und ist wohl anzunehmen, dass derselbe in dem weiten
Waldgebirge bisweilen horste und der von uns beobachtete Fall
!) Anmerkung. Landbeck führt zwar bei Gelegenheit seiner Reise
in Ungarn ganz allgemein an, dass V. fulvus bisweilen auf Bäumen horste, |
hat dies jedoch offenbar nicht selbst beobachtet. Die Gebrüder Sintenis
geben an, dass ihnen während ihrer vierjährigen Reise in der Dobrudscha |
ein Fall vorgekommen, dass V. fulvus auf einem Baume gehorstet, doch
auch hier wohl nach empfangenen Mittheilungen der einheimischen Jäger.
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 20
an 0 Sn a 22 Zr Auer ala ne
nicht allein dastehen werde. Es ist sehr möglich, dass die dortigen
i rörster diesen Vogel verkannt haben, und dies muss uns um so
} wahrscheinlicher erscheinen, als es uns ebenso ergangen ist.
| Uebrigens ist Vultur uhr weiterhin die Donau abwärts,
zahlreicher vertreten als V. cinereus. Schon Loebenstein sah
; nicht gar fern von unserer Beobachtungs-Gegen deinstmals gegen
sechzig Geier vereint, von denen die Mehrzahl Vultur fulvus war.
Da wir nur einen einzigen von Gänsegeiern besetzten Horst
aufgefunden haben, vermögen wir über die Lebensweise der der-
zeitigen Nestinhaber wenig mitzutheilen. In dem Thun und Treiben
- beider Geierarten vermochten wir wesentliche Unterschiede nicht
zu erkennen. Beide verliessen am Morgen ungefähr zu derselben
Zeit die Horste, flogen, ebenso, oft einer dem andern folgend,
als sich mit ihresgleichen zusammenhaltend, in der geschilderten
Weise auf Beute aus und hielten auch gemeinschaftlich ihre Mittags-
"ruhe auf der bereits erwähnten felsigen Stelle an der einen Wand
‚des Gebirges. Beide fliegen nach Art ihrer gesammten Verwandt-
-sehaft fast ohne Flügelschlag in ziemlich hoher Luft dahin, heben
"sich, indem sie sich gegen den Wind stellen, merklich und gewinnen
"kreisend bald jede beliebige Höhe; beide stellen auch ungefähr
dasselbe Flugbild dar; doch unterscheidet sich das des Kutten-
geiers dadurch von dem des Gänsegeiers, dass die Schwingen-
spitzen des erstern nach oben aufgebogen sind, während sie beim
Gänsegeier mit dem übrigen Flügel in einer geraden Ebene liegen.
Der lange Gänsehals des Fahlgeiers kommt im Fluge in keiner
"Weise zur Geltung, wird vielmehr so eingezogen, dass der Vorder-
Stheil des Flugbildes nicht im geringsten gestreckter oder spitziger
Serscheint, als beim Kuttengeier. Auch an beider Horste vermochten
"wir besondere. Unterschiede nicht zu erkennen. Der von Brehm
und Homeyer besuchte Horst stand nahe am Stamm frei im
ipfel des Baumes, überragt durch die abgestorbene Spitze des
‚Stammes, wie erwähnt 15—18 Meter hoch. Der Baum hatte wenig
über einen halben Meter Durchmesser. Der Horst war dem des
. cinereus ganz ähnlich, von etwa anderthalb Meter Durchmesser
pr mindestens fünfundsiebenzig Centimeter Höhe.
% L. B. Beesyschz® ‚schl. Fw. Mz.
; 08 266 1.33 gu 10 0 10,
- Iris hell umbrabraun, nackte Stellen am Kopfe und Halse blei-
3 lau, Schnabel schwarzbraun, Füsse gelblichgrau.
Er
28 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
3, Haliaötus albicilla, Seeadler.
Der häufigste aller grössern Raubvögel des mittlen Donau-
thales ist der Seeadler. Ihn sahen wir tagtäglich und zu ver-
schiedenen Zeiten des Tages, einzeln, paarweise oder selbst in
kleinen Gesellschaften, und seine Horste waren es, welche wir an
jeder geeigneten Stelle der Auenwälder zu finden mit Sicherheit
erwarten durften. Eingehende Erkundigungen bei den uns be-
gleitenden Förstern, insbesondere bei dem in erzherzoglichen
Diensten stehenden Herrn Josef Ruzsovitz, setzen uns in den
Stand, auch über das Winterleben des mächtigen Adlers einiges
mittheilen zu können, und unsere eigenen, an nicht weniger als
neunzehn besetzten Horsten gesammelten Beobachtungen, geben
iiber diesen Lebensabschnitt des Vogels ein klares Bild.
Im Spätherbste und im Winter sieht man an der mittleren
Donau erheblich mehr Seeadler als im Sommer. Nicht blos die
hier geborenen Jungen, deren Anzahl, gering angeschlagen, mehrere
Hundert betragen muss, treiben sich dann mit den Horstvögeln |
und beziehentlich ihren Eltern in der Nähe ihrer Brutstätten um-
her, sondern auch Wanderer derselben Art finden sich ein, um |
hier zu überwintern. So lange die Donau nicht mit Eis bedeckt
ist, wird es ihnen nieht schwer, sich zu ernähren: man sieht sie
dann nach Art des Flussadlers, oft gemeinschaftlich, über dem
Strome und seinen Armen schweben, auf Beute spähend und, wenn
sie einen Fisch in’s Auge gefasst, in’s Wasser hinabstürzen, ähnlich
wie Homeyer dies oft gesehen, selbst in der Ostsee, wenn dieselbe |
nicht zu stark vom Winde bewegt war. Wie sie in der „blonden“,
das heisst trüben Donau die Fische wahrzunehmen vermögen,
bleibt fraglich; jedenfalls aber sind sie im Stande, mit grossem
Geschick und mit Sicherheit dies zu thun. Beim Stossen auf
einen Fisch verschwinden sie nicht allein, ebenso gut wie der
Flussadler, zeitweilig vollständig unter dem Wasser, sondern
dringen wohl tiefer in dasselbe wie dieser, arbeiten sich auch mit
Hülfe einiger kräftiger Flügelschläge rasch wieder empor, schütteln
die Wassertropfen von ihrem glatten, fettigen Gefieder und fliegen
davon. Bei dem im Vergleiche zu andern deutschen Strömen un-
gewöhnlichen Fischreichthume der Donau und der im ganzen dort,
sehr wenig entwickelten Fischerei betrachtet man ihr Wirken |
keineswegs mit schelem Auge und rechnet ihre nutzenbringenden |
Werke ihnen wenigstens eben so hoch an als ihre schädliche Thätig- |
keit, Im Bewusstsein dieses Schutzes zeigen sie sich im Winter
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 29
verhältnissmässig wenig scheu, nähern sich insbesondere den be-
deutenderen Fischereistellen und lungern hier auf Beute. Solche
wird ihnen stets, da die Fischer tagtäglich abgestandene Fische
weg- und mit einer gewissen Gutmüthigkeit zum Theile ihnen zu-
werfen. Der erwähnte Förster versichert, mehrfach gesehen zu
haben, dass auch alte Seeadler in einer Entfernung von kaum
fünfzig Schritten rings um die Fischerhütten aufbäumten, vertrauens-
voll das Treiben der Fischer beobachteten und im rechten Augen-
blick erschienen, um sich ihre Beute zu holen. Da Brehm genau
dasselbe am Saisansee gesehen hat, liegt kein Grund vor, diese
Angabe zu bezweifeln. Ebenso wie der Fischer trägt aber auch
der ungarische, slavonische und serbische Bauer dazu bei, sie zu
ernähren, indem gefallene Thiere nicht verscharrt, . sondern
einfach auf freiem Felde auswirft, Hunden und Wölfen, oder
Geiern und Adlern zur Beute. Bei solchem Frasse sieht man
oft eine namhafte Menge von Seeadlern versammelt, nicht allzu
selten gleichzeitig mit ihnen auch Geier, welche dann Gegenden
besuchen, in denen man sie während der Brutzeit selten bemerkt.
Noch ehe es dort Frühling wird, verlässt der grössere Theil
aller Seeadler, welche an der Donau den Winter verlebten, diese
Gegend. Die jungen, unreifen Vögel beginnen, wie andere Adler,
ein mehrjähriges Wanderleben, und nur die alten Horstvögel bleiben
zurück. Jedes Paar bezieht, nicht ohne Kämpfe mit Eindring-
lingen, in der Regel den alten Horst und fängt im Februar an,
ihn auszubessern. Die dazu erforderlichen Aeste nehmen beide
Gatten von den erhöhten Stellen zwischen den Sümpfen und tragen
sie mit den Fängen, oft aus grössern Entfernungen zum Horste.
Ende Februar oder anfangs März legt das Weibchen zwei bis drei
Eier, und beginnt nunmehr eifrig zu brüten. Nach ungefähr vier-
wöchentlicher Brutzeit entschlüpfen die Jungen und gegen Ende
des Mai sind sie flugfähig.
Von den neunzehn Horsten, welche wir besuchten, standen nur
zwei frei auf den höchsten Wipfelzweigen, alle übrigen auf Quer-
ästen, mehr oder minder nahe am Stamme, drei auf Seitenästen,
sechzehn unmittelbar am Stamme selbst. Sechs von ihnen waren
auf Eichen, sechs auf Schwarz-, fünf auf Weisspappeln, zwei auf
Buchen errichtet. Nur sechs von ihnen bestanden zum Theil aus
- sehr starken Knüppeln, alle übrigen aus verhältnissmässig schwachen
Zweigen, das heisst solchen von Daumenstärke, etwas darüber und
darunter. Auffallend grosse Horste fanden wir in der Minderzahl;
30 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
die Mehrzahl war anscheinend klein, oder hielt schwerlich viel
über anderthalb Meter im Durchmesser, wogegen die grössten
mindestens zwei Meter Durchmesser haben mochten. Diese letzten,
wie überhaupt alle grossen Horste, waren von den ältesten See- |
adlern besetzt. Mit Ausnahme von zwei Horsten boten alle übrigen
dem Feldsperlinge (Passer montanus) Nistplätze, und einzelne
von ihnen waren so reichlich bevölkert, dass man von förmlichen
Ansiedelungen sprechen könnte. Während der Zeit unseres Be-
suches enthielten, wie zu erwarten, sämmtliche Horste Junge; diese
aber befanden sich in sehr verschiedenem Zustande der Entwicke-
lung. In einzelnen Horsten fanden sich bereits sehr grosse, in
anderen noch sehr kleine junge Adler; aber auch die Geschwister
selbst änderten in der Grösse ausserordentlich ab, wie man dies
jedoch bei verschiedenen Raubvögeln findet: drei Junge eines
Horstes, welche Prinz Leopold ausnehmen liess, erwiesen sich
so ungleich, dass der grösste mindestens doppelt so gross als der
kleinste war. Nur in einem der vier Horste, welche wir unter-
suchten, befanden sich drei, in allen übrigen zwei Junge. Ein
junger Adler wurde von Brehm und Homeyer unter dem Horste,
auf dem Boden hockend, gefunden, bewies aber durch sein Befinden,
dass er auch hier von den Eltern treulich gefüttert worden war.
Nur in sechs Horsten trafen wir bei unserer Ankunft die Weibchen
anwesend. Die meisten von ihnen sassen sehr locker, wie dies
gewöhnlich bei allen Raubvögeln der Fail ist, sobald dieselben
nicht mehr Eier oder ganz kleine Junge haben, eins aber, welches
Erzherzog Rudolf beobachtete, so fest, dass es erst nach wieder-
holtem Klopfen den Horst verliess. Wenn die alten Vögel keine
Gefahr ahnten, kamen sie stets langsam angeflogen, fielen aber
immer unmittelbar nach ihrer Ankunft und so rasch in den Horst,
dass man sie von unten nicht mehr sehen konnte. Vier von denen,
welche beobachtet wurden, brachten den Jungen Fische, zum Theil
noch in lebendem Zustande, obwohl sie von der Donau bis zum
Horste in der Luftlinie mindestens vier Kilometer durchmessen
haben mussten. Ein Männchen trug zwei Fische gleichzeitig herbei,
warf einen in den Horst, behielt den anderen, einen sehr starken
- Karpfen, in den Fängen und bäumte mit ihm, wobei es den Fisch
offenbar nur mit einem Fusse halten konnte. Als der Vogel ge-
schossen wurde, blieb der Karpfen auf dem Aste liegen. Ungefähr
eine halbe Stunde später kam das Weibchen, setzte sich auf dem-
selben Aste nieder, entrann ungefährdet einem ihm zugesandten
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 31
Schusse und liess einen Fisch auf den Boden herabfallen, welcher
aufgenommen und später von den Leuten gegessen wurde. Graf
Bombelles, der Beobachter an diesem Horste, verliess denselben,
kehrte nach einer Stunde zurück und fand, dass der Fisch, welcher
auf dem Aste gelegen hatte, verschwunden, aber auch nicht am Boden
zu finden, also offenbar von dem wieder zurückgekehrten Weibchen
aufgenommen und den Jungen zugetragen worden war. Graf
Bombelles erlegte bei einem Horste Männchen und Weibchen,
beide noch im mittleren Alter, analog mit dem von uns beobachteten
frühen Brüten bei Vultur fulvus.
Bei den meisten Horsten befindet sich in der Nähe, zuweilen
auch in einer nicht unbeträchtlichen Entfernung, ein Baum mit
einem oder mehren dürren Zacken, auf denen der eine Adler,
welcher nicht am Horste beschäftigt ist, aufzubäumen pflegt. Dies
geschieht so regelmässig, dass man sich unter solchen Bäumen auf-
stellen und den Adler, welcher vom Horste vertrieben wird, er-
lesen kann.) Erkennt oder fürchtet einer der beiden Vögel Ge-
fahr, so giebt er dem anderen durch lautes, gellendes Geschrei
davon Kunde, worauf beide sich vereinigen und über dem Horste
kreisen.
Die oft bestrittene und eben so oft bestimmt ausgesprochene
Behauptung, dass auch Seeadler unter Umständen erwachsene
Menschen angreifen, scheint durch zwei verschiedene Beobachtungen,
welche wir machten, Bestätigung zu finden.2) Als Kronprinz
Rudolf dem Baumsteiger den Auftrag gab, die Jungen eines von
ihm erfolglos beschossenen Seeadlerpaares aus dem Horste zu
nehmen, erschien in hoher Erregung das Männchen und stiess
einisemal bis dieht über den Kopf des kletternden Mannes
herab. Der Jäger des Erzherzogs versichert, dass er letzteres
leicht durch einen Schuss habe erlegen können, so fest und
so nahe stand der Adler, nach Falken-Art rütfelnd und laut
'schreiend, über dem Horste. Auch Brehm glaubt durch eine
‚höchst eigenthümliche Beobachtung folgern zu dürfen, dass
j
h
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R
1) Anmerkung. Homeyer fand in der Nähe aller der vielen von
‚ihm besuchten Horste einen bestimmten Baum, auf welchem das Männchen
regelmässig auffusste, sei es zur Nacht- oder zur Tagesruhe.
}
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2) Anmerkung. In Norddeutschland geschieht dies sicher nicht;
wenigstens ist niemals dergleichen beobachtet worden, obgleich während
ines langen Zeitraumes alljährlich verschiedene Horste bestiegen wurden.
Homeyer.
‘
32 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Seeadler auf erwachsene Menschen stossen. Um Geier auf
dem Aase zu schiessen, war auf der von ihnen zu mittäglicher
Ruhe gewählten Stelle ein getödtetes Lamm ausgelegt worden,
welches auch bald Geier und Adler herbeizog, aber nur einen See-
und einen Steinadler veranlasste, aus hoher Luft herabzukommen.
Als der Seeadler in nächster Nähe des errichteten Schirmes bäumte,
schoss Brehm auf ihn und verwundete ihn schwer, aber nicht 4
tödtlich, so dass der Vogel noch im Stande war, halb flatternd, y
halb schwebend die Tiefe des Thales zu gewinnen. Da geraume
Zeit später auch ein auf den Steinadler abgegebener Schuss die-
selbe Wirkung hatte, sandte Brehm den ihn begleitenden erz-
herzoglichen Büchsenspanner Loschek in die Tiefe des Thales,
um nach beiden Adlern zu suchen. Geraume Zeit nach dem Weg-
x
-
gange Loschek’s vernimmt Brehm ein starkes, hohles Brausen,
vergleichbar einem in der Ferne tosenden Wirbelsturme oder dem
f
Geräusche, welches der durch eine weite Röhre entweichende Dampf
verursacht, und erwartet, einige Augenblicke später einen aus be-
deutender Höhe auf das Aas herabstürzenden Geier schussgerecht
vor sich zu sehen. Das Brausen hält jedoch länger an als nöthig,
um den schweren Vogel bis zur Höhe des Gebirges zu fördern,
und klingt zuletzt aus der Tiefe des Thales herauf. Zurückkehrend
giebt Loschek unerwartete Aufklärung, indem er mittheilt, dass
auch er, in der Tiefe nach dem angeschossenen Adler suchend und |
um alles übrige wenig sich kümmernd, durch das Brausen auf-
merksam geworden sei und einen Seeadler bemerkt habe, welcher '
mit weitausgestreckten Fängen aus grosser Höhe herab auf ihn )
gestossen und sich ihm bis zur Entfernung eines halben Flinten- |
schusses genähert, ihn, den Unbewafineten, auch genöthigt habe,
hinter einem Stamme Deckung zu suchen, worauf der Vogel über
ihn weggestrichen und sodann kreisend wieder zu annähernd der- |
selben Höhe, aus welcher er gekommen, hinaufgestiegen sei. Da
an der Wahrheit der Mittheilung Loschek’s auch aus dem Grunde
nicht gezweifelt werden dürfte, als der Büchsenspanner, ein be- |
währter Gebirgsjäger, die ganze Angelegenheit zwar mit unver- )
hehlter Verwunderung und gelindem Grimme, aber doch mit grösster
Ruhe, jedenfalls ohne die geringste Furcht zu verrathen, behandelte,
auch nicht abgesehen werden könnte, was der in die Tiefe hinab- |
stürzende Adler sonst beabsichtigt haben möchte, lässt sich wohl |
nur annehmen, dass er das Männchen des vor seinen Augen ver- |
wundeten und seiner Meinung nach durch den zu ihm herab- |
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 33
steigenden Jäger gefäbrdeten Weibchens gewesen sei und diesem
habe zu Hülfe kommen wollen. !)
Um schwache und wehrlose Vögel, welche sich dem Horste
eines brütenden Seeadlers nähern, beküimmert sich derselbe nicht
und bekundet ihnen gegenüber Gleichgültigkeit. Wiederholt wurden
kleinere Vögel, Falken, Turteltauben u. s. w., unter dem Horste
‚gesehen, ohne dass die Adler Miene gemacht hätten, sie zu
-beunruhigen. In der Nähe eines Horstes, und zwar nur wenige
"Schritte von ihm entfernt, fand Erzherzog Rudolf auch das Nest
einer Stockente. Aehnliche Erscheinungen fand Homeyer viel-
fach bei den verschiedensten Raubvögeln, sogar beim Hühnerhabichte
Erd dem Sperber; ja es scheint sogar Regel zu sein, dass die
Raubvögel ihre Nahrung nieht in unmittelbarer Nähe ihres Horstes
‚suchen.
\ Um mit Sicherheit zu erfahren, ob das Männchen auch nach
dem Tode seines Weibchens sich der Pflege der Jungen widmet,
"beziehentlich sie allein aufzieht, baten wir den Förster Ruzsovitz,
‘einen Horst, von welchem Homeyer das Weibchen erlegt hatte,
fernerhin zu beobachten und uns später Bericht zu geben. Dieser
lautete dahin, dass das überlebende Adlermännchen die Jungen
‚nicht verlassen, sondern sie getreulich aufgezogen habe, und dass die
"Jungen am 31. Mai, dem Datum des Briefes, bereits flugfähig seien.
Auffallend erschien uns, dass der Seeadler so wenig von an-
deren Vögeln verfolgt wurde. Förster Ruzsovitz erklärte diese
Thatsache wohl nicht mit Unrecht durch das häufige Vorkommen
unserer Raubvögel, an welche sich alle übrigen gewöhnt, und fügte
E- dass hier zu Lande auch der Uhu, weil er von der ge-
sammten Vogelwelt kaum beachtet werde, vor der Hütte keines-
= den Erwartungen des Jägers entspreche. 2)
en
2
2) Anmerkung. Vielleicht lässt sich jedoch die vorstehend berichtete
- Thatsache auch dadurch erklären, dass der hochfliegende Adler seinen
verwundeten Gefährten erblickt uiel auf diesen herabstossend, zufällig in
die Nähe des Mannes gekommen. Diese Erklärung dürfte an Wahrscheinlich-
keit gewinnen, wenn man erwägt, dass Vögel der verschiedensten Arten ihre
'verwundeten Genossen umfliegen und umflattern, und dass der Adler sich
dem Manne nur auf halbe Schussweite näherte, wahrscheinlich bis zu dem
‚Punkte, wo er den Jäger erblickte. Homeyer.
2) Anmerkung. Obige Erklärungen sind unzweifelhaft aus dem
Leben gegriffen, doch ist zu bemerken, dass der Seeadler auch in Nord-
deutschland in der Nähe seines Brutplatzes von anderen Vögeln wenig
‚verfolgt wird. Homeyer.
Cab. Journ. f. Ornith. XXVIL Jahrg. No. 145. Januar 1879. 3
EEE SEGEN NEL RRE NE
34 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Geschlecht. L. B. RM; Schz. Schl. Fw. Mz.
a
Männchen (alt):84 212 60 29 T,9 9 7
Männchen: 1 1 23868 30 8 9,5 8,5
Männchen: 83 214° 6 29,5 5 95 7,9
Weibchen: 91 235 » 64 51 9 9,9 0
Männchen: 931233 64 31 ke ae; 8,5
Männchen: 837213. : 60 28,5 8,7 8,5 8,9
Männchen: 87 7° 240 68 28,8 9 10 9
Weibchen: 90, 232 66 28,5 9 10 55
Weibchen: 96 234 69 28 7,0. WE 10,3,
Männchen: 87." 239. 63 32 Sg 9 943
Weibchen: 95 #213 7%361,,)"2130 8 9 Tg:
Männchen: 834 214 60,5 30 8 9 Ts
No. 3 und 4 der Liste geben die Maasse eines am Horste er-
legten zusammengehörigen Paares.
Bei vier Stück sehr alten und übereinstimmenden Vogehm war
die Farbe der Iris schwefel- bis citrongelb, die des Schnabels
wachsgelb, die der Wachshaut ähnlich, jedoch etwas in’s Citron-
gelbe, die der Füsse eitrongelb, der Nägel schwarz. Beim fünften
zeichneten bräunliche Punkte, namentlich an der Unterseite des
Auges, die schwefelgelbe Iris.
4. Aguila fulva, Steinadler.
Der Steinadler ist, mindestens während des Sommers, im Be-
obachtungsgebiete selten und wurden nur jüngere Vögel in und |
an der Fruszka Gora gesehen.
5. Aquila imperialis, Kaiseradler.
Erst von Czerevitz an donauabwärts wurde der Kaiseradler '
bemerkt. Hier aber war er nirgends selten. Die beste Gelegenheit, '
ihn zu beobachten, hatte Kronprinz Rudolf. „Zum ersten Male,“ '
berichtet er, „sah ich Kaiseradler eine Gehstunde stromaufwärts |
von Futtak über der Donau kreisen. Später bemerkten wir vom
Dampfschifie aus einige Adler dieser Art, wie sie von dem sla- |
vonischen Waldgebirge nach dem flachen ungarischen Ufer in den
Morgenstunden auf Raub auszogen. In den eigentlich syrmischen |
Bergen, der Vrtnik oder Fruszka Gora horstet unser Adler wohl '
überall, zieht jedoch die niederen Vorberge und die Waldränder,
welche schon an das Flachland grenzen, den höheren, von Buchen- |
wäldern bedeckten Gebirgszügen vor. Zwar fand ich auch im |
Innern des Gebirges einige Horste von ihm, viel häufiger jedoch |
begegnete ich ihm auf den niedrigen Hügelketten.“ |
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 35
„Der Grund hierfür ist einleuchtend. Wie Brehm auch in den
Steppen Sibiriens beobachtete, besteht die Hauptnahrung dieses
Vogels in Zieseln. Diesen zu Liebe nimmt er seinen Aufenthalt;
der kleine Nager ist Lebensbedingung für ilın. Da aber der Ziesel
bekanntermassen nur auf Feldern, Wiesen und Haiden vorkommt,
zieht es auch der Kaiseradler vor, sich in Feldgehölzen und Vor-
bergen anzusiedeln. In den grossen, aus verkümmerten Bäumen
_ bestehenden Wäldern, welche sich im ganzen Flachlande vor der
- Mündung der Theis in die Donau erstrecken, findet man ihn sehr
häufig und darf ihn wohl als Charaktervogel derselben bezeichnen.
In derselben Gegend aber treten die Ziesel in so grosser Menge
auf, dass sie die Felder nicht blos beleben, sondern auch zerstören.“
„Während unserer Reise hatte ich Gelegenheit, sieben Horste
- des Kaiseradlers zu untersuchen. Alle standen auf Eichen, zum
- Theile auch auf sehr jungen und schwachen Bäumen, im Gegen-
_ satze zu denen anderer Adler, welche bekanntlich mit wählerischer
- Vorsicht nur alte, hohe Bäume zum Horstbaue aussuchen. Der
‘ Horst selbst ist im Vergleiche mit dem anderer Raubvögel nicht
gross, für das Körpermaass des Thieres sogar auffallend unbe-
- deutend‘ und zeichnet sich ausserdem durch sehr liederlichen Bau
aus. Wie bei den von mir untersuchten Seeadlerhorsten fand ich
auch den Unterbau der Kaiseradlerhorste regelmässig mit Feld-
sperlingen bevölkert, welche förmliche Siedelungen bildeten und
mit lautem Gezwitscher die Behausung ihres Hausherrn umflatterten.
Einer der Horste stand am Rande des grossen Kovilerwaldes,
höchstens dreihundert Schritt entfernt von einer viel befahrenen
Strasse. In den ersten Tagen des Mai waren einzelne Kaiseradler-
_ paare noch mit dem Ausbaue des Horstes beschäftigt, andere
_ dagegen sassen auf den Eiern, und einige hatten schon Junge,
wenn auch nur solche im ersten Dunenkleide. Bei einem der
Horste, welcher in einem der entlegensten Thäler der Fruszka
Gora stand, sah ich das Männchen dem brütenden Weibehen Futter
_ zutragen.“
$
u =
y
K
„Der Kaiseradler ist in Ungarn scheu und geht dem Menschen
"rechtzeitig aus dem Wege; beim Horste dagegen bekundet er nicht
die oft überraschende Umsicht des Seeadlers. Er verlässt bei der
ersten Annäherung des Jägers zwar rascher und früher als der
-
;
2 ig. a
- jetztgenannte Verwandte den Horst, erscheint dafür aber auch bald
wieder und streicht, den Jäger oft ganz vergessend, in gerader
"Linie ohne Aufenthalt zu seiner Behausung zurück.“
3*
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Se " F}
36 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
r
„Im Walde bei Kovil verbarg ich mich auf die wirklich unzu- |
länglichste Weise in einem kleinen Weissdornstrauche, welcher die
einzige Deckung bot, in der Nähe des Kaiseradlerhorstes. Das
Adlerpaar war noch dureh nichts aufmerksam gemacht worden,
und so kam auch das Weibchen, ohne nur im geringsten umher-
zuspähen, direct auf mich zugeflogen, so dass ich es leicht er-
beuten konnte.“ !)
„Die jungen, noch nicht zur Paarung gelangten Kaiseradler
ziehen ebenso wie andere ihres Geschlechtes jagend im Lande
umher. Die Ausdehnung ihrer Streifzüge ist jedoch eine viel be-
schränktere als beim Steinadler.“
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 80, 19 62 3ls Tg 95 7
Weibchen: 86 213 58 32 Tg 8,5 8
Männchen: 8 203 60 29.5 %n 95 655
Weibchen: 82 210, 62 32,5 7 9,5 6
Weibchen: 82293, 6, Ts 10 6,5
Männchen: 81, 204, 61, 31, Te 10 7
Männchen: 75 184 57 29 6,5 9 Du
Iris hellgelb, bräunlich gepunktet, Schnabel hornblau, an der
Spitze schwarz, Wachshaut und Mundwinkel sowie die Zehen
citrongelb, Krallen schwarz. Bei einem anderen Stücke ist die
Iris silbergrauweiss, mit gelbem Anfluge und braunen Punkten und
Strichelchen, der Schnabel hellhorngrau, an der Spitze schwarz,
die Wachshaut, der Mundwinkel und der Fang citrongelb. Bei
einem Dritten sind die Farben folgende: Iris gelblich silberweiss
mit braunen Punkten, Wachshaut und Mundwinkel hellgelb, Schnabel
!) Anmerkung. Dazu bemerktHomeyerin Erinnerung seiner, während
einer langen Reihe von Jahren, alljährlich gemachten Erfahrungen am Horste:
Auch ich habe sehr oft ganz ähnliche Beobachtungen bei den verschiedensten
Raubvögeln gemacht. In der Regel war vor meiner Ankunft der Wald
nach den Horsten abgesucht, gewöhnlich auch der brütende Vogel abgejagt,
ja es kamen nicht selten Fälle vor, wo dies von verschiedenen Forst-
beamten mehrfältig geschah. Die Wirkung soleher Störungen zeigte sich
denn auch in der Regel durch sehr vermehrte Vorsicht des Brutvogels.
Achnlich erging es bei dem Baue der Schirme, wenn man — was ich jedoch
in der Regel verbat — mir dadurch förderlich sein wollte. Nach meinen
Erfahrungen ist dabei besonders zweierlei zu berücksichtigen. Der Platz,
wo der Schirm gebaut wird, muss nicht allein einen freien Blick auf den
Horst, sowie die Möglichkeit eines Flugschusses gewähren, sondern auch
so gewählt werden, dass der Bau mit der Umgebung harmonirt, nichts
Auffälliges bietet und doch so dicht ist, dass der Vogel vor Allem den
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 37
hornblau mit schwarzer Spitze. Bei einem vierten ist die Iris!)
auf selbem Grunde so stark braun gepunktet und gestrichelt, dass
‚letzte Färbung vorherrschend wird. ?)
| 6. Agucla naevia, Schreiadler.
Keineswegs selten innerhalb des Beobachtungsgebietes, brütet
der Schreiadler doch kaum in den eigentlichen Auwäldern, be-
vorzugt vielmehr, wie der Kaiseradler, zu seinen Horststätten von
Feldern umgebene Waldungen -der Ebene, welche hier wesentlich
- Eichwaldungen sind. Im Keskenderwalde horsteten sicherlich mehrere
Paare; in der Umgegend von Futtak und Kovil trat der Vogel so
zahlreich auf, dass er nächst dem Seeadler wohl als der häufigste
‚aller Adler bezeichnet werden dürfte. Die drei Stücke, welche wir
‚erbeuteten, wurden an ihren Horsten erlegt. Letzte fand Homeyer
"sanz ebenso wie in Pommern, wie denn auch der Vogel mit den
"norddeutschen und südrussischen übereinstimmt.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
"Männchen: 59,, 155, 47 23 > 95 du
"Weibchen: 68 164, 49, 24 5 Is D,5
Weibchen: 65,5 172, 47, 24 4, 10 d,8
i Die Iris eines sehr alten Vogels ist goldiggelb mit gelbbraunen
"Punkten an der unteren Hälfte des Auges; Wachshaut und Mund-
winkel sind hoch wachsgelb ; der Schnabel ist an der Wurzel horn-
"Schützen nicht bemerken kann. Ein vorhandener Busch muss, wo möglich,
vergrössert und verdichtet werden, nur mit Zweigen derselben Art. Es
‚liegt nun wohl klar auf der Hand, dass sehr selten ein Waldläufer oder
"Förster im Stande sein wird, einen zweckmässigen Schirm zu bauen, und
es daher besser ist, wenn dies ganz unterlassen und die Aufmerksamkeit
des Vogels nicht unnöthig erregt wird. Baut sich jedoch der Schütze
"selbst den Schirm, so ist es wesentlich, dass der Vogel diesen Bau nicht
"beobachtet; denn geschieht dies, so wird verdoppelte Vorsicht angewendet.
Es ist daher rathsam, den Bau möglichst zu beschleunigen und dabei recht
laut zu sprechen. Wenn dann die Anwesenden — fortwährend sprechend —
‘sieh entfernen und nur der Schütze im Schirme zurückbleibt, wird der
"Raubvogel gewöhnlich in wenig Minuten zur Stelle sein. Durchaus zu
vermeiden ist es, dass der Schütze sich angesichts des kreisenden Vogels
‚anders in den Schirm begiebt, als in völliger Deckung durch seine Begleiter.
ı) Anmerkung. Die mehr oder weniger silbergraue Zeichnung der
Iris zeigt ein besonders hohes Alter an, die mehr braune Zeichnung grössere
Jugend.
2%) Anmerkung. Der Ziesel, welcher die Hauptnahrung nicht allein
ieses Adlers, sondern auch verschiedener anderer Raubvögel bildet, lebt
in den vom Kaiseradler bewohnten Gegenden ausserordentlich zahlreich,
'so dass er zur Landplage wird.
38 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
blaugrau, an der Spitze schwarz, der Fang ist pommeranzengelb.
Bei einem etwas jüngeren Vogel war die Iris bräunlichgoldgelb
und die aus Punkten bestehende Fleckung des Auges besonders
deutlich.
7. Aquila pennata, Zwergadler.
Die Beschaffenheit der Waldungen der Fruszka Gora liess im
Voraus annehmen, dass der Zwergadler in ihnen horsten müsse,
und diese Annahme erwies sich als richtig. Jedoch schien es, als
ob der Vogel sehr einzeln vorkommt, da er während der ganzen
Reise nur noch an drei anderen Orten und zwar unweit Apatins,
oberhalb Czerevitz und in den Waldungen in der Nähe Kovils‘
beobachtet wurde. Ein offenbar zusammengehöriges Paar, welches
Erzherzog Rudolf kreisen sah, bestand aus einem lichten und
einem dunklen Vogel. Da der ebengenannte Mitarbeiter den Zwerg-
adler als regelmässigen Brutvogel des kaiserlichen Thiergartens bei
Lainz, unweit Wien, kennen und lieben gelernt hatte, schonte er ein
Paar, um Lebensbeobachtungen anzustellen:
„Es ward mir“, sagt er, „während der Reise mehrmals die Freude
zu Theil, Aguila pennata sowohl in den Auwäldern, als auch in den |
Landwäldern und in den Gebirgen der Fruszka CHR zu beobachten | |
und zu erlegen. In den Auen bei Apatin kreiste auf nahe Schrot-
schussweite ein Zwergadlerpaar über mir umher; das kleinere
Exemplar, offenbar das Männchen, trug das schöne weisse, und
das grössere Weibchen das dunkelbraune Kleid. In der Fruszka-
Gora bemerkte ich wieder ein Paar dieser Gattung, bei dem sich '
die Farben ebenso verhielten wie bei dem früheren. An einem Horste,
welcher von den Jägern genau als der eines Königsweih gekannt
wurde, erlegte ich ein prachtvolles Exemplar der Aquila pennata
im lichten Kleide; erst auf mehrfaches Klopfen verliess es den
inneren Raum des Horstes. Es war dies schon das zweite Mal, |
dass ich diesen kleinen Adler am Horste des rothen Milanes, |
jedesmal auf einer Buche erlegte; das erste Mal geschah es im
Mai des Jahres 1876 im Wienerwilde bei Hüttendorf. Im Koviler-
walde fand ich in einem fälschlich als Schreiadlerhorst angegebenen
Zwergadlerhorste ein brütendes Weibchen, im dunklen Kleide; das’
Männchen im lichten Kleide stand auf einem der unteren Aeste/
eines daneben stehenden Baumes,“
„Ausserdem begegnete ich im Kovilerwalde noch mehren ein-|
zeln umherstreichenden Zwergadlern, meistens der lichten Farben-|
Varietät.“
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 39
Homeyer bemerkt dazu: Vorstehende Beobachtungen be-
stätigenüber jeden Zweifel, dass die Färbung der Zwergadler eine
Artverschiedenheit nicht begründet und wohl anzunehmen ist, dass
die Mehrzahl der Männchen in Ungarn ein lichtes, die der Weibchen
ein dunkles Kleid trägt. Ob dies überall so ist, bleibt noch zu
‚beobachten. Von Herrn Ludwig Holtz erhielt ich von seiner
‚südrussischen Reise drei beim Horste erlegte Zwergadler, dabei
‘ein sehr dunkles schönes Männchen und ein lichtes Weibchen,
letztes jedoch ein wenig dunkler als die ungarischen Männchen
‚und alte Vögel aus Spanien.
| DB 2. 3..u..Sehz:. ; ‚Schl.;, ı. Ew. .,.Mz.
5 130 40 22 BIN 6,5 5
Bars, 132:..,39,; 22 Bis 6,5 5
Iris röthlich braungelb, Wachshaut und Mundwinkel blassgelb,
‚Zehen ebenso, Schnabel hornblau, mit schwarzer Spitze. Bei dem
‚zweiten: Iris bräunlich goldgelb, an der Unterseite des Auges mit
bräunlichen verschwommenen Punkten, Wachshaut und Mund-
"winkel citrongelb, Zehen matteitrongelb, Schnabel hornblau, Spitze
schwarz.
8. Pandion haliaötus, Fischadler.
Der Fischadler zählt keineswegs zu den seltenen Brutvögeln
‚des Gebietes, horstet aber, soweit wir in Erfahrung bringen konnten,
nicht in den Auwäldern, sondern stets in den im Innern des
Landes gelegenen ausgedehnteren Feldgehölzen. Von diesen aus
‚besucht er während der Zugzeit alle grösseren und kleineren
"Wasserbecken des Landes und meidet, wie es scheint, die Donau
so lange, als seine Jagd dort ergiebig ist. Im Vergleiche zu seinem
‚sonstigen Auftreten zeigt er sieh in Ungarn auffallend wenig scheu,
‚nähert sich beispielsweise vorüberfahrenden Wagen bis auf Schuss-
weite und lässt sich auch am Horste verhältnissmässig leicht be-
rücken. Letzter stand im Keskenderwalde, woselbst mehre Paare
"nachbarlich !) brüten, ganz in gewohnter Weise auf den obersten
"Wipfelästen alter Eichen, hatte die übliche korbartige Gestalt,
g
Ü
"unterschied sich überhaupt in keiner Weise von der regelmässigen
‚Bauart.
we
; 1) Anmerkung. Homeyer bemerkt dazu: Der Fischadler lebt ge-
‚selliger als die meisten Raubvögel, indem die Horste nicht so selten
"ganz nahe bei einander stehen, ist auch in Norddeutschland beim Horste
"nicht so vorsichtig, wie die grossen Adler, so lange er nicht gestört wurde,
\
40 Kronprinz Rudolf, E. vv. Homeyer u. Brehm:
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Weibehen: 61 168 bi 24, 5 6,5 5
Männchen: 57 160 49 ° 2 2 Sion 4
Iris eitrongelb, Schnabel schwarz, an der Wurzel sowie die
Wachshaut bleiblau, Füsse weisslich hornblau, Krallen schwarz.
9. Circaötus brachydactylus, Schlangenbussard.
(Schlangenadler). ;
Zwei Horste wurden aufgefunden, von denen sich der eine im
Keskenderwalde, der andere in der Fruszka Gora befand; letzterer
wurde vom Prinzen Leopold beobachtet. Wahrscheinlich kommt
jedoch dieser Raubvogel öfter vor, als dies den Anschein hat, da er sich |
sehr still verhält und nur im Anfang der Brutzeit über dem Brut-
platz — nach Art anderer Raubvögel — in hoher Luft schöne Kreise
zieht, wie Homeyer dies in Pommern beobachtete. Derselbe sah
unsern Vogel auch sehr spät am Abend noch in niederem Fluge
in der Nähe seines Brutplatzes dahinstreichen, was in sofern auf-
fallen muss, als Schlangen und Eidechsen zu später Tageszeit —
bei schon eingetretener Dämmerung — nur in warmer Jahreszeit
sichtbar sein möchten. !)
Der im Keskenderwalde befindliche Horst stand nach der Be-
obachtung des Erzherzogs Rudolfund nach Homeyer später an
Ort und Stelle niedergeschriebenen Notizen, nur etwa achtzig Schritt
von einem Hauptgestelle, auf einer alten knorrigen, bis in die
Krone dicht mit Epheu bewachsenen, oben breitästigen Eiche. Die-
selbe war rings von jüngeren — etwa funfzigjährigen — Weissbuchen
dicht umgeben, nahe über deren höchsten Spitzen der grosse Horst
auf einem starken, oben im Winkel von 45 Grad vom Stamme
ablaufenden Aste weitab von diesem und rings von Epheu um-
rankt stand. \
Ueber das Betragen der Vögel bemerkt Erzherzog Rudolf:
„Als ich mich dem Horste näherte, war das Weibchen im
innern Raume der Behausung, während das Männchen auf dem
Gipfelaste eines nebenstehenden Baumes kauernd sass. Nach dem
ersten erfolglos abgefeuerten Schusse kreisten die aufgescheuchten
Vögel nur wenige Minuten über dem Platze; dann trennte sich das
Weibchen vom Männchen und strich mit angelegten Flügeln sausenden
Fluges zum Horste, um sich an den Baum auf eine sehr merk- %
W
d
) Anmerkung. Uebrigens deutet das sehr grosse Auge dieses Vogels
auf solche Liebensart hin,
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 4i
- würdige Weise, anzuklammern, in welcher Stellung das tödtliche
Blei den allzu dreisten Vogel ereilte.“
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Weibchen: 70 179,8 56 29,5 D,5 8,5 5
Iris goldgelb, Schnabel und Wachshaut horngrau, Schnabel
an der Spitze schwarz, Fusswurzel und Zehen weisslich horngrau.
Das aus dem Horste genommene Ei weicht in sofern von der
gewöhnlichen Eiform dieses Vogels ab, als dasselbe nicht so rund,
sondern weit spitzer und gestreckter ist.
10. Buteo vulgaris, Bussard.
Wie überall ist der Bussard auch in Ungarn verbreitet, jedoch
nicht so häufig, wie in vielen Wäldern Deutschlands, wo er ge-
wöhnlich zahlreicher lebt, als alle übrigen Raubvögel zusammen-
genommen. Es wurden gelegentlich drei Stück erlegt, wahrschein-
lich alles Weibchen.
L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Ban sh 49,128 a Br;
Baal: 48 23 3% Tisoaeerd
Bnsa A 23 4 7 3%
11. Pernes apevorus, Wespenbussard.
Obwohl wir den Wespenbussard einigemal beobachteten, so
am 24. April in der Gegend von Apatin und am 2. Mai in der
Nähe von Futtak, wurde doch kein Vogel erlegt und eben so wenig
ein Horst gefunden.
12. Falco lanarcus, Würgfalk.
In unserem ganzen Beobachtungsgebiete ist der ständig vor-
- kommende grosse Edelfalk nicht der Wander-, sondern der Würg-
falk. Ersteren haben wir nirgends zu Gesichte bekommen, letzteren
oft beobachtet und zwar eben so wohl in der Fruszka-Gora wie in
den Auwäldern. Auf einem am 14. April in der Nähe von Wien
unternommenen gemeinschaftlichen Jagdausfluge fanden wir in
den Donauauen unfern Aspern ein Paar Würgfalken, ofienbar am
Brutplatze, von denen das Männchen beim Verfolgen einer Taube
durch den ziemlich dichten Hochwald, aus grosser Entfernung,
vom Kronprinz Rudolf erlest wurde, Schon vier Tage später
war dasselbe ersetzt.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Würgfalk von Wien
an donauabwärts überall in den Auen und anderen passenden
Localitäten vorkommt.
Dem geübten Blicke eines scharfen Beobachters fällt es nicht
42 Kronprinz Rudolf, E. vv. Homeyer u. Brehm:
schwer, den Würgfalken mit Sicherheit anzusprechen, beziehentlich
ihn mit Bestimmtheit vom Wanderfalken zu unterscheiden. Das
Flugbild beider verwandten Arten ist doch ein wesentlich ver-
schiedenes: Der Leib des Würgfalken erscheint gestreckter, der
Flügel länger und spitzer, jedoch der Arm- und Schulterschwingen-
theil merklich breiter als beim Wanderfalken. Es ist schwer diese
Unterschiede mit Worten wiederzugeben; dass sie aber vorhanden
sind, bewies die übereinstimmende, sicher ausgesprochene Mei-
nung von Brehm und Homeyer beim Erblicken des jagenden
Falken über die Art desselben. Nicht ganz stimmen beide Beob-
achter über die Fluggewandheit des Würgfalken im Vergleiche zum
Wanderfalken überein.
Brehm glaubt den Flug des Würgfalken besser mit dem
Lerchenfalken als mit dem Wanderfalken vergleichen zu können,
meint auch, dass der Würgfalk schneller, gewandter und wahr-
scheinlich kühner sei, als der Wanderfalk; Homeyer will
nach der kurzen Beobachtung des Würgfalken nicht mit voller
Sicherheit aussprechen, ob diesem oder dem Wanderfalken der
Preis zu ertheilen sei, glaubt jedoch den Wanderfalken für
mindestens eben so schnell, gewandt und kühn halten zu müssen
als den Würgfalken.
Geschlecht. L. B. FE. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 48 88 24 12,, Ts
Iris dunkelbraun, Füsse bläulichgelb.
13. Falco subbuteo, Baumfalk.
Den Baumfalken fanden wir auf unserer Reise nur sehr einzeln.
Die grossen Wälder der Donau-Niederungen sagen ihm auch meist
wenig zu, und die kleineren Gehölze der Umgegend besuchten wir
nur gelegentlich. Es wurde kein Horst beobachtet und nur ein
.sehr schönes altes Männchen erlegt.
Einen Baumfalken beobachtete Erzherzog Rudolf unter eigen-
thümlichen Umständen. Auf einer hochstämmigen Eiche in den
Auwaldungen der Herrschaft Bellye stand ein ziemlich grosser
Horst, dessen Bewohner der Förster bisher niemals hatte genau
bestimmen können. Auf den ersten Blick hin hätte man den Horst
für die Behausung eines Mäusebussards halten mögen. Ein Schlag
an die Rinde des Stammes trieb einen Lerchenfalken weg, welcher
von dem Beobachter angeschossen, leider aber nieht aufgefunden
werden konnte. „Es schien mir unfasslich,“ bemerkt Erzherzog
Rudolf, „dass dieser so grosse Bau einem so kleinen Vogel zur
i Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 43
- Wohnung dienen sollte. Auch der Jäger meinte, dass der Raub-
_ vogel, den er sonst hier bemerkt hatte, viel mächtiger sei. Aus
Ä diesem Grunde beschloss ich, unter dem Horste mich zu verstecken,
_ und schickte den Jäger auf die Waldblösse zurück. Nach einiger
- Zeit strich ein Würgfalk hoch über mich weg. Schon hoffte ich,
\ dass dieser seltene Räuber der Bewohner des Nestes sein möge;
- doch nach einigen Secunden war er meinen Blicken entschwunden.
Wenige Minuten später erschien rechts von mir, niedrig zwischen
- den Zweigen der nächsten Bäume, ein ziemlich bedeutender Raub-
pyosel fast von der Grösse eines Mäusebussards, strich aber so
rasch zum Horste, dass ich nicht Zeit hatte, ihn genau zu erkennen.
Bevor er sich einschwingen konnte, verwundete ihn mein erster
Schuss. Langsam senkte er sich zwischen den Stämmen der
- Bäume der Erde zu und verschwand meinen Blicken in einem
dichten Gebüsche. Alles wurde nun genau abgesucht, Staude für
}
|
- Staude; doch das hohe Riedgras vereitelte unsere Bestrebungen.
- Dieser Unfall that mir sehr leid; denn es wäre erstens von hohem
_ Interesse gewesen, zu wissen welcher Gattung dieser grössere
- Raubvogel angehöre und welcher Grund den kleinen Lerchenfalken
in dessen Horst getrieben hatte. Ich kann mir diese Erscheinung
in keiner Weise erklären. So viel ich erkennen konnte, hatte ich
es mit einem Zwergadler zu thun, bin jedoch nicht im Stande, diese
- Vermuthung zu bekräftigen.“
Br enleeht I. DB. FE. : Schz.' Schl.... Ewun.luMaz.
E Männchen: 32, 75 14, ..14 2 3 35
| Iris dunkelbraun, Augenrand und Augengegend, Wachshaut
_ und Füsse hocheitrongelb, Schnabel hornblau, an der Spitze
schwarz, Nägel schwarz.
| 14. Falco tinnunculus, Thurmfalk.
Nicht seltener Brutvogel des ganzen Beobachtungsgebietes,
| bevorzugt der Thurmfalk doch, wie zu erwarten, weiter im Lande
gelegene Feldgehölze. Zahlreich, doch wohl noch theilweise auf
- dem Zuge trafen wir ihn in der Herrschaft Bellye, auf dem Rück-
_ wege vom Keskenderwalde, woselbst er die Bäume an der Strasse
- zu seinen Warten gewählt.
E Geschlecht. u: °. B, “ F. Schz»} sell. aucrkwsik , Mz:
E Männchen: 33. 72,24 16 2 4 2,8
- Männchen: — 72, 235 — 1,9 4 3
- Männchen: 33 73 a N 3 Bil üaa
Weibchen: 4 5 23, .18 2 ee:
44 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Iris nussbraun, Schnabel hornblau, an der Spitze schwärzlich;
Wachshaut, Mundwinkel und nackte Stelle am Auge wachsgelb;
Füsse trüb wachsgelb; Krallen schwarz.
15. Falco vespertinus, Rothfussfalk.
Während wir in der Fruszka Gora Geier und andere grosse
Horstvögel beobachteten, wurde von einem der Jäger des Grafen
Chotek ein Rothfussfalk erlegt, und zwar aus einem auf zwei-
hundert Stück geschätzten Fluge, welcher langsam donauabwärts
zog und im Wesentlichen die Richtung der das Ufer begleitenden
Strasse einhielt, wo die einzelnen Vögel bald kreisend jagten, bald
auf den Bäumen am Wege ausruhend sich niederliessen. Einen
Tag später traf Prinz Leopold noch einen Flug an und ver-
wundete einen Rothfussfalken, vermochte ihn jedoch nicht auf-
zufinden.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fv. Mz.
Weibchen: 31 12° 23,5 14 42 2y 2,6
Iris dunkelbraun, Schnabel hellbleiblau mit schwarzer Spitze
und hochgelber Wurzel, Wachshaut, Mundwinkel, nackte Augen-
kreise und Füsse lebhaft mennigroth, Krallen schwarz.
16. Falco cenchris, Röthelfalk.
Unter den Rothfussfalken befanden sich auch mehrere, dem be-
treffenden Jäger wohlbekannte Röthelfalken, welche, wie immer,
mit den Verwandten zusammenhielten. Erlegt wurde keiner der
schmucken Vögel.
17. Astur palumbarius, Habicht.
Obwohl wir den Habicht nicht tagtäglich zu Gesichte bekamen,
dürfen wir doch mit Bestimmtheit annehmen, dass er keinem Theile
unseres Beobachtungsgebietes fehlt; er findet in ihm überall zu-
sagende Wohn- und Horstplätze und ebenso reichliche Beute. Die
Horste, welche wir besuchten, befanden sich ausnahmslos in den
Feldgehölzen des linken Ufers; Habichte wurden jedoch auch im
Keskenderwalde beobachtet und werden unzweifelhaft dort horsten.
Homeyer bemerkt dazu: Wiederholt habe ich zwar Männchen
und Weibchen beim Horste, oft kurz nacheinander erlegt, jedoch
bisher stets zuerst das Weibchen. Es war mir daher sehr inter-
essant, in einem Walde bei Futtak zuerst das vom Horste ab-
fliegende sehr kleine alte Männchen zu erlegen. Das Weibchen
zeigte sich auch bald, war jedoch so scheu, dass es sich nicht nahe
kommen liess.
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 45
|
; “Geschlecht, L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Weibchen: BOT. 28 3 Du, 5
Männchen: 53, 101, 31 DIS 28 6,8 4,5
"Männchen: 53 102 31, 25 3 Ta 5
| Weibchen: 60, 114 35 22 4 6 6
| Iris rothgelb, Füsse und Wachshaut citrongelb, Nägel schwarz.
| 18. Nisus communes, Sperber.
| Den Sperber sahen wir auffällig selten, ja in den Auwäldern
= gar nicht. In der Nähe des Keskenderwaldes machte einer
mit Erfolg Jagd auf eine der wenigen Lerchen. Im Walde von
Kupincua, an der Save, fand ihn Landbeck zahlreich.
19. Melvus ater, Schwarzer Milan.
| Unzweifelhaft der häufigste aller Raubvögel des ganzen Ge-
- bietes ist der schwarze Milan. Er begrüsste uns bereits mitten in
‚der Stadt Pest und wurde fortan tagtäglich und allerorten, am
häufigsten aber doch überall in unmittelbarer Nähe der Donau be-
-obachtet. Hier in den Auwaldungen stand auch regelmässig sein
_ Horst auf schwächeren oder stärkeren Bäumen in sehr verschiedener
- Höhe und eben so verschiedenen Stellungen im Baume, wie dies mit
‘den Verhältnissen an anderen Orten auch ganz übereinstimmt.
Alle Milane, welche wir am Horste beobachteten, sassen noch
; brütend auf Eiern, und zwar einzelne so ungewöhnlich fest, dass
wir den Horst beschiessen mussten, um sie überhaupt aufzutreiben.
Alle Beobachtungen, welche Erzherzog Rudolf über die Lebens-
weise gesammelt und in Brehm's ‚‚Thierleben“ (zweite Auflage,
Band IV, Seite 690) niedergelegt hat, wurden vollkommen be-
stätigt, so dass wir auf das dort Gesagte verweisen dürfen.
4 An der Donau, und der ungarischen Umgegend, gehört der
Poohwarze Milan wohl zu den unzweifelhaft nützlichen Vögeln. Wie
überall lebt er vorzugsweise von todten Fischen und vom Aase,
auch daneben von Fröschen. Lebende Thiere der höheren Klassen
greift er wohl sehr selten an und wird deshalb neben den Geiern
E: die Gesundheitspolizei wichtig. Wenn schon in Norddeutsch-
land es öfter vorkommt, dass mehre Horste nahe bei einander
"stehen, so ist dies in m noch weit öfter der Fall und zeigt
"sich der schwarze Milan auch hierin als ein geselliger Vogel. Wenn
‚er aber auch ungewöhnlich fest brütet, so ist er deshalb durchaus
nicht zu den dummen Vögeln zu rechnen. In den von uns be-
‘suchten Gegenden hat er keinerlei Nachstellungen zu ertragen,
und sein Zutrauen zu dem Menschen ist wohl begründet. Anders
46 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
ist dies in andern Gegenden, wo er einmal gestört, Beweise
grosser Vorsicht und Klugheit giebt. Aber auch in Ungarn war
sein Benehmen sehr verschieden, und manche bereits mehrmals
gestörte Vögel waren ebenso vorsichtig wie in Norddeutschland.
Geschleht. .L_ B. F. Sch Sch. Fw Mz 2
Männchen: 55, 137 44 2D,5 3 5 4
Weibchen: 58 145 46, 238 35 5 4,
Weibehen: 57: 136: 45, .26,; 4 5,5 3,
Weibchen: 58, 141 46, 28; 4, Du 4
Weibchen: 58 142 46 Ta 34 Bu: 3
Weibchen: 59 145 47 29 36 5 3,5
Weibchen: 59 145 45, 27 34 5 4
Weibchen: 58 12 46 28 ah dc
Weibchen: 59 144 48 28,5 3% 5 Iy
Iris schwefelgelb, beim Weibchen mit gewässerten bräunlichen i
Flecken, Schnabel schwarz, Wachshaut und Mundwinkel citron-
gelb, Füsse chrom- oder pommeranzengelb, Nägel schwarz.
20. Milvus regalis, Königsmilan — Königsweih.
Ungleich seltener als der schwarze Milan tritt der verwandte
Königsweih oder Königsmilan auf. Ihn sahen wir nur einzeln oder
paarweise, fanden auch keinen Horst, und es ist daher möglich, dass
die wenigen von uns beobachteten Vögel in diesem Jahre überhaupt
nicht brüteten.
Weiter die Donau abwärts wird er immer zahlreicher und.
kommt in der Dobrudscha ausserordentlich häufig vor, unter Ver-
hältnissen, welche denen Ungarns ähnlich sind. |
21. Circus cyanus, Kornweihe. \
Wir sahen diese Weihe nur ganz gelegentlich ein- oder zweimal;
auch Landbeck giebt dieselbe als für Syrmien selten an. In den
Fluren Enns soll sie nicht selten sein. 1
22. Circus cineraceus, Wiesenweihe.,
Da wir keine Feldweihe erlegten und diejenigen, welche wir
bemerkten, immer nur aus sehr bedeutender Entfernung zu sehen
bekamen, sind wir ausser Stande, mit Sicherheit anzugeben, ob wir
neben der Kornweihe auch die Wiesenweihe oder nur die eine
oder die andere gesehen haben. Nach den ein eRERNER Beob- 1
achtungen Erzherzog Rudolf’s, welche inBrehm’s „Thierleben‘“
(zweite Auflage, Band IV, Seite 701 fi.) veröffentlicht wurden, tritt |
in den Auen der Umgegend von Wien die Wiesenweihe viel häu-
figer auf als die Kornweihe, und wir können daher unter Berück- |
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 47
sichtigung des Verbreitungskreises beider Arten wohl mit Sicher-
heit annehmen, dass donauabwärts dasselbe der Fall ist. ')
23. Circus aeruginosus, Rohrweihe.
Alle Sümpfe, Brüche und mit Rohr bestandene Seen Ungarns
sewähren der Rohrweihe so vorzügliche Aufenthaltsplätze, dass sie
geeigneten Ortes keinem Theile unseres Beobachtungsgebietes fehlt
und an besonders günstigen Stellen häufig auftritt. Ein schwimmender
Horst von ihr wurde am 3. Mai von Brehm in dem grossen
Sumpfe oberhalb Kovils gefunden. Derselbe stand, wie hier ge-
wöhnlich, im alten Rohre,und schien erst durch das Hochwasser
gehoben worden zu sein. Obwohl bereits fünf Eier in demselben
lagen, schleppte das Weibchen noch eifrig lange Rohrstengel
herbei und bemühte sich, dieselben nach Thunlichkeit zu ordnen.
Einen ähnlichen schwimmenden Horst mit nur einem Ei fand Ho-
meyer am 5. Mai im Sumpfe Hullo auf altem zusammengetriebenen
Rohr, über zwei Meter tiefem Wasser. Hinsichtlich des Auftretens
und der Lebensweise verweisen wir auf die eingehende Schilderung
Erzherzog Rudolf’s in Brehm’s „Thierleben“ (zweite Auflage,
Band IV, Seite 705 ff.).
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Ma».
Weibchen: 55 136 43 24,, is 85 5
Iris hellgelb, Schnabelwurzel und Wachshaut hornblau, Schnabel-
spitze schwarz, Füsse hellgelb, Krallen schwarz.
24. Bubo mazximus, Uhu.
Fast möchte man annehmen, dass der Uhu die häufigste Eule
unseres Beobachtungsgebietes ist. Keine andere seiner Familien-
Verwandten wurde so häufig gesehen und erlest als er, keine auch
erschien so wenig wählerisch hinsichtlich ihrer Aufenthaltsorte.
‚Die alte Regel, dass reichliche Nahrung und die Leichtigkeit solche
zu gewinnen, Vögel an einen bestimmten Ort fesselt, und dass
‘sie dann in derartigen Gebieten meist häufig auftreten, bestätigt
‘sich auch in diesem Falle. Den uns begleitenden Jägern waren
mehrere Horste bekannt; wir fanden Uhus aber auch zufällig auf,
‚beim Durchstreifen der Waldungen. Einer von ihnen, welcher am
25. April von Prinz Leopold erlegt wurde, sass auf einem Aste
!) Anmerkung. Nach den Beobachtungen früherer Reisenden kommt
"die Wiesenweihe weiter östlich zahlreich vor und mit ihr auch gar nicht
‚selten die Steppenweihe als Brutvogel. Uebrigens mochte auch der hohe
Wasserstand dazu beitragen, diese Vögel die von uns besuchten Gegenden
meiden zu heissen.
48 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
unter dem nicht bewohnten Horste eines Seeadlers !) so fest, dass
er das Zusammenklatschen der Hände nicht beachtete, sich daher
ohne Weiteres unterlaufen liess und im Sitzen herabgeschossen
wurde. Ein anderes Paar hatte zum Horste, und somit auch zu
seinem Wohnsitze, eine höchstens fünfzehn Meter hohe, steil ab-
fallende Erdwand gewählt, deren Fuss ohne die geringste An-
strengung erreicht, und deren oberer Rand eben so leicht begangen
werden konnte. Weinberge umgaben die Abrutschung, und gerade
während der Nistzeit waren die Bauern ringsum beschäftigt ge-
wesen, ohne den Uhu, dessen Horst sie wussten, zu vertreiben,
freilich hatten sie ihn weder belästigt noch behelligt.?) Wenn
diese Horsistelle als eine ungewöhnliche bezeichnet werden muss,
so ist es eine andere, welche Erzherzog Rudolf besuchte, in noch
höherem Grade.) In ‘einem Auwalde unweit der Stadt Apatin
hatte das Uhupaar die Höhlung eines sehr starken wagerechten
Astes zum Brutplatze erwählt, und das brütende Weibchen sass
hier so tief im Innern, dass es von aussen nicht bemerkt werden
konnte, wusste sich auch in der Brutkammer trotz einer echten
Höhleneule zu benehmen und so geschickt und rasch das Freie zu
gewinnen, dass es beim Abtreiben glücklich entkam. In zwei von
unseren Steigern ausgenommenen Horsten lagen je drei Junge,
welche sämmtlich noch das Dunenkleid trugen. “
In den Augen der ungarischen und serbischen Förster gilt der
Uhu keineswegs als besonders schädlicher Raubvogel. Man be-
hauptet, dass er sich vorzugsweise von Zieseln ernährt, und macht
wegen eines etwaigen Uebergriffes auf dieses oder jenes Jagdthier
wenig Aufhebens, lässt ihn daher ziemlich ungestört gewähren und
nimmt höchstens auf Verlangen seine Jungen, um diese donauauf- |
wärts zu verkaufen. Dass in Ungarn die Vögel den Uhu weit
!) Anmerkung. Es wäre möglich, dass dieser Horst vom Uhu zum |
Brutplatz erwählt war, vielleicht, nachdem seine erste Brut umgekommen. | |
=) Anmerkung. Homeyer bemerkt hierzu: Der Uhu ist auch in |
Pommern in der Wahl seiner Brutplätze oft recht unvorsichtig. So fand
ich einstmals ein Weibchen im hohen Kieferwalde hinter einem ganz
kleinen Wachholderbusch auf zwei Eiern an der Erde sitzend, fast ohne 4
jegliche Unterlage und an einer Stelle, wo eine Schafheerde täglich in
einer Entfernung von dreissig Schritt torabarkam, Der Vogel liess sich bie
auf wenige Schritte nahe gehen, und die stark bebrüteten Eier bewiesen
die Dauer dieser Zustände, #4
®) Anmerkung. Eines ähnlichen Falles erwähnt Landbeck bei
Gelegenheit seiner ungarischen Reise, |
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 49
weniger verfolgen als anderswo, und zwar wohl theils aus dem
Grunde, weil sie sich bei seinem häufigen Auftreten an ihn ge-
"wöhnt haben, theils vielleicht, weil er in der That mehr den Zieseln,
als den Vögeln nachstellt, wurde bereits (Seite 33) erwähnt.
‚Geschlecht. I. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
"Männchen: 62,5. 1153 45 25,5 55 cz er
Weibehen: 77 176.45 28 6 Ts [P
Iris röthlich goldgelb, Schnabel und Krallen schwarz.
| 25. Syrnium aluco, Waldkauz.
Wahrscheinlich ist auch der Waldkauz an der mittlern Donau
‚nirgends selten, doch ist: wohl sehr erklärlich, dass bei seiner am
Tage stillen Lebensweise er sich der Beobachtung entzog. Der
"einzige, welcher von Brehm erlegt wurde, ein altes Weibchen mit
noch nicht wieder befiedertem, grossem Brutflecke, gelangte am
2. April in unsere Hände; drei Junge wurden einige Tage später
ausgenommen.
‚Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. .Mz.
een, 28 el ee Eee
Iris dunkelbraun, Schnabel bläulich hornweiss, nach der Spitze
zu rein hornweiss, Krallen an der Spitze dunkelhornbraun, nach
der Wurzel zu hornweiss.
| 26. Syrnium uralense, Habichtseule.
h Während unseres kurzen Aufenthalts in der Fruszka Gora
bemühten wir uns vergeblich, die Habichtseule zu Gesichte zu be-
"kommen oder ihren Horst aufzufinden; dass sie jedoch zu den
ständigen Bewohnern des Gebirges zählt, unterliegt, nach den
"Aussagen der dortigen Förster und Waldläufer, keinem Zweifel.
Die einen wie die anderen kannten sie sehr ah beschrieben sie
‚uns mit hinlänglicher Genauigkeit und gaben an, dass sie aus-
‚nahmslos in Baumhöhlungen horste. ?)
27. Cuculus canorus, Kukuk.
- Der Kukuk, dessen Ruf wir zuerst am 15. April in den Donau-
I
gen bei Wien vernommen hatten ?), zählt zu den häufigsten Vö-
1) Anmerkung. Landbeck fand den Steinkauz (G@laueidium noctua)
En Sirmien ziemlich gemein, den Rauchfusskauz (Glaueidium dasypus) an
"der Save nicht selten, die Schleiereule (Strix flammea) einzeln in den
Dörfern und die Wendehrenke mehr in den Nadelwäldern höherer Ge-
|birge, selten in den Ebenen der Save. u: ist von diesen Eulen keine zu
Gesichte gekommen.
u > Anmerkung. Bereits einige Tage zuvor hatte Kronprinz Rudolf
ihn auf einem Jagdausfluge gehört.
Cab, Journ. f, Ornith, XXVII, Jahrg. No. 145. Januar 1879. 4
50 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
geln unseres Beobachtungsgebietes und macht, wie überall, keinen |
Unterschied zwischen den Waldungen der Höhe oder der Tiefe,
den Auwäldern und den Feldgehölzen. Schon am 23. April und)
fortan während der ganzen Zeit unserer Reise rief er mit vollem
Feuer. !)
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 35, 62 22 17 2,5 1,5 2,4
Männchen: 36 5 Pu 7} 18,5 2,3 1,0 2,3
Männchen: 33, 594 "21 16,5 23 2, 2
Iris eitrongelb, Oberschnabel und Spitze des Unterdckiiabene
hornbraun, Unterschnabel und Rand des Oberschnabels hellhorn-
braun, Mundwinkel und Füsse chromgelb, Nägel weisslich horn-
braun. |
28. Alcedo ispida, Eisvogel.
Dem Eisvogel bietet die mittle Donau wenig geeignete Stellen
zur Ansiedelung, und er zählt deshalb zu den seltenen Erschei-
nungen. Während der ganzen Zeit wurde er nur ein einziges Mal,
und zwar an einer mit Stauwasser angefüllten Ausschachtung, be-
obachtet; in der einen Wand derselben befand sich auch, nicht sehr
günstig, seine Nisthöhle. | |
29. Merops apiaster, Bienenfresser. |
Am 15. April besuchten wir die in der Nähe von Wagram,
also in Niederösterreich, gelegenen Niststätten des Bienenfressers,
welche noch vor einigen Jahren regelmässig bevölkert waren, nun-
mehr aber verlassen sind. Auf unserer Reise sahen wir Bruthöhle
erst in der Nähe von Czerevitz, zur Zeit jedoch noch ohne ihr
Bewohner, da deren Ankunft in Süd- und Mittelungarn kaum vo
Ablauf des ersten Drittels des Mai zu erfolgen pflegt.?) Ei
einziger Vorläufer der Ankömmlinge wurde am 1. Mai vom Jäge
Beck gesehen. Später belebten, wie uns Graf Rudolf Chote
mittheilt, die schönen Vögel die Umgegend von Czerevitz in Menge
Ihre Nisthöhlen befinden sich dort in senkrechten Wänden un
Abrutschungen nicht unmittelbar an der Donau, sondern tiefer im
Lande an den Ufern, welche der Strom bespülte, bevor der stark
Durchbruch bei dem eisernen Thor erfolgt war, zur Zeit, als er
!) Anmerkung. Vergleiche was in der Schlussbemerkung gesagt.
2) Anmerkung. Im April vorigen Jahres wurde auf der Stolpe
Feldmark bei einem kleinen Gebüsche ein Bienenfresser erlegt, der sich seh
munter zeigte, obgleich während der Nacht noch ein leichter Schneefall
gekommen war. Homeyer.
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. Si
hier noch den grossen Süsswassersee Mare dulce bildete und fast
das ganze Tiefland von Pannonien bedeckte. Ende Juli waren,
nach gefälliger Mittheilung Chotek’s, die Jungen bereits halb
ausgewachsen.
30. Coracias garrula, Blaurake.
Die Auwaldungen sind wegen der häufigen Ueberschwemmungen
für die Blaurake nicht oder wenig geeignet, desto mehr die Feld-
gehölze, welche ihnen in nächster Nähe ihre Nahrung in Cicaden
und anderen Insecten bieten, was in den Niederungen durch die
häufigen und andauernden Ueberschwemmungen unterbrochen wird.
Zahlreich beobachteten wir sie während der Fahrt vom Keskender-
walde zur Donau, auf Bäumen im Felde und am Wege. !)
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
32,5 62,5 19, 1 lg 2,8 1, 28
32,5 6355 19,5 12,, 2,8 l,o 2,3
B2,,,766,, 20 2.012, I 2 2
330.265,5.411.20,5 19413 > 2 2
33,8 65,3 119) 12,, Ir: 2 2,3
Iris prahrann; Füsse horngelb; Schnabel schwarz.
31. Be amulgus europaeus, Ziegenmelker.
Der Ziegenmelker gehört innerhalb unseres Beobachtungsge-
bietes vielleicht nur den Feldgehölzen, vielleicht noch der Fruszka
Gora an. Kronprinz Rudolf erlegte am 26. April einen, welcher
auf freiem Felde am innern Saume der Auwaldungen sass. Der
Paarungsruf wurde von uns nicht vernommen.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
28 1,59,5.20,,0, 9 14 Osg 2 Ly
Iris dunkelbraun; Augenrand gelblich; Schnabel schwarz;
Füsse hornbraun mit weisslichen Schildrändern; Nägel schwarz.
32. Cypselus apus, Mauersegler.
In den ersten Tagen unserer Reise schien auch in Ungarn der
Mauersegler noch nicht eingetroffen zu sein; dagegen umflog er
am 4. Mai in namhafter Menge die Mauern und höher gelegenen
Gebäude der Festung Peterwardein.
39. Picus martius, Schwarzspecht.
Der Schwarzspecht soll Standvogel der Fruszka Gora sein.
Brehm glaubt ihn gehört zu haben, auch die Förster und Wald-
1) Anmerkung. Wahrscheinlich noch auf dem Zuge. Es konnten
von Kronprinz Rudolf fünf Stück vom Wagen erlegt werden.
4*
52 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
läufer wollen ihn kennen. Gesehen wurde keiner. Auch Land-
beck hat ihn nicht daselbst gesehen.
34. Picus viridis, Grünspecht.
Obwohl in allen Waldungen unseres Beobachtungsgebietes vor-
kommend, zählt der Grünspecht doch nicht zu den häufigen Arten
seiner Familie, findet sich vielmehr immer nur sehr vereinzelt.
35. Picus canus, Grauspecht.
Brehm hat auch diesen Specht gehört. Gesehen, oder gar
erlegt, wurde keiner. Landbeck nennt ihn selten, und dies erklärt
sich auch wohl, wie beim Grünspecht und Wendehals, durch den
Mangel der Ameisen.
36. Picus major, Buntspecht.
Auch an der mittlen Donau ist der Buntspecht die häufigste
Art seiner Familie und überall zu finden, wo es für ihn geeignete
Bäume giebt. Besonders zahlreich tritt er im Keskenderwalde und
in der Fruszka Gora auf; aber auch in den Auwaldungen und an-
deren Feldgehölzen sahen und hörten wir ihn tagtäglich.
L. B. F. Schz. Schl. Fw. Ma».
25 425 125 Bus 3 21 1,
24 Ada 1dıs 8 2 2 1,5
Iris rothbraun, Schnabel schwarz, an der Unterseite bläulich,
nach der Wurzel zu in Hornweiss übergehend, Füsse schwarz, an
den Gelenken und Schildrändern weisslich, Nägel schwarz, horn-
weiss überlaufen.
37. Picus minor, Kleinspecht.
Brehm hat bereits im „Thierleben“ ausgesprochen, dass der
Charakterbaum des Kleinspechts die Weide ist. Auf unserer Reise
fanden wir dies im vollsten Umfange bestätigt. In den Auwal-
dungen war der Kleinspecht überall eine gemeine Erscheinung, und
wenn wir ihn wirklich einmal nicht zu sehen bekamen, bekundeten
uns unzählige Löcher in halb vermorschten Bäumen sein Vorhan-
densein. Homeyer bemerkt hierzu: Für die mit Weichhölzern
bewaldeten Niederungen grosser Ströme mag dies richtig sein, um
so mehr, als sowohl am Ob wie an der Donau die Buche fehlt.
In Deutschland, namentlich im Norden, ist nach meinen vieljährigen
Beobachtungen einzig oder doch fast ausschliesslich die Rothbuche
der Baum, in welchem der Kleinspecht seine Bruthöhle anlegt. Hier
sind es jedoch stets halb vermorschte Stellen, an welchen der kleine °
Vogel einschlägt und die es ihm ermöglichen, sich eine Nesthöhle
zu meisseln. Gesundes Holz — auch nicht bei Weichhölzern —
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 53
_ habe ich ihn nie angreifen sehen. Uebrigens ist der Zwergspecht
_ auch in Pommern durchaus nicht selten, nur hält er sich stiller
als andere Spechte und wird deshalb und bei seiner geringen Grösse
4
leicht übersehen.
Geschlecht. L. B. F, Schz. Schl. Fw. Ma».
Weibchen: 15,; 28 Sr Du 1155 Ihr O,
ä
Iris gelblich rothbraun, Schnabel bleiblau, an der Firste und
- an der Spitze schwärzlich, Füsse bleigrau, Sohlen gelbbräunlich;
' Nägel schwarz.
38. Jynz torguilla, Wendehals.
Der Wendehals kommt in den von uns besuchten Gegenden
sehr einzeln vor, und dies erklärt sich auch theils durch den
- Mangel an Ameisen, theils durch den Mangei der Obstgärten mit
alten hohlen Bäumen in der Umgebung der Dörfer. In den Donau-
- auen findet er, schon der häufigen Ueberschwemmungen wegen,
_ noch weniger die ihm passenden Oertlichkeiten.
39. Zuscinia vera, Nachtigall,
Mit Bestimmtheit hatten wir erwartet, in den von uns be-
suchten Gegenden auch dem Sprosser zu begegnen; immer und
_ überall aber fanden wir nur die Nachtigall. Auf der Insel Adony
- glaubten wir erstern zu hören; als wir jedoch den schlagenden
Vogelerlegt hatten, entpuppte sich derselbealsderZweischaller!),
beziehentlich als eine Nachtigall, welche sprosserähnlichen Schlag
- hat. In den Weidediekichten an den Ufern und auf den Inseln
der Donau war übrigens dieser Zweischaller eben so wenig häufig
als die eigentliche, nach Schlag und Wesen unverkennbare Nachti-
gall. Letzter Gebiet begann erst auf der Höhe des Ufers. Hier
- belebte sie die ganze Gegend. Jeder grössere geeignete Busch
beherbergte ein Paar, und das Wohngebiet des einen stiess un-
mittelbar an das des anderen. Alle Oertlichkeiten aber, mochten
- sie auch von Nachtigallen noch so reich belebt sein, wurden über-
* boten durch die Fruszka Gora. Hier begrüsste uns allüberall aus
1) Anmerkung. AuchLandbeck fand vor vierzig Jahren in den von
uns besuchten Gegenden die Nachtigall vorwiegend vertreten und erwähnt
des Sprossers, als nur einzeln vorkommend, ohne ausdrücklich zu sagen, dass
er ihn in Händen gehabt. Es wäre daher denkbar, dass Landbeck sich
durch den Schlag des Zweischallers habe täuschen lassen und, wie wir,
nur die Nachtigall gefunden habe.
Der Sprosser kommt in den Gebirgen des Nordens und Ostens von
Ungarn zahlreich vor und lebt — wenn überhaupt — in den von uns be-
suchten Oertlichkeiten gewiss sehr ausnahmsweise,
54 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
vielen Kehlen der Nachtigallenschlag; hier übertönte derselbe, na-
mentlich in den Vorbergen jeden anderen Vogelgesang, und nur
im eigentlichen Hochwalde kamen neben ihm auch Finken und
Singdrosseln, Amsel, Rothkehlehen und Waldlaubsänger mit ihren
Liedern zur Geltung. Den Feldhölzern fehlte die Nachtigall eben
so wenig wie dem Auen- und dem Bergwalde, war jedoch in ihnen
bei weitem nicht so häufig als in letztem. Leicht würde es ge- i
"wesen sein, eine grosse Zahl von Nachtigallen zu erlegen, doch .
liessen wir ihnen gänzliche Schonung angedeihen, was wir jetzt
allerdings bedauern müssen, indem uns der Vogel des Südens zur
Vergleichung mit dem Zweischaller fehlt. h
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 17, 26,5 5 Tag 10 2 1,
Iris dunkelbraun, Oberschnabel braun, Unterschnabel und Ränder
des Oberschnabels röthlich hornweiss, Füsse graulich fleischfarben.
40. Erithacus rubecula, Rothkehlchen.
Das freundliche Rothkehlehen verlangt so unbedingt trockenen
Grund unter den Bäumen, dass es die Auwälder des unteren Theiles
der mittleren Donau meidet. Dagegen lebtes häufig in den Feld-
gehölzen und in sehr namhafter Anzahl in den Waldungen der
Fruszka Gora. =
41. Rutieilla phoenicurus, Gartenrothschwanz
Unserm Beobachtungsgebiete fehlt der Gartenrothschwanz wohl i
nirgends; wenigstens beobachteten wir ihn eben so wohl in allen
Waldungen wie in den Obstpflanzungen oder in Weinbergen, in
deren Nähe einige höhere Bäume stehen. Selten konnte man ihn
nicht nennen; häufig trat er eben so wenig auf. Sein Sippenver-
wandter, der Hausrothschwanz, wurde nicht wahrgenommen. 1) |
42. Monticola sazatilis, Steinröthel.
Erst in den Weinbergen, welche die Vorgebirge der Fruszka N
Gora bedecken, begegneten wir dem Steinröthel. Die Ebene meidet
er auch hier; denn Berge mit steil abfallenden Gehängen und, an
Stelle zu Tage tretender Felsen, wenigstens Weinbergsmauern sind
Bedingung für sein Auftreten. Sieht er diese Vorbedingung erfüllt,
so kann ihm schon ein Weinberg genügen, welcher ein sanft ge-
neigtes Gelände bedeckt und ausser einer roh übereinander ge
schichteten Mauer keinen Stein aufweist. In einer geeigneten Ritze’
oder Höhlung dieser Mauer wird er sein Nest anlegen; zu Sing-
1) Anmerkung. Auch Landbeck fand ihn als Brutvogel selten.
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 55
_ und Ausruheplätzen dienen ihm die höchsten Spitzen der um-
stehenden Bäume. Wer noch daran zweifelt, dass er ein grosser
Rothschwanz, nicht aber eine Drossel ist, braucht ihn nur ein ein-
ziges Mal sitzen oder fliegen zu sehen, um aller Zweifel für immer
ledig zu werden. Was der Gartenrothschwanz bei uns zu Lande,
ist er in solehem Weinberge, was der Hausrothschwanz auf un-
serem Ziegeldache oder im Gebirge, ist er da, wo Felsen zu Tage
- treten.
| 43. Sazicola oenanthe, Steinschwätzer.
Da das Donauthal, soweit wir es durchjagten, nur an wenigen
Stellen steil zum Strome abfällt und an noch wenigeren zu Tage
tretendes Gestein zeigt, gehört der Steinschwätzer in ihm zu den
Seltenheiten, bekundet jedoch auch hier seine hervorragende Be-
gabung, sich den verschiedensten Verhältnissen anzupassen.
44. Pratincola rubicola, Schwarzkehlchen.
Erlegt wurde nur ein Exemplar, gesehen wurde es mehrfach.
-Landbeck nennt es den häufigsten Schwätzer in Syrmien. Wie
überall sind es auch in den von uns besuchten Gegenden gewisse
- Stellen, welehe dieser Vogel zu seinen Aufenthaltsplätzen wählt;
- doch liess die Kürze unserer Reise zumal wir hauptsächlich das
“Innere der Wälder aufsuchten, uns nicht Raum zur eingehenden
Beobachtung.
- Geschlecht. L. By a.#. Schz. Schl. Fw. Ma.
Männchen: 14, 21, 6, 5 0,9 2,9 1,5
Iris dunkelbraun, Schnabel und Füsse schwarz. !)
45. Turdus musicus, Singdrossel.
Wie oben bereits erwähnt, tritt die Singdrossel in allen
- Waldungen der mittleren Donau zahlreich auf. Ihr Lied ist es,
welches man in den Auwaldungen allüberall vernimmt; sie ist es,
- welche die Feldgehölze wie die Bergwälder der Fruszka Gora be-
lebt. Auf weite Strecken hin darf sie nächst dem Finken als der
- häufigste aller vorkommenden Waldvögel gelten. Auffallend war
es uns, unter den vielen, welche wir hörten, nicht einen einzigen
guten Sänger zu finden. Wohl liessen sie den unverkennbaren
Drosselschlag vernehmen; verglichen mit denen der Thüringer
Wälder und Pommerns aber zählten sie sammt und sonders zu
den Stümpern.
1) Anmerkung. Den Wiesenschwätzer (Pratincola rubeira) sahen
wir nicht mit Sicherheit. Derselbe ist jedoch nach Landbeck in manchen
Gegenden gemein.
56 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
46. Turdus viscivorus, Misteldrossel. N
Die Misteldrossel wurde nur zweimal, und zwar von dem |
Büchsenspanner Beck und Homeyer gesehen. Landbeck fand |
sie nicht selten im Gebirge und in der Ebene. |
47. Turdus merula, Amsel.
Für die Amsel bieten die Auwälder namentlich da, wo ver-
sumpfte, mit dichtem Gebüsche verwachsene Stellen von Stauwasser
oder Lachen und ebenso vom Hochwalde umgeben werden, passende
Aufenthaltsorte, und sie zählt daher schon an den Ufern der Donau
zu den nicht seltenen Vögeln. In grösserer Anzahl beherbergen
sie die Feldgehölze und die Wälder der Fruszka Gora. In den
Gärten und Obstbaumpflanzungen der Dörfer leben sie ebenfalls,
jedoch nur einzeln.
48. Sylvia ndesorda, Sperbergrasmücke.
Die Sperbergrasmücke fanden wir einzig und allein in den
Feldgehölzen bei Kovil, müssen hierzu jedoch bemerken, dass sie
wahrscheinlich auch anderen Theilen unsers Beobachtungsgebietes
nicht fehlen wird, bei unserer Anwesenheit daselbst jedoch noch
nicht eingetroffen war. In dem erwähnten Gehölze begegneten
wir ihr am 3. Mai recht häufig; die Beschaffenheit dieser Waldungen
war aber auch eine solche, wie sie dieselbe vor allem liebt; denn
das Unterholz bestand aus so dichten und dornigen Gebüschen,
dass es uns nicht möglich wurde sie zu erlegen, oder richtiger,
die von uns erlegten aufzufinden. ?)
49. Sylvia atricapella, Mönchsgrasmücke.
Auch die Mönchsgrasmücke erschien erst in den letzten Tagen
des April, war dann aber geeigneten Ortes nicht selten.
50. Sylvia hortensis, Gartengrasmücke.
Dasselbe, was wir von der Mönchsgrasmücke sagen können,
gilt für die Gartengrasmücke, doch mit dem Unterschiede, dass sie
merklich seltener ist als jene. Es musste uns das seltene Vor-
kommen dieses herrlichen Sängers um so mehr auffallen, als die
Oertlichkeiten so beschaffen sind, wie ähnliche ihn in Norddeutsch-
land sicher in grosser Zahl beherbergt hätten. }
!) Anmerkung. Wie fast überall wird auch in Ungarn das Vor-
kommen der Sperbergrasmücke auf gewisse Localitäten beschränkt sein;
denn mehr wie irgend eine ihrer Verwandten macht sie bestimmte An-
sprüche und verlässt — bei Aenderungen in der Oertlichkeit — sehr leicht
dieselbe,
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 57
Auch Landbeck fand diese Art nur an gewissen Localitäten,
während sie andern ganz zu fehlen schien.
5l. Sylvia garrula, Klappergrasmücke.
Die erste Grasmücke, welche wir vernahmen, war unser
Müllerchen. Ihm begegneten wir schon auf der Insel Adony un-
mittelbar nach unserm ersten Besuche des Landes, wie es ja auch
in Deutschland der Vorläufer aller Verwandten ist. Von diesem
Tage an führte jeder folgende neue Wanderer herbei, und bald
klang uns der einfache Gesang aus jeder Hecke entgegen.
Geschlecht. L. B. F, Schz. Schl. Fw. Mz.
Neannchen: 1a, 19,5: 64 dur 0,8 Is Ihn
Iris braun, Oberschnabel und Spitze des Unterschnabels schwärz-
lich, Unterschnabel hornblau, Füsse horngrau, Nägel ebenso, jedoch
ein wenig dunkler.
52, Sylvia cinerea, Dorngrasmücke.
Auch in Ungarn stellt sich nach unseren Beobachtungen die
Dorngrasmücke nicht vor Beginn des Mai!) ein. Bis zum letzten
April vernahmen wir noch keinen einzigen dieser Sänger: vom
ersten Mai ab belebte er die Hecken und Gebüsche in den Gärten
wie in den Weinbergen.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Weibehen: 15,, 213 7 6,5 O, 25 1
Männchen: 415,,: 22,5. 7a 7 1 25 1,
Iris hellgelbbraun, beim Weibchen hellumbrabraun, Schnabel
oben hornbraun, unten röthlich hornweiss, an der Spitze braun,
Füsse bräunlich fleischfarben.
53. Phyllopneuste sibelatrix, Waldlaubsänger.
Unbedingt der häufigste aller Laubsänger unseres Gebietes,
soweit unsere Beobachtungen reichen, ist der schwirrende. Gewohnt,
ihn bei uns zu Lande nur auf Buchen 2) und somit vorzugsweise
in Buchwaldungen zu finden, nahmen wir wahr, dass er an der
mittleren Donau den Auwaldungen eben so wenig fehlt wie den so
1) Anmerkung. Landbeck sah sie jedoch bereits im April.
?2) Anmerkung. Homeyer bemerkt hierzu: Diese Beobachtung ist
allgemein angenommen, doch nicht allgemein gültig. In Norddeutschland,
speciell in Pommern, lebt dieser Brutvogel eben so zahlreich und vielleicht
zahlreicher im Kiefern- als im Buchenwalde und nicht eben um deswillen,
weil ihm der Buchenwald fehlt. Der so leicht kenntliche Gesang erleichterte
die langjährige Beobachtung, und ich kann mit voller Sicherheit aussprechen,
dass ich den Waldlaubsänger in den pommerschen Kiefernwäldern so häufig
fand, wie an irgend einem anderen Orte.
58 Kronprinz Rudolf, E. vv. Homeyer u. Brehm:
recht für ihn geeigneten Wäldern der Fruszka Gora, So zahlreich
wie im Keskenderwalde oder in der ganzen Fruszka-Gora war er
in den Auwaldungen freilich nicht.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 13, 25 Ta Ds O,g 2 1
Männchen: 13,3 21, Ts 4,9 0,9 1, 1
Iris dunkelbraun, Oberschnabel braun, Unterschnabel und |
Kante des Oberschnabels fleischbräunlich, Füsse ebenso, an den |
Schilderrändern gelblich. |
54. Acrocephalus turdoides, Drosselrohrsänger.
Der gemüthliche Froschgesang des Drosselrohrsängers Klang
uns bereits in der Herrschaft Bellye entgegen; der Vogel war also |
schon frühzeitig in der zweiten Hälfte des April hier eingetroffen.
Von nun an hörten wir ihn fast täglich an geeigneter Stelle, zahl-
reich in der Nähe von Kovil, aber ganz unbeschreiblich häufig am
3. Mai in einem gegenüber Carlowitz hinter dem Deiche belegenen
und deshalb beinahe trockenen Sumpfe. Da fast die ganze Nach-
barschaft tief unter Wasser stand und nur einige Spitzen des alten
Ufers daraus hervorragten, waren die Rohrsänger auf einen ver- |
hältnissmässig kleinen Raum von etwa zwanzig Morgen Fläche zu- |
sammengedrängt, was sie jedoch nicht verhinderte, in unbeschreib- |
lichem Durcheinander ihre Stimmen zu einem ohrbetäubenden
Lärmen zu vereinigen.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. - Ma.
Männchen: 21 29, 9 8 1,; 2,7 l,g
Iris röthlich umbrabraun, Oberschnabel und Spitze des Unter-
schnabels hornbraun, Unterschnabel weisslich hornfarben, Füsse
bräunlich fleischfarben, an den Zehen in’s Grauliche, Nagel hell-
hornbraun.
55. Acrocephalus arundinaceus, Teichrohrsänger.
So häufig als der Drosselsänger, so selten scheint der Teich-
rohrsänger zu sein. Wir vernahmen seinen Gesang nur ein einziges
Mal, und zwar in der Herrschaft Bellye.
56. Motacilla alba, Bachstelze.
Niemals hätten wir geglaubt, dass es eine Oertlichkeit geben
könnte, woselbst die Bachstelze selten ist; und doch mussten wir
erfahren, dass es so sei. Während unserer Reise haben wir die |
Bachstelze keineswegs .tagtäglich und, wenn wirklich, immer nur f
höchst einzeln beobachtet, so dass sie uns als einer der weniger
zahlreichen Vögel des Gebietes erscheinen musste. Worin die Ur-
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 59
- sachen hierfür liegen mögen, ist uns zweifelhaft geblieben. An
- Nistplätzen kann es dem in dieser Beziehung so wenig wählerischen
- Vogel nicht fehlen; Nahrung muss er in Hülle und Fülle finden;
- Verfolgungen erleidet er sicherlich nicht mehr als irgendwo anders;
_ verdrängt durch einen andern Vogel kann er nicht werden, da er
sich nicht verdrängen lässt: was ihn also behindert, sich ebenso
- häufig anzusiedeln als in andern Gegenden, könnte einzig in dem so
oft wiederkehrenden Hochwasser der Donau und ihrer Nebenflüsse
- gesucht und gefunden werden, indem die frühen Bruten dieses Vogels
- dadurch wohl regelmässig zum grösseren Theile zu Grunde gehen.
57. Anthus arboreus, Baumpieper.
Der Baumpieper ist an der ganzen mittleren Donau eine häufige
Erscheinung und in allen Arten von Wald, vornehmlich aber in
den Auwäldern zu finden. Die Auen in der Umgegend von Wien
- beherbergen ihn in zahlreicher Menge; donauabwärts tritt er weit
- seltener, immerhin aber noch ziemlich häufig auf.
- Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 17,3 27, 8 6,5 1,3 2 l,s
| Iris dunkelbraun, Oberschnabel hornbraun, Unterschnabel horn-
weiss mit bräunlicher Spitze, Füsse gelbbräunlich fleischfarben.
58. Alauda arvensis, Feldlerche.
Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass die Feldlerche ia
Nord- und Mitteldeutschland bei weitem zahlreicher lebt als weiter
südlich. Schon in der Umgebung von Wien sahen wir sie weit
seltener, und in den von uns besuchten Gegenden Ungarns war
sie — auch auf den Feldern der Ebene — nur ausserordentlich
sparsam vertreten.
59. Galerita eristata, Haubenlerche.
Die Haubenlerche, und zwar in derselben Färbung, wie wir
sie in Norddeutschland sehen, ist an Strassen, Wegen und in den
Weinbergen eine regelmässige Erscheinung; hier und da, beispiels-
weise bei Czerevitz, tritt sie zahlreich auf, so dass sie weit häufiger
ist, als die Feldlerchke.e Nach Landbeck soll es sich in den
meisten Gegenden Ungarns ähnlich verhalten.
Geschlecht. L. B. F, Schz. Schl. Fv. Mz.
19,5 3,2 10, LM ljg 2,5 ly
Iris braun, Schnabel licht horngrau, auf der Firste bräunlich,
Füsse fleischröthlich lehmgelb.
60. Emberiza miliaria, Grauammer.
Alle Felder der Ebene zu beiden Seiten des Stromes belebt
60 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
der Grauammer in ausserordentlicher Anzahl. Die einfache Strophe
seines Liedes ist es, welche man, von den Bäumen neben der
Strasse, fortwährend vernimmt; denn er sitzt nicht nur überall |
einzeln, sondern auch in kleinen Trupps auf allen geeigneten Plätzen, '
so zahlreich, dass er wohl nächst dem Sperlinge in den ungarischen |
Ebenen am meisten vertreten ist, ja in den von uns besuchten
Gegenden diesem den Rang streitig macht.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
IM 293° 55 75 1,4 2,2 1,
Iris dunkelbraun, Schnabel graulich hornweiss, Firste dunkler,
Füsse hellgraulich fleischfarben, Nägel weisslich hornbraun.
61. Emberiza citrinella, Goldammer.
Während der Grauammer die Felder der Ebene unbedingt
beherrscht, macht der Goldammer sein altes Recht, das Gelände zu
beleben, namentlich im hügeligen Lande geltend, ohne deshalb in
den Ebenen, dem Rande der Feld- und selbst der Auwaldungen
zu fehlen. Wir fanden ihn sogar hoch oben im Gebirge, jedoch
überall in beschränkter Anzahl.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Weibchen: 17, 26, ' 8» In lg 1,9 ls
Männchen: 185 299 8 8 1,3 21 ly
Iris dunkelbraun, Schnabel hellaschgrau mit schwärzlicher
Spitze und weisslichen Schneiden, Füsse gelbbräunlich fleisch- |
farben, Nägel dunkelbraun.
62. Passer domesticus, Sperling.
In unserem Reisegebiete tritt der Sperling zwar in allen
Dörfern, aber doch bei weitem nicht in so ungeheuren Schaaren auf,
wie, nach Beobachtung Erzherzog Rudolf’s, im Innern des Landes. '
Die Sperlingsbevölkerung der Städte und Dörfer am Donauufer ist
sogar als eine sehr mässige zu bezeichnen. Wird jedoch an einem
Orte Getreide verladen, so sammeln sich auch hier zahlreiche |
Schwärme, um die günstige Gelegenheit, mühelos Futter zu er-
werben, üsich besten Kräften auszunutzen.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 16 24, 7, 64 1 1, 1,5
Männchen: 16, 25 8 6,5 1, 1,9 Tr
Iris dunkelbraun, Schnabel schwarz, am Mundwinkel gelb, '
Füsse gelbbräunlich fiaschfarben, Sohlen gelblich, Nägel etwas j
dunkler als die Zehen, an der Spitze hornbraun. |
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 61
63. Passer montanus, Feldsperling.
Ausser an den Rändern der von der Donau entfernten Wälder
der linken Stromseite erinnern wir uns nicht, den Feldsperling in
namhafter Anzahl irgendwo anders beobachtet zu haben, als in
und unter den Horsten der grossen Horstvögel, namentlich der
Geier, Adler und Waldstörche. Jeder dieser grossen Bauten wird
zur Ansiedelung für unsere Vögel, und es ist wohl beachtenswerth,
dass diese, der sicheren Wohnung zu Liebe, ihren Aufenthalt auch
inmitten ausgedehnter Waldungen nehmen, während sie solche im
Allgemeinen bekanntlich meiden. An passenden Baumhöhlungen
für ihre Nester fehlt es ihnen nicht, und es unterliegt wohl auch
keinem Zweifel, dass solche in der Nähe der Dörfer eben so gut
"benutzt werden als anderswo; vererbte Gewohnheit aber hat an der
‚ganzen mittleren Donau unseren Spatz zu einem Mitbewohner, be-
ziehentlich wohl oder übel geduldeten Miether besagter Horste ge-
"macht. Die Gewohnheiten aber müssen sich heranbilden, sie müssen
"entstehen, ehe sie sich vererben können, und die Gründe müssen in
‘eigenthümlichen Verhältnissen liegen. Theilweise mag nun die
"Menge grosser Horste dazu Gelegenheit gegeben haben, demnächst
‚aber auch die verhältnissmässige Sicherheit und in vielen Fällen
‚auch gelegentliche reiche Nahrung, welche ihnen wohl oft durch
die Körner zu Theil wird, welche sich in den Kröpfen vorher von
"den Raubvögeln gefressener Vögel befinden. Das emsige und ge-
‚schäftige Thun und Treiben der Feldsperlinge an solchem Horste
erheitert den Beobachter. Sie gebaren sich, als ob die gewaltigen
" Raubvögel!) gar nicht vorhanden wären, tragen ihren schilpenden
Gesang dicht neben dem brütenden See- oder Kaiseradler mit ge-
wohnter Ausdauer vor, fliegen ab und zu, klettern auf und nieder,
schlüpfen aus und ein, bekümmern sich mit einem Worte nicht im
geringsten um ihre Haus- und Miethsherren. Genau ebenso ver-
fahren sie auch in den Horsten der Schwarzstörche, obgleich sich
wohl annehmen lässt, dass einer der letzteren dann und wann sie
gefährdet. An Stellen, wo Getreide auf Schiffe verladen wird,
finden übrigens auch si: sich regelmässig ein.
enleeba, Ei 0ıB. 2. E.. \\ Schz. ı ..Schl; Bw 2 Mz.
Weibchen: 1 a | d,9 In I; Is
Männchen : Da | Dur 1 Ir =
h 1) Anmerkung. Bei den Horsten des Hühnerhabichts begeben sie
sich jedoch — wenn der Besitzer zu Hause — ganz bescheiden und still
unter den Horst, wo auch die Eingänge zu ihren Nestern sind.
62 Kronprinz Rudolf, E. vv Homeyer u. Brehm:
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 15, 223 7 Ds 1, 1, 1,
Männchen: 15,, 21, 6,7 Du ls 1, 1,3
Männchen: 15, 22 6,7 DA 1, 1 1,5
|
Iris tief dunkelbraun, Schnabel schwarz, wenig mit Bleigrau |
angeflogen, Mundwinkel gelb, Füsse lichtbräunlich gelb, Nägel
schwarz.
64. Fringilla coelebs, Edelfink.
Der häufigste und verbreitetste Bewohner unseres ganzen Be-
obachtungsgebietes ist der Edelfink. Er bevölkert die Auwaldungen
in nicht geringerer Anzahl als Feld- und Berggehölze, ist in allen
Weidenbeständen eben so gemein wie in Buch- oder gemischten
Waldungen, fehlt keinem Dorfgarten und schmettert seinen fröh-
lichen Schlag von den Bäumen inmitten der ungarischen Ebene
herab. So erfreulich dieses Allvorkommen des Vogels aber auch
ist, so wenig befriedigt sein Gesang. Kein einziger von allen den
vielen Finken, welche wir schlagen hörten, war mehr als ein er
bärmlicher Stümper. |
Geschlecht. L. B.: FF. ‚Schz. ı Schl..)! SEw
Männchen: 16, 7, Be CAR 1,4 1,g la
Iris braun, Schnabel bleiblau, an der Spitze schwärzlich, Füsse
hellbraun, an dan Sohlen weisslich. 3
65. Carduelis elegans, Stieglitz.
Nur in den Weinbergen darf man mit einiger Sicherheit daraul
zählen, dem Stieglitze zu begegnen; zu den häufigen Vögeln des
Landes aber gehört er nicht, oder er lebte wenigstens so zurück-
gezogen, dass wir während der ganzen Reise nur einige Male,
namentlich in der Gegend von Czerevitz, mit ihm zusammenge-
troffen sind. )
66. Ohloris hortensis, Grünling.
Auch der Grünling scheint in den von uns besuchten Gegenden
nieht häufig zu sein; denn er wurde von uns ausschliesslich in den
kleinen Thälern den, Fruszka Gora am Rande der Wälder und im
Gebüsche der Wiesen im Thale bemerkt. ı
67. Coccothraustes vulgaris, Kernbeisser. i
Während unsers Aufenthaltes an der mittleren Donau sahen wir
den Kernbeisser ausschliesslich im Buchenwalde. Hier, im Kes- |
) Anmerkung. Landbeck fand ihn zahlreich brütend in den
Pflaumengärten und in den Maulbeerbäumen der Dörfer.
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 63
kenderwalde wie in der Fruszka Gora, trat er nicht selten auf,
konnte jedoch eben so wenig als häufig bezeichnet werden.
68. Sturnus vulgaris, Staar.
Unser Staar ist ein allverbreiteter Vogel in den von uns durch-
_ streiften Oertlichkeiten, jedoch nicht so zahlreich als in vielen
Gegenden Deutschlands. Dies hat seinen Grund wohl theilweise
darin, dass der ungarische Bauer oder Landwirth es bis jetzt noch
- nicht für nöthig erachtet hat, diesem nützlichsten aller Vögel Woh-
_ nungen zu bereiten, und der Staar gezwungen ist, nach Art seiner
Urväter zu leben. Nun fehlt es zwar weder in den Auwaldungen
noch in den Feldgehölzen oder Bergwäldern an geeigneten Nist-
stellen; auf den weiten Getreideebenen aber, wo die Feldgehölze
- doch immer nur verhältnissmässig wenig Raum einnehmen, tritt
doch wohl Wohnungsnoth, mindestens Wohnungsmangel ein, und
- damit dürfte das ziemlich spärliche Auftreten des Staares theilweise
erklärt sein. Sehr wesentlich aber ist auch noch der Mangel von
_ Wiesen in den von uns besuchten Gegenden. Mag nun zeitweise
die Donauniederung diesen Mangel einigermassen ersetzen, zu anderen
Zeiten, namentlich bei Hochwasser, ist dies nicht der Fall, und es
ist dem Staar dann nicht so leicht, seine Nahrung zu finden.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 23 39 12, 6,5 Dir 2,5 24
Iris dunkelbraun; Schnabel mattgelb; Füsse röthlichbraun;
Nägel schwarz.
69. Corvus coraz, Rabe.
-An der mittleren Donau sind die schlimmen Tage des Raben
noch nicht angebrochen; er erfreut sich im Gegentheile hier noch
beneidenswerther Schonung, mindestens gleichgültiger Duldung.
f
- So häufig wie in Russland und Sibirien tritt er freilich nicht auf,
und ausdrücklichen Schutz geniesst er wohl auch nicht. Aber man
|
+
3,
EDLER SEE TEE VENEN IET EEE
- lässt ihn gewähren und erlegt ihn höchstens zufällig, ebenso wie
_ man ihm gestattet, seine Jungen aufzufüttern, ohne ihn während
seiner Fortpflanzungszeit zu behelligen. Der Kolkrabe seinerseits
erkennt diese wohlwollende Gesinnung in sofern an, als er, wenn
auch nur ausnahmsweise, in der Nähe der Ortschaften oder doch
bewohnter Gebäude und beziehentlich stark befahrener Wege seinen
Horst errichtet. So wurde Erzherzog Rudolf zu einem Raben-
horste geführt, welcher kaum dreihundert Schritt von einer leb-
haften Strasse in einem wenige Hektar umfassenden Gehölze stand,
und fand hier den Vogel so wenig scheu, dass er ihn, wenn auch
64 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
mit der erforderlichen Vorsicht, beschleichen und erlegen konnte.
Andere Horste wurden uns in den Auwaldungen, unter anderen in
der Nähe von Kovil und ebenso in der Fruszka Gora gezeigt. Die
Horste standen in sehr verschiedener Höhe über dem Boden, einige
in den Wipfelzweigen, andere in Astgabeln, über der Mitte des
Stammes. Sie waren offenbar von den Raben selbst erbaut), aber
recht liederlich zusammengeschichtet und liessen daher wenig von
der sonst bezeichnenden Form erkennen. Zur Zeit unseres Be-
suches waren die Jungen selbstverständlich bereits sehr weit heran-
gewachsen, einzelne Bruten auch wohl dem Ausfliegen nahe. Ab-
gesehen von dem alten Weibchen, welches Erzherzog Rudolf er-
legte, gelang es uns nicht, anderer erwachsener Kolkraben habhaft
zu werden; denn so vertrauensvoll waren sie auch in Ungarn nicht
überall, um sich ohne weiteres unterlaufen zu lassen. Bei zwei
Horsten, welehe Brehm und Homeyer besuchten, liess das
Männchen sofort beim Ansichtigwerden der bedrohlichen Fremd-
linge seinen Warnungsruf erschallen. Das Weibchen kam herbei,
und beide kreisten nun krächzend in hoher Luft über uns, so lange
wir uns in der Nähe des Horstes befanden. 2) In wirkliche Schuss- ’
nähe kam kein einziger von ihnen; die Höhe, in welcher sie sich
hielten, betrug mindestens sechzig Meter, und selbst als wir unter
dem Horste standen, liess sich keins der Alten verleiten, tiefer
herabzukommen.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Weibchen: 64, 125 44 26 8 65; Em
Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz. Iris junger Vögel
mattbraun, Schnabel und Füsse schwarz, an den Schildern weisslich.
70. Corvus cornix, Nebelkrähe.
Wie von vornherein anzunehmen, ist die Nebelkrähe häufiger
als jede andere Art ihrer Sippschaft. Sie fehlt keinem Theile
unsers Beobachtungsgebietes und ist überall ansässig. Hier und
da horstet sie, eben so gut wie die Saatkrähe, nur stets in un-
gleich geringerer Anzabl, inmitten der Reiheransiedelungen. ®)
1) Anmerkung. Der Rabe thut dies in der Regel, nimmt selten
einen fremden Horst und hält fester an demselben als irgend ein anderer
Vogel.
2) Anmerkung. Ganz in derselben Weise, wie in Deutschland.
3) Anmerkung. Von den erlegten Stücken war das eine — ein
ganz alter Vogel — auffallend hell, so licht, als uns in Deutschland nie
ein ähnliches Exemplar vorgekommen ist.
3
IT a
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 65
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
46,5 % 32,5 18,5 dr 44 5
46,4 u 31 19 4,s 5 Ba
Ab 793,538 19,; A,g 5 3
Iris braun; Schnabel und Füsse schwarz.
71. Corvus corone, Rabenkrähe.
Als seltene Erscheinung unseres Gebietes haben wir auch die
_ Rabenkrähe zu verzeichnen, da sie mehrmals beobachtet und ein-
mal vom Horste aufgescheucht wurde. »
72. Corvus frugilegus, Saatkrähe.
In ungleich grösserer Anzahl als die Nebelkrähe tritt die
Saatkrähe auf, ist jedoch keineswegs überall in Ungarn verbreitet
wie die letztere, vielmehr auch hier immer nur auf gewisse Ge-
- genden beschränkt. Die Ansiedelungen, welche wir an der mittleren
- Donau kennen lernten, waren oft auch von Reihern, Scharben und
- Krähen bevölkert. Dazwischen fanden sich noch einige Horste des
; Milans und unter Umständen solche des Nachtreihers. Auf dem
_ Reiherstande der Insel Adony bildeten die Saatkrähen die Mehrzahl.
Man sah auch hier zehn bis fünfzehn, zuweilen zwanzig Nester auf
- einem Baume, und das vereinigte Geschrei der Krähen übertönte
das Gekreisch und Gekrächz der Reiher und Scharben. Nicht
selten standen Reiher-, Scharben- und Krähenhorste auf einem
‚ Baume, und häufig u man alle Arten der Ansiedler, vielleicht
h mit nahme der Milane, auf einem und demselben Aste, manchmal
in förmlichem Gedränge. Für das Leben der Thiere en solche
# gemischte Colonien, wenn man dieselben mit dem ersten Zusammen-
treffen der verschiedenen Arten auf einem Brutplatze vergleicht,
- Gelegenheit zu hochinteressanten Beobachtungen. Gewöhnlich ist
die erste Begegnung sehr feindlich; es kommen heftige Kämpfe!)
_ vor und der schwächere Theil wird von dem stärkeren mehr oder
weniger zurückgedräugt. Mit der Zeit bessern sich die Verhält-
Re:
En ) Anmerkung. Solche Kämpfe beliebt man in jetziger Zeit „Kämpfe
_ um’s Dasein“ zu nennen. Wie wenig dies mit den thatsächlichen Ver-
hältnissen übereinstimmt, zeigt der eben erwähnte Fall, dem noch viele
indere angereiht werden könnten, sehr deutlich. Wie so häufig im Leben
spricht die grosse Menge ein Schlagwort nach, ohne sich die Bedeutung,
die Richtigkeit oder he Zutreften für den gegebenen Fall im geringsten
klar machen zu wollen oder zu können. Es genügt das Wort eines be-
_ deutenden Mannes wiedergegeben zu haben, gleichsam als Würze des
eigenen faden Gewäsches, aber man will oder kann nicht erwägen, wie
sehr man gegen die beliebte Lehre der Anpassung verstösst. Homeyer.
1 Cab. Journ. f, Oruith, XXVIL, Jahrg. No. 145. Januar 1879. 5
66 Kronprinz Rudolf, E. vv. Homeyer u. Brehm:
nisse; man scheint zu erkennen, dass für beide Theile aus dem
Zusammenleben auch Vortheile erwachsen, und dass für friedliche
Nachbarn Raum genug vorhanden ist. Ohne kleine Streitigkeiten |
wird es zwar in solchen grossen Colonien nicht abgehen, aber die 5
heftigen Kämpfe von Art gegen Art hören im wesentlichen auf.
So beobachtete Homeyer, dass, als die Cormane auf der
frischen Nehrung sich veranlasst sahen, im Jahre 1874 ihre alten |
Brutplätze zu verlassen und zwei Kilometer weiter zu ziehen, alle |
Reiher ihnen folgten, obgleich die Cormane in früherer Zeit den |
Reihern die Horste geraubt hatten. Nicht allein für den Milan,
welcher bei den meisten Reiherständen, so weit wir sie kennen, |
als Schmarotzer auftritt, sondern auch für die Krähen fallen so
viele Fische ab, dass es letztgenannten leicht sein muss, für ihre
hungrigen Jungen einen wesentlichen Theil der Mahlzeit zu be- |
schaffen. Gewiss fliegen die alten Saatkrähen von ihrer Ansiedelung |
aus futtersuchend auch auf die Felder hinaus; aber eben so bestimmt |
lesen sie unter den Reiher- und Scharbenhorsten manchen noch |
recht brauchbaren Fisch für ihre Jungen zusammen, und zwar ge-
schieht dies gerade in der Zeit, welche ihre Thätigkeit am meisten |
in Anspruch nimmt, gegen Ende des Wachsthums der jungen Krähen.
L.': Br... F« ..Schz, :.Schl.‘ Ew. es
46 5314492 30 1.755 == — —
Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz.
73. Corvus monedula, Dohle.
Die Dohle zählt nicht zu den ee Bewohnern unseres |
Beobachtungsgebietes, obgleich sie wohl an vielen Orten vor- |
kommen mag.
L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
32,17... 08 22 12 2,9 4, 3
Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz.
14. Pica caudata, Elster.
hängen Vogel der mittleren Donau bezeichnen. Sie tritt ni
einzeln auf, und scheint an manchen Orten gänzlich zu fehlen.
Man verfolgt sie nicht; dem ungeachtet ist sie auch hier sehr scheu. |
L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
2 Pa 2lye 4 5 4
Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz.
75. Garrulus glandarius, Eichelheher. |
So günstig die Lebensbedingungen für den Eichelheher zu sein
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 67
scheinen, in so unverhältnissmässig geringer Zahl sieht man ihn.
Zwar fehlt er keiner der von uns durchstreiften Gegenden, ist aber
überall bei weitem seltener als in Niederösterreich oder Deutschland.
L. BR: F. Schz. Schl. Fw. Mz.
30, 54 17 4; ‘8 4 2,6
Iris perlfarben; Füsse bräunlich fleischfarben mit bräunlich
gelbweissem Schein; Schnabel schwarz.
16. Lanius minor, Grauwürger.
Erst in den letzten Tagen unseres Aufenthaltes trafen die
Würger, von ihrer Winterreise zurückkehrend, im Lande ein; wir
sind daher nicht im Stande anzugeben, ob der Grauwürger später
häufig oder selten sein mag. Beobachtet wurde er nur in der
Umgegend von Czerevitz und Kovil.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 22, 37, 12 Is I,e 2,4 1,
an 2 35, 129 1, 2,6 ly
Iris röthlich dunkelbraun; Schnabel und Füsse schwarz.
77. Lanius collurio, Dorndreher.
Während wir den Grauwürger nicht vor dem 1. Mai beobach-
teten, sahen wir den Dorndreher bereits am 26. April und von nun
an täglich in stets sich häufender Anzahl an allen geeigneten Orten
unseres Beobachtungsgebietes, im ganzen aber doch kaum so häufig
als unter ähnlichen Verhältnissen in Niederösterreich oder Deutschland.
18. Muscicapa grisola, Fliegenfänger.
Während der ganzen Reise wurde der Fliegenfänger nur zwei-
mal, und zwar am 3. und 4. Mai, in der Nähe von Kovil beobachtet.
Wahrscheinlich war er erst in diesen Tagen im Lande eingetroffen.
79. Museicapa albdcollis, Halsbandfliegenfänger.
Der häufigste Fliegenfänger unsers ganzen Gebietes schien
der Halsbandfliegenfänger zu sein. Ihn beobachteten wir bereits
am 26. April und fortan alltäglich in jedem Walde.
Geschlecht. L. B. F, Schz. Sch. Fw. Mz.
Männchen: 15, 23, 8 Ds 0, Le 1;
Männchen: 15; 24, 8, br O,5 1; 1,3
Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz.
80. Musceicapa luctuwosa, Trauerfliegenfänger und
81. Muscicapa parva, Zwergfliegenfänger
sah Homeyer, ersteren im Keskenderwalde, den letzteren bei Kovil.
82. Hirundo rustica, Rauchschwalbe.
Gern gesehen und gehegt wie anderswo, nimmt die Rauch-
HF
68 Kronprinz Rudolf, E. vv. Homeyer u. Brehm:
schwalbe wohl in jedem Dorfe unseres Gebietes Wohnung und zählt
daher unter die häufigsten Vögel des Landes. Welche Ortschaften
wir auch betraten, nirgends haben wir sie vermisst, und überall
hat uns ihr gemüthlieher Gesang Gruss und Geleit geboten.
83. Chelidon urbica, Mehlschwalbe.
Obwohl die Bauart der Häuser innerhalb der von uns besuchten
Gegend der Mehlschwalbe nicht verwehrt, ihre Nester anzubringen,
ist sie doch an der mittlen Donau eine auffallend seltene Erschei-
nung und nur höchst lückenhaft verbreitet. Wir beobachteten sie
in den nächsten unterhalb Pest gelegenen Dörfern und dann erst
wieder in Czerevitz, Futtak und Peterwardein.
84. Cotyle riparia, Uferschwalbe.
Keiner unserer mitteleuropäischen Ströme dürfte so viele und
so grossartige Nistplätze der Uferschwalbe aufweisen, wie die Donau.
Da wo das Ufer steil nach dem Strome abfällt, insbesondere da,
wo Abrutschungen entstanden sind, fehlt der zierliche Vogel gewiss‘
nicht, da wo er sich festgesetzt, tritt er oft in ausserordentlicher |
Menge auf. Brehm erinnert sich, nur an dem mittlern Ob noch
ausgedehntere, von mehr Schwalben bewohnte Ansiedelungen ge-'
sehen zu haben. Homeyer fand in Pommern eine grössere Co-
lonie, welche am hohen Lehmufer bei Anclam, in früherer Zeit sogar
auch von einer Menge Segler bewohnt war.
85. Oriolus galbula, Pirol.
Der Pirol liess sich bereits während der ersten Tage unserer
Reise, zuerst am 25. April, vernehmen und zeigte sich von diesem
Tage an in jedem Walde oder grösseren Baumgarten des ganzen
Beobachtungsgebietes.
86. Parus major, Kohlmeise.
Innerhalb der Grenzen unsers Beobachtungsgebietes ist die
Kohl- oder Finkmeise überall nicht selten zu finden. Jeder Au-
wald, jede mit Weiden bestandene Viehtrift in der Nähe der Donau
bietet ihr geeignete Höhlungen für ihr Nest; Wohnungsnoth, wie
in Mitteldeutschland kennt sie nicht. '
1 B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
16 24 %5 [ 15 2 1, 3
15, 234 64 6,7 1, 2 1; ;
Iris dunkelbraun ; Schnabel schwarz mit weisslichen Schneiden;
Füsse Aunkeibleigreit,
87. Parus coeruleus, Blaumeise.
Nächt der Finkmeise tritt in den von uns durchstreiften Ge-
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 69
4
| senden die Blaumeise am häufigsten auf, ist an manchen Orten wohl
| noch zahlreicher als jene. Entsprechend ihrer Eigenart, in jedem Be-
stande sich anzusiedeln, findet man sie eben so wohl in den der.
- Ueberschwemmung ausgesetzten Auwaldungen wie in den Feldge-
- hölzen und Bergwäldern der Fruszka Gora, und ebenso ist sie in
- Gärten und Weinbergen durchaus keine seltene Erscheinung.
i 88. Parus paluster!), Sumpfmeise.
| So ungemein sünstig die Lebensbedingungen für die Sumpf-
meisen zu sein scheinen, so selten bemerkt man sie. Dieses aber
"hat schwerlich in dem spärlichen Vorkommen des Vogels, als viel-
mehr darin seinen Grund, dass die beliebtesten Aufenthaltsorte
gerade dieser Meisen zur Zeit der Hochfluthen auf weite Strecken
"hin vollkommen unzugänglich sind. Für das Boot zu seicht und
Mi den Jagdstiefel zu tief, hindern Hochwasser das Durchstreifen
der Waldungen auch dann, wenn der Unterwuchs solches gestatten
B: ® und weit ausgedehnte Waldflächen bleiben daher der Be-
obachtung vollständig entzogen.
4 Eu Bi. 2, ‚Schz,....8chl. suEw.i... Mz
% ST 19,9 6,4 d,s BE 1; 1,
Iris tiefbraun, Sehnabel schwarz mit weisslichen Schneiden,
89. Acredula aulatd, Schwanzmeise.
Wie überall, tritt auch hier die Schwanzmeise nicht so häufig
“auf, als die verwandten Arten; wenigstens sind wir nur einige Male
it ihr zusammengetroffen. Demungeachtet müssen wir annehmen,
‚dass sie nicht selten ist. Ihr bieten die mit Obstbäumen bestan-
‚denen Thalsenkungen der höheren Ufer und die meist ebenfalls
(baumreichen Weinberge viel zu günstige Aufenthaltsorte, als dass
‚sie nicht eben so häufig vorkommen sollte wie irgendwo anders.
; BI: IE... Schzi .nSehly.).EwW:- j0.. Mz
ld, 185 6% 8, On 1; 1
Iris dunkeibraun, Augenlider hochgelb, Schnabel und Füsse
schwarz.
N 90. Aegithalus pendulinus, Beutelmeise.
Erst am letzten Beobachtungstage brachte uns der freundliche
ufall mit der bis dahin eifrig, jedoch vergeblich gesuchten Beutel-
Meise zusammen. Von ihrem Vorhandensein hatten wir schon in
ir
j\
IE,
Anmerkung. Nicht, wie man gewöhnlich schreibt, palusiris. H.
79 Kronprinz Rudolf, E.v. Homeyer u. Brehm:
der Herrschaft Bellye durch Förster Ruzsovitz bestimmte Kunde
erlangt, und drei Wochen später sandte uns der Genannte zwei
aus dem Sumpfe Hullo stammende Nester mit Eiern zum Beweise,
dass er uns der Wahrheit gemäss berichtet; denn zur Zeit unseres
Hierseins war derselbe nicht im Stande, solche zu zeigen. So
suchten wir bis Kovil vergeblich nach den unverkennbaren,
luftigen Bauten. Erst auf der Heimkehr aus dem am 3. Mai fand
Brehm ein halb fertiges Nest, welches jedoch einer der bauenden
Vögel verliess, bevor das Boot in genügende Nähe gelangte.
Obwohl der Himmel drohend dunkelte und ein Gewitter be-
vorstand, liess sich Brehm doch nicht abhalten, in geeig-
neter Entfernung auf das Wiedererscheinen der Vögel zu warten.
Das Gewitter kam, die Meisen kehrten heute nicht zurück,
und erst am nächstfolgenden Morgen gelang es, das bauende
Weibchen neben dem Neste zu erlegen. Vergeblich aber waren
alle Bemühungen, das Thun und Treiben des Vogels zu beobachten.
Das Nest hing zwar wie gewöhnlich über dem Spiegel eines zur
Zeit hochangeschwollenen Stromarmes und bot sich frei dem Blicke
dar; die Vögel aber erschienen nur auf Augenblicke am Rande des
bis zu den Kronen der Bäume unter Wasser gesetzten Weiden-
waldes, und dieser gestattete das Eindringen im Boote blos an
sehr wenigen Stellen.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Weibchen: 12, ' 175 5% D, 0,9 Ta, 1.
Iris röthlich braunschwarz, Schnabel oben und unten dunkel-
hornbraun, an den Seiten bleiblau, an der Schneide weisslich, Füsse
dunkelbleigrau.
91. Sitta caesia, Kleiber.
Waldungen und Baumbestände, in denen die neuzeitliche Forst-
wirthschaft erst beginnt, sind selbstverständlich mehr als unsere
Forsten geeignet, dem Kleiber die erwünschten und möglichen An-
nehmlichkeiten des Lebens zu bieten. Kein Wunder daher, dass
er in allen Waldungen, welche wir besuchten, insbesondere aber
in den köstlichen Buchenwäldern der Fruszka Gora, wie in den
Eichenwaldungen unweit Futtaks eine recht häufige Erscheinung
j
ist.‘) Sein volltönender Pfiff erklingt aber auch auf den alten
knorrigen Eichen, welche hier und da ein tiefer im Lande gelegenes
2) Anmerkung. Doch keineswegs zahlreicher, als in den pommerschen
Wäldern. Homeyer.
!
l
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 71
Wohnhaus beschatten oder ihm doch zum schmückenden Hinter-
srunde werden. In den Baumpflanzungen sahen wir ihn nicht,
in den Auwaldungen auch nur an solchen Stellen, wo alte Baum-
riesen hoch über das Gelaube des übrigen Waldes sich erhoben.
92. Certhla familiarıis, Baumläufer.
Wennschon der Kleiber innerhalb unsers Beobachtungsgebietes
um geeignete Niststätten nicht verlegen ist, findet der Baumläufer
noch weit leichter Unterkunft und eine passende Höhlung zur
- Aufnahme seines Nestes. Dies sind die Gründe, weshalb er noch
- allgemeiner verbreitet ist als der vorher genannte. Als bemerkens-
werth heben wir hervor, dass ein Paar, welches Homeyer und
Brehm geraume Zeit beobachteten, die verlassene Höhle
eines Kleinspechtes zu seiner Niststätte erwählt hatte und
seinen Jungen so fleissig Futter zutrug, dass die beiden Genannten
es nicht über das Herz bringen konnten, ihn zu erlegen. Später
- aber bot sich hierzu keine Gelegenheit, und wir können daher nicht
- bestimmen, welcher Form die Baumläufer angehörten, die wir sahen.
93. Upupa epops, Wiedehopf.
Bei Berücksichtigung der wiederholt geschilderten Verhältnisse
- erscheint es als selbstverständlich, dass der Wiedehopf innerhalb
_ unseres ganzen Beobachtungsgebietes zu den häufigen Vögeln zählt.
Wohl aber überrascht, dass er die Auwaldungen auch dann nicht
- verlässt, wenn sie fast bis zu den Wipfeln der Bäume überschwemmt
sind. Lieblingsaufenthalte von ihm bilden übrigens auch hier mit
alten Weiden bestandene Viehtriften, die Gärten in der Nähe der
- Dörfer und die Weinberge.
j
- Geschlecht. L. B. F. Schz. Sch. Fw. Mz.
# Männchen: 31,5. 475 164 108 ds 2,1 1
fe Weibchen: 30,; 46 15 10,; ds 2,9 Ile:
Iris braun, Schnabel schwarz, an der Wurzel weisslich, Füsse
— schwarz.
”
y
u
94. Columba palumbus, Ringeltaube.
Die Ringeltaube kommt zweifellos in jedem ausgedehnten
i Walde der mittleren Donau vor, ist jedoch nicht die häufigste Art
*
ihrer Familie, im Gegentheile verhältuissmässig selten. Die Er-
- klärung hierfür ist vielleicht darin zu suchen, dass Nadelholzbäume
% _ erst neuerdings hier und da angesaamt wurden, alte Saamen tragende
_ Bäume noch ganz fehlen. In den Auwaldungen unterhalb Wiens
i beobachteten wir sie bei Weitem häufiger als auf ähnlichen Orten
unseres Beobachtungsgebietes.
ae
12 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
95. Columba oenas, Hohltaube.
Mehr als irgend ein anderer Vogel bewahrheitete die Hohl-
taube die in immer weiteren Schichten sich bahnbrechende Erkennt-
niss, dass der Mensch die Vögel einzig und allein durch Vernichtung
ihrer Wohnplätze vertreibt. Wer weiss, wie ausserordentlich der
Bestand der Hohltauben in Deutschland seit einem Menschenalter
abgenommen hat, wird freudig überrascht, wenn er Hochwaldungen
der mittleren Donau betritt. Hier, gleichviel ob in der Tiefe des
Thales und unmittelbarer Nähe des Stromes wie im Gebirge oder
tiefer im Lande, klingt das Rucksen der Taube noch freundlich
im Walde wieder, ob auch Würgfalk, Habicht und Zwergadler
ziemlich unbeschränkt schalten und walten. Grade die Hohltaube
findet hier das, was ihr in manchen Gegenden Deutschlands fehlt:
hohle Bäume in Hülle und Fülle und geeignete Nisthöhlungen, wie
sie sich solehe nur wünschen mag. In einem grösstentheils über-
schwemmten Weidenbestande oberhalb Kovils fanden wir sie häufiger
als irgend sonstwo, häufiger sogar noch als in der Fruszka Gora,
wo ihr klangvolles Rucksen uns die Stunden verkürzte, welche wir,
auf Geier harrend, in den Laubhütten verbrachten.
96. Turtur auritus, Turteltaube.
Auch die Turteltaube lebt in den von uns durchforschten
Gegenden zahlreich. Von dem dichten Ufersaume des Stromes an
bis tief in’s flache Land hinein, oder zu den Höhenzügen der den
Strom begleitenden Berge hinauf findet sie sich überall, jedoch
nicht so häufig, wie in manchen Gegenden Norddeutschlands. Hier
liebt sie vorzugsweise lichte Nadelholzwälder, und diese fehlen ihr
in den von uns besuchten Gegenden.
L. B. FE. Schz. Schl. Fw. Mz.
30 555 175 11, 1 2,5 2,3
TER: 12,5 14 2,
Iris bräunlich orange, Augen und nackte Stellen um die Augen
graulich dunkelpfirsichblutroth, die Stellen unter den Augen blei-
grau, Schnabel bleigrau, Füsse graulich korallroth, an den Schild-
rändern weisslich.
97. Coturniz communis, Wachtel. |
Aus der Familie der Feldhühner haben wir durch eigene Beob-
achtung nur das Vorhandensein der Wachtel feststellen können, |
und auch ihr Ruf wurde nur ein einziges Mal vernommen. Wären
wir im Stande gewesen mit Musse die Ebenen zu durchstreifen,
welche wegen ihrer Feldhuhn- und Wachtel-Jagden Berühmtheit
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 13
erlangt haben, so würden wir wahrscheinlich ganz andere Er-
"fahrungen gewonnen haben.
98. Phasianus colchieus, Fasan.
Erzherzog Rudolf vernahm am ersten Beobachtungstage auch
den Ruf des Fasans; später wurde derselbe nicht mehr gehört,
auch keiner der Vögel gesehen. In den Auwäldern der Umgegend
von Wien lebt er sehr zahlreich.
99. Otis tarda, Grosstrappe.
Die ungarischen Ebenen bewohnt der Grosstrappe bekanntlich
in sehr namhafter Menge; der Vogel meidet aber, wie leicht er-
klärlich, die unmittelbare Nähe des Stromes und Waldes, aut
dessen nächste Umgebung unsere diesmaligen Beobachtungen sich
vorzugsweise erstrecken mussten. Demungeachtet konnten wir das
Vorkommen des Trappen auf dem Wege zum Keskenderwalde
feststellen.
100. Oedicnemus crepitans, Dickfuss.
Soweit die Donau mit ungehinderter Schnelle ihre Wasser
thalabwärts führt, so weit sie das Gerölle mit sich trägt, welches
ihre den Alpen entspringenden Zuflüsse ihr brachten, sind alle
Inseln und ebenso die Uferränder nichts anderes als übersandete,
überschwemmte und mehr oder weniger dicht bewachsene Geröll-
_ haufen. Hier, insbesondere auf sicheren, ungestörten Inseln, wird
man schwerlich eine mit Sand überdeckte Stelle überschreiten,
ohne die Spuren des Dickfusses abgedrückt zu sehen. Der Vogel
- gehört hier nicht allein zu den regelmässig vorkommenden, sondern
- zu den häufigen Erscheinungen, und er behauptet auch dann seinen
- Stand, wenn wiederholt auf ihn gejagt wurde, ebenso wie eine
- besonders günstige Insel rasch wieder besetzt wird, wenn ihre
_ früheren Bewohner dem Jäger zum Opfer fielen. Auf unserer
ersten gemeinschaftlichen Jagd in den Auen unterhalb Wiens er- _
legte Erzherzog Rudolf an gewohnter Stelle wiederum ein ge-
paartes Paar der grossäugigen Gesellen. Mehrere andere Paare be-
wohnten die benachbarten Inseln, konnten jedoch nicht zu Schusse
gebracht werden. Weiter donauabwärts, in unserm eigentlichen
Beobachtungsgebiete, haben wir den Dickfuss allerdings nicht be-
merkt; es unterliegt jedoch keinem Zweifel, dass er auch hier
- geeigneten Strominseln, von denen ihn die derzeitige Ueberfluthung
vertrieben hatte, nicht fehlt.
101. Charadrius minor, Flussregenpfeifer.
Unter den wenigen Strandvögeln, welche wir sahen, nahm der
|
74 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Flussregenpfeifer in sofern eine hervorragende Stellung ein, als
wir ihm an einigen Orten öfter begegneten. Häufig war er jedoch
nirgends; wahrscheinlich hatte auch ihn das Hochwasser zeitweilig
vertrieben.
102. Vanellus eristatus, Kiebitz.
Zu den regelmässigen Anwohnern des Stromes zählt der
Kiebitz; in so namhafter Anzahl, ale man von vornherein an-
nehmen müsste, trafen wir ihn jedoch nicht. Dies erklärt sich
aus dem Baumreichthume der Donauufer zur Genüge. Nur da, wo
das Hochwasser baumlose und auch nicht mit Röhricht bestandene
Senkungen füllt, findet er Plätze, wie er sie liebt, und wenn er
wirklich wie in der Nähe Kovils einmal auch auf bebuschten Inseln
vorkommt, fügt er sich eben in’s Unvermeidliche.
103. Totanus calidris, Rothschenkel.
Der Rothschenkel wurde wiederholt, am häufigsten aber zwischen
Kovil und Karlovitz auf zur Zeit zu einem riesigen Sumpfe ge-
wandelten Flächen beobachtet, jedoch nicht erlegt. !)
104. Ibis faleinellus, Sichler.
Der Sichler, welcher an der mittleren Donau von den deutschen
Jägern mit dem nicht unpassenden Namen „Storchschnepfe“ ?) be-
zeichnet wird, kam uns erst in der Nähe von Kovil zu Gesichte.
Vielleicht hatte der ungewöhnlich hohe Wasserstand der Donau
auch ihn von seinen gewohnten Brutplätzen vertrieben; denn in
den ersten Tagen des Mai hielt er sich noch in ungemein starken,
unserer Schätzung nach zwischen zwei- bis vierhundert Stück zäh-
lenden Flügen zusammen. Diese Flüge zogen hoch in der Luft
zwischen Donau und Theiss hin und ber, jeder einzelne meist in
strenger Ordnung, ein fast gleichschenkliges, an der Spitze stumpf-
winkliges Dreieck bildend. Dass diese Vögel noch heutigen Tages
. weiter donauaufwärts, beispielsweise bei Futtak vorkommen, erfuhren
wir durch Graf Rudolf Chotek, welcher im Juli in dortiger
Gegend einen Trupp derselben beobachtete.
105. Cicondanigra, Waldstorch.
Die umsichtigen Vorkehrungen des erzherzoglichen Wirthschafts-
directors der Herrschaft Bellye liessen uns von den im Keskender-
!) Anmerkung. Es ist wohl wahrscheinlich, dass wir auch den in |
Ungarn gar nicht seltenen Totanus stagnatilis sahen; doch können wir dies
nicht mit Sicherheit behaupten.
®) Anmerkung. Storchschnepfe heisst in manchen Gegenden und
vielleicht noch passender: Himantopus rufipes.
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 19
walde horstenden Schwarzstörchen ein klares Bild gewinnen. Wie
weiter oben bemerkt, hatte das erzherzogliche Forstamt eine Karte
der ganzen Herrschaft ausarbeiten lassen, auf welcher alle bekannten
Horststände verzeichnet waren. Ein einziger Blick auf diese Karte
belehrte uns besser über die Vertheilung der bekannten Storch-
horste und deren Anzahl, als dies die Begehung des Waldes selbst
vermocht hätte. Aus gedachter Karte ersahen wir, dass im Kes-
kenderwalde zwar eine förmliche Ansiedelung der Schwarzstörche
nach Art eines Reiherstandes besteht, die einzelnen Paare ihre Horste
jedoch viel weiter von einander entfernt als irgend eine Reiherart
angelegt haben. Nur in einem Jagen standen die Horste dichter,
durchschnittlich vielleicht dreihundert Schritt von einander entfernt;
in den übrigen Waldestheilen waren sie so einzeln angebracht, dass
von einem geselligen Nisten nicht die Rede sein konnte. Der Stand
der Horste selbst war verschieden, die Regel blieb jedoch, dass der
Vogel nicht die einzelnen Wipfelzweige, sondern mit Vorliebe einen
starken Ast in halber oder in zweidrittel der Baumhöhe gewählt
hatte. 1) Hinsichtlich der Bauart änderten die Horste unter sich
wenig ab, ebenso wie sie sich nicht von dem bekannten Gepräge
unterschieden. Alle ohne Ausnahme waren sehr flach und kein ein-
ziger so regelrecht gerundet und geordnet, wie das bekannte Nest
unseres Hausstorches. Die brütenden Vögel sassen ausnahmslos so
fest, dass sie sich erst nach starkem Klopfen an den Stamm zum
Auffliegen entschlossen. Bei den benachbarten Horsten abgegebene
Schüsse wurden von ihnen wenig beachtet. Beim Abstreichen ge-
fehlte Waldstörche erschienen nach kurzer Zeit wieder, kKreisten
lange über dem Horste und bekundeten in ersichtlicher Weise das
Bestreben, baldmöglichst wieder aufzusitzen.?) Eines der gefehlten
Weibchen kehrte in Gemeinschaft des Männchens zurück; ein
anderes kreiste längere Zeit allein, ohne dass das Männchen er-
schienen wäre. Ob irgend ein Theil der Umgegend bevorzugtes
Jagdgebiet sein mochte, blieb uns unklar. Die begleitenden Förster
ı) Anmerkuug. Ebenso wie in Ungarn habe ich den schwarzen
Storch auch stets in Pommern gefunden. Oft stand der Horst weit ab
vom Stamme fast am Ende eines starken Astes frei, stets so, dass das
Ab- und Zufliegen den Vögeln leicht wurde. |
2) Anmerkung. Die Störche hatten offenbar sehr kleine Junge,
oder im letzten Stadium befindliche Eier und trachteten daher — wie
alle Vögel zu solcher Zeit — die Erwänrung ihrer Nachkommenschaft
baldigst wieder zu übernehmen. Homeyer.
76 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
wussten auf Befragen hierüber nur mitzutheilen, dass die Störche
in weite Entfernungen auf Beute auszuziehen pflegen.
L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
109: 205.:.55 24 19,5 19;8 94
108: 206. 58,, 24 19 20 8,5
1022 191 53 23 19 18,
112 193 55 PP‘) 20 8
105,, 197 54 98: 18,20
104 192 54 2.19 19
Or 24 18 18,
103 190 55 24 18. 12 AS
105 201 54 SE RR 18: a
REINE Bus BE re a
Iris graubraun, mit weisslichem Ringe. Schnabel, nackte Stelle
um das Auge und Füsse korallenroth, fast in’s Zinnoberrothe
ziehend, ersterer an der Spitze gelblich, letztere mit schwärzlich
gesäumten Schildern; Nägel schwarz.
106. Ciconva alba, Hausstorch.
Der Hausstorch kommt in unserm Beobachtnngsgebiete örtlich
nicht selten vor, scheint jedoch manchen Gegenden zu fehlen.
L. B. P. Schz. Schl. Fw. Mz.
97..:.200,3:2.56 22 10 28,5 9,5
Iris schwarzbraun mit silbergrauem Rande an der Aussenseite;
nackte Stelle am Auge schwarz; Schnabel und Füsse korallroth,
letztere an den Schildern weisslich.
107. Ardea cinerea, Fischreiher.
In den von uns durchforschten Gegenden der mittleren Donau
ist der Fischreiher die häufigste Art seiner Familie. Wenn nun
auch von den meisten Brutplätzen aus dieselben weite Flüge unter-
nehmen, um ihre Nahrung zu suchen, so war dies in Ungarn bei
der Menge der dortigen Gewässer nicht erforderlich, und wir sahen
daher auch nur einzelne Reiher, fern von einer Colonie. Auf der
vogelkundlich berühmten Insel Adony z. B. erschien uns die An-
siedelung gegenwärtig schwach bevölkert. Zwar mochten auf ge-
nanntem Eilande immerhin noch anderthalb- bis zweihundert Paare
des Fischreihers horsten; dieselben hatten sich jedoch über einen
so bedeutenden Theil deg Inselwaldes verbreitet, dass weit weniger
besetzte Stände der Donau in der Nähe Wiens?) ein viel regeres
2) Anmerkun g. In der Lausitz besuchte ich im Jahre 1838 einen
Reiberstand, der allgemein und auch von mir auf 2000 Paare geschätzt
wurde. Homeyer.
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 77
Leben zeigen, als wir es hier vor Augen hatten. Es mag sein,
dass der forstwirthschaftliche Betrieb der Inseln und des Ufer-
streifens der Donau viele Reiher um ihre Horstplätze gebracht hat;
ein Stand aber, welchen Brehm in der Nähe von Kovil besuchte,
belehrte, dass der Fischreiher auch in veränderte Umstände sich
zu finden weiss. Besagter Stand befand sich auf einer nur mit
Weiden bewachsenen Insel, deren Bäume nicht über acht Meter
Höhe hatten, jedoch, wenigstens mit ihren Wipfeln, ein so eng
geschlossenes Dickicht bildeten, dass es schwer wurde, das kleine
Boot zwischen dem Geäste durchzudrängen. Bei dem hohen Stande
der Donau waren nicht wenige der besetzten Horste kaum drei
Meter über dem Wasserspiegel befindlich; vier, höchstens fünf Meter
über letzterem war die grösste Höhe !), welche die Horste einnehmen
konnten. Auf diesem Stande wurde ausser dem Fischreiher keine
andere Art dieser Sippschaft beobachtet.
Geschlecht. L. B. NeSchz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 106 178 46, 18 12); 16,, 9
Männchen: 105 174 46, 21 13 15,; 9,
Männchen: 104, 177 47 18 12 15 1)
Männchen: 100 171 48 17 ns 16 9,
Weibchen: 100 169 47 17 12 15 9,5
Männchen: 106 179 48 18,, 12 16 10
Weibehen: 98 169: 45, 11. 12 14,, 9
Iris hochgelb, bei manchen in das Rothgelbe ziehend; Schnabel
hochgelb, röthlich durehschimmernd; Füsse röthlich bräunlichgelb;
Sohlen blassgelb, Nägel schwarz.
108. Ardea purpurea, Purpurreiher.
Erst gegen die untere Hälfte der mittlen Donau hin wurde
der Purpurreiher häufiger. Erzherzog Rudolf beobachtete ihn in
mehren Paaren im Sumpfe Hullo, woselbst er an denselben Stellen
wie Anser cinereus brütete; ausserdem sahen wir ihn einzeln hier
und da an der Donau und in den Sümpfen. Besonders zahlreich
trat er in der Nähe von Kovil auf, und in dem von Brehm und
Homeyer besuchten Sumpfe war er die vorherrschende Art seiner
Familie. Unzweifelhaft befand sich hier in der Nähe ein Stand;
die unsere Nachen führenden Fischer wussten uns jedoch hierüber
nichts mitzutheilen.
2) Anmerkung. Dass der graue Reiher bisweilen auch niedrig auf
Weidenbüschen, ja im Sumpfe auf zusammengetriebenem alten Rohre nistet,
ist von früheren Reisenden beobachtet. Homeyer.
18 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 90 137 37 13,5 12 10,3... 10,5
Weibchen: 89, 128 535 LE 12 10,...,040
Iris schwefelgelb oder hellgelb mit schmalem, röthlich braunem
Aussenrande, Schnabel bräunlich horngelb, an der Wurzel graulich
schwefelgelb, im Schnabelwinkel braun, an der Spitze röthlich,
Fuss hellgelb, an der Vorderseite des Laufes und oben auf den
Zehen hornbraun, Nägel hornbraun, an der Unterseite weisslich.
109. Ardea nyceticorax, Nachtreiher.
Auf den meisten Reiherständen horstet neben Fischreihern
auch der Nachtreiher. Solche Plätze, wo nur Nachtreiher horsteten,
fanden wir nicht; doch müssen dieselben wohl vorhanden sein, denn
wir sahen ihn während der ganzen Reise wiederholt in mehr oder
minder zahlreichen Trupps in hoher Luft ziehen. Sein Flugbild
kennzeichnet ihn so bestimmt, dass es für uns unmöglich gewesen
sein würde, ihn mit einem anderen Reiher zu verwechseln. Es ist
weniger die verschiedene Grösse, welche ihn vom Fisch- oder vom
Purpurreiher unterscheidet, als die kurze gedrungene Gestalt, die
kaum vorragenden Ständer und endlich die gerundeten Flügel,
welche ihn kennzeichnen. Dazu kommt, dass er viel rascher als
jeder der beiden genannten Reiher die Schwingen bewegt und
beim Schweben schneller dahingleitet als jene. Wir sahen ihn
übrigens auch auf dem Zuge und in kleinen Trupps, und es mögen
zwanzig Nachtreiher, zu einem Fluge geschaart, wohl die grösste
Anzahl sein, welche uns gleichzeitig zu Gesicht gekommen ist.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Weibehen: 60 106 29, 115 ee Ts 6,9
Männchen: 62, 111 31 11,, ng Ta Ta
Weibchen: 58 106 29, 10,, 6,7 Te Tag
Iris lebhaft korallroth, nackte Augengegend hellbräunlich-
gelb, Schnabel schwarz, Unterschnabel an der Wurzel bis etwa |
zwei Drittel seiner Gesammtlänge weisslich hornblau, Fusswurzel
schwefelgelb, beim Männchen an den Zehen und am Fersengelenke
roth durchschimmernd; Nägel schwarz. !)
110. Ardea egretta, Edelreiher.
Da der Edelreiher an der mittleren Donau ausschliesslich tief
) Anmerkung. Kronprinz Rudolf beobachtete bei einem frisch ge-
schossenen sehr alten Männchen eine schöne rotlıe Färbung des Schnabels
und der Füsse, die sich jedoch in kurzer Zeit, am Schnabel ganz und an
den Füssen schr wesentlich verlor. j
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 79
in ausgedehnten, fast unzugänglichen Sümpfen horstet, wird sein Auf-
treten, ganz abgesehen von unmittelbaren Nachstellungen, denen
er mehr als jeder andere seines Geschlechtes ausgesetzt ist, wesent-
lich beeinflusst durch den zeitweiligen Stand des Rohres. Wird
letzteres in strengen Wintern eingeerntet oder abgebrannt, so findet
der Edelreiher bei seiner Rückkehr im Frühjahr keine geeigneten
- Niststätten vor und muss sich entschliessen, anderswo Unterkommen
zu suchen. Da nun ausserdem alljährlich Land eingedeicht wird,
und auch hier die Sümpfe mehr und mehr trocken gelegt werden, ver-
ringert sich seine Anzaahl immer mehr. Wir unsererseits beobachteten
ihn, und zwar wenige Paare, einzig und allein in dem grossen
Sumpfe Hulo, unweit des Drauecks, also am Zusammenflusse der
Drau und Donau, im Süden der Herrschaft Bellye.
11l. Ardea comata, Rallenreiher.
Dieser zierliche Reiher wurde vom Erzherzog Rudolf zuerst
in der Nähe von Apatin über einen Donauarm streichend beob-
achtet; dann zeigte er sich in der Nähe von Futtak und später der
Stadt Carlowitz gegenüber sitzend und vorüberstreichend. Ueber die
Nistplätze desselben konnte nichts in Erfahrung gebracht werden.
112. Stagnicolachloropus, Teichhuhn.
Die heimlichen Wildnisse, welche die Auwaldungen umschliessen,
bieten nicht allein dem Teichhuhne, sondern auch den Zwergrohr-
- hühnern äusserst günstige Wohnplätze. Während letztere, nach An-
RT EIER WET ee a nn
RE?
gabe unserer kundigen Begleiter, erst dann gesehen werden, wenn
die Nymphäen ihre Blätter bis zum Wasserspiegel emporgetrieben
haben, war das Teichhuhn zur Zeit unseres Aufenthaltes bereits
eingetroffen, jedoch so scheu, dass es uns nicht gelang, eines ein-
zigen habhaft zu werden.
113. Fulica atra, Blässhuhn.
Ueberall und zahlreich verbreitet, am häufigsten unter allen
' Wasserhühnerarten.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 435 7 22 len 2,5 6 1,5
Iris rothbraun, Schnabel und Schild weiss, Füsse bleigrau, an
den Schildern und Gelenken schwarz, am Rande gelbbräunlich
überlaufen und an den Zehen grüngelb.
114. Anser cinereus, Graugans.
Wildgänse wurden von uns mehrfach beobachtet, am häufig-
sten aber in dem Rohrsumpfe Hulo gesehen. Erzherzog Rudolf
erlegte hier ein Weibchen beim Neste und entnahm demselben fünf
80 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Eier. In Ungarn spricht man zwar von Saatgänsen, jedoch kommt
dort, wie im ganzen südlichen Europa, nur allein die Graugans
vor, welche man fälschlich Saatgans nennt.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Weibehen: 82 159 46 16 6,; 9,5 8,5
Iris dunkel umbrabraun, Schnabel era fleischroth, Füsse
weisslich fleischfarben.
115. Anas boschas, Stockente.
Die häufigste Entenart, welche an der mittlen Donau brütet,
ist die Stockente. Ihr bieten die Weidenbestände, wie die vom
Strome überschwemmten Senkungen zu beiden Seiten des Ufers
höchst geeignete Aufenthaltsorte, nicht aber immer sichere Brut-
plätze. Schon in der Gegend von Apatin musste uns auffallen,
dass wir in den letzten Tagen des April noch überall Paare unserer
Ente antrafen; in den darauf folgenden Tagen wurde es uns zur
Gewissheit, dass diese Paare solche waren, welche sich wiederum
zusammengethan hatten, nachdem das Weibchen durch Hochwasser
aus dem Neste getrieben und dieses zerstört worden war. Bei
unserem Eindringen in das Innere der überschwemmten Waldungen
stiessen wir, wie schon oben bemerkt, wiederholt auf Nester unserer |
Ente, in denen die Weibchen brütend sassen und ihre Mutterpflicht
mit so hingebender Treue ausübten, dass sie ohne aufzufliegen An-
näherung bis auf einen Meter Entfernung gestatteten.!) Alle diese
‚glücklichen Mütter hatten ihre Brutplätze auf Weidenstämmen so
hoch iber dem Grunde angelegt, dass das mindestens zwei Meter
den Boden überfluthende Wasser noch nicht bis zu ihnen empor-
gestiegen war. Alle auf dem Boden gebauten Nester, sowie die
unter der jetzigen Wasserhöhe befindlichen waren zerstört.
116. Anas querquedula, Knäkente.
Nächst der Stockente ist die Knäkente am zahlreichsten ver-
!) Anmerkung. So scheu diese Ente auch unter gewöhnlichen Ver-
hältnissen ist, so ausserordentlich zahm findet man sie als Brutvogel. Als
einstmals der mit Heidekraut (Calluna vulgaris) bestandene Rand eines
kleinen Teiches angezündet wurde, verliess eine dort auf den Eiern sitzende
Stockente dieselben erst, als das Feuer in dem brennenden Kraute ihr
durch die Hitze lästig wurde, suchte sich jedoch beim Verlassen des Nestes
den Blicken des Menschen zu entziehen, indem sie niedrig, dem Boden an-
geschmiegt, auf das Wasser kroch und sich dort im Schilfe barg. Ganz
zufällig war ich Zeuge dieses Herganges und. entdeckte das Nest erst
durch die Bewegung der Ente, als die Flamme kaum noch einen Meter
von ihr entfernt war. llomeyer.
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 81
treten. Auch diese sahen wir noch vielfach paarweise, was sich
jedoch theilweise auch dadurch erklärt, dass dieselbe ihr Brut-
geschäft weit später beginnt, als die Stockente.
117. Fuligula nyroca, Moorente.
Auf denselben Stellen, welche Teich- und Blässhuhn bevölkern,
ist auch die Moorente eine regelmässige, hier und da sogar häufige
Erscheinung. Die Beschaffenheit der überschwemmten Waldes-
theile erschwert jedoch die Jagd der schönen und gewandten
Vögel in so hohem Grade, dass wir nur einen einzigen glücklichen
Schuss abgeben konnten.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Ma».
Männchen: 43 Or una kere 6,6 Ay 3 219
Iris weiss, Schnabel dunkelbleiblau, Nägel schwarz, Füsse
bleigrau, deren Gelenke und Schwimmhaut schwarz.
Ausser den drei genannten Enten wurden durch unser Schiff
noch zwei andere Entenarten vom Donauspiegel aufgetrieben und
diese von Homeyer als
118. Fuligula ferina, Tafelente und
119. Dafila acuta, Spiessente
angesprochen. Ebenso sah der Genannte einmal den
120. Mergus serrator, Entensäger.!)
121. Sterna nigra, Trauerseeschwalbe.
Die einzige Seeschwalbe, welche wir mit Sicherheit ?) bestimmen
konnten und beziehentlich erlegten, war die Trauerseeschwalbe.
Die ersten Vorläufer der während unseres Aufenthaltes an der
mittleren Donau eintreffenden Seeschwalben beobachteten wir be-
reits auf dem Wege nach dem Keskenderwalde am 26. April. In
den nächstfolgenden Tagen sahen wir den zierlichen Vogel aller-
dings ebenfalls dann und wann in Gesellschaften donauaufwärts
ziehen; der Tag der wirklichen Ankunft aber war der 3. Mai.
- Schon am Morgen zogen Schwärme von zwanzig, dreissig, vierzig
2) Anmerkung. Nach den Mittheilungen Landbeck’s nistet die
Tafelente nicht selten bei Kupiuowa und Jakowa, wo derselbe Alte und
Junge erlegte; auch die Spiessente fand derselbe als Brutvogel. Das Vor-
kommen dieser beiden Arten ist in den von uns besuchten Gegenden daher
unzweifelhatt. Auch Mergus serrator wurde von früheren Reisenden
beobachtet.
®2) Anmerkung. Mit gewisser Sicherheit glaube ich Sierna hörumdo
erkannt zu haben, doch war die Entfernung eine so bedeutende, dass eine
Verwechselung mit Sterna leucopareja möglich wäre, Homeyer.
>
ia Hi
Cab. Journ. f,; Ornith. XXVII. Jahrg. No. 145, Januar 1879. 6
82 Kronprinz Rudolf, E. v. Homeyer u. Brehm:
Stück an uns vorüber, alle dem Strome entgegenwandernd. Während
unseres Ausfluges nach dem oftgenannten Sumpfe beobachteten wir
fortwährend neue Flüge, und als wir einmal auf einem Damme
zwischen zwei geeigneten Wasserflächen festes Land betreten
konnten, sahen wir rechts und links mehrere Hunderte dieser
Seeschwalben eifrig fischen. ‘Auf der Rückfahrt begegneten wir
fort und fort neuen Ankömmlingen und konnten feststellen, dass
dieselben Gewässer, welche am Morgen nur spärlich bevölkert
waren, inzwischen wohl die zehnfache Bewohnerschaft erhalten
hatten. Die Anzahl der Seeschwalben, welche an diesem Tage,
aufwärts wandernd, an uns vorüberflogen, oder fischend uns zu
Gesichte kamen, entzieht sich jeder Schätzung; mehrere Tausende
aber waren es ganz gewiss, um welche es sich handelte. Der
Zug hielt auch während der beiden folgenden Tage an, und daher
fanden wir auf der Rückreise auch alle diejenigen Brutgewässer,
welche bei der Thalfahrt noch nicht besetzt waren, stark bevölkert.
Geschlecht. L. B. F. Schz. Schl. Fw. Mz.
Männchen: 26, 62 20, 8 “ 1,7 lyz
Männchen: 26, 64 22 8,9 3 1,7 1,
Weibchen: 25 öl, 28 8,5 24 1yg l,g
Männchen: 26, 60, 21 8, 2,8 L,, l;g
Iris dunkelbraun, Schnabel schwarz, am Mundwinkel fleisch-
roth, Füsse röthlich schwarzbraun.
122. Carbo cormoranus, Scharbe.
Die Scharbe, an der mittleren Donau auschliesslich Kormoran
genannt, ist ein sehr häufiger Brutvogel des Stromgebietes. Wahr-
scheinlich fehlt sie keinem grösseren Reiherstande, und möglicher-
weise horstet sie noch ausserdem selbstständig in einzelnen Wal-
dungen. Brehm und Homeyer wurden durch Kronprinz Ru-
dolf darauf aufmerksam gemacht, dass man fast auf jedem Stande
Brutvögel mit weissem oder doch grauweissem Bauche antreffe,
und in der That beobachteten wir zweimal derartige Vögel. !) |
!) Anmerkung. Die weisse Unterseite ist zwar ein Kriterium,
welches der Regel nach den jungen Vogel erkennen lässt, doch ist dies
keinesweges ausschliesslich der Fall. Nicht allein an der Donau, sondern
auch in den Küstenländern der Ostsee kommen an den Brutplätzen der-
gleichen alte Vögel einzeln vor, ebenso bei Carbo Desmarestii im Mittel-
ländischen Meere. Diese lichte Abänderung hat Cara in seiner Ornithologie
Sardiniens als Carbo leucogaster aufgeführt, es bleibt jedoch zweifelhaft,
ob darunter eine seltene Färbung oder der junge Vogel zu verstehen ist
Homeyer.
Zwölf Frühlingstage an der mittleren Donau. 83
Geschlecht. L. B. R: Schz. Schl. Fw. Mz.
zenssort:; 92 151 37 18 Tg 64 7,5
Männchen: 87 147 36, 18,; Us 6 Tg
Männchen: 87 145 35 uflae Dve 6,3 Tg
Werbehen: 82. 136 35 16,; 6 du Is
Männchen: 85 142 35, 17 { Di Us:
Männchen: 88 143 537 19 Kos Ds er
Männchen: 87 i4d5 25; 18 4 6 ler
Weineben., ;.81,, .135...38 16 6,7 Dis 6,9
Iris dunkelgrün, Schnabel schwarz, unten bleigrau, Mund-
winkel gelblich, Füsse schwarz.
123. Podiceps eristatus, EHanhentamoher
Alle ausgedehnten stillen Gewässer zu beiden Seiten des
Stromes beherbergen den Haubensteissfuss; hier und da tritt er
sogar nicht selten auf.
124. Podiceps subcristatus, Rothhalssteissfuss.
Weit seltener als der Haubensteissfuss lebt in dem ganzen
Beobachtungsgebiete der Rothhalssteissfuss. Bei unserer Anwesen-
heit war er in der letzten Zeit durch das Hochwasser von manchen
Brutplätzen verdrängt, und wir trafen ihn merkwürdiger Weise in
Waldwildnissen, die wir mit dem Kahne befuhren. Manche Indi-
viduen scheinen sich noch auf dem Zuge zu befinden.
125. Podvceps auritus, Ohrensteissfuss.
So unzweifelhaft der Ohrensteissfuss ausserordentlich zahlreich
_ auf den südungarischen Sümpfen lebt, so sehr einzeln kam er
uns zu Gesichte, viel weniger bot sich eine Gelegenheit, einen
Schuss anzubringen.
126. Podeiceps minor, Zwergsteissfuss.
Wir sahen ihn nur einmal, und auch Landbeck fand ihn sehr
_ einzeln.
ee en 6 ı 5 2 A
Von den vorstehend aufgezählten Vögeln wurden beobachtet
und beziehentlich erlegt: Am 23. April siebenunddreissig, am
24. April vierundvierzig, am 25. April fünfundvierzig, am 26. April
achtundfünfzig, am 27. April dreissig, am 28. April achtundzwanzig,
am 29. April einunddreissig, am 30. April zweiunddreissig, am
1. Mai. einundvierzig, am 2. Mai zweiundzwanzig, am 3. Mai drei-
_ undfünfzig, am 4. Mai fünfunddreissig, am 5. Mai siebenundzwanzig
Arten,
6*
84 Mitglieder-Verzeichniss
Mitglieder -V erzeichniss
der
Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft
zu Berlin.
Vorstand:
E. F. v. Homeyer, Präsident.
H. Golz, Vice-Präsident.
J. Cabanis, General-Secretär.
A. v. Brehm, Beigeordneter.
R. Blasius, Beigeordneter.
Ausschuss:
A. v: Pelzeln: F. Wiepken.
F. Heine sen. Bodinus.
A.Reichenow (Stellvertr. Seer.) G. Hartlaub.
Graf Roedern. v. Schlechtendal.
Freih.R.König-Warthausen. W. Pralle.
A. Nehrkorn. H. Schalow (Cassenführer).
C. Bolle. C. Giebel.
W. Blasius. v. Tschusi-Schmidhoffen.
Ordentliche Mitglieder:
1878. Se. Kaiserliche und Königliche Hoheit Erzherzog Kron-
prinz Rudolf von Oesterreich und Ungarn, in Wien. BA
1879. Se. KöniglicheHoheitPrinzLeopoldvonBayern, in München.
1874. Se.Königliche Hoheit Prinz Ferdinand vonCoburg-Gotha,
in Wien, Coburg’sches Palais. BE
1870. Se. Durchlaucht Fürst von Bismarck-Schönhausen, Kanzler
des Deutschen Reiches, in Berlin,
1870. Se’ Durchlaucht Fürst Hermann von Hatzfeld auf Schloss
Trachenberg, Schlesien. ®
1873. Se. Durchlaucht PrinzLothar zu Ysenburg undBüdingen
auf Schloss Ramholz bei Schlüchtern, Prov, Hessen, g
d. Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft z. Berlin. 85
1870.
1862.
1873.
1870.
1862.
1872.
1870.
1855.
1876.
1879.
1870.
1868.
1879.
1871.
1853.
1871.
1879.
1870.
1878.
1875.
1851.
1877.
1879.
1873.
1868.
A 1870.
- 1832.
1870.
Herr d’Alton, Guido, Berlin W., Derflinger Str. 22.
„ Altum, B. Dr., Professor a. d. Forstakademie zu Eberswalde.
» Benzon, A., Apotheker, Kopenhagen.
Graf von Berlepsch, Hans, Schloss Berlepsch bei Witzenhausen,
Prov. Hessen-Nassau.
Herr Blasius, Rud., Dr. med., Stabsarzt a. D., Braunschweig, Petri-
thor-Promenade 2.
Blasius, Wilhelm, Dr. med., Prof., Braunschweig.
von Bleichroeder, G., Geh. Commerzien-Rath, Berlin W., 63
Behrenstrasse.
Bodinus, Dr. med., Director des Zoologischen Gartens, Berlin W,,
Zoologischer Garten.
„ Böhm, R., Dr. phil., Berlin W., 6 Sigismundstr.
BaronvonBohlen-Bohlendorf, Julius, Erbkämmerer des Fürsten-
thums Rügen und der Lande Barth, Rittergutsbesitzer auf Streu
pr. Schaprode, Insel Rügen.
Herr Böttcher, Dr. med., praet. Arzt in Görlitz.
„ Bolle, Carl, Dr., Gutsbesitzer, Berlin W., 13 Leipziger Platz.
Se. Excellenz GrafBombelles, Obersthofmeister Sr. K. K. Hoheit
des Erzherzog Kronprinz Rudolf von Oesterreich, in Wien.
Herr Born, Emil, Major im eidg. Generalstabe, Herzogenbuchsee
(Schweiz).
von Brehm, A. E., Dr., Berlin S. W., Hallesches Ufer No. 11.
Brehm, Reinhold, Dr., Arzt der Kaiserl. Deutschen Gesandtschaft
zu Madrid, 4 Calle Serrano.
Graf Breunner-Enkevoerth, August, in Wien I. Singerstrasse 16.
Herr Bucher, Lothar, Wirklicher Geh. Legationsrath, Berlin W., 39
Lützowstrasse.
Büchner, Eugen, St. Petersburg, Kazans Kaja Str. Haus No. 33.
Qu. No. 3.
Burmeister, Heinr., Arnstadt, Villa Burmeister.
Cabanis, Jean, Dr. Prof., Custos am kgl. zoologischen Museum
d. Friedr. Wilhelms -Universität, General-Secretär der
Gesellschaft, Berlin S.W., Alte Jacobsstrasse 105a.
von Chlapowski, Mathias, Rittergutsbesitzer auf Rothdorf bei
Kriewen, Prov. Posen, z. Zt. in Berlin W., Behren-Str. 22 I.
Graf Rudolf von Chotek. Adresse: Graf Chotek’sche Central-
Kanzlei, Währinger Str. 28 in Wien.
Herr Döring, Adolf, Dr. Prof., in Buenos Ayres, Süd-America. Adr.
Deuerlich’sche Buchhandlung in Göttingen.
Dohrn, H., Dr., Stettin.
Dresser, H. E., London W., 6 Tenterden Street, Hanover Square.
Dybowski, B., Dr., Warschau, Adr. Hrn. L. Taczanowski.
Se. Excellenz der Graf Dzieduszycki, Vlodimir, Lemberg, 45.
IV. Viertel.
Herr Ebers, Martin, Dr., Rittergutsbesitzer, Berlin W., Links-Str. 30, II,
Adr. Hrn. Insp. Güthling,
”
”
»
2»
”
86
’
Mitglieder-Verzeichniss
1872. Herr Elsner, G., Zuckerfabrikant, Rossla a. H.
1879.
1868.
1872.
n
”
„
1872.
1870.
1873
1870.
„
Dr. Carl Ritter von Enderes, in Wien, Josefstadt, Floriani-
gasse No. 46.
Euler, Carl, Rio de Janeiro, Brasilien. Adr. Hrn. Gustav
Schneider, Zoologisches Comtoir in Basel.
Falkenstein, Dr., Stabsarzt, Berlin N., Müller-Str. 179b.
Fenker, Rittmeister, Inspeetor. Für den zoologischen Garten in
Kopenhagen.
Fiedler, H., Buchhändler, Agram.
‚Se. Excellenz Herr J. C. H. Fischer, Kgl. dänischer Minister für
1873.
1879.
1868,
1875.
1872.
1871.
1868.
1872.
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1871.
1851.
1870.
1878.
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1870.
1852.
1862.
1877.
1870,
1876.
1856,
1877.
1868.
1851.
1862.
Kirchen- und Unterrichtswesen, Kopenhagen.
Herr von Fischer, Joh., Director des Zoologischen Gartens in Düssel-
dorf a. Rh.
Frick, C., Dr., Sanitätsrath, Burg bei Magdeburg.
Friderich, C. @., Aquarellmaler, Stuttgart, Seiden-Str. 24.
Fritsch, Anton, Dr., Custos am National-Museum in Prag,
Brennte-Gasse 25.
Gadow, H,, Dr. phil., z. Z. in Heidelberg, Heumarkt No. 4.
Giebel, Ch. G., Dr., ord. Prof. a. d. Universität Halle a/S.
Girtanner-Reiser, A., Dr., Neugasse 32, St. Gallen (Schweiz).
Golz, H., Dr., Justizrath, Rechts-Anwalt u. Notar, Vice-Prä-
sident der Gesellschaft, Berlin C., 10 Papenstr.
Grunack, A., Geh. Registrator, Bibliothekar und Plankammer-
Insp. beim Reichs-Eisenbahn-Amt. Berlin N. W., Louisen-Str. 3.
Hagenbeck, Carl, Handelsmenageriebesitzer, Hamburg, St. Pauli.
Hartlaub, Gust., Dr., Bremen.
Hartmann, Rob., Dr, Prof., Berlin. W., Margarethen-Str. 8. II.
von Haugwitz, R., Stud. jur,, Rosenthal bei Breslau.
Hausmann, F. L. Berlin W., Schellings-Str. 5.
Hecker, H. F., Kaufmann und Fabrikbesitzer, Görlitz.
Heine, F., Oberamtmann, auf St. Burchard bei Halberstadt.
Heine, F., Rittergutspächter, Emersleben bei Halberstadt.
Hempel, Rudolf, Kaufmann, Berlin W., Kurfürsten-Str. 76.
Henrici, Regierungs-Rath, Frankfurt a. O.
Hesselink, H., Groningen, A. 238 Oude Boterengestraat.
Holland, Th., Dr., Gymnasiallehrer, Stolp, Pommern.
Hollandt, Advocat-Anwalt, Braunschweig.
Holtz, Ludw., Greifswald, 25 Wolgasterstr,
von Homeyer, Eug. Ferd., Präsident der Gesellschaft,
Stolp, Pommern.
von Homeyer, Alexander, Major im 2. Nassauischen Infanterie-
Regiment No. 88, Mainz.
1878. Graf Josef Hoyos auf Kreuzstetten, in Wien, Kolowrat-Ring 5.
1877. Herr Huber, Apotheker in Basel, Schweiz,
1868.
1878,
1876.
’
,
”
”
Jablonski, Max, Gutsbesitzer, Zion bei Stentsch.
Jahrmargt, Carl, Xylograph, Berlin N., Elsasser Str. 76.
Kessler, Dr., Vorsitzender des Vereins für Vogelkunde in Cassel,
d. Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft z. Berlin. 87
1876. Herr Kiefer, J., Bürgermeister, Saarbrücken.
1851, Freiherr Richard König- Warthausen, Kammerherr, Schloss
Warthausen bei Biberach, Würtemberg,.
1872. Grafvon Königsmarck, Herrschaftsbesitzer auf Camnitz, Kr. Conitz.
1873. Herr Kricheldorff, Franz, Berlin S., Oranienstr. 155.
1868.
1878.
1876.
1874.
1870.
1879.
1877.
1874.
1872.
1870.
1870.
1855.
1872.
1876.
1874.
1872.
1870.
1868.
1870.
1877.
1875.
1868.
1870,
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1870.
1868.
1876.
1870.
1876.
1852.
1876,
1868,
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von Krieger, O., Kammerherr, Sondershausen.
Krüger-Velthusen, Prem.-Lieutenant im Brandenburgischen
Füsil.-Reg. No. 35, in Brandenburg.
Kuntzen, W., Amtmann in Nortenhof bei Wolfenbüttel.
Kutter, Dr., Oberstabs- u. Regimentsarzt im 2. Schles. Husaren-
Regiment No. 6, Neustadt O/S.
Landois, H., Dr. Prof. Für die zoologische Section d. westphäl.
Vereins für Wissensch. u. Kunst in Münster.
Leschke, Küster an St. Petri, Berlin C., Petri-Platz 2.
Levy, Richard, Banquier, Berlin N. W., Dorotheen-Str. 32.
Lestow, Georg, Kaufmann, Berlin S. ©., Köpnicker Str. 55b.
Adr. Hrn. Fröhlich & Unger.
Liebe, L. Th., Dr. Prof., Gera.
Linden, Emil, Radolfszell, Baden.
Luchs, Ernst, Dr., Warmbrunn, Schlesien.
Meves, Wilhelm, Stockholm, Röhrstrandsgatan 32.
Meyer, A.B., Dr., Director des Zoologischen Museums in Dresden.
Moeser, W., Hofbuchdruckereibesitzer, Berlin $., 34/35 Stall-
schreiberstr.
Mützel, G., Thiermaler, Berlin S. W., Lichterfelder Strasse 33.
von Nathusius, W., Rittergutsbes, auf Königsborn b. Magdeburg.
Naumann, Alexander, Schriftsteller, Zittau, Reichenberg-Str. 43.
Nehrkorn, Amtmann, auf Riddagshausen bei Braunschweig.
Novicki, Dr., Prof. a. d. Universität in Krakau.
Opitz, Dr. med., Stabsarzt, Berlin N., Königl. Charite.
Palmen, J. A., Dr., Privatdozent, Helsingfors, Finnland.
von Pelzeln, Aug., Custos am k.k. Natur. Cabinetin Wien. Stadt,
Wipplinger Str. 18.
Platho, Banquier, Berlin C., Breitestr. 6.
Poll, Dr., Dom. Zurezin, Thure bei Nakel.
Pralle, W., Postdireetor, Hannover, Nelkenstr. 8.
Radde, Gustav, Dr., Director des kaukasischen Museums in Tiflis,
Transkaukasien.
Reichenow, Anton, Dr., Assistent am k. zool. Museum d. Friedr.-
Wilhelms-Universität, Stellvertr. Seer. der Gesellschaft,
Berlin $. W., Grossbeeren-Str. 52.
Reinecke, Kreisgerichtsrath a. D., Wittstock.
Rey, E., Dr., Naturalienhändler, Leipzig, Brandweg 4.
Richter, F. W., Bahnhofs-Restaurateur, Halberstadt.
GrafRoedern, Erdmann, Gerichts-Assesor a. D., Breslau, Agnesstr. 8.
Herr Rohweder, J., Gymnasiallehrer, Husum.
2
Sachse, Carl, Baumeister, Altenkirchen, Reg.-Bez, Coblenz,
88 Mitglieder-Verzeichniss
1873. Herr Salzmann, Dr., Stabsarzt im I. Garde-Regiment zu Potsdam.
1876. „ Samplebe, Thierarzt, Schöppenstedt.
1870. Reichsgraf Ludwig Schaffgotsch, auf Warmbrunn, Schlesien.
1869. Herr Schaitter, Ignaz, Kaufmann, Rzeszow, Galizien.
1872. „ Schalow, Herman, Cassenführer der Gesellschaft,
Berlin N., Nieder-Schönhausen.
1876, Freiherr von Schilling, Grosshgl. Bezirksförster, Forsthaus
Neckarschwarzach, Station Aglasterhausen in Baden,
1870. Herr von Schlechtendal, Regierungs-Rath, Merseburg.
1870. „ Schlüter, Wilhelm, Naturalienhändler, Halle a. S.
1868. „ Schneider, Gustav, Zoologisches Comtoir, Basel.
1868.. .„ Schütt, Emil, grossherzogl. Bezirksförster, Staufen, Freiburg i. Br.
1870. „ Schumann, Gotthold, Spinnereibesitzer, Crimmitschau.
1869. „ Schwab, Adolf, Apotheker, Misteck, Mähren.
1856. „ Sclater, P.L., Dr., London, W., 44 Elvaston Place, Queen’s Gate.
1869. Freiherr von 8 a e ie auf Kabendil, Jarmen, :
1877, Herr Stechmann, Prem.-Lieutenant im Hessisch. Infant.-Reg. No. 83, F
in Arolsen.
1871. „ Stejneger, Leonh., Bergen, Norwegen.
1870. „ Stoltz, Franz, Fabrikant, Berlin S. W., Lindenstr. 40.
1870. „ 8y, Eugene, Kaufmann, Berlin W., Jägerstr. 40.
1869. „ Taczanowski, L., Custos des Zool. Museums d. Kaiserl. Uni-
versität, Warschau.
1875. „ Tancere, Rud., Fabrikant, Anclam.
1868. „ Tauber, Ed,, Habrikbesitzen, Tückelhausen, Ochsenfurt, Bayern. 4
1878. „ Telsky, J DER, Oberlehrer, Neutitschein, Mähren. |
1856. „ Theobald, P. W., Pastor, Kopenhagen.
1872. „ Thiele, H., Baumeister, Cöpenick.
1853. „ Thienemann, W., Pastor, Zangenberg bei Zeitz. #2
1868. „ Vietor Ritter von Tschusi-Schmidhoffen, Villa Tännen-
hof bei Hallein, Salzburg. u
1875. „ Vieweg, Heinr., Buchhändler, Braunschweig.
1874. „ Vogel, Georg, Fabrikant, Zürich. |
1818. Mol ti änder-Tetzner, Carl, Fabrikant, Schweizerthal, Burgzi
staedt, Sachsen. i
1870. Graf von Waldburg-Zeil-Trauchburg, Carl, Schloss Zeil bei
Leutkirch, Würtemberg. F
1853. Herr Wiepken, C. F., Director. Für das grossherzogl. Naturalien-
Cabinet, Oldenburg.
1878. Se. Excellenz Graf Wilczek, in Wien, Herrengasse 5.
1871. Herr von Wulffen, Max, Rittergutsbesitzer, auf Wiederau bei Herz-
berg, Prov. Sachsen. |
1872. „ von Wulffen, O., auf Pietspuhl bei Burg, Prov. Sachsen.
1870. Graf York von Wartenburg, Peter, auf Schleibitz bei Hundsfeld.
1871, Freiherr von Zedlitz-Leipe, Landrath, Schweidnitz. 3
1868. Herr von Zitzewitz, Rittergutsbesitzer, Bornzin bei Denzin, Pommern,
d. Allgemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft z. Berlin. 89
Neu hinzutretende Mitglieder werden demnächst im Journal für Ornithologie
und im ÖOrnithologischen Centralblatt verzeichnet werden. Um etwaige Berichti-
gungen bei vorstehenden Adressen wird vorkommenden Falles ergebenst gebeten.
Berlin, im Januar 1879,
J. Cabanis, General-Secretär.
Benachrichtigung für dieMitgliederderGesellschaft.
(Journal-Angelegenheit.)
Mit Bezug auf eine frühere Anzeige hat die Verlagshandlung
sich bereit erklärt, der „Allgemeinen deutschen ornitho-
logischen Gesellschaft“ die früheren Jahrgänge des Journals
für Ornithologie, soweit die Vorräthe es erlauben, zu folgendem er-
mässigten Preise pro Jahrgang zu liefern:
Journal f. Orn. Jahrg. 1853 bis 1867 a 7 Mark.
General-Index der vorstehenden 15 Jahrgänge 8%), Mark.
Journ. f. Orn. Jahrg. 1868 und 1869 & 8"), Mark.
Journ. f. Orn. Jahrg, 1870 und ff. & 15 Mark.
Orn. Centralblatt I. (Halb-) Jahrg. 1876 1'/, Mark.
Orn. Centralblatt II. Jahrg. 1877 und ff. a 6 Mark.
Bei Abnahme der ganzen Reihe oder einer grösseren Partie
soll der Preis noch in Etwas ermässigt werden. Einzelne Hefte
dagegen können nicht, oder nur ausnahmsweise, wenn dergleichen
vorhanden sind, und nur zu erhöhtem Preise abgegeben werden.
Mitglieder der Gesellschaft und derselben befreundete Orni-
thologen, welche hiervon zur Completirung Gebrauch machen wollen,
erhalten gegen Einsendung des resp. Betrages an den General-
'Secretär der Gesellschaft das Gewünschte (innerhalb des
deutsch-österreichischen Postverbandes franco) zugesandt.
90
Statut
der
„Allgemeinen nentschen urmithulugischen Gexellschaft“,
zu Berlin,
81
Die „Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft“ ist ein
naturwissenschaftlicher Verein, welcher seinen Sitz in der Reichs-
hauptstadt Berlin hat.
2.
Zweck der Gesellschaft ist die Förderung der Ornithologie
nach allen Richtungen, namentlich also Erforschung der gesammten
Vogelwelt hinsichtlich der Systematik, des Körperbaues, der Lebens-
weise und der Bedeutung ihres Lebens für den Haushalt der Natur.
Dieser Zweck wird zu erreichen gesucht durch gegenseitigen
Austausch der gesammelten Erfahrungen und Beobachtungen in
regelmässig wiederkehrenden Sitzungen, Jahresversammlungen und
in einem gemeinschaftlichen Organe.
Ss 2.
Die Gesellschaft ist eine geschlossene und zählt als solche nur
ordentliche Mitglieder; doch soll der Vorstand das Recht haben,
in besonderen Fällen auch Ehrenmitglieder zu ernennen. Zur
Mitgliedschaft ist jeder in Deutschland oder im Auslande lebende
Kenner und Liebhaber der Vögel berechtigt. Nach erfolgter Mel-
dung auf Grund der Statuten ist der Vorstand befugt, die Aufnahme
zu vollziehen; sprieht der Vorstand sich für Abweisung aus, so
hat derselbe die definitive Entscheidung im Verein mit dem Aus-
schusse zu treffen. Das Mitglied bleibt der Gesellschaft für das
folgende Kalenderjahr verpflichtet, wenn es nicht spätestens vier
Wochen vor Jahresschluss eine Austrittserklärung an den General-
Secretair schriftlich abgiebt.
Ueber Zulassung von Gästen zu den Sitzungen und Jahres-
versammlungen entscheidet der Vorstand.
S 4
Die Angelegenheiten und Interessen der Gesellschaft leitet
und wahrt ein geschäftsführender Vorstand und ein Ausschuss,
welche aus der Zahl derjenigen Mitglieder periodisch gewählt wer-
den, die als Schriftsteller, Reisende, Sammler oder Züchter Hervor-
ragendes geleistet haben, oder überhaupt solcher, die vorzugsweise
an der Förderung der Gesellschaft sich zu betheiligen und nach
Möglichkeit den Sitzungen, beziehungsweise Jahresversammlungen,
persönlich beizuwohnen gewillt sind,
a
91
SD.
Der Vorstand, welchem die Geschäftsführung der Gesellschaft
obliegt, besteht aus fünf Mitgliedern: dem Präsidenten, dem Vice-
Präsidenten, dem General-Secretair und zwei Beigeordneten, von
denen wenigstens drei, darunter der General-Secretair, in Berliu
_ ansässig sein müssen. Es bleibt dem Vorstande überlassen, wie
er seine Thätigkeit auf die einzelnen Mitglieder vertheilen will,
- und haftet er der Gesellschaft gegenüber solidarisch.
Der Ausschuss besteht aus höchstens 16 Mitgliedern. Die-
selben sind als Vertrauenspersonen der Gesellschaft in allen wich-
tigen Fragen vom Vorstande zu Rathe und erforderlichen Falles
zur Geschäftsführung oder Vertretung heranzuziehen. In dringenden
Fällen soll der Ausschuss auf Antrag des Vorstandes provisorisch
die Befugnisse der allgemeinen Versammlungen ausüben können.
Der Vorstand und der Ausschuss bilden zusammen den Ge-
. sammtvorstand. R
S 6.
Die Wahl des Vorstandes geschieht alle vier Jahre auf der
Jahresversammlung durch den Ausschuss, mit Zuziehung der schrift-
- lichen Voten der abwesenden Mitglieder desselben, soweit dergleichen
- bis zur Wahl eingelaufen sind.
Die Ausscheidenden können sogleich wieder gewählt werden.
_ Bei unvorhergesehenen Vacanzen ergänzt sich der Vorstand nach
eigenem Ermessen provisorisch bis zur nächsten J ahresversammlung.
Von dem Ausschusse scheidet alljährlich, in einer anfangs durch
_ das Loos zu bestimmenden Reihenfolge, der vierte Theil aus. Die
_ Neuwahl, mit zulässiger Wiederwahl, geschieht auf Vorschlag des
- Vorstandes durch die Jahresversammlung nach absoluter Majorität
- der anwesenden Mitglieder.
Die Jahresversammlungen ernennen für die Dauer ihres Zu-
-sammenseins jedesmal ihre eigenen Vorsitzenden.
ST.
Am ersten Montage eines jeden Monats (ausgenommen Juli
"und August) versammeln sich die in Berlin anwesenden Mitglieder
der Gesellschaft zu einer Sitzung.
|
Ausserdem findet, um sämmtlichen Mitgliedern im voraus die
Möglichkeit persönlicher Begegnung und Besprechung zu sichern,
‚alljährlich im Sommer eine Jahresversammlung an einem Orte
innerhalb Deutschlands statt, welche jedoch alle zwei Jahre am
Sitze der Gesellschaft tagen soll.
Auf der Jahresversammlung sind folgende Geschäfte zu erledigen:
a. Neuwahl für die seit der letzten Versammlung statutenmäs-
‚sig, beziehungsweise aussergewöhnlich ausgeschiedenen Mitglieder
des Gesammtvorstandes.
b. Entgegennahme des vom Vorstande vorzulegenden Berichtes
“über die Geschäftsführung seit der letzten Versammlung.
# ind s
c. Prüfung und Decharge der im Auftrage des Vorstandes von
dem Cassenführer vorzulegenden Rechnung, vorbereitet durch eine
ad hoc gewählte Revisionscommission von drei anwesenden Mit-
gliedern.
d. Entgegennahme und Fesstellung des seitens des Vorstandes
vorgelegten Budgets für das nächste Jahr durch den Ausschuss.
e. Bestimmung des Ortes, der Zeit und der localen Geschäfts-
führer für die nächste Jahresversammlung. i
Ausserdem kommen alle von mindestens 5 Mitgliedern unter-
stützten oder vom Vorstande eingebrachten Anträge, soweit es nach
den Statuten zulässig ist, zur Verhandlung.
Ausserordentliche Sitzungen und Versammlungen bleiben den
Anordnungen des Vorstandes vorbehalten. |
Ss 8. a
Alle in den Versammlungen gehaltenen Vorträge und die sonst
an die Gesellschaft eingehenden oder von derselben veranlassten
ornithologischen Abhandlungen werden in dem 1853 begründeten
„Journal fürOrnithologie“ oder im „Ornithologischen
Centralblatt“ veröffentlicht, und gewährt die Gesellschaft die
Mittel zur Herstellung naturgetreuer Abbildungen, um den- Anfor-
derungen deutscher Wissenschaftlichkeit gemäss ein für die Orni-
thologie in jeder Beziehung zweckentsprechendes Organ dauernd
zu sichern und fortzuentwickeln. Die Protocolle und Sitzungsbe-
richte, insofern sie wissenschaftliche Ergebnisse liefern, alle die”
Gesellschaft betreffenden Bekanntmachungen und ebenso Wünsche
und Anfragen der Mitglieder in Bezug auf Ornithologie werden
ebenfalls durch das Journal oder Centralblatt zur allgemeinen
Kenntniss gebracht. Von allen wichtigen ornithologischen Publi-
cationen, zumal des Auslandes, werden diese Organe der Gesell-
schaft thunlichst Besprechungen, Berichte oder Auszüge bezw.
Uebersetzungen bringen. F
89. }
Zur Förderung der Zwecke und zur Bestreitung der Kosten
der Gesellschaft zahlt jedes Mitglied einen jährlichen Beitrag von 1
18 Reichsmark pränumerando im Laufe des Januar. *) 3
Die erste Beitragszahlung gilt für das laufende Kalenderjahr.
Mit dem neuen Jahre wird an jedes Mitglied ein gedrucktes und
frankirtes Schreiben gerichtet, worin in Erinnerung gebracht wird,
dass die Zahlung für das neue Jahr fällig ist und das Ausbleiben
bis zum 1. Februar als die Erlaubniss angesehen wird, den Betrag‘
durch Postvorschuss einzuziehen. Nach erfolgter Zahlung empfängt
jedes Mitglied für das laufende Jahr eine auf seinen Namen aus-
92
.—
*) Das Jahresabonnement für das „Ornithologische Centralblatt“, welches
den Mitgliedern zum ermässigten Preise von 6 Mark geliefert wird, kann
zugleich mit dem obigen Jahresbeitrage von 18 Mark (mithin zusammen
24 Mark) an den Cassenführer abgeführt werden,
35
gestellte Mitgliedskarte, welche dem Inhaber die Rechte und Vor-
theile eines Gesellschaftsmitgliedes gewährleistet.
Ebenso erhält jedes Mitglied jährlich 4 Hefte oder einen Band
des Journals für Ornithologie unmittelbar nach Vollendung des
Druckes geliefert.“) Die Versendung geschieht mittelst frankirter
Streifband-Verpackung unter sorgfältiger Controlle an die im Mit-
slieder-Verzeichnisse aufgegebene Adresse, jedoch ohne weitere
Gewährleistung durch die Gesellschaft. Allen im Laufe des Jahres
hinzutretenden Mitgliedern werden die bereits erschienenen Hefte
des betreffenden Jahrganges nachgeliefert.
8 10.
Sämmtliche Meldungen und Zusendungen in Gesellschafts-
Angelegenheiten sind frankirt an den General-Secretair zu richten,
welcher dieselben dem Vorstande zu übermitteln oder sonstwie das
Erforderliche zu veranlassen hat.
Ss 11.
Zusätze und Aenderungen der Statuten können nur auf einer
Jahresversammlung am Sitze der Gesellschaft berathen werden.
Darauf bezügliche Anträge sind wenigstens 6 Wochen vor der
Versammlung an den General-Secretair schriftlich und präeisirt
einzusenden und auf die Tages-Ordnung zu setzen. Zur Berathung
solcher Anträge ist die Anwesenheit von wenigstens 25 Mitgliedern,
zur Gültigkeit des Beschlusses die Majorität von dreivierteln der
anwesenden Mitglieder und die Bestätigung des Gesammtvorstandes
erforderlich. Zur Gültigkeit eines Beschlusses über Auflösung der
Gesellschaft ist die Majorität von dreivierteln sämmtlicher Gesell-
schaftsmitglieder erforderlich. Alle anderen, die Statuten nicht be-
treffenden Anträge werden durch absolute Majorität der Jahres-
versammlung erledigt.
812%
Ueber Erweiterungen ihrer Thätigkeit und über Einrichtungen
zur Förderung der Gesellschaft, z. B. Anlegung einer ornitho-
logischen Gesellschaftsbibliothek, Schriftenaustausch mit anderen
‘ornithologischen Vereinen u. 5. w. beschliesst die Gesellschaft dureh
ihren Gesammtvorstand.
*) Das „Ornithologische aut alblatt“ wird monatlich zweimal, am 1. und
15. jeden Monats, geliefert.
Revidirt auf der Jahresversammlung zu Berlin im October 1878,
Der Vorstand.
94 Nachrichten: An die Redaction eingegangene Schriften,
1483.
1484.
1485.
1486.
1487.
1488.
1489.
1490.
1491.
1432.
1493.
1494.
149.
1496.
Nachrichten.
An die Redaetion eingegangene Schriften.
(Siehe Jahrg. 1878, Seite 355— 356.)
A. v. Pelzeln. Bericht über die Leistungen in der Natur-
geschichte der Vögel während des Jahres 1877. [Aus Archiv
f. Naturg. XXXXIV. Jahrg. 2 Bd.]| — Vom Verfasser.
Th. Studer. Die Entwickelung der Federn. Inaugural-
Dissertation. Bern 1873. — Vom Verfasser.
H. Schacht. Die Schlafstätten unserer Vögel. |Sep.-Abdr.
aus d. Zool. Garten Bd. XIX.| — Vom Verfasser.
Dr. A.B. Meyer. Noch einmal die Geschlechtsverschieden-
heiten der Papageiengattung Eclectus Wagl. |Sep.-Abdr.
a. Zool. Garten Jahrg. XIX.| — Vom Verfasser. |
A. Bouvier. Guide du Naturaliste, Revue bibliographique
des Sciences naturelles, Bulletin mensuel. 1” Annde No. 1.
Jauvier 1849. — Vom Herausgeber. |
J. V. Barboza du Bocage. Aves dos possessöes por-
tuguezas d’Africa oceidental. Decima sexta Lista. |Extr.
Jorn. Sc. Math. Phys. et Nat. No. XXIII. Lisboa 1873.] —
Vom Verfasser.
Barboza du Bocage. Melanges ornithologiques. V. Espe-
ces nouvelles d’Angola. |Extr. Jorn. Sc. etc. No. XXIV.
Lisboa 1878.| — Von Demselben.
Tommaso Salvadori. Monographia del Sottogenere
@lobicera Bp. |Estr. d. Cronaca d. R. Liceo-Gennasio
Cavour d. ann. 1877—738. Torino 1878.) — Vom Verfasser.
Salvadori. Deserizione di tre nuove specie di Uccelli d.
isole Sanghir. |Estr. dagli Atti d. Reale Academia Se. d.
Torino, Vol. XUI. 1878.] — Von Demselben.
Salvadori. Prodromus Ornithologiae papuasiae et Molluc-
carum. VI. Pöicariae. |Estr. Ann. Mus. Civ. di St. Nat. d.
Genova, Vol. XIII. October 1878.] — Von Demselben.
Lettera del. Prof. Beccari a Giacomo Doria. |Estr. Ann. Mus.
St. Nat. Genova, October 1878.] — Von Demselben.
Leonhard Stejneger. Underslaegten Zanius med saer-
ligt paa dens Norske Arten. |Separataftryk of Archiv for
Mathematik og Naturvidenskab. Kristiania 1878.] — Vom
Verfasser.
George N. Lawrence. Description of a New Species of
Oypselidae, of the Genus Ohaetura. |From Ann. of
N. Y. Acad. Sc. Vol. I. No. 8.] — Vom Verfasser.
G. N. Lawrence. Descript. of a New Species of Parrot
ofthe Genus Ohrysotis. |FromAnn. N. Y. Acad. I. No. 4.] —
Von Demselben.
1497.
An die Redaction eingegangene Schriften. 95
Lawrence. Catalogue of the Birds of Antigua and Bar-
buda, from Colleetions made for the Swithsonian Institution,
by Mr. Fred. A. Ober, with his Observations. [From Proc.
of United States National Museum, December 1878.| —
Vom Verfasser.
. Lawrence, Catalogue of the Birds of Dominica, from
Collections etc. Washington 1878. — Von Demselben.
» Lawrence. Catalogue Birds St. Vincent, from Collect. ete.
Washington 1878. — Von Demselben.
. D. 6. Elliot. On the Fruit-Pigeons of the Genus Philo-
pus. |Cum Tabb. XXXIH. XXXIV. (Philopus pictiven-
iris et Gestroi.)|From Proc. Z. S. London May 7, 1878.| —
Vom Verfasser.
. Elliot. Remarks upon the Phastanıs tynitus of La-
tham and the allied Species, | From. The Ibis, 1878.) — Von
Demselben.
. Elliot. The Genus Porphyreo and its Species. |Cum
Tab. (Phorphyrio Edwardsi.) |Ex „Stray Feathers“
1878.] — Von Demselben.
. The Ibis. A Quarterly Journal of Ornitholosy. Edited
by Salvin and Sclater. Fourth Series, Vol. II. No. 8. October
1878, and Vol. III. No. 9. January 1879. — Von d. British
Ornithologist’s Union.
- R. B. Sharpe. Zooloey of Rodriguez. Birds. 4°. [Separat-
abdr. aus ?] — Vom Verfasser.
Sharpe. Notes from the Leyden Museum. Note VI-X11.
Leyden Museum, Noy. 6, 1878. [Separatabdr. aus ?] — Von
Demselben.
- Prof. Alfr. Newton. Exhibition of „a stone“ in the
„gesier“ of Pezophaps solitaria [From Proc Z. S.
London, March 5, 1878.| — Vom Verfasser.
. Arthur, Marquis of Tweeddale. On a new Philippine
Genus and Species of Bird. (Cum Tab. IX. Dasyerotopha
speceosa.) |From Proc. Z. S. London, Jan. 15, 1878.) —
Vom Verfasser.
. Marg. of Tweeddale. On a new Species of the Genus
Buceros.) |From Proc. Z. S. London, Febr. 1878.| — Von
Demselben.
. Marg. of Tweeddale. Contributions fo the Ornithology
of the Philippines. No. IV. On the Collection made in the
Islands of Dinagat, Bazol, Nipah and Sakuyok. (Cum Tabb. VI.
Ceyz argentata; VI. 1. Hypothymis coelestis.
ızonnns copitalis. VI |. Dieaeum schista-
ceum 2. D. Everetti. 3. Prionochilus olivaceus.
|From Proc. Z. S. Lond., Jan. 1878.] — Von Demselben.
. Marg. of Tweeddale. Contributions Ornithology Philip-
pines. No. V. Colleet. Island of Negros. [From Pr. Z. S.
Lond., Febr. 1878.] — Von Demselben.
96 Nachrichten: An die Redaction eigegangene Schriften.
1511.
1512.
1513.
1514.
1515.
1516.
1517.
1518.
Marg. of Tweeddale. Contrib. Ornithol. Philippines.
No. VI. Collect. Island of Leyte. |From Pr. Z. S. L., March
1878.]| — Von Demselben.
Marg. of Tweeddale. Contrib. Ornith. Philipp. No. VII.
Collect. Island of Panaon. |From. Pr. Z. S. L., Apr. 1873.] —
Von Demselben.
Marg. of Tweeddale. Contrib. Ornith. Philipp. No. VIII.
On some Luzon Birds in the Museum at Darmstadt. (Cum
Tab. XXIV. Pitta Koche.) [From Pr. Z. 8. L. Apr.
1878.] — Von Demselben.
Marg. of Tweeddale. Contrib. Ornith. Philipp. No. IX.
Collection Island of Palawan. (Cum Tabb. XXXVU. Tiga
Everetti;, XXXVIIL Trichostomus rufifrons.) [From
Pr. Z. S. L., May 1878.] — Von Demselben.
Margq. of Tweeddale. Contrib. Orn. Philipp. No. X.
Collect. Island of Bohol. [From Proc. Z. S.L., June 1878.) —
Von Demselben.
Reports on the Colleetions of Birds made during the Voyage
of H. M. S. „Challenger.“ — No. I. General Remarks on
the Collections. By P. L. Sclater. — No. II. On the Birds
of the Philippine Islands. By Margq. of Tweeddale —
No. III. On the Birds of the Admiralty Islands. ByP.L.
Selater. — No. IV. On the Birds of Tongatabu, the Fiji
Islands, Api (New Hebrides), and Tahiti. By Dr. O. Finsch. — :
No. V. On the Zaridae collected during the Expedition.
By Howard Saunders. — No.VI. On the Birds of Ternate,
Amboina, Banda, the Ke& Islands, and the Aru Islands. By
T. Salvadori. — No. VI. On the Birds of Cape York
and the neighbouring Islands (Raine, Wednesday, and Booby
Islands). By W. A. Forbes. — No. VIII. On the Birds of
the Sandwich Islands. By Sclater. — No. IX. On the Birds
of Antarctic America. By Selater and Salvin. —No.X.
On the Birds of the Atlantie Islands and Kerguelen’s Land,
and on the Miscellaneous Oollections. By Selater. —No.XI.
On the Steganopodes and Impennes. BySclater and
Salvin. —No.XH. The Procellariidae. By O.Salvin.
|From Proc. Z. Soc. London, June 1877 — June 1878.] —
Von Dr. Sclater. u
P. L. Selater. Further Remarks on Fuligula Nationi.
(cum Tab. XXXIL) [From Proc. Z. S. L., May 7, 1878.] —
Vom Verfasser.
Sclater. On a third Collection of Birds made by the
Rev. &. Brown in the Duke of York Group of Islands and
its vieinity. (Cum Tab.XLIL.Carpophagamelanochroa.)
[From Proc, 2. S. L., June 18, 1878.] — Von Demselben.
G. Pätz’sche Buchdruckerei (Otto Hauthal) in Naumburg ad. »
JOURNAL
für
ORNITHOLOGIE.
Siebenundzwanzigster Jahrgang.
Ornithologische Beobachtungen
in den Auwäldern der Donau bei Wien.
Vom Kronprinzen Rudolf von Oesterreich
und Brehm.
Wenige Städte Europas dürfte es geben, deren Umgegend
eine so reiche Ornis aufzuweisen hat, wie Wien. Auf der einen
Seite bis zu den Vorbergen des Wienerwaldes sich ausdehnend
und durch diesen unmittelbar mit den Alpen zusammenhängend,
auf der andern begrenzt durch die Donau, mit ihren vielen Armen
und bewachsenen Inseln, auf der dritten endlich von der weiten,
bis zum Leitha-Gebirge reichenden Ebene, bietet die Hauptstadt die
vortrefflichste Gelegenheit zu ebenso lohnenden als wenig zeit-
- raubenden Ausflügen. Wohl der lohnendste von allen ist der,
welcher sich nach den Auwaldungen richtet. Diese Wälder, im
- Munde des Volkes kurzweg „Auen‘‘ genannt, beginnen eigentlich
bereits im allbekannten Prater und .erstrecken sich von hier aus
in einer mehr oder weniger wechselnden, immer aber bedeutenden
Breite längs beider Ufer der Donau, abwärts bis zur Stromenge
bei Pressburg, aufwärts fast ununterbrochen bis in die Gegend
_ von Krems.
Ihr Charakter ist in dieser ganzen Ausdehnung derselbe. Die
- Mitte etwa wird durch den Hauptstrom bezeichnet, welcher rechts
und links ein Gewirr von breiteren und schmäleren, tieferen und
- seichteren Armen entsendet, von denen die einen rasch dahin fluthen,
_ die anderen stehende Lachen bilden. Dazwischen erheben sich
zahl- und namenlose, grosse und kleine Inseln mit sandigen oder
- hohen Ufern, welche grösstentheils am unteren Ende in langgestreckte
‚Sandbänke auslaufen und auch hier wiederum Raum zu kleinen,
freien oder umbuschten Lachen geben. Der rastlos arbeitende
Strom verändert, gestaltet und vernichtet fortwährend. Inseln, welche
Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 146. April 1879, 7
98 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
noch vor wenigen Jahren von breiten Stromarmen umgeben wurden,
liegen jetzt tief im Lande, und Felder, auf denen man noch vor
wenigen Jahren erntete, sind entweder zu Inseln umgewandelt oder
aber gänzlich weggeschwemmt und die Stellen, auf denen sie gelegen,
gegenwärtig zu einem Donauarme oder einer Lache geworden.
Der Strom, welcher bis hierher noch das von ihm und seinen Zu-
flüssen dem Gebirge entnommene Gerölle mit sich führt, schichtet
aus diesem den Unterbau einer werdenden Insel auf, überlagert
den Grundschotter mit einer Sandschicht von einem halben Meter
Mächtigkeit und überlässt es nun den weiter oben oder seitlich
gelegenen Waldungen, das so entstandene Land zu begrünen. Im
Laufe weniger Jahre hat sich auf der Insel mehr oder minder
dichter Aufschlag aus Weiden gebildet. Zwischen den ruthen-
artigen Stämmchen sinkt weiter oben weggeschwemmtes, frucht-
bares Land zu Boden, eine Humusschicht bildet sich, und nunmehr
sind alle Bedingnisse zu überaus üppigem Wachsthume gegeben.
Weisspappeln und Erlen, welche sich ebenfalls von selbst ansamen,
vervollständigen und verdichten den Bestand. Brennnesseln, Ried-
und andere Gräser, wilder Hopfen und rankende Pflanzen überhaupt
fassen Boden, durchflechten und durchweben das ganze Unterholz
und stellen so Dickichte her, welche selbst das Auge nicht leicht
zu durchdringen vermag. Nach fünfzehn bis zwanzig Jahren sind
die anbesamten Bäume bereits so hoch emporgeschossen und so
wohl entwickelt, dass sie vollkommenen Auwald darstellen. Zehn
Jahre später sind sie schlagbar und werden nunmehr in regel-
mässigen Betrieb genommen. Aber auch im Inneren dieser
Waldungen arbeitet der Strom noch fortwährend. Behindert durch
das tief eingreifende, mannigfach verzweigte Wurzelwerk, wühlt er
nur hie und da Gruben aus, lässt in denselben sein Wasser zurück,
und gestaltet so heimliche Becken, Lachen, Teiche, selbst kleine |
Seen, welche, rings vom dichtesten Walde umstanden, der Thierwelt
Ruhe und Sicherheit und somit die annehmbarste Bedingung zu s
behaglichem Leben bieten.
Weiter nach dem Lande zu ändert sich allgemach der Charakter |
dieser Waldungen. Sobald durch die angeschwemmten Inseln und |
die auf ihnen entstandenen wilden Wälder Schutzwehren gegen den |
eigenwilligen Strom geschaffen worden sind, bemächtigt sich der
anwohnende Mensch des Gebietes, ebnet die nicht mit Bäumen be- |
standenen Stellen, um sie zu ertragsfähigen Wiesen umzuwandeln,
oder ersetzt die weichen Holzarten durch Anpflanzung von Eichen
Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 99
oder anderen, höheren Ertrag abwerfenden Baumarten und bringt
so Unterschiede hervor, welche im Volksmunde einfach durch
„weiche und harte Auen“ ausgedrückt werden. Letztere sind stets
aufgeforstete Waldungen, erstere ohne Zuthun des Menschen ent-
standene, jene hier und da schon prachtvolle Forsten, diese immer
und überall regellose, für den Vogelkundigen aber gerade deshalb
besonders anziehende und im hohen Grade wichtige Bestände.
Fügen wir dem Vorstehenden noch hinzu, dass noch heutigen Tages
am Strome Gold gewaschen wird, so haben wir die Auen mit
flüchtigen Strichen gezeichnet.
Um eine bestimmte Stelle des Gebietes in’s Auge zu fassen,
wählen wir eine von Menschen fast unberührte Gegend in der Nähe
des Dorfes Mühlleuten unterhalb des Städtchens oder Stadtls
Enzersdorf und des allbekannten Wagram am linken Donau-
ufer. Die Strasse, welche man, um in dieses Beobachtungsgebiet.
zu gelangen, von Wien aus einschlägt, führt bei der Stadt zunächst
über die prachtvolle, neue Donaubrücke und von hier aus über schöne
Dörfer zum Städtehen Enzersdorf. Pappeln besäumen sie in
gleichförmiger Weise; links von ihr erstreckt sich das weite, frucht-
bare und wohlbebaute Marchfeld; rechts zwischen ihr und den Au-
waldungen liegen Felder, deren durchschnittliche Breite zwischen
hundert und fünfhundert Schritten wechselt. Wer diese Strasse
wandelt, gewinnt schwerlich eine Vorstellung oder auch nur Ahnung
der reichen Thierwelt der Auen. Nur die eigentlichen Feldthiere
bieten sich dem Auge. Auf den nahrungsreichen Fluren tummeln
sich während des Frühlings und Vorsommers die jetzt geschützten
und deshalb sorglos übermüthigen Hasen umher; auf den Feld-
rainen schaut hie und da ein Kopf des Ziesels aus seiner Höhle
hervor, oder einer und der andere dieser geschäftigen und schäd-
lichen Nager eilt von seinem Weideplatze, erschreckt durch das
Heranrollen des nahenden Wagens, dem Baue zu. Am Rande
der Aue zeigt sich vielleicht auch ein Kaninchen, auf den
Feldern diese oder jene Feldmaus; anderweitige Säugethiere
bekommt man nicht zu Gesichte. Die Klasse der Vögel bietet
kaum mehr. Abgesehen von Saat-, Raben- und Nebelkrähen,
Rebhühnern, Feld- und Haubenlerchen, welche auch hier
die Aecker beleben, oder Rauch- und Mehlschwalben, welche
in allen Dörfern Herberge genommen haben, hie und da endlich
Thurmseglern, welche die Kirchthürme in üblicher Weise um-
fliegen, bemerkt man kaum einen andern Vogel noch als Würger .
7*
100 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
und Ammer. Auf den hohen Pappeln neben dem Wege nistet in
erheblicher Anzahl der Grauwürger (Lanius minor) und wird gerade
deshalb, weil er die Strasse kaum verlässt, zu einer wahren Zierde
derselben und der ganzen Gegend überhaupt. Schon von weitem
leuchtet die weisse, rosig angehauchte Brust des auf den höchsten
Spitzen der Pappeln aufgebäumten, kleinen Räubers dem Wanderer
entgegen, und rechts und links vom Wege sieht man ihn rüttelnd
über den Feldern schweben, um nach Beute zu spähen. Jeder
Bildstock, jeder Grenzstein fast dient einem der munteren Vögel
zur Warte, jede Dornstaude ihm zum Auslugplatze. In der Nähe der
Dörfer ersetzt ihn sein ebenso häufiger Verwandter, der Dorn-
dreher (Lanius collurio). Ausserdem bemerkt man wohl auch
einen oder den andern Rothkopfwürger (Zanius rufus); doch
tritt der letztere stets in ungleich geringerer Anzahl auf als beide
Sippschaftsgenossen. Nächst diesen hervortretenden Erscheinungen
machen sich dem aufmerksameren Blicke besonders Ammern be-
merklich, und unter ihnen ist wiederum der Grauammer (Em-
beriza miliaria) der häufigste, häufiger jedenfalls als Haus-
und Feldsperling, welche beide einem so reichen Gelände
selbstverständlich nicht fehlen. Man sagt nicht zu viel, wenn man
den Grauammer als Charaktervogel dieser Ebene bezeichnet.
Im Frühlinge klingt sein kurzer, klirrender Gesang von jedem
Busche herab, und gar nicht selten müssen mehrere Männchen mit
einem einzigen Büschchen fürlieb nehmen, weil.es im Verhältnisse
zur Menge der Vögel nur wenige ihnen zusagende Gebüsche giebt.
Hinter Stadtl Enzersdorf verlässt man die Hauptstrasse und
wendet sich auf einem Feldwege den Auen zu. Rechts von dem
Wege zieht sich ein ziemlich breiter Wasserarm bis gegen die Donau
hin; das jenseitige Ufer desselben ist bereits Auwald, und zwar
ziemlich dichter Weidenbestand. Die so veränderte Landschaft
bringt sofort andere Vögel vor das Auge. Ueber dem Wasserarme
gaukelt die Flussseeschwalbe umher, hier in dem stillen Ge-
wässer nach Beute suchend und in anmuthiger Weise abwechselnd
niederstossend und auf und nieder schwebend. Ueber dem Walde
kreist der Milan, über den Kornfeldern gleiten schwankenden
Fluges Rohr- und Wiesenweihen auf und nieder. Lanius
minor ist fast gänzlich verschwunden; nur der Dorndreher
bleibt der Gegend noch treu. Mancherlei Vogelstimmen schallen
aus dem dichten Walde herüber: Singdrosseln und Amseln
lassen ihr hallendes Lied vernehmen; Rothkehlchen und Wald-
_
I Ze u re a SE a
De
Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 101
rothschwänzchen singen hell und munter dazwischen; girrende
Turteltauben, rucksende Hohl- und Ringeltauben begleiten
die Sänger. Man merkt, dass man in einem von Menschen nicht
beunruhigten Paradiese der gefiederten Welt angekommen ist und
lernt bei jedem weiteren Schritte mehr und mehr den Thierreich-
thum dieses Paradieses erkennen. Im Walde jauchzt der Grün-
specht (Picus viridis) seinen Paarungsruf; diesem antwortet
der kürzere und klangvollere Schrei des Grauspechtes (Picus
canus);, am Rande der Waldungen wie im Innern sieht man alle
drei Arten der Buntspechte eifrig beschäftigt; an einzelnen
Stämmen rutscht der Baumläufer (Certhia familiaris) empor;
auf abgestutzten Weidenköpfen sucht der Wendehals (Yunz
zorquilla) nach Nahrung umher, und auf den Weiden treibt der
Wiedehopf (Upupa epops) seine Possen. Mit jedem Schritte fast
- mehren sich die Vogelstimmen, zeigen sich andere Gestalten dem
Auge. Das muntere Volk der Meisen ist fast vollständig ver-
treten: Parus major, wie zu erwarten, gemein, Parus caeruleus
kaum minder häufig, Parus palustris hier und da die vorherrschende
Art, Parus caudatus wohl in jedem Bestande zu finden, Farus ater
auffallender Weise ebenfalls vorhanden. Heller Finkenschlag schallt
hundertstimmig von den Wipfeln hernieder; der weittönende, ver-
schlungene Ruf des Pirols mischt sich mit den trillernden Lauten
der am Rande der Gewässer auf und nieder laufenden Uferläufer
(Aetitis hypoleueus). Lauscht man aufmerksamer den verschiedenen
Vogelstimmen, so erkennt man, dass alle mitteleuropäischen Gras-
mückenarten hier vertreten sind, dass die Nachtigall zu den
häufigsten Vögeln des Gebietes zählt, dass der Baumpieper eine
der gemeinsten Erscheinungen der Auwaldungen ist, dass der
Fitissänger in unschätzbarer Menge die ganze Gegend belebt.
Selbstverständlich fehlt einem Gelände, welches für die Erziehung
seiner Jungen so günstige Verhältnisse bietet, auch der Kukuk
nicht, und ebenso selbstverständlich hat sich hier der nestraubende
Eichelheher angesiedelt.
Je tiefer man eindringt, umsomehr nehmen die Waldungen
den Charakter von wirklichen Auen an: hohe Bäume bilden hier
oft auf weite Strecken hin den Bestand; gleichwohl überzieht, man
möchte sagen überfilzt, den Boden verworrenes Dickicht. Junger
Aufschlag, Schlinggewächse, hohe Gräser und Brennnesseln stellen
eine Wildniss her, wie sie undurchdringlicher in unseren Breiten
kaum gefunden werden mag, und bieten dem verschiedensten Rlein-
102 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
geflügel, insbesondere aber den Sängern im weitesten Sinne, von
der Grasmücke an bis zu den Schilf- und Heuschrecken-
sängern herab, die herrlichsten Wohnplätze.
Endlich steht man an einem der breiteren Donauarme und ge-
winnt mit einem freien Ausblicke auch eine Uebersicht über die
Stromwildniss. Gerade gegenüber am anderen Ufer des Armes
erstrecken sich auf weithin Sandbänke, auf denen die Weide noch
nicht erstarkt ist, sondern nur dichte Gebüsche bildet. Dahinter
erhebt sich höherer Wald. Wohin man aufwärts oder Kater;
blickend, das Auge wenden mag: überall bietet sich ungefähr
dasselbe Bild. Man ist endlich in die wirklichen Auen eingetreten.
In einem kleinen Kahne, wie man sie hier zu benutzen pflegt,
setzt man über den Stromarm. Uferschwalben umschweben
das Boot; Uferläufer und Waldwasserläufer (Totanus
ochropus) fliegen, durch den Ruderschlag aufgescheucht, längs des
Ufers dahin, einer der zahllosen Sandbänke sich zuwendend;
Milane streichen nach dem jenseitigen Ufer hintiber oder kommen
von diesem zurück; ein Fischadler sitzt verdauend am Strande
oder auf einem vom Strome herangeschwemmten Baume; Kukuk
und Wildtaube kreuzen, vorsichtig dem Boote ausweichend, den
Stromarm; ein Paar grosser Edelfalken spielt in hoher Luft,
ein und der andere Fischreiher, eine oder die andere Scharbe
zeigt sich ebenfalls; denn auf einer der benachbarten Inseln be-
findet sich ein schon seit Menschengedenken stark bevölkerter
Reiherstand, von welchem aus die gefrässigen Fischer ihre Raub-
züge unternehmen. Man betritt die Sandbank und wird durch
eine ungewöhnliche Fährte gefesselt, welche jene in allen Richtungen
durchkreuzt und durch ihre Eigenart sofort auffällt. Es ist die
Spur des Triel (Oedienemus crepitans), welcher hier seinen Wohn-
sitz genommen hat und, nach seiner Fährte zu urtheilen, in viel
grösserer Anzahl auftreten muss, als man im Stande ist festzu-
stellen. Die einzige Fährte ist die seinige übrigens nicht. Am
Wasserrande haben verschiedene Strand- und Regenpfeifer,
Reiher und Scharben ihre Spuren hinterlassen; an anderen
Stellen weisen einzelne Federn und die unverkennbaren Fährten
darauf hin, dass sie Seeschwalben, Lachmöven und ver-
schiedene Entenarten zu Ruheorten benutzten. Das kleinere
Volk der Vögel belebt den Strand ebensowohl wie jeden einzelnen
Busch. Bachstelzen, Ufer- und Flussregenpfeifer finden
sich allerorten; Laubsänger, Baumpieper, Zaunschlüpfer,
‚Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien 103
Klapper- und Dorngrasmücken scheinen erst hier ihre eigent-
liche Heimath gefunden zu haben.
Durchstreift man zu Fusse oder mit Hilfe des Bootes die
Wildniss, so bieten sich die wechselvollsten Bilder dem Auge dar.
Bald sind die Auen urwüchsig in des Wortes vollwürdigster Be-
deutung, ohne Zuthun des Menschen aufgewachsen und von ihm
noch unberührt; bald hat sich derselbe ihrer bereits bemächtigt
und Regel und Ordnung an Stelle der Regellosigkeit und Unord-
nung gebracht. Durch einen Stromarm getrennt, breitet sich, dem
dichtesten Walde gegenüber, eine weite Fläche aus. Der aufge-
wucherte Wald ist abgeschlossen und das Ganze zu einer Vieh-
weide umgewandelt worden. Zwischen den Stöcken der Bäume
senken sich Lachen ein; hier und da ist das Land auch wohl
versumpft. Das ist der Aufenthaltsort des Kibitzes, welcher
hier in beträchtlicher Anzahl wohnt und wie überall wesentlich
dazu beiträgt, die Gegend zu beleben. Auf der Sandbank gegen
den Strom hin nisten Halsbandregenpfeifer und Ufer-
läufer, und im Walde gegenüber haben die Milane eine förm-
liche Siedelung gebildet.
Da wo die Bestände forstlich bewirthschaftet werden und in
Folge dessen in „harte Auen“ übergegangen sind, finden sich die
Wohnplätze der Turteltauben, und zahllose Fasanen gewähren
hier allherbstlich reiche und ergiebige Jagden, ebenso wie während
der Zugzeit Waldschnepfen oft in erheblicher Anzahl sich ein-
stellen.
Auf den uralten Bäumen einer andern Insel, unter deren
starken Stämmen dichter Unterwuchs wuchert, befindet sich der be-
reits erwähnte Reiherstand. Fast jeder Baum trägt mehrere Horste;
einzelne Silberpappeln sind förmlich bedeckt mit denselben. Schon
von weitem tönt das hungrige Kreischen der ausgeschlüpften Jungen
und der krächzende Schrei der Alten dem Besucher entgegen. Bei
grösserer Annäherung unterscheidet man auch das heisere Knarren
der Scharben oder Cormorane, welche hier, wie fast überall an
der Donau, stets gemeinschaftlich mit den Reihern horsten. Saat-
krähen fehlen natürlich ebenso wenig, und Milane haben sich
wenigstens in unmittelbarer Nachbarschaft des Standes angesiedelt.
Obgleich letzterer wiederholt verändert werden musste, indem die
Holzschläger die horstenden Vögel vertrieben, nimmt doch die An-
. zahl der letzteren kaum merklich ab. In jedem Frühjahr kehren,
wie es scheint, dieselben Brutgäste zurück, und wenn sie sich einmal
104 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
eingefunden haben, sind sie hier in den Auen um andere, passende
Wohnplätze nicht verlegen.
Die ältesten, an Höhlungen reichen Bäume, insbesondere die-
jenigen, welche den Rand der Auwaldungen begrenzen, geben regel-
mässig noch zwei Vögeln unseres Gebietes Herberge: dem Thurm-
falken und der Mandelkrähe, welche hier beide in den Höh-
lungen zu nisten pflegen, an einzelnen Stellen aber durch die
zudringlichen Dohlen, welche dieselben Höhlungen sich aneignen
wollen, oft sehr bedrängt werden. Auch der Baumfalk wählt
gern diese hohen Bäume zur Anlage seines Horstes, wogegen der
Habicht, wie zu erwarten, die dicht geschlossenen Bestände
bevorzugt. Besonders erwähnenswerth dürfte es sein, dass. nach
unseren Beobachtungen auch der edle Würg- oder Blaufuss-
falke (Falco lanarius) gerade in diesem Gebiete horstet, dass viel-
leicht unsere Auen die westlichste Grenze seines Verbreitungskreises
bilden.
Wo irgend eine passende Uferwand steil zum Strome abfällt,
haben Uferschwalben sich angesiedelt, und an einzelnen Stellen
auch Bienenfresser ihre Wohnung genommen,
Am rechten Ufer in der Gegend von Mannswörth und
Kaiserebersdorf fällt das umliegende Land steil zur Donau ab;
weit weniger Dörfer als am linken Ufer liegen hier in der Nähe
des Stromes. In dem Gebiete herrscht daher noch grössere Ruhe
als im Marchfelde, und die Folge davon ist, dass man hier einzelnen
Vögeln in viel grösserer Menge begegnet als auf dem linken Ufer.
In der eben genannten Gegend trennt ein Stromarm die Auen vom
flachen und bebauten Lande; jenseit desselben liegen viele wiederum
durch Arme oder durch Lachen von einander getrennte Inseln mit
hochstämmigen Bäumen und fast undurchdringlichem Unterwuchse.
Diese Auen sind unterbrochen durch Schläge und niedrige Dickichte,
auf denen junger Aufschlag wuchert. Hier betreten wir das Brut-
gebiet von nicht weniger als drei Weihenarten. In den aus
Rohr bestehenden Säumen oder Rohrwänden horsten regelmässig
fünf bis acht Paare Rohrweihen, auf den Schlägen mit jungen
Baumschossen wohl noch einmal soviel Paare des Wiesenweih
und ein und das andere Kornweihenpaar. Da die Horstplätze
durch das aufschiessende Holz alljährlich sich verändern, drängen
sie sich auf einen kleinen Raum zusammen, und man kann in Folge
dessen das gewiss seltene Schauspiel geniessen, zu gleicher Zeit
acht bis zehn Weihenpaare oder fünfzehn bis zwanzig Männchen
a a
Ornith,. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 105
der drei genannten Arten im geringen Umkreise auf- und nieder-
streichen oder ihr köstliches Flugspiel ausführen zu sehen. Da
nun auch Thurm- und Baumfalken, schwarze und rothe
Milane, Bussarde und Habichte hier nicht fehlen, vereinigt
sich eine so grosse Menge von Raubvögeln wie kaum in einem
anderen Walde des mittleren Donaugebietes und belebt, zumal
während der Brutzeit, die ganze Gegend in höchst anmuthiger
Weise. Alte, verlassene Fischadler- und Schlangenbussard-
Horste deuten darauf hin, dass auch diese Raubvögel früher hier
heimisch waren, und einzelne, regelmässig sich auch im Frühlinge
zeigende Vögel dieser Art scheinen zu beweisen, dass sie noch in
der Nachbarschaft der geschilderten Gegend horsten mögen.
Im Vergleiche zur Menge der Vögel, welche man sieht oder
hört, scheint die Anzahl der hier ansässigen Säugethiere gering zu
sein — scheint jedoch nur so. Die Wohnlichkeit des Gebietes
auch für Säugethiere bezeugt vielleicht am besten die Thatsache,
- dass bis zum Jahre 1850 gerade dieser Theil der Auwälder noch
Biber beherbergte. Beck, einer der kaiserlichen Jäger, welcher
von Jugend auf die Auen kennt, beobachtete dieses, gegenwärtig in
ganz Westeuropa fast ausgestorbene Nagethier noch in dem ge-
nannten Jahre fast alltäglich auf einer seiner Burgen in der so-
genannten „Lacke“, einer zwischen Kreuzgrund und Rohrwörth ge-
legenen Lache, und hätte diesen Biber wiederholt erlegen können,
wenn er bei einem seiner morgendlichen Streifzüge an das genannte
Gewässer kam. Der Biber lebte 'hier noch ganz nach Art seiner
Genossen in den stillsten und entlegensten Waldungen, fällte Bäume
bis zu zwanzig Centimeter Durchmesser, erbaute sich aus ihren
Aesten seine Burg, war des Nachts in voller Thätigkeit und pflegte
des Morgens ruhend auf seinem Baue zu sitzen, beim geringsten
Geräusche aber in das Wasser zu gleiten und mit klatschendem
Schlage das Warnungszeichen zu geben. Das von der Jägerei ge-
- hegte Thier verschwand auf noch unaufgeklärte Weise, wahrschein-
- lich den Fischern oder Wildschützen zum Opfer fallend. Der letzte
_ Biber, welcher von der kaiserlichen Jägerei im Jahre 1847 gefangen
\ und mit nicht weniger als hundertundsieben Gulden verwerthet
worden war, mochte das Schicksal seiner noch übrigen Artgenossen
heraufbeschworen und alle Frevlerhände in Thätigkeit gesetzt
u haben. Die Biber sind verschwunden, aber noch heutigen Tages
bewohnt der ihm ähnlich lebende Fischotter in sehr grosser
Anzahl die Auen. Seine Fährte sicht man überall auf den sandigen
106 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
Inseln, seinen Bau in den steil abfallenden Wänden, und er ist es,
welcher am häufigsten in den Garnsäcken der Fischer sich ver-
strickt und elendiglich im Wasser erstickt. Auch an anderen Raub-
thieren fehlt es nicht. Ungeachtet aller Jäger Hand über ihm ist,
wechselt der Fuchs beständig durch das auch für ihn ungemein
reiche Jagdgebiet, und ebenso wie er durchstöbern es verschiedene
Marderarten, am häufigsten wohl der Hermelin, welcher in
so bedeutender Anzahl auftritt, dass in jedem August zwanzig bis
dreissig gefangen werden können, seltener der Iltis und am
seltensten wohl der Edelmarder, welcher die Auen wohl eben-
falls nur auf gelegentlich unternommenen Wanderungen besucht. Fest
angesiedelt hat sich der Dachs, trotz aller Ueberschwemmungen,
welche, wie man meinen könnte, gerade ihn auf das höchste ge-
fährden müssen. Reicher als die Ordnung der Raubthiere ist die
der Nagethiere vertreten. Wasserratten sind so gewöhnliche
Erscheinungen in den langsamer fliessenden Stromarmen und Lachen,
dass man sie selten vermisst; Waldmäuse verursachen oft er-
heblichen Schaden in den jung aufgeforsteten, harten Auen; Ziesel
bewohnen nicht allein die Ränder der Waldungen, sondern auch
solche Theile, welche regelmässig überschwemmt werden und zur
Zeit des Winterschlafes gedachten Nagers unter Wasser zu stehen
pflegen; Kaninchen in überaus grosser Anzahl huschen vor dem
ein Dickicht durchschreitenden Beobachter dahin und dürften ge-
radezu als unausrottbar bezeichnet werden, so viele Gefahren sie
auch zu bestehen haben. Hauptsächlich ihnen zu Liebe besuchen
Füchse und Iltisse die Auen, und sie sind es wohl auch, welche in
erster Reihe während des Winters die grossen Adler herbeilocken.
Von ihnen werden alljährlich so viele erlegt, als der Jäger eben j
will; alle Verfolgungen aber lichten ihre Bestände nicht, und selbst \
die Leberschwemmungen, welche den dümmeren Hasen so grosse
Gefahren bringen, fechten sie verhältnissmässig wenig an. Vertreibt
sie das Wasser aus ihren Bauen, so suchen sie auf den erhöhten
Stellen der Insel Zuflucht; werden auch letztere überschwemmt, so
erklettern sie mit vielem Geschicke dicht stehende Weiden, nicht
allzu selten sogar die Wipfeläste derselben und verharren hier, bis
das Wasser sich wieder verlaufen hat. Geübte Jäger begründen
hierauf eine oft sehr ergiebige Jagd, indem sie im Boote zu den
schon von weitem sichtbaren Kaninchen fahren und sie einfach mit
langen, biegsamen Stangen von ihren hohen Sitzen herabschlagen.
Die Hasen folgen dem Beispiele der gewandteren Kaninchen nicht
Ende 5 BE
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"Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 107
| und gehen deshalb bei Hochwasser in erheblicherer Anzahl zu
Grunde als sie. Weit empfindlicheren Schaden, als die niedere
Jagd, erleiden Hochwild und Rehe, zumal während des Winters
durch den überfluthenden Strom. Bei sommerlichen Ueberschwem-
mungen oder überhaupt so lange, als die Donau nicht mit Eis geht,
‘schwimmt das Hochwild von einer Insel zur andern und sucht an
den Rändern der Waldungen gesicherte Zufluchtsorte; beim Eis-
gange aber wagt es in der Regel nicht die Stromarme zu über-
_ setzen, sondern rottet sich dann auf den höchsten Stellen der Insel
zusammen, verweilt hier, nicht selten tief im Wasser stehend, bis
- letzteres zurückgeht, fristet inzwischen durch Baumrinde küm-
- merlich sein Dasein und vertheilt sich wieder, wenn der Strom in
sein Bett zurückgetreten ist. Das Reh hingegen leidet sehr unter
- Ueberschwemmungen, und sein Bestand kann durch länger an-
- haltende Hochwasser auf das äusserste gefährdet werden. Wild-
sechweine kommen selten und immer nur als Wechselwild vor.
Während des Sommers bieten die Auen im wesentlichen das-
selbe Bild wie im Frühlinge, vielleicht mit dem einzigen Unter-
- schiede, dass*sie mit jeder verlaufenen Woche dichter und unzu-
- gänglicher werden. Aber auch das Herbstbild der Waldungen ist
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ET WERLERGLLECDELELELEHEH UN WERTE
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nicht erheblich verschieden von dem, welches vorstehend zu schildern
versucht wurde. Unter der sommerlichen Hitze hat das Laub der
Bäume von seiner Frische eingebüsst; dem ungeachtet prangen
noch fast alle Bäume im Blätterschmucke, und der Unterwuchs hat
wohl erst jetzt seine grösste Dichtigkeit erlangt. In den Morgen-
stunden liest, zumal im September und October, dichter Nebel
über den Stromarmen und Waldungen, und erst in den mittleren
Vormittagsstunden vermag man sie wieder zu überblicken. Reiher
ziehen, vorsichtig wie immer ihre Strasse wählend, auf und nieder,
um an einem möglichst ruhigen Orte ihren Fischfang zu treiben;
die Scharben haben den Bereich ihrer Brutstätte kaum schon
verlassen, Enten der verschiedensten Art in Menge sich ein-
gefunden. Junge Fischadler sind erschienen, um vor der Ab-
reise nach den Süden das nahrungsreiche Gebiet noch auszunützen;
vielleicht zeigt sich auch schon ein junger Seeadler oder ein im
_ vorigen Sommer dem Horste entflogener Steinadler, beabsich-
Bsend, unsere Auen zur Winterherberge zu wählen. Die Milane
_ haben sich zerstreut: denn man sieht sie nur noch sehr einzeln;
_ die Weihen sind grösstentheils schon dem Süden zugeflogen; die
r rkur mfalken haben sich mehr den Rändern zugewendet. Alle
108 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
Dickichte sind still geworden; Sang und Klang ihrer zahllosen Be-
wohner verstummten; nur eine Amsel oder Singdrossel lässt
dann und wann noch einzelne ihrer vollen Töne erschallen. Die
Turteltauben haben bis auf einige Nachzügler das Land ver-
lassen, die jungen Ringeltauben in sehr starke Flüge sich ge-
schaart und einen regelmässigen Tageslauf angenommen, indem sie
in den Morgenstunden nach den jetzt reiche Nahrung bietenden
Feldern hinausziehen und, abgesehen vielleicht von kurzen Ruhe-
pausen um die Mittagszeit, erst gegen Abend zurückkehren. Die
letzten Würger sitzen auf den Bäumen und die ersten Raub-
würger zeigen sich da, wo während des Sommers ihre kleineren
Verwandten hausten. Eichelheher haben sich in überraschender
Menge eingestellt und ziehen oft in regelmässigen Flügen von einem
Waldtheile zum anderen; zu den als Brutvögel ständig hier weilenden
Rabenarten hat sich der Kolkrabe gesellt. Alle Diekichte be-
herbergen jetzt Fasanen in Menge, die nunmehr erwachsenen, ohne
jegliche Mithülfe des Jägers auf stillen Inseln erbrüteten Jungen wie
solche, welche aus den Fasanerien am Rande der Auen zu den
Inseln herübergeflogen waren. Auf allen passenden Stellen gaukeln
Kibitze auf und nieder, und von allen geeigneten Eilanden er-
klingt des Nachts und in den Morgenstunden der Ruf des Triel.
Vernehmlicher als je aber giebt das Hochwild von seinem Vor-
handensein Kunde. In den Morgen- und Abendstunden erschallt
von allen Seiten her, aus den Hochwäldern und aus dem Dickichte
heraus, von den Waldwiesen wie von den Rändern der Wasserarme
her, selbst auf den kleinsten, mit niedriger Weide bewachsenen
Inseln der Schrei des brunstenden Hirsches. Auf den gewohnten
Stellen hat sich die Spur des Fischotters verzehnfacht; in den
zur Sicherung der Fasane aufgestellten Fallen sitzt fast an jedem
Morgen, verdriesslich in eine Ecke gekauert, irgend ein Mitglied
der Marderfamilie.
Einige Wochen später sind die weichen Auen entlaubt, die
Blätter der Bäume in den harten vergilbt und verdorrt. Die zahl-
losen Rankengewächse und Grasarten, welche den Boden hier wie
dort bedeckten, durch Hirsche und Jäger niedergetreten. Die
Hirsche haben sich wieder vereinzelt, nur die Rehe theilen,
nach wie vor zu gleichen Trupps vereinigt, gemeinschaftlich Freud
und Leid. Kaninchen und Hasen sieht man allüberall, viel-
leicht auch ein versprengtes Wildschwein oder doch dessen
Fährte. Fasanen beleben, bis jetzt noch unbehelligt, nach wie vor
_ Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 109
in zahllosen Mengen die Dickichte, Rebhühner und einzelne
Wachteln die Ränder der Auen, zahllose Enten, vielleicht auch
- noch einzelne Lappentaucher und ebenso bereits erschienene
Seetaucher die Stromarme und Lachen. Nicht allwinterlich bildet
' das Eis, welches weiter oben im Strome entsteht, eine feste Decke;
- bei strenger Kälte aber stellt es sich oft überraschend schnell in
_ einer einzigen Nacht oder selbst binnen wenigen Stunden und lässt
‘ dann nur noch hier und da ofiene Wuhnen frei, in denen sich jetzt
die gesammte Welt. der Schwimmvögel zusammendrängt und über
- denen See- und Steinadler, meist auch noch Fischadler,
beutesuchend schweben. Um diese Zeit verlassen die Saatgänse,
‘ welche bis dahin einzelne Inseln in zahllosen Heerden bevölkerten,
- die Auen, und nur noch die nordischen Enten bleiben diesen
- treu, so lange Wuhnen sich offen erhalten. Wirkliche Verarmung
beobachtet man in den Auen wohl nie; denn wenn die letzten
_ Wintervögel diese verlassen, beginnt der Rückzug anderer, und
neues Leben wird allerorten ersichtlich. —
Ein so reiches und vielartig belebtes Gebiet verdient, dass
wir die einzelnen, nachweislich vorkommenden oder doch vor-
- gekommenen Vogelarten namentlich aufzählen. Auf Vollständigkeit
_ kann die Liste der genannten Arten selbsverständlich noch keinen
_ Anspruch erheben; einen Ueberblick der gesammten hier ver-
_ weilenden oder doch durchziehenden Vogelwelt aber gewährt sie
wohl. Als besonders lückenhaft muss ich die Aufzählung des Klein-
geflügels bezeichnen; Jeder aber, welcher die Auen kennt, wird
auch begreifen und entschuldigen, weshalb dies so ist und zunächst
nicht anders sein kann. Fortgesetzte Beobachtungen werden manche
- dieser Lücken ausfüllen, auch, wie wir hoffen, andere Vogelkundige,
- welche gleich uns die Auen durchstreift haben, auffordern, zur
; Vervollständigung des nachstehenden aan: beizutragen.
j 1. Vultur fulvus.
Während der Kuttengeier (Vultur cinereus), soviel bekannt,
"in den Auwaldungen noch nicht beobachtet worden ist, kommt der
Fahlgeier keineswegs selten hier vor. Er erscheint zwar nicht
‚alle Jahre in unserem Gebiete, wird aber doch ziemlich regelmässig
"beobachtet und hält sich, wahrscheinlich durch angeschwemmtes
Aas angelockt, zuweilen längere Zeit, bis vierzehn Tage, in den
"Auen auf. Seiner Ankunft Zeit ist in der Regel das Ende des
‚September oder der Anfang des October.
110 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
2. Haliaötus albieilla.
Der Seeadler gehört nicht zu den Brutvögeln der von uns
in das Auge gefassten Auwaldungen, ist aber ein regelmässiger
Gast derselben, welcher sich schon in den letzten Tagen des Sep-
tember einstellt und je nach Umständen längere oder kürzere Zeit,
günstigen Falls bis zum März, hier verweilt. Die kaiserlichen Jäger
erlegten früher im Laufe des Winters vier bis sechs der gewaltigen
Vögel. Ein Jäger fehlte im Laufe eines Tages vor dem Uhu nicht
weniger als vier und erbeutete an einem folgenden Tage nicht
weniger als drei. Gerade diesem Raubvogel bieten die Auen im
Herbste und Winter die vortreftlicheste Gelegenheit zur ergiebigen
Jagd. So lange die Donau offen ist, betreibt er in De
Weise seinen Fischfang; später stellt er Hasen, Kaninchen und in.
besonders überlegter Weise den Saatgänsen und Enten nach. Zum i
Fange dieser ebenso vorsichtigen als gewandten Wasservögel ge-
sellt er sich regelmässig mit einem zweiten, und beide wechseln
nun mit einander ab, indem der eine verfolgt und der andere den
Weg abzuschneiden sucht!
3 Aguila si
weilt bis zum Anfange des Februar in den Auen, jagt während
dieser Zeit regelmässig auf dem Marchfelde auf Hasen, in den
liehteren Auwaldungen auf Kaninchen, raubt ausserdem ebenfalls
Enten und Gänse und leidet dem entsprechend niemals Noth. Gegen
Abend fliegt er einer der geschützten Stellen der Auwaldungen zu h
und hält hier auf einzelnen, hohen Bäumen, gewöhnlich gemein |
schaftlich mit anderen seiner Art, die Nachtruhe,
4. Aquila imperialis. |
Der Kaiseradler findet sich in manchen Jahren als nicht
seltener Zugvogel in den Auen ein, hält sich hier aber nie längere
Zeit auf. Dass er früher gerade in unserem Gebiete gehorstet hat,
ist bekannt. ®
5. Aguila naevia.
Der Schreiadler zeigt sich nur als Zugvogel und zwar
keineswegs alljährlich, erscheint im September und verlässt die
Waldungen im April wieder. |
6. Aguela pennata. k
Obgleich man den ziemlich still sein Wesen treibenden Zwerg-
adler nicht eben häufig beobachtet, muss man ihn doch zu den
regelmässigen Brutvögeln der Auwaldungen zählen. Seinen Horst
Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 1li
hat man am Rande der Auen gegen die Felder hin, also zumeist
in den harten Auen, zu suchen.
7. Pandion halvaetus.
Wie schon vorstehend bemerkt wurde, findet man den Fisch-
adler abweichend von den sonst für ihn gültigen Verhältnissen
fast jahraus jahrein, jedenfalls noch in den letzten Monaten des
Jahres, während die Donau schon mit Eis geht, in unserem Ge-
biete. Einzelne Wuhnen bilden in den Wintermonaten sein aus-
schliessliches Jagdgebiet, scheinen ihm jedoch so reiche Beute zu
gewähren, dass er auch dann noch auszuhalten vermag. Nach
reichlicher Mahlzeit ist der sonst so vorsichtige Vogel zuweilen so
wenig scheu, dass er, wenn er verdauend am Strande sitzt, von
einem vorsichtig sich annähernden Boote aus erlegt werden kann.
8. Circaetus brachydactylus.
In manchen Jahren siedelt sich aueh ein Sehlangenbussard
in den Auen an; vielleicht mag es ebenso vorkommen, dass derselbe
hier einen Horst gründet oder benutzt. Im Allgemeinen gehört
jedoch dieser Vogel zu den seltenen Erscheinungen.
9. Buteo vulgaris.
Nächst dem Thurmfalken und Milan ist der Bussard wohl
der gemeinste Raubvogel des Gebietes, auch in fast annähernd
gleicher Anzahl im Sommer wie im Winter zu finden. Sein Horst
steht in den verschiedensten Beständen der Auen, ebensowohl auf
den Inseln wie in den Vorhölzern.
10. Archibuteo lagopus.
Allherbstlich und zwar gegen den zwanzigsten October erscheint
der Rauchfussbussard auf dem Marchfelde, um bis zum fünften,
höchstens fünfzehnten März in der Winterherberge zu verweilen;
- seine Nachtruhe wählt er dann mit grosser Regelmässigkeit in den
- Aubeständen.
1l. Pernis apivorus.
Der Wespenbussard besucht die Auen wohl nur während
| des Zuges, da er bekanntlich mehr Feldgehölze, als solche in der
Nähe des Stromes liebt.
12. Astur palumbarius.
Dem versteckten Leben und den Sitten des Habichtes ent-
_ sprechen die Auwälder in jeder Beziehung; er zählt daher ebenso wie
13 Nisus communis,
der Sperber, zu den häufigen Raubvögeln des Gebietes und
- verlässt die Waldungen auch im Winter nicht.
112 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
14. Falco peregrinus.
Während des Zuges, zumal im Herbste, durchstreifen Wander-
falken auch die Auwälder, verweilen selbst mehrere Wochen in
ihnen und verlassen sie erst mit spätem Herbste; Brutvögel
aber sind sie nicht. Ihre Stelle vertritt schon in der Umgegend
von Wien |
15. Falco lanarius, ;
der Würg- oder Blaufussfalk, welcher von dem Kron-
prinzen am Horste erlegt wurde und gegenwärtig unter Schutz
gestellt worden ist, um weitere Beobachtungen über ihn sammeln
zu können.
16. Falco subbuteo. >
Ein recht häufig auftretender, regelmässig in ihm brütender
Raubvogel unseres Gebietes ist der Baumfalk. Demungeachtet
kommt er keineswegs so oft zu Gesichte, als man annehmen möchte.
Sein Horst wird ebenso am Rande der Wälder wie auf den Inseln
gefunden.
17. Falco aesalon.
Als regelmässiger Zug- und Besuchsvogeli der Auen tritt der
zierliche Merlin auf. Er erscheint allherbstlich, verweilt längere
oder kürzere Zeit, vereinigt sich währenddem gesellschaftlich mit
anderen seiner Art und verlässt das Gebiet erst beim Eintritte
strengeren Winters, um es im Frühjahre auf der Heimreise wieder
zu besuchen. {
18. Falco tinnunculus. F
Der Thurmfalk horstet, wie bereits bemerkt, in erheblicher
Anzahl in den Auen und zwar regelmässig in Baumhöhlungen, hier N
und da mit Dohlen und Mandelkrähen anscheinend in friedlichem
Vereine. Seine Ankunftszeit fällt in den März, die Zeit seiner Ab-
reise in den October. ö
19. Falco vespertinus.
Alle fünf bis sechs Jahre zeigt sich auch einmal ein Flug von
Abend- oder Rothfussfalken in den Auen, ohne jedoch hier
zu horsten. Vor mehreren Jahren wurden von einem kaiserlichen
Jäger im Laufe eines Abendes neun Stück des zierlichen Vogels
erlegt.
20. Milvus regalis.
Obwohl der Königsweih regelmässig in den Auwäldern vor-
kommt und hier auch brütet, gehört er doch immerhin zu den
selteneren Erscheinungen; denn er horstet lieber in den Waldungen
a nr u ee
Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 113
der benachbarten Gebirgszüge. Häufig dagegen und allverbreitet ist
21. Milvus migrans.
Ihm, dem Milan, bieten die Auen Alles, was er zum Leben
bedarf. Auf besonders günstigen Oertlichkeiten vereinigt er sich
daher mit anderen seiner Art und bildet förmliche Horstsiedelungen
der Art, dass acht bis zehn Paare, auch wohl noch mehr, in einem
bestimmten Waldtheile gemeinschaftlich brüten. Gewöhnlich sieht
man ihn über dem Strome seine Kreise ziehen, von einer Insel
zur andern streichend, einen und den andern Stromarm absuchend.
Den Dampfschiffen folgt er gerne, weil er erfahren hat, dass durch
den Wellenschlag kleine oder junge Fische verschiedener Art an
das Ufer geschleudert und ihm so zur leichten Beute werden.
Ausserdem betreibt er mit Vorliebe Jagd auf Frösche, findet sich
selbstverständlich als einer der Ersten auf jedem Aase ein und
fristet sich, mehr bettelnd und auflesend als raubend, sein Leben.
Als schädlich erweist er sich nicht, wird daher auch kaum verfolgt.
Eine eingehende Schilderung seines Thuns und Treibens haben
wir im „Thierleben“, zweite Auflage, Band IV, veröffentlicht.
22. Cireus rufus.
Der Rohrweih ist nicht allein ein regelmässiger, sondern
auch ein ziemlich gemeiner Raubvogel unseres Gebietes, horstet
hier aber nur ausnahmsweise in den schmalen Rohrbeständen oder
Rohrwänden, mit Vorliebe dagegen nach Art seiner Verwandten
_ in hohem Grase oder zwischen jung aufgeschossenem Weiden-
diekichte.
23. Circus cineraceus.
Die häufigste Art des Geschlechtes ist der Wiesenweih.
Er wählt zu seinen Horstständen entweder dieselben oder doch
ganz ähnliche Plätze wie der Rohrweih, brütet mit diesem nicht
selten in Gesellschaft und bildet so ebenfalls förmliche Siedelungen,
_ wie wir ausführlicher im „Thierleben“ geschildert haben. Auf
- seinen Horstständen findet man dann und wann auch
24. Circus eyaneus,
_ den Kornweih, immer aber nur in einzelnen Paaren.
25. Surnia nisoria.
Während die Sperbereule in Westeuropa zu den sehr
F seltenen Erscheinungen zählt, darf sie als ein für das ganze Gebiet
_ der Karpaten regelmässiger Wintergast bezeichnet werden und
bevölkert das Gebirge wahrscheinlich. in weit grösserer Anzahl,
als man anzunehmen pflegt. Jede kleinere Sammlung. weist ein
Cab, Journ. f, Ornith, XXVI, Jahrg, No. 146, April 1879, 8
a‘ m
114 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
oder mehrere Exemplare dieser Eule auf, und wir ersehen daraus,
dass der schöne Vogel ebensowohl im Norden als im Süden, im
Westen wie im Osten der Karpaten gefunden wird. Gelegentlich
dieser winterliehen Besuche nun erscheint auch eine oder die andere
Sperbereule in den Auwäldern, wahrscheinlich ebenfalls viel häu-
figer, als man anzunehmen pflegt.
26. Syrnium aluco.
Der Baumkauz ist wohl in allen altstämmigen Wäldern
des ganzen Donaugebietes als Standvogel zu bezeichnen, und an
den meisten Orten keineswegs selten, vielmehr eine der häufigeren
Arten seiner Familie.
27. Bubo ignavus.
Obwohl der Uhu erweislich in den von uns geschilderten Auen
nicht horstet, tritt er doch als Zug- oder Strichvogel so oft auf,
“
dass alle zwei bis drei Jahre in den kaiserlichen Revieren einer
oder zwei erlegt oder gefangen werden. Da der Vogel weiter unten
an der Donau noch in allen geeigneten Waldungen horstet, be-
darf es keiner weiteren Erklärung für sein Vorkommen in unserem
Gebiete.
28. Otus sylvestris.
Die Waldohreule ist eine der häufigeren Arten ihrer Familie
und brütet in allen geeigneten Beständen unseres Gebietes.
29, Otus brachyotus.
In jedem Herbste, oft in zahlreichen Flügen, erscheint die
Sumpfeule nicht allein in den Auen, sondern auch in dem benach-
barten Marchfelde, hält sich hier vier bis sechs Wochen auf und
betreibt während dieser Zeit sehr eifrig Jagd auf Feldmäuse. Im
October und November kann man bei Durchstreifung der Felder
im Laufe eines Tages Dutzenden dieser nordischen Eulen begegnen.
Bei einer Hofjagd auf Hasen wurden über hundert Stück erlegt,
welche mitten auf den Feldern meist am Rande der Raine Tagruhe .
gesucht hatten und bei der Streifjagd truppweise vor «die Schützen-
linie kamen.
30. Athene noctua.
Das Käuzchen, hier zu Lande „Wichtl“ genannt, be- 3
wohnt die Vorhölzer in der Nähe der Felder, geeignete Stellen so
häufig, dass man fast mit Sicherheit darauf rechnen kann, jeden
abgestutzten, hohlen Baum bevölkert zu finden.
31. Cueulus canorus.
Der Kukuk zählt zu den häufigsten Brutvögeln der Auen, i
Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 115
bevölkert alle Theile derselben und erscheint alljährlich in annähernd
gleicher Anzahl.
32. Alcedo ispida.
Der Eisvogel wird nicht eben oft bemerkt, ist jedoch ein
keineswegs seltener Bewohner unseres Gebietes, findet auch in den
stillen Lachen so ergiebige Fisch- und in den steinwandigen Ufern so
geeignete Nistplätze, wie kaum irgendwo anders und verlässt daher
das Gebiet selbst im Winter nicht.
33. Merops apiaster.
Die bekannteste Niststelle des Bienenfressers befindet sich
am rechten Ufer der Donau bei Biberhaufen. Bis zum Jahre 1873
brüteten hier regelmässig mehrere Paare. Sie erschienen, vielleicht
mit Ausnahme des einen oder des andern sehr ungünstigen Sommers,
ebenso regelmässig wie an der unteren Donau, würden auch zweifel-
los noch die alten Niststellen behaupten, hätte sie nicht einer der
Jäger nacheinander weggeschossen, um sie den Federschmuck-
händlern zu verkaufen. Für die Zukunft werden sie auf den kaiser-
liehen Revieren unbedingten Schutz geniessen, und dürfen wir dem-
gemäss wohl hoffen, dass sie sich wiederum einstellen werden.
34. Coractas garrula.
Wie schon bemerkt, zählt die Mandelkrähe zu den häu-
figen Brutvögeln unseres Gebietes; innerhalb der beschriebenen
Auen dürften jährlich zehn bis zwölf Nester gefunden werden.
Der Vogel erscheint im Mai und verlässt das Land im September
wieder. Während des Sommer-Aufenthaltes wählt er sich mit Vor-
liebe solche Waldtheile, welche ihm freien Ausflug nach den be-
nachbarten Feldern gewähren. Hier, also am Rande der Auen,
darf man mit Sicherheit darauf rechnen, während des Sommers
ihm zu begegnen und ebenso jede geeignete, noch nicht von einem
Thurmfalken oder einer Dohle in Beschlag genommene Baumhöhle
von ihm besetzt zu finden.
385. Caprimulgus punctatus.
Der Ziegenmelker brütet allsommerlich auch in den Auen,
wird wenigstens während der ganzen Zeit beobachtet, Ein Nest
von ihm ist meines Wissens hier noch nicht aufgefunden worden;
es unterliegt aber keinem Zweifel, dass ihm die höher gelegenen
I
Inseln Nistplätze bieten müssen, wie er sie zu benutzen pflegt.
N
36. OCypselus apus.
Der Mauersegler bewohnt alle Kirehthürme und sonstigen
gt
116 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
höheren Baulichkeiten der Ortschaften zu beiden Seiten des Stromes
und besucht von hier aus regelmässig auch die Auwälder.
37. Picus viridis,
38. Picus canus,
39. Picus major,
40. Picus medius,
41. Picus minor.
Alle vorstehend aufgezählten Spechte finden sich innerhalb
unseres Gebietes. Am häufigsten vielleicht bewohnt die Wälder der
Mittelspecht; aber auch Bunt- und Kleinspecht zählen zu
den regelmässigen Erscheinungen, und Grün- und Grauspecht
sind so zahlreich vertreten, dass man ihnen wohl auf jedem Aus-
fluge begegnet, mindestens ihre Stimme zu hören bekommt.
Schwarz- und Weissrückenspecht dagegen scheinen den
Auen zu fehlen.
42. Jynz torquilla.
Der Wendehals bewohnt recht häufig die Aussenränder der
Waldungen, mit besonderer Vorliebe Kopfweiden und andere abge-
stutzte Bäume auf oder neben Hutweiden, in denen er auch sein
Nest anlegt.
43. Luscinia vera.
Während die Nachtigall zu den gemeinsten aller Vögel der
Auen zählt, erscheint j
44. Luseinia philomela,
der Sprosser, nur auf dem Zuge in unseren Waldungen,
Leider durchstreifen diese dann Vogelfänger aller Art, um letzteren,
in Wien ausserordentlich geschätzten Sänger zu erbeuten. Zumal
im Herbste werden viele Sprosser gefangen, in einzelnen Käfigen °
aufbewahrt, im Laufe des Winter verhört und verkauft, die Weib-
chen aber im Frühjahre freigelassen. |
45. Cyanecula suecica.
46. Oyanecula leucocyana.
Beide Blaukehlchenarten benutzen während der Zugzeit
auch die Donau als Heerstrasse, werden aber, wie leicht erklärlich,
im Frühlinge häufiger beobachtet als im Herbste. Wenn der
Frühlingszug im vollen Gange ist, kann man ihnen an einzelnen
Tagen in geradezu überraschender Menge begegnen; immer aber
beschränkt sich ihr Aufenthalt in den Auen auf wenige Tage. Als F
Brutvögel hat man, soviel uns bekannt, weder die eine noch die
andere Art gefunden,
i
Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 117
47. Erithacus rubecula.
Einer der häufigsten Sänger des ganzen Gebietes ist das
Rothkehlchen. Sein frisches Lied belebt die Auen schon in den
ersten Frühlingstagen und erklingt während des ganzen Sommers
wenigstens in allen hochstämmigen mit reichem Unterwuchse ver-
sehenen Waldungen. Auf besonders günstigen Oertlichkeiten wohnt
ein Paar dicht neben dem andern; zuweilen will es sogar den An-
schein gewinnen, als ob jedes sich beschränken müsse, um mit dem
Nachbar nicht in Zwiespalt zu gerathen.
48. Ruticilla arborea.
DieselbenWaldungen, welche das Rothkehlchen bevorzugt, dienen
auch dem Baumrothsehwanze zum Aufenthalte, und die vielen
Höhlungen in den Bäumen begünstigen sein Auftreten in so hohem
Maasse, dass er zu den häufigen Vögeln des Brutgebietes zählt.
Aber auch
49. Rutierlla atra,
der Hausrothschwanz, ist keineswegs selten in unserem
Gebiete und nicht allein in allen Dörfern, sondern ebenso auf jedem
Heuschuppen oder sonstigem Holzgebäude zu finden.
50. Sazicola venanthe.
DerSteinsehmätzer bewohnt nur die Ränder der Waldungen,
ist aber hier auch auf gänzlich steinlosen Feldern meist recht häufig.
Seine Verwandten
51. Pratincola rubicola und
52. Pratincola rubetra
sind regelmässige Brutvögel der mit höherem Grase bewachsenen
Wiesen an den Grenzen oder in Mitten der Waldungen.
53. Turdus musicus,
54. Turdus iliacus,
55. Turdus pilaris,
56. Turdus viscivorus,
57. Turdus merula.
Soviel bekannt, brüten in den Auen nur Sing- Mistel-
_ und Schwarzdrosseln, sie aber verhältnissmässig häufig. Die
übrigen Drosselarten besuchen auch diese Waldungen mit grösster
Regelmässigkeit ebensowohl auf ihren Frühjahrs- wie auf ihren
- Herbstzügen.
58. Turdus ruficollis.
Im Jahre 1851 und zwar im Frühlinge, ungefähr um den
- zehnten März, sah Jäger Beck einen grossen Flug rothbrüstiger,
118 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
von allen ihm bekannten unterschiedener Drosseln, welche wahr-
scheinlich dieser Art angehört haben mögen.
59. Troglodytes parvulus.
Der Zaunkönig ist allerorten häufig, am häufigsten aber
doch an den Rändern der Auen.
60. Cinclus aquaticus,
der Wasserschwätzer, stellt zuweilen, immer jedoch nur
in strengen Wintern, auch in den Auen sich ein, kommt unter
solehen Umständen sogar im Prater vor.
61. Sylvia nisoria,
62. Sylvia atricapilla,
63. Sylvia hortensis,
64. Sylvia einerea,
65. Sylvia garrula.
Alle Grasmückenarten sind regelmässige Brutvögel der Au-
wälder und je nach ihren Sitten und Gewohnheiten in ihnen ver-
theilt, am häufigsten wohl am Rande der Waldungen ansässig.
66. HAypolais hortensis.
Der Gartensänger oder der Spottvogel, auch in Oesterreich ein
sehr beliebter Sänger, welcher viel in Käfigen gehalten wird, bewohnt
namentlich die harten Auen und wird ebenso in allen höheren
Beständen der weichen Auen gefunden.
67. Phyllopneuste fitis.
Vielleicht der häufigste aller Sänger ist der Fitis. Ihn be-
herbergt jede Insel, jeder Wald, jeder Bestand in ausserordent-
licher Menge.
68. Regulus cristatus, und
69. Regulus ignicapillus.
Beide Goldhähnechen besuchen die Auen nur während ihres
Zuges und durchstreifen sie auch dann nur flüchtig.
70. Acrocephalus turdoides,
71. Acrocephalus arundinaceus,
12. Acrocephalus locustella.
Die Auen bieten für Schilfsänger so geeignete Oertlichkeiten,
dass unzweifelhaft weit mehr Arten der Gruppe vorkommen, als °
wir bis jetzt feststellen konnten, In den Rohrwanden sind die
Rohrdrossel oder der Rohrsänger sehr häufige Erscheinungen. Aber
auch der Heuschreckensänger kann nicht selten sein, da man sein
bezeichnendes Schwirren an geeigneten Plätzen überall vernimmt.
Welche Arten sonst noch in den Auen brüten, oder sie auf dem
y
?
Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 119
Durchzuge berühren, muss späteren Beobachtungen vorbehalten
bleiben.
13. Motacilla alba,
74. Budytes flavus.
Die Bachstelze, welche nach unseren Erfahrungen in Ungarn
ein verhältnissmässig seltener Bewohner der Donau ist, tritt in
den Auen zahlreich auf. Die Wiesen neben und zwischen den
Beständen beherbergen auch die Schafstelze in Menge.
75. Anthus arboreus,
16. Anthus pratensis,
17. Anthus campestris.
Der Baumpieper ist zwar nicht überall, aber doch auf
einzelnen Inseln so ausserordentlich häufig, dass sein Gesang
seradezu zum vorherrschenden wird; der Wiesenpieper besucht
die Auen alljährlich während seines Zuges, und der Brach-
pieper bevölkert die Felder zu beiden Seiten des Stromes, in
besonderer Anzahl namentlich die des Marchfeldes.
78. Alauda arvenses, und
79. Gallerita cristata.
Auf den Feldern zu beiden Seiten des Stromes ist, wie zu
erwarten, die Feldlerche sehr häufig; aber auch die Hauben-
lerche tritt, obschon nur auf die Wege sich beschränkend und
blos hier und da bis an die Waldungen der Auen ihren Wohnsitz
ausdehnend, zahireich auf.
80. Emberiza miliaria,
81. Emberiza eitrinella,
82. Emberiza schoeneclus,
83. Emberiza nivalis.
Brutvögel des Gebietes sind der, wie schon erwähnt, überaus
gemeine Grauammer, der hier und da kaum seltener auftretende
Goldammer und der in den Rohrbeständen, wie in anderen
Dickichten, ebenfalls recht häufige Rohrammer. Dass auch von
hi den nordischen Arten der Familie wenigstens einzelne das Gebiet
berühren, beweisen die zuweilen, und dann in Menge erscheinenden
Schneeammern, welche sich jedoch in der Regel nur auf den
Feldern aufhalten, ohne die eigentlichen Wälder zu berühren. Be-
stimmte Beobachtungen über die sonst noch vorkommenden Arten
_ konnten von uns bisher nicht gesammelt werden.
84. Passer domesticus,
85, Passer montanus,
{20 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
86. Fringilla coelebs,
87. Fringilla montifringilla,
88. Fringilla carduelis,
89. Fringilla spinus,
90. Fringilla linaria,
91. Fringeilla cannabina,
92. Fringilla chloreis,
93. Coccothraustes vulgaris.
Alle vorstehend bezeichneten Finkenarten treten mehr oder
minder häufig in den Auwäldern auf. Der Haussperling be-
schränkt sich, wie zu erwarten, auf die benachbarten Dörfer; der
Feldsperliug bevölkert mit Vorliebe die Waldränder. Der Edel-
fink bewobnt in Menge alle Bestände, der Grünling wie der
Kernbeisser mehr die Aussenwaldungen; der Hänfling endlich
zumeist die vorspringenden Waldestheile. Zeisig und Bergfink.
sind regelmässige Wintergäste, und der Leinzeisig, hier „Zuser“
genannt, tritt in einzelnen Jahren ungemein zahlreich auf, wird
dann aber seines wohlschmeckenden Fleisches halber in Menge
gefangen und zu verhältnissmässig .hohen Preisen auf dem Markte
verkauft.
94. Serinus hortensis.
Der Girlitz ist, wie überall in ganz Niederösterreich, ein
sehr häufiger Sommerbewohner der Auen, jedoch keineswegs in
jedem Bestande zu finden. Am liebsten siedelt er sich an den
Waldrändern an, und hier bevorzugt er wiederum einzeln stehende,
hoch und dicht bewipfelte Bäume.
95, Pyrrhula vulgaris,
96. Pinicola enucleator.
Der Gimpel erscheint in jedem Winter in unserem Beobach-
tungsgebiete, hält sich auch wohl tage- und wochenlang in den
Auen auf; der Hakengimpel dagegen trifft auch hier nur un-
regelmässig ein und verweilt selten längere Zeit.
97. Sturnus vulgaris,
Der Staar ist einer der gemeinsten Vögel des ganzen Donau-
thales, findet auch in den Auen überall geeignete Nisthöhlen und
ist daher noch nicht auf die Beihülfe des Menschen angewiesen.
98, Pastor roseus.
Dann und wann, immer aber sehr selten, sieht man unter
Staaren auch ihren schönen Verwandten, den Rosenstaar; es
können jedoch auch hier viele Jahre vergeben, bevor Einer be-
| Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien, 121
- obachtet wird. In der Regel macht sich der Vogel im Herbste
- bemerklich. Um diese Zeit. erscheinen zuweilen kleine Trupps,
- meist jedoch nur einzelne, gleichsam Versprengte, welche dann
- meist mit den Staaren leben.
99. Corvus coraz,
100. Corvus corone,
| 101. Corvus corniz,
| 102. Corvus frugilegus,
' 103. Corvus monedula.
Mit Ausnahme des Kolkraben, welcher wohl früher in den
- Auwäldern horstete, gegenwärtig aber nur noch im Winter als
wochen- und monatelang weilender Gast beobachtet wird, sind alle
übrigen mitteleuropäischen Raben als Standvögel des Gebietes an-
i
&
|
- zusehen. Nicht allein die Saatkrähen, sondern hier und da
- Raben- und Nebelkrähen bilden zuweilen Siedlungen, wenn
- auch die der letzteren Art stets an Anzahl der brütenden Paare
weit hinter denen der Saatkrähe zurückstehen. Raben- und Nebel-
krähen paaren sich auch hier nicht selten. Während des Winters
- gesellen sich den in den Auen horstenden Saatkrähen noch Zu-
- zügler aus dem Norden, zuweilen viele Tausende, wenn nicht Hundert-
- tausende, welche dann von den Waldungen aus die Felder zu beiden
Seiten derselben besuchen und sie oft auf weithin förmlich bedecken.
- Nach Beobachtungen der kaiserlichen Jäger kommt es vor, dass
- sie bei Rauchfrösten und Glatteis in arge Bedrängniss gerathen,
- indem der Rauchfrost auf ihrem Gefieder sich niederschlägt, das-
- selbe mit einer förmlichen Eiskruste bedeckt und sie derartig am
- Fluge verhindert, dass sie bis gegen die Mittagszeit hin auf den
- Bäumen sitzen bleiben müssen, wenn früher auf sie geschossen
- werden sollte, beim Versuche zu entfliehen, hülflos zu Boden herab-
- fallen und dann mit Stöcken erschlagen werden können. Den Nebel-
und Rabenkrähen geschieht solch Missgeschick nie. Dohlen sind,
- wie schon in der Einleitung bemerkt, sehr häufige Brutvögel ge-
eigneter Waldestheile.
104. Pica caudata.
% Die Elster kommt in allen Waldungen vor und ist überall
häufig.
i 105. Nucifraga caryocatactes.
In einzelnen Wintern erscheint, immer aber nur ausnahms-
weise und selten, auch der Nussknacker in der Ebene und dann
regelmässig in den Waldungen unserer Auen. In einzelnen Wintern
122 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
wird der Vogel, der hier ebenso vertrauensselig ist, wie anderwärts,
zu Hunderten von den Jägern erlegt.
106. Garrulus glandarius.
Eichelheher sieht man während des ganzen Jahres, in be-
sonderer Häufigkeit aber doch nur im Herbste, während der Zug-
zeit, welche meist zahlreiche, freilich nur locker zusammenhängende
Flüge in die Auwälder führt.
107. Lanius excubitor,
108. Lanius minor,
109. Lanius rufus,
110. Lanius collurio.
An Stelle der drei Würgerarten, welche im Sommer in bereits
geschilderter Weise die Auen beleben, tritt im Winter der Raub-
würger, immer aber als seltene und vereinzelte Erscheinung.
l1ll. Muscicapa grisola,
112. Muscicapa atricapilla,
113. Muscicapa collaris.
Von den Fliegenfängern ist einzig und allein der Grau-
fliegenschnapper als Standvogel des Gebietes zu bezeichnen.
Die beiden anderen Arten seiner Familie zeigen sich wohl während
des Frühjahrs- und Herbstzuges in demselben, wenden sich aber
stets den Buchenwäldern der benachbarten Gebirge zu, um in ihnen
zu brüten.
114. Hirundo rustica,
115. Chelidon urbica,
116. Chelidon riparia.
Ebenso häufig als die Rauch- und Mehlschwalbe in allen
benachbarten Dörfern tritt an steil abfallenden Erdwänden der
Auen die Uferschwalbe auf, jedoch erreichen ihre Siedelungen
nicht entfernt dieselbe Ausdehnung wie an der unteren Donau.
117. Bombyeilla garrula.
Wie überall erscheinen auch in den Auwaldungen in manchem
Winter massenhaft Seidenschwänze, um hier längere oder kürzere
Zeit ihre Winterherberge zu nehmen. Besonders häufig waren sie
im Jahre 1872.
118. Oriolus galbula.
Der Pirol, auch hier ein allgemein bekannter und beliebter
Sommergast, belebt alle Waldungen in erheblicher Menge.
119. Parus major,
120. Parus coeruleus,
EN
{ Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b, Wien. 123
121. Parus palustris,
122. Parus ater,
123. Parus caudatus,
124. Aegithalus pendulinus.
| Kohl-, Blau-, Sumpf- und Schwanzmeisen sind
- häufige Bewohner unserer Wälder; die Beutelmeise hingegen
- nimmt von Jahr zu Jahr an Anzahl ab und ist gegenwärtig bereits
- sehr selten geworden; noch vor etwa zwanzig Jahren war dies
nicht der Fall. Die älteren, kaiserlichen Jäger erinnern sich, ihre
- Nester noch sehr häufig gesehen zu haben, während es gegenwärtig
- schon zu den ungewöhnlichen Ereignissen gerechnet wird, wenn
- einer von ihnen im Herbste, nach Entlaubung der Bäume, ein
- solehes Nest sieht. Die hohen Preise, welche von Sammlern für
- Nest und Gelege gezahlt werden, sind wohl die hauptsächlichste
4 Ursache der Verminderung dieser schönen Art. Die Tannen-
meise erscheint nur auf dem Zuge und auch dann nicht häufig.
125. Setta caesia.
| Die Spechtmeise ist zur Freude aller Beobachter ein noch
sehr häufiger Bewohner unseres Gebietes, weil um passende Nist-
- löcher durchaus nicht verlegen. Ihren fröhlichen, volltönenden Ruf
- hört man in jedem älteren Bestande. Hier und da wohnt ein Paar
dicht neben dem andern.
126. Certhia familiares.
4 Der Baumläufer ist gegenwärtig noch ein allverbreiteter
- und in älteren Beständen nirgends seltener Bewohner unseres Ge-
bietes.
127. Upupa epops.
| Der Wiedehopf findet in der Nähe der Viehweiden und am
- Rande der Wälder so vortreffliche Aufenthaltsorte, dass er zu den
häufigeren, wenn nicht gemeinen Brutvögeln des Gebietes gezählt
- werden darf.
128. Columba palumbus,
129. Columba oenas,
130. Columba turtur.
(4 Alle drei Taubenarten bevölkern in fast gleichmässiger Anzahl
‘die Auwälder. Am häufigsten tritt, wie erklärlich, die Ringel-
"taube, am seltensten vielleicht die Hohltaube auf; in keinem
Falle aber kann man sagen, dass sie gegenwärtig schon an Woh-
nungsnoth leidet. Im Herbste begegnet man oft zahlreichen Sehaaren
von ihr, welche, wie die Ringeltauben, vom Walde aus die Felder
124 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
besuchen und nicht allzu selten gemeinschaftlich mit den Verwandten
hier ihrer Nahrung nachgehen.
131. Coturniz communis,
132. Perdiz cinerea,
133. Phasianus colchicus.
Die Wachtel brütet einzeln nicht allein auf den benachbarten
Feldern, sondern hier und da an den Waldesrändern des ganzen
Gebietes; das Rebhuhn findet hier wie da überaus zusagende
Wohnplätze und ist deshalb überaus häufig; der Fasan wird sorg-
fältig gehegt und vermehrt sich in trockenen, nicht von Ueber-
schwemmungen heimgesuchten Jahren ungeachtet der vielen Feinde,
welche gerade ihm nachstellen, in der befriedigendsten Weise.
134. Oedienemus crepitans.
Der Dickfuss, hier Triel oder Brachhuhn genannt, darf
geradezu als Charaktervogel der Donauauen bezeichnet werden. Jede
geeignete, das heisst verhältnissmässig hohe, sandige und mit
niederen Weiden bestandene Insel beherbergt mindestens ein Paar;
auf grösseren Inseln kann man auch wohl deren zwei bis drei
Paare auftreiben. Ueber Tags hält sich der Vogel, wie üblich,
möglichst verborgen, mit Beginn der Dämmerung fliegt er von
einer Insel zur anderen oder von diesen auf die Felder hinaus und
kehrt dann erst in den Morgenstunden zu dem Tagstand = Nist-
platz zurück.
135. Charadrius minor,
136. Charadrius hiaticula,
137. Charadrius auratus.
Brutvögel unseres Gebietes sind der Fluss- und Halsband-
regenpfeifer, welche in ungefähr derselben Anzahl in den Auen
vorkommen mögen. Ihnen gesellt sich allherbstlich auch der Gold-
regenpfeifer; er aber hält sich dann, wie zu erwarten, weniger
auf den Inseln als auf den Feldern zu beiden Seiten des Stromes auf.
138. Vanellus cristatus.
Der Kibitz brütet auf geeigneten Plätzen überall in dem
gauzen Gebiete, am häufigsten, wie schon bemerkt, auf den feuchten
Hutweiden.
139. Glareola torguata.
Obwohl erweislich nicht in den Auen brütend, erscheint die
Brachschwalbe während der Zugzeit doch nieht gerade selten in
ihnen; ihr Vorkommen ist jedoch immer ein unregelmässiges aid} ;
zufälligen.
Inn a EEE
de se. a
- Ornith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 125
140. Actitis hypoleucus,
141. Totanus calidris,
142. Totanus ochropus.
Nach unseren bisherigen Beobachtungen scheinen Ufer-
läufer und Waldwasserläufer die einzigen Arten ihrer Sipp-
schaft zu sein, welche regelmässig in den Auen brüten. In nassen
Jahren siedelt sich wohl auch der Rothschenkel noch auf den
überschwemmten Wiesen an. Alle übrigen Glieder der Gruppe,
welche sonst noch hier gefunden werden, berühren die Gegend nur
auf dem Zuge; wir sind jedoch zur Zeit noch nicht im Stande, mit
- Bestimmtheit die nachweislich vorkommenden Arten anzugeben.
143. Himantopus rufipes.
Stelzenläufer kommen im Frühjahre während der Zugzeit
keineswegs selten vor, brüten jedoch nicht in den Auen und halten
- sich hier auch niemals lange auf. Dasselbe gilt für
144. Recurvirostra avocetia,
den Verkehrtschnabel, welcher ungefähr um dieselbe Zeit,
- wie jener, eintrifft und dann in seichten Lachen eifrig fischend be-
- obachtet wird. Dasselbe gilt ferner für
145. Falcinellus igneus,
die Storchschnepfe, welche keineswegs selten erscheint.
146. Numenius arqualus,
147, Numenius phaeopus.
Die Brachvögel kommen selten bis an die Donau heran,
“ und wenn es der Fall, fast nur auf dem Durchzuge, brüten jedoch
_ an nicht allzu weit vom Strome entfernten, geeigneten Stellen, und
zwar gilt dies von beiden Arten.
:
148. Ciconia alba.
Innerhalb unseres Gebietes brütet der Storch nicht, erscheint
aber im Frühjahre wie im Herbste als regelmässiger Besuchs und
_ Zugvogel.
149. Ardea cinerea,
150. Ardea purpurea,
151. Ardea minuta,
152. Ardea nyeticoraz,
1535. Ardea stellaris,
154. Ardea egretta,
155. Ardea comata.
Während noch vor einem Menschenalter alle die vorstehend
3 aufgeführten Reiher Brutvögel unseres Gebietes waren, finden sich
vu ;
126 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
gegenwärtig nur noch Fisch-, Purpur- und Zwergreiher,
sowie die Rohrdommel allsommerlich ein, um in den Auen zu
horsten. Hier und da mag vielleicht auch ein Nachtreiher
brüten; mit Bestimmtheit aber konnte derselbe in den letzten
Jahren am Horste nieht beobachtet werden. Der Edelreiher
ist gänzlich verschwunden, so häufig er früher auch vorkam, und
der Seidenreiher gehört zu den am seltensten vorkommenden
Arten seines Geschlechtes. Am verbreitetsten und vielleicht auch
am häufigsten dürfte der Zwergreiher sein; ihm begegnet man
bereits im Prater und von hier an mit Bestimmtheit in allen Au-
waldungen der Donau.
156. Rallus aquaticus.
Die Wasseralle brütet wahrscheinlich an allen geeigneten
Stellen des ganzen Gebietes, hält sich aber so verborgen, dass man
sie wenig bemerkt und sie nur während des Herbstzuges zufällig
vor dem Hunde aufstösst.
157. Orex pratensis.
Der Wiesenknarrer bevölkert alle mit hohem Grase be-
wachsenen Wiesen, die mit niederem Weidendickichte und Hoch-
gräsern bestandenen Inseln und die Felder zu beiden Seiten des
Stromes.
158. Stagnicola chloropus,
159. Gallinula porzana,
160. Gallinula minuta?
161. Fulica atra. |
Rohr- und Wasserhühner zählen zu den regelmässigen Brut-
vögeln der Auwaldungen. Das Teichhühnchen wählt sich die
verborgenen, umbuschten Lachen; die beiden Rohrhühnchen er-
küren sumpfige Wiesen zwischen den Beständen oder an ihrem
Rande, und das Wasserhuhn endlich nimmt auf grösseren, 1
stillen Wasserflächen zwischen den Inseln seinen Stand. Während
der Zugzeit wird auch das Zwergrohrhühnchen mit dem oft
sehr häufigen Rohrhühnchen erlegt. i
162. Cygnus musceus.
Der Singschwan, vielleicht auch ä
163. Oygnus olor, |
der Höckerschwan, benutzen die Donau auf ihren Hin- und
Rückzügen als Heerstrasse, verweilen aber nie längere Zeit in
unserem Gebiete. \
RETTET TEE
Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 127
164. Anser cinereus,
165. Anser segetum,
166. Anser albifrons und
167. Anser minutus?
Der Graugans, welche nach eigenen Beobachtungen auf
den ungarischen Seen und wasserhaltigen Sümpfen brütet und viel-
leicht auch in unserem Gebiete dann und wann ein stilles Nist-
plätzchen finden mag, gesellt sich im Herbste die Saatgans.
Ausserdem erscheinen ziemlich regelmässig in jedem Winter
Blässgänse, hier unter dem Namen „Schneegänse“ jedem
Jäger bekannt, und dann und wann kleinere oder grössere Trupps
einer durch geringere Grösse und gänzlich abweichende Stimme
jedem Jäger auffallenden Gansart, welche wahrscheinlich die
Zwerggans sein dürfte Je nachdem der Winter strenger oder
milder ist, verweilen diese Besuchsvögel längere oder kürzere Zeit
in den Auen, richten sich hier häuslich ein und beginnen einen
regelmässigen Tageslauf. Schon im September treffen die ersten
Flüge ein, und bei einigermassen milder Witterung bemerkt man die
letzten noch im December, selbst im Januar. Eine möglichst schwer
zugängliche und unbedeckte Insel wird zum Sammelpunkte erwählt;
auf ihr übernachten die oft unschätzbaren Schaaren unserer Gänse.
Mit Tagesanbruch erheben sie sich, fliegen auf die mit Weizen oder
Haidekorn bestandenen Felder hinaus, um sich zu äsen, kehren
gegen elf Uhr Vormittags zurück, verweilen in den Mittagsstunden
auf den Inseln, um zu tränken, zu baden, sich zu putzen, und treten
Nachmittags gegen drei Uhr einen nochmaligen Streifzug an, richten
ihren Flug um diese Zeit aber regelmässig nur nach den Saat-
feldern. Ist der Tag schön, so kommen sie mit Dunkelwerden,
gegen ein halb fünf Uhr etwa, zurück auf ihre Insel; bei nebligem
- Wetter erscheinen sie früher. Alle kaiserlichen Jäger stellen den
sesammten Wildsänsen eifrig nach und lassen sich keine Mühe
- verdriessen, ihrer habhaft zu werden. Die gewöhnliche Jagdweise,
| sie zu erlegen, besteht darin, sich auf ihrer Ruheinsel einzugraben
_ und ihre Ankunft abzuwarten. Besonders ergiebig fällt diese Jagd
- nie aus; deun wenn ein einziger der scheuen Vögel erlegt wurde,
- bleiben die übrigen meist acht bis vierzehn Tage weg. Noch tieferen
- Eindruck hinterlässt es bei den Davongekommenen, wenn eine von
- ihnen mit Hülfe eines Tellereisens ‚gefangen wurde. Streut man
Körnerfutter auf die Insel, in der Absicht sie anzulocken, so be-
\
128 Kronprinz Rudolf von Oesterreich und Brehm:
wirkt man gerade das Gegentheil; sie meiden dann’ die Insel so
lange, bis die Körner von den Krähen aufgefressen. |
168. Anas boschas,
169. Anas querquedula,
170. Anas crecca,
171. Anas penelope,
172. Dafila acuta,
173. Spatula celypeata,
174. Fuligula ferina,
175. Fuligula leucophthalmos,
176. Fuligula cristata,
177. Fuligula rufina,
178. Fuligula elangula,
179. Harelda glacialis.
Auf der grossen Heerstrasse, welche die Donau bildet, er-
scheinen in jedem Herbste überaus zahlreiche Flüge der verschie-
denen Entenarten und bevölkern dann unser Gebiet in Menge, Als
Brutvögel desselben haben wir wohl nur die Stock-, Knäk-,
Kriek- und Moorente anzusehen, alle übrigen Arten aber als
Besuchsvögel aufzufassen. Möglicherweise brütet hier und da auch
eine Löffelente und auf besonders günstigen Stellen noch eine
Tafelente. Alle übrigen Arten sind bestimmt nur Wintergäste.
180. Mergus merganser, |
181. Mergus serrator,
182. Mergus albellus. ;
Mit den letzten Entenarten finden sich auch die Säger ein,
um den grössten Theil des Winters, mindestens so lange, als der
Strom noch offene Wuhnen zeigt, in unserem Gebiete zu verweilen.
Gänse- und Entensäger sind regelmässige Erscheinungen ;
der Zwergsäger dagegen findet sich immer seltener ein, wird
aber doch wohl in jedem Winter beobachtet. ;
183. Larus ridibundus. '
Während man noch bei Pest dann und wann im Spätherbste Ä
oder Winter eine oder die andere der grösseren Seemöven fischend |
über dem Strom auf- und niederschweben sehen kann, bemerkt man
in unseren Auen nur die Lachmöve; wenigstens erinnern sich
die kaiserlichen Jäger nicht, jemals eine andere Art gesehen zu 3
haben. Die Lachmöve ist häufig. h
184. Sterna fluviatelis.
Brutvogel der Auen ist nur die Flussseeschwalbe; ihr gesellen k
ar me
f
Örnith. Beobachtungen in den Auwäldern d. Donau b. Wien. 129
sich aber in jedem Herbste andere Arten der Gruppe zu, erweislich
namentlich:
185. Sterna nigra, und
186. Sterna minuta.
137. Carbo cormoranus.
Die Scharbe zählt, wie oben mitgetheilt wurde, zu den häu-
figen Brutvögeln der Auen, hält sich aber auch während des übrigen
Jahres, so lange die Verhältnisse es gestatten, im Gebiete auf.
188. Podiceps cristatus,
189. Podiceps auriius,
190. Podiceps rufeccollis,
191. Podiceps minor.
Alle vorstehend aufgeführten Steissfüsse kamen in unseren
Auen vor, aber nur der Rothhals- undZwerglappentaucher
sind regelmässige Brutvögel derselben
192. Colymbus arcticus,
195. Colymbus glacialis,
194. Colymbus septentrionalis.
Wie sich aus dem Befunde in verschiedenen mährischen und
- ungarischen Sammlungen feststellen lässt, bildet ebensowol der
- Nord- als der Südrand der Karpaten sehr besuchte Zugstrassen,
beziehentlich Zugpässe für hochnordische Vögel. Sie benutzend,
wandern auch allherbstlich die drei genannten Eistaucher, in
- srösster Anzahl, wie zu erwarten, rothhälsige 8 eetaucher, in
unser Gebiet ein. Alle erscheinen erst spät im Herbste, verweilen
dafür aber so lange, als der Winter ihnen einzelne Stellen zum
Fischen frei lässt.
4
|
-_Ornithologische Mittheilungen aus Oesterreich und Ungarn
(1878)
von
Vietor Ritter v, Tschusi zu Schmidthoffen.
\ Erythropus vespertinus. Den 6. Mai erschien ein kleiner
Flug bei Mariahof, aus dem Pfarrer Bl. Hanf einige erlegte.
Hypotriorchis subbuteo. Ein Weibchen des Baumfalken
flog im letzten Sommer bei Verfolgung einer Schwalbe durch ein
u sehendes Fenster in ein bei Hallein gelegenes Wohnhaus, wo
es sefangen — und mir lebend überbracht wurde.
Cab. Journ, f. Ornith, XXVIL, Jahrg. No, 146. April 1879, g
NET
3
Pe
130 Ornithologisehe Mittheilungen aus Oesterreich und Ungarn.
Astur palumbarius. Die ausserordentliche Kühnheit des
Habichts möge folgender Fall illustriren:
Als Dr. Aug. Redtenbacher’s Forstaufseher auf seinen Feldern
in der Nähe des Schlosses Lichtenberg b. Saalfelden (Salzburg)
arbeitete, hörte er plötzlich über sich heftige Flügelschläge, und
als er aufbliekte, gewahrte er einen Auerhahn im Kampfe mit
einem Habicht. Beide Vögel stürzten in kurzer Zeit zu Boden, und
als der Bauer zur Stelle eilte, entfloh der Habicht, während der
Auerhahn betäubt am Boden liegen blieb und sich ergreifen liess.
Er war am Kopf und Hals stark verletzt und musste getödtet
werden. Der Hahn war ein heuriger Vogel, hatte ganz verfiedert
und wog 2,0 Kilo.
GFlaucidium passerinum. Den 24. Juli erhielt Pfarrer
Hanf von einem Jäger aus Zeitschach (Ob.- Steierm.) 3 junge
Sperlingseulen und zwar 2 todte und eine lebende. Die letztere
und eine der ersteren verdanke ich der Güte Hanf.
Cuceulus eanorus. Wie Pfarrer Hanf mir mittheilt, wurde
ihm am 12. Mai ein reinweisses Kukuksei nebst den zwei
Nesteiern von Ruticilla atra gebracht. Alle drei Eier waren gleich-
mässig bebrütet. Das Nest stand in einem Heustadel.
Alcedo ispida. Beim Begehen eines unfern meines Hauses
vorbeifliessenden Baches fand ich in demselben einen todten Eis-
vogel. Als ich denselben in die Hand nahm, war auch seine Todes-
ursache sofort entdeckt. Er hatte einen 9 Centim. langen, 1,, Centim.
breiten Kaulkopf (Cortus gobio) im Sehlunde stecken, den er weder
hinab- noch herauswürgen konnte. c
Anthus rufogularis. Ein & erlegte Pfarrer Bl. Hanf den
5. Mai an der Hungerlacke b. Mariahof. Sein Lockruf u
„Biis, biis, biis“,
Parus pendulinus. Den 6. August erlegte Pfarrer Hanf
einen jungen Vogel am Furtteiche; es ist dies bereits das zweite
dort erbeutete Stück. h
Ruticilla arborea. Am 23. August war ich so glücklich
wieder ein Weibchen mit männlichem Gefieder zu erlegen; das erste
meiner Sammlung im Herbstkleide.
Calamoherpe palustris. Heuer brütete ein Paar dieser |
hier seltenen Rohrsängerart unfern meines Gartens an der Alm.
Muscicapa parva. Den 25. August erschienen 2 Stück,
d und 9, in meinem Garten und verriethen ihre Anwesenheit gar
bald durch ihren zaunkönigartigen Ruf. F
;
IEEETEIERER ENETETTT
Schalow: Fortschritte d. Ornith. v. J. 1875 b. z. Gegenwart. 131
Linota rufescens. Pfarrer Bl. Hanf erhielt den 15. Mai
ein Nest mit 3 frischen Eiern von der Perchauer-Alpe, einem Aus-
läufer der Weit-Alpe.
Pyrrhula major, Br. Die grosse nordische Gimpelform, über
deren Vorkommen in Oesterreich und Ungarn wir bisher keine ver-
lässlichen Daten besassen, beobachtete und erlegte ich diesen Winter
mehrfach, auch in meinem Garten. Die Maasse derselben sind
folgende:
ed ? 2 +
Botallänge , 17,,4.10.:216,8: 16,,, 216,; u 116,,./Centim.
Miüsellänge 95 .,.9.9 1) I ad =
Ein 9 zeigt auf der Unterseite der beiden äussersten Steuer-
federn die bei sibirischen Exemplaren häufig auftretenden weissen
Längsflecke. Die kleinste Armschwinge ist wie bei beiden Formen
der Rothgimpel auf der Aussenseite röthlich.
Ein zweites 2, das ich nach den Dimensionen (es hat 15,,
Centim. Totallänge und 8,, Centimeter Flügellänge) nur zu ?.
europaea, Vieill. rechnen kann, zeigt auf einer Seite gleichfalls den
weissen Längsfleck, auf der andren ist er hingegen nur angedeutet.
Villa Tännenhof b. Hallein, im Januar 1879.
Ueber die Fortschritte auf dem Gebiete der Ornithologie
vom Jahre 1875 bis zur Gegenwart.
Von Herman Schalow.
(Vortrag gehalten auf der Jahresversammlung zu Berlin, im October 1878.)
Nicht oft genug kann es wiederholt werden, dass die segens-
reiche Wirkung einer neuen umfassenden Anschauungsweise in einer
- Wissenschaft nicht nur auf dem Werthe beruht, welchen dieselbe
_ an und für sich besitzt, sondern auch in dem Einflusse, den sie auf
- die Nebenzweige dieser Wissenschaft und auf die entfernter
stehenden Gebiete ausübt. Der befruchtende Regen, der überall
- neue Sprossen, Blüthen und Früchte hervorruft, erstreckt sich weit
- über die engen Grenzen einer speciellen Frage hinaus, und aus
der Wichtigkeit des Impulses, der in Wellenlinien von dem Mittel-
punkte der Wirkung aus sich weiter verbreitet, lässt sich die
Wichtigkeit einer solchen Anschauung erkennen.
9%*
u E Fa
° on
132 Herman Schalow:
‘ Wenn man nur diesen Punkt in das Auge fasst, so lässt sich
sicherlich nicht läugnen, das die Darwin’sche Lehre der Descendenz
in der Geschichte, nicht nur der Zoologie, sondern der gesammten
positiven Wissenschaften sowohl, als auch der speculativen Lehren
eine hervorragende Stellung einnimmt. Wohin man auch blicken
mag, auf allen Wegen und Stegen, die der arbeitende Menschen-
geist jetzt einschlägt, überall begegnet man dieser Lehre und den
aus derselben gezogenen Schlüssen und Folgerungen; in keinem
Gebiete dürfen dieselben ignorirt werden, und je weiter die Forschung
schreitet, desto mehr neue Gesichtspunkte thun sich auf. Besonders
in den Nebenzweigen der Zoologie lässt sich dies deutlich erkennen.
Was war die Versteinerungskunde früher? Ein nur lose mit der
Naturgeschichte der lebenden Thiere zusammenhängender Wissens-
zweig, dem die rechte Verbindung mit dem Hauptstamme fehlte.
Erst durch die Descendenzlehre ist in den meisten Forschern die
Ueberzeugung lebendig geworden, dass die jetzt lebenden Organismen
die directen Nachkommen derjenigen Formen sein müssen, welche
früber die Erde bevölkerten, erst seit dieser Zeit ist gleichsam ein
neues Leben in die Versteinerungslehre gekommen. Aber auch noch auf
andere Forschungen leitet dieser Gesichtspunkt. Wenn die jetzt
lebenden Thiere direete Nachkommen vorgeschichtlicher Wesen sind,
so muss auch die räumliche Verbreitung derselben mit derjenigen
der Fossilien in engster Beziehung stehen, und wenn dieser Schluss
richtig ist, was ja nicht bezweifelt werden kann, so folgt daraus
weiter, dass die jetzige geographische Verbreitung der Tbiere, ab-
geselıen von ihrem Wandervermögen und anderen äusseren Ein-
flüssen, zum grossen Theile durch ihre Herkunft und Abstammung
erklärt werden muss. So entwickelt sich aus einem einfachen
Grundgesetz eine ebenso einfache Folgerung und zugleich ein weites
neues Gebiet der Forschung. Es verknüpft sich die geologische
Forschung auf das innigste mit den Untersuchungen über die Ab-
stammung unserer heutigen Thiere und über ihre geographische
Verbreitung.
Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, die ich hier in den R
allerweitesten Umrissen nur grob und scharf skizzirt, und von der
Wichtigkeit der Beziehungen der jetzt noch lebenden Formen zu |
den untergegangenen und uns nur noch in steinernen Resten er-
haltenen durchdrungen, muss es klar werden, dass die genaue und
sorgfältige Kenntniss der geographischen Verbreitung unserer jetzt
lebenden Thiere für die Lösung der berührten Fragen von der
i
{
%
3
}
Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 133
grössten Bedeutung und Wichtigkeit ist. Und wenn auch schon un-
endlich viel nach dieser Richtung hin gethan worden ist, wenn wir
mit Freude und Genugthuung auf die Forschungen bedeutender
Männer zurückblicken können, die die verschiedensten Zonen des
Erdballes sammelnd und beobachtend durchreisten und die ge-
wonnenen Resultate in der Heimath verarbeiteten, so bildet doch
all dies so gewonnene Material immer nur eine Basis, von der
wir weiter ausgehen müssen. Die Wichtigkeit derartiger Forschungen
kann nicht genugsam betont werden.*)
In kurzen Zügen will ich nun versuchen, Ihnen ein Bild der
Thätigkeit zu entwerfen, welche in der angedeuteten Richtung auf
dem Gebiete der Ornithologie in den letztverflossenen drei Jahren
entfaltet worden ist. Ich will versuchen, Ihnen die Fortschritte
auf dem Gebiete der Vogelkunde, besonders das Fortschreiten
unserer Kenntniss in Bezug auf die geographische Verbreitung der
Vögel, darzustellen. Sie werden dann ersehen, welche Lücken noch
auszufüllen sind und worauf sich das Augenmerk der Forscher in
Zukunft wird richten müssen. Ich greife gerade drei Jahre in
meiner Darstellung zurück, weil bis zu diesem Zeitpunkt Dr. P. L.
Sclater in seiner umfangreichen, Ihnen Allen wohlbekannten Rede
über den Stand unserer Kenntniss der geographischen Zoologie,
einer Rede, mit der jener englische Forscher die Sitzungen der
biologischen Section der British Association in Bristol am 25. August
1875 eröffnete, in trefflichster Weise Bericht erstattet hat.
Ich wähle die Sclater’sche Eintheilung der zoogeographischen
Regionen zum Rahmen für meine Darstellung. Wo Jener aufgehört,
will ich heute beginnen.
Wenn wir die Cisatlantische Subregion der paläarktischen
Region betrachten, so müssen wir leider bekennen, dass für die
Gebiete, die uns fast durchgängig eine terra incognita sind, in der
Zeit, die wir hier in’s Auge fassen wollen, durchaus nichts ge-
schehen ist. Ich denke hier vor Allem an das südliche Marokko
_ und an die Gebirgsabhänge des südwestlichen Atlas, Gebiete, über
deren Ornis wir bis jetzt gar nicht unterrichtet sind. Die Arbeiten
- der Herren Dr. Hooker, Maw und Ball, die die genannten Gegenden
im Jahre 1871 bereisten, und durch welche wir Aufschlüsse über
die Naturproducte derselben zu erhalten hofften, sind bis jetzt, ge-
*) Ich folgte in diesen einleitenden Worten zum Theil Ausführungen
Carl’s Vogt’s über die Bedeutung der Descendenztheorie.
134 Herman Schalow:
wiss zum Bedauern aller Zoologen, noch nicht der Oeffentlichkeit
übergeben worden.
Wenn wir der Forschungen über die Avifauna der Canarischen
Inseln gedenken, so richtet sich unser Dank dafür, dass wir im
Allgemeinen gut über diese Inseln unterrichtet sind, an die Franzosen
Webb und Berthelot, an den Engländer F. Godmann sowie an unsern
hochverehrten Landsmann, Herrn Dr. Bolle. Diesen Forschern
hat sich nun in jüngster Zeit ein vierter beigesellt, ein Spanier.
D. Vincente Mompö hat eine treffliche, kurz gefasste Uebersicht
der Vögel von Teneriffa veröffentlicht (1), die, auf eigne Beobachtungen
sowie die seiner Vorgänger sich stützend, uns ein Bild der Ornis
jener Insel vorführt.
Bei der Betrachtung der europäischen Subregion, und zwar
zunächst ganz Europas im Allgemeinen, müssen wir zuerst der Arbeit
Dresser’s „The Birds of Europe“ (2) gedenken. Bis jetzt sind
sechsundsechzig Theile dieses grossen und umfangreichen Werkes
erschienen, und der Schluss, weitere sechs Theile umfassend, soll
noch in diesem Jahre veröffentlicht werden, so dass wir das Werk
zu Ende dieser Zeit vollständig besitzen werden. Was den Werth
desselben noch bedeutend erhöhen wird, ist ein sorgfältig bearbeiteter
Index, der, Verbesserungen und Nachträge enthaltend, nach jeder
Richtung hin Auskunft zu geben verspricht und die Benutzung des
so compendiösen Werkes wesentlich erleichtern wird. Neben diesem
grossen, der Ornithologie der ganzen westlich paläarktischen
Region gewidmeten Werke, möchte ich noch einiger kleinerer
Arbeiten an dieser Stelle gedenken. Charles Robert Bree hat eine
zweite verbesserte Auflage seiner „History of the birds of Europe
not observed in the British Isles“ [1875] (3) erscheinen lassen. Wie
die erste Auflage, so wird auch diese, namentlich von Anfängern,
freudig aufgenommen werden und viel dazu beitragen, das Studium
der europäischen Vögel zu erleichtern. Wir bedauern nur, sagen
zu müssen, dass in dem ersten, uns bis jetzt vorliegenden Bande
einige Irrthümer sich finden, die vornehmlich ihren Grund darin # |
haben, dass dem Verfasser die Arbeiten deutscher Forscher ent-
gangen sind, und er deren Resultate in seinem Buche nicht benutzt
hat. Sie gestatten mir wohl, bei dieser Gelegenheit auch der kleinen
Arbeit unseres Mitgliedes, des Herrn Dr. Rey: „Verzeichniss der
europäischen Brutvögel und Gäste“ (4) Erwähnung zu thun. Ohne
Prätensionen beabsichtigt das Buch weiter nichts zu sein, als ein
Hülfsbuch für den Sammler ornithologischer Objecte. Herr Dr. Rey
Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 135
hat in demselben den Versuch gemacht, ein System nach biologischen
und oologischen Gesichtspunkten aufzustellen. Auch eine französische
hierher gehörende Arbeit will ich noch nennen: „Catalogue des
oiseaux d’Europe“ (Paris 1876) von L. T. D’Hamonville (5), eine
Arbeit, die von gutem Willen, aber schwachem Können Zeugniss
ablegt. Dies wären die Arbeiten, deren ich hier Erwähnung zu
thun hätte. Ein kurz gefasstes, mit scharfen Diagnosen sowie
Angaben der Verbreitung und Zusammenstellung der wichtigsten
Synonyme versehenes Handbuch der Vögel Europas ist immer noch
ein pium desiderium. Möge recht bald ein solches aus der Feder
eines competenten Ornithologen erscheinen, um einem längst und
schmerzlich empfundenen Mangel abzuhelfen.
Ich komme nun auf die Arbeiten zu sprechen, die über die
einzelnen europäischen Staaten erschienen sind.
-Yarrell’s „British Birds“ nimmt sicherlich den ersten Platz
unter den Werken ein, die über die Vogelwelt Grossbritanniens
handeln. Die zweite Auflage (6), die bereits im Jahre 1871 von
Prof. A. Newton begonnen worden ist, ist noch nicht vollständig
erschienen, doch ist zu hoffen, dass der Fortgang des Werkes etwas
beschleunigt werden wird, so dass die Beendigung desselben in nicht
mehr allzu weiter Ferne steht. Wenn einmal fertig, wird die
Newton’sche Ausgabe des Yarrell’schen Werkes sicherlich eine
durchaus competente Quelle für alle Diejenigen sein, die sich über
die Vogelwelt Englands Rath zu erholen wünschen. Ein Werk,
wie es anderen Ländern leider fehlt, und um welches die englischen
Ornithologen nicht mit Unrecht beneidet werden können. Eine recht
brauchbare und bequeme Liste der englischen Vögel, nach Sundevall’s
System geordnet, ist von Henry Thornton Wharton veröffentlicht
worden (7). Ehe ich mich der Schilderung der Arbeiten, die in
Frankreich gethan worden sind, zuwende, muss ich eines Beschlusses
gedenken, der auf der letzten Versammlung unseres Schwester-
vereins in England, der British Ornithologist’s Union, gefasst worden
ist. Es ist daselbst ein Comit& zusammengetreten, um eine genaue
Liste der englischen Vögel, geordnet nach den neuesten Anschauungen
in Bezug auf Systematik und die einzelnen Arten benannt nach
den Prineipien moderner Nomenclatur, anzufertigen. Es ist dies
ein Unternehmen, dessen Nachahmung ich’ unserer Gesellschaft
wohl empfehlen möchte.
Dass das Studium der Ornithologie in den letzten Jahren in
Frankreich einen bedeutenden Aufschwung genommen hat, lässt
136 Herman Schalow:
sich sicherlich nicht läugnen. Neben den Namen eines Alphons
Milne-Edwards, Vian, Gerbe, Bailly und Jaubert, Namen, die uns
seit langer Zeit bereits geläufig, finden wir jetzt eine Menge neuer:
Bureau, Boucard, Bouvier, Oustalet u. a. Alle diese Forscher sind
bestrebt, der ornithologischen Wissenschaft in Frankreich eine
ähnliche Stätte zu bereiten, wie dies in England und Deutschland
geschehen. Der Zufall hat fast Alle der genannten Ornithologen
auf das Studium der Vogelwelt fremder Gebiete geführt; für die
heimische ist wenig oder nichts gethan worden. Da ist eine kleine
Arbeit von Nouel: Catalogue des oiseaux observes dans le departe-
ment du Loiret (Orleans 1876) (78). Da sind mehrere Aufsätze über
seltene Vögel Süd-Frankreichs von Lacroix und Gerbe in dem
Bulletin de la Societe zoologique de France (9—12). Das ist dann
aber auch beinahe Alles. Wenn auch nicht direet hierher gehörig,
so möchte ich mir doch erlauben, Ihre Aufmerksamkeit auf eine
höchst interessante Arbeit von Alphons Milne-Edwards: „Obser-
vations sur les oiseaux dont les ossements ont &t& trouves dans
les cavernes du Sud-Ouest de la France“ (13) zu lenken. Der be-
rühmte Verfasser hat in dieser Arbeit eine Zusammenstellung der
interessanten Höhlenfunde im südlichen Frankreich gegeben.
Ich muss an dieser Stelle auch Dubois’ „‚Faune illustre des verte-
bres de la Belgique“ (14) nennen. Soviel mir bekannt, sind bis jetzt
nur einige Lieferungen dieses Werkes, die Vögel enthaltend, er-
schienen.
Unsere Kenntniss der Vogelwelt Spaniens, besonders der des
südlichen Theiles des Landes, danken wir in der Hauptsache
englischen Forschern. Lord Lilford und Howard Saunders haben
sich um die Kenntniss der Avifauna der iberischen Halbinsel die
grössten Verdienste erworben. Der letztgenannte Ornitholog hat
vor nicht allzu langer Zeit in dem Bulletin de la Societe zoologique
de France 1877 einen ferneren, höchst schätzenswerthen Beitrag
über die Vögel Süd-Spaniens geliefert. In seinem „Catalogue des
oiseaux du midi de P’Espagne“ (15) stellt er seine Forschungen
und Beobachtungen zusammen. Auf Grund derselben führt er nicht
weniger als 339 Arten in seiner Liste auf, darunter 3, welche, wie
ich glaube, der pyrenäischen Halbinsel eigenthümlich sind, nämlich
den unserem Grünspecht verwandten Gecinus Sharpiü Saund; die
kleine Calandrella baetica Dress, sowie die schön gefärbte Oyanopica
cooki Bp. Bei allen Arten finden sich reiche biologische Notizen.
Ausser dieser Arbeit aus der Feder eines englischen Forschers
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Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 137
sind aker auch noch einige wenige bekannt geworden, deren Verfasser
dem Lande, über dessen Vogelwelt sie berichten, selbst angehören.
- 80 giebt. D. J. Ar6valo yBoca ein interessantes Verzeichniss der Vögel
- der Sierra de la Juma in der Provinz Malaga (16), dem eine grosse
- Menge biologischer Beobachtungen beigefügt sind. Ich finde ferner
- in den Annalen der spanischen Gesellschaft für Naturwissenschaft
für das Jahr 1875 von einem ungenannten Verfasser einen Nach-
trag zu einer früher veröffentlichten Arbeit über die Vögel der
' Balearen (17), Es ist das Alles vorläufig nur wenig, aber ich freue
- mich, dieses Wenige in einem Lande constatiren zu können, welches
bisher in dieser Richtung sich fast vollkommen indifferent verhalten
hat. Hoffen wir, dass diesem Wenigen bald mehr folgen werde,
und dass diejenigen, welche sich augenblicklich auf der iberischen
Halbinsel mit dem Studium der Ornithologie befassen, es auch
verstehen, weitere Kreise für ihre Wissenschaft zu interessiren.
! Ueber Italien ist in den letztverflossenen Jahren nicht viel
- Bedeutendes veröffentlicht worden. Lord Lilford unternahm im
Jahre 1873 auf der „Zara“ eine ornithologische Excursion nach
- dem mittelländischen Meere. Er besuchte dabei das westliche Küsten-
- gebiet Italiens und die Insel Sieilien, und berichtete über diesen
- Ausflug in einem Aufsatz im Ibis für 1875 (18), der manche
- interessante Nachricht über die Vögel des Gebietes enthält. Ich
\ möchte Ihre Aufmerksamkeit auch auf die Arbeit lenken, die
Bygtave Wharton über die Ornithologie Corsicas im Ibis (1876)
veröffentlicht hat (19). Es sind darin die Beobachtungen nieder-
gelegt, die genannter Forscher während eines achtmonatlichen
Aufenthalts an der Westküste jener Insel, die für ornithologische
- Forschungen ungünstiger als die Ostküste zu sein scheint , ge-
sammelt hat.
4 Den Mittheilungen, die wir bis zum Jahre 1875 über die Türkei
und Griechenland besassen ‚ vermag ich nichts hinzuzufügen. Es
‚ist inzwischen über jene Länder nichts erschienen. Die verwirrten
‚politischen Verhältnisse tragen sicherlich einen grossen Theil der
"Schuld. Hoffentlich wird sich dies ändern. Die genannten Länder
‘sind von Deutschland aus bequem zu erreichen, und ein Aufenthalt
daselbst würde sicherlich ein lohnender sein; denn es giebt sowohl
in der Türkei wie auch in Griechenland, besonders auf einigen
"Inseln des letztgenannten Staates, immerhin noch Manches zu be-
so bachten und zu erforschen.
Auch über Süd-Russland und den Kaukasus ist in den letzt-
m 2 As Zn 2 0 2 Zul el Zn Zn =
ix
Ra
BR
138 Herman Schalow:
verflossenen drei Jahren nichts Umfassenderes geschrieben worden.
Und doch bietet dieses Gebiet soviel des Interessanten. Ein an
den Secretair unserer Gesellschaft gerichteter Brief (J. f. O. 1876.
218) des Herrn Dr. Gustav Radde in Tiflis, den wir heute in unserer
Mitte zu sehen die Ehre haben, giebt uns Andeutungen von dem Reich-
thum der Winterstationen der Zugvögel an der Massenderan’schen
Küste, giebt uns Mittheilungen über das interessante Birkhuhn,
Tetrao Mlokosiewiezi Tacz, sowie über andere Arten, Mittheilungen,
die unsere Neugier erwecken müssen, mehr und Genaueres über jene
Gebiete zu erfahren. Hoffentlich wird Herr Dr. Radde noch ein
Mal die Musse finden, die reichen ornithologischen Beobachtungen,
die er auf seinen Wanderungen im Kaukasus gesammelt, zu sichten,
zusammenzustellen und der Oeftentlichkeit zu übergeben. Des Dankes
von unserer Seite kann er sich versichert halten.
Wenn ich Ihnen nun eine Uebersicht der Arbeiten geben soll,
welche im Gebiete der Ornithologie in Deutschland und Central-
europa erschienen sind, so bin ich einigermassen in Verlegenheit,
wo ich beginnen, wo ich aufhören soll. Wie früher, so ist auch
in den letzten Jahren viel in Deutschland für die ornithologische
Wissenschaft gethan worden, und eine grosse Menge der erschienenen
Publicationen, theils selbstständige, theils in Journalen befindliche,
beziehen sich auf deutsche Gebiete. Grössere, umfangreiche Werke
sind nicht erschienen. Von interessanteren Localfaunen nenne ich
nur die folgenden: von Tschusi-Schmidhoften über die Vögel Salz-
burgs (20), Freiherr von Dalberg über die Ornis Mährens 21),
J. von Trentinaglia- Talvenburg über die Vögel der Rosana und.
Trisanna in West-Tyrol (22), Danford und Harvie Brown über die
Vögel Siebenbürgens (23) — eine ausführliche und 3
h
Arbeit —, J. Rohweder über Schleswig-Holstein (24), L. Olph
Galliard, Excursions ornithologiques en Suisse (25) sowie schliesslich
die treffliche Arbeit unseres hochverehrten Präsidenten über Deutsch-
lands Säugethiere und Vögel, deren Nutzen und Schaden (26).
Hier darf ich wohl auch des Ausschusses für Beobachtungsstationen
der Vögel Deutschlands Erwähnung thun, dessen erster Bericht:
für das Jahr 1876 bereits erschienen, (27) und dessen zweiter für
das folgende Jahr in kürzester Zeit veröffentlicht werden wird.
Ueber die Zwecke dieser Commission innerhalb unserer Gesellschaft, j
die, wie Sie wissen, im Mai 1875 auf der Versammlung in Braun-
schweig eingesetzt mare ‚ brauche ich Ihnen wohl nichts Näheres.
mitzutheilen, um so weniger, als Sie morgen aus dem Munde des
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Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 139
Referenten eingehende Notizen darüber vernehmen werden. Dass
ein derartiger Versuch nicht gleich von grossem Erfolge begleitet
sein kann, ist klar. Es bedarf solch Unternehmen einer Zeit der
Entwicklung. Wenn diese erst durchgemacht sein wird, werden
hoffentlich auch Ihre Wünsche, die Sie an die Commission stellen,
in Erfüllung gehen. Noch zwei grössere illustrirte Werke will ich
hier nennen: Riesenthal’s Raubvögel Deutschlands und des an-
grenzenden Mitteleuropa, jetzt abgeschlossen vorliegend (28), und
Stölker’s Alpenvögel der Schweiz (29), deren Herausgabe durch den
so beklagenswerthen Tod des bekannten und thätigen schweizer
Ornithologen wohl für immer unterbrochen ist.*)
Ich komme nun zu dem Bericht über die Arbeiten, die über
die Avifauna Scandinaviens und Nordeuropas in den letzten drei
- Jahren erschienen sind. Fleissig ist in diesem Gebiete gearbeitet
- worden, und viel geschehen, um die Lücken, die aus früherer Zeit
- noch bestanden, auszufüllen. Nur einige der Arbeiten kann ich
- hier nennen. R. Collett setzte seine Untersuchungen über die Vogel-
_ welt Norwegens fort und publicirte eine Reihe von Aufsätzen in
- verschiedenen Journalen (38—39). Malm, der bekannte Director
des Gothenburger zoologischen Museums, hat eine Fauna der
- Wirbelthiere des Festlandes, der Inseln und Meere West-Schwedens
- veröffentlicht (40), welche als eine der sorgfältigsten und kritisch
- bearbeitetsten Localfaunen bezeichnet werden muss. Mit Flinte,
- Mikroskop und Zeichenbuch ausgerüstet, durchforschte Malm seit
1852 Jahr für Jahr die höhere und niedere Thierwelt der Districte
h E Götehoreslän und Bohuslän. Die ausgezeichneten Ergebnisse seiner
- Forschungen sind in der obengenannten Arbeit niedergelegt. Sie
sei allen Denen, die sich mit den Thieren West-Schwedens be-
$ schäftigen, angelegentlichst empfohlen. Dr. Palmen, bekannt durch
- sein Werk über die Zugstrassen der Vögel, welches so vielfach
besprochen worden ist, hat einen kleinen Aufsatz über die geo-
graphische Verbreitung der Hühner, Sumpf- und Schwimmvögel
\ im faunistischen Gebiete Finnlands (41) geschrieben. Von dem
grossen Handatlas Dr. Radakoff’s über die geographische Aus-
breitung der im europäischen Russland nistenden Vögel sind bis
jetzt — soweit ich unterrichtet bin — acht Theile erschienen. Es
N ist zu wünschen, dass dieses grossartig angelegte Werk, welches
in graphischer Herstellung die genaue Verbreitung eines jeden in
*) Man vergleiche ferner im Anhang die Nummern 30—37,
140 Herman Schalow:
Russland vorkommenden Brutvogels enthalten soll, vollendet werden
wird (42). John A. Harvie Brown, der durch seine in Gemeinschaft
mit E. R. Alston ausgeführte Reise nach Archangel sowie durch
die darüber veröffentlichten Berichte sich vortheilhaft bekannt ge-
macht hat, besuchte im Jahre 1875, in Gesellschaft von Henry
Seebohm, das untere Petschorathal. Ueber diese Reise haben die
beiden Genannten in einer grossen Reihe von Aufsätzen im Ibis
(1876), in den Annals and Magazine of natural history, in den
Proceedings of the Zoologieal Society sowie in Rowley’s Ornitho-
logical Miscellany wiederholt berichtet (43—46). Was den höchsten
Norden unseres Erdtheils anbetrifft, so finden wir in dem von
Julius Payer herausgegebenen Werke über die österreichisch-
ungarische Nordpolexpedition in den Jahren 1872—74 eine kurze
Aufzählung der zwischen Nowaja Semla und Franz Josephsland
angetroffenen Vögel (47). H. W. Feilden schliesslich giebt eine
Liste der Arten, vierundzwanzig an der Zahl, die im Smith-Sunde
und im Polarmeere während der englischen Nordpolexpedition in
den Jahren 1875 und 1876 beobachtet worden sind (48).
Verlassen wir nun die europäische Subregion und wenden uns
der sibirischen zu.
Drei Werke sind es hauptsächlich, die bis auf den heutigen |
‚ Tag als massgebend für die Ornithologie Sibiriens galten: die Ar-
beiten Middendorff’s, von Schrenck’s und Gustav Radde’s. Und
das mit vollem Recht. Enthalten sie doch eine solche Fülle von
Material, zeugen sie doch oft von einer Schärfe der Beobachtung,
dass sie wohl selten werden vergebens um Rath gefragt werden. Den
genannten drei Forschern hat sich nun ein Vierter beigesellt, dessen
Namen stets genannt werden wird, wenn es sich darum handelt,
einen Fortschritt in unserer Kenntniss der Avifauna Sibiriens, be-
züglich Ostsibiriens, zu bezeichnen; ein Reisender, der, wie kaum,
ein Anderer vor ihm, durch seine rastlose und unermüdliche
Thätigkeit unendlich viel zur Erforschung des östlichen Theiles der
sibirischen Subregion beigetragen hat. Ich meine Dr. Dybowski.
Seit 1864 als Verbannter in Sibirien weilend, hat er die unfreiwillige
Musse trefflich auszunutzen verstanden, um reiche ornithologische
Sammlungen zusammen zu bringen und Beobachtungen über die
Vogelwelt der von ihm besuchten Gebiete anzustellen. Seine Samm-
lungen wurden von L. Taczanowski, dem verdienten Custos des
Warschauer zoologischen Museums, bearbeitet, und die darüber
handelnden Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht
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Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 141
(49—50). Einen zusammenfassenden Bericht über Dybowski’s
- Forschungen gab Taczanowski in der „Revue critique de la faune
ornithologique de la Siberie orientale“ (51), eine Arbeit, die uns den
augenblicklichen Stand unserer Kenntniss der Avifauna Ostsibiriens
erkennen lässt. Während Dybowski den Osten sammelnd und be-
obachtend durchforschte, wurde auch im Westen Sibiriens zoologisch
gearbeitet. Eine schwedische Expedition besuchte im Jahre 1876
_ das Gebiet des Jenissei. Einzelne Angaben über die dabei be-
- obachteten Vögel finden sich in dem Rapport über die Reise, der
von H. Theel an Prof. Nordenskiöld erstattet wurde (52). Genauere
_ ormithologische Mittheilungen sind noch zu erwarten. Auch über
- die Bremer Expedition nach Westsibirien, an der die Herren Dr.
- Finsch, Dr. Brehm und Graf Waldburg-Zeil-Trauchburg Theil nahmen,
_ und die bis in die nördlichen Theile Turkestans und Chinas aus-
gsedehnt wurde, ist ausser einzelnen Briefen des erstgenannten
Zoologen, die im Ibis (53) veröffentlicht wurden, sowie ausser dem
Katalog der heimgebrachten ethnographischen und naturwissen-
schaftlichen Sammlungen (54), der eine kurze Aufzählung der
charakteristischsten Vögel enthält, leider noch nichts veröffentlicht
worden. Dagegen fing Henry Seebohm, dessen Reisen an der
unteren Petschora ich bereits Erwähnung gethan, und der im
Jahre 1877 den Jenissei besuchte, bereits an, im Ibis für 1878 die
ornithologischen Ergebnisse der letzten Reise in umfangreichster
Weise zu bearbeiten (55).
. Ueber die Avifauna der manschurischen Sin. ist nicht
viel zu sagen. Von den beiden Männern, deren Namen mit der
-_zoologischen Erforschung dieses Gebietes für immer untrennbar
verknüpft sind, ist der eine, Robert Swinhoe, leider zu früh für die
Wissenschaft, gestorben und der andere, Pere Arnaud David, weilt
‚augenblicklich in Paris und wird schwerlich auf den Schauplatz
"seiner früheren verdienstlichen Thätigkeit je wieder zurückkehren.
- Es scheint daher, als ob den Forschungen auf diesem Gebiete für
‘den Augenblick ein Ende bereitet wäre. Erwähnen will ich hier
roch der letzten Arbeiten Swinhoe’s über die Vögel von Tschi-fu
im Norden Chinas, die im Ibis (56) veröffentlicht worden sind und
‚ interessante Mittheilungen über ein Gebiet enthalten, welches man
- bis vor nicht allzu langer Zeit als eine ziemliche terra incognita zu
betrachten pfleste.
° Rob. Swinhoe’s Namen begegnen wir auch in der japanischen
E Be Rbregion. Der Genannte erhielt eine Anzahl von Sammlungen,
“
Fre — ee
2 es
142 Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart:
die von Th. Blakiston in Hacodade und Umgebung zusammenge-
bracht worden sind, und berichtete über dieselben in mehreren
Aufsätzen im Ibis der Jahre 1875 und 1876 (57--58). Vor wenigen
Tagen hat Blakiston selbst in Verbindung mit einem Herrn Pryer
einen Katalog der Vögel Japans veröffentlicht (59), der sich auf
eigene Collectionen sowie auf die Sammlungen einheimischer ja-
panischer Institute stützt. 313 Arten werden in demselben auf.
geführt. Die Arbeit ist durchaus ‚nicht zuverlässig und kritisch.
Eine Anzahl Arten, deren Vorkommen in Japan längst nachge-
wiesen worden ist, werden gar nicht aufgeführt; die Temminck’schen
Namen aus der Fauna japonica finden überall ihre Stelle, während
es doch allgemein bekannt ist, dass viele der in dem genannten
Werke aufgeführten neuen Arten zu älteren, längst vorher be-
schriebenen Formen gehören, u. dergl. mehr. Das Erscheinen
dieses Kataloges lässt noch immer den Wunsch offen, eine sichere
und kritische Bearbeitung der Vogelwelt jenes Inselreiches zu
besitzen.
Gehen wir zur tatarischen Subregion über. Hier ist es meine
Pflicht, zuerst eines Mannes zu gedenken, der mit rastlosem Eifer
und kühnem Muthe seit Jahren bemüht ist, das Dunkel, welches
noch immer über das centrale Asien gelagert ist, aufzuhellen, eines
Reisenden zu gedenken, dessen geographische Forschungen überall
den ungetheiltesten Beifall gefunden haben und allüberall anerkannt
worden sind. Und neben der Geographie hat jener Reisende, der
russische Oberst Przewalski, durch seine Entdeckungen nichts mehr
gefördert, als die ornithologische Wissenschaft. Ich werde später
Gelegenheit haben, auf die Arbeiten desselben noch weiter zurück-
zukommen; hier will ich nur jener neuesten Publication über
Przewalski’s Reise von Kuldscha über den Thian-Schan an den
Lob-noor, aus den Jahren 1876—1877, Erwähnung thun (60).
Dieselbe enthält nur eine kleine Uebersicht der Vögel, die am
Tarim überwinternd gefunden wurden, doch ist zu hoffen, dass
wir über die ganze ornithologische Ausbeute dieser Reise noch
eine eingehende Arbeit erhalten werden. Dr. Sewerzoff, bekannt
durch seine Arbeiten über die Thierwelt dieser Region, hat in ver-
schiedenen Zeitschriften Aufsätze publieirt, die meistens Nachträge
und Berichtigungen zu seiner grossen Arbeit, der „Turkestanskie
Jevotnie“, die Sie ja Alle kennen, bilden (61-63). Einiges über
dieses Gebiet ist auch von Modest Bogdanow (64) sowie von
Herman Schalow. 143
J. Seully (65), dem wir besonders Nachrichten über die Lebens-
weise vieler Arten verdanken, geschrieben worden.
Selater bedauert unendlich, dass unsere Kenntniss der persischen
Subregion bis in die neueste Zeit hinein eine so beschränkte und
unvollkommene ist. Ich kann dieses Bedauern auch heute nur
wiederholen. Mit Ausnahme Persiens selbst, auf welches ich gleich
zurückkommen werde, ist in den letztverflossenen Jahren zur Er-
forschung dieses Gebietes wenig oder nichts geschehen. Die grosse
Arbeit Tristram’s über die Flora und Fauna Palästinas ist immer
noch nicht erschienen; unsere Unkenntniss der Avifauna Syriens,
Armeniens sowie des Taurus bleibt leider immer noch dieselbe.
Nur einige kleine, hierher gehörende Aufsätze sind erschienen.
Krüper hat seine bereits vor Jahren begonnene Uebersicht über die
Vögel der Umgegend Smyrnas, die namentlich viele biologische
Mittheilungen enthält, beendigt (66). G. Danford hat im Ibis (1877)
über die Sammlungen berichtet, die er im Winter 1875/56 in dem
cllieischen Gebirge zusammengebracht hat (67). Eine kleine inter-
essante Arbeit, die leider nur 138 Arten behandelt. Was nun
Persien anbetrifft, so sind wir durch die neueste Publication
W.T.Blanford’s, wenigstens über einzelne Theile des Landes, ganz
vorzüglich unterrichtet. Der zweite Band des Werkes: „Eastern
Persia“ (1876) giebt die Zoologie und Geologie aus der Feder des
bekannten englischen Forschers (68). Die Arbeit bespricht die
Sammlungen, welche von dem Major St. John 1869—1871 in Persien
gesammelt und an das indische Museum gesandt worden sind, und
ferner die von Blanford und dem Vorgenannten im Jahre 1872
auf der Reise von Gwädar in Beludschistan nach Schiräz, Isfahän
und Teherän gesammelten Arten. Wir erhalten hier zum ersten
Male Nachrichten über die Vogelwelt Beludschistans und Südpersiens,
Gebiete, über welche bisher absolut nichts bekannt war, während
Nordpersien, besonders das Gebiet des Elburs, ja bekanntlich
wiederholt besucht worden ist. Blanford hat seinen eignen Samm-
lungen auch die Notizen aller übrigen Forscher, die über die
Thierwelt Persiens geschrieben haben, beigefügt, so dass sein Werk
als ein Handbuch der Fauna Persiens nach dem augenblicklichen
Stande unserer Kenntniss bezeichnet werden darf. 384 Arten
werden aufgeführt. Und doch ist dies nur eine unvollkommene
Liste. Ungeheure Theile des Landes hat nie der Fuss eines Zoo-
logen betreten. So ist das Gebiet vom Tigris bis zum Fuss der
Zagros-Berge, sowie die Fauna dieser Berge selbst, absolut unbe-
0
144 Herman Schalow:
kannt, so ist uns Nordostpersien eine vollständige terra incognita.
Späteren Forschern bleibt in Persien immer noch viel zu thun
übrig.
Verlassen wir nun die paläarktische Region und wenden uns
der äthiopischen zu.
West- und Südwestafrika sind Gebiete, auf denen bereits früher
thätig gearbeitet worden ist, und deren Kenntniss in den letzt-
verflossenen Jahren wesentlich gefördert wurde. Dr. Reichenow
hat uns in einer grösseren Arbeit die Ergebnisse seiner Reise, die
ihn in den Jahren 1872 und 1873 nach der Goldküste und in das
Gebiet des Kamerun und Wuri führte, in eingehendster Weise mit-
getheilt (69). Demselben Forscher danken wir eine umfassende
Bearbeitung der ornithologischen Sammlungen, welche von der
deutschen Expedition zur Erforschung Aequatorial-Afrikas während
eines dreijährigen Aufenthaltes zu Chinchoncho an der Loangoküste,
hauptsächlich von Herrn Dr. Falkenstein, zusammengebracht worden
sind und unserer Wissenschaft 16 neue Arten zugeführt haben (70).
Ich muss hier ferner des grossen Werkes des Herrn Prof. J. V.
Barboza du Bocage: Ornithologie d’Angola (71), dessen erster Theil
erschienen ist, gedenken. Der gelehrte portugiesische Verfasser
hat bereits seit Jahren in einzelnen Listen über die Sammlungen
berichtet, die von verschiedenen Sammlern — ich nenne hier nur
Branco, Monteiro und vor allen den unermüdlichen Anchieta —
in den portugiesischen Besitzungen an der Westküste Afrikas zu-
sammengebracht worden sind. All’ diese Arbeiten sind nun von
Barboza zu einem grossen Werke vereinigt worden, welches uns
ein vollständiges Bild der Vogelkunde Angolas giebt, wie solche
sich nach unserem augenblicklichen Wissen darstellt. Hoffen wir,
dass die folgenden Bände nicht allzu lange auf sich warten lassen
werden.
Auch französische Reisende sind in Westafrika thätig gewesen.
A. Marche und der Marquis de Compiegne besuchten in den Jahren
1872—1874 den Senegal, Sierra Leone, Lagos, Gabun u. S. W.
Die Ergebnisse ihrer Reise bearbeitete:A. Bouvier (72). Louis
Petit sammelte in der Zeit vom Januar bis September 1876 in
Landana und Chinchoncho, Dr. A. Lucan in derselben Zeit in der
Region des Congo. Ihre Sammlungen fanden in Bouvier und Sharpe
ihre Bearbeiter (73—74). Dr. Dohrn hat wiederholt Sammler nach
Liberia gesendet, um für das pommersche Museum in Stettin zu
sammeln. Es sind auch reiche Sammlungen von denselben heim-
Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 145
gesandt worden, die hoffentlich: bald zur Publication gelangen
werden.
Von Südafrika ist nicht viel zu berichten. Von der Sharpe’schen
Ausgabe der Layard’schen Vögel Südafrikas sind mehrere Lieferungen
erschienen (75). Ferner hat Shelley einen dreimonatlichen Aufenthalt
an der Küste dazu benutzt, um ornithologisch zu sammeln (76).
Ueber den District von Lydenburg in der Republik Transvaal haben
F. A. Barratt (77) sowie Thomas Ayres (78—80) wiederholt be-
richtet. Alle diese Arbeiten finden sich in den Jahrgängen 1876,
1877 und 1878 des Ibis.
In Südostafrika weilt augenblicklich ein deutscher Forscher,
Dr. G. A. Fischer, der lange hier in unserer Mitte gelebt, und der
den Meisten von Ihnen persönlich bekannt sein wird. Er hatte sich bis
jetzt in Sansibar aufgehalten und von dort aus kleine Excursionen an
die gegenüber liegende Küste des Continentes unternommen. Die
reichen, bis jetzt eingegangenen Sammlungen zeugen von der grossen
Rührigkeit des Reisenden, und es ist zu hoffen, dass wir durch
ihn bedeutende Aufschlüsse über die Avifauna eines Gebietes er-
halten werden, in dem sehon viel gearbeitet, in dem aber sicherlich
auch noch Vieles zu erforschen ist, Nach den neuesten Nachrichten
bereitet sich Dr. Fischer vor, einen grösseren Vorstoss in das
Innere zu unternehmen. Bis jetzt hat er nur einige Reisebriefe,
die interessante biologische Notizen enthalten (81), in die Heimath
gesandt, doch wird in kürzester Zeit eine Publication über seine
Sammlungen, bearbeitet von Herrn Dr. Reichenow, im Journal für
Ornithologie erscheinen. Ich lenke ferner Ihre Aufmerksamkeit
auf eine Abhandlung des Herrn Prof. Cabanis, die in den nächsten
Tagen erscheinen wird, über die Sammlungen, die von den Herren J.M.
Hildebrandt und v. Kalkreuth in Sansibar und Mombassa zusammen-
gebracht wurden. Ueber eine kleine Collection von Vögeln von
Darra Salam, an der Küste, Sansibar gegenüber gelegen, berichtet
Nicholson in den Proceedings of the Zoological Society of London
vom August dieses Jahres (82).
In Nordostafrika ist wenig gearbeitet worden. Wir besitzen
das nachgelassene Werk des leider zu früh für die Wissenschaft
dahingeschiedenen Th. von Heuglin: Reise in Nordost -Afrika,
Schilderungen aus dem Gebiete der Beni-Amer und Habab, dessen
zweiter Band die zoologischen Ergebnisse der Reise wiedergiebt,
und in dem wir Beobachtungen über 416 Vogelarten verzeichnet
finden (83). Die italienischen Reisenden Antinori und Beceari haben
Cab, Journ. f, Ornith, XXVII, Jahrg, No. 146, April 1879. 10
146 Herman Schalow:
das rothe Meer und das Gebiet der Bogos erforscht. Salvadori
und Antinori haben in einem stattlichen Bande einen Katalog der
aufgefundenen Vögel herausgegeben (84). Schliesslich will ich
nicht unerwähnt lassen, dass Cavendish Taylor einige Notizen über
die Vögel Aegyptens (#5) hat erscheinen lassen.
Dass Arabien für uns immer noch eine terra incognita ist,
wissen Sie. Es ist absolut nichts über die Thierwelt dieses Landes
erschienen, und wir stehen immer noch auf dem Standpunkt der
Hemprich und Ehrenberg’schen „Symbolae physicae“ aus dem
Jahre 1828.
Reiche Aufschlüsse dagegen sind uns über die Lemurische
Subregion geworden. Dr. Hartlaub hat seinen kleinen, im Jahre
1861 veröffentlichten „Ornithologischen Beitrag zur Fauna Mada-
gascars“ bedeutend erweitert und als stattlichen Band im ver-
gangenen Jahre erscheinen lassen (86). Es ist das eine im höchsten
Grade wichtige und kritische Arbeit des berühmten Ornithologen,
auf welche nicht genug hingewiesen werden kann. Noch eingehendere
Nachrichten werden wir durch die grosse Arbeit über die Natur-
geschichte Madagascars erhalten, welche von Alphons Milne-Edwards
und Alfred Grandidier herausgegeben wird (87). Dieselbe wird
ein grossartiges Werk werden und nicht weniger als 23 starke
Quartbände umfassen. Die Abtheilungen, die die Vögel enthalten,
werden im Augenblick ausgegeben. Eine kleine Arbeit Rob. Collett’s
behandelt ein paar Vogelsammlungen, welche von dem Capitain
Lantz und dem Missionär Borchgrevink in der Madagascarregion
zusammengebracht und dem Christiania-Museum übersandt worden
sind (88).
Wir kommen nun zur indischen Region und wollen zunächst
die Arbeiten, die über die Avifauna Britisch-Indiens handeln, hier
besprechen.
Es giebt kaum ein anderes Gebiet, in dem so viel gearbeitet
worden ist, als in diesem; es giebt kaum eine andere Region, die
sich einer solchen Theilnahme zu erfreuen hätte. Es ist absolut
unmöglich, die einzelnen Arbeiten an dieser Stelle zu nennen oder
aus deren Zahl einige, die besonders wichtig sind, herauszugreifen.
In Ost und West, Süd und Nord, auf dem Festlande wie auf Ceylon
und den Lakkediven sind unermüdliche Forscher thätig gewesen
und noch thätig, um die Avifauna jener Gebiete aufzuklären. Aus
der grossen Reihe will ich nur Einige nennen: R. M. Adam, V. Ball,
W. E. Brooks, Godwin Austen, V. Legge, S. B. Fairbank, E. A.
=
Fortschritte der Örnith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart, 147
Butler und — last but not least — Allan Hume, der selbst rastlos
arbeitet und die Arbeiten der vorgenannten Forscher für sein, der
indischen Vogelkunde gewidmetes Blatt „Stray feathers“ zu erhalten
weiss.*) Des grossen Prachtwerkes von Gould „The birds of Asia‘
will ich hier noch besonders gedenken. Es schreitet der Vollendung
näher und wird sich würdig den anderen grossen Arbeiten anreihen,
die Gould’s Namen so vortheilhaft überall bekannt gemacht haben (117).
Wenn ich Central- und Süd-Chinas gedenke, so freue ich mich
aussprechen zu können, dass in den letztverflossenen Jahren so
unendlich viel für unsere Kenntniss der Vogelwelt dieses Gebietes
gethan ist. Ich erinnere Sie an die beiden stattlichen Bände, die
von dem Pre Armand David in Gemeinschaft mit Herrn E. Oustalet
vom Jardin des plantes in Paris im vergangenen Jahre über die
Vögel Chinas herausgegeben worden sind (118). Dieses Werk
umfasst die grossartigen Entdeckungen, welche von David im cen-
tralen China, während seines Aufenthalts daselbst vom Jahre
1862—1874, gemacht worden sind und die reichen Beobachtungen
ergänzen, die wir Rob. Swinhoe über die Vogelwelt der östlichen
Küstenstriche, des himmlischen Reiches sowie der Inseln Hainan
und Formosa danken. Nicht weniger als 807 Arten werden für
China genannt, davon sind 249 Arten dem Lande eigenthümlich,
sicherlich eine nicht unbedeutende Anzahl. Die „Oiseaux de la
Chine“ werden gewiss für eine lange Zeit unser einziger Rathgeber
über die Avifauna dieser Region bleiben. Hoffen wir, dass auch
der Südwesten des chinesischen Reiches, der unzweifelhaft viel
des Interessanten in seinem Innern birgt, bald einen so tüchtigen
Forscher aufzuweisen hat, wie sie die andern Theile des Landes
in Swinhoe und David gefunden haben. Als ergänzend zu dem
eben besprochenen Werke muss ich hier der Forschungen Przewalski’s
über die Vogelwelt der Mongolei, des Tangut-Gebietes sowie der
Einöden des nördlichen Tibet gedenken. Ursprünglich in russischer
Sprache geschrieben, ist durch Herrn E. Carl Craemers eine
englische Uebersetzung in Rowley’s Ornithological Miscellany mit-
getheilt worden, die uns die Benutzung dieser interessanten Arbeit
ermöglicht (119). Sie bildet einen nicht unwichtigen Beitrag zur
Kenntniss der Vogelwelt jener Gebiete, wenn es vielleicht auch zu
wünschen gewesen wäre, dass einzelne Angaben weniger aphoristisch
seien und bei der Nomenelatur eine grössere Kritik angewandt
wäre, Ehe ich diese Region verlasse, möchte ich noch auf die
*) Ich verweise auf die Nummern 89—116. des Anhangs.
10*
148 Herman Schalow:
Reisen hinweisen, die Dr. Steere auf Formosa ausgeführt hat.
Derselbe besuchte Theile der Insel, die Swinhoe nicht erforscht
hatte. Umfassende Berichte sind bis jetzt noch nicht erschienen,
doch ist zu hoffen, dass wir dieselben erhalten werden. Einige
neuere von Steere gesammelte Arten sind bereits beschrieben worden,
darunter eine Ziocichla, welche, wie Lord Tweeddale sagt, uns
einen augenscheinlichen Beweis von der naben Verbindung giebt,
die früher zwischen Formosa und der Himalayakette bestanden
haben muss (120).
Ueber Burmah ist ziemlich viel Neues erschienen. Ich nenne
hier zuerst den Katalog der Säugethiere und Vögel Burmahs; nach
dem Tode E. Blyth’s herausgegeben von Anderson und Walden (121).
Diese umfassende Arbeit giebt uns einen Begriff von der ungeheuer
reichen Fauna des Landes. Nicht weniger als 660 Arten sind bis
jetzt nachgewiesen worden; die Fauna ist zum mindesten ebenso
reich, wenn nicht reicher, als die Südamerikas. Von den Forschern,
die auf diesem Gebiete thätig gewesen sind, nenne ich hier Davison,
Oates, Major Lloyd, Capt. Feilden und vor allen Lieutenant Wardley
Ramsay. Die Sammlungen des letzteren wurden theils von ihm
selbst, theils von Lord Walden bearbeitet. Der letztere hat es
sich angelegen sein lassen auf gewisse geographische Beziehungen
hinzuweisen und die Verwandtschaft der burmahnischen Ornis mit
der indischen, der insularen und der von Malacca zu erörtern. Es
würde mich zu weit führen, auf diese Punkte hier näher einzu-
gehen, so will ich denn nur beiläufig erwähnen, dass in Burmah
12 Gattungen gesammelt wurden, die auf Java heimisch sind, auf
der Halbinsel Malacca und auf Sumatra aber nicht gefunden werden;
dasselbe gilt von 14 javanischen Arten; ferner sind in Burmah
Arten entdeckt worden, die man bisher nur aus China und Siam
kannte, und dergl, mehr. Es sind das Hinweise auf höchst inter-
essante Fragen, zu deren Beantwortung nicht genug Material ge-
sammelt werden kann (122—131).
Ueber die Avifauna der Halbinsel Malacca berichtet eine Arbeit
Bouvier’s im Bulletin de la Societe zoologique des vergangenen
Jahres (132). Der genannte französische Forscher bearbeitete eine
Sammlung von Vögeln aus der Umgegend von Kessang.
Unsere Kenntniss der Omithologie der ostindischen Inseln
wie der des philippinischen Archipels hat in den letzten drei Jahren
eine wesentliche Erweiterung erfahren. Wir danken dieselbe ita-
lienischen, «englischen und deutschen Forschern. Graf Salvadori
en Sn 52.
Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 149
hat die reichen Sammlungen bearbeitet, welche von Dr. Beccari und
Bruijn im Innern von Celebes zusammengebracht und dem Museo
€ivico in Genua übersandt worden sind (133). Derselbe schrieb
ferner über die Vögel, welche das englische Schiff „Challenger“
ausgesandt zu wissenschaftlichen Forschungen, besonders Tiefsee-
forschungen, auf Amboina und Ternate gesammelt hatte (134). Von
englischen Ornithologen muss ich hier Lord Walden und Bowdler
Sharpe nennen. Dem ersteren danken wir die Bearbeitung der
Sammlungen, welche E. C. Buxton in dem Distriet von Lampong
auf Sumatra zusammengebracht hat, in einem Gebiet, auf welchem
vor mehr denn 50 Jahren Sir Stamford Raffles thätig gewesen ist,
und über welches seit jener Zeit absolut nichts Nennenswerthes
erschienen ist (135). Ferner bearbeitete derselbe die Vögel der
Philippinen mit bekannter Gründlichkeit (136). An Sharpe gelangten
mehrere ornithologeische Collectionen aus Borneo, über welche er
im Ibis für 1876 und 1877 berichtet (137—138a). Diese Samm-
lungen wurden von Arthur Everett, dem Entdecker der schönen
Pitta arcuata Gould (Ann. N. H. 4. VII. 340), in der Umgegend
von Sarawak angelegt. Sharpe hat auch einen Aufsatz über die
von Dr. Steere, dem Formosareisenden, auf den Philippinen ge-
sammelten Vögel in den Transactions of the Linnean Society 1876
veröffentlicht (139). Von deutscher Seite hat Dr. Fr. Brüggemann
über die Avifauna von Südost-Borneo auf Grund mehrerer Samm-
lungen geschrieben, die von Herrn Dr. G. Fischer an das Darm-
städter Museum gelangt sind; Sammlungen, unter denen sich auch
der eigenartige Polyplectron Schleiermacheri befand (140—141)
Ferner berichtet derselbe, wie auch Dr. Lenz in Lübeck, über die
Vögel von Celebes, Amboina, Ceram und Bouru (142—145).
Dieses sind die Hauptangaben über die indische Region. Wir
wollen nun versuchen, die über die nearktische zusammen zu
stellen.
In Nordamerika ist man auf dem Gebiete der Ornithologie
ganz ausserordentlich thätig. Eine eigene Zeitschrift, The Bulletin
of the Nuttal ornithological Club, die bereits in ihren dritten Jahr-
gang eingetreten, ist bestrebt, die Kenntniss der Ornithologie,
speciell Nordamerikas zu fördern und alle auf dieses Gebiet be-
züglichen Beobachtungen zu registriren. Eine Unsumme von Ar-
beiten über die verschiedensten Theile der Vereinigten Staaten ist
erschienen, so dass man bei der Auswahl unschlüssig ist, welche
von ihnen besondern Anspruch erheben dürfen, um vor andern
s
150 Herman Schalow:
genannt zu werden. Elliot Coues hat ein trefiliches Handbuch über
die Vögel des vom Missouri durchflossenen Gebietes publicirt (146),
das Werk eines Mannes, der, wie Osbert Salvin sagt, ebenso be-
fähigt ist die Feder wie die Flinte und das Messer des Anatomen
zu führen. Ich nenne hier ferner aus der reichen Auswahl die Ar-
beiten J. A. Allen’s über die Vögel eines Theiles von Dakota und
dem Montana-Gebiet (147), die Beiträge Nilson’s zur Ornithologie
von Utah, Newada und Californien (148), Ridgway’s über Illinois
(149), Brewer über New England (150), Snow über Kansas (151),
M’Cauley über Texas (152), Bendire über Oregon (153), Vennor
über Canada (154) u. s. w. Einen der interessantesten, hierher
gehörenden Artikel danken wir R. Ridgway über die Vögel von
Guadalupe, der im Bulletin of the Nuttal ornithologieal Club ver-
öffenlicht wurde. Ridgway theilt die bemerkenswerthe Thatsache mit,
dass alle auf Guadalupe vorkommenden Formen generisch dieselben
seien, wie auf dem gegenüberliegenden Festlande, specifisch aber von
jenen durchaus verschieden (154a). Sie werden aus diesen wenigen
Angaben ersehen, wie fleissig man jenseits des Oceans arbeitet und
die ornithologische Wissenschaft zu fördern bestrebt ist. Ein Haupt-
dank der Wissenschaft richtet sich, ausser an ihre Jünger, au die
Regierung der Vereinigten Staaten, die in grösster Liberalität
und in weitgehendster Weise die wissenschaftlichen Forschungen
unterstützt und die Mittel zu einer anständigen Bearbeitung der
gewonnenen Ergebnisse stets zur Verfügung stellt. Möge dieses
‘Beispiel auch in anderen Ländern eine Nachahmung finden.*)
Was Grönland anbetrifft, so ist der älteren Arbeit von Prof.
Alfred Newton über die Avifauna dieses Gebietes nur ein Aufsatz
von Otto Finsch hinzuzufügen, der eine kleine Sammlung H. Starick’s,
die an das Bremer Museum gelangt ist, bespricht (160). Auch
Payer hat in seinem bereits oben genannten Werke über die
österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition einige Angaben über
die Vögel Ostgrönlands gegeben (47).
Die Neotropische Region.
Ueber die central-amerikanische Subregion, die sich von Süd-
Mexico bis Panama erstreckt, ist in der letztverflossenen Zeit nichts
veröffentlicht worden, was der Erwähnung werth wäre, Mehr
dagegen über die Anden- oder Columbische Subregion — von
Trinidad und Venezuela, der Kette der Anden entlang durch
*) Es sei noch auf die Nummern 155—159 hingewiesen.
lu Be et >
Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart: 151
Columbien, Ecuador und Peru, hinunter bis Bolivien reichend. —
Beginnen wir mit Venezuela. Dr. A. Ernst in Caräcas hat einen
grösseren Quartband: Estudios sobre la flora y fauna de Venezuela
im vergangenen Jahre herausgegeben, der eine Uebersicht der im
Lande bis jetzt beobachteten Vögel enthält (161). Dr. Ernst stützte
sich in der Hauptsache auf die Sammlungen unseres Landsmannes
A. Goering und des Herrn Spence sowie auf die Publicationen
über diese Sammlungen von Sclater und Salvin. Gehen wir weiter
nach Süden, so finden wir in Ecuador einen tüchtigen Sammler,
Herrn Buckley, dessen Sammlungen nach London gekommen sind
und in Osb. Salvin ihren Bearbeiter gefunden haben (162). Auch
von Pelzeln in Wien hat über die Vögel dieses Landes einige Auf-
sätze geschrieben und in einigen derselben (Vergl. zool. bot. Ges.
in Wien 1876) eine Anzahl von Arten aufgeführt, die bisher für
jenes Gebiet noch nicht nachgewiesen waren (163). Die Samm-
lungen M. Whitely’s aus Peru wurden von Salvin und Selater be-
arbeitet (164), die Jelski’s und Stoltzmann’s aus dem Jahre 1876
von. Taczanowski in Warschau (165). Eine interessante Arbeit
besitzen wir über die Vögel des Titicacasees (166). In den ersten
Monaten des Jahres 1875 wurde von den Herren Alexander Agassiz
und W. Garman eine Erforschungsreise nach dem Titicacasee unter-
nommen und dabei reiche naturwissenschaftliche Sammlungen zu-
sammengebracht. Die ornithologische Collection, 69 Arten um-
fassend, bearbeitete J. A. Allen im Bull. Mus. Comp. Zoology
Cambridge von 1876 in erschöpfender Weise. Ueber einige Vögel
Bolivias haben Sclater und Salvin in den Proceedings of the Zoo-
logical Society of London vom Jahre 1876 berichtet (167—168).
Um uns über die Avifauna der Amazonen-Subregion zu unter-
richten, müssen wir immer noch — und das wahrscheinlich auch
noch lange Zeit — auf die classischen Forschungen Natterer’s zu-
rückgehen. In neuerer Zeit ist nichts über dieses Gebiet ver-
öffentlicht worden. Einige oft interessante biologische Mittheilungen
finden sich in dem Werke des allen Geographen wohlbekannten
C. Barrington Brown; Canoe and Camp-life in British Guiana (169).
Es sei hier nur beiläufig bemerkt, dass Brown an dem oberen
Mazaruni eine grosse Bruthöhle des Steatornis entdeckte.
Zur Erweiterung unserer Kenntniss der südbrasilianischen
- Subregion, die die Waldregion von Südost-Brasilien und Paraguay
umfasst, ist in den letzten Jahren nichts geschehen. Dagegen ist
Einiges, wenn auch nicht viel, über die Patagonische Subregion zur
152 - 0... Herman Schalow:
Veröffentlichung gelangt. Ich richte Ihre Aufmerksamkeit vornehmlich
auf die beharrliche Art und Weise, mit der Henry Durnford die
Umgegend und das Gebiet von Buenos Ayres zum Gegenstand seines
Studiums gewählt hat und besonders bestrebt ist, reiches biologisches
Material anzuhäufen. Seine Arbeiten finden sich im Ibis für 1876
und 1877 (170—171). Derselbe bereiste auch das Chuput-Thal in
Patagonien und berichtet über die daselbst beobachteten Vögel
(172 u. 172a)*). Hier darf ich wohl auch einer kleinen Arbeit Osbert
Salvin’s über die Vögel von Mas-afuera gedenken (173). Der
genannte Forscher erhielt eine kleine Vogelsammlung von letzt-
erwähnter Insel, welche von einem Agenten des bekannten Natur-
forschers Leybold in Valparaiso gesammelt war. Salvin’s Mit-
theilungen ergänzen die früheren Darstellungen Sclater’s und Reed’s
über diesen Gegenstand. Es sind bis jetzt 10 Arten für Mas-afuera
nachgewiesen worden, und neun für die naheliegende kleine Insel
San Juan Fernandez. Nur zwei Arten, Turdus falclandicus und
Daption capensis sind beiden gemeinschaftlich.
Was die Galapagos-Inseln anbetrifft, so muss ich der: grossen,
umfangreichen Arbeit Osbert Salvin’s über die Avifauna derselben
gedenken. Dieselbe findet sich in den Transactions of the Zoological
- Society of London vom Jahre 1876 (174). Sie giebt uns ein voll-
ständiges Bild unserer augenblicklichen Kenntniss dieser Inseln.
Wenn ich mich anschicke, Ihnen einige geringe Mittheilungen
über die Arbeiten zu geben, die die Avifauna der antillischen
Subregion behandeln, so muss ich zu meinem Leidwesen das Be-
dauern wiederholen, welches Sclater vor drei Jahren ausgesprochen
das Bedauern wiederholen, dass so wenig für die Erforschung einer
Inselwelt gethan wird, die so unendlich leicht zu erreichen und die
noch so unendlich viele Probleme in Bezug auf geographische Ver-
breitung, auf vicariirende Arten und dergl. mehr bietet. Die ge-
naue Erforschung jeder einzelnen dieser Inseln ist absolut noth-
wendig. Und- wir wussten 1875 über die Bahamas, über Haiti,
Porto Rico, St. Christoph, Dominica und Barbados ausserordentlich
wenig, über einzelne Inseln der Virginischen Gruppe, über Barbuda,
Antigua, Montferrat, Grenada und die Grenadinen absolut gar nichts.
Und wie es im Jahre 1875 war, so ist es leider heutigen Tages
noch. Es hat sich in den drei Jahren nichts darin geändert. Hoffen
wir, dass die Avifauna dieser Inseln uns bald erschlossen werden
*) Henry Durnford ist am 11, Juli 1878. zu Salta in Bolivien gestorben.
Ein beklagenswerther Verlust für die ormithologische Wiesenschaft.
|
Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 153
mäg. Von den seit 1875 veröffentlichten Arbeiten will ich nun
einzelne nennen. Gundlach hat eine Reihe von Aufsätzen über
die Ornis Cubas veröffentlicht, die viel, namentlich Biologisches,
enthalten (175). Sclater hat auf Grund der Sammlungen von
J. E. Semper einen Nachtrag zu seiner früheren Arbeit über die
Vögel von St. Lucia geliefert (176). Die Insel Dominica besuchte
unter den Auspicien der Smithsonian Institution Herr Fred. A. Ober
und sandte von dort reiche Sammlungen heim, über welche Lawrence
Bericht erstattet hat (177—178). Herr Ober gedenkt sich jetzt
nach Antigua zu begeben. Eine Anzahl neuer Arten von der Insel
St. Vincent hat Lawrence in den Annals of the New York Academy
vol. I. 1878 beschrieben (179).
Verlassen wir nun diese Region und besprechen die australische.
Ueber die Vögel Nordost-Queenslands hat E. P. Ramsay eine
längere Arbeit, die auch viele Beobachtungen über Lebensweise
u. s. w. enthält, geliefert (180). Eine grosse Reihe von Artikeln
bringen auch die Proceedings of the Linnean Society of New
- South Wales (181), die seit 1376 erscheinen und sicherlich viel
dazu beitragen werden, unsere Kenntniss der Avifauna jener Ge-
biete zu erweitern.
Im Laufe der Mittheilungen, die ich Ihnen heute zu machen
die Ehre hatte, habe ich wiederholt meine Freude darüber aus-
sprechen können, dass in einzelnen Regionen soviel für die Kenntniss-
erweiterung der Avifauna gethan wird, dass man beginnt, systematisch
zu arbeiten, das Alte sorgfältig zu prüfen und mit den neuen Re-
sultaten zu vergleichen, dass man bestrebt ist die Lücken auszu-
füllen, die sich überall noch bemerkbar machen. Doch gilt das
von keinem Gebiet mehr als von Neu-Guinea und seinen Inseln.
Es ist unglaublich, was in den letzten Jahren auf jenem Gebiete
gearbeitet worden ist, Engländer und Franzosen, Deutsche und
Italiener haben sich an der Erforschung jener Gebiete betheiligt.
Die Palme aber gebührt zweifellos den italienischen Reisenden.
Die Namen Dr. O. Beccari’s, Bruijn’s und d’Alberti’s sowie der
- Name des Grafen Tommaso Salvadori, der die reichen Sammlungen,
welche jene erstgenannten Forscher in die Heimath sandten, kritisch
sichtete und in umfangreichster Weise bearbeitete, alle diese Namen
werden stets da genannt werden, wo man der zoologischen, Er-
forschung jenes eigenthümlichen, uns so lange verschlossenen Insel-
gebietes gedenkt, das durch den Reichthum und die Schönheit
seiner Thierformen seit. langer Zeit die Augen der Zoologen auf
154 Herman Schalow.
sich gelenkt. Es würde mich zu weit führen und die Grenzen dieser
Mittheilungen weit überschreiten, wenn ich es versuchen würde,
Ihnen die einzelnen Reisen der Italiener vorzuführen. Desgleichen
ist es nicht thunlich, Ihnen hier all’ die Arbeiten zu nennen, die
Salvadori über die Guinea-Vögel geschrieben. Nur auf eine möchte
ich Ihre Aufmerksamkeit lenken, auf den Prodromus Ornithologiae
Papuasiae et Molucecarum, der in den Annali del Museo Civico de
Storia naturale di Genova veröffentlicht wird, und von dem bereits
fünf Abtheilungen erschienen sind (182).
Ich will hier noch der Erforschung der Geelvick Bay durch
Baron von Rosenberg gedenken (183), ferner eines Aufsatzes von
Oustalet über Neu-Guinea-Vögel (184), sowie der Sammlungen des
unglücklichen Dr. James, der an der Südostküste von den Ein-
geborenen ermordet wurde, dessen Sammlungen aber nach London
gelangten und von Sharpe bearbeitet wurden (185).*) |
Ueber die Ornis von Neu-Britannien und Neu-Irland, die der
Neu-Guinea-Gruppe angehören, hat Sclater in den Proceedings of
the Zoolosical Society of London, August 1878 Einiges veröffent-
licht (211). S. M. Schiff Gazelle besuchte, von der Beobachtung
des Venus-Durchganges auf den Kerguelen heimkehrend, im Jahre
1875 die Inselgruppe Neu-Hannover, die in Bezug auf ihre Ornis
sicherlich der papuanischen Region angehört. Dr. Hüsker brachte
daselbst eine kleine Sammlung von Vögeln, 19 Arten umfassend,
zusammen, die von den Herren Prof. Cabanis und Dr. Reichenow
im Journ. f. Ornithologie bearbeitet wurde. Diese Arbeit bildet
- den ersten Beitrag zur Kenntniss jener Inseln. Bisher. hatte nie
eines Naturforschers Fuss dieselben betreten (212).
Wenn ich Neu-Seeland bespreche, so muss ich zunächst die
Transaetions and Proceedings of the New Zealand Institute nennen,
sowie die zahlreichen Arbeiten, welche Buller, F. W. Hutton und
Dr. Julius von Haast über die Avifauna dieser Inseln darin ver-
‚öffentlicht haben. Wir können wohl sagen, dass wir über die
Vogelwelt Neu-Seelands gut unterrichtet sind (213—217). °
Dasselbe gilt von der Polynesiengruppe. Fleissige und sorg-
same Arbeiten über die Vogelwelt der verschiedensten Inseln sind
in der letztverflossenen Zeit veröffentlicht worden. Hauptsächlich”
hat sich E. L. Layard, der als englischer Consul in Noumea lebt;
um die Erforschung dieser Region ein grosses Verdienst erworben.
Er publieirte in den Proceedings der Londoner Gesellschaft für 1875
*) cf. im Anhang die Nummern 186—110, f
Es ns ae
Fortschritte der Ornith. v. Jahre 1875 b. z. Gegenwart. 155
und im Ibis für 1876 umfangreiche Arbeiten über die Fidschiinseln,
die uns auch mit vielen neuen Arten bekannt gemacht haben
(218—221). Layard ist sicherlich einer der besten Kenner der
Avifauna jener Inseln. Er besuchte auch die Schiffer- und Freund-
schaftsinseln und berichtete in den Proceedings über deren Vogel-
welt (222). Auch Cabanis und Reichenow haben über die Vögel
der Fidschiinseln auf Grund der Gazelle-Sammlungen geschrieben
(212), desgleichen Finsch, der die Sammlungen des Challenger,
der Tiefseeforschungen halber den stillen Ocean besucht hat, und
dessen Naturforscher viel gesammelt haben, bearbeitete (223). Die
ferneren Sammlungen des Challenger aus diesen Regionen publicirten
Selater über die Admiralsinseln (224) und Finsch über die Mar-
quesasinseln (225), beide Arbeiten befinden sich in den Proceedings
für 1877. Ueber die Samoainseln schrieb Forbes und, wie auch
über die Viti und Carolinen, Finsch in den mit grosser Munificenz
ausgestatteten Abhandlungen des Museum Godeffroy (226-227).
Die Ornithologie der Sandwichinseln ist durch einen Aufsatz
P.L. Sclater’s in den Proceedings für 1878 bereichert worden (228).
Ueber die den Sandwichinseln naheliegenden Fanninginseln besitzen
wir eine Arbeit von Dr. Streets, der die während einer Forschungs-
fahrt des Vereinigten Staaten-Schiffes Portmuth auf jenen Inseln
gesammelten Vögel bearbeitet hat. Diese Inseln galten bisher als
eine ziemliche terra incognita (229).
Es bleibt mir noch übrig, Ihnen einige Mittheilungen über die
vielen Publieationen zu machen, die über die Fauna, speciell die
Avifauna der Kerguelen in den letzten Jahren erschienen sind.
- Jene Inseln dienten im Jahre 1874 den Expeditionen verschiedener
- Staaten als Stationspunkt für die Beobachtung des Venus-Durch-
sanges. Die Naturforscher, die den Expeditionen beigegeben waren,
haben die Zeit ihres Aufenthaltes daselbst trefflich benutzt, um
_ zoologisch zu sammeln und zu beobachten. Bei der deutschen
- Expedition waren die Herren Dr. Hüsker und Prof. Studer thätig.
- Die Ergebnisse ihrer Forschungen wurden von den Herren Prof.
- Dr. Cabanis und Dr. Reichenow im Journal für Ornithologie ver-
- öffentlicht (212). A. E. Eaton, der die englische Expedition be-
gleitete, erstattete einen Bericht über seine Thätigkeit in den
_ Proceedings of the Royal zoological Society für 1875 (230). Eine
umfassende Arbeit über die englischen Sammlungen wurde von
- Sharpe, in’ Gemeinschaft mit Eaton, der Oeffentlichkeit übergeben
- (231). Sharpe liess es sich auch angelegen sein, alles Material
7
156 Herman Schalow: | | |
zusammen zu tragen, welches über die Fauna jener Inseln handelt.
Die amerikanischen Sammlungen fanden in Elliot Coues und in
Dr. Kidder, der als Naturforscher die amerikanische Reise mitmachte,
ihre Bearbeiter. Diese letztere Publication ist ausserordentlich
reich an oologischen, nidologischen und biologischen Beobachtungen
(232—233). Ueber die kleine, nördlich von den Kerguelen gelegene
Insel St. Paul hat Oustalet geschrieben. Er bespricht die während
der französischen Expedition von den Herren H. Lantz und de !’Isle
gesammelten Naturobjecte (234).
Hier enden meine Notizen. Ich verwahre mich ausdrücklich
dagegen, Ihnen etwas Vollständiges gegeben zu haben. Es wäre
unmöglich, Ihnen in so kurz bemessener Zeit Alles vorzuführen,
was im Laufe der letzten drei Jahre über die Avifauna des ge-
sammten Erdballes geschrieben worden ist. Es hätte auch wenig
Nutzen. Es war mir nur darum zu thun, Ihnen ein Bild der orni-
thologischen Thätigkeit, welche in den letzten Jahren entfaltet
worden ist, zu entwerfen, Ihnen zu zeigen, was gearbeitet worden
ist, welche Lücken ausgefüllt und welche noch offen geblieben sind.
Hoffen wir, dass, wenn Ihnen bei nächster Gelegenheit, aus com-
petenterem Munde als dem meinen, eine Uebersicht über die Fort-
schritte auf dem Gebiete der Ornithologie gegeben werden wird,
dass dann weniger Lücken zu verzeichnen sein werden, als ich es
heute leider noch thun musste. Hoffen wir, dass auch in den
nächsten Jahren fleissige Arbeiten unsere Kenntniss der Avifauna
des weiten Erdraumes erweitern werden, und dass unter den Namen
Derjenigen, denen die ornithologische Wissenschaft zu Dank ver-
pflichtet ist, die Namen deutscher Forscher nicht fehlen mögen. .
Anhang. |
1. Catalogo de los aves de Tenerife observados por D. Vincente
ee: Annal. soc. espanola de Hist. nat. T. V. quaderno 2,
1876. p. 241.
2. ik ‘of the birds of Europe, including all the species in
habiting the western palaearctic Region. By H. E. Dresser.
4° London 1871—1878.
. A history of the birds of Europe not observed in the British.
isles. Von Ch. R. Bree. Second edition, enlarged. vol. I &
London 1875. f
4. Verzeichniss der europäischen Brutvögel und Gäste. Nach den
neuesten Ermittelungen zusammengestellt von Dr. E. Rey. 2
Leipzig 1875.
0
Fortschritte der Ornithologie. Anhang. 157
5. Catalogue des oiseaux d’Europe. Par L. F. d’Hamouville. 8,
Paris 1376.
6. A History of British Birds. By the late William Yarrell.
IR.
18.
19.
20.
21.
22.
Fourth edition, revised and enlarged by Alfr. Newton. 8.
London 1871—13878.
. A List of British Birds, the genera arranged according to
Sundevalls Method. Thenomenclature revised by Henry Thomson
Wharton. London 1877.
. Catalogue des oiseaux observ&s dans le departement du Loiret.
Par Nouel. 8. Orleans 1876,
. Simples notes sur quelgues oiseaux de France. Par Gerbe.
Rev. et Mag. de Zool. 1876. p. 1.
. Pterocles arenarius et Anas casarca observes dans les environs
de Toulouse. Par A. Lacroix. Rev. et Mag. de Zool. 1876.
p- 389.
. Le Faucon concolore, le canard couronnee et le Traquet obscur
dans le midi de la France. Par A. Laecroix. Bullet. Soc. Zool.
de France 18706. p. 93.
. Nouvelles acquisitions de la Faune de la Sarthe. Par A. Bernard.
Bull. Soc. Zool. de France 1876. p. 83.
. Observations sur les oiseaux dent les ossements ont &te trouves
dans les cavernes du Sud-Ouest de la France. Par Alph.
Milne Edwards. Materiaux pour l’hist. primitive et naturelle
de P’homme dirigee par E. Cartailhac. Toulouse XI ann. 2
ser. VI. 1875. p. 473.
. Faune illustree des vertebres de la Belgique. Par Dubois. Ser. Il.
Les öiseaux. Bruxelles et Paris 1876.
. Catalogue des oiseaux du midi de l’Espagne. Par Howard
Saunders. Bull. de la Soc. zool. de France 1877. p. 315.
. La Sierra de la Yuma (Provineia de Malaga) por D. J. Arevalo
y Boca. Anales soc. espaüola de Historia natural. T. V. 2.
1876. 233.
Addenda al: catalogo de los Aves de los Baleares inserto en
la Revista de los progresos de las Ciencias exactas, fisicas y
naturales T. XV. No. 1. in Anales de la soc. espaüola de Hist.
nal 12V. 1878.58:
Cruise of the „Zara“ R. Y. S. in the Mediterranean. By Lord
Lilford. Ibis 1875. 1.
Notes on the Ornithology of Corsica. By C. Bygrave Wharton,
FE. Z. S. Ibis 1876. 17.
Die Vögel Salzburgs. Eine Aufzählung aller in diesem Lande
bisher beobachteten Arten, mit Bemerkungen und Nachweisen
über ihr Vorkommen. Von Victor Ritter von Tschusi zu Schmid-
hoften. Salzburg 1877.
Beiträge zur ornithologischen Fauna Mährens. Von Friedrich
Freiherrn von Dalberg. Verh. zool. bot. Ges. Wien 1875. 1. 423.
Das Gebiet der Rosanna und Trisanna in West-Tirol. Von
J. von Trentinaglia-Talvenburg. Wien 1875.
158
. Hand-Atlas der geographischen Ausbreitung der im europäischen |
Herman Schalow:
. The birds of Transsylvania. By G. Danford and J. A. Harvie
Brown. Ibis 1875. 188.
. Die Vögel Schleswig-Holsteins und ihre Verbreitung in der
Provinz nebst einer graphischen Darstellung der Zug- und
Brutverhältnisse. Husum 1875. 4.
. Excursions ornithologiques en Suisse. Par L. Olph-Galliard.
Rev. et Mag. de Zool. 1875. p. 1.
. Deutschlands Säugethiere und Vögel, ihr Nutzen und Schaden.
Von E. von Homeyer. Leipzig 1877.
. Zur Vogelkunde Deutschlands. 1. Jahresbericht (1876) des
Ausschusses für Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands.
Bearbeitet von A. Bau, Dr. R. Blasius, Dr. Reichenow, H.
Schalow. J. f. O. 1877. 278.
. Die Raubvögel Deutschlands und des angrenzenden Mittel-
Europas. Von ©. von Riesenthal. Cassel 1376—1878.
Photographirt von Gebr. Taeschler, St. Gallen 1876—1878.
. Vollständige Naturgeschichte der deutschen Zimmer-, Haus-
und Jagdvögel. Von ©. G. Fridrich. Stuttgart 1876.
. Beiträge zur Ornis der Mark Brandenburg. Von H. Schalow.
Ber. XXI. Vers. deutsch. Ornith. Ges. Braunschweig 1875.
mit Alex. Bau bearbeitet von H. Schalow. J. f. O. 1876. 1.
1,0: 1595.41E
. Ornithologische Beriehtigungen und Zusätze. Von R. Tobias.
J. f. O. 1875. 106.
Ritter von Tschusi-Schmidhoffen. J. f. O. 1875, 408; 1876,
330; 1877, 56; 1878, 94.
. Zur Vogelfauna der Nordseeinsel Wangerooge. Von C.F. Wiepken,
J. f. O. 1877. 426.
Liebe. J. f. O. 1878. 1.
. Die Alpenvögel der Schweiz. Dargestellt von Dr. C. Stölker. |
. Materialien zu einer Ornis der Mark Brandenburg. In Verb.
. Ornithologische Notizen vom Westerwalde. Von C. Sachse.
. Ornithologische Mittheilungen aus Oesterreich, Von Victor
. Die Brutvögel Ostthüringens und ihr Bestand. Von Prof. Th. |
. Mindre Meddelelser redrorende Norges Fuglefauna: Aarene
1873—1876. Af Robert Collett. Nyt. Mag. Naturv. Kristiania
1877. 85—225.
. Om et Par for Norges Fauna nye Fuglearter. Af Robert
Collett Vid, Selsk. Forh. Christiania 1877.
. Göteborgs och Bohusläns Fauna. Ryggradsdjuren. Af A. W. ‘
Malm. 8. Göteborg 1877.
. Die geographische Verbreitung der Hühner-, Sumpf- und Wasser-
vögel im faunistischen Gebiete Finnlands.. Von Dr. J. A.
Palmen. J. f. O. 1876. 40.
Russland nistenden Vögel. Von Dr. B. Radakoff. Fol. Moskau 1876.
. Notes on the birds of the Lower Petchora. By Henry See- |
bohm and Harvie Brown. Ibis 1876. 105. |
j
44.
45.
46.
AT.
48.
49.
50.
51.
52.
53.
54.
5b.
56.
57.
58.
59.
60.
61.
62.
Fortschritte der Ornithologie. Anhang. 159
Birds, nests and eggs of the Lower Petchora. By H. Seebohm.
E57: 8. 1875. 566.
On the migration of birds in North-east Russia. By H. See-
bohm. Rowley’s Miscellany 1876.
On the distribution of birds in North Russia. By Harvie Brown.
Ann. a Mag of Nat. Hist. vol. XIX. 277.
Die österreichisch ungarische Nordpolexpedition in den Jahren
1872—1874. Von Julius Payer. Wien. 8. 1875.
List of birds observed in Smith Sound and in the Polar
Basin during the Arctic Expedition of 1875—1876. By H. W.
Feilden. Ibis 1877. 401.
Verzeichniss der Vögel, welche durch die Herren Dybowski
und Godlewski an der Ussurimündung gesammelt wurden.
Von L. Taczanowski. J. f. O. 1875. 241.
Verzeichniss der Vögel, welche durch die Herren Dr. Dybowski
und Godlewski im südlichen Ussuriland und namentlich an
den Küsten des japanischen Meeres gesammelt und beobachtet
worden sind. Von L. Taczanowski. J. f. O0. 1876. 189.
Revue critique de la faune ornithologique de la Siberie orien-
tale. Par L. Taczanowski. Bull. de la Soc. zool. de France 1877.
Relation de l’expedition suedoise de 1876 au Jenissei. Rap-
port & M. le prof. Nordenskiöld par Hj. Theel. Upsala 1877.
Örnithological letters from the Bremen Expedition to Western
Siberia. By O. Finsch. Ibis 1877. 48.
Westsibirische Forschungsreise 1876 unter Führung von
Dr. O. Finsch. Catalog der Ausstellung ethnographischer und
naturwissenschaftlicher Sammlungen. Mit erläuternden Be-
merkungen von Dr. O. Finsch. Bremen 1877.
Contributions to the Ornithology of Siberia. By Henry See-
bohm. Ibis 1878. 173.
Ornithological Notes made at Cheefoo (Province of Shantung)
By R. Swinhoe. Ibis 1875. 114.
On the contents of a second box of birds from Hacodadi, in
northern Japan. By R. Swinhoe. Ibis 1875. 447.
On the contents of a third box of birds from Hacodadi. By
R. Swinhoe. Ibis 1876. 330. |
A Catalogue of the birds of Japan. By T. Blakiston and
H. Pryer. Ibis 1878. 209.
Reise des russischen Generalstabs-Obersten N. B. Przewalsky
von Kuldscha über den Thian-Schan an den Lob-Nor und Altyn
Tag, 1876 und 1877. Uebersetzung des an die K. geogr. Ges.
in St. Petersburg gerichteten offieiellen Berichtes. Petermanns
Mittheilungen, Ergänzungs-Heft No. 35.
Zusätze und Berichtigungen zur allgemeinen Uebersicht der
aralo-thianschanischen Ornis. Von Dr. N. Sewerzow. J. f. O.
1875. 190.
Notes on some new central-asiatic birds. By Dr. N. Sewerzoff,
Ibis 1875. 487.
160
74.
. Notes on birds collected and observed in the Lydenhan
. Additional notes on the ÖOrnithology of the Republic of
. Additional notes on the Ornithology of Transvaal. By Th. Ayres.
Herman Schalow.
. Notices on some Turkestan Birds. By Dr. N. Sewerzoff, Stray
feathers Ill. 1875. 420.
. Der Saxaul Häher, Podoces Panderi Fisch, Von Modest Bog-
danow. J. f. O. 1877. 81.
. A. Contribution to the ornithology of eastern Turkestan. By
J. Scully. Stray feathers. 1876. IV. 41.
. Beitrag zur Ornithologie Klein-Asiens. Von Dr. Th. Krüper.
J. f. O. 1875. 258.
. A. Contribution to the ornithology of Asia Minor. By
C. G. Danford. Ibis 1877. 261.
. Eastern Persia an account of the journeys of the Persian Boun-
dary commission 1870—1872. vol. II. The Zoology and Geology
by W. T. Blanford. London 1876.
. Zur Vogelfauna Westafricas. Ergebnisse einer Reise nach
Guinea. Von Dr. Ant. Reichenow. J. f. O. 1874. 353.
. Die ornithologischen Sammlungen der deutschen Expedition
nach der Loango-Küste. Mit einer Einleitung von Dr. Falken-
stein. Bearbeitet von Dr. Anton Reichenow. J. f. 0. 1877. 1.
: Ornithologie d’Angola. Par J. V. Barboza du Bocage. Pre-
miere partie. Lisbonne 1877.
. Catalogue geographique des oiseaux recueillis par M. M. A.
Marche et marquis de Compiegne dans leur voyage comprenant
les pays suivants: Senegal, Gambie, Cazamance, Sierra Leone,
Bouny, Vieux Calabar, cap Lagos, Fernando Po, Prineipe,
Gabon, Fernand-Vaz et riviere Ogone pendant les anndes
1872—1874 par A. Bouvier. Paris 1875.
. Etudes d’Ornithologie africaine. Catalogue d’une collection
recueilli A Landana et Chinchoxo par M. Louis Petit pendant
les mois janvier — avril 1876. Par R. B. Sharpe et A. Bouvier.
Bull. de la Soc. Zool. de France 1876. 2.
Sur les collections dans la r&egion du Congo par M. M. le
Dr. A. Lucan et L. Petit depuis le mois de Mai jusqu’en
Septembre 1876. Par R. B. Sharpe et A. Bouvier. Bull. de la
Soc. Zool. de France 1876. 200.
. The birds of South Africa. By E. L. Layard. New edition,
thoroughly revised and augmented by R. B. Sharpe. London
1876.
. Three months on the Coast of South Africa. By Capt. G. E.
Shelley. Ibis 1875. 59.
. Ornithological notes made during trips between Bl oe
and the Lydenburg Gold fields. By F.A. Barratt. Ibis 1876.191.
Distriet of the Republic of Transvaal. By Thomes Ayres. Ibis
1876. 422.
Transvaal. By Th. Ayres. Ibis 1877. 339.
Ibis 1878. 281.
37.
.88,
89,
90.
Ir
22.
93.
94.
30,
96.
97.
98.
9.
Fortschritte der Ornithologie. Anhang. 161
. Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. Von Dr. G. A, Fischer.
720. 1847 1
. On birds collected at Darra-Salam, coast of Africa, opposite
Zanzibar. By Nicholson. P. Z. S. 1878. 353,
. Reise in Nordost-Afrika. Schilderungen aus dem Gebiete der
Beni Amer und Habab. Von M. Th. von Heuglin. 2 Bde.
Braunschweig 1877.
. Viaggio dei Sign. O. Antinori, ©. Beceari edA. Issel nel Mar
Rosso, nel territorio dei Bogos e regioni circostanti durante
gli anni 1870—1871. Catalogo degli uccelli, compilato per
cura di O. Antinori et T. Salvadori. Genova 1873
.
. A few additional Notes on birds of Egypt. By E. Cavendish
Taylor. Ibis 1878. 368,
. Die Vögel Madagascars und der benachbarten Inselgruppen.
Ein Beitrag zur Zoologie der äthiopischen Region. Von
G. Hartlaub. Halle a. S. 1877.
Histoire physique, naturelle et politique de Madagascar,
publiee par Alfr. Grandidier. vol. XIII. Histoire naturelle des
oiseaux par M. M. Alph. Milne Edwards et Alfr. Grandidier.
Paris 1876.
Om et Par Fuglesamlinger fra Madagascar-Regionen, mod-
tagne fra Aug. Lantz i. 1867, og Missionslaege Borchgrevink
i. 1875. Af Rob. Collett. Vid.-Selsk. Forh. Christiania 1877.
The avifauna of Kashgar in Winter. By Dr. F. Stoliezka.
Stray feathers 1875. 215.
Üorretions of and additions to Raptorial Birds of North-western
India. By Andr. Anderson. P. Z. S. 1875. 16.
Additional Notes on the avifauna of Sindh. By A. Le Messurier.
Str. F. 1875. 378.
Notes on the avifauna of Mount Aboo and northern Guzerat.
By E. A. Butler. Str. F. 1875. 437.
Additions to the avifauna of Sindh. By E. A. Butler. Stray
Feathers 1876. 225.
Additional note on the birds of the Sambhur Lake and its viei-
nity. By R. M. Adam. Str. F. 1875. 337.
On the avifauna of the Chutia Nagpur Division $. W. frontier
of Bengal. By O. Ball. Str. F. 1875. 355.
Notes on some birds observed in the Suliman Hills, west of
Dera Ghazi Khan. By O. Ball. Str. F. 1875. 204.
Notes on some birds colleeted in Sambalpur and Orissa. By
O. Ball. Str. F. 1876. 231.
Notes upon a collection of birds made between Mussoorie and
Gangaotri in May 1874. By W. E. Brooks. Str. F. 1875. 275.
Ornithological notes and corrections. By W. E. Brooks. Str. F.
1876. 268.
100.On the birds of the South-eastern subdivision of southern
Ceylon. By O. Legge. Ibis 1875. 273.
-101.On the breeding of certain Grallatores and Natatores in the
Cab. f. Journ, Ornith, XXVIT, Jahrg. No, 146. April 1979, 11
162 Herman Schalow:
S. E. of Ceylon with Notes on the nestling plumages of the
same. By O. Legge. P. Z2.S. 1875. 374.
102. Additions to the avifauna of Ceylon and notes on various species
found there. By O. Legge. Str. F. 1875. 194.
103. List of birds from the Hill Ranges of the north eastern fron-
tiers of India. By Godwin Austen. Ibis 1877. 385.
104. On the nidifieation of certain indian birds. By Andrew An-
derson. Ibis 1875. 199.
105. Notes on Ceylonese Ornithology and Oology with additions to
the avifauna of the Island. By O. Legge. Str. F. 1875. 361.
106. Notes on and Addition to Ceylonese avifauna with a notice of
some apparently new species. By O. Legge. Str. F. 1876. 242.
107. Additional notes on the avifauna of the Andaman Islands.
By A. Hume. Str. F. 1875. 490.
108. Additional species from Kutch and Kattiawar, By A. Hume.
Str. F. 1876. 496.
109. Additional notes on the avifauna of the Andaman Islands. By
A. Hume. Str. F. 1876. 279.
110. The Laccadives and the West coast. By A. Hume. Str. F.
1876. 413.
111.A. first List of the birds of North-eastern Cachar. By
A. Hume. Str. F. 1877, 1.
112. On the nidification of certain south indian Birds. By Rhodes
W. Morgan. Ibis 1875. 313.
113. Birds nesting in India. By G. F.L. Marsball. Calcutta 1877.
114. Dee and eggs of indian birds. By A. Hume. III vol. Caleutta
1875.
115. On little or unknown Himalayan Oology with notes on the
birds. By A. Anderson. Str. F. 1875. 350.
116. List of birds collected in the vicinity of Khandala, Mahaba-
lashwar and Belgaw along the Sahyadry Mountains; and near
Ahmednagar in the Dakhan. By $. B. Fairbank. Str. F. 1876.
250.
117. The birds of Asia. By J. Gould. fol. London 1876.
118. Les oiseaux de la Chine. Par M. l’abb& Armand David et M.
E. Oustalet. Paris 1877.
119. The birds of Mongolia, the Tangut country and the solitudes
of northern Tibet. By N. Przewalski. Translated by F. Carl
Craemers. D. Rowley’s Ornithological Miscellany. 1877.
120.On a new bird from Formosa. By R. Swinhoe. Ibis 1877. 473.
121. Catalogue of mammals and birds of Burma, by the late E. Blyth
with a memoir and portrait of the author. Catalogue of the
birds ofBurma, edited with notes and additions by Lord Walden.
Journ. As. S. B. Aug. 1875.
122. Notes on birds from Burma. By Lord Walden. Ibis 1875. 458.
123. Ornithological notes from the Distriet of Karennee, Burma.
By R. W. Ramsay. Ibis 1875. 348.
124. Notes on some Burmese birds. By R.W.Ramsay. Ibis 1877. 453.
Fortschritte der Ornithologie. Anhang. 163
125. ae on some Burmese birds. By E. W. Oates. Str. F. 1875.
126. Notes on some birds collected in the eastern or Rangoon
Distriet of the Jrawaddy Delta. By J. Armstrong. Str. F.
1876. 295.
127. A first List of the birds of the Tenasserim Provinces. By
A. Hume. Str. F. 1875. 467.
128. A. second List of the birds of Tenasserim Provinces. By
A. Hume. Str. F. 1875. 317.
129. A third List of the birds of the Tenasserim Provinces. By
A. Hume. Str. E. 1876. 223.
150. A. first list of the birds of Upper Pegu. By A. Hume and
E. W. Oates. Str. F. 1875. 1.
131.List of the birds collected on the expedition into the Dafla
hills, together with those obtained in the adjacent Darrong
Terai, Assam. By Godwin Austen. Journ. As. S. B. 1876. 64.
132. Faune ornithologique de Kessang, presqu’ile de Malacca. Par
A. Bouvier. Bull. de la Soc. zool. de France. 1877. Aoüt.
133. Intorno a due collezioni di uccelli di Celebes inviate al Museo
eivico di Genova dal Dr. Beccari e dal Signor Bruijn. di T.
Salvadori. Ann. Mus. Genova VII. 1875. 641.
134.On the birds of Ternate, Amboyna, Banda, the Ke& Islands
and the Aru Islands (Collect. Challenger). By T. Salvadori.
BZ: 3.1818. 78.
135. On a collection of Birds made by E. C. Buxton in the distriet
of Lampong S. E. Sumatra. By Lord Tweeddale. Ibis 1877.
283.
136. List of the birds known to inhabit the une Archipelago.
By Lord Walden. Transact. Z. S. vol. IX. 125.
137. Contributions to the Ornithology of Borneo. By R. B. Sharpe.
| Ibis 1876. 29.
- 138. Contributions to the Ornithology of Borneo. By R. B. Sharpe.
Ibis 1877. 1.
138a. On two Collections of Birds from Sarawak. By B. Sharpe
Ibis 1878. 414.
139. On the birds collected by Prof. Steere in the Philippine Archi-
; pelago. By R. B. Sharpe. Transact. 5. Z. 1876.
- 140. Ueber eine Vögelsammlung aus Südost Borneo. Von Dr. Fr.
Brüggemann. Abhandl. des naturw. Vereins in Bremen. 1877.
454.
- 141. Weitere Mittheilungen über die Ornithologie von Central Borneo.
| Von Dr. Fr. Brüggemann. Abhandl. des naturw. Vereins in
N Bremen. 1878. 525.
142. Beitrag zur Ornithologie von Celebes und Sangir. Von Dr. Fr.
| Brüggemann. 8°. Bremen. 1876.
143. Nachträgliche Notizen zur Ornithologie von Celebes. Abhandl.
des naturw. Vereins in Bremen. 1877. 464.
11#*
BA. ‘Herman Schalow:
144. Bemerkungen über zweifelhafte celebensische Vögel. Von
Dr. G. Fischer. Abhandl. des naturw. Vereins in Bremen. 1878.
DDR
145. Mittheilungen über malayische Vögel. Von. Dr. H. Lenz. J. f. O.
1877. 359. .
146. Birds of the North West. A. Handbook of the Ornithology of
the region drained by the Missouri River and its Tributaries
in United States geological Survey of the Territories, By
Elliot Coues. 8. Washington 1874.
147. Notes on the natural history of portion of Dakota and Mon-
tana Territories. By J. A. Allen. P. Bost. Soc. XVII. 1875.
148. Ornithology of Utah, Newada and California. By E, W. Nilsson,
P. Bost. Soc. 1875.
149. Catalogue of the birds ascertained to occur in Illinois. By
R. Ridgway. Ann. Syc. H. Y. 1875. 364.
150. Catalogue of the birds of new England. By T. M. Brewer.
Pr. Bost. Soc. Nat. Hist. XVII. 1875.
151. Catalogue of the birds of Kansas. By F. H. Snow. St. Law-
rence 1875. 8.
152. Notes on the Ornithology of the Region about the source of
the Red River of Texas, from Observations made during the
Exploration conducted by Lieut. E. H. Ruffner, Corps of En-
gineers, U. S. A. By C. A. H. M. Cauley. Annotated by
Dr. Elliot Coues. Bull. of the Survey. vol. II. 3. 1877. 655.
153. Notes on some of the Birds found in South-eastern Oregon,
particularly in the vicinity of Camp Harney. By Bendire.
Pr. Bost. Soc. Nat. Hist. 1877. 109.
154. Our birds of Prey, or the eagles, hawks, and owls of Canada.
By Henry G. Vennor. 4° Montreal 1876.
154a. The Birds of Guadalupe Island discussed with reference to
the present Genesis of Species. By R. Ridgway. Bull. of
the Nutt. ornith. Club. II. 1877. 58.
155. Exploration across the great Basin oft Utah. Appendix K.
Ornithology, A List of birds. By Prof. Spencer. F. Baird. 4°
Washington 1876.
156. Report upon geographical and geologieal Explorations and
Surveys West of the one hundredth Meridian, in charge of
First Lieut. George Wheeler. vol. v. Zoology 4°. Washington 1875.
156a. Annual Report upon the geographical surveys West of the
hundredth Meridian, in California, Nevada, Utah, Colorado,
Wyoming, New Mexico, Arizona, and Montana, by George
M. Wheeler, First Lieut. of Engineers. 8° Washington 1876.
157. A Review of the birds of Connecticut, with remarks on their
habits. By Merriam. Transact. of the Connecticut Acad. vol
IV. 1877.
158. Notes on some of the birds of Calaveras County, California,
and adjoining localities, By R. Ridway. Bull. of the Nutt.
ornith. Club. 1878. 64.
Fortschritte der Ornithologie. Anhang, 165
159. Ornithology of the route explored by the United States Geo-
logical Exploration of the Fortieth Parallel 1867—1869. By
R. Ridgway. Report of Zool. Expl. of Fort. Parl. part II.
Washington 1877.
160. Mein dritter Beitrag zur Vogelkunde Grönlands. Von Dr. O.
Finsch. Abhandl. des naturw. Vereins zu Bremen. 1877. 343.
161. Estudios sobre la Flora y Fauna de Venezuela por A. Ernst.
4° Caracas 1877.
162.On some new species of birds from Western Ecuador. By
O. Salvin. Ibis 1876. 493.
163. Ueber eine weitere Sendung von Vögeln aus Ecuador. Von
A. von Pelzeln. Verh. zool. bot. Ges. Wien 1876. 765.
164. On Peruvian birds collected by M. Whitely. By Sclater and
Salvin. P. Z. 8. 1876. 15.
165. Liste des oiseaux recueillis en 1876 au nord du Peru occi-
dental par M. M. Jelski et Stolzmann. Par L. Taczanowski.
E.238:1877: 319:
166. Expedition of Lake Titicaca by Alexander Agassiz and S. W.
Garman. III List of Mammals and birds. By J. A. Allen, with
Field-notes by Mr. Garman. Bull. Mus. Comp. zool. Cambridge,
Mars. vol. III. July 1876.
‚167. Descriptions of new birds obtained by O. Buckley in Bolivia.
By P. L. Sclater and O. Salvin. P. Z. S. 1876. 253.
168. On new species of Bolivian birds. By P.L. Sclater and
O. Salvin. P. Z. S. 1876. 352.
169. Canoe and Camp-life in British Guiana. By C. Barrington
Brown, late Government Surveyer in British Guiana. 8°
London 1876.
170. Ornithological notes from the neighbourhood of Buenos Ayres.
By Henry Durnford. Ibis 1876. 157. Ele
171. Notes on the birds of the province of Buenos Ayres. By
Henry Durnford. Ibis 1877. 166.
172. Notes on some birds observed in the Chuput Valley, Pata-
gonia, and in the neighbouring District. By H. Durnford.
Ibis 1877. 27.
172a. Notes on the birds of Central Patagonia. By H. Durnford.
Ibis 1878. 389.
173. Additional Notes on the birds of the Islands of Mas-afuera and
Juan Fernandez. By Osb. Salvin. Ibis 1875. 370.
174.On the avifauna of the Galapagos Archipelago. By O. Salvin.
Transact. Z. S. 1876. 447.
175. Neue Beiträge zur Ornithologie Cubas. Nach eigenen 30jährigen
Beobachtungen zusammengestellt von Dr. Jean Gundlach.
12.0. 1875..295,
176.On some additional species of birds from St. Lucia, West
Indies. By P. L. Sclater. P. Z. S. 1876. 13.
177. Descriptions of new species of birds from the island of Do-
minica, By G. N, Lawrence, Ann. N. G. Acad, Sc. 1878. 46,
166 | Herman Schalow:
178. A provisional List of the Birds procured and noticed by Mr.
Fred A. Ober in the island of Dominica. By G. N. Lawrence.
Forest and Stream. Dec. 6. 1877.
179. Descriptions of seven new species of birds from the Island of
St. Vincent. West Indies. By G. N. Lawrence. Ann. N. G. Acad.
Sc. 1878. p. 147.
180. List of Birds met with in North-eastern Queensland. By
Ramsay. P. Z. S. 1877. 335.
181. Procedings of the Linnean Society of New South Wales. vol 1.
8° Sidney 1876.
182. Prodromus Ornithologiae Papuasiae et Moluccarum, auctore
Thoma Salvadorio. Annali del Mus. Civ de St. Nat. di Genova.
vol. IX. 188. 194. etc.
183. Reistochten naar de Geelvinkbaai op Nieuw-Guinea in de
Jaren 1869 en 1870 door C.B.H. von Rosenberg, ambtenaar
belast met wetenshappelijke onderzoekingen Nederlandsch Indie.
Uitgegeven door her Koninklijk Instituut voor de Taal-Land-
en Volkenkunde van Nederlandsch Indie. S’Gravenhage 1875.
184. Description de quelques especes nouvelles de la Cochinchine
et de la Nouvelle-Guinde, par M. E. Oustalet. Bull. Soc. Phi-
lomat. de Paris. 1877.
185. Contributions to the Ornithology of New Guinea. By R. B.
Sharpe. pt. II. On the Ornithological Collections formed by the
late Dr. James in South-eastern New Guinea and Yule Island.
Journ. Linn. Soc. vol. XIII. 305.
186. Catalogo di una collezioni di uccelli del gruppo di Halmahera
e di varie localita della Papuasia, inviati in dono al Museo
Civico Genova del Sig. A. A. Bruijn. Di T. Salvadori. Ann.
Mus. Civ. Gen. 1875. 749.
187. Deserizione di sei nuove specie di uccelli delle Molucche
delle Rei e delle Aru e del maschio della Pachycephala lineo-
lata Wall. Di T. Salvador. Ann. Mus. Civ. Gen. 1875. 983.
188. Descrizione di einquantotto nuove speeie di uccelli, ed osser-
vazioni intorno ad altre poco note, dalla Nuova Guinea e di
altre Isole Papuane, raccolte dal Dr. O. Beccari e dai caccia-
tori del Sig. A. A. Bruijn. Di T. Salvadori. Ann. Mus. Civ.
Gen. 1875. 896. |
189. Lettera omitologiea di O. Beccari intorno agli uccelli osser-
vati durante un suo recente Viaggio alla nuova Guinea
T. Salvadori. Ann. Mus. Civ. Gen. 1875. 704. |
190. Catalogo di una collezione di uccelli dell isola Yule e della
vieina costa meridionale della peninsola orientale della Nuova
Guinea. Di Salvadori e d’Albertis. Ann. Mus. Civ. Gen. 1875.
197.
191. Intorno a due piccole Collezioni di uccelli Yuna di Petta e
Valtra di Tifore e di Batong Keteil, inviate dal Sig. A. A,
Bruijn al Museo Civico di Genova. Di T. Salvadori. Ann. Mus.
Civ. Genova. 1876. 50.
Fortschritte der Ornithologie. Anhang. 167
192. Catalogo di una collezione di uccelli dell’ Isola di Buru, in-
viata al Museo Civico di Genova dal Sig. A. A. Bruijn. Di T.
Salvadori. Ann. Mus. Civ. Genova. 1876. 367.
193. Catalogo degli uccelli raceolti dai Sign. A. A. Bruijn ed O.
Beccari durante il viaggio del trasporto di guerra olandese
„Surabaia“ dal Novembre 1875 al Gennaio 1876. Di T. Sal-
vadori. Ann. Mus. Civ. Genova. 1876. 395.
194. Catalogo di una seconda collezione di uccelli raccolti dal Sig.
L. M. d’Albertis nell’ Isola Yule e sulla vieina costa della Nuova
Guinea e di una piccola collezione della regione bagnata dal
finme Fly. Di T. Salvadori. Ann. Mus. Civ. Genova. 1876. 7.
195. Intorno alla supposta femmina del Dicaeum retrocinetum Gould.
Di T. Salvadori. Ann. Mus. Cio. Gen. 1876. VIII. 509.
196. Osservazioni intorno alle specie del genere Myristieivora
Reichb. Di T. Salvadori. Ann. Mus. Civ. Gen. 1876. 268.
197. Note intorno ad alcuni uecelli durante l’esplorazione del Fiume
Fly. Per L. M. d’Albertis. Ann. Mus. Civ. Gen. X. 5.
198. Intorno alle specie di Nettarinie della Papuasia, delle Molucche
e del gruppo di Celebes. Di T. Salvadori. Atti de R. Acc.
d. Se. di Torino XII. 299.
199. Catalogo della prima collezione di uccelli fatta nella Nuova
Guinea nel 1872 dal Signor L. M. d’Albertis. Di T. Salvadori.
Ann. Mus. Civ. Gen. X. 111.
200. Notes on some birds mentioned by Dr. Cabanis and Reichenow
as collected in Papuasia and in the Moluccas. By T. Salvadori.
BEI7.08: 18774 194:
201.Notes on some birds collected during the exploration of the
Fly River. By L. M. d’Albertis. Ibis 1877. 363.
202.Le Capanne ed i Giardini dell’ Amblyornis inornata. Per
0. Beccari. Ann. Mus. Civ. Genova IX. 383.
203. On recent ornithologieal Progress in New Guinea. By P.L.
Sclater. Ibis 1876. 243.
204. Further Ornithologieal news from Guinea. By P. L. Selater.
Ibis 1876. 357.
205. On O. C, Stone’s Expedition to new Guinea. By R. B. Sharpe.
Nature 1876. 338.
206. Contributions to the Ornithology of New. Guinea. Notes on
a small collection of Birds from South-eastern New Guinea,
| By R.B. Sharpe. Journ. Linn. Soc. 1876. 79.
207.On the birds colleeted by Dr. Comrie on the South-east Coast
of New Guinea during the Survey of H. M. Sh. Basilisk. By
P. L. Selater. P. Z. S. 1876. 459.
208. The Birds of New Guinea and the adjacent Papuan Islands,
including any new species that may be discovered in Australia.
By J. Gould. London 1875.
209. Fauna and Flora of New Guinea and the Pacific Island. By
Withmee. Nature 1876. 271. %
210. Mittheilungen aus dem k. zoologischen Museum zu Dresden;
168 Herman Schalow: Fortschritte der Ornithologie.
herausgegeben mit Unterstützung der Generaldirection der
königl. Sammlungen für Kunst und Wissenschaft von Dr. A.
B. Meyer. Dresden 1875.
211. On a second collection of Birds from Duke of York Island, N.
Britain and N. Ireland. By P. L. Sclater. P. Z. S. 1878. 289.
212. Uebersicht der auf der Expedition S. M. S. „Gazelle“ gesam-
melten Vögel. Zusammengestellt von J. Cabanis u. A. Reichenow.
J. f. O. 1876. 319.
213. On the Ornithology of New Zealand. By W.L. Buller. Trans-
act. N. Zeal. Inst. VI. 112.
214. Remarks on Capt. Hutton’s Notes on certain species of N.
Zealand Birds. By W. S. Buller. Transact. N. Zeal. Insti-
tute VI. 123.
215. er on certain disputed species of N. Zealand Birds. By
W. L. Buller. Transaet. N. Zeal. Institute VII. 211.
216. Notes on the Ornithology of New Zealand. By W. L. Buller.
Transact. N. Zeal. Institute VII. 181.
217. Preliminary Remarks on some new Zealand Birds. By Dr.
O. Finsch. Transact. N. Zeal. Inst. VII. 226.
218. Description of a new species of Elycatcher (Myiagra) from
the Fijis and some Remarks on the distribution of the birds
found in those Islands. By E. L. Layard. Ibis 1876. 387.
919. Notes on some little known Birds of the new Colony of the
Fiji Islands. By E. L. Layard. Ibis 1876. 137.
220. Notes on the Ornithology of Fiji, with descriptions of new or
little known species. By E. L. Layard. Ibis 1876. 152.
291. Notes on Fijian Birds. By E. L. Layard. P. Z. S. 1875. 423.
292. Notes on the Birds of the Navigator’s and Friendly Islands
with some Additions to the Ornithology of Fiji. By E. L.
Layard. P. Z. S. 1876. 470.
223. Reports on the Collection of Birds made d. v. Challenger. IV.
Birds of Tongatabu, Fiji Islands, Api and Tahiti. By O. Finsch
pP. 24 8:11877..728.
224.On the Birds of the Admiralty Islands (Voy. Challenger). By
P. L. Selater. P. Z. S. 1877. 551.
225.0n a small Collection of Birds from the Marquesas Islands.
By O. Finsch. P. Z. S. 1877. 407.
226.On a small Colleetion of Birds from the Samoan Islands and
the Island of Rotumak (Central Pacific). By Forbes. P. Z. S.
1878. 351.
227. Zur Ornithologie der Südsee-Inseln. II. Ueber neue und weniger
gekannte Vögel von den Viti-,‚Samoa- und Carolinen Inseln,
von Dr. O. Finsch in Bremen. Journal des Museum Godef-
froy. Heft XII. 4° Hamburg 1876.
228.On Birds of the Sandwich Islands. By P. L. Sclater. P. Z. 8.
1878. 346.
229. Contributions to the Natural History of the Hawalian and
H. Goebel: Beiträge zur Geschichte des Cuculus canorus. 169
Fanning Islands and Lower California. By Thomas H. Streets.
' _M.D. Bull. U. S. Nat. Mus. No. 7. 1877.
230. First Report of the Naturalist attached to the Transit of
Venus Expedition to Kerguelens Island. By A. E. Eaton.
P. R. S. London vol. XXIII. No. 160.
231. Transit-of-Venus Expedition. Zoology Birds. By R. B. Sharpe.
4° London. 1877.
232. Contributions to tbe Natural History of Kerguelen Island.
J. 5 Ridder. Bull, of the U. S. Nat. Museum. Washington
1875. 8.
233. Contributions to the Natural History of Kerguelen Island,
made in connection with the American Transit-of-Venus Ex-
pedition 1874—1875. By J. H. Kidder. I. Ornithology, edited
by Dr. Elliot Coues. 8. Washington 1875.
234. Sur les oiseaux de Tile de St. Paul. Par M. E. Oustalet.
Bull. Soc. Acclim. 3. ser. II. 1875.
Beiträge zur Geschichte des Cuculus canorus.
Von
Forstmeister H, Goebel.
Da auf der diesjährigen Jahresversammlung der Ornithologen
zu Berlin der Kuckuk und seine Geschichte ausführlich besprochen
werden sollte, man also möglichst über ihn in’s Reine kommen will,
so gebe ich hiermit als mein Scherflein zur Klärung des über
den Vogel und seine Eier herrschenden Wirrwarrs Einiges aus
meinen Beobachtungen. — -
Für die Ansicht, dass der Kuckuk sich um das Wohl und
Wehe seiner Nachkommenschaft, wenigstens so lange sie noch
nicht dem Ei entschlüpft sind, kümmere, und zur rechten Zeit die
zukünftigen Nahrungsconcurrenten, die Nestjungen, noch bevor sie
das Ei verliessen, entfernt, sprechen mehrmals von mir an Nestern
der Calam. arundinacea gemachte Beobachtungen, in denen das eben
dem Ei entschlüpfte, das Nestchen lange noch nicht füllende Oueulus-
Junge der einzige Insasse war, während die zum Ausschlüpfen
reife Embryonen enthaltenden Nesteier im Schlamme oder Wasser
unterhalb des Nestes lagen. Sie konnten also unmöglich unab-
sichtlich durch das Kuckuksjunge über den Nestrand gestossen
werden, da dasselbe noch nicht den Raum füllte; wurden also ge-
waltsam entfernt, welches Verbrechen doch wohl nur dem alten
Kuckuk und nicht den Nesteigenthümern zugeschoben werden kann.
Dass häufig mit Kuckukseiern belegte Nester zerstört, oder
noch heil, jedoch mit Eifragmenten besetzt, gefunden werden, hat,
170 H. Goebel:
abgesehen von den Zufälligkeiten, denen jedes Vogelnest über-
haupt unterworfen ist, unbedingt seinen Grund in dem Umstande,
dass die Nesteigenthümer durchaus nicht immer das Kuckuksei,
besonders wohl, wenn sie das legende (’ucuwlus 2 auf dem Neste
attrapiren, annehmen. —
Ich beobachtete, als Beleg hierfür, in einem Rohrsumpfe ein
im Legen begriffenes (ueulus 2 auf dem Neste der Cal. arundına-
cea, welches, von den Eigenthümern angegriffen, nur der wüthend
herabstossenden Vögelchen sich erwehren konnte, indem es sich
wendend und kehrend den Kopf mit dem halbaufgesperrten Schnabel
den Angreifern entgegenstreckte. — Als es endlich das Nest ver-
liess, zerhackten vor meinen Augen, ehe ich die paar Schritte, die
mich vom Neste trennten, zurücklegen konnte, die Nesteigenthümer
das frisch gelegte Ei, und ich fand in dem Neste ausser den noch
warmen Resten des Cuculus-Eis ein frisch zerbrochenes, sowie ein
zweites zwar heiles, doch in die Schale eines dritten zerdrückten,
geschobenes Ei der Calamoherpe. — Es fand also ein heftiger
Kampf statt, dessen Ende ich beobachtete und der ein zerzaustes
Nest mit zerbrochenen Eiern zum Ausgange hatte. —
In Bezug auf Verwechslungen der Riesen- und Doppeleier
kleiner Vögel mit Ouculus-Eiern erlaube ich mir zu bemerken, dass
dieselben unmöglich wären, wenn man blos auf das Gewicht des
entleerten Ei’s achtete. — Während nämlich die Eier vom Cuculus
canorus 3°/; bis 4'/, Gran wiegen, übertrifit bei kleinen Vögeln das
Gewicht der anormal grossen Eier meist gar nicht oder nur um
eine winzige Kleinigkeit das Maximalgewicht der normalen, was
ganz natürlich ist, da, obzwar sich zwei Dotter zu gleicher Zeit
lösten oder eine ungewöhnlich grosse Eiweissmenge sich um ein
Dotter legte, nur die zur Umhüllung der normal grossen Flüssigkeit
nöthige Kalkmasse vorräthig sein konnte, daher das Ei wohl grösser,
dafür aber dünnschaliger und ausgeblasen nicht schwerer als ein
normal grosses sein musste. —
Auch die normalen, den Cueulus-Eiern gleich grossen oder
nahestehenden des Zanius collurio und Calam. turdoides sind immer
leichter, da das Maximalgewicht ersterer 31/, Gran (durchschnittlich
214,9), letzteres 3'/, Gran (dschn. 2!1%/,,) beträgt. — Abgesehen
also von der Verschiedenheit des Korns, welche doch nur sicher
unter der Loupe zu constatiren ist, liefert das Schalengewicht ein
genügend sicheres Criterium, und der Beweis dafür, dass es Cueulus-
Wier aller möglichen Färbung gäbe, und man es nicht mit Riesen-
Beiträge zur Geschichte des Cuculus camorus. 171
eiern zu thun habe, welcher erst nach langen Debatten geliefert
wurde, bei denen unendlich viel Zeit und Papier verschwendet wurde,
konnte viel schneller und leichter geliefert werden, wenn einerseits
alle Ornithologen etwas mehr Oologie trieben, andererseits wieder
die Oologen etwas weniger mit der Veröffentlichung von Maass
und Gewichtsbestimmungen zurückhaltend wären, besonders auf die
letzteren, die von vielen gar nicht einmal gemacht werden, mehr
Rücksicht nähmen, da das Gewicht in manchen Fällen das einzige
sichere Unterscheidungsmerkmal zwischen den ähnlichen Eiern
verschiedener Arten ist.
Ich besitze freilich nur die Maass- und Gewichtsbestimmungen
von 9 unzweifelhaften Cuculus-Eiern; da sie jedoch trotz bedeutender
Grössendifferenzen (21 bis 24,, Mlim. Länge bei 16 bis 17,, Mllm.
Breite) im Gewichte nur um °/, Gran variiren, obschon sie den
Nestern 6 verschiedener Species im Laufe vieler Jahre entnommen
wurden, so muss ich annehmen, dass das Gewicht der Cuculus-
Eier überhaupt sehr constant sei, daher ein sehr gutes Kennzeichen
abgiebt.
Herr Dr. Rey veröffentlichte seiner Zeit im Ornithologischen
Journal eine grosse Reihe von Grössenbestimmungen; er würde
Allen gewiss einen grossen Dienst leisten, wenn er nachträglich
auch die Gewichtsbestimmungen derselben gäbe. —
St. Petersburg, 15/27. September 1878.
Forstmeister H. Goebel
_; Meine ornithologische Sammlung.
Von
E. F. von Homeyer,
Wenn ich in nachstehenden Zeilen über meine Sammlung
spreche, so geschieht dies nicht allein, um der ornithologischen Welt
ein Bild davon zu geben, sondern auch diesen oder jenen Ornitho-
logen zu bewegen, die Sammlung mit eigenen Augen zu sehen.
Jetzt zumal, da die Zeit herannahet, wo die Ornithologen sich in
Stettin versammeln werden, ist der Wunsch in mir um so lebendiger,
dass es mir vergönnt sein möge, vor der Stettiner Jahres-
versammlung, manchen lieben Gast hier begrüssen zu dürfen
und dass es einmal wieder Tage geben möge, wo ich die Sammlung
mit einem Fachgenossen durchmustern kann.”
) Die Jahresversammlung der deutschen Ornithologen soll bekannt-
- lieh vom 23, bis 26. Mai 1879 zu Stettin stattfinden, Nach der
172 E. F. v. Homeyer:
Eine solche Musterung, glaube ich, verdient meine Sammlung,
da dieselbe seit langer Zeit mit Rücksicht auf elimatische und
locale Formen angelegt ist, wie es wenige Sammlungen sind.
Wenn ich von den allerersten Anfängen absehe, wo meine
Sammlung sich auf deutsche Vögel beschränkte, so war während
des längsten Zeitraums meines Sammelns mein Streben dahin
gerichtet, die Europäer möglichst vollständig zusammenzubringen.
Im Laufe der Zeit musste ich mich noch etwas weiter ausdehnen
und verwandte Arten auch aus andern Welttheilen in meine Sammlung
aufnehmen. So hat es sich denn herausgestellt, dass Nordafrika,
Nordamerika, besonders aber Asien sehr wesentliche Beiträge
ge&eben haben, zumal ich unsere heimischen Arten, vorzüglich die-
jenigen, welche zu Abänderungen neigen, aus allen Ländern zu
vereinigen strebte, wo mir dazu die Gelegenheit geboten wurde.
Dabei habe ich denn erfahren, dass locale Abänderungen weit
öfter vorkommen, als man dies gewöhnlich zu glauben geneigt ist,
und dass das genaue Studium derselben uns die besten Fingerzeige
für den Zug der Vögel giebt.
Einige Arten scheinen allerdings fast ganz unempfänglich für
climatische Einflüsse zu sein, auch dann, wenn sie sich nicht mehr
auf ihre eircumpolare Heimath beschränken, sondern weit südwärts
und über den Aequator hinaus wandern.
Als unübertroffen in dieser Beziehung steht der Steinwälzer
da, der alle Meeresküsten der ganzen Welt besucht und überall
derselbe bleibt.
Andere Strandvögel kommen ihm darin wohl zunächst, vielleicht
um deswillen, weil die climatischen Verhältnisse an der Küste
weniger wechseln, als diejenigen der Binnenländer. Unzweifelhaft
haben dergleichen locale Verhältnisse einen bestimmten Einfluss
auf die Naturproducte des Binnenlandes.
Was die Einwirkung des Klimas auf die Färbung der Haut,
Haare und Federn anbelangt, so ist derselbe ja längst anerkannt
und tritt schon beim Menschen recht deutlich zu Tage. Aber auch
bei den Säugethieren und Vögeln ist der allgemeine Einfluss ein
ähnlicher, wenn auch die Farben sich anders an Haaren und Federn
entwickeln, als an der menschlichen Haut.
Schon Gloger hatin seiner kleinen Schrift über das Abändern
der Vögel viele interessante Beobachtungen gesammelt. Wenn
Versammlung wird es mir nicht möglich sein hier liebe Gäste zu begrüssen,
indem ich von Stettin aus eine weitere, längst geplante Reise machen muss,
Bi
Meine ornithologische Sammlung. 173
auch die Schlussfolgerungen sehr oft zu weit gehen, so hat er doch
darin unzweifelhaft Recht, dass Afrika die Rostfarben und Nord-
asien die weisslichen Farben begünstigt, letzte jedoch mit der
Beschränkung, dass grauliche Farben auch wiederum im hohen
Norden dahin neigen, mehr dem Schwarz sich zu nähern oder
darin aufzugehen.
Aber auch schöne blaue und rothe Färbungen finden wir im
nördlichen Asien, wie sie an manchen Blumen des Nordens und
der Alpen besonders intensiv vorkommen.
Allgemeine Regeln für die Form lassen sich schwer auf-
stellen, doch neigt der Norden zur grössern Form, während
der Süden und der äusserste Osten Asiens gewöhnlich kleinere
Formen, oft bei etwas lebhafterer Färbung, haben.
Mit grossem Interesse habe ieh auch die Extremitäten der
Vögel, namentlich die Flügel im Norden und Süden, zumal bei den
Wandervögeln verglichen. Dabei habe ich gefunden, dass die
Flügel derjenigen Arten, welche grössere Reisen bei ihren Wande-
rungen zu machen haben, keinesweges durchschnittlich oder gar
in der Regel mehr ausgebildet sind, wie diejenigen ihrer mehr
südlichen Verwandten, und dass hier das oft behauptete Prinzip
der Darwin’schen Lehre sich nicht als richtig erweist. Es mag mir
vorbehalten bleiben, die Beweise für diese Beobachtung an einem
andern Orte zu liefern, da es hier zu weit führen würde.
Für diese Arbeit eine Wahl des zu behandelnden Gegenstandes
zu treffen, war mir nicht leicht, indem der hochinteressanten Gruppen
gar zu viele sind. Hier gab eine gelegentliche Aeusserung meines
lieben Freundes, des Professors Dr. Cabanis, den Ausschlag, der
einmal den Wunsch aussprach, die Gruppen der schwarzköpfigen
Pyrrhula-Arten ausführlich behandelt zu sehen. Wenn ich auch
nun in der Uebersicht meiner Sammlung keine Monographie geben
kann, so kann ich doch in grossen Zügen meine Ansicht über die
Arten und Formen aussprechen, und ich gebe daher nachstehend
die finkenartigen Vögel meiner Sammlung.
Fringillidae Sw. 1831.
Fringilla L.
coelebs Pommern, darunter eine schöne gelblich weisse Varietät.
4 Stück.
montifringella L. Pommern und Lappland, dabei das Nestkleid.
6 Stück.
174 E. F. v. Homeyer:
ruficollis Hume. Indien. Ein ächter Bergfink aus Nordindien.
1 Stück.
Cardueliüs Stephens 1826.
elegans, St. Pommern in verschiedenen Kleidern. 6 Stück.
cantceps. Turkestan, von Sewerzow & und 2.. Eine sicher
bestimmte Art. 2 Stück.
Kawariba Temm. Amur & 2. Sicher bestimmte Art. 2 Stück.
(Gehört entschieden zu Carduelis und nicht zu Zigurinus, wie manche
Schriftsteller annehmen.)
Chrysomistris Boje 1828.
spinus L. Pommern, in verschiedenen Kleidern, darunter das
Nestkleid. 5 Stück.
Dybowski. Q ad. Am japanischen Meer. 1 Stück. (Ueber
die Artberechtigung kann ich aus Mangel an hinlänglichem Ma-
terial kein Urtheil aussprechen.)
Oraegithus*) Cab. 1854.
pusillus Pallas.. Vom Kaukasus und vom Taurus. 4 Stück.
Oitrinella Bp. 1838.
alpina Bp. et Scop. Aus der Schweiz. 5 Stück.
Serinus Koch 1816.
hortulanus Koch. Schweiz und Norditalien. 4 Stück.
Ligurinus Koch 1816.
chloris L. Pommern, Schweiz. 4 Stück.
chloroticus Cab. Südspanien. 2 Stück.
Es wird wohl nicht thunlich sein, diese Form, welche sich nur
durch etwas geringere Grösse und lebhaftere Färbung von
chloris unterscheidet, artlich zu trennen, zumal die besonders
schönen alten Männchen aus Deutschland den spanischen sehr nahe
kommen und auch die Grösse theils allmählich nach dem Süden zu
abnimmt, theils der Unterschied derselben sehr unwesentlich ist.
Petronia Kaup. 1829.
rupestris Bp. 1838. Italien, Frankreich, Spanien, Saalthal. 6
Stück.
Mein Exemplar aus dem Saalthal ist ein junger Vogel, den
ich früher von C. L. Brehm mit vielen seiner Art, welche ebenda
erlegt waren, erhielt. Damals (vor eirca 40 Jahren) kam dieser
Vogel dort nicht selten, namentlich in der Lobedaburg, vor. In
neuerer Zeit ist er jedoch wiederum in Thüringen als Brutvogel
gefunden.
*) Es ist vielleicht richtiger diese Art einfach mit Serinus zu vereinigen,
Meine ornithologische Sammlung. 175
In der Sammlung des Herrn Heydemann zu Thalberg bei
Treptow a. d. Tallense befinden sich zwei Steinsperlinge, welche
Herr Heydemann selbst unter einem Schwarm von Leinzeisigen
erleste.
Die Steinsperlinge Europas zeigen keine localen Verschieden-
heiten. Sehr nahe und wohl kaum artlich zu trennen ist:
P. breviroster vom Flusse Argun aus Ostsibirien. 1 Stück.
Montifringilla Brehm 1828.
nivalis L. Aus der Schweiz. 4 Stück.
brunneinucha. Amur. 2 Stück.
arctoa. Sibirien. 4 Stück.
Passer domesticus. L. Pommern, Thüringen, Davurien,
Klein-Asien, Nordamerika. 12 Stück.
indicus altes 3 aus Indien, unterscheidet sich entschieden von
dem europäischen. 1 Stück. "
hispaniolensis. Temm. Algier, Spanien, Klein-Asien. 6 Stück.
cisalpinus Temm. Süd-Tyrol, Toskana. 5 Stück.
montanus L. Pommern, Sibirien, Indien. 7 Stück.
Der Feldsperling zeigt sich bei seiner grossen Verbreitung
durch den grössten Theil von Europa, Asien und einen Theil
Afrikas ausserordentlich constant.
Coccothraustes vulgaris P. Pommern. 7 Stück.
japonicus Schleg. Amur. 1 Stück.
Hier kann ich meinen Zweifel nicht unterdrücken, theils über
die Selbstständigkeit der Art, theils über die Identität des Vogels
vom Amur mit dem japanischen. Das mir vorliegende Exemplar,
von Dr. Dykowski gesammelt, unterscheidet sich in sehr geringem
Maasse von unserem europäischen Vogel, theils durch etwas ge-
ringere Grösse, theils durch wenig blassere Färbung. Wie bei so
manchen Vögeln aus dem Amurlande, mag auch dieser Kernbeisser
eine Mittelstellung zwischen dem japanischen und europäischen oder
sibirischen einnehmen, ohne dass man ihm ein Artrecht zuerkennen
könnte.
Coccothraustes melanurus. Amur. 1 Stück.
©. personatus. Amur. 1 Stück.
Pyrrhula rubicilla. (Pallas 1811—31.)
Pall. Z R. A. U p. 7. (1811—1831.)
Pyrrhula major C. L. Brehm V. D. p. 252. (1832.)
Pyrrhula vulgaris (Brisson). Brehm 1831. 1. c.
Pyrrhula coccines de Selys, Faune Belge, p. 70. (1842.)
176 E. F. v. Homeyer:
Pyrrhula europaea (Auctorum.)
Loxia pyrrhula Lin. S. N. p. 300. (1866.)
Pommern, Thüringen, Schweden, Sibirien, Macedonien. 25 Stück.
Diese grosse Art oder Form gehört entschieden dem Norden
und Osten von Europa und dem nördlichen Asien an, wo die
kleine Art nicht vorkommt, wenigstens bisher nicht nachgewiesen
wurde Auch im östlichen Pommern kommt nur die grosse Art
oder Form vor, wenigstens habe ich unter Hunderten dieser Vögel,
welche ich im Laufe der Zeit (in 39 Jahren) hier erhielt und die
ich sorgfältig verglichen habe, stets nur diese gefunden, während
in Vorpommern mir in manchen Jahren Exemplare vorgekommen
sind, welche der kleinen Art angehören. Letzte halte ich für
Vögel, welche in Vorpommern genistet haben, was dort bisweilen,
wenn auch sehr einzeln, geschieht, während in hiesiger Gegend
mir ein solcher Fall nicht bekannt geworden ist. Aus Sibirien be-
sitzt meine Sammlung fünf Stück, welche alle und auch diejenigen,
die ich anderweitig sah, der grossen Art angehören und sich von
den europäischen nicht unterscheiden. Ebenso gehören alle schwe-
dischen Dohnpfaffen, nicht allein diejenigen meiner Sammlung, son-
dern auch alle die, von denen ich Kenntniss nehmen konnte, der
grossen Art an. Der Grössenunterschied beider Arten ist ein so
bedeutender, dass man den Vogel sofort auf den ersten Blick
erkennt, wozu noch kommt, dass die Färbung bei diesen in der
Regel lebhafter wie bei der kleinen Art ist und das schöne Roth
des Männchens nie durch eine bräunlich-graue Mischung getrübt
wird, wie dieselbe bei der kleinen Art gewöhnlich ist. Mittelformen
sind mir aus Deutschland nicht bekannt geworden.
Man hat nun diese Art Pyrrhula coccinea genannt und geht
dieselbe unter diesem Namen in den neueren Werken. Dieser
Name ist jedoch aus verschiedenen Gründen zu verwerfen. Nicht
allein, dass der Name von Pallas älter ist, als der von de Selys
gegebene, und kein Zweifel bleibt, dass Pallas darunter die grosse
Art verstanden hat, indem in den von diesem ausgezeichneten
Forscher bereisten Gegenden nur die grosse Art vorkommt, so wäre
ausser Pallas auch noch C. L. Brehm zu berücksichtigen, der in
seiner Naturgeschichte aller Vögel Deutschlands beide Arten sehr
kenntlich unterscheidet. Brehm’s Pyrrhula peregrins und ger-
manica gehören ohne Zweifel der kleinen Art an, während seine
Pyrrhula major ebenso sicher die grosse Art bezeichnet. Dresser
l. c. nimmt auch den Namen von Brehm an, doch ist hier wohl
Meine ornithologische Sammlung. 177
die Priorität für Pallas. Hierzu kommt nun noch, dass Pyrrhula
vulgaris Temm. von den meisten Autoren auf die weit seltenere
kleine Art bezogen wird, was gänzlich unthunlich ist, um so mehr,
als Temminck diesen Namen nach dem Vorgange Brisson’s auf beide
Arten angewendet hat.
Pyrrhula germanica Brehm. 1838.
Der deutsche Gimpel. V. D. p. 252.
Pyrrhula vulgaris de Selys. 1. c. 78.
Pyrrhula vulgaris Degland et Gerbe. I.p.250, (exlusis Synonymis*)
Pyrrhula europaea Dresser. P. L.
Pommern, Westphalen, Rheinprovinz. 13 Stück.
Ein für Pommern seltener Vogel, der in Mecklenburg und
Vorpommern jedoch bisweilen niste. Durch die Güte des Herrn
Baumeisters Sachse zu Altenkirchen, Reg. B. Coblenz, habe ich eine
grössere Zahl dieser kleinen Gimpel im Fleische vergleichen
können. Dort ist er nämlich häufig als Brutvogel und sehr zahl-
reich im Winter in den Gärten. Wie bei dem vorigen erwähnt,
ist er im Fleische mit demselben nicht zu verwechseln und auch
der auffallend kleine Schnabel unterscheidet ihn leicht bei Vögeln,
welche widernatürlich ausgestopft sind. Diese Art kommt von Mittel-
deutschland bis nach dem Norden von Portugal, in England und
den dazwischen liegenden Ländern als Brutvogel vor, hat aber
doch lange nicht den vierten Theil der Verbreitung, wie der grosse
Gimpel. Gänzlich unthunlich ist es, für diese Art den von Pallas
für die sibirischen und osteuropäischen Dohnpfaffen gegebenen
Namen anzuwenden, wie dies in neuerer Zeit vielfach geschehen
ist, denn, wie oben bemerkt, begreift der von Pallas gegebene Name
Pyrrhula rubicilla die grosse Art, welche allein in Sibirien vor-
kommt. Es kann dabei nicht irre machen, wenn Pallas die Männ-
chen von Pyrrhula cineracea für alte Weibchen dieser Art hält,
da er die rothen Männchen ausdrücklich erwähnt. Diese rothen
Männchen aber gehören der grossen Art an.
#) Die von Dresser zu dieser Art citirten Synonyme sind zum grossen
Theil unsicher und daher besser wegzulassen. Latham’s Loxa pyrrhula
(Ind. Or. I. p. 387.) gehört wohl unzweifelhaft der grossen Art an, da
die kleine in Asien bisher nieht nachgewiesen wurde. Fringilla pyrrhula,
Temm. Pyrrhula europaea Vieillot, Pyrrhula rufa Koch, sind auf beide
Arten oder Formen zu beziehen und ist es deshalb besser diese Namen
keiner bestimmten Art zu geben. Es bleibt daher nur übrig den von
€. L. Brehm gewählten Namen als den ältesten anzunehmen.
Gab. Journ, f, Ornith, XXVIL Jahrg, No. 146, April, 1879, 12
u or
178 E. F. v. Homeyer:
' Pyrrhula cineracea Cab.
Der graue Gimpel.
Zwei Männchen und ein Weibchen meiner Sammlung kommen
mit den vielen, welche ich in Händen hatte, überein.
Die alten Männchen unterscheiden sich sehr leicht durcb die
reine grauliche Unterseite von den alten Weibchen der beiden vor-
hergehenden Arten, die stets dadurch dunkler sind, dass das Graue
einen Stich in’s Röthliche hat, auch ist der Schnabel bei Pyrrhula
cineracea schwächer. Weniger entscheidend sind die zwei anderen
Kennzeichen, die röthliche Zeichnung auf den Aussenfahnen der
kleinsten Schwungfeder und der weissliche Streif neben dem Schafte
der ersten Steuerfeder, welche nicht ganz constant sind, indem
auch bei den rothbrüstigen Gimpeln einzelne Exemplare vorkommen,
bei denen das Roth auf den letzten Schwingen fast gar nicht be-
merklich und dagegen der weissliche Streif auf der ersten Steuer-
feder vorhanden ist, während bei Pyrrhula cineracea der weisse
Streif nicht immer ausgeprägt erscheint.
In der Grösse steht Pyrrhula cineracea nicht unwesentlich
gegen die sibirische rothbrüstige Art (P. rubieilla P.) zurück,
namentlich durch den kleinen Schnabel und weit kürzeren Fittig.
Pyrrhula erythrocephala 1 Stück. Indien.
Pyrrhula nipalensis 1 Stück. Indien.
Die ‚japanische Art, mit grauem Bauche und rothem Halse
des Männchens, habe ich bisher nicht erhalten können.
Carpodacus Kaup. 1829.
Der von Brehm 1828 gegebene Name Erythrina ist wohl
als der ältere vorzuziehen.
Carpodacus erythrinus Pall.
Pommern, Wolga, Ural, Moskau. 6 Stück.
C. frontalis. Kalifornien. 1 Stück.
©. purpureus. Nordamerika. 4 Stück.
CO. roseus Sibirien und Amurland. 6 Stück.
Ö. caucasicus Pall. Transkaukasien 1 Stück, ein sehr schönes
altes Männchen.
Bucanetes githagineus Cab. 1851. Nordwestafrika und In-
dien. 4 Stück.
Erythrospiza obsoleta. Turkestan. 1 Stück. Severyar.
Uragus sibiricus. Baikal. 4 Stück.
sanguinolentus. Amur. 3 Stück.
Meine ornithologische Sammlung. 179
Die Amurexemplare scheinen eine Mittelform zwischen den
sibirischen und japanischen zu bilden, sind ein wenig kleiner
und dabei lebhafter gefärbt, als die sibirischen, jedoch nicht mehr
als dies bei vielen anderen Vögeln, welche man bisher nicht ge-
trennt hat, vorkommt. Ich kann mich daher mit dieser artlichen
Trennung nicht befreunden, so lange nicht wesentliche Verschieden-
heiten in der Lebensweise beider Formen nachgewiesen sind.
Loxia curvirostra L. Pommern, Schweden, Karpathen, Thü-
ringen, Sibirien. 24 Stück.
Loxia pityopsittacus. Bersch. Pommern, Schweden, Mace-
donien. 13 Stuck.
Loxia americana Wils. Nordamerika. 7 Stück.
Lozxia leucoptera Wils. Labrador. 3 Stück.
Davon muss ich einen Kreuzschnabel aus Nordamerika nach
zwei ganz gleichen alten Männchen meiner Sammlung unter-
scheiden, die ich ihrer ausserordentlich dunklen Färbung wegen
nenne:
+ Doxia atrata nov. Sp.
Etwas kleiner als Z. leucoptera und bei fast gleicher Flügel-
länge mit einem um reichlich 10 mm. kürzeren Schwanz. Ausge-
zeichnet aber ist die Färbung dieses Vogels. Das Roth kommt im
Grundton dem des Hakengimpels am nächsten*), nur ist es etwas
dunkler und überall wie mit Schwarz gesättigt, ja diese Farbe breitet
sich förmlich aus, sowohl auf dem Rücken, als in Grundfedern
auf der Bauchmitte bis zur Brust, sowie an den Unterschwanzdeck-
federn. Auch die Fussfärbung ist dunkler als bei L. leucoptera. Die
meisten Flügelbinden sind ungetrübt, jedoch weniger ausgebreitet.
Dies zeigt sich bei der ersten (Spitzen) Binde in der Art, dass
dieselbe am Flügelrande kaum sichtbar beginnt, bis zur Mitte noch
sehr unbedeutend bleibt und sich dann rasch in einen grossen rund-
lichen Fleck erweitert, bei der zweiten Binde ist die Ausdehnung
überall weit beschränkter als bei Zoxia leucoptera.
Ein Melanismus ist es entschieden nicht. Dem widerspricht
nicht allein der Charakter der Färbung, sondern auch das gleich-
zeitige Vorkommen von zwei alten Männchen. Meine beiden Vögel
kamen aus Nordamerika.
E Lozxia bifasciata Brehm. Isis 1827.
' Sachsen, Ural, Sibirien, Amur. 10 Stück.
2 *) Das Roth ist ganz verschieden von dem irgend eines der vielen
Kreuzschnäbel, welche ich bisher sahe.
r
|
12*
180 - E. F.v. Homeyer:
Die alten Männchen vom Amur haben ein weit prächtigeres Roth
als alle anderen und man könnte sie mit demselben Rechte als
(Loxia elegans) kennen, wie dies bei anderen Amurvögeln geschehen
ist, indessen habe ich bisher einen Unterschied in den Verhältnissen
nicht auffinden können, auch bin ich nicht geneigt, Arten nur auf
mattere oder lebhaftere Färbung zu begrüuden. Wollte man dies,
so hätte man bei den Nordasiatischen Vögeln vielfach Gelegenheit.
Pintecola enucleator L.
Pommern, Preussen, Norwegen, Lappland, Sibirien, Labrador. 28
Stück.
Es ist mir ganz unmöglich, die nordamerikanischen Vögel
des Fichten- (Haken-) Gimpels als artlich verschieden von den
europäischen und nordasiatischen zu betrachten. Man kann die-
selben nicht einmal stets mit Sicherheit von den Euröpäern unter-
scheiden, vielweniger noch eine Diagnose aufstellen.
Leichter wäre dies noch bei den ostsibirischen Ficken
indem bei denselben die Färbung in beiden Geschlechtern viel
lichter ist, als bei den europäischen und nordamerikanischen, doch
sind das eben Erscheinungen, wie sie Sibirien bei vielen Vögeln
bietet.
Suthora bulomachus. Swh.
Nähe des japanischen Meeres. 1 Stück.
Cannabina. Brehm V, D. 1831. Hänfling.
O. sanguinea Landbeck 1834.
Pommern. 5 Stück.
©. flavirostris L.
Pommern. 6 Stück.
©. brevirostris Gould.
Turkestan, Severzow. 2 Stück.
Linaria. C. L. Brehm 1831.
Wenn ich nachstehend einen Ueberblick über diese Gattung
gebe, so muss ich mein Bedauern aussprechen, dass trotz aller
Mühen in den letzten Jahren es mir noch nicht gelungen ist, meine
Sammlung so auszustatten, als es zur Klärung der Arten dieser
hochinteressanten Gattung wünschenswerth wäre. Theilweise trägt
die Schuld auch ein Verlust, den ich durch unvergiftete nordische
Bälge hatte. Dennoch will ich einen Ueberblick der Arten geben,
soweit ich sie kenne und sie in meiner Sammlung vorhanden sind.
Obgleich ich nicht unterlassen habe, andere Sammlungen genau zu
besichtigen und zu vergleichen, so soll die heutige Arbeit sich be-
Meine ornithologische Sammlung. 181
sonders auf meine Sammlung stützen, zumal ich glaube, dass die
wesentlichen Formen in derselben vertreten sind. Wenn die Zeit
es mir erlaubt, so gebe ich bald eine Monographie der Leinzeisige,
die um so nöthiger sein dürfte, als nicht leicht bei irgend einer
unserer europäischen Vögelgruppen eine grössere Verwirrung
herrscht als hier und es wohl kaum ein ornithologisches Werk
giebt, wo die Synonyme dieser Gattung nicht unrichtig wären.
Es wird auch nieht möglich sein, alle einzelnen in den verschiedenen
Werken an den richtigen Platz zu stellen, jedoch will ich damit
den Anfang machen.
Die beste mir bekannte Arbeit ist die von Schlegel und Bo-
naparte gegebene in ihrer Monographie Des Loxiens. Leider lassen
die Abbildungen Manches zu wünschen übrig. Gould’s Vögel Eu-
ropas konnte ich nicht vergleichen und ich kann deshalb auch nicht
mit voller Sicherheit behaupten, was dieser Autor unter Linota
canescens verstanden hat, doch zweifle ich sehr, dass dies derselbe
Vogel ist, den spätere Autoren unter diesem Namen verstanden haben
und den Holböll in seinen grönländischen Vögeln als Zinota Horne-
manni aufführt. Ich muss an dieser Ansicht um so mehr fest-
halten, als es bisher noch nicht erwiesen ist, dass Zinota Horne-
manni jemals in Europa vorgekommen ist. Alle die Vögel von
unzweifelhaft europaischem Ursprunge, welche mir als L. canescens-
Hornemanni gezeigt wurden, erwiesen sich als Z. Holboellüi (Brehm),
welche von den neueren Autoren ganz unberücksichtigt geblieben
ist und von Dresser einfach zu Z. linaria gezogen wird. Aber nicht
allein, dass ich diesen Vogel früher bei C. L. Brehm sah und mit
ihm untersuchte, es befindet sich auch noch ein Orginal-Exemplar
von Brehm in meiner Sammlung, welches wohl niemand für 2.
linaria halten möchte, und welches die von Brehm aufgestellte Art
hinlänglich begründet, wie ich weiterhin nachweisen werde Es
ist auch anzunehmen, dass die Vereinigung der ‚Linota Holboellü
Br. mit Z. linaria durch Dresser eben nur nach einer unrichtigen
Deutung der Brehm’schen Arbeiten vollzogen wurde und dass Dresser
ebenso die Z. Holboellü mit L. Hornemanni verwechselt. Anderer-
seits wird dieselbe Art auch mit Dresser’s exiipes vereinigt, denn
die Pars LVII p. 3 gegebene vergleichende Tabelle zeigt dies deut-
lich bei den aus Tromsö gemessenen Exemplaren.
Ganz unerklärlich sind mir die Maasse bei Dresser von seiner
L. exilipes, indem die Schwanzlänge daselbst circa einen halben
"Zoll länger angegeben ist, als dieselbe bei einem Exemplar meiner
182 E. F. v Homeyer:
Sammlung aus der Gegend des Baikal ist, und kann ich um des-
willen kaum glauben, dass der Petschora Vogel mit dem ostsibi-
rischen übereinstimmt, wenn auch Dresser die ganz ähnlichen Maasse
eines Vogels aus Darasun giebt. Sehr zu bedauern ist es, dass in
der erwähnten Tabelle die Maasse der Schnäbel ganz unberück-
sichtigt bleiben, denn die Form und Stärke der Schnäbel sind bei
diesen Arten gerade sehr wesentlich, wie weiterhin gezeigt werden soll.
Die ornithologischen Reisenden in Sibiren und dem Amur-
lande: Middendorfi, von Schreck und Radde, haben die Arten a
priori als Varietäten einer Art betrachtet und ist deshalb 'nicht
überall nachzuweisen, welche Form sie vor sich hatten, nur so viel
scheint festzustehen, dass die kleinen hellen Leinzeisige durch
ganz Nordasien vorkommen und als Brutvögel dem höheren Norden
angehören.
Sehr zweifelhaft erscheint es mir, ob die L. exilipes von Coues
und mit ihr die kleinen hellen nordamerikanischen Leinzeisige
mit denen der alten Welt vereinigt werden dürfen, und ich habe
deshalb vorgezogen, den von Severzow gegebenen, wenn auch nicht
veröffentlichten Namen zu wählen, da er keinen Zweifel über die
Art lässt, die darunter verstanden werden soll.
* Linarda Hornemanni Holböll. |
Naturh. Tidsk, IV. p. 398. (1843.) Beitrag zur Fauna Grön-
lands von Holböll, übersetzt von Paulsen, p. 30. (1846) (Orig.
1840.)
Fringilia borealhis, Temm. Man. d’Orn. II. p. 264 (1835) nec
Vieil. (exclusis Syn. et partim).
Acanthis canescens Bp. et Schl. Monographie des Loxiens, D-
47. Taf. 51. (nec Gould.)
Linota Hornemanni Dresser. Pars LV. et LVI. (partim). '
Mir bisher uur aus Grönland bekannt, jedoch von Dresser auch
aus Spitzbergen aufgeführt. Drei Stück, jedoch mehr als ein
Duzend verglichen.
Diese Art ist von allen anderen Arten leicht zu unterscheiden |
und doch ist sie so oft verwechselt worden. Ganz vorzüglich
charakterisirt sie de Selys (Naum. 1856. p. 389.), indem er sagt:
„Was Ac. canescens betrifit, der in Belgien noch nicht beobachtet
wurde, so finde ich ihn sehr ausgezeichnet durch seinen
kurzen, starken Schnabel und seinen langen Schwanz, abgesehen
von seinem weisslichen Gefieder.“
Meine ormithologische Sammlung. 183
In der That wird hierdurch das Wesentlichste hervorgehoben, |
was zur sichern Unterscheidung dieser Art gereichen kann: der
kurze dicke Schnabel, der eine ganz andere (fast kernbeisserartige
Form) hat, wie seine Verwandten, der bei gleicher Grösse mit
Holboelli stets 6— 10 mm. längere Schwanz und die fast einfarbig
weisse Unterseite und Bürzel.
Mit Sicherheit ist diese Art weder in Europa noch auf Island,
wie angegeben wird, beobachtet,
Die von Dresser 1. e. gegebenen Abbildungen stellen keinen
grönländischen Vogel dar. Das alte Männchen stammt aus Spitz-
bergen und auf der anderen Tafel werden zwei Vögel gegeben, die
sicher beide nicht zu dieser Art gehören, wie weiterhin gezeigt
werden soll.
+Linaria Holboelli:. C. L. Brehm.
Vögel Deutschlands (1831) p. 280.
Aecanthis Hollboellii (Br.) Bp. et Schl. Monographie des Loxiens
p. 50. Taf. 50.
Pommern, Thüringen, Schweiz. 4 Stück.
Diese Art ist von fast allen Schriflstellern ausser Brehm und
Schlegel verwechselt worden, namentlich mit der vorhergehenden
Art. In der Grösse kommen sich dieselben auch sehr nahe, indem
Länge und Breite ganz ähnlich sind, auch in der Färbung nähern
sie sich, doch hat diese Art neben der weissen Unterseite und dem
gewöhnlich weissen Bürzel, dunkle Schaftfedern an den Hypochon-
drien und mehr oder weniger Streifen auf dem Bürzel. Dabei ist
der Rücken bei Holboellu einen Ton dunkler und beim alten Männ-
chen die Brust lebhaft roth, während Zornemann? nur einen zarten
rosenrothen Anflug hat. Bei gleicher Flügellänge ist der Schwanz
bei Holboellii wesentlich länger. Die wichtigste und constanteste
Unterscheidung bietet aber der Schnabel, der bei Zolboellii in seiner
Basis fast die Stärke von Hornemann?' erreicht, aber sehr wesent-
lich länger ist, so dass Zoldoelliv allein durch den Schnabel von
allen andern Leinzeisigen leicht zu unterscheiden ist.
Der von Dresser unter Aornemann? ]. c. abgebildete alte Winter-
vogel gehört dann auch zu Holboellii. Ebenso ist Zenota linaria,
Newton, Notes Orn. Jcel. p. 11. hierher zu ziehen, sowie wahr-
scheinlich alle grossen Isländischen Leinfinken, woher die vorige
‚Art bisher nicht nachgewiesen wurde. Unzweifelhaft wird auch
das am 24. April bei Whitburn erlegte Stück hierher gehören.
184 E. F. v. Homeyer:
+ Linaria brunnescens. NOV. sp.*)
Linota Hornemann? Dresser. P. LVI. (partim) Taf. Fig. infer.
Lappland, Grönland, Schweden. 7 Stück.
In der Grösse kommt der dunkle Leinzeisig dem vorher-
gehenden am nächsten, unterscheidet sich jedoch in vielen wesent-
lichen Dingen. Schon die Färbung ist so eigenthümlich, dass er
mit keiner anderen Art verwechselt werden kann. Die ganze Ober-
seite ist schwarzbraun mit sehr schmalen weisslichen und rostgelb-
lichen Federrändern, die auch auf dem Bürzel gegen die Grund-
farbe zurücktreten; die Kopfseiten sind ebenso mit sehr feinen
rostweisslichen Federrändern; der Kehlfleck sehr gross; die ganze
Unterseite bis auf die Bauchmitte mit vielen grossen dunkelbraunen
Längsfedern dicht bedeckt. Zwei in Lappland im Juni und Juli
erlegte Vögel, deren Geschlecht leider nicht bestimmt ist, zeigen ein
zartes Roth an den Kopfseiten. Die Flügelbinden sind nur an-
gedeutet.
Sehr charakteristisch ist der Schnabel. Derselbe ist an der
Basis etwas schwächer als Hornemannt, jedoch länger und bei
allen sieben Vögeln auffallend dunkel.
SM u >
Der von Dresser 1. c. auf der zweiten Tafel unten abgebildete
Vogel gehört hierher und ist keineswegs das Jugendkleid von Z.
Hornemanni, wie Dresser meint. Das Nestkleid kann es nicht sein,
denn dagegen spricht die rothe Kopfplatte und das weisse Herbst-
kleid von Z. Hornemann?' ist ganz hell und zeigt schon ganz den
Charakter der alten Vögel.
Linaria alnorum C. L. Brehm op. cit. p. 280. (1831.)
Fringilla linaria, L. Syst. N. I. p. 322.
Acanthis linaria, Schl. et Bp. Monographie des Loxiens p. 48.
Taf. 52.
Linota linaria, Dresser. ]. c. partim.
Pommern, Sachsen, Thüringen, Türkei, Stockholm, Lappland, Sibirien.
22 Stück.
Von allen Leinzeisigen am weitesten verbreitet und vielleicht
circumpolar, was sich jedoch mit Sicherheit noch nicht bestimmen
liess, indem gerade bei diesem Vogel die Synonymie ausserordent-
lich verwickelt ist und man gewöhnlich im Unklaren darüber bleibt,
was der Autor unter dem gegebenen Namen verstanden hat.
*) Diese Art unterscheidet sich auch noch von der vorhergehenden —
die einen sehr kleinen schwarzen Kehlfleck hat — durch den besonders
grossen Fleck.
I
Meine ornithologische Sammlung. .- .. 185
Von den kleinen Leinzeisigen ist dies der grössere und am!
lebhaftesten gefärbte Er gehört dem höheren Norden an und
kommt wahrscheinlich ebenso wenig auf den deutschen Alpen, wie
in Schottland vor, wo der folgende nicht selten nistet. Ob nord-
amerikanische Exemplare ganz mit den europäischen übereinstim-
men, ist mir noch zweifelhaft.
Linaria rufescens (V.) Schlegel et Bp. op. cit. p. 50. T. 54.
Linota rufescens Dresser op. cit. LVII. partim.
Deutschland, Schottland, Gothland, Schweden, Amerika. 25 Stück.
Die Synonymie ist, wie bei der vorigen Art, schon um deswillen
nicht füglich klar zu legen, weil die meisten Autoren theils mehrere
Arten unter einem Namen aufgeführt, theils die Arten gar nicht
auseinander gehalten oder mit einander verwechselt haben.
. Vögel wie die Leinfinken, wo die Arten sich so nahe stehen,
dass man oft Mühe hat, ein bestimmtes Exemplar unterzubringen,
nach Beschreibungen älterer Autoren zu bestimmen, wird sich wohl
nicht in allen Fällen durchführen lassen. Wenigstens ist Dresser
mit den Brehm’schen Bestimmungen nicht überall glücklich gewesen
und in vielen Fällen hat er entschieden fehlgegriften. Wenn ich
hierauf jetzt nicht weiter speciell eingehe, so hat dies seinen Grund
darin, dass ich hoffen darf, Brehm’s Sammlung einzusehen und
dann mit grösserer Sicherheit über diese Frage urtheilen kann, als
nach den wenigen Orginal-Exemplaren von Brehm, welche sich in
meiner Sammlung befinden.
+ Linaria sibirica, Severzow (in litt.)
Linota exilipes Dresser 1. c. (partim.)
Fringilla linaria Middendorft Reisen II. 2. p. 150. (partim.)
Diese ausgezeichnete Art ist gleichsam eine kleine Ausgabe
der Z. Hornemanni für die alte Welt. Dresser hält diesen Vogel
für übereinstimmend mit der 7. ezilipes von Coues aus Nordamerika,
was ich sehr bezweifle, wenigstens stimmen die angegebenen Maasse
durchaus nicht mit den sibirischen überein. Dresser hat auch nur
ein Exemplar von Dybowski verglichen, wohl aber eine Reihe von
der Petschora. In Sibirien aber kommen verschiedene Arten vor
und es frägt sich, ob diejenigen aus Westeuropa mit Zinaria sibirica
identisch sind. Ich besitze eine Anzahl Leinzeisige aus Lappland
und der Nachbarschaft von Stockholm, habe jedoch diese Art bis-
her nicht aus Scandinavien oder gar aus Deutschland erhalten
können, so sehr ich mich auch darum bemüht. Dies wäre nun
freilich kein Beweis, aber die von Dresser gegebenen Maasse stimmen
I
Di;
be
+
186 E. F. v. Homeyer: Meine ornithologische Sammlung.
nicht mit Z. sibirrca, namentiich nicht in der Schwanzlänge, welche
bei den verschiedenen Arten der Leinzeisige weit constanter ist,
als die Flügellänge.
Vergleicht man die von Dresser in der Tabelle bei Zinota linaria
gegebenen Maasse, so wird dies sehr augenfällig. So hat z. B. ein
Stück seines Fornemanni aus Grönland einen Schwanz von 2,62 Zoll,
während ein Exemplar eines Z. ezilipes aus Tromsoe 2,68 misst.
Letztes ist wohl zu keiner der beiden Arten zu ziehen, sondern ge-
hört sehr wahrscheinlich zu L. Holboellii, Auch das nordameri-
kanische Exemplar ist nach den gegebenen Maassen weit stärker
als die sibirischen und kann mit demselben Rechte zu Z. Horne-
mann? gezogen werden.
Leider liegen mir nur 3 L. Hornemanni und 4 L. sibirica vor,
doch geben dieselben um so mehr einen Anhalt, als ich, wie oben
erwähnt, noch eine Reihe der ersten Art untersucht, auch noch einige
der letzten verglichen habe.
Beide Arten stehen sich in der Färbung und in der Form am
nächsten, weichen aber von einander in der Grösse sehr wesentlich
und auch in den Verhältnissen ab.
Die Schnabelform ist bei beiden ähnlich, insofern, als sie kurz
ist, aber bei Hornemanni ist es ein dicker, bei sidireca ein zarter
Schnabel, der nach cubischem Gehalt weit unter der Hälfte der
Masse bleibt. Der Flügel am Hornemanni misst 3,3 bis 3,5 Zoll,
der Schwanz 2,4 bis 2,6 Zoll; bei siderica 2,8 bis 2,9 und 2, bis
2,1 Zoll. Man ersieht daraus leicht, dass die Maasse des Schwanzes
allein genügen, um beide Arten sicher auseinander zu halten.
Dresser giebt nun in der erwähnten Tabelle die Schwanzlänge
von L. Hornemanni zu 2,62 bis 3 Zoll, die von Z. exilipes zu 2,30
bis 2,58 Zoll an, was, abgesehen von den etwas grösseren Zahlen
(Engl. Maass), wie bereits erwähnt, gar keine oder eine sehr un-
sichere Begründung auf diese Maasse zulässt.
Ausser einigen kleinen anderen Verschiedenheiten zeichnen sich
die Männchen von Z. sidirica auch durch ein lebhafteres Roth auf
der Brust aus, während 2. Hornemanni nur einen rosenrothen An-
flug hat. Diese sehr verschiedene Färbung beider Arten ist in
der Tafel des Dresser’schen Werkes durchaus nicht hervorgehoben
und dies bestärkt mich in der Ansicht, dass die Z. exelipes von
Dresser und meine und Severzows Linaria sibirica verschieden
sind. Diese Art ist eine der kleinsten aller Leinfinken und hat mit
L. Hornemanni weiter nichts gemein, als den Charakter der
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Dr. G. Hartlaub: Ueber einige selt. Vögel d. Bremer Samml. 137
Färbung und den verhältnissmässig kurzen Schnabel, unterscheidet
sich aber in so vielen Dingen, namentlich auch in der Grösse, dass
eine Unterscheidung beider Arten sehr leicht wird, während die von
Dresser gegebenen Maasse sich nahe berühren.
Middendorff fand unsern Vogel an der Boganida (71°) als
Brutvogel.
In der Sammlung 4 Stück vom Onon und Baikal.
Im Ganzen 54 Arten und 318 Stück finkenartiger Vögel.
. Zu bemerken ist, dass die Sammlung bei vielen andern Gruppen
wesentlich reicher ist, namentlich bei Raubvögeln, Drosseln, Laub-
vögeln, Lerchen, Pieper, Bachstelzen, Meisen, Ammern, Rohrsängern
und vielen Sumpf- und Wasservögeln.
Stolp, am 26. März 1879.
Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung.
Von
Dr. G. Hartlaub.
Als ich im October d. J. gelegentlich der Weltausstellung in
Paris verweilte und zwar in der angenehmen Gesellschaft meiner
englischen Freunde Sclater und Forbes, zeigte uns Dr. Oustalet,
der fähige und eifrige Nachfolger Jules Verreaux’s an der pracht-
vollen Vogelsammlung des Pflanzengartens, verschiedene kürzlich
erworbene ornithologische Novitäten. Unter diesen waren für mich
von hervorragendem Interesse eine zierliche völlig neue Form der
africanischen Glanzstaare und ein merkwürdiger entfernt an
Psittacirostra erinnernder Vogel von Hawai, bekanntlich der
grössten Insel der Sandwich-Gruppe. Erstere hat Oustalet unter
dem Namen Coceycolius iris, letzteren unter dem Namen Zowioides
Bailloni kurz beschrieben. Da nun von beiden Vögeln ein schönes
altausgefärbtes Exemplar in den Besitz der Bremer Sammlung
gelangt ist, so wird mir damit die Gelegenheit zu einer etwas de-
taillirteren Mittheilung über dieselben.
Cocceyeolius, n. gen. Oustal.
Char. gen. Rostrum pro mole longum, rectiusculum, gracile,
apicem versus compressum, carinatum, maxilla apicem versus ar-
cuata naribus subovatis, in fossa majore positis, apertis, mandibula
recta, gonyde parte apicali vix conspicue adscendente.
Alae medioeres, remigibus 1—3 aequalibus, caeteris lougioribus.
Cauda elongata, aequalis, rectricibus 12 apice subrotundatis,
188 Dr. 6. Hartlaub:
P edes mediocres, graciles, tarso brevissimo, unguibus brevi-
bus, valde curvatis.
C. iris, Oust.
Oustal. Bull. Assoe. Scient. de France Dec. 15. 1878, p. 158.
Id. Bull. Soc. Philom. de Paris Dec. 14. 1878.
Diagn. Laete smaragdino-viridis, area majore, cireumscripta,
regionem paroticam includente pone-et infraoculari nee non epigas-
trii ventrisque lateribus late et intense purpurascente - violaceis;
subcaudalibus viridibus; rostro et pedibus nigris.
Long. tot. . . . circa 21 cent.
Cult
BEE LER
Ru RT RE
tar ea
Es erinnert dieser kleine Glanzstaar seiner schlanken Gestalt
sowohl als auch seiner Färbung nach so sehr an die Gattung
Chaleites, dass es der Vergleichung der Füsse bedarf, um eine
richtige Ansicht von seiner Stellung im System zu gewinnen. Das
brillante Metallgrün, die Hauptfarbe, ist nur um eine Schattirung
tiefer als bei Ohaleites smaragdineus, hat also nichts auch nur an-
nähernd Verwandtes in der ganzen artenreichen Gruppe der Zam-
prothornitinae. Abgesehen von dieser durchaus abweichenden Fär-
bung sind der verhältnissmässig lange, gestreckte und ziemlich
gerade Schnabel, der verlängerte Schwanz und die sehr kurzen
Tarsen für die generische Absonderung bezeichnend. Die Struetur
der Federn hat übrigens nicht das Schuppenartige wie bei Chalcites,
sondern erinnert unter den Glanzstaaren zumeist an den schon
durch den gänzlichen Mangel von Sammtfleeken der Be ab-
weichenden Lamprocolius melanogaster Sw.
Die Schwung- und die Steuerfedern sind schön grün mit
schwarzem Spitzentheil und breitem abgegrenzt schwarzem Innen-
rande; die Unterseite beider ist rein schwarz. Sehr eigenthümlich
erscheint das breite scharf abggrenzte tiefpurpurviolette Feld auf den
Kopfseiten ; dieselbe Farbe wiederholt sich breit auf den Bauchseiten,
auch hier ohne Uebergang abgetrennt von dem Grün der Bauch-
mitte, der Brust und der untern Schwanzdecken. Die inneren Flügel-
(lecken zeigen nur nahe dem Flügelrande schön goldgrüne Federn;
im übrigen sind sie schwarz. Schnabel und Füsse sind tiefschwarz.
Das Vaterland dieser Art ist die bis jetzt kaum mehr als
dem Namen nach bekannte nördlich von Sierra Leone ganz nahe
Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. 189
der Westküste Africas gelegene (9!/,° N. Br. 4° O. L.) sehr kleine
InselLoss;also eine Localität, die hier zum ersten Male ornithologisch
in Frage kommt.
Oustalet belehrt uns, dass auf dieser cc Loss noch ferner
gesammelt wurden: eine wahrscheinlich wit chaleurus zusammen-
fallende Zamprocolius-Art, ein Papagei (P. senegalus), ein Specht
(Campethera punctata), Merops nubicus, eine Schwalbe (Zir. senega-
lensis) und eine Taube (Columda Schimperi) sämmtlich der Fauna
Senegambiens angehörige Arten.
Bemerkenswerth ist noch, dass der übrigens so verwerfliche
Massenimport westafrikanischer Vögel zum Zweck des Federhandels
und der Damenmoden zur Entdeckung von Coceyeolius iris geführt
hat. Nach Oustalet beziffert sich nur allein die Zahl der jährlich
nach Europa importirten Glanzstaare auf nicht weniger als
100,000; ein Missbrauch, dem der denkende Naturforscher nicht
gleichgültig zuschauen kann.
2. Loxioides Bailloni, Oustal.
Oustal. Bull. Soc. Philom. de Paris 7° ser. t. 1. No. 3. 1877.
Sclater Ibis 1879, p. 89. pl. 2. Fig. opt.
Das schöne Exemplar dieses merkwürdigen Vogels, welches
die Bremer Sammlung besitzt, istein Geschenk unseres FreundesP.L,
Sclater und dasjenige, nach welchem die wohlgeiungene Abbildung
im Januarhefte angefertigt wurde. Es ist zugleich eines der
Originalexemplare zu Oustalet’s Beschreibung und stimmt mit den
in der Pariser Sammlung befindlichen in jeder Hinsicht überein.
Aber sowohl diese Beschreibung als auch die Auslassungen Selater’s
über die systematische Stellung dieser neuen Form scheinen mir
einige Ergänzungen und vervollständigende Bemerkungen zuzulassen
und solche dürften hier um so eher ihren Platz finden, als Lox:i-
‘otdes wenigstens bis jetzt von vaterländischen Sammlungen nur in
Bremen anzutreffen ist.
Lozioides, Oust.
Char. gen. Rostrum subpyrhulinum, breve, tumidum, ro-
bustum, rotundatum, non carinatum, integrum, maxilla valde cur-
vata, gonyde adscendente, naribus parvis, rotundatis in parva fossa
basali positis.
Alae mediocres, caudam dimidium non attingentes; remiges
primi ordinis novem, 1 = 5, 2 — 4, tertia omnium longissima.
Cauda subemarginata, pro mole satis elongata.
Pedes mediocres, oseinini, satis robusti, tarso vix conspicue
190 Dr. @. Hartlaub:
scutellato; digitus externus interno vix brevior; ungues valde Curvati,
graciles.
Species una:
L. Batlloni, Oust.
Diagn. Capite, collo et pectore superiore luteis, pileo non-
nihil in aurantiacum vergente; pectore inferiore, epigastrio, ventre,
subalaribus et subcaudalibus pallide cinerascentibus, ventre medio
subrufescente-lavato; dorso, uropygio et supracaudalibus sordide
cinereis; rectribus et remigibus fusco-nigricantibus, limbo externo
flavo-virentibus; tectricibus alarum late flavo-virente-marginatis;
rostro plumbeo-fuscescente, mandibula parum pallidiore; pedibus
plumbeo-nigricantibus. (ad.)
Tone. Tot. Meere 190 ME:
EB ee eh!
205 ira Ku Tl ee ar
[O1 BE a see.
EB A a u he
Es wiederholt dieser Vogel in allen Hauptzügen die Färbung
von Psittacirostra icterocephala. Aber das etwas unreine Gelb des
Kopfes und Halses ist weit dunkler als bei dieser und zeigt auf
dem Scheitel einen wenn auch noch so schwachen Strich in’s Orange-
bräunliche. Das Mittelgrau des Rückens ist nicht ganz rein und
hat undeutlich dunklere Beimischung. Das helle Grau des Unter-
körpers ist namentlich längs der Mitte schwach fleischröthlich über-
laufen. Im Gegensatze zu der sehr hellen Färbung von Schnabel
und Füssen bei Zsittacirostra erscheinen diese Theile bei Zoxioides
dunkel schwärzlich. Das beschriebene Exemplar ist ohne Bezeichnung
des Geschlechts
L. Bailloni stammt von Hawai und die Thatsache ist ge-
wiss eine merkwürdige, dass auf dem räumlich so beschränkten
und so isolirten Archipel der Sandwichinseln sich ein und dasselbe
Färbungssystem wiederholt bei zwei zwar systematisch verwandten,
‚aber generisch scharf von einander getrennten Formen. Trotz der
so erheblich abweichenden Schnabelform (die bei Psittacirostra
bekanntlich eine weit gestrecktere, schlankere und comprimirtere
ist), trotz der verhältnissmässig weit kürzeren Flügel (die bei
Psitt. die Schwanzmitte überragen), des verhältnissmässig längeren
Schwanzes und der kürzeren Zehen bei Z.oxiordes kann meiner
Ansicht nach hinsichtlich der nächstverwandschaftlichen Stellung
dieses Vogels zu Psittacirostra kein Zweifel obwalten. Das Längen-
Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. 191
verhältniss der grossen Schwungfedern zu einander ist bei beiden
nahezu dasselbe.
Wenn allerdings hinsichtlich der Stellung von Psittacirostra im
System Zweifel obwalten konnten, so werden diese Zweifel um Vieles
verringert durch den frappant fringillinen Eindruck von Zoxiordes.
Mit Oustalet placiren wir beide Gattungen bei den Finken und zwar
nicht allzuweit von Pyrrhula und Orueirostra. Wir können also die
kürzlich auch von Wallace acceptirte Ansicht S. L. Sclater’s, der
Lozxiordes und Psittacirostra mit Drepanis, Hemignathus uud Loxops
in eine der Sandwichgruppe eigenthümlich angehörende Familie
Drepanididae vereinigen möchte, jedenfalls nicht eher acceptiren,
als bis eine nähere Vergleichung des Sceletts und der Weichtheile,
namentlich der Zunge (Pinselzunge?) ihr entscheidendes Wort ge-
sprochen haben wird. Hemignathus mit Loxioides? Nein, das
heisst doch unseren vielleicht etwas antiquirten Anschauungen zu
viel zugemuthet.
3. Strix Oustaleti, n.
Proceed. Z. S. 1879 p.
Man kannte bisher nur eine Art von Schleiereulen als die
Inselgruppen des stillen Oceans bewohnend, nämlich die Lulu-Eule
(Strix delicatula, Gould.) Diese Eule ist bekanntlich über den
ganzen Continent Australiens verbreitet und wiederholt sich auf
den Gesellschaftsinseln, dem Tongaarchipel, der Viti- und der Samoa-
gruppe sowie anf den neuen Hebriden. Sei es hier beiläufig be-
merkt, dass wir die neuerlichst von Sharpe acceptirte Ansicht
Schlegel’s von der speciellen Zusammengehörigkeit von Str. delica-
tula mit Str. flammea sowie überhaupt von der kosmopolitischen
Verbreitung dieser letzeren keineswegs theilen. Die Vergleichung
zahlreicher Exemplare von Exemplaren der Lulueule von den ver-
schiedensten Localitäten hat uns im Gegentheil von der Eigenartig-
keit derselben überzeugt.
Sehr überraschend erschien uns nun vor Kurzem der Anblick
eines schönen Pärchens einer von Vitilevu stammenden, von Sir.
delieatula aber toto coelo verschiedenen Schleiereule, hinsichtlich
deren Herr D. Schmeltz, der rühmlichst bekannte Curator des
Museums Godeffroy in Hamburg, unsere Ansicht zu erfahren
wünschte. Dieses Pärchen war an den Ufern des Wai-manu, einem
Confluenten des Rewa-Flusses geschossen worden und ist mögilcher-
weise dieselbe Art, deren in einer Note Layard als von seinem
19 m nl) Dr @liHlartlaub:
el
Sohne und Anderen gesehen gedenkt. Sie figurirt in seinem Ca-
taloge der Vitivögel (Ibis, 1876, p. 391) unter dem Namen „Otus?“.
Wir beschreiben diese neue Schleiereule, dienach dem würdigen
Nachfolger J. Verreaux’s an der Pariser Sammlung, Herrn Dr. Ous- |
talet, zu benennen wir uns beehren, wie folgt:
Altes Männchen:
Oberseite: Auf dem überall durchscheinenden fahlröthlichen |
Grundcolorit bemerkt man grössere dunkelbraune Partien, auf
welehen kleine, unregelmässig rundliche, dunkelgesäumte weisse I
Flecke stehen. Diese Flecke sind auf dem oberen Theil des Rückens
noch kleiner, dabei etwas länglicher und unreiner weiss, überhaupt
undeutlicher. Gesichtsscheibe auf weisslichem Grunde braunröthlich |
überlaufen und tief dunkelbraun umrandet. Vor jedem Auge ein
schwarzbrauner Fleck.
Flügel. Schwungfedern 1. Ordn. nebst deren Deckfedern
auf der Aussenfahne hellrostfarben, nur längs des Randes schwärz-
lich vermiculirt mit schwarzen Bindenflecken, der Spitzentheil breit
schwärzlich; Innenfahne vom Schafte aus nach dem Rande zu von
hellroströthlich zu weiss abschattirt mit drei breiten schwärzlichen
Bindenflecken; die Innenseite der Primärschwingen weisslichfahl,
nach der Spitze zu röthlicher; kleine Deckfedern auf schwärzlichem
Grunde mit kleiner weisser Rundfleckung; Schulterfedern ähnlich
den Schwungfedern 1. Ordn., der. Spitzentheil der Aussenfahne mit
brauner Vermiculirung, die letzte auf dem breiten braunen Spitzen-
theil mit kleinen weissen Flecken. Innere Flügeldecken weiss,
ziemlich dicht mit grösseren schwärzlichen Rundflecken besetzt,
längs des Flügelrandes röthlich, die längsten mit breit schwärzlicher
Spitze.
Schwanz. Mittlere Steuerfedern hellfahlröthlich mit 3—4
ziemlich schmalen schwarzen Binden und breitem schwärzlich ge-
mischtem Spitzenfleck; die seitlichen heller, vielmehr weisslich
mit röthlichem Anflug längs der Mitte; der Spitzensaum aller un-
regelmässig weisslich.
Unterseite. Lebhaft hellroströthlich mit kleinen rundlichen
oder etwas in’s Dreieckige ziehenden schwärzlichen Flecken mässig
dieht besezt; Hinterleib, Steissgegend und Schenkel ungefleckt
weisslich; untere Schwanzdecken hellfakl, nach der Spitze zu mit
spärlicher undeutlicher Fleckung; Tarsus auf der oberen Hälfte
mit dichter kurzer weissröthlich wolliger Befiederung.
Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. 195
Schnabel hornweisslich. Füsse hell; die Klauen hellhorn-
bläulich.
Ganze Länge circa . . . . . 37 cent.
Birsh en eine 90. RBB TE
Elüselus:.,.... 33 cent. (26—27 c. delic.)
Schwanz . . RR... rn
Mittelzehe (ohne x). ea 2 DOM.
Tarsus . . . 81 mill. (60—62 m. del.)
Weibchen. Kleiner, untenher heller mit kleinen und weniger
deutlichen Flecken; innere Flügeldecken reiner weiss, aber gefleckt
wie beim Männchen; auch obenher etwas matter und heller mit
verhältnissmässig us grösserer Fleckung; Schwung- und Steuer-
federn in allen Tönen etwas heller.
Ganze Länge circa . . 35 cent.
Bluse: 55 a Bl
ars ne 9 n
”
Wie schon bemerkt, sind die Unterschiede in der Färbung
von Strix Oustaleti und Strix delicatula so bedeutend, dass es
hier in der That nur des Hinweises auf dieselben bedarf. Ganz ab-
gesehen aber davon ist der Bau beider Schleiereulen ein proportionell
sehr verschiedener, indem Flügel und Tarsen bei Sir. Oustaleti be-
deutend länger sind als bei Sir. delicatula.
Dagegen zeigt auf den ersten Blick Str. Oustaleti viel Aehnliehes
mit der hellen Farbenstufe von Sir. novae Hollandiae (personata).
Diese letztere ist indessen ein im Grossen und Ganzen stärker gebau-
ter Vogel mit wesentlich kräftigeren Füssen und Schnabel. Dem
gegenüber erscheinen Flügel und Tarsen verhältnissmässig länger
bei Str. Oustaleti. Bei Sir. novae Hollandiae ist der Tarsus bis
zu den Zehen hinab mit dichtem weissem Daun bekleidet; bei Sir.
Oustaleti trägt dagegen nur die obere Hälfte desselben ein ziemlich
spärliches Wollgefieder; die untere ist nackt.
Auch die Färbung beider Arten zeigt erhebliche Unterschiede.
Von der feinen weissliehen Vermiculation auf den oberen Partien
bei Str. novae Hollandiae ist bei Str. Oustaleti keine Spur zu bemerken.
Ebenso wenig zeigt diese letztere die an’s Bindenartige grenzende
Formveränderung der Flecken’ auf den Bauchseiten, wie bei Str
nov. Holl. Die Zahl der dunklen Bindenflecke auf den Schwung-
"und Steuerfedern ist 6 bei dieser letzteren Art, 3—4 bei Sir. Ou-
Be en, a£
taleti. Sehr verschieden ist noch die Färbung des Schwanzes bei
beiden Arten. Bei Str. novae Holl. erscheinen die hellen Inter-
Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 146. April 1879, 13
194 Neumann: Colonie von Zarus ridibundus.
stitien der Steuerfedern dicht braun und weisslich gemischt, bei
Str. Oustaleti! dagegen fahlröthlich und ohne alle Zeichnung. End-
lich ist der Spitzentheil der Schwingen 1. Ordn. grob gemischt
in Braun und Weisslich bei Sir. nov. Holl., einförmig schwärzlich-
braun dagegen bei Str. Oustaleti etc. etc. Es kann also auch
zwischen diesen beiden Arten von einer Verwechselung keine
Rede sein.
Das Vorkommen von zwei Arten von Schleiereulen auf einem
auch nur annähernd so beschränktem Gebiete wie die Insel Viti-
Levu steht durchaus vereinzelt da.
Das hier beschriebene Pärchen von Strix Oustaleti ziert das
an naturgeschichtlichen und ethnographischen Seltenheiten aller
Art so reiche Museum Godeffroy in Hamburg. Soviel uns bekannt,
sind diese beiden Vögel bis jetzt die einzigen nach Europa gelangten.
Ueber die Adelsdorfer Colonie von Larus ridibundus
bemerkt Herr Neumann in Grossenhain (Sachsen): „Am 8. April
war die Colonie vollständig besetzt, d. h. von ca. 2000 Lachmöven.
Die Mehrzahl verlässt früh am Tage den Brutplatz und streicht den
Tag über in der Umgegend umher; sie setzen sich gern an Wasser-
gräben und an Vertiefungen der Wiesen, wo sich noch schlammige
Ueberreste vom Winterwasser befinden, folgen dem Landmann hinter
den Ackerpflug und kehren Abends unter lautem Geschrei zurück.
Vom 8. April an -begann der Bau des Nestes. Am 17. April |
wurden die ersten Eier gefunden. Das Sammeln derselben wird
vom Jagdpächter alle 3 Tage wiederholt; am 21. April wurden
243 Stück, am 6. Mai die letzten, gegen 400 Stück, gesammelt.
In den Nestern, welche 3 Eier enthielten, liess man diese zum |
Ausbrüten liegen. Als die Vögel Junge hatten, bewiesen sie eine
ungemeine Fürsorge und Aengstlichkeit; sie umschwärmten uns,
als wir am Teiche standen, mit ängstlichem Geschrei, und ver-
folgten uns bei unserm Weggange in Schaaren die Hälfte des
Weges zur Stadt. Wenn die Jungen flugbar werden, verlassen
sie zum grössten Theil die Colonie, und beim Beginn der Enten- |
jagd (1. Juli) gewahrt man sie nur noch einzeln auf dem Teich.
Von nun an sieht man sie bloss noch in mehren Familien bei-
sammen auf den Fluren und Wiesen, bis sie nach und nach ver-
schwinden. Am 2. October wurden die letzten bemerkt“.
N
Dr. J. A. Palmen: Zur Discussion über die Zugstrassen. 195
Zur Discussion über die Zugstrassen.
von
Dr, J. A. Palmen.
Bei der Besprechung meiner Arbeit über die Zugstrassen der
Vögel hat Herr Eug. v. Homeyer (Journ. f. Orn. 1876 S. 387 und
1878 S. 113—126), im Wesentlichen damit übereinstimmend, Einiges
berichtigen und andere Theile weiter ausführen wollen. Ich erlaube
mir einige Worte daran zu knüpfen.
„Was nun“, sagt E. v. H. (S. 388), „die Zugstrassen des Ver-
fassers anbelangt, so mögen dieselben für manche Vogelarten richtig
sein, aber nach meinen Beobachtungen sind sie es nicht für alle,
überhaupt nicht so ausschliesslich, als der Verf. dies anzunehmen
scheint, namentlich nicht für die Landvögel.“ Diese Zeilen geben
dem Leser die Vorstellung, als hätte ich allgemein gültige Zug-
linien angegeben, von denen einige, wenigstens unter denen der
Landvögel, unrichtig wären. Indessen sind in meiner Arbeit die
Strassen überhaupt nur für wenige Arten geographisch bestimmt
und für andere Gruppen nur approximativ angegeben; diejenigen
der Landvögel hingegen sind gar nicht behandelt worden, sondern
nur als von den topographischen Bodenverhältnissen abhängig
hervorgehoben. Es war nämlich nothwendig, die planmässige Be-
“ arbeitung des Themas mit der dazu geeignetsten Gruppe anzu-
fangen, und die Untersuchung der übrigen Arten, weil sie allein
schon Bände füllen würde, nur vorläufig (Cap. VI) zu behandeln oder
gänzlich bei Seite zu lassen (S. 192. 193), sollte nicht die Ueber-
sichtlichkeit des Untersuchungsganges und der theoretischen Re-
sultate verdeckt werden. Bei dieser Sachlage bleibt es mir un-
verständlich, welche in meiner Arbeit angegebenen Zugstrassen
E. v. H. eigentlich als unrichtig bezeichnen will. (Ueber die Gott-
landsstrasse siehe unten.)
„Um die Strassen zu bestimmen“, fährt E. v. H. (8. 388, resp.
120) fort, wäre es vor allen Dingen nöthig, die Localformen der
Arten genau zu unterscheiden.“ Die Wichtigkeit dieses Mittels
_ habe ich keineswegs unterschätzt, sondern wiederholentlich (S. 203,
206, 247— 248, 263—264) betont. Mir scheint jedoch die Orientirung
in unserer Frage gegenwärtig nicht von gelegentlich ermittelten Local-
formen abhängig zu sein. Es fragen nämlich noch die wenigsten Be-
obachter nach diesen Formen, wie oft auch ihre Wichtigkeit, eben für
die Migrationsfrage, hervorgehoben wird. Wenn auch einzelne Arten
13*
196 Dr. J. A. Palmen:
einmal in dieser Beziehung genauer beobachtet werden, muss man
anfangs jede Angabe sehr kritisch aufnehmen, weil die Combination
nur analoger, anstatt völlig identischer, Localformen zu falschen
Schlüssen führen würde. Ein umfangsreicheres Material wird noch
lange fehlen; aber die Bearbeitung der Zugstrassen kann nicht so
lange auf sich warten lassen. Gegenwärtig sind wir also aus
praktischen Gründen darauf angewiesen, die Frage dureh methodische
Untersuchung der geläufig sogenannten Arten weiter zu fördern
und die Localformen nur nebenbei zu benutzen.
Aber sind einmal die Strassen einer „Art“ festgestellt, dann
kommen ihre Localformen in nähere Betrachtung; und dann werden
wir in den bereits ermittelten Zugstrassen der Collectivart ein
Mittel haben, einige der angedeuteten falschen Combinationen zu
berichtigen, sowie auch bisher unbeachtet gebliebenen Formen
methodisch auf die Spur zu kommen. In Bezug auf diesen Punkt
möchte ich den über die Zugwege bereits erlangten Resultaten
einen nicht unerheblichen praktischen Werth beimessen, und erlaube
mir eben deswegen, hier auf das Bezügliche in meiner Arbeit über
die Zugstrassen durch kurze Recapitulation aufmerksam zu machen.
Die daselbst gegebene theoretische Vorprüfung der Constanz
einer Art an ihren verschiedenen Zugwegen (S. 246—253) ergab,
dass wir an jeder Strasse eine speciell angepasste Form erwarten
können, sofern (8. 254—262) die Entstehung solcher nicht durch
wiederholte Vermischung mit Individuen aus den Nachbarstrassen
gestört ist. Wenn solche geographisch vikariirende Zugstrassen-
Formen einer „Art“ vorhanden sind, müssen sie sich (S. 262—264)
herausstellen durch Vergleiche erstens von Individuen (resp.
Alter und Geschlecht) aus successiven Strecken einer und derselben
Strasse, und zweitens von den somit festgestellten Zugstrassen-
Formen. Als Ergebniss der Vergleichung kann sich zeigen, dass
differente Formen factisch vorkommen, die zwar für jede Strasse
constant sind, aber unter sich Uebergänge bilden. Hätte man nun
dieselben Exemplare ohne Rücksicht auf die resp. Strassen ver-
glichen, so hätte man sieher nicht die constanten Differenzen auf-
gefunden; vielmehr müsste man in den Uebergängen fälschlich
Belege für die Unberechtigung einer Spaltung der Art in mehrere
Formen annehmen. Darin dürfte ein Umstand liegen, welcher
der Anerkennung der zahlreichen Subspecies des Altmeisters
C. L. Brehm entgegengewirkt hat. Sein Scharfblick genügte, unter- \
scheidende Merkmale bei wenigen Exemplaren auffindig zu machen,
Die A
Zur Discussion über die Zugstrassen. 197
wo Andere ein grösseres Material nöthig haben. Erst bei
monographischer Bearbeitung und methodischen Vergleichen von
Exemplaren aus möglichst vielen Orten können die geographischen
Subspecies nachgewiesen werden. In ähnlicher Weise sind auch
anderartige Localformen zu untersuchen. — Ich kann daher E.
v. Homeyer nur mit vollster Ueberzeugung zustimmen, wenn er
auf genaues Studium der Localformen dringt.
In seinem eitirten Aufsatze widerspricht E. v. Homeyer meiner
„Annahme, dass die Strasse von Gottland nach Hinterpommern
führt. Nach der Karte müsste dieselbe fast genau auf meinen
Wohnort treffen, und dies ist sicher nicht der Fall“. Er scheint
auf diese Berichtigung Gewicht zu legen, denn im Journal 1878
betont er noch zweimal (S. 113 und 121), dass die „secundäre
Strasse von Gottland“ nicht existirt. — Auf meiner Karte ist diese
Zuglinie allerdings gezeichnet, wie viele andere fluviolitorale
Wege; im Texte hingegen sind nur wenige derselben speciell er-
wähnt worden, und zwar die Gottlandsstrasse gar nicht.*) Nun
sind aber alle Wege dieser Kategorie nur schematisch
auf der Karte gezeichnet, wie ich auf den S. 183, 184 angegeben
habe. Das Schema ist im Speciellen weniger oder gar nicht exact,
manchmal sogar nur andeutend; es wurde aber deswegen nicht
weggelassen, weil es die Vergleichung dieser Kategorie von Wegen
mit den genau nachgewiesenen Wegen der anderen etwas erleichtert.
So ist die Linie von Gottland nur aus Zufall in die Richtung
gegen Hinterpommern gefallen; nach E. v. Homeyer’s eben eitirter
‚Mittheilung zu schliessen, geht der fluviolitorale Zugweg von Gott-
land gegen Oeland, Bornholm und Rügen. Diese Berichtigung ist
jedoch nur eine locale und hat keinen Einfluss auf die allgemeine
Auffassung der Frage oder sonst auf die wissenschaftlichen Schluss-
folgerungen der Arbeit.
Dieselbe Bemerkung über die Gottlandsstrasse wird aber da-
durch weniger schwerwiegend, dass E. v. H. gleich nachher (S. 122)
hinzufügt, das „Gesagte beziehe sich im Wesentlichen mehr auf die
Land- als Wasservögel.“ — Die Bemerkung sollte sich also weniger
auf diejenigen Vogelgruppen beziehen, für welche ich die besprochene
Linie eben notirt habe (der fluviolitoralen Zugvögel), sondern auf
*) Ich habe nur ($. 185) ganz im Allgemeinen gesagt: „An der Ostsee
folgen die (nordischen) Schaaren den Inseln oder Küsten in nord-südlicher
Richtung bis zu den deutschen Küsten“,
& er Sa
1985 Dr. J. A. Palmen:
solche Arten (Landvögel), über deren Weg aus Gottland ich in der
That nichts gesagt und keinen Weg gezeichnet habe.
Wie schon angegeben, bezeichnet E. v. H. diese Gottländische
Strasse zweimal als eine „secundäre“ Strasse. Was unter „seeundär“
hier zu verstehen ist, wage ich nicht zu entscheiden. Dem ver-
ehrten Verfasser kann ich nämlich nicht zumuthen, einen Haupt-
gesichtspunkt meiner Arbeit übersehen zu haben, wie dies mir von
Seiten Anderer thatsächlich vorgekommen ist. Da solche Miss-
verständnisse, meiner Erfahrung nach, jedoch häufig sind, benutze
ich die Gelegenheit, sie hier zu besprechen.
Beim Durchsehen meiner Arbeit lässt sich Mancher nur mit
der Karte begnügen, ohne die eingehende Discussion des Gegen-
standes im Texte genügend zu beachten. Man bekommt dann
leicht die falsche Auffassung, es seien einige Linien (die roth-
gedruckten) Hauptwege, wo die Mehrzahl Vogelarten und In-
dividuen zögen, andere hingegen (die schwarzpunktirten) nur
Nebenwege, secundäre Strassen, längs welchen geringere
Massen auftreten. — Indessen geht aus der ganzen Behandlung
meines Themas deutlich hervor, dass die verschieden gezeichneten
Linien versehiedenartige Zugwege vorstellen, und dass jede
dieser Wegarten von resp. Vogelarten (Varietäten, Localformen)
besucht wird. Die Arten, welche gleichartige Wege verfolgen, bilden
zusammen eine Kategorie von Zugvögeln.
Vor Allem muss man nun diese Kategorie von Zugvögeln und
die resp. Gruppe von Wegen klar auffassen; oder man darf sie
wenigstens nicht mit anderen, wenn auch ähnlich benannten, Vogel-
gruppen verwechseln. Sind z. B. gewisse Wege als litorale
bezeichnet, so fällt die entsprechende Kategorie von Zugvögeln je-
doch keineswegs mit der schlechthin als „Strandvögel“ be-
zeichneten Vogelgruppe zusammen. Die übrigen Zugvogelkategorien
sind eben so wenig äquivalent mit den sogenannten „Wasser-,
Sumpf- und Landvögeln“. Mit diesen geläufigen Namen bezeichnet
man nämlich die Vögel mit Rücksicht vorwiegend auf ihre Aufent-
haltsorte während des Brutgeschäftes. Aber diese Localitäten fallen
mit denen der Zuglocalitäten nicht immer zusammen, wie ich
(Zugstr., Cap. VII) auseinandergesetzt habe. Verwechselungen dieser ]
Termini sind leider sehr häufig, und sie werden jede wissenschaft-
liche Discussion der Zugfrage sehr erschweren, weil sie überall zu
Missverständnissen Veranlassung geben. — Nur nebenbei will ich
hier bemerken, dass die Zugvogelkategorien auch bisweilen mit
g
en DEE
Zur Discussion über die Zugstrassen, 99
Gruppen der Systematik verwechselt werden, was aber nur bei
gänzlichem Mangel an Kritik geschehen kann.
Meine Eintheilung der Vögel ist ausschliesslich davon bedingt,
welche Eigenschaften (Qualität) ihre Zugwege zeigen, natürlich
bei Berücksichtigung je einer Art für sich und ihrer Wege in der
ganzen geographischen Ausdehnung. Diese Eintheilung kann mithin
keine quantitative Subordination einer Kategorie unter eine andere
bedingen. Also ist keine Strasse als Hauptstrasse zu bezeichnen,
weil sie eine marine, und keine als secundäre, weil sie nur eine
Huviolitorale Strasse ist. Denn die Benennungen Haupt- und
secundäre Strassen beziehen sich auf quantitative, nicht auf quali-
tative Eintheilungsgründe.
Nimmt man aber bei der Vergleichung mehrefer Zugstrassen
die Frequenz der Besucher (Quantität) als Gesichtspunkt, so
können Haupt- und secundäre Wege unterschieden werden, aber
aber auch dann nur relativ. Wenn z. B. die Vogelarten einer
Gegend divergente Wege einschlagen, gehören sie wohl meistens
verschiedenen Kategorien an; ist nun eine dieser Strassen mehr
besucht als die anderen, weil die Zusammensetzung der Vogelfauna
es so bedingt, so lassen sich allerdings diese Strassen als Haupt-
weg, die übrigen als secundäre Wege bezeichnen. Es geschieht
dann aber nur mit Rücksicht auf die betreffende Gegend, und die
_ Benennungen lassen sich nicht verallgemeinern. Denn in den Nachbar-
gegenden kann umgekehrt dieselbe Kategorie ärmer sein, und eine _
andere würde hier als Hauptweg zu betrachten sein. Die Bezeich-
nung ist also in diesem Falle nicht nur wenig aufklärend, sondern
kann auch leicht irre führen. Denn eben durch unberechtigte Ver-
allgemeinerungen eines solchen Thatbestandes in einer begrenzten
Gegend sind Ausdrücke entstanden, die jeden Fortschritt unmöglich
machen, wie: die „Hauptrichtung des Zuges“, wobei man für eine
Art eine „normale“ Richtung annimmt, ohne zu bedenken, dass
jede Richtung in ihrer Weise normal sein kann (vergl. Zugstr.
S. 287, 288); ebenso „Hauptheerstrasse“, wobei andere Strassen
etwa als Ausnahmefälle aufgefasst werden können, u. S. w.
Etwas exacter lassen sich Wege als Haupt- und secundäre
Strassen bezeichnen, wenn es sich um alle Einzelwege einer ein-
zelnen Vogelart handelt. Hauptwege sind dann diejenigen, welche
aus Gegenden der Brütezone kommen, wo die Art häufiger brütet,
während die secundären Wege spärlicheren Quellengebieten ent-
springen.
200 Dr. J. A. Palmen:
Recht eigentlich schliesslich lässt sich ein Weg secundär be-
nennen, wenn er eine unmittelbare Abzweigung eines häufiger be-
suchten Weges derselben Kategorie, also einer Hauptstrasse, ist
und letztgenanntem einen Theil der ziehenden Schaaren entzieht. |
Zu der Zeit, wo man über die Gesetzmässigkeit der Züge
nichts wusste, konnte es begreiflich sein, dass die Besprechungen
darüber unklar, die Ausdrücke nicht präcis waren. Jetzt aber
gestaltet sich die Sachlage anders. Wir sind nunmehr gezwungen,
den Inhalt der Worte genauer abzuwägen. Ausdrücke wie „Heer-
strassen“, „Hauptheerstrassen“ (vergl. Zugstr. S. 284—287,) „All-
gemeine Zugrichtung“ und „Normalrichtung des Zuges“, „Die Zug-
richtung einer Art“ (anstatt Zugstrasse derselben) u. s. w. dürften
nur in einem ganz bestimmten Sinne angewendet werden, sollen
sie sonst recht verstanden werden können. Relative Begriffe, wie
Haupt- und secundäre Strassen, sind auch nur am rechten Platz
zu brauchen. Und ebenfalls ist es anzurathen, so unbestimmte
Ausdrücke gänzlich zu vermeiden, wie: die Richtung, in welcher
„die Vögel“ (ohne jegliche nähere Bestimmung) aus einem Gebiete
ziehen, oder die Zugstrasse „mancher örtlicher Vögel“. Mit solchen
Worten hat man offenbar gar nichts gesagt, und die exacte Prüfung
der Frage eben so wenig gefördert. Es muss von namhaft ange-
gebenen Arten resp. Kategorien von Zugvögeln und von bestimmten
geographischen Orten gesprochen werden, und Termini techniei dürfen
ebenfalls nicht unter einander geworfen werden, soll sich sonst
ein sicheres Resultat durch die Discussion der Frage herausstellen.
Bei der Mittheilung neuer zu Material dienender Einzelthatsachen
liegt darauf nicht immer so grosses Gewicht; wer aber zur Lösung
des wissenschaftlichen Problems, zur Erkenntniss der ganzen Er-
scheinung beitragen will, der muss den zeitgemässen Anforderungen
auf Präcision entsprechen. Ich habe dies aussprechen wollen, weil
die Ornithologie bekanntlich mit Interesse von einer grossen
Menge nützlicher Mitarbeiter getrieben wird, welche als Dilettanten
weniger kritisch verfahren. Die Lösung des umfassenden Problems
kann davon leicht abhängig werden, ja sogar, auf Irrwege gebracht,
vorläufig ersticken, wenn nicht aufmerksam von allen Seiten darauf
geachtet wird.
Ich kehre aber zu dem Aufsatze des Herrn v. Homeyer zurück
und habe dann (1876, S. 390) das häufigere Auftreten sibirischer
Landvögel in Süddeutschland zuzugeben. Jedoch möchte ich nicht
dem Verf. (1878, S. 121) zustimmen, dass sogar eine „Hauptzug-
Zur Discussion über die Zugstrassen. 201
strasse“ aus dem Osten Vögel durch das Donauthal nach dem
südlichen Frankreich und bis an das Mittelländische Meer führen
sollte. So lange die Beweisführung dieser Ansicht nicht vorliegt,
sind Gegenbeweise meinerseits nicht nöthig. Wie interessant diese
Frage auch sein mag, kann derselben, als einer zu frühzeitigen,
nur ein secundäres Interesse zugesprochen werden. Denn vor dieser
Frage muss diejenige über die normalen Strassen der Landzug-
vögel*) überhaupt, wenigstens in Central-Europa, ermittelt werden.
Nach meiner Auffassung liegt nämlich dem Auftreten der ange-
deuteten östlichen Land-Zugvögel in den südlichen Theilen von
Deutschland und Frankreich nur Deviation zu Grunde Es
ist dies mithin als Ausnahme von der Regel zu betrachten, die
allerdings alljährlich passiren kann, aber den normalen Zügen
nicht gleichwerthig ist. Ehe man diese Ausnahmen erklären kann,
muss man das Regelmässige klar erkannt haben. Aehnliche Bei-
spiele von ofienbar verirrten litoralen Zugvogelarten aus dem
fernen Osten her habe ich in den Zugstrassen (S. 221 — 226) zu
deuten versucht, und ich bin überzeugt, dass diese Erklärung
nicht unrichtig ist.
Auf der Seite 390 (Journ. 1876) stimmt E. v. Homeyer meinem
Capitel über den sogenannten Zuginstinkt zu, möchte aber dies
weiter ausführen. Zu der eigenen Erfahrung, welche die Vögel
ursprünglich auf den Zug brachte und sie leitete, soll mit der
Zeit noch die angeerbte Gewohnheit gekommen sein, welche
heute das einzig regulirende Hauptmoment der Züge sei; diese
allein soll die jungen Vögel leiten, welche (S. 120, Journ. 1878)
bei einigen Arten ohne Leitung der Alten wandern. Mir ist es
nicht ersichtlich, in welcher Weise dieses eine Weiterausführung
meiner Darstellung wäre. Denn auf der S. 276 meiner Zugstrassen
*) E. v. Homeyer sagt (Journ. 1876. S. 389): „Die Landvögel halten
ihre Strassen nicht so genau, wie die Strandvögel, namentlich wenn sie
über weite Länderflächen ziehen, und ihr Zug nicht durch Meere und Ge-
birge bestimmt wird ; “ ete. Ich habe die Strassen der Land- und Sumpf-Zugvögel
im Allgemeinen derart dargestellt ($. 159—193), dass sie verzweigte Gürtel-
netze, bisweilen von grosser Breite bilden, welche (wie die linienförmigen
litoralen Wege) von verschiedenen topographischen Momenten (Meere und
Gebirge) begrenzt werden. So lange nun die Land- Zugvögel, wie es die
Regel ist, sich innerhalb dieser Grenze halten, so halten sie, meine
ich, ihre Strassen eben so genau, wie je die litoralen Zugvögel. Nur
liegt der Unterschied vor, dass die Strassen der Land- Zugvögel mehr ver-
zweigt- sind und also den Individuen eine grössere Auswahl von Neben-
wegen darbieten.
", R Fh !
202 Dr. J. A. Palmen:
habe ich eben von dieser „traditionellen Herädität, d.h. von einer
Uebertragung oder Vererbung von Gewohnheiten“ gesprochen. Ich
bin aber der Ansicht, dass die Annahme angeerbter Gewohnheiten
allein für sich nur in der Luft schwebt, wenn nicht auch der
körperlichen Herädität Rechnung getragen wird. Bei der Er-
ziehung jedes Individuums kommen beide zusammen zum Vorschein.
Angeerbt dürfte wohl kein Individuum die Gewohnheit regelmässig
zu ziehen besitzen, noch weniger seine Strassen vorher genau zu
kennen. Aber folgen die Jungen nicht ohnehin ihren Eltern,
sondern ziehen allein, so haben sie doch bei der Erziehung die
nöthigen Vorbedingungen zum Zuge gelernt: sie haben gelernt,
wie diejenigen Aufenthaltslocale beschafien sind, wo sie Nahrung
auffinden, und was dazu geeignet ist. Auf diese Kenntnisse sind
sie dann angewiesen, wenn sie sich auf eigene Faust in die Welt
begeben und ihre Reise anfangen. Die geographische Lage der
anziehenden Oertlichkeiten zeigt ihnen dann von selbst die Strasse,
sei es nun dass sie der Küste, engbegrenzten Thälern oder breiten
Feldern folgen. Wenn sie hierbei nun auch nicht immer den
besten Weg einschlagen, so wählen sie doch meistens einen nicht
ungünstigen. In dieser Weise ist mir die angeerbte Gewohnheit
als Ursache der Züge fasslich, während sie allein als Hauptmoment
ziemlich als leeres Wort dasteht. f
Die mehr oder weniger berichtigenden Bemerkungen E. v. Ho-
meyer’s scheinen mir alle von dem einzigen neugegebenen ($. 388)
Gesichtspunkt aufgewogen zu werden, demjenigen über die zweierlei
Stationen, die Sammelstationen und die Raststationen.
Beide haben für den Zug eine verschiedene Bedeutung, obgleich
ich auf diesen Punkt in meiner Arbeit nicht aufmerksam gemacht
habe. Die’ Sammelstationen bilden die Ausgangspunkte des Weges
der resp. Individuen, und haben daher für den Gang des Zuges
die geringere Bedeutung. Grösseres Gewicht liegt auf den Rast-
stationen, deren Beschaffenheit und geographische Lage eben die-
jenigen der Strasse selbst bilden; und von ihnen ist ebenfalls die
zeitliche Continuität des Zuges abhängig. Habe ich diese Stationen
nicht speciell hervorgehoben, so ist ihre Existenz doch als natür-
lich vorausgesetzt, und es ist sogar (S. 171, 172) angedeutet, dass
Raststationen verschiedener Art vorhanden sind. Normale Rast-
stationen sind günstige Plätze mit Ueberfluss an Nahrung, an
welchen die Individuen regelmässig ausruhen und sich erquicken
können. Sind solche längs eines Abschnittes der Strasse reichlich
Zur Discussion über die Zugstrassen. 203
vorhanden, so zieht die Art hier nur langsam vorwärts; sie wird
daher leichter beobachtet und erbeutet. Wo aber solche Ab-
futterungsstationen auf längern Strecken fehlen, wird der Zug
ohne Unterbrechung fortgesetzt, so lange die Individuen es aus-
halten. Kommt endlich eine Localität, die für die Vogelart aller-
dings als Station ungeeignet ist, aber dennoch zur Noth als Aus-
ruheplatz benutzt werden kann, so wird sie nicht übergangen.
So sind vereinzelte arme Oasen in der Wüste relativ vielbesuchte
Raststationen*) aus Zwang. Inselchen (wie Helgoland) können
eine Unmasse Arten, die man hier nicht erwartet hätte, alljährlich
aufweisen. An solchen „Zwangsstationen“, die für andere Arten
natürlich ganz normale Stationen sind, sind ebenfalls die erstge-
nannten Arten leichter, wenn auch nur ganz kurze Zeit, zu beob-
bachten resp. zu erbeuten; aber ihr Auftreten hängt nicht von
denselben Gründen ab, wie das der normal rastenden Arten. —
Es versteht sich, dass man die Strasse einer Vogelart nur nach
ihren normalen Raststationen beurtheilen darf, denn sie allein
sind für diese Art maassgebend; die Zwangsstationen werden von
vielerlei Arten besucht und möchten also allein nur die Auffassung
der einzelnen Zugwege trüben. Ueber das Verhältniss beider dieser
Raststationen möchte ich ungefähr dasselbe sagen, wie (Zugstr.
S. 284—287) über die sogenannten „Heerstrassen“ und die wirk-
lichen Zugstrassen.
Dieser Auseinandersetzung möchte ich einige Worte anschliessen,
welche E. v. Homeyer’s Bemerkung gegen meine Untersuchungs-
methode (Journ. 1878, S. 122) betreffen. Den Nachweis meiner
speciell ermittelten Zuglivien (der auf der Karte roth gedruckten)
habe ich darin gegeben, dass die Fundorte der resp. Arten in
Reihen liegen, zwischen welchen die Vögel gar nicht oder nur zu-
fällig beobachtet worden sind. Die bekannten Thatsachen lassen
sich durch Annahme einiger diese Fundorte verbindenden Zug- -
strassen in Zusammenhang bringen. E. v. Homeyer macht nun
darauf aufmerksam, dass, „wenn Strandvögel selten in einem Lande
gesehen werden, das nicht die Folge des Fehlens der Zugststrasse
sei, sondern des Fehlens der Raststationen; und ein einzelner er-
mattet gefundener Vogel braucht um deswillen noch nicht verirrt
*) Hier könnte man auch der ganz zufälligen Ausruheplätze gedenken,
welehe Schiffe im Meere bisweilen den ziehenden ermüdeten Schaaren
darbieten.
204 Dr. J. A. Palmen: F
zu sein, sondern kann eben so wohl auf der directen Strasse er-
müdet sein“.
Wenn die allgemeine Gültigkeit dieser Bemerkung für die
litoralen Zugvögel erwiesen wird, so fällt das unmittelbare Resultat
meiner Untersuchung, die aufgezogenen Zuglinien dieser Arten.
Und mit der Wegnahme der Prämissen fallen auch die gemachten
theoretischen Schlussfolgerungen. Die Bemerkung ist also funda- .
mentaler Natur und bedarf kritischer Prüfung.
Es könnte zunächst möglich sein, dass ich Beobachtungen
über die untersuchten Arten an Orten übersehen hätte, welche
ohne Zusammenhang mit den gezogenen Zuglinien geblieben sind
Diese Orte könnten Rastplätze darstellen, über welche zwei Nachbar-
strassen frei mit einander communieirten. E. v. Homeyer hat mir
aber keinen solchen Vorwurf der Vernachlässigung gemacht, son-
dern giebt als Belege seiner Behauptung Folgendes: „Wenn man
zur Zugzeit in stillen Nächten den Stimmen der wandernden Vögel
lauscht, kann man sich sehr leicht davon überzeugen, dass die Zug-
richtung der Strandvögel oft auch direct über weite Länderstrecken
führt; ja auch am Tage kann man, aufmerksam gemacht durch
die Stimme, oft Strandvögel — in kaum erkennbarer Höhe —
ziehen sehen, in fester und stets in derselben Richtung, wo der
Weg nothwendig über grosse Länderstrecken führen muss“. Dies
ist Alles. {
In diesen Worten kann ich keinen Beleg für die gemachte
Bemerkung finden. . Vor Allem ist es hier nothwendig, Bezeich-
nungen wie „Strandvögel“ zu vermeiden; denn es sind nur be-
stimmte Arten speciell untersucht, und bei der Discussion dieser
Resultate ist es nöthig, ebenfalls über bestimmte Arten zu sprechen.
Ferner weiss ich nicht, ob man aus den „Stimmen“allein schliessen
kann, welche Arten im Zuge sind. Zumal da bekanntlich (Zugstr.
S. 202—207) sehr nahe verwandte vikariirende Formen einer Art °
verschiedene Wege einschlagen können, und bei der Beobachtung |
mithin Alles auf die genaue Angabe der Art (resp. Form) ankommt.
Bis die Thatsachen — und zwar unzweideutige — es erfordern, |
hrauche ich also diese Einwürfe nicht für meine Untersuchungs-
methode gefährdend zu halten. i {
Sollte aber, wie es ja möglich ist, erwiesen werden, dass evi-
dent litorale Zugvögel irgendwo in grosser Höhe das innere wasser- i
EN . _
2. re ee re Br ee ee ee ehe ee en
arme Land regelmässig überfliegen, ohne sich niederzulassen, so
darf man solches nicht zu eilig verallgemeinern, sondern nur auf
Zur Discussion über die Zugstrassen. 205
die Gegend beziehen, wo die Art wirklich beobachtet wurde. Es
erweist nämlich diese neue Thatsache nur, dass daselbst die nor-
male litorale Strasse ausnahmsweise eine Strecke über das Land
geht. Es ist dieses gar nicht wunderbarer, als dass typische Land-
zugvögel hie und da weite Strecken über das Meer fliegen müssen,
welche Localität doch sicher Niemand als ihre normale Strasse be-
zeichnend angeben will. Man denke nur an die Wachtel am Mittel-
ländischen Meere; ebenso ziehen die marin-litoralen Zugvögel
(Anser torguatus, leucopsis) vom Weissen Meere bis zum Finnischen
Meerbusen fern vom Meeresufer, und lassen sich sogar kaum an
dem letztgenannten Binnenmeere nieder, sondern eilen weiter.
Dergleichen gezwungene Uebergänge, ohne oder mit kaum
benutzten Zwangs-Raststationen, können, wie ich oben angegeben
habe, keinen sicheren Aufschluss über die normalen Züge geben.
Eine Gruppe von Zugvögeln (die glac.-, pel.-, mar.- und submarin-
litoralen) ist weniger geneigt, Beispiele von solchen Zwangsüber-
gängen zu zeigen; andere (die fluviolitoralen) Zugvögel besitzen viel-
verzweigte Zugwege, und sind ziemlich wenig präcis von bestimmten
Nebenwegen abhängig; sie können daher auch meilenweit im Lande
von einem Flussbette zum andern fliegen. Aber diese Uebergänge
zeigen nicht das Charakteristische der fluviolitoralen Wege, wenn
sie auch noch so zahlreich und alljährlich.besucht werden. Sobald
daher irgend welche derartige Uebergangsstellen für bestimmte
Arten nachgewiesen werden, die wegen Mangel an Beobachtung
bisher übersehen worden sind, dann — aber erst dann — ist die
Zeit, diese Lücke auszufüllen, und dann hat man auch nachzu-
_ sehen, in wie weit diese Berichtigungen auf die bisher gemachten
wissenschaftlichen Schlussfolgerungen einwirken mögen, um etwa
nöthige Correctionen einzutragen. Eventuelle Neuentdeckungen
werden wohl, meine ich, doch nicht die ganze Untersuchungs-
methode zu Fall bringen; denn jene Uebergänge hätten, wenn sie
überall vorkämen, sich kaum so verstecken können, dass nicht
einzelne Individuen fast alljährlich den Zug bereits verriethen.
Wenn ich im Vorhergehenden mir vorgenommen habe, E.
v. Homeyer’s Aufsätze zu besprechen, habe ich es keineswegs des-
wegen gethan, weil ich glaubte, schon meine Arbeit hätte die
Frage erschöpfend behandelt. Vielmehr hat es mich gefreut, dass
einer der erfahrensten Fachmänner in den wesentlichen An-
schauungen meinen Resultaten zustimmt, und eine Discussion er-
öffnet hat, welche den Gegenstand neu beleuchten wird,
206 Hans Graf von Berlepsch:
Bei solchen Fragen ist es ausserordentlich nützlich, wenn so-
wohl die einzelnen Beobachter wie die wissenschaftlichen Bearbeiter
des Materials das gesammte Thema in seinen einfachsten Zügen
überblicken können. Jeder wird dann seinem Ziele bewusst nach-
streben. Zu einem derartigen Ueberblick tragen Darstellungen
bei, wie die „Ueber das Wandern der Vögel“ von Prof.
Aug. Weismann.*) Ich erwähne dieses Schriftchen hier, weil es
sicher vielen ornithologischen Mitarbeitern Einsicht in den inneren
Zusammenhang des Ganzen darbietet, und weil das Interesse eines
jeden für die eigenen Einzelbeobachtungen dadurch nur gesteigert
werden kann. er
Ueber ein neues Genus und neue Arten aus Sidameriea.
Von
Hans Graf von Berlepsch,
A. Beschreibung eines neuen Genus aus Südamerica.
7 Callithraupis (xaAlı = pulcher, Jocursis nom. prop.) genus
novum Tanagridarum affıne generibus Pyranga, Lamprotes etc.:
alis caudaque brevibus, cauda fere quadrata vel rotundata (nec
gradata); rostro elongato crasso, maxilla in basi tumida, dein valde
compressa (fere ut in generi Zan:o) apicem versus fortiter curvata
et uncinata, dente finali distineto, tomiis integris; pedibus modicis,
tarsis brevibus, unguibus brevissimis valde arcuatis; colore insolito,
coeruleo et flavo, sexibus inter se dissimillimis.
Typus: Callithraupis cyanictera (Vieill.) habitat:
Cayenne.
Pyranga cyanietera, Vieill. Nouv. Diet. D’Hist. Nat.
XXVII (1819) p. 290 & Gal. Ois. pl. 81 (3 ad.)
P. icteropus, Vieill. ibid. p. 291 (juv. sive 9)
Tachyphonus chloricterus, Vieill. ibid. (juv. sive 2)
Orthogonys cyanicterus, Selat. Tan. Cat. Spee. 8 &
P. Z. 8. 1856 p. 122 (diser. & 2). Selat. & Salv.
Nomenel. av. neotr. p. 22.
& Supra laete coerulea: infra gutture toto ad medium pectus ;
coeruleo, abdomine flavo, rostro nigro, pedibus flavis (Selater)
? (sived juv.) supra coerulea, capite supra dorsoque coeruleo-
viridi tinctis, superciliis latis a naribus inceptis, capitis lateribus
corporeque subtus flavis, pedibus flavis (specim. in mus. Berlepsch
Cayenne (nach Praep.) ex G.) Schneider — ex coll. Loche — ex
Verreaux.
*) Virchow-Holtzendorfis Sammlung gemeinverständlicher Vorträge. XII.
Serie, Heft 291, Berlin 1878,
ne a
Ueber ein neues Genus und neue Arten aus Südamerica. 207
| 2 sive juv. supra viridi nec coerulea (Vieill.) — Sclater („2“):
\ „supra viridis caeruleo tincta“,
) Sclater in P. Z. S. 1856 und Sclater & Salvin im Nomencl.
‚av. haben diese Art als 2. Species zu Orthogonys gestellt. Der
Typus jener Gattung O. virides (Spix) unterscheidet sich jedoch
in allen seinen Gattungscharakteren so wesentlich von der soeben
besprochenen Art (z. B. durch den stuffigen Schwanz und ganz
‚andere Schnabelform), dass beide unmöglich in einem Genus ver-
‚ einigt bleiben können. Da Pyranga cyanictera Vieill. auch nicht
wohl in irgend einer andern der bekannten Gattungen unter-
gebracht werden kann, so habe ich vorgezogen, für dieselbe ein
neues Genus zu errichten. Die meiste Verwandtschaft zeigt Call-
thraupis noch zu Pyranga, unterscheidet sich jedoch wesentlich durch
den Mangel eines Zahnes in der Mitte der Schneide des Ober-
schnabels, auch ist der Schnabel viel mehr gestreckt und compri-
mirt etc. Manche Analogien zeigt Callithraupis auch zu Tanagra,
Compsocoma etc., hat jedoch ganz andern Schnabel; die Schnabel-
form erinnert auch ein wenig an Zanio. Kurz, es ist schwer, dem
Genus einen natürlichen Platz anzuweisen, jedenfalls darf Calk-
thraupis nicht allzu weit von Pyranga entfernt werden.
P. eyanictera möchte in den Sammlungen noch ziemlich selten
sein. Sclater & Salvin scheinen sie nicht zu besitzen. Sclater sah
Exemplare im Pariser Museum (Poiteau, Cayenne 1822), im Britischen
' und Leidener Museum, sowie in der Collection Lafresnaye. Sclater
ist noch etwas zweifelhaft, ob die oben als $ & 2 beschriebenen
‚ Vögel zu einer und derselben Art gehören möchten, und sagt, er
' würde sie nicht als gleichartig angesehen haben, wenn sie nicht
in den oben erwähnten Sammlungen als & & 2 derselben Art
(Paare) bezeichnet wären. Der als 3 beschriebene Vogel ist mir
' aus Autopsie nicht bekannt.
B. Beschreibung neuer südamericanischer Arten.
— 1) Basileuterus Cabanisi, Berlepsch, sp. nov. DB. vermi-
voro (ex Brasilia et Argentina) similis, differt colore supra griseo
(nec olivaceo-viridi) olivaceo vix tincto, remigum rectrieumque mar-
ginibus griseis (nec olivaceis), colore subtus pallidiore, tectricibus
subcaudalibus albis (nec flavis), tectricibus subalaribus quoque
albis (nec flavo tinctis), pedibus flavis (nec carneis vel brunneis)
alis caudaque brevioribus. Long. tot. 118, al. 54'/,, caud. 51, rostr.
6'/a, tars. 181), Mm.
habitat: Venezuela: S. Esteban, Puerto Cabello (Starke coll.)
specim. typ. in mus. Berlepsch.
{ syn. Basileuterus vermivorus Selat. (nec Vieill.) Cat. coll. Am,
B. p. 34 (Bogota & Trinidad) (?)
Finsch P. Z. S. 1870 p. 565 (Trinidad) (?) *)
\ Selat. & Salv. Nomenel. av. neotr.p. 10 pt. (Venez. & Columb.)
*) Es findet sich hier die Bemerkung von Dr. Finsch: „one specimen
agreeing in every respect with a Brazilian speeimen‘“,
A
208 Hans Graf von Berlepsch:
Trichas bivittatus, L&ot. (nec. Lafr.) Ois. Trinid. p. 184 (?)
B. Cabanisi kommt dem B. vermivorus (Vieill.) am nächsten,
unterscheidet sich jedoch leicht durch die in der Diagnose ange-
führten Unterschiede. Ein Exemplar des D. vermivorus aus Sta.
Catharina und eines aus Buenos Aires in meiner Sammlung, sowie
eine grosse Anzahl von Exemplaren derselben Art aus Brasilien
im Berliner Museum, die ich untersucht habe, zeigen, verglichen
mit dem Exemplar aus Venezula, constant die erwähnten Unter-
schiede.
Es bleibt noch übrig, Vögel aus Guiana und Neu Granada
(von welchen Localitäten Sclater den „vermivorus“ ebenfalls ver-
zeichnet) zu vergleichen, die Vögel aus Guiana möchten vielleicht
zu vermivorus, die letzteren aber wohl sicher zu DB. Cabanisi ge-
hören.
Diese neue Art ist meinem verehrten Freunde, dem Herrn Prof.
Cabanis in Berlin gewidmet.
2) Pachyrhamphus intermedius, Berlepsch, sp. nova
P. simillimus /. cinnamomeo Lawr. ex America centrali (Panam.
& Costarica), differt plaga superciliari postoculari griseo-olivacea,
colore supra pallidiore, rostro minore debiliore (huic P. rufescentis,
Spix similiore) & ad. Long. tot. 144, al. 77!/,, caud. 59!/,, rostr.
123), tars. 17), Mm.
habitat: Venezuela: S. Esteban, Puerto Cabello (Starke coll.)
specim. typ. (d ad. remige 2. spuria instructa) in mus. Berlepsch.
Diese neue Art hält in der Färbung, sowie auch in Bezug auf
ihre geographische Verbreitung, die Mitte zwischen P. rufescens,
Spix. aus Brasilien und P. cinnamomeus, Lawr. aus Oentralamerika;
von P. rufescens unterscheidet sie sich leicht durch den Mangel
des aschgrauen Postocular- und Nackenbandes, dasselbe ist bei
intermedius nur durch ein undeutliches, schmutzig - olivengraues
Postoeularband, welches hinter den Ohrdecken aufhört, schwach
angedeutet. P. cinnamomeus (von dem ich & & 2 aus Costarica
besitze) hat keine Spur mehr von dem grauen Postocularband und
hat stärkeren bauchigeren Schnabel und lebhafter rostrothe Färbung
als die beiden anderen Arten.
Vögel aus Guiana, auf welche sich der Name rufus Bodd. (ex
Buffon) beziehen möchte, habe ich leider noch nicht untersuchen
können, bin daher auch nicht im Stande zu sagen, ob dieselben
mit der brasilianischen Art (rufescens, Spix) oder mit dem oben
beschriebenen Vogel aus Venezuela identisch sind, in letzterem
Falle müsste mein Name dem älteren „rufus“ weichen.
Früher betrachtete man diese rostrothen Vögel als die Weibchen
des P. polychropterus und verwandter Arten. Es steht für mich
längst fest, dass diese Ansicht eine unrichtige ist, und dass wir es
vielmehr mit einer kleinen Gruppe rostrother Arten zu thun haben,
bei denen & &2 ziemlich gleich und zwar rostroth gefärbt sind,
und bei denen die alten $4 ebenso wie bei den anderen P.-Arten die
charakteristische rudimentäre 2. Schwinge besitzen. Diese rost-
Ueber ein neues Genus und neue Arten äus Südamerica. 209
rothen Formen würden gewissermassen die rostrothen Audia- und
Lipaugus-Arten im Genus Pachyrhamphus wiederholen.
P. cinereus (Bodd.) hat allerdings rostrothe 29, resp. junge
Vögel, dieselben sind jedoch ganz verschieden von den oben be-
sprochenen Arten gefärbt. Das 2 von polychropterus hat dagegen
ein ganz anderes Gefieder, unten gelblich, oben rothbraun und
olivengrünlich. Ich will nur hier nochmals hinweisen auf meine
ausführlichen Darlegungen des Sachverhaltes in Betreff des P.
rufescens im Journ. f. Ornith. 1873 pp. 264 ff., sowie auch auf die
Bemerkung des Herrn Euler ibid. 1874 p. 284.
8) Panychlora (sive Chlorostilbon) inexspectata,
Berlepsch sp. nov. P. Chl. Haeberlini Cab. & Heine subsimilis,
mandibulae basi (eodem modo) carnea, differt rectrieibus omnibus
obscure (sed splendide) viridibus (nec chalybeis), cauda minusquam
in Chl. Haeberlini furcata, rostro lofgiore, fronte prasino viridi.
Long. tot. 741,, al. 47Y/,, caud. 27 (cauda furcata 5"/,), rostr.
17°/, Mm.
habitat: Bogota, Nova Granada, specim. typ. in mus. Berlepsch
(no. 2615) ex Krätschmar, Bogota.
Vor 2 Jahren sandte ich das soeben beschriebene Exemplar
an Herrn D. G. Elliot in Paris, welcher zweifellos einer der vor-
züglichsten Colibri-Kenner ist. Ich setzte schon damals die er-
wähnten Unterschiede dieses Vogels von C'hl. angustipennis aus-
einander und proponirte, den Vogel neu zu beschreiben. Herr Elliot
war aber nicht meiner Ansicht, vermuthete vielmehr, dass die grüne
Färbung der Schwanzfedern durch irgend eine darauf gekommene
Säure entstanden sei, hielt die übrigen Unterschiede für nicht
constant und sprach das Exemplar selbst für den Chl. Haeberlini an.
Aus diesem Grunde habe ich bisher davon Abstand genommen,
den Vogel neu zu beschreiben, wenn ich auch stets von der spe-
ceifischen Verschiedenheit desselben von Haederlini überzeugt war.
Inzwischen habe ich jedoch Gelegenheit gehabt, ihn mit einer
grossen Anzahl von Exemplaren des Ohl. Haeberlin! ad. & jJuv.,
sowie auch mit Panychlora aliciae & stenura zu vergleichen, und
hat sich dabei meine Ansicht immer mehr befestigt, dass wir es
hier mit einer neuen Panychlora-Art zu thun haben, die vielleicht
die P, aliciae und stenura in der Umgegend von Bogota vertreten
würde und die zugleich einige Uebergänge nach Chlorostilbon hin
zeigt, besonders zu dem jedenfalls nahe verwandten Chl. Haeberlini.
' Die grüne Färbung der Schwanzfedern ist ganz entschieden eine
natürliche und nicht durch eine Säure verursacht. Diese grüne
Färbung der Schwanzfedern combinirt mit dem ausserordentlich
langen Schnabel, der viel geringeren Gabelung des Schwanzes (als
bei Haeberlini) und der lebhaft glänzenden grünen Stirn (wie ich
sie nie bei Haeberlini gefunden habe), das Alles spricht für die An-
sicht, dass wir es hier nicht mit einer individuellen Variation,
sondern mit einer constanten guten (Species) Form zu thun haben.
Die Färbung der Schwanzfedern ist ähnlich der von alicvae, jedoch
Cab Journ, f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 146. April, 1879. 14
210 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin:
‘sind die Schwanzfedern selbst viel breiter und mehr wie bei CRl.
Haeberlini gestaltet.
Berlepsch, am 18. März 79.
Allgmeine Aentsche oruityalngische “Gesellschaft zu Berlin,
Bericht über die November-Sitzung.
Verhandelt Berlin, den 4. November 1878, Abends
7% Uhr im Sitzungs-Local, Unter den Linden 13.
Anwesend die Herren: Walter, Thiele, Grunack, Les-
tow, Sy, Wagenführ, Hausmann, Jahrmargt, Mützel,
Reichenow, Cabanis, Schalow und Böhm. |
Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Prem.-Lieutenant Krüger-
Velthusen (Spandau). .
Als Gäste die Herren: Spiess, Leschke, Schmidt,
Wagner aus Berlin, Herr Aurel Schulz aus Natal.
Vorsitzender: Herr Cabanis, Schriftführer: Herr Schalow.
In Abwesenheit der Vorsitzenden eröffnet der General-Secretär
die Sitzung.
Herr Böhm verliest den Bericht über die im vergangenen
Monate stattgehabte Jahresversammlung, welcher ausführlich zum
Abdrucke gelangt.
Herr Reichenow legt eine Anzahl neuer Publicationen so-
wie Fortsetzungen früher begonnener, die im Laufe des Monats
eingegangen sind, vor und bespricht dieselben. An den „Ausschuss
für Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands‘ sind bereits
einzelne Arbeiten, Berichte über das Jahr November 1877 bis
November 1878 enthaltend, eingegangen. Der Namen der Einsender
wird von Herrn Reichenow dankend Erwähnung gethan.
Herr Böhm verliest einen längeren Aufsatz über seine ornitho-
logischen Beobachtungen und Jagden auf der Insel Sylt im Herbst.
dieses Jahres. Der Aufsatz, gleich ausgezeichnet durch seine Mit-
theilungen wie durch formengewandte Darstellung, wird im Central-
blatte abgedruckt werden.
Herr Cabanis bespricht in einer längeren Darstellung die |
unnatürliche Ausdehnung der Gattung Psittacula im Allgemeinen
und speeiell die systematische Stellung des Psittacus incertus Shaw.
Diese Art, die auf Sumatra und Borneo vorkommt und auch ge-
mein auf der Halbinsel Malacca ist, welche von vielen insularen
Formen bewohnt wird, heimisch ist, wird häufig, so auch von Finsch
in seinem bekannten Werke über die Papageien (Il, S. 612) mit
den kleinen Arten, als deren Typus der amerikanische Psittacus
passerinus L. anzunehmen, der Gruppe Psittacula zugesellt. Gegen
diese Stellung im System, zum grossen Theil nur durch gleiche |
Grösse der Arten bedingt, lässt sich Vieles einwenden. Herr Cabanis
führt des Weiteren aus, dass er auf Grund eingehender Untersuchungen
und Vergleichungen überzeugt sei, den kleinen Psittacus (Psittinus
1 yı
ve
H
Bericht über die November-Sitzung. a4
Blyth) encertus viel eher in die Nähe der Formen zu stellen, die
mit dem Psittacus Geofroyı Kuhl verwandt, und deren Heimath
gleichfalls, wie Geofroyus, Palaeornis, Tanygnathus, die indischen
Inseln sind. Es ist bekannt, dass bei einzelnen dieser Formen die
Geschlechter in der Färbung differiren, dass bei Geoffroyus z. B.
die Hinterkopf- und Nackenfärbung der & blau, bei den 2 dagegen
grün oder bräunlich gefärbt ist, und dass bei denselben wie auch
bei Palaeornis rothbraune Schulterflecke auftreten. Es sind das
gerade für diese Gruppe charakteristische Momente, Momente, die
auch in der Färbung des Psittinus incertus wiederkehren. Es
scheint daher viel richtiger, diese Art den genannten Formen, mit
denen sie ja auch im Allgemeinen dieselbe geographische Verbreitung
inne hat, zu vereinen als sie zu den amerikanischen Psitzacula-Arten
zu stellen, welche Herr Cabanis als kleine Conurinen-Form be-
trachtet wissen will. Grössenverhältnisse allein können für eine
systematische Stellung nicht bestimmend sein.
Herr Reichenow spricht über zwei nahe verwandte Sittigarten,
über Palaeornis rosa (Bodd.) und P. cyanocephala (L.). Beide Arten
sehen sich ziemlich ähnlich und sind daher vielfach, so auch von
Finsch, identifieirt worden. Und das mit Unrecht. Beide stehen
sich sehr nahe, dürfen aber nie als eine Form betrachtet
werden. Herr Reichenow setzt die differirenden Charaktere aus-
einander und erläutert seine Darstellung an mehreren Exemplaren
beider Arten. Die indischen Ornithologen, welche beide Vögel viel-
fach lebend zu beobachten Gelegenheit haben, vereinigen sie nie,
sondern führen sie stets als besondere Arten auf. Gould bildet
beide in seinen Birds of Asia durchaus kenntlich ab. Vor nicht
allzu langer Zeit ist ein Exemplar des Palaeornis rosa in den
Besitz des hiesigen zoologischen Gartens gelangt und darauf an
einen Schriftsteller gegeben worden. Dieser hat den bereits seit
ca. 100 Jahren bekannten Vogel — Boddaert beschrieb ihn im
Jahre 1783 in seinen Tableaux des Planches Enluminees — als
neue Art beschrieben und Herrn Dr. Bodinus, dem Director des
Berliner zoologischen Gartens, die zweifelhafte Ehre erwiesen,
nach ihm den neuen Papagei zu nennen. Dies zur Synonymie der
neuen Art.
Der als Gast in der Sitzung anwesende Herr stud. med. Aurel
Schulz aus Natal legt eine kleine Sammlung natalensischer Vögel
vor und knüpft an diese Vorlage die Mittheilung einiger biologischer
Beobachtungen.
Herr Hausmann theilt vorläufig mit, dass im Frühjahr dieses
Jahres am Müritzsee bei Wahren in Mecklenburg ein Exemplar
von Otis tetrax geschossen worden ist, und hofft in der Folge
nähere Nachrichten über das immerhin bemerkenswerthe Vorkommen
mittheilen zu können.
Schalow. Cabanis, Gen.-Secr.
14*
in use
2)2 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin:
Bericht über die December-Sitzung.
Verhandelt Montag den 2. December 1878 Abends 7!
Uhr, im Sitzungslokal.
Anwesend die Herren: Cabanis, Golz, Reichenow,
ee Böhm, Sehalow, Thiele, d’Alton, Lestow, Sy,
toltz.
Als Gäste die Herren Pantzer, Brune, Bohnenstengel
und Friedrich, sämmtlich aus Berlin.
Vorsitzender: Herr Golz. Schriftführer: Herr Schalow.
Der Bericht über die Novembersitzung wird verlesen und an-
genommen. i
Die Herren Reichenow und Schalow referiren zunächst
über die in den Tagen vom 22. bis 26. November zu Berlin statt-
gehabte Vogelausstellung des Vereins „Aegintha“. Herr Reiche-
now bespricht die exotischen, Herr Schalow die einheimischen
ausgestellten Arten. Die betrefienden Referate sind bereits in
dem Örnithologischen Centralblatt für 18738 Nr. 24 und 1879
Nr. 1 und 2 abgedruckt worden. Wir verweisen auf jene Dar-
stellungen und geben an dieser Stelle nur kurz einzelne Arten an,
die besonderer Erwähnung werth erscheinen. Von fremdländischen
Arten fanden sich in der Ausstellung: Zsittacus timneh Fras.,
Calyptorkynchus Banksi Vig., Chrysofis autumnalis Swains., festiva
Swains., coccineifrons Souc., vinacea Finsch, Finschi Sel., farinosa
Finsch, Sittace severa Wagl., Conurus armillaris Licht., cactorum
Neuw., pertinax Lin, Platycercus palliceps Vig., Pionias sordidus
Finsch und senilis Finsch. Ferner Poephila modesta, Pytelia larvata,
Penthetria macrura und azxellarıs, Euplectes flammiceps Swains.,
Pteroglossus Gouldi Natt., Oyanocorax cyanomelas Vieil. und Phyl-
lornis aurifrons Temm. Von einheimischen wären vielleicht zu
nennen: Cecropis rustica Boie, Alcedo ispida L., Picus minor L., °
Upupa epops L., Quculus canorus L., Regulus ignicapillus Naum.
und Otus brachyotus Boie. |
Herr Cabanis nimmt bezüglich einer Lagonostieta-Art, die
als neue Art für die Ausstellung angemeldet worden war, die
aber in Wirklichkeit nichts Anderes als L. rudricata Licht. ist,
Veranlassung, die verwandten Arten: Zagonosticta minima Cab.,
rufopicta Hartl., polionota Shell., rudricata Licht. und rhodopareia
Heugl. vorzulegen und die differirenden Charaktere der einzelnen
Formen zu besprechen.
Herr Reichenow theilt mit, dass von Herrn Lehrer Stengel
in Zehrensdorf bei Zossen bereits im October dieses Jahres Nuei-
fraga caryocatactes beobachtet worden sind.
Herr Schalow spricht in einer längeren Mittheilung über
zwei vor nicht zu langer Zeit bekannt gemachte neue Arten des
Genus Lanius L. |
„In den Annali del Museo Civ. di St. Nat. di Genova, vol.
Bericht über die December-Sitzung. 213
XII vom Mai 1378, hat Graf Salvadori einen Würger beschrieben,
welchen Marquis Orazio Antinori im äquatorialen Afrika, bei
Afrau (Danakil) im August 1876 gesammelt hat. Salvadori
benannte diese Art, die er als neu erkannte, zu Ehren ihres Ent-
deckers: Lanius Antinorii. Die von dem italienischen Orni-
thologen gegebene Diagnose der neuen Art lautet: „Pileo, capitis
collique lateribus cerviceque nigris; dorso cinereo; scapularibus,
uropygio et supracaudalibus albis; corpore subtus omnino albo;
alis nigris; margine carpali, remrigum primariarum dimidio basali
et apice secundariarum albis; cauda nigra, rectricibus duabus
extimis, scapo nigro excepto, albis; rostro et pedibus nigris; iride
inscau Le. 220, a]. 105," caud. '100, 'rostr.. 17, 'tars. 28 Mm.“
Aus dieser Diagnose geht nach des Vortragenden Dafürhalten
zunächst mit Sicherheit hervor, dass die von Salvadori be-
schriebene neue Form dem Bonaparte’schen Subgenus Frscus ab-
solut zugetheilt werden müsse, und es lässt sich ferner aus der-
selben mit Sicherheit nachweisen, dass Zanius Antinorü Salvad.
mit dem von Cabanis zwei Monate früher in der Märzsitzung
unserer Gesellschaft vorgelegten und kurz als neu charakterisirten
Lanius (Fisceus) dorsalis, den der Afrikareisende Hildebrandt
in N’di gesammelt hat, indentisch ist (ef. J. f. ©. 1878, p. 205
und 225). Man vergleiche nur die Angaben Salvadori’s „dorso
cinereo; uropygio et supracaudalibus albis; rectricibus duabus
extimis, scapo nigro excepto, albis“, sowie eine fernere Bemerkung
des Genannten: „Per la distribuzione ed extensione del bianco sulle
ali, le quali presentano uno specchio bianco molto grande“ mit der
kurzen Charakteristik, die Cabanis von seiner neuen Art giebt (l. c.).
Die zweite Mittheilung des Herrn Schalow bezieht sich auf
einen neuen von Prof. Barboza du Bocage in dem Journal de Sciencias
Mathematicas physicas e naturaes:- da Academia real das sciencias
de Lisboa (Num. XXIII Agosto 1873 p. 213) bekannt gemachten
sehr interessanten Würger, der nach Herrn J. A. de Souza, dem
Conservator des Lissabonner Museums, den Namen Lanius Souz ae
trägt. Diese Art ist von dem bekannten portugiesischen Reisenden
d’Anchieta in Westafrika aufgefunden worden. Da das portu-
giesische Journal, in dem Barboza du Bocage seine neue Art be-
schrieb, nicht einem Jeden ohne Weiteres zugänglich ist, und ich
einige Bemerkungen an die Diagnose knüpfen möchte, so gebe
ich diese letztere hier wieder: „g jun. Supra cinereus, dorso
rufescente; subtus grisescente, albus; fronte supereciliisgue albidis;
vitta oculari producta nigra; scapularibus partim albis; tectrieibus
alarum rufis transversim fusco-fasciolatis; speculo alari nullo;
remigibus fuscis, pogonio interno rufescentibus; reetricibus quatuor
intermediis fuscis; sequentibus albo-terminatis, duabus extimis pro
maxima parte albis. Subalaribus albis. Rostro pedibusque nigri-
cantibus; iride fusca. Lg. 186, al. 85, caud. 90, rostr. 13, tars.
22 Mm.“ Barboza sagt ferner im Verlaufe seiner Notiz: „Par leurs
formes et surtout par la conformation de leurs queue longue,
214 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin:
fortement &tag6e et composee de pennes £6troites ces laniens se
rapprochent des especes dont on a form& le genre Fiscus; mais
leur coloration rappelle mieux le Zanius (Enneoctonus) collurio.“
Barboza ist vollkommen im Recht, wenn er die eigenthümliche
Schwanzbildung seiner neuen Art mit der des Subgenus Fiscus Bp.
vergleicht, allein die Beschreibung des Vogels zeigt auf das deut-
lichste, dass Lanius Souzae mit diesen genannten äthiopischen
Würgerformen durchaus nichts zu thun hat. Dem Subgenus Fiscus
gehören nur die eigenthümlichen auf dem Rücken tief schwarz-
grau gefärbten Arten an, als deren Typus Zanius collaris L. be-
trachtet zu werden pflegt. Mit Recht weist Barboza darauf hin,
dass die Färbung der von ihm als neu beschriebenen Art auf
Lancus collurio L. hindeute, allein es finden sich in seiner Diag-
nose sowie in den angefügten Mittheilungen doch einzelne Angaben,
die vermuthen lassen, dass Lanius Souzae nicht zu dem
Boie’schen Genus Enneöctonus (E. collurio L.), sondern vielmehr
zu dem Bonaparte’schen Subgenus Collurio, welches hauptsächlich
asiatische Arten in sich vereinigt und als dessen Typus der chi-
nesische Zanzus schach L. gilt, zu ziehen sei. Die Angabe: „duabus
extimis rectricibus pro maxima parte albis“ beweist nichts für die
Art. Von Dr. Fischer auf Zanzibar gesammelte E. collurio haben
sehr viel Weiss in den beiden äussersten Steuerfedern aufzuweisen.
Barboza giebt die Schwanzlänge seines Zanius Souzae mit 90 Mm.
an, eine Länge, wie man sie z. B. bei dem asiatischen Collurio
erythronotus Vig. findet. Bei E. collurio L. dagegen variirt die
Länge des Schwanzes bei einer überaus grossen Menge von Exem-
plaren nur zwischen 76 und Si Mm. Die ausgedehnte Länge des
Schwanzes, sowie die von Barboza besonders hervorgehobene stufen-
förmige Bildung desselben, wie wir sie in dieser Weise bei E.
collurio nicht finden, sowie ferner die eigenthümliche Färbung der
beschriebenen Art veranlassen Herrn Schalow die Vermuthung aus-
zusprechen, dass Zanius Souzae dem Subgenus Collurio Bp. ange-
höre. Es ist sehr zu bedauern, dass der gelehrte portugiesische
Ornitholog keine Notiz über die Schwingenverhältnisse seiner Art
veröffentlicht hat, aus denen sich leicht mit einiger Sicherheit
Schlüsse über die Genuszugehörigkeit ziehen liessen. Ist aber
des Vortragenden Hypothese richtig, so haben wir im Westen Afrikas
einen Würger, dessen Verwandte bisher nur aus Asien bekannt
waren und. dessen Gattung als eine specifisch asiatische bis jetzt
gegolten hat. Es wäre höchst interessant, wenn Zanius Souzae
im Westen Afrikas ein asiatisches Genus repräsentirte, welches im
Osten der äthiopischen Region gänzlich fehlt. Diese eigenthümliche
isolirte geographische Verbreitung würde sich als ein’ Analogon der-
jenigen der Pitta angolensis Vieill. sowie der einzelner Trichophorus-
Formen: anreihen.“
Zum Schluss der Sitzung findet auf Anregung des Vorsitzenden
eine längere Debatte über die Anlage von Krähenhütten statt.
Golz. Schalow. Cabanis, Secr.
Bericht über die Januar-Sitzung. 215
Bericht über die Januar-Sitzung.
Verhandelt Berlin, Montag den 6. Januar 1379,
Abends 7!, Uhr, im Sitzungs-Local.
Anwesend die Herren: Böhm, Grunack, Walter, Thiele,
Sy, Jahrmargt, Mützel, Hausmann, von Chlapowski,
Reichenow, Cabanis, Brehm, Golz, Bolle, Schalow und
Lest ow.
Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Prof. Dr. Altum (Ebers-
walde).
a Gäste die Herren: Dr. Müller, Spiess, Friedrich,
Schellack, Leschke, Hauptmann v. Coffrane, Schmidt,
Schuster und Dreyer, sämmtlich aus Berlin.
Vorsitzender: Herr Brehm, Schriftführer: Herr Schalow.
Herr Brehm eröffnet die Sitzung mit einem kurzen Rückblick
auf die Entwiekelung und die Thätigkeit unserer Gesellschaft im
verflossenen Jahre. Er weist noch einmal ganz besonders auf die
hohe Ehre hin, die unserer Gesellschaft durch die Betheiligung
S. K. K. Hoheit des Kronprinzen Erzherzog Rudolf von
Oesterreich-Ungarn an deren Zwecken erwachsen, weist darauf
hin, dass bereits andere österreichische Ornithologen dem Beispiele
des Kronprinzen gefolgt und der Gesellschaft beigetreten seien und
dass so der so lange gewünschte Anschluss an die österreichischen
Fachgenossen gefunden. Er giebt der Hoffnung Raum, dass das
Jahr 1879 nach jeder Richtung ein gedeihliches für die Gesellschaft
werden möge.
Herr Altum hält einen längeren Vortrag über die Vogel-
sammlung der Königl. Forstakademie zu Eberswalde. Der Raum
verbietet uns auf diesen Vortrag. des näheren einzugehen und die
Details an dieser Stelle wiederzugeben. Wir beschränken uns daher
darauf, nur einzelne Punkte hier kurz anzudeuten, die für die Ge-
schichte und Entwickelung der Eberswalder Sammlung von einigem
Interesse sind. Herr Altum bespricht zuerst die einzelnen Ool-
leetionen, aus denen sich die Sammlung zusammensetzt. Den
Hauptstamm derselben bildet die alte Sammlung des bekannten
Prof. Nitzsch, die später durch eine kleine Sammlung meist in-
ländisecher und gewöhnlicher Arten des Herrn Dr. Assmann, Privat-
docent in Leipzig, vermehrt wurde. Hierzu treten dann eine Reihe
seltener Exemplare aus den Sammlungen E. v. Homeyer’s und des
Pastor Böckh (Danzig). Die übrigen Exemplare, und das sind
die meisten, sind Einzelsendungen von Forstleuten aus den ver-
schiedensten Gegenden der preussischen Monarchie. In diesem
letzten Theil liegt eine Haupteigenthümlichkeit der Sammlung; -
doch hat dieselbe, trotzdem die Akademie vierzig Jahre hindurch
der Cenutralpunkt aller forstwirthschaftlichen Interessen gewesen
ist, durch die Einzelsendungen der Forstbeamten nicht den Zuwachs
'erhalten, den man wohl mit Recht vermuthen könnte. Dies liegt
216 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin:
zum Theil daran, dass die Uebersendung geschossener Exemplare
wegen der abgelegenen Lage der Förstereien oft sehr schwierig,
dass ferner in Eberswalde kein Präparator thätig war, um. die
eingegangenen Sachen zu conserviren, und hauptsächlich in der
grossen Apathie der Förster. Hierzu kommt nun noch, dass Prof.
Ratzeburg, der Vorgänger des Vortragenden auf dem zoologischen
Lehrstuhl der Eberswalder Akademie, kein Ornitholog gewesen. ist
und wenig Anregung für ornithologisches Sammeln gegeben hat.
Nach diesen historischen Excursionen über die Entstehung und
Entwickelung der Eberswalder Sammlung, die wir, wie bereits
bemerkt, nach den Worten des Vortragenden nur resumirend hier
wiedergegeben, bespricht Herr Altum einzelne interessante Bestände
der unter seiner Leitung stehenden Anstalt. Aus der Reihe der
Farbenvarietäten nennt er eine verloschen weissgebänderte Corvus
corniw L., einen Turdus musieus L., dem in dem ganzen Gefieder
der gelbe Ton fehlt, und einen prächtigen Erythrismus von Pringilla
coelebs L. _ Das Exemplar, am 19. Juli 1871 bei Neustadt erlegt,
zeigt in der ganzen Färbung ein mehr oder weniger dunkles Wein-
roth, selbst an den Uropygialfedern, und auf dem Kopfe eine eigen-
thümliche streifenförmige Zeichnung. Von Irrgästen nennt Herr
Altum Syrrhaptes paradoxus Il., Pastor roseus Temm., Corythus
enucleator Cuv. Von Monstrositäten besitzt die Sammlung einen
Corvus frugilegus L. mit gekreuzten Kiefern, einen Gallus domestieus
L. mit fünf Zehen und vier Stück Alcedo vspida L. mit klaffendem
Schnabel. Von letzterer Art legte der Vortragende ein Exemplar
vor. Die vier Individuen wurden vor kurzer Zeit bei Neustadt ge-
schossen und gehören vielleicht einer Familie an. Der Schnabel
erscheint sehr dünn und spitz. Als seltene Arten aus der Samm-
lung der Forstakademie werden die folgenden aufgezählt, mit kurzen
Hinweisen auf die Menge der aufgestellten Exemplare sowie An-
gaben über deren Herkommen: Picus leuconotus Bechst. (Mark),
Turdus varius Pall. (Cöln), 7. atrigularis Natt. (Münster), 7.
sibiricus Pall. (Eberswalde) und 7. Naumanni Temm. (Eberswalde),
ferner Lanius major Pall., Strix uralensis Pall., Strix nyetea L.,
Aquila fulva Meyer, Somateria Stelleri Pall. und Thalassidroma
pelagica Vig. Schliesslich bespricht Herr Altum noch die Colleetion
von Dunenkleidern einzelner Arten, die die Eberswalder Anstalt
besitzt.
An den Vortrag knüpfen sich längere Discussionen.
Mit Bezug auf den vorgelegten Alcedo ispida L. bemerkt Herr
Golz, dass derartige monströse Schnabelbildung bei allen in der
Gefangenschaft gehaltenen Vögeln vielfach von ihm beobachtet
worden sei, und es wäre daher von einigem Interesse zu erfahren,
ob unter den erlegten Exemplaren auch jüngere Individuen sich
befunden haben. Vielleicht ist diese Bildung auch Witterungsein-
flüssen zuzuschreiben.
Herr Brehm bestätigt die Mittheilung des Vorredners, hält
aber ein derartiges Vorkommen in der freien Natur für selten und‘
Bericht über die Januar-Sitzung. 217
auffallend. Bei gefangenen Vögeln, denen die natürliche Nahrung
entzogen, zeigen sich oft Schnabelmonstrositäten der verschieden-
sten Art.
Herr Brehm spricht über die relative Häufigkeit der Sir.x
nisoria Meyer in den Karpathen. Er hat diese Eule dort in allen
Sammlungen gefunden und ihrer von allen Sammlern Erwähnung
thun hören. Sie überwintert dort in dem Gebirge. Herr Brehm
giebt bei dieser Gelegenheit kurze Schilderungen der beiden Haupt-
zugstrassen der Vögel, die durch die Karpathen hindurchführen.
Die eine findet sich an dem nördlichen Abhange des Gebirges, und
die andere führt mitten durch dasselbe hindurch, Gödöllö berührend.
So zieht z. B., trotz des Wassermangels, Colymbus arcticus L. regel-
mässig auf dieser letztgenannten Strasse, wird oft erlegt und fehlt
fast keiner Sammlung.
Herr Altum legt ein Exemplar von Cypselus melba Ill. vor,
welches am 18. October 1873 zu Montona erlegt und ihm ein-
gesandt worden ist. Der Vogel befindet sich in vollster Mauser,
und Herr Altum spricht seine Verwunderung darüber aus, den
Vogel um die erwähnte Zeit in diesem Federkleide anzutreffen.
Mit Bezug hierauf bemerkt Herr Brehm, dass Oypselus melda Il.
viel länger an den Orten, in denen er brüte, verweile, viel länger
als dies C'. apus Ill. bei uns thut. Dieser letztere findet kaum die
Zeit, um seine Jungen gross zu ziehen, dann verlässt er bereits
seine Brutheimath. Anders ist dies mit ©. melba. Im südlichen
Spanien soll dieser Segler sogar überwintern, wie dies Cozyle
rupestris Boie in Italien und Spanien thut. Unter diesen Verhält-
nissen kann wohl vor dem Abzuge die Mauser eintreten.
Herr Cabanis macht darauf aufmerksam, dass das von Herrn
Altum vorgelegte Exemplar, nach den Schwingen und Steuerfedern
zu urtheilen, mindestens ein zweijähriger Vogel sein müsse, dass
aber möglicher Weise bei frischer Mauser sich eine dem Jugend-
kleide ähnliche Federzeichnung zeige, die sich ausserordentlich
schnell abfliegt und verschwindet.
Herr Altum theilt mit, dass er am 25. December vergangenen
Jahres zwei Mal Apternus tridactylus Gould im Garten der Ebers-
walder Forstakademie beobachtet habe, ohne jedoch ein Exemplar
erlangen zu können. Dieses Factum ist im höchsten Grade inter-
essant; bisher kannte man diese Art noch nicht aus der Provinz
Brandenburg.
Herr Böhm giebt nach den Mittheilungen einer Jagdzeitung
die Notiz, dass am 12 December p. bei Hajen, in der Nähe von
Hameln, ein Exemplar von Okis teirax L. geschossen worden ist.
Herr Cabanis legt ein in Spiritus befindliches Exemplar von
Alcedo ispida L. vor, welches mit einen Fisch im Schnabel auf dem
Murgcanal bei Rastatt treibend von Herrn Lieutenant Zimmermann 1.
aufgefunden und dem Berliner Museum übersandt worden ist. Der
Vogel war nicht im Stande gewesen, den ergriffenen Fisch zu ver-
schlucken, und war an der zu grossen Beute erstickt,
Es
218 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin: ,
Die.Herren Reichenow und Schalow legen eine grössere
Anzahl neu erschienener Bücher sowie eingegangener Arbeiten vor
und referiren über dieselben. Herr Schalow weist vornehmlich
auf eine Arbeit Leonhard Stejnegers: Underslaegten Lanius med
saerligt hensyn paa dens norske arter aus dem Archiv for Mathe-
matik og Naturvidenskab von Lie, Müller und Sars hin, die die in
Norwegen vorgekommenen grauen Würger kritisch bespricht. Ferner
legt derselbe ein Werk unseres auswärtigen Mitgliedes, des Dr.
Gustav Radde in Tiflis, vor: Die Chew’suren und ihr Land (Cassel
1879), welches, obgleich hauptsächlich geographischen und ethno-
graphischen Charakters, doch einzelne ornithologische Mittheilungen
‚. enthält. Herr Reichenow legt ein Paar neue demnächst er-
scheinende Tafeln seiner „Vogelbilder aus fernen Zonen“ vor,
Herr Schalow widmet den in den Jahren 1877 und 1878
dahingeschiedenen Ornithologen einige Worte der Erinnerung. Er
verliest eine längere Reihe von biographischen Notizen über Anderson,
Brüggemann, Buxton, Durnford, Höpfner, Jovanovics, Monteiro,
Rowley, Schweizer, Stölker und Swinhoe Diese Mittheilungen
werden im Ornithologischen Centralblatte veröffentlicht werden.
Herr Reichenow verliest ein Schreiben des auswärtigen
Mitgliedes Herrn Baumeister Sachse (Altenkirchen) sowie das
eines anderen Mitgliedes, des Herrn Naumann (Ziebigk), die
beide kleinere biologische Mittheilungen enthalten. An die Sachse’sche
Mittheilung, die bereits im Ornithologischen Centralblatt No. 2
S. 15 abgedruckt worden ist, knüpfen sich längere Discussionen.
Herr Brehm bespricht eine Beobachtung, nach der sich die Saat-
krähen erst gegen Mittag von den Feldern erheben, weil sie bis
dahin von dem Boden, auf dem sie sich niedergelassen, noch nicht
abgethaut waren. Bei Raben und Nebelkrähen ist Aehnliches nie
beobachtet worden. Herr Altum theilt ein paar verbürgte Fälle
mit, dass Grus cinerea und Anas fusca (3 ad.), auf dem Eise an-
gefroren, gefangen wurden. Herr Bolle theilt das Gleiche vom
Cygnus olor mit. Die eingegangene Naumann’sche Beobachtung
spricht von dem Brüten eines Parus major in einem Briefkasten
(ef. Ornith. Centralblatt Nr. 4).
Herr Bolle spricht eingehend über das Vorkommen von
Columba risoria in Europa und über die Acclimatisationsbedingungen
dieser Art in kälteren Gegenden.
Herr Brehm schildert in einer längeren Mittheilung das Leben
des Vanellus gregarius Vieill., wie er es auf seinen Reisen in West-
sibirien kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Wenig ist bisher
über die Biologie dieser Art bekannt gewesen; allgemein findet
man die Bemerkung, dass Vanellus gregarius. Vieill. durchaus in
seinem Leben unserem gewöhnlichen Kibitz gleiche. Dem ist aber
absolut nicht so. Beide Arten haben in Bezug auf ihr Leben
durchaus keine Aehnlichkeit. V. gregarius steht im Leben den
kleinen Charadrius-Formen viel näher als dem V. eristatus. Brehm
beobachtete die Art in der Kirgisensteppe ausserordentlich häufig.
Bericht über die Februar-Sitzung. 219
V. gregarius zeigt keine Vorliebe für das Wasser, wie der euro-
päische Kibitz; in Schaaren von 10—15 Paaren läuft er auf dem
‘Boden umher. Wird er verfolgt, so sucht er sich durch Laufen,
und in der äussersten Noth erst durch Fliegen zu retten. Auch
der Flug erinnert an den des Regenpfeifers, das Benehmen am
Neste ist nicht das des Kibitzes, kurzum Vanellus gregarius ist
biologisch dem kleinen Charadrius näher verwandt als dem Vanellus
eristatus. Weitere Darstellungen über diesen Gegenstand wird die
II. Auflage des Thierlebens bringen.
Schluss der Sitzung.
Brehm. Schalow. Cabanis, Secr,
Bericht über die Februar-Sitzung.
Verhandelt Montag den 3 Februar, Abends 7", Uhr
im Sitzungslocal.
Anwesend die Herren: Böhm, Bolle, Walter, Schalow,
Reichenow, Cabanis, Brehm, Thiele, Jahrmarst,
Mützel, Grunack, Lestow, Sy.
Als Gäste die Herren: Dr. Hilgendorf, Ludwig und
Bohnenstengel, sämmtlich aus Berlin.
Vorsitzender: Herr Brehm. Schriftführer: Herr Schalow.
Der Bericht über die Januar-Sitzung gelangt zur Verlesung.
Herr Schalow widmet dem am 29. November des vergangenen
Jahres plötzlich verstorbenen Lord Tweeddale, Präsidenten der
Londoner zoologischen Gesellschaft, einen kurzen Nachruf. Der-
selbe findet sich im Ornithologischen Centralklatt (1879. p. 37)
abgedruckt. Die Gesellschaft ehrt das Andenken des Dahinge-
schiedenen durch Erheben von den Sitzen.
Herr Bolle hält einen längeren Vortrag über: Die Vögel
Chivas und ihr Verhältniss zum Menschen. Derselbe wird in
kürzester Zeit im Centralblatt veröffentlicht werden.
An den Vortrag knüpft sich eine längere Discussion. In Be-
zug auf die von Herrn Bolle angeführte Zahl der Vögel, die in
China in unmittelbarster Nähe des Menschen lebt, und die als
eine ziemlich grosse bezeichnet werden muss, bemerkt Herr Brehm,
dass diese Anzahl in Aegypten kaum eine geringere sein dürfte,
natürlich im Verhältniss der überhaupt das Gebiet bewohnenden
Arten. Herr Dr. Hilgendorf knüpft an die Bolle’schen Mit-
theilungen über die Vögel der Stadt Peking einige Beobachtungen
über die Vögel der Stadt Tokio, besonders über das Auftreten von
Phasianus versicolor in den grösseren Parkanlagen gedachter Stadt.
Herr Cabanis legt mehrere Haussperlinge, Passer domes-
ticus L., von der Insel Cuba vor, welche auf dessen Ansuchen
von Herrn Dr. Gundlach eingesandt worden sind. Herr Cabanis
constatirt, dass dieselben sich in dem tropischen Klima durch
‚mehrere Generationen in nichts verändert haben, und theilt die
220 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin:
brieflichen Notizen des Herrn Dr. Gundlach wie folgt mit: „Ich
kam im Jahre 1839 5. Jan. nach Habana. Damals sah ich keinen
‚Sperling dort. Nun.lebte ich bei Matanzas und dann bei Cardenas,
wo ich bis 1852 war, ohne Habana wieder gesehen zu haben. Als
ich 1853 oder 1854 wieder dorthin kam, sah ich in der Innenstadt
schon mehrere. Ich blieb stets nur kurze Zeit in Habana und
machte dann meine Reise nach dem östlichen Theile der Insel und
sie dauerte von Juni 1856 bis August 1859. Nun lebte ich 1 Jahr
lang in der Vorstadt Cerro.. Damals sah man die Sperlinge noch
nicht dort, aber schon tausende in der Innenstadt, in den Stadt-
gräben und auch schon viele in dem nächsten Theile der Aussen-
stadt. Nun ging die Familie und also auch ich 3 Jahre lang zur
Pflanzung Fermina, die gegen 20 deutsche Meilen von Habana erft-
fernt sein kann. Wir waren nach Habana zurückgekehrt und
wohnten nun nahe an den Stadtgräben. Da erst konnte ich etwas
Näheres über die Lebensweise sehen. Da ihnen Löcher an Häusern
fehlten, habe ich sie selbst zwischen dicht verzweigtem Laubwerk
der exotischen Casuarina, die man hier falsch pino d. h. Fichte
nennt, nistend gesehen. Auch mag der Sperling zu aller Zeit
nisten, denn ich sah stets Nestjunge. In den Häusern ist er sehr
dreist, zeigt nicht Furcht, ist aber dennoch sehr vorsichtig. — So
gebrauchte ich, weil man in der Stadt nicht schiessen darf, die
kleine Salonflinte, welche kaum tönt. Nach dem ersten Schusse
im Hofraume, wo viele Sperlinge waren, wollten sie nicht mehr
kommen. Ich muss gestehen, dass ich noch kein Nest hier unter-
sucht und die Eier gesammelt habe. Es soll jedoch geschehen.
Heute sind sie nicht allein bis zum Cerro in Menge vorgedrungen,
sondern selbst stets den Häusern der an der Landstrasse liegenden
Sommerwohnungen folgend bis zum Badeorte an der Küste von
Marianao, 3 Wegstunden von Habana. Er scheint jedoch nur dahin
vorzuschreiten, wo er Häuser sieht. Im Gebüsche bei dem Badeort
lebt eine Menge, ich begreife aber nicht, wo sie nisten werden,
weil die Häuser aus Brettern gebaut sind und keine tauglichen Stellen
liefern. Die Nester müssen also wohl auf Bäumen stehen. Ich
wohne nun schon eine Menge von Jahren hindurch fast stets auf
der Fermina, kann also die Sperlinge nur dann und wann sehen.
Ich will jedoch durch glaubwürdige Habaneser beobachten lassen.
Was Nutzen oder Schaden betrifft, so kann ich nur Folgendes
sagen. Hier sieht man nicht wie in Deutschland und Nord-
amerika Raupennester auf den Obstbäumen, überhaupt giebt es ja
nur wenige Spinnerschmetterlinge auf Cuba und man leidet wenig
von Raupen an Obstbäumen, wiewohl oft Raupenschaden am Zucker-
rohre, Mais, Baumwolle, Suca oder Manihot u. a. vorkommen. Da
aber dieser Sperling der Haussperling ist, kommt er zu solchen
Stellen nicht und vernichtet also wenige schädliche oder lästige
Raupen und Insecten, aber er geht die Früchte an. Wer sonst in
seinem Hausgarten oder im Hofraume Feigen, Trauben, Anonen u.
a. m. erzog, sieht heute oft die halbreifen Früchte schon ange-
nn zn
Bericht über die März-Sitzung. 221
bissen. Ich bin kein Freund der Sperlinge, wenigstens auf Cuba.
Ueber den Ursprung des Vorkommens giebt es einige wenig von
‚einauder abweichende Sagen. Don Jose Maria de la Torre in seineı
Geographie von Cuba (er als Creole, stets in Habana wohnend,
Professor an der Universität, welcher auch ein kleines Buch
Habana wie sie war und wie sie ist) schrieb sagt: ‚Im
Jahre 1850 liess man im Garten eines Conventes in Habana einige
von der Halbinsel Spanien gebrachte Sperlinge los und heute (1854)
sieht man schon viele, weil sich: dieser so schädliche Vogel ausser-
ordentlich vermehrt. Dieses schrieb ein gebildeter Mann schon
nach 4 Jahren, und so kann man der Aussage Glauben schenken.
Herr Brehm bemerkt hierzu, dass P. domesticus in Spanien
eine ebenso häufige Erscheinung sei wie bei uns in Deutschland,
dass dagegen ?P. hispaniolensis nicht überall vorkäme, sondern
auf einzelne Oertlichkeiten beschränkt se. Der spanische
Sperling ist eine an Sumpfgebiete gebundene Art, die nie die
Städte besucht. Herr Brehm bespricht die Verbreitung dieser
Art in Spanien und knüpft daran Mittheilungen über das Vor-
kommen im unteren Aegypten wo P. hespaniolensis stets im Ge-
röhricht der Reiswälder seine Brutplätze aufschlägt.
Mit Bezug auf den nahe verwandten italienischen Sperling,
P. eisalpinus, theilt Herr Bolle mit, dass er denselben als
Felsenvogel, in den Löchern des Kalkfelsens nistend, in ausser-
ordentlich grosser Menge auf Capri und Ventotene angetrotfen habe,
während die Art auf vulkanischen Inseln, wie Ischia und Ponza,
vollständig fehle.
Nach diesen Mittheilungen möchte Herr Brehm den Passer
domesticus als Haus-, den P. hrspaniolensis als Sumpf- und den
P. eisalpinus bedingungsweise als Felsenvogel charakterisiren.
Herr Bolle theilt eine kleine ihm mündlich mitgetheilte Beob-
achtung des so früh für die Wissenschaft verstorbenen Dr. Alfred
Hansmann mit, nach welcher Petronia stulta, der typische Felsen-
vogel, auf der Insel Sardinien in den Korkeichen brüte.
Herr Reichenow referirt über einige neu eingegangene
Bücher und legt die folgenden zum Abdruck im Journal und im
Centralblatt eingegangenen Aufsätze vor: Dr. J. A. Palmen, Zur
Diseussion über die Zugstrassen. — W. Pralle, Noch ein Mal das
Meckern der Becassine. |
Schluss der Sitzung.
Brehm. 'Schalow. Cabanis, Gen.-Secr.
Bericht über die März-Sitzung.
Verhandelt Berlin, Montag den 3. März 1879, Abends
7:1; Uhr, im Sitzungslocal.
Anwesend die Herren: Böhm, Walter, Grunack, Thiele,
Leschke, Kammann, Falkenstein, Reichenow, Cabanis,
Bolle, Sy, Lestow und Schalow.
222 Allgemeine deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin:
Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Graf Berlepsch (Schloss
Berlepsch) und Herr Hecker (Görlitz).
Als Gäste die Herren: von Coffrane, Schmidt, Spiess
und Thilenius,,sämmtlich aus Berlin.
Vorsitzender: Herr Bolle, Schriftführer: Herr Schalow.
Nachdem der Vorsitzende das in der Gesellschaft anwesende
auswärtige Mitglied, Herrn Graf von Berlepsch, begrüsst und
nachdem das Protokoll über die Februarsitzung verlesen, spricht
Herr Cabanis, unter Vorlage einer grösseren Reihe von Exemplaren,
über die verwandten Keilschwanzsittiche Conurus cactorum (Neuw),
C. pertinax (L.), C. vantholaemus Sel. und ©. oculares Scl. et Salv.
Der Vortragende, geht davon aus, dass die genannten Formen
vielfach auf den Ausstellungen lebender Vögel, die hier in Berlin
veranstaltet worden sind, erschienen, aber bisher stets in falscher
Bestimmung. Letzteres habe seinen Grund darin, dass in. dem
Papageien-Werk von Finsch mehrere Arten unter dem gemein-
samen Namen pertinaz zusammengefast seien und dass dadurch
eine grosse Begrifisverwirrung unter den urtheilslosen Liebhabern
und Händlern sich fortgepflanzt hätte.
Herr Cabanis charakterisirt die nahe verwandten Arten
wie folgt:
H 1. Conurus cactorum (Neuw). Wangen grün, wie der Rücken,
hierdurch sofort von den anderen Arten zu unterscheiden. Brasilien.
| 2. Conurus pertinax (L.).
Beim jüngeren Vogel die Wangen bräunlich wie die Kehle
und Brust, der Scheidel in’s Bläuliche ziehend (aeruginosus L.).
Beim alten Vogel sind die Wangen mehr oder weniger in’s Gelbe
gehend (chrysophrys Sws., chrysogenys Souance). Guiana und
Venezuela.
4. 3. O. zantholaemus Sel. (wanthogenius Bp.).
Die ganzen Kopfseiten, auch Vorderkopf und Kehle lebhaft
orangegelb, der Scheitel bläulich. Westindien, namentlich St. Thomas.
4. C. ocularis Sclat. et Salv. Etwas kleiner als die anderen
Arten, Scheitel nicht bläulich, sondern grün, wie der Rücken. Nur
unter dem Auge ein gelbes Abzeichen. Centralamerika.
Alle die vorgenannten Arten sondern sich sehr gut durch ihre
verschiedene geographische Verbreitung. Sclater trennt
C©. pertinax und aeruginosus,; während der Vortragende dieselben
nur als alten und jungen Vogel ein und derselben Art betrachten
kann. Die jüngeren Individuen des Berliner Museums, sowohl von
Guiana als auch aus Venezuela (also C. aeruginosus L.), zeigen bei
. genauer und sorgfältiger Untersuchung in der Augengegend einzelne
gelbe Federchen. Ein alter Vogel aus Venezuela (Orinoco) zeigt
zwar die Augengegend extensiver gelb (chrysophrys Sws.) als die
alten Vögel von Guiana, sonst aber, auch in dem bläulichen Scheitel,
die vollständigste Uebereinstimmung.
Herr Cabanis. bittet die Liebhaber, ihre Aufmerksamkeit
Nachrichten: An die Redaction eingegangene Schriften. 293
diesen Arten zuzuwenden und vor Allem auf genaue Angaben über
das Vaterland zu achten.
Herr Graf von Berlepsch knüpft hieran noch einige Be-
merkungen über Exemplare der vorgenannten Arten, die sich in
seiner Sammlung befinden, und spricht seine Uebereinstimmung mit
den Ansichten des Vorredners aus.
Derselbe legt alsdann eine Anzahl neuer Arten vor,
charakterisirt dieselben und erläutert ihre Beziehungen zu nahe ver-
wandten, bezüglich identisch gehaltenen Formen. Es sind dies:
Basileuterus Cabanisi, ı. sp. ex Venezuela, eine dem B, vermivorus
Cab. nahe stehende Art, ferner Pachyramphus intermedius n. Sp.
ex Venezuela. Graf Berlepsch charakterisirt ausserdem ein neues
Genus Callithraupis mit der Art C. cyanicterus Vieill. Das Nähere
ist ausführlich weiter vorn im Journal abgedruckt, worauf hiermit
verwiesen sei.
Herr Graf Berlepsch bespricht ausserdem eine Anzahl
seltener amerikanischer Arten aus seinen Sammlungen und legt
die betreffenden Stücke den Anwesenden vor.
Herr Hausmann theilt einige allgemeine Bemerkungen und
Beobachtungen über den Einfluss des diesjährigen harten Winters
auf unsere kleineren Vögel mit.
Herr GrafBerlepsch spricht in einer längeren Mittheilung
über die Vogelfauna seines Beobachtungsgebietes, Schloss Berlepsch
bei Witzenhausen, Provinz Hessen- Nassau. Der Vortragende
charakterisirt die Localität des Gebietes, weist auf die dort be-
obachteten Zugverhältnisse hin, giebt eine allgemeine Uebersicht
der von ihm beobachteten Arten und legt alsdann eine Anzahl
interessanterer Formen in vielen Exemplaren vor, u. a. Parus
caudatus, Pyrrhula germanica, Fringilla coelebs, Lanius major und
Podiceps minor.
An diesen Vortrag knüpfen sich längere Discussionen. Bei
dieser Gelegenheit werden auch die Publicationen des Ausschusses
für Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands besprochen,
deren Wichtigkeit betont und einzelne Aenderungen in der Auf-
stellung der Rubriken in den Beobachtungslisten vorgeschlagen.
Bolle. Schalow. Cabanis, Gen.-Secr.
Nachrichten.
An die Redaction eingegangene Schriften,
(Siehe Seite 94—96.)
1519. Selater. Description of two new Ant-Birds of the Genus
Grallaria, with a List of the known Species of the Genus.
(Cum Tabb. "VII. Grallarsa ruficeps; IX. @. flavo-
tincta.) |From The Ibis, 1877.) — Vom Verfasser.
1520. Selater. Revision of the Species of the Cotingine Genus
Pipreola. (Cum Tab. VI. Pipreola fr ontalis.) [From
The Ibis, 1878.) — Von Demselben.
224 Nachrichten: An die Redaction eingegangene Schriften.
1521.
1522.
1523.
1524.
1525.
1526.
1527.
1528.
1532.
1533.
Sclater. Preliminary Remarks on the Neotropical Pipits.
(Cum Tab. X. Anthus Nattereri.) |From The Ibis,
1878.] — Von Demselben.
Sclater. Note on the Breeding of the Sacred Ibis in the
Zoological Society’s Gardens. (Cum Tab. XII. Idis aethiopica,
young and Egg.) [From The Ibis, 1878.] — Von Demselben.
Sclater. Note on the American Crows of the Subgenus
Xanthura. — On recent Additions to our Knowledge of
the Avifauna of the Sandwich Islands. (Cum Tab. Il. Lox:-
oödes Bailloni.) [From The Ibis, 1879.] — Von Dem-
selben.
Sclater and O. Salvin. Description of three new Spe-
cies of Birds from Ecuador. (Cum Tabb. XXVI. Neomor-
phus radiolosus; XXVIl. Aramides calopterus.)
[From Proc. Z. S. L. Apr. 16, 1878.] — Von Demselben.
Dr. G. Hartlaub. On Agapornis Sweinderniana.
[From The Ibis, Jan. 1879.] — Vom Verfasser.
Dr. A. B. Meyer. Field-notes on the Birds of Celebes. Part.
I. Psittaci, Rapaces and Picariae. |From The Ibis,
Jan. 1879.] — Vom Verfasser.
Victor Ritter v. Tschusi zu Schmidhoffen. Biblio-
graphia ornithologica. Verzeichniss der gesammten ornitho-
logischen Literatur der österreichisch-ungarischen Monarchie.
[Separatabdr. aus Verhandl. d. K. K. zool.-botan. Ges. in
Wien. Jahrg. 1878.] — Vom Verfasser.
Geo. N. Lawrence. Catalogue of the Birds of Grenada,
from a Collection made by Mr. Fred. A. Ober for the Smith-
sonian Institution, ineluding others seen by him, but not ob-
tained. [From Proc. Unit. Stat. National Museum, 1878.] —
Vom Verfasser.
.J. Reinhardt. En ny Metua-Art. — En for Gronland
ny Fugl. — [Aftryk Vidensk. Meddelelser f. d. naturh.
Forening i Kjobenhavn. 1879—80.] — Vom Verfasser.
. J. V. Barboza du Bocage. Me£langes ornithologiques.
V. Especes nouvelles d’Angola. [Extr. Jornal d. Sc. math,
phys. e natur. No. XXIV. Lisboa 1878.] — Vom Verfasser.
. L. M. D’Albertis & T. Salvadori. Catalogo degli Uccelli
raccolti da L. M. D’Albertis durante la seconda e terza Es-
plorazione del Fiume Fly negli anni 1876 e 1878. [Estratto
dagli Annali del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova. Vol. XIV.
10. Marzo 1879. — Genova 1879.] — Vom Verfasser.
The Ibis. A Quarterly Journal of Ornithology. Edited
by Osbert Salvin and Ph. L. Selater. Fourth Series. Vol. II.
No, 10. April 1879. — Von der British Ornithol. Union.
Dr. Sclater. A small blue Macaw (Ara Spixi). Cum
Tab. LXI. [From. Proc. Z. S. London 1878, p. 976.] — Vom
Verfasser.
G. Pütz’sche Buchdruckerei (Otio Hauthal) in Naumburg a/S,
5
JOURNAL
für
ORNITHOLOGIE.
Siebenundzwanzigster Jahrgang.
Betrachtungen über die Seleetionstheorie vom Standpunkt
der Oologie aus.
Von
_W. v. Nathusius (Königsborn).
Dass die folgenden Bemerkungen durch die Arbeit von Dr. Kutter
im Jahrg. 1877 S. 396 und Jahrg. 1878 S. 300 dieser Zeitschr.
veranlasst wurden, möchte ich schon in obiger Ueberschrift andeuten,
so wie auch durch dieselbe einen gewissen Gegensatz hervorheben,
in welchem sich m. E. seine Behandlung des Themas gegen das-
jenige befindet, was man wenigstens früher als die allein gestattete
Basis für wissenschaftliche Erörterungen ansah. Dr. Kutter’s Titel
lautet nämlich: Betrachtungen über Systematik und Oologie vom
Standpunkt der Selectionstheorie. Mir scheint es richtiger, na-
mentlich in einem, solchem speciellen Zweige der Naturforschung
gewidmeten Blatt, wenn man ein so umfassendes Thema als die
Seleetionstheorie überhaupt behandeln will, doch wenigstens erst
die Specialien auf Grundlage der Thatsachen im Einzelnen so ob-
jeetiv als möglich festzustellen. Der Anschein einer vorherge-
fassten Meinung muss wenigstens hervorgerufen werden, wenn mit
einer Darstellung der Hypothese, in welcher man sie als etwas
Erwiesenes behandelt, begonnen wird. Hiermit einen persönlichen
Vorwurf machen zu wollen, liegt mir weitab. Es liegt diese Art des
Procedirens im Wesen der Selectionstheorie. Wie ja schon oft zur
Genüge nachgewiesen, kann man auf dem Wege des Beweises nicht
zu ihr gelangen. Sie ist ein Product von Vermuthungen,
nicht von Beobachtungen und Erfahrungen. Dr. Kutter
räumt demgemäss z. B, auf S. 328 Jahrg. 1878 den Vermuthungen
eine Bedeutung ein, welche ihnen nicht gebührt, indem er sagt:
- „Soweit es gestattet ist, ‚Lücken unseres Wissens mit (einigermassen
begründeten) Vermuthungen auszufüllen‘, werden wir kaum von der
Oab. Journ. f. Ornith. XXVIJ. Jahre. No. 147. Juli 1379, 15
236 W.v. Nathusius:
Wahrheit abirren, wenn wir uns die Eier der ältesten Vogelge-
schlechter noch übereinstimmender mit denen der Reptilien vor-
stellen, als dies bei manchen noch zur Zeit der Fall ist. Die
Kalkschale derselben war wahrscheinlich unvollkommener
construirt und durchweg ungefärbt.“
Die Vermuthung ist nur insoweit berechtigt, als sie den Weg
finden hilft, welchen die Beobachtung, das Experiment ein-
zuschlagen hat. „Gestatten“ könnten wir ihr ja recht gern, „Lücken
des Wissens auszufüllen“, aber leider bleiben die Lücken unaus-
gefüllt, auch wenn man Bogen und Bände mit „einigermassen be-
gründeten“ Vermuthungen füllt, und das Gefährliche, das darin
liegt, in die Lücken des Wissens etwas diesem so durchaus Hete-
rogenes wie das Vermuthen hineinzufügen, liegt in der dadurch
entstehenden Täuschung, als ob diese Lücken nicht vorhanden seien.
Möchte man doch wenigstens, wenn man dem Gelüst nicht wider-
stehen kann, Vermuthungen zu veröffentlichen, dieses unter dem
besondern Rubrum: ‚„Naturvermuthungen“ von dem der Natur-
wissenschaft trennen. Es wäre denn doch auch für den Geschmack
derjenigen gesorgt, welche dem Ausspruch einer unserer bedeu-
tendsten wissenschaftlichen Capacitäten: Wenn ich einmal einen
Roman lesen will, dann weiss ich mir doch etwas Besseres als
Entwicklungsgeschichte, zustimmen.
Obiges Citat gab ich vollständig, um gleich noch einige Be-
merkungen über gerade diese Vermuthungen anschliessen zu
können. Die ältesten aufgefundenen und untersuchten Vogel-Eier
sind, so viel mir bekannt geworden, die des ausgestorbenen Aepy-
ornis von Madagaskar. Ein später im Kaukasus aufgefundenes,
ebenfalls von einem nicht mehr vorhandenen Vogel herrührendes
Ei konnte leider noch nicht Gegenstand wissenschaftlicher Unter-
suchung werden, da der Finder einen Preis dafür forderte, wel-
chen continentale wissenschaftliche Institute nicht verwendbar
haben. Die Structur der Eischale von Aepyornis habe ich in
Siebold und Kölliker’s Zeitschr. f. wissensch. Zoologie Bd. XXI
ausführlich beschrieben und abgebildet. Sie gehört zu den höchst
entwickelten und complicirtesten, die auch bei den recenten Vogel-
Eiern vorkommen. Ferner ist unvollständige oder fehlende Kalk-
schale keineswegs ein allgemeiner Charakter der Reptilien-Eier.
Diejenigen einiger Schlangen und der Krokodile erscheinen voll-
ständiger und complicirter gebaut, als die der Oscinen. Endlich
steht Färbung mit unvollkommener Schalenbildung durchaus in
Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 227
keinem Zusammenhang. Die am höchsten entwickelten Schalen-
structuren finden sich bei den Struthioniden und den Natatoren.
Sie sind sämmtlich ungefleckt. Die schöne Färbung bei Dromaeus
und Casuarius ist etwas ihrem Wesen nach von anderen Färbungen
total Verschiedenes. Die wenig entwickelten Eischalen der Oscinen
bieten zahlreiche Fälle von Buntheit. Doch ist dieses auch Keine
Regel, denn die sehr charakteristische Schale von Uria ist sehr
bunt. Danach sind diese Vermuthungen nicht einmal einigermassen
begründet, sondern widersprechen bekannten Thatsachen.
Dr. K. hat auch die ethische und religiöse Seite berührt, zwar
nicht eingehend, aber gerade solche kleine Seitenhiebe gegen die
„Schöpfungstheoretiker“, wie auf S. 327 der zweiten Abtheilung
und ganz besonders in der Anmerkung 2 zu S. 338, haben etwas
besonders Provocirendes, und was ganz allgemeine Verwahrungen
der Seleetionstheorie gegen Atheismus und Materialismus für eine
Bedeutung haben sollen, ist schwer abzusehen.
Nicht der christlichen Religion allein angehörig, sondern für
alle theistischen Auffassungen gemeinsam besteht die Annahme
eines allmächtigen und allwissenden geistixen Wesens, welches
Schöpfer und Regierer unserer Welt ist, dieses Regiment aber nach
einer gewissen Ordnung führt, welche uns als gesetzlich ent-
gegentritt, wodurch eine Naturwissenschaft ermöglicht wird.
Jedes vernünftige Gesetz hat ein bestimmtes Ziel. Damit ist das
Planmässige der Schöpfung gegeben. Der Act der Schöpfung
muss, wenn man einen solchen überhaupt annimmt, logisch be-
trachtet ausserhalb der das schon Gewordene regierenden Gesetze
liegen, weshalb man ihn nach dem bestehenden Sprachgebrauch
nur als einen wunderbaren bezeichnen kann. Da nach dieser
Auffassung selbstverständlich auch der Mensch mit einem bestimmten
Ziel erschaffen und mit gewissen geistigen Gaben, die in Har-
monie mit jenem höchsten Wesen stehen, ausgerüstet ist, besteht
eine persönliche Beziehung zu diesem für ihn.
Dass der sogenannte Monismus Häckel’s dieses nicht nur Alles
leugnet, sondern dessen sämmtliche Hypothesen im bewussten
Gegensatz hiergegen aufgestellt sind, und diesen Hypothesen der
Materialismus zu Grunde liegt, bedarf eines Nachweises nicht; aber
schon die Selectionstheorie Darwin’s, bezüglich deren dieser be-
kanntlich später eingeräumt hat, dass die thierische Abstammung
der Menschen ihre nothwendige Consequenz sei, welche er nur
absichtlich verschwiegen habe, um der „guten Sache“ nicht zu
15*
228 W. w Nathusius:
schaden, steht zu jenen theistischen Auffassungen dadurch im ent-
schiedensten Gegensatz, dass sie eben das Planmässige, das
Gesetzliche, genug das Wesen des Weltregiments direct
leugnet, und die zufällige, von dem Schöpfer unvorhergesehene
und unbeeinflusste Entwicklung durch den Kampf um das Dasein
an seine Stelle setzt: Wenn also auch Darwin die Existenz eines
Schöpfers nieht ausdrücklich bestreitet und die Möglichkeit offen
lässt, dass gewisse Anfangs-Organismen erschaffen sind, so folgt
doch aus seiner ausdrücklichen Erklärung, dass er eine plan-
mässige Entwicklung der lebenden Wesen nicht annehmen
könne, dass alle diejenigen Beziehungen des Menschen zum
Schöpfer, welche das Wesen der theistischen Auffassungen bilden,
für den Darwinismus nicht existiren können, denn mit der Leugnung
der planmässigen Entwicklung wird auch geleugnet, dass die Ent-
wicklung präsumtiver niedrigerer Geschöpfe zu Menschen auf einer
Absicht des Schöpfers berube. Das Sittengesetz wird so bestimmt
als von einem höchsten Wesen nicht ausgehend betrachtet, dass
Darwin ja sehr ausführlich erörtert hat, wie seiner Meinung nach
auch dieses aus den Zufällen des Kampfes um das Dasein habe
hervorgehen können. Für die persönlichen Beziehungen der’ Men-
schen zum Schöpfer stellen sich also Darwin’s Auffassungen prak-
tisch genommen vollständig gleich mit den atbeistischen. Aus Dr. Ks
einzelnen Aeusserungen ein Urtheil über seine Stellung zu bilden,
will ich mir selbstverständlich nicht erlauben, glaube aber, dass
wenn sie von denen Darwin’s abweichen, eine klarere Darlegung
derselben vorzuziehen gewesen wäre.
Es sagt mir sehr wenig zu, in einem Journal für Ornithologie
solche Themata zu berühren, aber die „Schöpfungstheoretiker“ sind
durch’ die Art von Dr. K.’s Aeusserungen geradezu, wenn auch
wohl unabsichtlich, provocirt.
Noch eine Unklarheit muss ich berühren. Im ersten Theil
seiner Arbeit gebraucht Dr.K. vielfach den Ausdruck „Descendenz-
lehre“. Diese ist toto die von der Selectionstheorie darin ver-
schieden, dass sie zwar eine Wandlung und Entwicklung der ursprüng-
lichen Formen aus einer gegebenen Schöpfung durch die in diese
gelegten causalen Momente annimmt, aber das Planmässige und
Gesetzliche dieser Entwicklung nicht bestreitet.
Hiermit möchte ich im Interesse der Leser die allgemeine
Frage der Selectionstheorie so kurz als möglich erledigt haben,
vorbehaltlich einiger Nutzanwendungen, welche sich später ergeben
Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 229
werden, wenn erst die Feststellung einiger thatsächlichen Verhält-
nisse versucht ist. Wer sich für die allgemeineren Beziehungen
der Selectionstheorie, die doch nachgerade auch nichts Neues mehr
ist, interessirt, wird in dem Werke Wigands: Der Darwinismus und
die Naturforschung Newton’s und Cuvier’s, Braunschweig, Vieweg
1876, eine vom wissenschaftlichen — nicht Vermuthungs- —
Standpunkt aus m. A. n. vernichtende Kritik derselben finden.
Sine ira et studio, da ich Dr. K. für freundliche Erwähnung
meiner Arbeiten nur zu danken habe, darf ich mich nun zur Be-
trachtung der Natur des Vogel-Eies wenden. Ich hatte allerdings
schon in d. Zeitschr. (Juliheft No. 112. 1871) eine gedrängte
Uebersicht der Resultate meiner in der Zeitschr. f. wissensch. Zool.
Bd. XVII, XIX, XX und XXI publieirten Untersuchungen ge-
geben, musste dabei aber, um kurz zu sein, von Anführung des
speciellen Beweismaterials absehen. Diese Resultate werden nun in
ihren wesentlichsten Theilen bezweifelt oder verworfen, ich bin es
also wohl den Lesern schuldig, in eine nähere Erörterung einzugehen.
Da muss ich zunächst dem von Dr. K. in der Anmerkung zu
S. 303 (Heft III von 1878) Gesagten entgegentreten. Ob die Meckel’-
sche Auffassung, dass lediglich derjenige Theil des Dotters, der
dem Furehungsprocesse unterliegt, dem Säugethier-Ei homolog sei,
vieles für sich habe oder hatte, ist irrelevant. Sie ist durch
Gegenbauer (Reichert’s Archiv 1861 p. 491) aus der Entwicklungs-
geschichte des Vogel- und Reptilien-Eies als irrig erwiesen, und
gilt die Meckel’sche Auffassung ganz allgemein als beseitigt. Die
Gegenbauer’sche Arbeit hatte ich in dem von Dr. K. S. 319 er-
wähnten, also ihm bekannten Aufsatz eitirt und ihrer Resultate
erwähnt, und wenn auch Niemand lebhafter davon durchdrungen sein
kann als ich, dass in der Wissenschaft Thatsachen und nicht Au-
toritäten massgebend sind, so muss ich doch mir die Bemerkung
erlauben, dass es sich hier eben um Thatsachen und zwar um all-
gemein bekannte und vielfach bestätigte handelt. Auch dabei sind
ja Irrthümer noch immer möglich; ohne aber solche Irrthümer
durch neue Thatsachen als solche zu erweisen, hat meiner un-
massgeblichen Ansicht nach Niemand das Recht, solche obsolete
Dinge in einer wissenschaftlichen Discussion noch als existent zu
betrachten; sonst würde ja jede Möglichkeit aufhören, letztere
fruchtbringend zu machen. Die Meckel’sche Ansicht hat zunächst
nur noch ein historisches Interesse, indem sie begreiflich macht,
wie dieser Irrthum einen tüchtigen und bedeutenden Mann in die
230 W. v. Nathusius:
weiteren Irrthümer über die Bildung der Eihüllen verlocken konnte,
die jetzt noch nachspuken! Ebenso muss ich dem entgegentreten,
dass Dr. K. die Landois’sche irrthümliche Meinung, als ob in der
Eischale vom Uterus abstammende celluläre Elemente vorhanden
seien, noch als existent behandelt und wenigstens theilweise accep-
tirt (S. 309). Irren ist menschlich und aus den angewandten Prä-
parationsmethoden hervorgehende Artefacte als Structur-Eiemente
zu betrachten, ist schon Manchem passirt und wird immer wieder
einmal vorkommen. Hat sich Jemand in dieser Art versehen, so ist
es vollständig genügend, dass dieses einmal nachgewiesen wird, und
müsste die Sache damit ruhen; aber Dr. K. nöthigt mich, indem
er diese Irrthümer wieder vorträgt, das schon einmal *) Gesagte
noch bestimmter wiederholen.
Landois lagen bei seiner Arbeit Schalenschliffe, welche doch
allein die Struetur der Eischalen deutlich erkennen lassen, nicht
vor. Ich glaube dergl. zuerst angefertigt zu haben und muss,
beiläufig bemerkt, nach dem von Dr. K. Gesagten annehmen, dass
ihm solche ebenfalls nicht vorgelegen haben. Landois operirte nur
mit in Säuren entkalkten Schalenstückchen. Durch die sich hierbei
entwiekelnde Kohlensäure entstehen in dem gallertartigen Rück-
stande blasenförmige Hohlräume, welche, indem sie sich bei der
Behandlung mit Rosanilin-Nitrat mit der rothen Flüssigkeit füllen
mögen, Zellenkerne simuliren. Weder von etwas Kernähnlichem,
noch von irgend einer Annäherung an Zellengestalten ist bei den
Schliffen von Vogel-Eischalen das Mindeste zu bemerken, und auch
wenn diese Schliffe mit verdünnter Säure entkalkt werden, fehlen
diese täuschenden Hohlräume, da hier die sich entwickelnde
Kohlensäure ungehindert entweichen kann oder bei ihrer geringen
Quantität in der Flüssigkeit gelöst bleibt. Wenn eine dünne
Eischale, z. B. von einer Oscine, wo die Mammillen, d. h. die
zitzenartigen Auswüchse der inneren Fläche, welche in die Schalen-
haut eingepflanzt erscheinen, einen verhältnissmässig grossen Theil
der Dicke einnehmen, flachliegend entkalkt wird, so entsteht das
täuschende Bild, das zur Annahme von cellulären Elementen geführt
hat. Wie aber Dr. K. auf $S. 308, Bd. 6 d. Z. davon sprechen
kann, dass diese Pseudozellen „zuweilen auch in mehreren Lagen
übereinander gefunden werden,“ wäre mir absolut unverständlich,
wenn ich mich nicht dessen erinnerte, dass Blasius, der, obgleich
*) Ueber die Hüllen, welche den Dotter des Vogel-Eies umgeben,
Zeitschr. f. wissensch. Zoo]. Bd. XVII. 8. 227 u. 246,
Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 231
er einige wesentliche Irrthümer Landois’ berichtigte, doch ebenfalls
den durch die Säurebehandlung so leicht entstehenden Täuschungen
Raum gegeben hatte, auf Taf. XXX Fig. 7*) einen „idealen“ Quer-
schnitt der Straussen-Ei-Schale abgebildet hat, in welchem aller-
dings eine mehrfache Schicht dieser künstlich hergestellten Hohl-
räumchen den unteren Theil ausfüllt. Ich muss vermuthen, dass
Dr. K. übersehen hat, wie Blasius diese Abbildung ausdrücklich
als eine schematische bezeichnet, und dadurch zu obiger Behauptung
veranlasst ist, welche ich, nachdem ich Hunderte von Schalenschliffen
der verschiedensten Species präparirt habe, als unbegründet zu er-
klären wohl berechtigt bin. Schon constructiv ist es ja einfach
unmöglich, dass die in die Schalenhaut inserirten Mammillen-
Endungen — und weiter sind die fraglichen Bildungen Nichts —
in mehreren Lagen übereinander stehen ‚könnten.
Da mich diese Erörterung schon auf die Verhältnisse der
Kalkschale geführt hat, will ich zunächst bei dieser bleiben, und
hier tritt zunächst entgegen, dass nach der Meckel’schen und allen
andern Theorien, welche die Schale nicht als einen vom Ei aus ge-
wachsenen, wenn auch die zu seinem Aufbau nöthigen Stoffe aus
Absonderungen des mütterlichen Leibes beziehenden Organismus,
sondern als eine mechanische Apposition dieser Absonderungen
betrachten, schon die normale Gestalt des Eis unerklärt bleibt.
Möchte ein vom Oviduct, speeiell vom Uterus ausgehender Druck
die ovale Form im Allgemeinen bewirken können, so würden nie-
mals hierdurch die beiden Pole dieselbe gleichmässise Abrundung
und Glättung erfahren können als die übrige Schale. Hier kann
derselbe Druck nicht wirken und dieses müsste am Ei bemerkbar
sein. Vollends unbegreiflich würden aber viele der beim Haushuhn
so häufig vorkommenden abnormen Gestaltungen sein, z. B. das
von mir in der Zeitschr. f. wissensch. Zool. Bd. XIX Taf. XXVIII
Fig. 19. abgebildete, in der Mitte eingeschnürte oder semmelförmige
Ei — ein ähnliches auch das. in Bd. XX T. VII Fig. 15 A. —
und noch mehr die ganz eigenthümliche Gestalt, die in Bd. XIX
T. XXVIII Fig. 22 in verschiedenen Ansichten dargestellt ist.
Hier liegt einseitig am Aequator des Eies eine länglich runde
Region um ca. 3 mm. gegen die übrige Oberfläche vertieft und
geht durch einen faltigen Wulst in die letztere über.
*) Ueber Bildung, Struetur und systematische Bedeutung der Eischale
der Vögel, Zeitschr, f, wissensch. Zool. Bd. XVII. 1867,
232 W. v. Nathusius:
Bezüglich der teratologischen Verhältnisse und dessen, was
sie über die Natur der Eischalen lehren, sei hier noch gleich er-
wähnt, dass ich schon (a. a. ©. Bd. XVII S. 244) im Text nach-
gewiesen und durch die Abbildung auf T. XVI Fig. 22 erläutert
habe, wieabnormer Beschaffenheit des Eies auch eine
abnorme Structur der Schale entspricht (vergl. auch
a. a. O. Bd. XIX Taf. XXVII Fig. 19, 20 u. 21). Dieses gilt
nicht nur für die Schale der sogen. Wind-Eier im Allgemeinen.
Häufig zeigt auch die Oberfläche der Schale kleine halbsphärische
Auswüchse oder Erhebungen, welehe aber nicht solid sind, sondern
einen mit Eiweiss gefüllten Hohlraum enthalten, der durch die
Schalenhaut von dem übrigem Eiweiss getrennt wird, wie die oben
eitirte Fig. 22 es darstellt. Sie ergiebt zugleich, dassdie Schalean
diesen Stellen einecharakteristische, von derjenigen
der übrigen Eischale wesentlich abweichende Struc-
tur hat. Dieser Fall ist nicht vereinzelt. Es liegt mir unter
Anderem jetzt wieder ein Perlhuhn-Ei mit ähnlichen Körnchen
vor, bei denen dasselbe stattfindet. Wie könnte dieses statt-
finden, wenn die Schale, vom Eileiter gebildet, dem
Ei nur mechanisch angefügt wäre?
Auch die sehr interessante a. a. O. Bd. XIX Taf. XXVII
Fig. 14—16 und T. XXVII Fig. 17 u. 13 abgebildete und das.
im Text p. 334 erläuterte Abnormität eines Puter-Eies gehört hier-
her und beweist m. A. n. evident, dass die Schale ein wirklicher
gewachsener Organismus, also zum Ei selbst gehörig ist. Einfach
sachlich glaube ich hiermit constatiren zu müssen, dass Dr. K.
über solche thatsächliche Befunde, deren Erörterung doch der
alleinige Weg zur Aufklärung einer für die Oologie wichtigen
Fundamental-Frage ist, stillschweigend hinweggeht.
Auch mit dem $. 310 Gesagten kann ich diese Frage sachlich
nicht gefördert sehen, wenn ich auch Dr. K. schon für das Maass
von Bedeutung, das er meinen Untersuchungen der Eischale ein-
räumt, persönlich nur zu danken habe. Die Structur der Schale
aus derVerwendung ‚gewisser organisirterAbsonderungs-Elemente des
mütterlichen Organismus“ zu erklären, dürfte doch nur dann gestattet
sein, wenn solche Absonderungs-Elemente irgendwie bekannt und
durch irgend eine Beobachtung nachgewiesen wären. Auch hier
die Lücken der Beobachtung durch Vermuthungen auszufüllen,
dürfte doch als etwas zu weitgehend betrachtet werden müssen.
ebrigens ist, davon abgesehen, ganz unerfindlich, wie die Schalen-
3
E|
/
Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 233
structur von aussen her sich, so wie sie ist, aus irgend welchen
Absonderungsproducten in dieser bestimmten und charakteristischen
Weise bilden sollte. Dr. K. räumt doch auf S. 308 den verschiedenen
Entwickelungsstufen, welche die Eischalen der Reptilien zeigen, eine
Bedeutung für die Ontogenese der Vogel-Eischale ein. Danach
liegen aber die Centra für die Bildung der ersten Schalenrudi-
mente in der Faserhaut und diese Centra bleiben für die ganze
Structur bestimmend. Das Wachsen von diesen Centren aus durch
nach aussen neugebildete Schichten lässt vollständig die eigen-
thümliche Bildung verstehen, dass die innere Schalenseite keine
Fläche bildet, sondern aus zitzenförmigen Hervorragungen — von
mir wegen ihrer charakteristischen Form als Mammillen der Schale
bezeichnet — besteht, welche in die Faserhaut sich einsenken,
während von den solchergestalt über der letzteren bleibenden Luft-
räume aus Porencanäle nach der äusseren Fläche gehen. Wie soll
eine solche Structur zumal die verzweigten Porencanäle bei
den Gänsen und Struthioniden mit solcher Regelmässigkeit aus den
Absonderungsproducten des Eileiters, auch wenn dieselben Reste
von übrigens gänzlich hypothetischen Organisationen wären, hervor-
gehen ?
In gewissem Grade ist es schwierig, solche Vermuthungen zu
widerlegen, eben weil sie so gänzlich vage und schattenhafte sind
und sich auf gar nichts Thatsächliches zu stützen versuchen. In
den schon angeführten, in der Zeitschr. f. wissensch. Zoologie
publieirten Arbeiten habe ich ziemlich zahlreiche Abbildungen von
Schalenschliffen gegeben und, wie schon in dieser Zeitschr. 1871
No. 112 mitgetheilt, eine kleine Suite von Schalenschliffen der noch
lebenden Struthioniden dem K. zool. Museum in Berlin und eine
ebensolche nebst den ausgestorbenen Dinornis und Aepyornis dem
K. K. zool. Museum in Wien übergeben, wo sie ja der Prüfung zu-
gänglich sind. Meine sehr zahlreiche Sammlung von hierhergehörigen
Präparaten steht Jedem, der sich für diese Fragen näher interessirt,
gern zur Einsicht, und ich denke, dass aus alle diesem Material
für den, der es ohne vorgefasste Meinung unbefangen prüft, die
Ueberzeugung, dass die Schale nur ein aus dem Ei erwachse-
ner Organismus sein kann, sich schlagend ergiebt. Dieser
organisirte Charakter schliesst, selbstverständlich nicht aus, dass der
mütterliche Organismus, indem er das Rohmaterial zu diesem Bau
liefert, einen wichtigen Einfluss auf denselben ausübt. Die Details
dieser Structuren, ohne die Abbildungen und die Präparate hier
234 W. v. Nathusius:
eingehender zu erörtern, ist leider unmöglich, ich will jedoch
wenigstens auf eine schon anderweitig veröffentliche Beobachtung *)
hinweisen, welche dem Versuche Dr. K.’s, die Schalenstructur auf
organisirte Absonderungen des Eileiters zurückzuführen, direct
entgegenstehen dürfte.
Die Verhältnisse einer in der Entwicklung begriffenen Schale
von Hirundo riparia sind a. a. O. S. 20 erörtert und Taf. I Fig. 1
abgebildet. Die Flächenansicht der halbfertigen Schale ergiebt
dasselbe, was schon Purkinje beobachtet und abgebildet hat, aber
der Querschnitt, welchen man schon auf Falten der noch voll-
ständig biegsamen, obschon mit den Schalenrudimenten besetzten
Haut beobachten kann, zeigt nicht nur, dass diese Rudimente nichts
Kıystallinisches haben, wie Purkinje meinte, sondern die sich zuerst
bildenden Endungen der Mammillen sind; er ergiebt auch, dass
sich diese Rudimente unter einer continuirlichen zarten
Membran bilden, welche wahrscheinlich das zuweilen auch bei
der ausgebildeten Schale noch nachweisbare sogenannte Ober-
häutehen ist. Wie dem auch sei, so schliesst das Vorhan-
densein dieses Häutchens die Möglichkeit des Hin-
zutritts organisirter, also doch geformter Absonde-
rungs-Producte des Eileiters zur Schalenbildung
vollständig aus.
Was die Schalenhaut (membrana testae), d. h. das zwischen
der Schale und dem Weissen befindliche, aus mehrfachen unter
sich verwachsenen Lagen in den verschiedensten Richtungen sich
kreuzender Fasern bestehende Häutchen betrifft, so trägt es so
bestimmt den Charakter der Organisation, dass die früheren Ver-
suche, diese Fasern als ein erstarrtes Seeret nach Analogie der
Spinnwebsfäden zu deuten (Coste), kaum einer Widerlegung bedürfen.
Dasselbe gilt von der Landois’schen Meinung, die ihren organisirten
Charakter anerkennt, sie aber als vom Eileiter abgelöste Muskel-
fasern betrachten will. Dr. K. verwirft zwar Letzteres, spricht sie,
wenn auch in sehr unbestimmter Weise, für ein Drüsensecret an,
und scheint der Behauptung Anderer, vom Auffinden fasriger
Secretionsproducte des Eileiters, eine gewisse Bedeutung beizu-
messen. Dass die Epitbel-Zellen einer Schleimhaut Fasern von
derjenigen Beschaffenheit, welche die Fasern der Schalenhaut
*) Untersuchungen über nicht celluläre Organismen, Berlin, Wiegandt,
Hempel u. Parey. 1877,
u}
Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 235
besitzen, „absondern“ könnten, wäre ein so merkwürdiges Unicum
in’ der Histiologie, dass blosse flüchtige Hindeutungen für ihre
Existenz nicht als beweisend betrachtet werden können. Diese
Fasern der Schalenhaut sind ein so charakteristisches und der
mikroskopischen Untersuchung so leicht zugängliches Object, dass
die Sache wohl beruhen kann, bis durch Abbildung oder wenigstens
Messung und nähere Beschreibung der Nachweis der Identität
jener fraglichen Absonderungproducte mit den Fasern der Schalen-
haut wenigstens versucht ist.
Die complicirte Structur der Fasern der Schalenhaut beim
. Vogel-Ei, ihren röhrenförmigen Bau bei einigen Schlangen, ihre
keulenförmigen Endungen und den eigenthümlichen Inhalt der Ver-
dickungen beim Natter-Ei*) habe ich nachgewiesen. Damit dürfte
doch die Hypothese, dass es sich hier um blosse Seerete handele,
vollständig beseitigt sein, und solche Anschwellungen kommen
einzeln auch in der Schalenhaut des Vogel-Eies, z. B. bei Arrundo
ripgaria vor. Endlich tritt hinzu, dass die innere Schicht des
Dotterhäutchens bei geeigneter Präparation sich ebenfalls deutlich
als ein Faserhäutchen zeigt, welches der Schalenhaut im Wesent-
lichen ähnlich, denselben Typus nur in feinerem Bau darstellt.
Dass das Dotterhäutehen von der Membran der Eizelle herstammt,
konnte, seit die Meckel’sche Auffassung der Natur des Dotters nicht
mehr gilt, nicht bezweifelt werden, und da nun auch in den das
Eiweiss durchsetzenden Membranen ganz feine Fasernetze nach-
weisbar sind, liegt doch in der That so nah, dass das Weisse und
die es einschliessenden Membrane ein zusammengehöriger, aus der
Membran der Eizelle erwachsener Organismus sind, dass man zu
der Frage berechtigt ist: warum denn eigentlich nach den künst-
liehsten und unwahrscheinlichsten und unerwiesenen Fictionen, um
die Entstehung der Eihüllen als etwas nicht zum Ei Gehöriges zu
erklären, gesucht wird?
Für meinen verehrten Herrn Gegner, mit dem ich mich hier
auseinander zu setzen habe, liegt die Antwort allerdings nah.
Da derselbe die frühere Meckel’sche Auffassung, nach welcher der
Dotter des Vogel-Eies nicht dem Inhalt einer Eizelle entspricht,
noch festhält, kann er consequenter Weise die Dotterhaut des Eier-
stock-Eies nicht als Zellenmembran betrachten, wo dann allerdings
die Entwieklung der Eihüllen eine räthselhafte wird. Ich möchte
'*) Zeitschr. f. wissensch. Zool. Bd. XXI,
236 W. v, Nathusius:
aber doch noch besonders darauf aufmerksam machen, dass die
Meckel’sche Behauptung von der spiralen Aufrollung der Eiweiss-
schichten durch meine Untersuchungen widerlegt ist. Ebenso wenig
stimmt es mit Meckel, dass, wie ich gefunden habe, der Dotter in
flüssigem Eiweiss fluctuirt, und erst mehr nach der Schale zu die
Membranschichten liegen, welche dem Eiweiss eine festere Be-
schaffenheit geben. Die Entstehung der Chalazen endlich, eigen-
thümlicher membranöser Stränge, bedarf keiner Erklärung, wenn
die Eisweisshüllen ein Organismus sind. Dass Organismen wachsen
und warum sie gerade so wachsen, wie es stattfindet, können wir
überhaupt nieht erklären; wäre aber das Eiweiss kein Organismus,
sondern ein nicht organisirtes Sekret, so wäre es eine völlig nichts-
sagende und sogar unzulässige Erklärung, die Chalazen als „Ge-
rinnungsproducte“ zu bezeichnen. Dass einzelne Theile einer Ei-
weisslösung gerinnen sollen, während andere flüssig bleiben, ist
eine der Erfahrung widersprechende Annahme. Sind die Be-
dingungen der Gerinnung (Coagulation) in einer 60° R über-
steigenden Temperatur oder gewissen chemische Actionen vorhanden,
so erstreckt sich die Coagulation auf die ganze Lösung; sind diese
Bedingungen nicht vorhanden — und wo ist irgend ein Grund,
eine solche Action hier zu vermuthen? — so tritt sie gar nicht ein.
Dass vollends aus einer „Gerinnung“ mit solcher Regelmässigkeit
so bestimmt geformte Gebilde als die Chalazen entstehen sollten,
ist eine so haltlose Voraussetzung, dass eine Theorie, die zu
solchen Erklärungen zwingt, m. A. n. schon dadurch sich als eine
irrige zeigt.
Endlich muss ich noch das anführen, dass alle diese Erklärungs-
versuche allerdings abgezwungen werden, wenn man sich die Auf-
gabe stellt, den Eihüllen ihren für den unbefangenen Beobachter
so evidenten Charakter der Zugehörigkeit zum Ei zu nehmen,
dass sie aber den letzten Halt verlieren, wenn man auch andere
Eier als die der Vögel in Betracht zieht. Auch abgesehen von
den Reptilien-Eiern, ist z. B. das Ei von Helix pomatia darin
dem Vogel-Ei ganz analog, dass es eine Kalkschale und darunter
eine richtige Faserhaut hat, und wo ist denn bei Helix ein dem
Eileiter der Vögel ähnlicher Bau?
Ferner haben, wie ich in der schon angeführten Arbeit „Ueber
nicht celluläre Organisation“ nachgewiesen habe, die eigenthüm-
lichen Eiertrauben einer andern Schnecke — des gewöhnlichen
Wellhorns, Buccinum undatum — zwar keine Kalkschale, aber aus
Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 237
Faserhäuten bestehende Schaien*), die bestimmt den Charakter
einer Organisation zeigen. Die complicirte Form dieser Eischalen
schliesst den Gedanken einer mechanischen Entstehung vollständig
aus. Dort sind auch die Structur-Verhältnisse der Eischalen von
Roja clavata — dem in der Nordsee so häufigen Rochen — er-
örtert und abgebildet.**) Diese Schale besteht ebenfalls im Wesent-
lichen aus einer Faserhaut, und wenn man die eigenthümliche und
m. W. allen Rochen und auch den Haifischen eigenthümliche Ge-
stalt der Eier betrachtet, so muss man den Gedanken, dass sie
durch mechanische Ablagerung eines Secrets entstanden sein könne,
als einen abenteuerlichen zurückweisen. Die Eischale von Raja
clavata stellt nämlich eine ziemlich plattgedrückte, annähernd vier-
eckige Tasche von 50 mm. Länge und 30 mm. Breite dar, deren
Ecken in 25—28 mm. lange steife Zipfel oder Hörner in der
Richtung des längeren Durchmessers auslaufen. Ausserdem sind die
Kanten dieser Tasche mit Ausnahme der Hörner ringsum mit bis
6 mm. breiten Flügeln besetzt, welche nicht hohl sind, sondern
nur aus Faserhaut bestehen.
Den Eihüllen anderer Thiere als der Vögel ist bisher nur
wenig Beachtung geschenkt. Ueberall wo ich dieselben untersuchte,
fand ich Structur, welche nur auf eine Organisation, welche An-
klänge an den Typus der Hüllen des Vogel-Ei zeigt, zurückzu-
führen ist. Mit solchen allgemeinen Beziehungen hat doch auch
der Ornithologe zu rechnen.
Nach dem was Dr. K. im Eingang des zweiten Theils seiner
Arbeit mit grossem Recht über die Bedeutung der Eischalen für
die Systematik sagt, und bei dem Bedauern, das er deshalb auf
S. 521 darüber ausspricht, dass er Eihüllen noch nicht völlig als
integrirenden Theil des Keims betrachten könne, darf ich ihn viel-
leicht gar nicht als entschiedenen Gegner betrachten und hoffen,
dass er, wie es wenigstens mein Streben gewesen ist, eine wenn
auch entschieden Bekämpfung einiger seiner Ansichten, als nur der
Sache geltend, freundlichst betrachten wird.
Ich möchte nun noch Einiges nachholen, das in dem bis-
herisen Gange meiner Deductionen keinen rechten Platz fand.
Auf die Färbungen der Eischale im Allgemeinen gehe ich da-
bei nicht weiter ein, als dass ich bemerke, wie, sobald das ganze
*) 2.2.0. 8.28 u.ff. Abbildung Taf. I Fig.5—9 u, Taf. II Fig. 10—14,
#*) aa. O. 5. 26 u. fl. Abbildung Taf. I Fig. 4.
238 W.v. Nathusius:
Ei als ein zusammengehöriger Organismus betrachtet wird, alle
diese in’s Einzelne gehenden Erklärungsversuche ihrer Entstehung
überflüssig sind; denn nie und nirgends ist man bei andern Or-
ganismen der Aufgabe, die Ursache der Färbungen zu erklären,
ernstlich näher getreten, geschweige dess, dass man sie gelöst
habe. Beim Ei fehlt es zunächst noch sehr an der Vervollstän-
digung der thatsächlichen Unterlagen, welche allein die weitere
Ausdehnung der ja erst in den Anfängen begriffenen mikroskopischen
Untersuchung geeigneter Dünnschliffe liefern kann. Leugnet man
den organisirten Charakter der Eischale, so wird man allerdings
auch hier zu Erklärungsversuchen gedrängt. Die vorsichtige Weise,
in welcher Dr. K. dieses Thema mit Recht behandelt, zeigt am
besten, wie ungenügend bis jezt diese Versuche geblieben sind.
Was im Besondern die röthlich gelbe Färbung der Eier be-
trifit, welche die gewöhnliche Henne, wenn sie vom Cochinchina-
hahn getreten wird, legt, so kann ich der auf S. 319 angeführten
Beobachtung keine entscheidende Beweiskraft dagegen beilegen,
dass sie durch die Befruchtung des Eies bewirkt werde.
Dass die Färbung der Eier allmälig zugenommen und nach
der Trennung des Huhns von dem Cochinchinahahn ‚längere Zeit‘*)
allmälig abnehmend fortgedauert haben soll, kann bei einer ver-
einzelten Beobachtung leicht schon auf das wechselnde Vererbungs-
vermögen männlicher Thiere je nach ihrem Körperzustande u. s. w.,
dessen grosser Einfluss auf die Producte jedem aufmerksamen
Züchter bekannt ist, zurückgeführt werden.
Dass die Henne, mit einem gewöhnlichen Hahn zusammenge-
sperrt, noch nach Monaten hier und da ein gelblich gefärbtes Ei
gelegt habe, führt Dr. K. mit lobenswerther Vorsicht unter der Be-
merkung: „Wie mir versichert wird;“ an; weist also damit schon
die Verantwortung für die Richtigkeit ab. Das ist in solchen
Fällen um so übler, wenn auch derjenige, welcher die Verantwor-
tung trägt, ungenannt bleibt. Waren die Thiere wirklich monate-
lang derartig zusammen abgesperrt, dass keine anderweitige zu-
fällige Vermischung möglich war? Schon darüber, welche Vor-
sichtsmassregeln getroffen waren, um dieses auch gegenüber et-
waigen Nachlässigkeiten des Dienstpersonals zu sichern, müsste
man doch eine Angabe erwarten. Dann tritt die grosse Schwierig-
*) Ich bedaure darauf aufmerksam machen zu müssen, dass ohne
bestimmtere Angaben nach Tagen etc. solche Anführungen eigentlich keine
Beachtung beanspruchen können.
Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 239
keit auf, dessen ganz sicher zu sein, dass die verwendeten „ge-
wöhnlichen“ Hühner oder Hähne vollkommen rein von jeder
Kreuzung mit einer Race gewesen sind, deren Eier gelbliche
Färbung haben. Ist dieses nicht der Fall gewesen, so erklären
sich die späteren gefärbten Eier leicht als Rückschläge. Solche
wechselnd und spontan erscheinende Eierfärbungen kommen in
Zuchten, bei welchen einmal Cochinchina-Kreuzung stattgefunden hat,
öfter vor, und dass der so nahe liegenden Besorgniss einer solchen
Täuschung und der um sie zu vermeiden angewandten Vorsicht in
dem Bericht überhaupt nicht gedacht wird, kann das Zutrauen, dass
Veranlassung zu Rückschlägen mit Erfolg ausgeschlossen wurde,
nicht verstärken.
Jedenfalls aber möchte ich dagegen Einspruch erheben, dass
etwas bis jetzt noch so Sagenhaftes, als die sogenannte Infection
des Mutterthieres, d. h. die Nachwirkung früherer Paarungen auf
das Resultat späterer, zur Erklärung herbeigezogen wird (S. 320).
Das Wesen der Vererbung hat etwas so anziehend Geheimniss-
volles, dass darauf bezügliche Meinungen von jeher eifrig aufge-
griffen und weiter getragen sind. So wird vielfach von der Mög-
lichkeit dieser sogenannten Infection gesprochen, aber das ist
ebenso wenig ein Beweis, als dass nach Dr. K. erfahrene Hunde-
züchter diese Meinung theilen. Ueberall wo competente Beobachter
die anscheinend günstigsten Gelegenheiten benutzt haben, um das
Vorkommen solcher Infeetion zu constatiren, ist das Resultat ein
negatives gewesen. So führt schon Ammon (Handbuch der ge-
sammten Gestüts-Kunde, Königsberg 1835. Anm. z. 8. 118) an,
dass im Trakehner Gestüt diejenigen Stuten, die früher mit Esel-
hengsten bedeckt, Maulthiere getragen hatten, bei Aufhebung des
Maulthiergestüts mit Pferdehengsten gedeckt seien, man aber
keine Spur in den Nachkommen gefunden, welchean
die Gestalt des Esels erinnert habe. Ebenso. führt v.
Nathusius-Hundisburg in seinen „Vorträgen über Viehzucht und
Rassenkenntniss S. 134 u. fl. an, dass er bei zahlreichen besonders
auf diesen Punkt gerichteten Beobachtungen, wo Infection zu er-
warten gewesen wäre — bei Schafen allein über 1000 notirte Fälle —
auch nicht einen einzigen Fall von eingetretener Infection habe finden
können, und schliesst die Erörterung mit dem Ausspruch: „Nach alle
dem ist es unzweifelhaft, dass die sogenannte Infeetion der Mutter eine
gesetzliche Erscheinung nicht ist. Kommen in der That solche Fälle
vor, dann sind es Ausnahmen und zwar sehr seltene Ausnahmen.“
240 W.v. Nathusius:
Sehr bezeichnend für diese Sachlage ist, dass auch Dr. K. den
schon so oft hierfür angeführten Fall der mit einem Quaggahengst
gedeckt gewesenen Vollblutstute, deren spätere Füllen von einem
schwarzen arabischen Hengst sogenannte Wolfsstreifen, d.h. dunkle
Querbänder an den Extremitäten, gezeigt haben, anführt. Die
Thatsache ist unbestritten; die Abbildungen dieser Füllen sind so-
gar publicirt, trotzdem beweist sie, da sie gänzlich vereinzelt da-
steht, sogut wie gar Nichts, denn diese Färbung ist wie der soge-
nannte Aalstrich und sogar der Schulterstrich etwas bei Pferden
häufig Vorkommendes. Ammon sagt a. a. 0.8. 110: „Es ist merk-
würdig, dass Pferde arabischer und der bessern orientalischen
Racen eine Nüancirung von Falb mit einem schwarzen Strich über
dem Kreuz, auch wohl ein Kreuz über dem Widerrüst, wie man
es bei Eseln findet, so auch die Wolfsstreifen um die Füsse gerne
fortpflanzen —“. Wie nahe liegt es nun, dass der arabische Hengst
die Wolfsstreifen seiner Nachkommen veranlasst hat, und der Quagga-
hengst an diesem Farbenspiel sehr unschuldig gewesen ist. Das
Merkwürdigste an der Sache scheint mir zu sein, dass Darwin — wie
ich nach Dr. K’s. Citat annehmen muss — diesem Fall eine Bedeutung
für die „Infection“ beilegt, obgleich er seine Meinung, dass sämmtliche
Pferdeformen von einer gemeinsamen zebraartig gestreiften Stamm- .
form abstammen sollen, darauf stützt, dass beiihnen allen
Wolfsstreifen lediglich als Folge von Rückschlägen
vorkommen. Jedenfalls kann man doch ein höchstens ganz sin-
guläres und ausnahmsweises Vorkommen nicht als Erklärung einer
so eonstanten Wirkung, als die der Befruchtung auf die Färbung
der Eischale, verwenden.
Wie Dr. K. auf S. 320 hierbei die Veränderung der Farbe von
Aepfeln durch Befruchtung mit dem Pollen einer anders gefärbten
Sorte zur Stütze seiner Auffassung heranziehen kann, verstehe
ich nicht. Der Fail liegt ja vollständig anders. Die Beziehungen
der Frucht zu dem Saamen sind doch sehr viel engere, als die des
Eies zum Eileiter. Erstere bilden zusammen einen Organismus.
Zwischen letzteren besteht gar kein organischer Zusammenhang.
Der Fruchtknoten entwickelt sich zur Frucht nur in Folge der
Befruchtung des ovulum, das in engster organischer Verbindung
mit ihm stebt. Entwickelt er sich überhaupt nur durch die Be-
fruchtung, so ist es doch naheliegend, dass die Art der Befruch-
tung auch auf die Art seiner Entwicklung von Einfluss sein kann,
Hiermit kann man doch die nur äusserlichen Beziehungen, welche
a
a
N
Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Öologie aus. 241
zwischen Ei und Eileiter stattfinden, in keinen Vergleich stellen.
Wie verschieden die Sache liegt, ergiebt sich noch daraus, dass
bekanntlich auch unbefruchtete Eier, während sie den Eileiter pas-
siren, normale Hüllen erhalten. Hätte die Befruchtung einen so
tiefgehenden Einfluss auf die Functionen des Eileiters, dass sogar
der Unterschied, der zwischen dem Sperma eines Cochinchinahahns
und dem eines gewöhnlichen Hahns ist, dieselbe wesentlich beein-
flusste, und hinge von dieser Function morphologisch die Bildung
der Eihüllen ab, so könnte die unbefruchtete Henne nicht Eier
legen, die zwar unfruchtbar, aber im Uebrigen normal sind.
Ich behaupte ja eben, dass Dotter, Eiweis und Schale ebenso
wohl ein zusammen gehöriger und zusammen erwachsener Or-
ganismus sind, als dieses bei den einzelnen Bestandtheilen der
Frucht des Apfels stattfindet, und Dr. K. bestreitet dieses und hält
Eiweiss und Schale für dem Ei nur äusserlich angefügte Acces-
sorien. Dass das Ei bis zur Entwicklung der Keimhaut ein ein-
zelliger, die Frucht des Apfels schon ein vielzelliger Organismus
geworden ist, macht hierin ebenso wenig einen wesentlichen Unter-
schied, als dadurch, dass Dr. K. das Wort „Hülle“ bei beiden an-
wendet, der wesentliche Unterschied aufgehoben werden würde,
wenn die Eihüllen wirklich nur in mechanischer Verbindung mit
ihrem Inhalt ständen. Es wäre derselbe Unterschied, wie er für
uns zwischen unsrer Haut und einem Rock besteht, so künstlich
ihn uns der Schneider auch angepasst haben mag,
Des m. A. n. stärksten Arguments für den accessorischen Cha-
rakter der Eihüllen erwähnt Dr. K. nicht. Ich scheue nicht, das-
selbe meinerseits zur Sprache zu bringen. Es ist das Vorkommen
sanz fremdartiger Körper, — man erwähnt sogar kleiner eiserner
Nägel und dgl. — in ganz normal scheinenden Hühner-Eiern. Ich
habe selbst keinen solchen Fall beobachtet, finde die Sache aber doch
öfter und zwar in einer Weise angeführt, welche besonderes Miss-
trauen nicht erweckt. Zudem dürfte die Möglichkeit des Vorhanden-
seins von Pilzsporen im Ei aus dem Auftreten ihrer Mycelien beim
Fäulnissprocess nicht wohl bezweifelt werden können. Es erscheint
dieses allerdings namentlich bezüglich der Nägel und ähnlicher
Körper sehr auffällig. Indess dürfte doch nähere Ueberlegung er-
geben, dass sogar letztere sehr wohl, wenn sie zufällig in den Ei-
leiter gelangt sind — über die Möglichkeit solcher Zufälligkeiten
möchte ich mich eines Urtheils enthalten — in die noch weiche
Eiweisshülle, die ihre Schale noch nicht gebildet hat, mechanisch
Cab, Journ. £ Ornith. XXVIL Jahrg. No. 147. Juli, 1879, 16
242 W.v. Nathusius:
durch Druck eindringen können. Das Bemerkenswerthe dürfte ledig-
lich das sein, dass diese Gewebe so heilungsfähig sind, dass sie
den fremden Körper einkapseln und ihren Entwicklungsgang ohne
wesentliche Störung vollenden können; das hat doch aber nichts
Unbegreifliches oder auch nur Unwahrscheinliches bei der Wachs-
thumsenergie dieser Gewebe, die sich in der so schnellen Ent-
wicklung der Eihüllen zeigt, und bei der bekannten grossen Re-
productionsfähigkeit primitiver Gewebe im Allgemeinen. Gewiss
würde es aber von Interesse sein, bei solchen Vorkommnissen die
Structur der den fremden Körper umgebenden Eiweissschichten nach
der von mir zur Feststellung ihrer normalen Structur angewandten
Methode — Fertigung mässig feiner Schnitte von dem hart ge-
kochten Fiweiss und Beobachtung derselben in Glycerin bei durch-
fallendem Lichte und mässig starker Vergrösserung*) —, zu unter-
suchen.
Die gründliche Erörterung der Natur der Eihüllen ist durch
die grosse Tragweite, welche sie für viele histiologische Fragen
hat, gerechtfertigt. Hier gehe ich zunächst auf die Beziehungen
zu der Haeckel’schen Behauptung ein, dass die Keimesentwicklung
(Ontogenese) eine „Urkunde“ für die Stammesentwicklung (Phylo-
genese) sei. Es ist allerdings so einleuchtend, dass ein Vogel im
Eizustande, also mit Kalkschale und ohne jedes Mittel der Loco-
motion unfähig gewesen wäre, während der „Aeonen“, welche für
die Stammesentwicklung in Anspruch genommen werden, als selbst-
ständiges Wesen sich zu ernähren und seine Art zu reproduciren,
dass Haeckel selbst schon die Eihüllen als ein Product der „Fäl-
schung“ der Keimesgeschichte anführt. Wie nämlich die Seleetions-
theorie immer eine gewisse reservatio mentalis hat, um sich zu
helfen, wenn die Thatsachen ihren Axiomen zu sehr in die Quere
kommen, so wird, obgleich die Keimesgeschichte nur ein Auszug
der Stammesgeschichte sein soll, doch auch das Hinzukommen neuer
Momente statuirt, und das ist dann Fälschung. Ominöses Wort!
Man möchte es fast naiv nennen, wenn man an His und Semper’s
nähere Untersuchung von Haeckel’s entwicklungsgeschichtlichen Ab-
bildungen denkt. Diese Fälschung soll aber der Keim selbst be-
wirken, indem er sich den Bedingungen des Embryonalzustandes _
anpasst. Warum passt er sich denn überhaupt dem unbequemen
Embryonalzustand, der ihn zu diesen Fälschungen erst zwingt, an,
*) Zeitschr, f, w. Zool, Bd. XVIII 8. 257 u. ft.
Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 243
wenn er früher doch so viel bequemer und angenehmer existiren
konnte? Aber mit Schale und Eiweiss ist es doch allein nicht ge-
than. ‘Auch das übrige Ei wird sich doch den gegen früher so
verschiedenen Bedingungen seines jetzigen Embryonalzustandes an-
gepasst haben, und diese Anpassung mit ihren Correlationen kann
doch nieht einflusslos auf die spätere Phylogenese sein.
Demnach ist es durchaus inconsequent und widersinnig, wenn
Haeckel (Populäre Vorträge 2. Heft S. 93 und 94) diese „fälschungs-
geschichtlichen Thatsachen“ nur als Einschaltungen in die Phy-
logenese betrachtet. Wie wäre es denn denkbar, dass sich ein
Wesen ebenso entwickeln sollte, nachdem es sich dem jetzigen
Embryonalleben in jeder Beziehung hätte anpassen müssen, als wenn
es nicht durch diese Anpassung gegangen wäre? Haeckel darf
also seine Phylogenese nicht so construiren, dass er die „Fälschungs-
geschichtlichen Einschaltungen“, z. B. die Eihüllen, einfach streicht,
und für den Vogel auch ohne den jetzigen Embryonalzustand die
jetzige Weiterentwicklung beibehält. Er müsste, wenn man den
Anspruch an eine vernünftige Schlussfolgerung überhaupt an ihn
stellen dürfte, zugeben, dass seine aus der Ontogenese entwickelten
Stammbäume schon da enden, wo das Ei sich mit einer es ab-
schliessenden Hülle umgiebt, wo sie dann freilich ziemlich kurz und
bedeutungslos werden. Der jetzige Vogel wäre dann blos eine
„Fälschung“. Es ist doch aber ein sonderbares Ding, wenn das
Beobachtete — die Ontogenese — mit dem Vermutheten — der
Phylogenese — nicht stimmt, dann die erstere als gefälscht zu
betrachten. Früher hätte Jedermann unbedenklich in einem solchen
Falle die Vermuthung als einfach falsch bezeichnet.
Dr. K. verhält sich der Haeckel’schen Biogenese gegenüber
mehr referirend, das eben Gesagte ist also um so weniger gegen
ihn gerichtet, als er die Zugehörigkeit der Eihüllen zum Ei ja
überhaupt leugnet, was Haeckel nicht zu thun scheint. Der Paral-
lelismus von Ontogenese und Phylogenese ist aber doch für so
Viele ein wesentlicher Theil der Darwinischen Anschauungen ge-
worden, dass ich ihn mit in Betrachtung ziehen durfte.
Mit der eigentlichen Selectionstheorie, d. h. mit der Transmu-
tation der Organismen durch Ueberbleiben des Zweckmässigeren
im Kampf um das Dasein, hat sich dagegen Dr. K. ausdrücklich
einverstanden erklärt. Ich erlaube mir nun die Frage — und
diese gilt ebensowohl gegenüber der Annahme, dass die Schale
vom Eileiter herrühre — durch welchen Kampf um’s Dasein vor-
16*
244 W. v. Nathusius:
läufig von der Färbung abgesehen, diese feine, ebenso mannich-
faltige, als charakteristische innere Structur der Eischale herbei-
geführt sein sol? Auf das weitere Gedeihen des einmal ausge-
schlüpften Vögelchens ist sie doch ohne jeden Einfluss und ebenso
wenig ist ein solcher während der Bebrütung und während des
Durchganges durch den Eileiter denkbar. Es handelt sich hier
nämlich um die Form und Zahl der Mammillen, um die für die
verschiedenen Familien so sehr charakteristische Grösse der nicht
verkalkten Körperchen, welche, in die Schale eingebettet, deren
Undurchsichtigkeit bewirken, ferner um die Vertheilung der
letzteren in der Schale, die theilweise auf ihrem Gefüge beruht und
dadurch die so sehr verschiedenen und charakteristischen Bilder
der Schliffe bei durchfallendem Lichte bewirkt. Wo ist von alle
diesem ein solcher Einfluss auf die grössere Fähigkeit des ausge-
schlüpften jungen Vögelchens zum „Kampf um das Dasein“ denk-
bar? Wie könnte also dieser Kampf auf die Structur der Eischale
zurückwirken ?
Mein verehrter Gegner wird auf die „Correlation“ hinweisen.
Das ist nun wieder ein Fall, wo der Darwinist, nach dem er erst
ein bestimmtes Princip — Selection durch den Kampf um’s Dasein
aus der unbegrenzten Transmutation — statuirt hat, da wo die
Thatsachen dieses Princip als nichtig erweisen, gleich wieder
einen Lückenbüsser zur Hand hat. Ein allgemeiner Zusammen-
hang der ganzen Schöpfung auf einem Plan beruhend, dessen
Motive uns im Einzelnen vielfach unerkennbar bleiben, das ist die
Correlation, welche längst vor Darwin anerkannt war. Wenn aber
der Darwinist durch Statuirung der Correlation einräumen muss,
dass in vielen Fällen sein eigenthümlicher Erklärungsgrund nicht
ausreicht, woher will er denn wissen, dass nicht auch in den
Fällen, wo sein eigentlicher Grund ihm auszureichen scheint, es
sich nicht doch um blosse Correlation zu einem noch unbekannten
Verhältniss handelt? Die Correlation ist ein so weites und viel
umfassendes Motiv, dass es ganz unmöglich sein wird, in einem
gegebenen Falle nachzuweisen, dass sie nicht die allein genügende
Ursache gewesen sei. Wenn z. B. Darwin behauptet, der vollbe-
haarte Pferdeschweif habe sich durch einen Kampf um das Dasein
bei schädigendem Ungeziefer aus dem dürftiger behaarten Esels-
schweif entwickelt, so kann man ihm einfach erwidern: Du irrst,
denn der stärkere Haarwuchs ist das nothwendige Correlat eines
tiefer im Organismus begründeten Verhältnisses, Dann steht ein-
Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 245
fach Behauptung gegen Behauptung, und was man für Wissenschaft
ausgeben will, ist lediglich eine Frage der Meinung geworden.
Will ich nun bezüglich der Färbungen der Vogel-Eier und
ihrer Veranlassung den Scharfsinn und die Sorgfalt gern aner-
kennen, mit welcher Dr. K. die früher von Seidlitz ausgesprochenen
Meinungen im Speciellen durchzuführen sucht, und namentlich die
Gewissenhaftigkeit, mit welcher er die Ausnahmen von dem, was
er als Regel betrachtet, selbst hervorhebt, so darf ich doch aus-
sprechen, dass dabei eine solche Menge von Nebengründen als
„wahrscheinlich“, als „wohl meist“ wirksam, als „mit wenig Aus-
nahmen“ „entweder oder“ und dgl. qualificirt werden, dass schon
das Alles sehr auf das Gebiet der Meinung übergeht; und doch
muss er als letztes Hülfsmittel zur „correlativen Abhängig-
keit von irgend einem andern an sich nützlichen Ausrüstungs-
merkmal des mütterlichen Organismus“ greifen (S. 336). Nun,
wenn das ein zulässiger Erklärungsgrund ist, wozu denn dieser
Aufwand von sich durchkreuzenden Vermuthungen wo es einen
Jeden freisteht, andere Vermuthungen für wahrscheinlicher oder
für weniger unwahrscheinlich oder für möglicherweise zutreffen-
der, oder wie man sonst die verschiedenen Grade der Zweifel-
haftigkeit ausdrücken will, zu erklären. Die correlative Ab-
hängigkeit von irgend einem andern Umstand genügt ja voll-
ständig, Alles zu erklären, was angeführt wird oder sich irgend-
wie mit Recht oder auch mit Unrecht anführen liesse, und auf
irgend einen Beweis muss ja bei dieser Behandlung der Sache
von vornherein verzichtet werden. Das ist — ich glaube es aus-
sprechen zu dürfen, weil es ja keine Person, sondern eine jetzt
leider sehr verbreitete Richtung trifft — gar keine Wissen-
schaft mehr. Hier gilt die alte Berliner Redensart: „Es kann
sin — es kann sin ooch nich.“
Auf ein nach meiner Auffassung fruchtbringenderes Thema bin
ich genöthigt näher einzugehen, weil Dr. K. auf S. 323 u. 324, so
wohlwollend er sich auch über meine Eischalen-Untersuchungen
ausspricht, doch den für die Speciesfrage wichtigsten Theil in
einer Weise erwähnt, welche missverständlich erscheint. Wer das
dort Gesagte liest und sich meiner früher in d. Zeitschr. publicirten
Arbeiten, die nicht einmal eitirt werden, nicht erinnert, muss an-
nehmen, dass ich an Krähen-Eiern zweifelhaften Ursprungs Beweise
für Species-Kennzeichen gesucht habe. Ich darf also wohl kurz
die früheren Resultate resümiren, indem ich für die Einzelnheiten
246 W.v. Nathusiust
und die nähere Erläuterung auf diese früheren Publicationen ver-
weise. In Nr. 112 v. 1871 d. Zeitschrift sind folgende Zahlen als
Grösse in) Millim. des Durchschnittes der nach einem bestimmten
Prineip ausgesuchten 12 grössten Mammillenquerschnitte eines
Präparats angeführt.
Bei Dromaeus Novae Hollandiae 0,0021.
„ Casuarius galeatus 0,0078.
Da es sich hierbei um Speciesunterschied nicht handelte,
sondern nur um den Nachweis der grossen Abweichung, welche
sonst so ähnliche und verwandte Eier in diesen Dimensionen zeigen,
ist damals nicht angeführt, dass dieses bei Dromaeus das überein-
stimmende Resultat von 2 Eiern ist.
Bei Cygnus musicus 1. Ei 0,035.
” „ ” 2. ’) 0,033.
> 5; > ar, Ole
” » Plutonius 1. 7. 0028
” „ „ 2. „ 0,021.
4 3 olor 1. 95:,0,020
4 N n 2, ,»... 0,024.
3. hm. 02
” „ ”„
Hierbei wurde natürlich hervorgehoben, dass bei C. plutonius
und olor die Unterschiede gegenüber der Fehlergrenze der Be-
stimmungsmethode zu gering sind, um in diesem Falle hier-
durch einen Speciesunterschied nachweisen zu können.
Bei der Hausgans zwischen 0,024—0,021.
„ Anser cinereus 0,023.
» » segetum zwischen 0,015-—-0,0145.
Anas boschas und die Hausente geben übereinstimmende Re-
sultate, sie sind nicht weiter mitgetheilt, da auch andere Wildenten
mit beiden übereinstimmen, also kein besonders Interesse sich an
dieselben knüpfte. Vom Haushuhn wird berichtet, dass ein Cochin-
china, eine Bantam-Zwergform, ein Doppel-Ei und sogar ein kleines
Spur-Ei des gewöhnlichen Haushuhns übereinstimmende Dimen-
sionen der Mammillenquerschnitte zeigten. In. Nr. 119 v. 1872
d. Zeitschr. konnte ergänzend berichtet werden, dass noch 5 Eier
von verschiedenen domestieirten Varietäten und ausserdem Gallus
bankiva und @. Sonnerat:, die ich der Güte Dr. Sclater’s verdankte,
unter sich und mit den früher untersuchten befriedigend über-
einstimmten.
Betracht. üb. d. Selectionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 247
Folgen die, weil Darwin so grosses Gewicht auf ihre Variation
gelegt hat, besonders interessanten Tauben:
©. turtur 0,0074—0,0072.
„ ‚palumbus 0,0098—0,0083 .
„» oenas 0,012—0,011.
„ lvia fera 0,014—0,013.
Die Haustauben: Mövchen 0,013.
Feldtaube 1. Ei 0,014.
Dieselbe 2. Ei 0,011.
2. Präparat desselben Eis 0,014.
Kröpfer 0,014.
Hierbei ist gleich auf die Differenz zweier Präparate von dem-
selben Ei verwiesen. Sie ist leicht erklärlich, weil jedes Präparat
nur einen so kleinen Theil der Schale enthält, dass die geringste
Unregelmässigkeit der Bildung störend wirkt, aber deshalb dürfe
man nicht vergessen, dass die Fehlergrenze dieser Zahlen eine
ziemlich weite ist.
Uebrigens ist später in Nr. 119 v. 1872 d. Zeitehr. noch hinzu-
gefügt, dass noch zwei Eier von domestieirten Formen (blauer
Pfaffe und schwarze Trommeltaube) älinliche Uebereinstimmung mit
der wilden Stammform ergeben haben.
Dass bei Ciconia alba und C.. nigra im Durchschnitt der
Messungen sich zwar ein specifischer Unterschied herauszustellen
scheint, die Fehlergrenzen aber wegen der unregelmässigen Form
der Mammillen sehr weite sind, ist auch nicht verschwiegen.
In Nr. 119 v. 1872 sind ferner noch folgende Zahlen mitgetheilt:
Perdix cinerea 1. Ei 0,0058.
05 ” 2. ,.,..,.0:0059.
» petrosa nur 1 Ei 0,0103.
„. rubra N... 012.
ss 5 2. 1.001087.
Phasianus colchicus 1. „ 0,0043.
„ A 2. „ 0,0048.
” ” 3.» 0,0048.
5 nyethemerus 1. 4.0.0078.
2. Präparat desselben 0,0075.
Phasianus nycthemerus 24.10.0082.
e- pictus ii. 2.0.0055,
Br . 2, ...,,0,0060:
4 torquatus NUr ein Ei 0,0069,
248 W.v. Nathusius:
Wenn Dr. K. sich mit diesen Zahlenreihen und dem sonst
Mitgetheilten dadurch abfinden zu können glaubt, dass er sagt:
er könne sich wegen der nicht ganz unverdächtigen Rolle, welche
gewisse, zum Theil hypothetische Bastard-Eier bei den in Nr.
125 v. 1874 d. Zeitschr. publieirten Untersuchungen spielen, von der
speciellen Zuverlässigkeit des von mir hervorgehobenen Speeiesunter-
schiedes nicht überzeugen, so kann ich eine Berechtigung hierzu
nicht anerkennen, indem vorstehende Zahlenreihen, in welchen es
sich nicht um Bastard-Eier handelt, ergeben, dass ich die Bedeutung
dieses Species-Charakters eben nicht den Krähen entnommen habe,
sondern zu ihrer Untersuchung erst gekommen bin, nachdem diese
specifische Bedeutung schon m. A.n. festgestellt war. Will Dr. K. die-
selbe bestreiten, so mag er diese Zahlenreihen kritisiren oder die
Sache an eigenen Präparaten prüfen, statt in so missverständlicher
und unzutreffender Weise auf die Krähen-Bastarde hinzudeuten.
Uebrigens kann ich doch auch nicht zugeben, dass die an den
Krähen-Eiern erhaltenen Resultate so nichtssagend sind. Ich muss
in dieser Beziehung auf die ausführlichen Erörterungen in Nr. 125
v. 1874 d. Zeitschr. verweisen, wo auf S. 17 ausdrücklich ausge-
sprochen ist, dass diese Untersuchungen alleinstehend, allerdings
den Nachweis, dass die Dimensionen der Mammillenquerschnitte
ein der Variation nicht unterliegender specifischer Charakter seien,
wegen der durch die häufige Bastardirung von corone und cornix
entstehenden Uebergänge nicht ergeben könnten, dass ich diesen
jedoch in den früheren Arbeiten geliefert zu haben glaube.
Demnach glaube ich sachlich berechtigt zu sein, dabei zu beharren,
dass in diesem Structurverhältniss der inneren Schalenfläche ein
Speciescharakter vorliegt, dessen Constanz in zahlreichen Fällen
durch Untersuchung mehrerer Eier derselben Art erwiesen ist, und
bei welchem eine Veränderung durch Variation und Domestication
bis jetzt in keinem Falle nachzuweisen war. Vergeblich habe ich
dieses versucht beim Haushuhn, bei der Ente, der Taube und
neuerdings auch beim Pfau. Besonders bemerkenswerth ist, dass
auch die Teratologie ihn wenigstens häufig nicht zu berühren
scheint, wie Doppel-Eier von Gans und Huhn und Spur-Ei vom
letzteren ergeben hat.
Allerdings kommen Fälle vor, wo unzweifelhafte Species einen
Unterschied hierin wenigstens nicht erkennen lassen, indessen
giebt es, soviel mir bekannt, überhaupt keinen Speciescharakter, bei
welchem dieses nicht vorkäme. Schlimmer ist, dass es sich um
Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 249
ein Verhältniss handelt, das nach der Form seines Auftretens
auch bei dem einzelnen Individuum nur nach Durchschnitts-
zahlen bestimmt zu formuliren ist, und für diese Zahlen das
Bestehen einer verhältnissmässig beträchtlichen Fehlergrenze zuge-
geben werden muss. Es können Präparate von’ demselben Ei-Indi-
viduum bis auf 15°, von einander abweichen, wie ich bei den
Untersuchungen der Krähen-Eier, wo von 7 Eiern doppelte Präpa-
rate gefertigt wurden, nachgewiesen habe. Dieses sind zwar Aus-
nahmen, und schon wenn man von 2 Präparaten den Durchschnitt
nimmt, ist die Fehlergrenze um die Hälfte verengert und könnte
dieses in wichtigen Fällen noch mehr geschehen, wenn man 3 und
4 Schliffe präparirte; immer geht aber hieraus hervor, dass das
Kriterium nur da mit Sicherheit angewendet werden kann, wo er-
hebliche Unterschiede zwischen den zu vergleichenden Eiern
sind. Indess handelt es sich ja auch gar nicht darum, überall und
immer nach diesem Kriterium die Speciesunterschiede festzu-
stellen, sondern es gilt m. A. n. zunächst, die Frage zu ent-
scheiden: ob, wie Darwin behauptet, unveränderliche Species-
unterschiede überhaupt nicht bestehen, also die Species
überhaupt ein haltloser Begriff is. Soweit sich auch nur in
einzelnen Fällen die Festigkeit eines Speciescharakters, trotz da-
neben stattfindender starker Variation, in den übrigen Eigenschaften
nachweisen lässt, ist seiner Auffassung die Basis genommen.
Früher schon ist die so ausserordentlich constante Form des ganzen
Gebisses und der einzelnen Zähne bei den Säugern, z. B. bei der
in andern Punkten so weit gehenden Variation der Hunde, gegen
ihn geltend gemacht. Er soll darauf erwidert haben, dass das
Gebiss der Hausthiere deshalb nicht variire, weil der Züchter kein
Interesse dabei gehabt hätte, es durch Zuchtwahl zu modifieiren.
Allerdings hat der Züchter auch kein Interesse daran sehabt, die
Dimensionen der Mammillen der inneren Schalenfläche zu modifi-
ciren; da sie aber ebenso wenig dem direeten Einfluss der natür-
lichen Zuehtwahl unterworfen sein können, indem hierin gar kein
teleologisches Moment denkbar ist, kann ihre wesentliche Ver-
schiedenheit bei verschiedenen Species Seitens des Darwinismus,
wie schon angeführt wurde, nur auf Correlation zurückgeführt
werden. Unterlägen sie aber den Einflüssen der Correlation bei
denjenigen Veränderungen, welehe die natürliche Selection im
übrigen Organismus bewirkt, so müssten sie demselben Einfluss
250 W.v. Nathusius:
auch bei den Veränderungen, welche die Auswahl etc. des -Züchters
verursacht, unterliegen.
Unter den von mir untersuchten Eiern sind die der Tauben um
deshalb besonders interessant, weil sich Darwin so ganz besonders
auf seine Beobachtungen und Versuche an Haustauben und deren
wilder Stammform (C. livia) stützt und behauptet, dass die früher
als specifisch betrachteten Verhältnisse, z. B. Schädel- und -Schnabel-
form, bei den gezähmten Varietäten unter sich und gegen die
wilde ©. livia weit grössere Verschiedenheiten zeigten, als zwischen
letzteren und den übrigen Taubenspecies beständen.
Die schon auf S. 247. nach meiner früheren Arbeit angeführten
Zahlen erledigen die Frage gerade bezüglich der Tauben noch
nicht so vollständig, als ich gewünscht hätte. Die Fehlergrenze ist
bei solchen Bestimmungen um so grösser, als die Mammillen
kürzer und stumpfer sind, und dass letzteres bei den Tauben der
Fall ist, zeigen die Querschliffe der Schale. Die mitgetheilten
Zahlen ergeben auch in einem Falle, wie gross ihre Verschieden-
heit bei zwei Präparaten von demselben Ei sein kann. Zu einer noch-
maligen Bearbeitung der Tauben, die allerdings erst zeigen würde,
wie weit diese Schwierigkeiten bei mehr Uebung zu überwinden sind,
denn gerade diese Präparate und Zeichnungen gehören der Zeit an,
wo sich die Methode erst entwickelte, habe ich leider die Musse nicht
finden können; immer aber ergeben schon diese Zahlen das Resul-
tat, dass die Unterschiede zwischen C. Zurtur und C. palumbus
einerseits und ©. Zivia und ihren Varietäten andererseits bedeutend
ausserhalb der Grenzen der möglichen Beobachtungsfehler liegen,
und viel erheblicher sind, als zwischen den abweichendsten Formen
von Ö. livia unter sich. Dass die Variation diese Verhältnisse
nicht verändert, hat übrigens auch die zahlreiche und sehr be-
friedigend übereinstimmende Reihe der Hühner gezeigt, wie schon
erwähnt wurde,
Mit günstigerem Auge betrachtet Dr. K. die Versuche, in
anderweitigen Verbältnissen der Schalenstructur eine systematische
Bedeutung zu finden, was ich nur dankbarst acceptire, dabei aber
die Gelegenheit benutzen kann, in weiteren ornithologischen Kreisen
an diese Bedeutung wieder zu erinnern, indem ich anführe, dass
ich in der von Dr. K. eitirten Arbeit: Abgrenzung der Ordnung
der Oseinen von den Clamatoren, Scansoren und Columbiden
(Zeitschr. f. wissensch. Zool. 1878) auch in der anscheinend so
einfachen und wenig charakteristischen Schalenstructur der Oseinen-
Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 251
Eier den unterscheidenden Typus derselben dargelegt zu haben
glaube, und ausserdem noch einiges andere hier Einschlagende er-
wähnen konnte. Wie scharf die Zugehörigkeit des Bies durch ge-
wisse Structurverhältnisse bezeichnet werden kann, davon ist mir
seitdem ein Fall vorgekommen, welchen ich gesenüber dem Miss-
trauen, das diesen Untersuchungen noch mehrfach zu begegnen
scheint, wohl berichten darf, obgleich er sonst kein besonderes
Interesse hätte.
In hiesiger Gegend war ein Ei unter Umständen gefunden,
die seinen Ursprung sehr zweifelhaft erscheinen liessen. Es wurde
mir in ausgeblasenem Zustande zugeschickt, aber durch unvor-
‚sichtigen Transport so vollständig zertrümmert, dass es in nur
einige Millimeter grossen Fragmenten ankam. Auch ein geübter
Oologe würde denselben schwerlich etwas Entscheidendes haben
entnehmen können. Weil mich die Schwierigkeit der Sache reizte,
machte ich einen Tangentialschliff von einem der grösseren Stückchen
. und ergab derselbe sofort, dass es sich um einen Tagraubvogel
handelte, was ein Radialschliff des Weiteren bestätigte, und war
es nun leicht, aus dem Fundorte das Ei auf Circus zurückzu-
führen.
Dr. K. führt auf S. 325 Bd. 6 der Zeitschr. an, dass nicht
allein zuweilen in einer Gruppe systematisch untrennbarer Vögel
die Eier einzelner Genera, resp. Species, ganz ausserordentlich von
dem typischen Charakter abweichen, sondern umgekehrt mitunter
die Eier von Vögeln, welche durchaus nicht in näheren verwandt-
schaftlichen Beziehungen stehen, eine sehr augenfällige Ueberein-
stimmung gewisser äusserer Merkmale zeigen. Er unterlegt denen,
welche an die Unveränderlichkeit der Arten glauben, möglichst
sonderbar klingende Erklärungsgründe für diese angeblichen That-
sachen, und will sie dann vom Standpunkte der Selectionstheorie
in befriedigender Weise erklären.
Aber ich muss die Wirklichkeit dieser Thatsachen zunächst und
bis dahin bestreiten, wo die Fälle genannt sind, wo diese Incongruen-
zen vorkommen sollen. Mir ist bei meinen doch nach ge-
rade ziemlich umfangreichen Untersuchungen kein
einziger Fall vorgekommen, auf welchen obige An-
führungen passten! Fälle, welche zu einer Kritik der bis-
herigen Systematik auffordern, finden sich allerdings. Ich werde
sie weiterhin sämmtlich anführen. Solche Fälle, wo ein äusser-
licher, trügerischer Schein mangels einer Untersuchung der wirk-
252 W. v. Nathusius:
lichen Structur zu solchen irrigen Ansichten Anlass geben
kann, sind mir auch vorgekommen. So scheinen Perdix rubra
und P. petrosa von P. cinerea in Korn und Färbung wesentlich
abzuweichen, die wirkliche Structur ist aber durchaus überein-
stimmend.
In der schon erwähnten Arbeit über die typische Structur der
Oseinen (Zeitschr. f. wissensch. Zool. 1878) ist berichtet, dass ich
von Dr. Rey einige Eischalenfragmente von Steatornis caripensis
mit der Bemerkung erhielt, dass der äussere Habitus des Eies so
wesentliche Unterschiede von Caprimulgus zeige, dass eine nähere
Untersuchung erwünscht sei. Diese letztere ergab denn aber voll-
ständige Uebereinstimmung beider auch bei solchen Structurver-
hältnissen, in welchen Caprimulgus von andern Clamatoren ab-
weicht, obgleich Dr. Rey doch gewiss ein competentes Urtheil
über diejenigen Charaktere zusteht, welche bisher in der Oologie
als maassgebend betrachtet werden. Ich darf die Versicherung nicht
bestreiten, dass erfahrene Sammler und Händler ein Ei, dessen
allgemeiner Habitus ihnen bekannt ist, mit grosser Sicherheit nach
einem praktischen Gefühl, wenn auch nicht an definirbaren Krite-
rien erkennen; damit ist aber für die Feststellung von Familien-
oder Geschlechtstypen sehr wenig gewonnen. Abgesehen von der
Färbung handelt es sich dabei hauptsächlich wohl um die Textur
der äussern Fläche, welche als „Korn“ bezeichnet wird. Sie ist ja
häufig sehr übereinstimmend bei verschiedenen Arten derselben
Familie; das kann aber auch bei Charakteren stattfinden, die nicht
eigentlich fundamental sind. Die Schalenschliffe ergeben, dass
bezüclich der Gestaltung der äussern Fläche und der Structur der
Schichten, durch welche sie gebildet wird, sehr erhebliche, sogar
individuelle Variationen vorkommen können. Wie bedeutungslos
dasjenige, was die gebräuchliche äusserliche Betrachtungsweise der
Eischale ergiebt, für ihre wirkliche Beschaffenheit ist, folgt auch aus
Manchem, was Dr. K. in dieser Beziehung äussert, indem er z. B.
S. 338 Bd. 6 d. Z. von einer analogen Beschaffenheit der „Schwamm-
schicht‘‘ bei Pelecanus, Podiceps und Upupa spricht.
Die sehr eharakteristische Beschaffenheit der äussersten Schicht
bei Pelecanus habe ich schon (Zeitschr. f. w. Zool. Bd. XIX
S. 324) beschrieben und (das. T. XXVI Fig. 3 und 4) abgebildet.
Vollständig analog ist sie bei Aalieus und Sula, und nach der
allerdings nur äusserlichen Betrachtung anderer Steganopoden be-
trachte ich sie als charakteristisch für diese Familie. Spheniscus
a =
Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 253
stimmt nicht ganz hiermit überein, es ist aber doch eine gewisse
Annäherung vorhanden, die vielleicht für seine systematische Stel-
lung Beachtung verdient. Bei Podiceps liegt dagegen schon eine
ganz andere Beschaffenheit vor, und Upupa hat eine so eigen-
thümliche und dabei so total von Pelecanus verschiedene Be-
schaffenheit der äusseren Schalenschicht, dass schon dieser eine
Fall zeigt, wie erhebliche Täuschungen eintreten, wenn man ohne
mikroskopische Untersuchung Schlussfolgerungen nach äusserem
Anschein zieht. Die Schale von Upupa hat nämlich gar keine
äussere kreideähnliche Schicht wie die der Steganopoden, sondern
es senken sich in ihre Oberfläche etwa 0,03 mm. tief offene Grüb-
chen oder Kanäle ein, deren Querschnitt von länglich runder Form
durchschnittlich etwa 0,015 mm. Durchmesser hat. Diese Durch-
messer sind bei den einzelnen Grübchen sehr verschieden und
liegen nach der Messung bei 9 derselben, die sich neben einander
befanden, zwischen 0,026 und 0,01 mm. Diese Grübehen oder
Kanäle stehen so dicht neben einander, dass auf Tangential-
schliffen durch die äusserste Schalenschicht diese sich vollständig
siebartig durchlöchert darstellt. Die totale Dicke der Schale be-
trägt 0,137 mm., hiervon kommen aber auf die Mammillen über
0,04 mm., und da die Grübchen bis auf fast 0,03 ınm. eindringen,
bleiben nur ca. 0,067 mm. über, welche eine doch auch wie stets
nicht vollständig geschlossene Schicht bilden.*) Und dieser Bau,
der doch eher das Gegentheil bewirken müsste, wird von Dr. K.
dargestellt, als durch Anpassung bewirkt, um dem Ei gegen die
mangelnde Reinlichkeit des Nestes einen Schutz zu gewähren!
Man sieht in diesem Fall so recht, wohin es führt, wenn an unbe-
sründete Vermuthungen über die Beschaffenheit eines Organismus
weitere Vermuthungen geknüpft werden, warum er so sein muss,
wie er doch in Wirklichkeit gar nicht ist.
Eine gewisse teleologische Betrachtung von Einzelnheiten in
der Natur ist immer bedenklich, und schlägt leicht in eine unver-
ständige Kritik um; aber hier liegt doch die Versuchung sehr nah,
*) Anm. Erst indem ich behufs dieser Beschreibung meine älteren
Präparate von Upupa nachsehe und messe, tritt mir entgegen, wie voll-
ständig diese Structur wieder die sonderbaren Vermuthungen über die Ent-
stehung der Schale als mechanisch hinzugetretenes Secret des Eileiters
widerlegt. Das mir zur Disposition stehende Beweismaterial für das orga-
nische Wachsthum der Schale ist in der That so reichhaltig, dass ich nur
einen kleinen Theil davon anführen kann.
354 W. v. Nathuüsiüs:
gegenüber dem von Dr. K. in der Anmerkung zu S. 338 Gesagtem,
sich die Frage zu erlauben: Ob nun vielleicht doch bei einer
Structur der Eischale, deren Ursache uns allerdings nicht bekannt
ist, welche sie aber atmosphärischer Schädlichkeit besonders zu-
gänglich erscheinen lässt, „die geringe Neigung des Wiedehopfs
„zur Reinlichkeitspflege des Nestes“ ihm „prädestinatorisch
und zu wohlbedachtem Zwecke anerschaffen worden“
sein könnte, da doch in der That dadurch für die tief perforirte
Eischale ein schützender Ueberzug entsteht?
Hoffentlich werden es nur wenige Oologen sein, welche sich
aus der Beschreibung solcher Schalenstructur-Verhältnisse, welche
ja bei den bisherigen Untersuchungsmethoden nothwendig der Be-
achtung entgehen mussten, nicht ohne Weiteres davon überzeugen,
dass, nachdem neue Methoden ganz ungeahnte Structuren erschlossen
haben, ohne Beachtung derselben eine wissenschaftliche Behandlung
der Oologie unmöglich ist, und dass es unzulässig ist, aus den
nz ee
dürftigen Resultaten, welche eine nur oberflächliche Betrachtung -
der Eischale auch für den geübtesten Beobachter unvermeidlicher
Weise nur geben kann, entscheidende Schlussfolgerungen für oder
gegen ihre systematische Bedeutung zu ziehen. Damit soll dem
Verdienste fleissiger Sammler und solcher umfassender Werke als
O. des Murs Traite general d’oologie ornithologique durchaus nicht
zu nahe getreten werden. Was Erstere betrifft, möchte ich nur
wünschen, dass den Exoten mehr Beachtung geschenkt würde, als
schon aus den Katalogen der Naturalienhandlungen, in denen sie
verhältnissmässig wenig vorkommen, hervorzugehen scheint. Einem
gewissen Sammler-Geist mag sich die für ein engeres geographisches
Gebiet erreichbare Vollständigkeit empfehlen, aber dann bleiben
doch für die Systematik sehr empfindliche Lücken.
Das Werk von O. des Murs fusst allerdings auch nur auf den
äusseren Kriterien, aber damals waren andere auch noch nicht be-
kannt, und es ist wegen der Masse des Materials, das es gerade
bezüglich der Exoten enthält, werthvoll.
Dr. K. spricht in einer Anmerkung zu S. 324 Bd. 6 d. Z. von
„Andeutungen“, die ich bezüglich des Maassgebenden der Struetur-
verhältnisse der Schale für systematische Gruppirung gegeben
habe. Es ist nachgerade keine unerhebliche Zahl von Abbildungen
und Beschreibungen von Schalenschliffen, die in den citirten in der
Zeitschr. f. w. Zoologie publicirten Arbeiten enthalten sind; richtig
ist indess, dass das noch sehr fragmentarisch ist; aber ohne Ab-
! '
N
|
Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 255.
bildungen ist die blosse Beschreibung solcher Verhältnisse meist
fruchtlos, und wenn auch meine Präparatsammlung schon Material
zu einem ziemlich umfangreichen Kupferwerk enthält, so sind doch
abgesehen davon, dass die Anfertigung der Zeiehnungen nach den
Präparaten schon eine grosse Arbeit erfordern würde, solche
Publicationen bekanntlich nicht leicht zu ermöglichen. Zu einer
Darlegung der generellen und theilweise der specifischen und in-
dividuellen Unterschiede bei den Lamellirostren liegen schon seit
Jahren sorgfältig ausgeführte Zeichnungen nahezu vollständig be-
reit, aber es fehlt die Gelegenheit zur Publication, da dergl. den
allgemeiner gehaltenen wissenschaftlichen Zeitschriften zu speciell
ornitholosisch erscheint, und bis jetzt wenigstens unser Journal so
zahlreiche Abbildungen nicht zu bringen vermochte.
Leider muss ich mich also wieder auf Andeutungen beschrän-
ken, wenn ich noch Einiges über die bis jetzt hervorgetretenen Resul-
tate in der Kürze hinzufügen möchte.
Die Struthioniden bilden, und dieses habe ich nicht blos ange-
deutet, sondern durch eine ganze Reihe von Abbildungen belegt,
welche Struthio, Rhea, Dromaeus, Dinornis und Aepyornis umfasst,
eine charakteristisch von allen übrigen untersuchten Schalen durch
eine unter sich homologe Structur abweichende Gruppe.
Apteryx, ebenfalls abgebildet, sondert sich, wie schon in Nr.
112 v. 1571 d. Zeitschrift angeführt ist, von denselben auf das Be-
stimmteste, und scheint sich durch seine Aehnlichkeit mit Grus und
Otis an die Grallatoren anzuschliessen. Dieses stimmt zwar nicht
mit Owen’s Auffassung seiner systematischen Stellung, wohl aber
mit der Anderer. Uebrigens konnte nur eins der im Zool. Garten
von London durch A. Mantell! gelegten Eier untersucht werden.
Solche Producte aus der Gefangenschaft möchten zuweilen nicht
sanz normal sein, und ferner ist in einer so umfangreichen Gruppe,
als die Grallatoren sind, eine durchgängige Uebereinstimmung nicht
zu erwarten. Aus derselben sind bis jetzt ausser obigen beiden
nur Ardea und Orconva untersucht, die unter sich und von jenen
in der Beschaffenheit der äussern Schalenschicht bedeutend ab-
weichen. Beim Storch ist diese Schicht auffallend derjenigen ähn-
lich, welche die Tagraubvögel haben. Sie charakterisirt sich da-
durch, dass sie scharf von der mittleren Schicht abgegrenzt, wesent-
lich durehsichtiger als diese und von senkrecht auf die Oberfläche
gestellten Kanälchen durchzogen ist. Die unregelmässigere Form
und der geringere Durchmesser ihres Querschnitts, so wie der
356 W. v. Nathusius:
weniger dichte Stand unterscheiden diese Structur wesentlich von
den vorhin für Upupa beschriebenen Grübchen. Um ein Urtheil da-
rüber zu ermöglichen, mit welchem Recht ich dieses Structurver-
hältniss für die Tagraubvögel als charakteristisch betrachte, führe
ich an, dass folgende Ei-Schalen derselben untersucht sind:
Haliaötos albicilla, 2 Individuen,
Aquila naevia,
Vultur fulvus,
Zwei Eier hiesiger Tagraubvögel aus einer älteren Sammlung,
wo die Species nicht bezeichnet war,
der schon erwähnte Circus.
Von Eulen, bei welchen diese eigenthümliche Schicht gänzlich
fehlt, sind untersucht:
Bubo mazimus,
Ulula aluco.
Durch die verschiedenartigen Schliffe, welche erforderlich sind,
um die Struetur einer Eischale vollständig zu übersehen, und durch
die unter Umständen sehr nöthigen Doubletten ist es schon eine
Reihe von 28 Präparaten, welche meine Sammlung hierüber enthält.
Man kann diese Reihe bezüglich der Zahl der Species und der
Genera noch für zu unvollständig erklären. Nachdem ich in so
vielen andern Fällen eine derartige Uebereinstimmung verschiedener
Species desselben Genus gefunden, dass die Schwierigkeit gerade’
die ist, einen Speciesunterschied zu finden, würde ich ersteres
kaum zugeben, letzteres dagegen unbedingt, indem G@ypaetos und
Harpyia fehlen. Und dieses ist um so erheblicher, als ich nun der
Ausnahme zu erwähnen habe, dass beim Kondor zwar in der übrigen
Structur eine befriedigende Uebereinstimmung vorhanden ist, aber
diese charakteristische äussere Schicht gänzlich fehlt.
Hier tritt nun aber eine grosse Schwierigkeit ein. Ich habe
ermöglicht, zwei Kondor-Eier zu untersuchen, die auch unter ein-
ander, obgleich sie aus verschiedenen Quellen stammen, vollständig
stimmen, aber sie sind beide aus der Gefangenschaft und
machen mir nicht nur nach ihrer länglichen Form, sondern auch
wegen der kleinen halbsphärischen Auswüchse, die bei abnormen Eiern
so häufig vorkommen, nicht einen solchen Eindruck von Normalität,
dass ich danach schon Sarcorhamphus als von den übrigen Tagraubvö-
geln durch die Eischalenstructur gesonderte Gruppe hinstellen möchte.
Was den Umstand betrifft, dass Ciconia, darin von Grus, Otis
und Ardea vollständig abweichend, eine solche Aehnlichkeit der
- Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 257
äusseren Schicht mit den Tagraubvögeln zeigt, während allerdings
die mittleren und inneren Schichten sich unterscheiden lassen, so
habe ich nur ©. negra und ©. alba untersucht, allerdings von
jedem 2 Individuen. Die beiden Formen oder Species stimmen, ab-
gesehen von den Dimensionen der Mammillen, vollständig überein,
aber in der Mächtigkeit der charakteristischen äusseren Schicht ist
individuell ein erheblicher Unterschied. Zunächst wäre nun
‚noch ©, mycteria und das Genus Leptoptilus zu untersuchen, auch
noch, obschon Ardea cinerea und 4. egreita vollständig über-
einstimmen, andere Genera derselben Familie, überhaupt die ganze
Reihe der Grallatores zu vervollständigen.
Man wird auf diese Weise empirisch die Bedeutung solcher
Structurverhältnisse für die Systematik fester stellen können und viel-
leicht der Frage näher gelangen, ob gerade aus diesem Verhält-
niss eine Beziehung der Grallatoren zu den Raubvögeln mittelst
der Störche zu entnehmen ist. Rationeller wäre es freilich, zuerst
die Bedeutung solcher Structurverhältnisse aus der Morphologie der
Eischale selbst zu entwickeln. Wüssten wir, welche nächste Ursachen
die Bildung solcher Verhältnisse veranlassen, und welche Functionen
solche Structuren bei der Bildung der Schale haben, dann würden
"wir ihre Bedeutung weit sicherer würdigen können. So lange die
Entwicklungsgeschichte der Schale überhaupt noch so im Dunklen
ist als jetzt, ist freilich die Aussicht eine sehr entfernte, dieselbe
für solehe besondere Verhältnisse ergründen zu können, und müssen
wir uns einstweilen bei empirisch .erlangten Resultaten bescheiden.
Möglich ist, dass solche Erörterung den Eindruck einer ge-
ringeren Bedeutung der Eischalenstructur, als jetzt schon nachweisbar
ist, bei denen hervorruft, welche die Einzelnheiten nicht aus eigener
Anschauung verfolgen können oder mögen, denn trotz dieser
Lückenhaftigkeit steht fest, dass für gewisse Vögelgruppen ein so
constanter und sicher nachweisbarer Schalentypus vorhanden ist,
dass ich mit gutem Grunde berechtigt war, den ausgestorbenen
4epyornis dem entsprechend, was Owen schon den wenigen Knochen-
überresten entnommen hatte, nach den Resultaten der Eischalen-
Untersuchung für struthionid zu erklären, während Bianconi die-
selben Knochenreste nach detaillirter Untersuchung für die eines
grossen Raubvogels erklärt hatte. Mag aber: auch ein solcher
weniger günstiger Eindruck das Resultat sein, so halte ich es doch
nicht für richtig, dasjenige zu unterlassen, was meiner Auffassung
nach die wesentlichste Aufgabe einer wissenschaftlichen Behand-
Cab, Journ, f. Ornith. XXVIT. Jahrg. No. 147. Juli 1879. 17
258 W. v. Nathusius:
lungsweise solcher Themata ist: nämlich neben dem was man ge-
funden zu haben glaubt, noch bestimmter dasjenige hervorzuheben,
was ungelöst geblieben ist, also gerade die Lücken unseres Wissens,
die durch Thatsachen noch ausgefüllt werden müssen.
Bei dem aber nun noch Anzuführenden muss ich mich freilich
etwas kürzer fassen, was nun auch wohl nicht missverständlich
sein wird.
Was zunächst die Ordnung der Gallinae nach älterer Ein-
theilung betrifit, so stellt sich ein ganz bestimmter und leicht zu
erkennender Typus bei der grössten Zahl derselben heraus. Meine
Sammlung ergiebt denselben ausser an zahlreichen Präparaten der
verschiedensten Varietäten des Haushuhns bei:
Gallus Sonnerati,
„ bankiva,
Phasianus colchicus,
A pietus,
E nycethemerus,
en torquatus,
Perdix cinerea,
„. rubra,
„ petrosa,
Tetrao urogallus,
Meleagris gallopavo,
Pavo cristatus,
Francolinus clamator,
Crax alector. 2
Vollständig scheiden sich durch einen ganz differenten Typus
die Crypturiden, von denen ich
Khynchotus rufescens,
Trachypelmus brasiliensis,
i Tao,
Crypturus perdicarius,
Tinamus maculosus
untersuchen konnte, die unter sich sehr gut übereinstimmen.
Es ist dieses für die neuere Systematik wohl kein überraschen-
des Resultat.
Eine zwar geringere, aber doch entschiedene Abweichung zeigt
Megapodius nicobariensis. Auch das ist wohl nicht überraschend,
wohl aber dass Pierocles so gänzlich abzuweichen scheint. Ich
sage scheint, denn bis jetzt habe ich nur ein Ei, als P. tachypetes
Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 255
bezeichnet, untersuchen können. Es war zwar von Schlüter, dessen
Angaben sich mir nie als unzuverlässig gezeigt haben, bezogen, aber
ich betrachte allerdings eine solche Frage, wenn sich unerwartete
Abweichungen herausstellen, nie durch die Untersuchung eines
einzelnen Eies als erledigt. Ich ersehe aus einer Notiz, dass manche
Ornithologen die Flughühner zu den Tauben stellen sollen. Ich
finde nun in der That die Structur der Eischale auffallend tauben-
ähnlich, ausser dass im Innern der Schale Pigmentschichten liegen,
welches mir weder bei einer Taube, noch bei irgend einer Galline
vorgekommen ist, und muss diesen Fall einfach zur weiteren Be-
achtung hinstellen.
Endlich finde ich noch eine erhebliche Abweichung beim Perl-
huhn, welches zwar in einigen Beziehungen noch an den Hühner-
typus erinnert, aber namentlich in der zierlichen Dreieckzeichnung
der Tangentialschliffe den Struthioniden und unter ihnen in den
ausgesprochenen Höckern der Oberfläche Casuarius und Dromaeus
so nahe tritt, dass ich dieses nicht als zufällig betrachten möchte.
. Allerdings kenne ich kein anderes Ei, bei welchem individuelle
Variationen ohne eigentliche Teratologie so weit gehen. Ich hatte
deshalb ausser von 2 Spur-Eiern von 8 Eiern Präparate gefertigt,
und unter diesen haben nur 6 die erwähnten Dreieckzeichnungen.
Sie sind jedoch als die typischen zu betrachten, weil die anderen.
beiden der einfacheren und unbestimmteren Structur, welche die
beiden Spur-Eier zeigen, sich nähern. Ob das Resultat, das ich
der Eischalen-Structur zu entnehmen genöthigt bin, dass nämlich
Numida mindestens einen Uebergang von den Hühnern zu den
Straussen bildet, wenn das Perlhuhn nicht sogar dem Kasuar näher
stehen sollte, als den eigentlichen Hühnern, auch anderweitige
Stützpunkte finden könnte, muss ich anheimgeben. Ich möchte die
Befiederung, die auch bei den Struthioniden verschieden ist, und die
Flugfähigkeit des Perlhuhns nicht als entscheidend betrachten.
Eine Eintheilung der Gallinae in die vier gleichwerthigen Fa-
milien der Phasianiden, Tetraoniden, Crypturiden und Penelopiden
würde also den aus der Eischalen-Structur entnommenen Kriterien
nicht entsprechen. Nach letzteren hätte man die Crypturiden
gänzlich abzulösen, und die Phasianiden mit Ausnahme von Numida
mit den Tetraoniden, von denen vielleicht Pierocles ausschiede, in
eine grössere Gruppe zu vereinigen, welcher dann noch die Pene-
lopiden, so weit sie durch Crax repräsentirt sind, hinzutreten,
wogegen die Megapodier für sich blieben.
17%
260 W.v. Nathusius:
Vollständiger ist die Uebereinstimmung mit der gebräuchlichen
Classification bei den Natatoren. Besonders scharf sondern sich
unter ihnen die Lamellirostren durch die Uebereinstimmung, welche
sie in den undurchsichtigen Zeichnungen ihrer Mammillenendungen
zeigen, von allen übrigen, bei welchen diese ganz klar sind. Inner-
halb der ersteren sondern sich Schwäne, Gänse und Enten sehr
gut, und bei den sehr charakteristischen Schalen der Schwäne
lassen sich sogar, abgesehen von den schon erwähnten Mammillen-
dimensionen, specifische Structurunterschiede zwischen ©. olor,
musicus und atratus, allerdings zwischen ersteren nur mit Mühe
finden. Von den eigentlichen Gänsen nicht zu unterscheiden ist
Cereopsis, wenn das eine Ei, das ich aus nicht sehr sicherer Quelle
erhielt, ächt ist. Dass sich Mergus ganz entenartig, und Anser
aegyptiacus mehr enten- als gänseartig darstellt, kann nicht über-
raschen; vielleicht eher, dass Erismatura mersa nicht nur in den
Schliffen durch die äussere Schicht, in der ihrem auffallenden
„Korn“ entsprechenden Verschiedenheit, sondern auch sonst noch,
von den übrigen Enten etwas verschieden erscheint.
Von den übrigen Natatoren habe ich die charakteristische
Sonderung der Steganopoden durch die Beschaffenheit der äusseren
Schicht schon erwähnt. Sonst kann ich kurz anführen, dass sich
die Familien und Genera übereinstimmend mit der allgemein gel-
tenden Gruppirung recht gut sondern, nur dass ich Spheniscus,
wie schon erwähnt, nicht zu den Alken stellen, sondern eher an
die Steganopoden anschliessen möchte.
Dass ich neuerdings auch für die Oseinen im Gegensatz gegen
die übrigen Nesthocker, auch wo deren Schalen ebenfalls eine nur
sehr einfache Structur besitzen, einen charakteristischen Typus
nachweisen zu können glaube, ist in der schon von Dr.K. eitirten
Arbeit in der Zeitschr. f. wissensch. Zool. 1878 specieller durch-
geführt und auch mit Abbildungen erläutert. Da die Ordnung der
Öscinen so bestimmt wie wenig andre auf anatomische Unter-
suchungen hin festgestellt ist, lege ich hierauf besonderen Werth,
glaube aber, um hier nicht noch weitläufiger zu werden, auf obige
Arbeit verweisen zu dürfen. P
Das Alles sind ja erst Anfänge, und deren Vervollständigung
erst dann zu erwarten, wenn sich Mehrere mit solchen Unter-
suchungen beschäftigen. Wüsste ich, dass Letzteres dann zu hoffen
stände, so würde ich eine möglichst detaillirte Anweisung zur Anfer-
tigung der verschiedenartigen Schalenschliffe nach derjenigen Methode
Betracht. üb. d. Seleetionstheorie v. Standpunkt d. Oologie aus. 261
publieiren, durch welche doch schliesslich Resultate erlangt sind,
die ich im Anfang so günstig nicht zu erhoffen wagte. Es kommen
doch eine Anzahl besonderer Handgriffe und Vorsichtsmaassregeln
dabei in Betracht, die sich erst aus einer längeren Erfahrung er-
geben haben, und wenn auch diese Methode jedenfalls noch ver-
besserungsfähig sein wird, so ist es doch immer ein Vortheil,
schon auf irgend etwas bestimmtem fussen zu können.
Uebrigens -läge eine Einseitigkeit darin, von den Hüllen des
Eies nur die Schale in Betracht ziehen zu wollen. Schon früher
habe ich darauf hingewiesen, dass bei Siruthro und Dromaeus die
Schichtung des Dotterhäutchens von derjenigen abweicht, die beim
Huhn vorliest. Auch die ganze Beschaffenheit des Eiweisses und
seine Structur, wie sie sich bei dünnen Schnitten, die man an-
fertigt, nachdem das Ei vollständig hart gekocht ist, und dann in
Glycerin beobachtet, in dem verschiedenen Grade der Durchsichtig-
keit seiner Schichten zeigt, ist vielleicht für die systematische Son-
derung grösserer Gruppen ebenso bedeutungsvoll als die Schale.
Ich habe schon in Bd. XVIII d. Zeitschr. f. wissensch. Zool. Taf.
XVII Fig. 31—33 Abbildungen dieser Verhältnisse beim Hühner
und Enten-Ei gegeben und auf die Verschiedenheiten hingedeutet,-
welche sich bei anderen Eiern ergeben.
Leider wird das Material für solche Untersuchungen stets
schwieriger als die Schalen und für Exoten selten überhaupt zu
beschaffen sein. Es wird immer zu rathen sein, dass für einen
einigermaassen weiten Transport die Eier vor demselben hart ge-
kocht werden, weil sonst, wie ja bezüglich der Bebrütbarkeit be-
kannt, die zarten Membrane, auf denen die Structur beruht, durch
das Schütteln beim Transport zerreissev, wie es z. B. bei einem
Straussen-Ei erging, das ich zu einer solchen Untersuchung über
Hamburg bezog. Dann ist selbstredend die Structur nicht mehr
vollständig festzustellen.
Ueber |
4- Morphnus taeniatus Gurney und M. guwianensis Daud.
Von
August von Pelzeln.
Im Aprilhefte des Ibis 1879 8.173 t.3 giebt Mr. J.H. Gur- |
ney die Beschreibung und Abbildung einer neuen Art der Gattung |
Morphnus, welche er mit dem Namen MM. taeniatus bezeichnet. |
262 August von Pelzeln:
Als Unterschiede vom ausgefärbten Morphnus guianensis hebt
Mr. Gurney hervor: Oberkopf und Kopfseiten sind an MM, tae-
niatus dunkler, die weissen Binden an den mittleren Flügeldecken
deutlicher, die Kinnfedern nicht reinweiss, sondern graulich weiss
mit dunklem Schaftstreifen (shaft mark), das Gefieder der Kehle
und Oberbrust ist viel dunkler, die Kehlfedern nämlich schiefer-
schwarz mit sehr schmalen weissen Spitzen, die Oberbrust ganz
schwarz mit Ausnahme einiger kaum bemerkbarer weisslicher
Ränder, an der Unterseite sind die schwarzen Binden gewöhnlich
etwas breiter als die weissen, während bei M. guianensis die
weissen breiter und die dunklen blos blassbraun sind, statt ent-
schieden schwarz wie bei M. taenvatus. Unterflügeldecken bei
letzteren schwarz und weiss gebändert, nicht rein weiss wie bei
M. guwianensis.
Auch sind bei M. taeniatus die Unterschwanzdecken gebändert.
Von der neuen Art ist Mr. Gurney nur ein von Mr. €. Buckley
im December 1877 eingesendetes, von ihm zu Sarayacu in Ecuador
erhaltenes Exemplar bekannt, welches sich in der Sammlung der
Messr. Salvin und Godman befindet. |
Das im Kaiserlichen Museum zu Wien befindliche, durch Joh.
Natterer bei Tucker mit der Heimathsangabe „Guiana“ ge-
kaufte Exemplar, von welchem ich im Journal für Ornithologie
1860, 337 und 1863, 131 als vom ausgefärbten M. guianensis ge-
naue Beschreibungen gegeben habe, stimmt mit dem von Mr. Gur-
ney geschilderten Vogel im Wesentlichen sehr gut überein. Die
unbedeutenden Abweichungen sind folgende:
An unserem Individuum sind die Ränder der Haubenfedern
nicht weisslich, sondern gelbbraun (die längste Haubenfeder fehlt),
der Mantel ist schwarz mit grünem Schimmer, auf den mittleren
Flügeldecken befinden sich nur schwache Spuren von unterbroche-
nen bräunlich weissen Binden, die Bänder auf den Primarien sind
mehr braun als grau, die weissen Binden des Unterleibes meist
mit Ocher überlaufen *), die Oberschwanzdecken nicht schwärzlich
braun, sondern wie der Mantel schwarz mit grünem Schimmer,
ebenso ist der dunkle Theil der Schwanzfedern, die Grundfarbe
der marmorirten Schwanzbinden ist nicht weiss, sondern grau.
*) Mr. @urney (Ibis 1879, 86) erörtert ein im Edinburger Museum
befindliches Exemplar von Thrasaetus harpyia, welches bedeutende Bei-
mischung von Roth an verschiedenen Stellen des Gefieders zeigte,
Y
Ueber Morphnus taeniatus Gurney und M. gwanensis Daud. 263
Es scheint sonach das Wiener Exemplar älter und vollständiger |
ausgefärbt als das von Mr. Gurney beschriebene zu sein. |
Die Synonymie der neuen Art würde sich folgendermaassen
darstellen:
+ Morphnus taenvatus J. H. Gurney.
Morphnus guianensis ad. Pelzeln in Journ. f. Ornith.
1860, 337, Verhandl. zool. bot. Gesellsch. Wien 1862, 167
Hi (part) — Pr. Neuwied, Journ. f. Ornith. 1863, 1—3.
(juv.) — Pelzeln ebenda 121.
Morphnus taeniatus J. H. Gurney Ibis 1879, 173, t. 3. Hab.
Guyana fide Tucker Mus. Caes. Vindob. — Sarayacu in Ecuador
M. C. Buckley in Mus. Salvin et Godman.
Es scheint mir jedoch die Möglichkeit, ja sogar Wahrschein-
lichkeit vorhanden, dass M. taeniatus nur als der ganz alte und
vollkommen ausgefärbte M. quianensis zu betrachten sein dürfte,
Natterer beschreibt in seiner handschriftlichen Synopsis vier
Exemplare*) des Morphnus guianensis.
Von diesen hatte ein im Petersburger Museum aufbewahrtes,
von Langsdorf aus Brasilien gebrachtes Individuum Kopf, obere
Hälfte des Hinterhalses, Vorderhals und Oberbrust hellaschgrau,
auf dem Schnitt der Federn etwas dunkler, gegen das Ende doch
mit weisslichem Endsaume, vorderste Stirne, Wangen und Kehle
graulichweiss. Brust, Bauch und Wadenfedern weiss mit rostfarben
und auch dunkelbraunen Querwellen, innere Seite der Waden
und untere Schwanzdeckfedern weiss.
An einem zweiten Exemplare, Upsala, Mus. Westin. aus Bra-
silien, sind Kopf, Hals und Oberbrust dunkel bräunlichgrau, die
Kehle am weissesten, der übrige Unterleib ist weiss mit. weit ab-
stehenden rostbraunen, in der Mitte dunkelbraunen Quer-
strichen, die Streifen an den Waden sind aussen mehr dunkelbraun,
und auf der inneren Seite blassrostfarben, ebenso auf der Mitte
des Bauches sind sie mehr blassrostfarben und auf der Seite braun,
manchmal ist der Querstreif selbst in der Mitte dunkel und wird
nach den Seiten blassrostfarben. Die kleinen unteren Schwanz-
deckfedern ungefleckt weiss, sowie die unteren Flügeldeckfedern.
Die breiten Schopffedern im Nacken sind schwarz mit grauer
Endeinfassung und weisser Wurzel.
*) Ich habe aus diesen theilweise sehr ausführlichen Beschreibungen
nur jene Punkte hier aufgenommen, welche für die Vergleichung von M.
taeniatus mit M. guianensis von Gewicht erscheinen.
264 August von Pelzeln:
Ein zu Falaise in der Sammlung des Baron de Lafresnaye
untersuchtes altes Exemplar (in der Mauser) zeigte Kopf, Hals und
Oberbrust hellbräunlich aschgrau, Schopffedern schwarz mit weisser
Wurzel, die kleineren an der Spitze mit einem breiten weisslichen
Endsaum, die grösseren nur mit einem sehr schmalen Saum. Der
ganze übrige Unterleib reinweiss, mit schmalen, bräunlich ocher-
farbenen Querstreifen. Untere Flügeldeckfedern weiss, nur sehr
wenige mit sehr blassen Querstreifen. Das Schwarz des
Rückens zieht sich am Hinterhals herauf.
Ein anderer alter Vogel, in Falaise am selben Tage untersucht,
unterschied sich von dem vorigen durch fast gänzlichen Mangel
der Querstreifen am Unterleibe, blos auf den Waden war eine
schwache Spur davon und die Oberbrust war kaum merklich mit
grau sehr fein, wie mit kurzen haarfeinen Linien bespritzt. Rücken
und Schulterfedern dieses Vogels waren schwarz und ungefleckt.*)
Mr. R. Ridgway**) schildert folgende Exemplare des Mor-
phnus quianensis:
Alte Vögel:
I. Ueberwiegende Farbe bräunlich schwarz oberhalb gleich-
förmig, die unteren Theile allenthalben (everywhere) quer gebän-
dert mit weiss, die Bänder ungefähr 0,25 breit und ungefähr gleich
an Breite mit den schwarzen, Secundarien und Primarien mit un-
deutlichen breiten Binden von lichterem Bräunlichgrau (brownish
dusky), Schwanz schwarz mit ungefähr fünf Binden von fleckigem
Graulich (diese Binden werden allmälig gegen das Ende breiter)
und schmal weiss gespitzt. Obere Schwanzdecken weiss gespitzt
(N. 177. 81 in Nat. Mus. Truando, Neu Granada, Dr. Schott).
II. Im Allgemeinen ähnlich, oberer Kopf, Hals und Brust ein-
förmig bräunlich aschgrau, die Haubenfedern vor dem Ende schwarz,
unterhalb weiss mit mehr oder weniger ausgeprägten und ununter-
brochenen rothen Binden, besonders an den Tibien, dem Bauche und
crissum. Schwanz mit nur drei grauen Bändern (mit Ausschluss
der schmäleren terminalen), jene manchmal beinahe gleichbreit
mit den schwarzen.
*) Die beiden letzterwähnten Exemplare sind wohl dieselben, welche
Mr. R. Ridgway (in Proc. Boston Soe. 1873, 71) als von der Lafresnaye'-
schen Sammlung herrührend, anführt.
##*) Studies of the American Falconidae in Bulletin of the United
States Geological and Geographical Survey of the Territories, Vol. II
(1876) 162. 149,
N
ur
Ueber Morphnus taeniatus Gurney und M. guianensis Daud. 265
III. Aehnlich, aber das Weiss der unteren Theile ohne jede
Spur von Bändern.
Junger Vogel:
Kopf, Hals und untere Theile einförmig weiss, Flügeldecken
fein gesprenkelt mit licht aschgrau, und die ganze Oberseite sehr
gefleckt mit derselben Farbe. Schwanz mehr unregelmässig und
schmal gebändert, die schwarzen und aschgrauen Bänder ungefähr
gleich an Breite.
Aus diesen Schilderungen, sowie aus der vergleichenden Be-ı
schreibung zahlreicher Exemplare, welche ich im Journal für Orni-
thologie 1863 veröffentlicht habe, ergiebt sich, dass der Uebergang
vom Jugend- in das ausgefärbte Kleid bei Morphnus guianensis
öfter in ziemlich abweichender Weise vor sich geht, so dass eine
grosse Mannichfaltigkeit der Färbungen bei verschiedenen Indivi-
duen in verschiedenen Altersstufen sich darbietet. |
So finden sich an dem erwähnten Petersburger Exemplare
an der Unterseite rostfarbene und auch dunkelbraune Querwellen,
bei dem Vogel aus Upsala zeigt die Unterseite rostbraune, in der
Mitte dunkelbraune Querstriche; diese sind an den Waden aussen
mehr dunkelbraun und auf der inneren Seite blassrostfarben,
ebenso sind die Streifen auf der Mitte des Bauches mehr blass-
rostfarben und auf der Seite braun, manchmal ist der Querstreif
selbst in der Mitte dunkel und nach den Seiten blassrostfarben.
Von den durch Mr. Ridgway beschriebenen Individuen zeigt
I am Unterleibe bräunlich schwarze Binden von ungefähr gleicher
Breite mit den weissen, an II sind Kopf, Hals und Brust lichter,
die Unterseite hat rothe Binden, während das ebenfalls alte Ex.
III an den unteren Theilen keine Spur von Bändern aufweist.
Da nun der ganze Gang des Farbenwechsels bei M. guianensis
von Weiss in Dunkel gerichtet ist, da die Oberseite von Weiss
bis in Braunschwarz, ja Schwarz sich verändert, die ursprünglich
reinweisse Unterseite rostfarbene Binden erhält, welche, wenigstens
theilweise, dunkelbraun werden, so ist es wohl nicht ungerecht-
fertigt, zu vermuthen, dass die Binde der Unterseite beim sehr
alten Vogel ganz schwarz und breiter, sowie die Färbung des
Kopfes, Halses und der Oberbrust dunkler werden sollten, wie
dies bei M. taeniatus der Fall ist.
Was den allerdings sehr in die Augen fallenden Unterschied
betrifft, dass die unteren Flügel- und Schwanzdecken bei M. guia-
nensis einfarbig weiss, bei M, taeniatus dagegen weiss und schwarz
266 H. Goebel:
gebändert sind, so weist der Umstand, dass bei dem einen Exem-
plar aus der Sammlung Lafresnaye’s einige, allerdings sehr
wenige, Unterflügeldecken sehr blasse Querstreifen zeigen, darauf
hin, dass auch in dieser Richtung Uebergänge stattfinden dürften.
Mr. Ridgway erwähnt gar nicht, dass die Unterflügel und
Schwanzdecken rein weiss seien, sondern nennt bei Ex. I die un-
teren Theile allenthalben quergebändert, bei Ex. II bemerkt er
ausdrücklich, dass das crissum rothe Bänder besitze. Auch dieser
Charakter scheint daher nicht constant zu sein.
Unter diesen Umständen glaube ich, dass mit Grund der Ver-
muthung Raum gegeben werden könne, dass M. taeniatus, wie ihn
Mr. Gurney schildert und in offenbar noch älterem Kleide das
Wiener Exemplar zeigt, der ganz alte, vollkommen ausgefärbte
M. guianensis sein dürfte.
Ueber Vögel des Uman’schen Kreises.
(Nachtrag, s. Jahrg. 1873, S. 128.)
Von Forstmeister H. Goebel.
Meine Privatverhältnisse gestatteten es mir nicht, in den letzten
Jahren mich mit der Wissenschaft so viel zu beschäftigen, als mir
wünschenswerth gewesen wäre, daher kam ich nicht dazu, neue
Beiträge für’s Journal abzufassen. Da ich nun aber mehrfach ge-
sehen habe, dass viele meiner Publicationen in der einen oder
andern Arbeit angeführt wurden und man mich durch häufige
Citation beehrte, so will ich, um wenigstens meine Uman’schen
Vögel zum Abschluss zu bringen, noch nachstehende Zusätze
geben, welche auf von mir nach dem Jahre 1871 gemachte Beob-
achtungen basiren.
(31) Falco peregrinus ist aus der Liste der Brutvögel zu
streichen, dafür aber:
211. Falco Feldeggi zu setzen. — Die kleineren, dunklen,
an der Bauchseite durch die grobe Fleckung derselben, erschei-
nenden Falken, die ich nach oberflächlicher Untersuchung geschos-
sener Exemplare, an Feldeggi gar nicht denkend, für peregrenus
nahm, gehören entschieden ersterer Art an. In den Brutverhält-
nissen, sowie in der Zeit seiner Ankunft, stimmt er vollständig
mit F. lanarius überein. — Die Farbe der Eier ist ein gesättigtes
dunkles Rothgelb oder Hellgelb. Die Form der Eier entweder
Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. 267
sehr gestreckt, oder sehr kuglich. — Die Schale ist glatt und meist
etwas glänzend. Das Maass von 26 Eiern ist:
Länge Dsch. 52 Max. 56 Min. 49 Mm.
Bee el Pete re
Gewicht Dsch. 1 Drachme, Max. 1 Dr. 7 Gran, Min. 50 Gr.
(30) Falco lanarius. Das Maass und Gewicht von 150 Stück ist:
Länge Dsch. 53,, Max. 59,, Min. 48,, Mm.
Bree. 4, AD 198,50,
Gewicht Dsch. 1 Dr. 14?/, Gr., Max. 1 Dr. 32 Gr., Min. 1 Dr. 2 Gr.
(36) Erythropus vespertinus. 1875 fand ich auf ein und dem-
selben Baume 2 Horste der Saatkrähe von diesen Falken belegt,
das eine Gelege & 3 Stück zeichnete sich durch ungemeine Klein-
heit aus: 33/25,,, 32/26, 32/25,; — hei 16, 15, 17 Gran Gewicht.
212. Buteo tachardus ist Brutvogel des Gebietes. Ueber die
Zugverhältnisse kann ich nichts sagen, habe jedoch in demselben
Walde Anfang Mai 1872, 73, 74, 75 je ein Gelege von 2—3 Stück
ausgehoben und einmal am Horste den Vogel geschossen. — Die
10 Eier zeigen folgendes Maass:
Länge Dsch. 51, Max. 53 Min. 50 Mm.
Brei nAln Al. rhn AQLE Ne
Gewicht Dsch. 1 Dr. 6 Gr., Max. 1 Dr. 12 Gr., Min. 59 Gr.
213. Pernis apivorus ist Brutvogel, den ich aber nur einmal
am Horste beobachtete. Es stand auf einer Eiche 30° hoch in der
Gabel, war 350 Mm. breit und 250 Mm. hoch, aus Reisig gebaut
und mit grünem Laub gefüttert. — Der Vogel war sehr scheu,
liess sich kaum sehen. Es enthielt am 26. Mai 1874 1 frisches
Ei, das 48,, Mm. lang, 40 Mm. breit war und 55 Gran wog.
(206) Oircaetus gallicus. Brütet gestört regelmässig zum
zweiten Male in demselben Horste. — Die 7 mir vorliegenden
Eier zeigen:
Länge Dsch. 74 Max. 738 Min. 71,, Mm.
Breite \ 1108.20 01100 215 ö
Gewicht Dsch. 2 Dr. 56 Gr., Max. 3 Dr. 11 Gr. Min. 2 Dr. 40 Gr.
214. Aguila orientalis ist Brutvogel, von dem ich schon 1871
ein Ei erhalten, es aber für ein fleckenloses naevia-Ei gehalten
hatte. — An demselben Tage und in demselben Walde, in dem
ich den Pernis brütend fand, entdeckte ich auch den Horst der
A. orientalis. Er stand in einem 40jährigen Hainbuchenbestand
auf einer starken Eiche, war 40° hoch angelegt in der Gabel, hatte
einen Durchmesser von 900 Mm., eine Höhe von 500, enthielt
268 H. Goebel:
am 26. Mai 1874 2 bebrütete, am 8. Mai 1875 entnahm ich dem-
selben Horste 1 frisches Ei. — Die Farbe aller 3 ist rein weiss,
ohne Flecken. — Der Vogel ist viel scheuer als naevia und stob
in beiden Fällen ab, als ich dem Horstbaume mich näherte. —
Das Maass von den 3 Eiern, nebst dem 4. frischen gefundenen, ist
Länge Dsch. 68 Max. 70 Min. 67 Mm.
breite WB TE EB I br
Gewicht Dsch. 1 Dr. 26 Gr., Max. 1 Dr. 55Gr., Min. 1 Dr. 12 Gr.
215. Agwila Bonelli habe ich am 4. März 1873 auf der Hasen-
jagd am Rande eines Waldes gesehen. Er flog, wohl vom Lärm
der Treiber aufgescheucht, dicht über mich hin. Der lange Schwanz,
die weissliche Unterseite des Körpers und Schwanzes, die leuch-
tenden Schulterflecken liessen keine Täuschung zu, wenn ich auch,
ganz verblüfft über die Erscheinung, ihn herunterzuschiessen
unterliess. —
216. Strix flammea brütet in einem Paare in einem undichten
Eichenwalde in Baumhöhlen. 2 Mal fand ich den Horst am 11.
Mai 1872 mit 8 hoch bebrüteten, am 6. Mai 1873 mit 6 frischen
bis '/, bebrüteten Eiern. — Das Maass von 13 Eiern ist:
Länge Dsch. 38,, Max. 41, Min. 36,, Mm.
Breite „ 30,5 „ 30,5 „ 30 „
Gewicht, "95 Gr. 7,1971, Gr. Basen
(23) Coraz nobilis. 2 Mal fand ich Gelege von 7 Stück am 19.
März 1873 und 14. März 1874. Die Grösse der Eier ist die normale.
(12) Cynchramus schoeniclus ist wohl nicht Brutvogel, es ist
229. Cynchramus pyrrhuloides, ersterer ist nur Durchzugvogel.
(198) Melanocorypha calandra ist Brutvogel, am 22. Juni 1874
fand ich ein Nest mit 4 Jungen an der Cherson’schen Grenze.
217. Calandrella brachydactyla ist Brutvogel, ich erhielt ein
Gelege von 5 Eiern 1876 von dorther zugeschickt. — Sie haben
ein Maass von:
Länge Dsch. 18,, Max. 19,, Min. 18,, Mm.
Breite ” 15 ”» 15,5 ” 14,; ”»
(77) Pratincola rubicola. Von diesem Vogel erhielt ich 1876
2 Gelege geschickt, die am 27. Mai und 4. Juni gefunden wurden,
unter Nesselgestrüpp, gut versteckt. — Sie enthielten je 5 Eier.
Das Maass derselben ist:
Länge Max. 18 Min. 16 Dsch. 17,, Mm.
Brege w, N 14 ehe ©) En.
Gewicht „ 1, Gr. „1% ar. TS
Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. 259
(99) Calamodyta phragmitis. 3 Gelege dieses Vogels & 5,5, 6
Eiern wurde in der ersten Woche Juni gefunden und zeigten fol-
gendes Maass:
Länge Dsch. 18,; Max. 19 Min. 18 Mm.
Breite 14 „ 14; welaraa
Gewicht , Lola Om. 2, ENGER. a HG
218. Boarula sulphurea. Der 26. Mai 1874 brachte mir die
Entdeckung auch der Gebirgsstelze, die ich unterhalb einer Mühle,
am Mühlenbache beobachtete, und die sich heimisch zu fühlen
schien, Sonst nie mehr gesehen.
(110) Parus coeruleus stellt ihr Nest in den Höhlungen von
Weiden oder Obstbäumen auf. Die höchste Eierzahl, die ich fand,
war 10 Stück. — Das Maass von 23 Eiern ist:
Länge Dsch. 15,, Max. 16 Min. 14 Mm.
Breite 9 ler: EN ENE
Gewicht „, Ina ed Gr en SG
219. Aegithalus pendulinus. Von diesem Vogel fand ich 1874
und 1875 sehr viele Brut- und Vergnügungsnester, an den Zweigen
von Weiden hängend, die am Ufer der Sümpfe und Seen standen.
— Der Vogel annoncirt sein Nest durch einen durchdringenden,
feinen Pfifi, sobald man in der Nähe ist. — Die Vergnügungs-
nester werden bis in den Herbst hin annoneirt, also auch bewohnt,
während die Brutnester nach Ausfliegen der Jungen verlassen
werden. — Alle sind sie aus Pflanzenwolle, den Kolben der
Sumpfgewächse entnommen, erbaut und mit Hanffasern an den
Zweigen befestigt. Sie hängen frei über dem Wasser oder Rohre,
selten nur zwischen dieses herab. — Einmal nur fand ich ein Nest
an einer Schwarzeller, dasselbe war mit schwarzer Schaiwolle, an-
statt des Hanfes umsponnen und befestigt. — Das Maass einiger
Nester ist folgendes:
Brutnest:
a. Höhe 140, Br. —+ Röhre 125, a. d. Queraxe 90, Durchm. d. Röhre 40.
b. ” 133, ”) ” „ 120, „» » 29 70, ED] PR] 2) 45.
c. ” 155, HR 290 ” 150, 9) ” I0, P2) ” ” 40.
Vergnügungsnest:
a. Höhe 148, Breite vom untern Rande einer Oefinung zum
untern Rande der andern 73 und 100. Diameter der Oefinungen
68 und 65 Mm.
b. Höhe 146, Breite 65 und 83, Diameter der Oeffnungen 85
und 80 Mm.
| 3
270 H. Goebel: |
Brutzeit von der ersten bis in die dritte Woche Juni. —
Normaleierzahl 7, doch auch einmal 10 und einmal 8 Stück
im Neste gefunden. — Die Eierfarbe weiss.
Das Maass von 76 Eiern ist:
Länge Dsch. 15,,; Max. 17 Min. 15 Mm.
Breite „ 10,; „„ 1 1 „ 10 ”„
Gewicht „ 1Gr. „it Plio-AT: 1. 00 ea
(122) Cuculus canorus. Die Eier dieses Vogels fand ich bei
folgenden Arten:
a. bei3 Cal. arundinacea Länge 24, Breite 17, Gew.4!/, Gr. 22. Juni.
b. ,„ 5 Lanius collurio 22 ee A:
„ DiRutie. phoenicura 5,23, „u 1,00, DATE
„ 1 Cal. palustris 3 0 24s 1925116554, BE
„» 3 Cal. arundinaceea „24 „ 17, 2. Aue
„ 5 Sylvia nisoria „2, „2 1,00 Al
. » 5 Lanius collurio 2 re —
„ 2 Rutie. phoenieuvra „ 22, „ 165» 348, 13.Juni.
„4 Rutie. phoenicura „22, 5 165 ,. 3% 5 az
. „ 3 Motacilla alba rd) ar Are —
Ausserdem noch 2 Eier erhalten, ohne Gelege, die wohl eben-
falls dem Cuc. canorus angehören, sie haben:
Länge 24 Breite 13 Mm. Gewicht 4!/, Gr.
” 25 „ 18 „ „ 41, ”
Färbung hellblau mit verloschenen violetten Schalenfleckchen.
Das beste Kennzeichen der CucwWus-Eier ist meiner Ansicht
nach ihr, trotz verschiedener Grösse, meist gleichbleibendes Gewicht,
abgesehen vom Korn und der Form, die sie leicht von Riesen-
und Doppel-Eiern unterscheidet. Ich führe ein Paar Doppel-Eier
anderer Vogelarten an, um zu zeigen, dass dieselben trotz ihrer
Grösse das Durchschnittsgewicht kaum überschreiten, wie ja auclı
natürlich, da der Eileiter nur die normale Kalkmasse produeirt,
ob sie nun sich um 1 oder 2 sich zu gleicher Zeit lösende Dotter
schliesst:
a. Lanius collurio Länge 25, Breite 15,,, Gewicht 31, Gr.
” 24,5, ” 16, ” 3 ”
Kureempn.e
” „
b. Anthus arboreus PFRUR ..): PORTO RR N; 3° Rau 90°
c. Erythrosterna parva „ 2ly, „ 13 :
d. Anthus arboreus u: BER a
Das Durchschnitts-Normalgewicht beträgt bei a 3, bei b 21),
bei c 1!/,, bei d 21/, Gran,
Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. il
Die Färbung der oben angeführten ist: a und e ähnlich dunklen,
gefleckten, doch ungeschnörkelten Embderiza miliaria-Eiern, b sehr
dunkel rostgelb mit schwarzbraunen und grauen Flecken, c dunkel-
blaugrün, viel dunkler als die Nesteier, fleckenlos, d. wie ©. palustris,
nur sehr hell, f wie dunkelgewölkte nisorea, aber mit schwachen
einzelstehenden Brandflecken, g in Holz’s Besitz, Färbung unbe-
kannt, h und i viel heller als Nesteier, ganz schwach grau gefleckt,
k wie helle Mot. alba, doch mit runden schwarzen Brandflecken
bezeichnet und einigen rothgrauen. —
220. Syrrhaptes paradozxus ist, wie mir glaubwürdige Leute
versicherten, 1863 und 1864 im Uman’schen Kreise vorgekommen.
221. Tetrao tetrix. Soll erst vor 25 Jahren ausgerottet sein,
da alte Jäger mir versicherten, ihn geschossen zu haben, als grosse
Seltenheit freilich.
222. Aegialites cantiana sah ich am 6. October in Gesellschaft
eines Totanus glottis, und schoss ich mehrere Stück. Sie waren
gar nicht scheu und hielten sich am schlammigen Ufer eines Tei-
ches auf.
223. Aegialites hiaticula. Sah ich im April an steinigen Fluss-
ufern einige Mal.
(156) Ardea purpurea brütet auf ganz niederem Weidengestrüpp
im Rohrsumpfe. Die Horste waren eine rohe Anhäufung von 1
bis 2‘ langen Rohrstücken und befanden sich in geringem Umkreise
etwa 40 Horste, von denen aber am 10. Juni nur einer mit 2, am
22. 6 mit 2-4 frischen und bebrüteten Eiern belegt waren. Die
Vögel flogen erst auf, als wir kaum 100 Schritt von der Kolonie
entfernt waren, und umschwärmten uns laut rufend.
Das Maass von 12 Eiern ist:
Länge Dsch. 56,, Max. 60 Min. 52 Mm.
Breite ur Al „42 A,
Gewicht
224. Buphus comatus ist Brutvogel, den ich ziemlich häufig
1874, doch nur in einigen Exemplaren am Sokolow-Sumpfe Anfang
Juni sah. Die Vögel flogen aus dem hohen Schilfgrase auf, zogen
aufgescheucht mit matten Flügelschlägen dicht über dem Boden
hin und fielen bald wieder ein. — 1873 wurde einer geschossen.
— Auch auf dem Zebermanowka-See beobachtete ich die Vögel,
hart am Wasser, durch’s Rohr gedeckt, auf den schwimmenden In-
seln, stehend.
(167) Ortygometra pusilla brüten an sehr nassen, schlam-
273 H. Goebel:
migen Stellen im hohen Grase, wie bei porzana sind die Halme
oben als Decke zusammengezogen. — Das Nest ist aus trocknen
Binsen erbaut und hat einen Durchmesser von 100 Mm. Am 30.
Mai 1873 enthielt es 3 frische Eier, die folgendes Maass zeigen:
Länge Dschn. 31,, Max. 32 Min. 30,, Mm.
Breite „ 21,8 ” 22 „ 21,; ”
Gewicht _ ,„ s1,'Gr. 79a RER
(169) Fulica atra, das Maass von 14 Eiern ist:
Länge Dschn. 52,, Max. 54,, Min. 47 Mm.
Breite „ 36,5 „ 39,5 )) 35 „
Gewicht ,,: 508%, Gr. „ ©: 1 Dr.26r 7 Bere
(171) Anser cinereus brütet Mitte April auf den grossen über-
schwemmten Rohrsümpfen. Sie legt ihr Nest immer auf den, nach
der Winterabfuhr noch gebliebenen Rohr- und Heuhaufen an, die
im Frühfrühlinge allein aus den Gewässern hervorragen. — 5 Eier
zeigen folgendes Maass:
Länge Dschn. 89,, Max. 91 Min. 86 Mm.
Breite „ 08 „* 60135
Gewicht : ‚;.: '5Dr.36Gr. ‚, 5PDr.52Gr.', "NbiDrszsee
225. Vulpanser tadorna sah ich in einer Schaar am 19. März
1873.
(174) Anas querquedula, das Maass von 11 Eiern ist folgendes:
Länge Dschn. 43,, Max. 47 Min. 41 Mm.
Breite srtaäl;z HN 88 5. BO
Gewicht BRETT „27 oe
(175) Anas strepera, das Maass von 12 Eiern ist folgendes:
Länge Dschn. 53,, Max. 56 Min. 51,, Mm.
Breite „I „88; » du»
Gewicht“ 5.171482, Gr. 52.602,40
226. Fuligula cristata, 2 Mal beobachtet, Anfang April und
Anfang November.
(181) Aethyia nyroca, Maass von 20 Eiern:
Länge Dschn. 51, Max. 54 Min. 49 Mm.
Breite Mine) 1,0 , NORM
Gewicht ,, ' LDr, 262.4, 5/1Dr. 4Gr, 1, Teaser
227. Pelecanus spec. Am 4. April 6 Stück gesehen auf dem
Sokolow-See.
228. Colymbus arctieus. Im November 1875 wurde einer von
Fischern gefangen und einige Tage in einem Bauer lebend ge-
halten.
“
E\.
Ueber Vögel des Uman’schen Kreises. 273
Carbo cormoranus ist wohl Brutvogel, da ich 1874 und 1875
viele im Sommer am Sokolow-See sah, sich heimisch fühlend.
Als neu kämen hinzu:
Zu den brütenden Zugvögeln: Agusla minuta, die ich als Art
betrachte, Falco Feldeggi, Buteo tachardus, Aqukla orientalis, Pernis
apivorus, Cynchramus pyrrhuloides, Calandrella brachydactyla, Boa-
rula sulphurea (?), Buphus comatus, Carbo cormoranus (?).
Zu den Durchzugvögeln: Colymbus arcticus, Pelecanus spec.,
Fuligula cristata, Vulpanser tadorna, Aegialites cantianus, A. hia-
ticula, Syrhaptes paradoxus, Agula Bonelli.
Zu den Standvögeln: Tetrao tetrıx (ausgerottet), Strix flammea.
Aus der Rubrik b., brütende Zugvögel, ist in die Rubrik c.,
durchreisende, zu versetzen: Falco peregrinus, Cynchramus schoe-
niclus.
Aus der Rubrik c., durchreisende, in die Rubrik b., brütende
Zugvögel, Melanocorypha calandra.
Buteo vulgaris ist als Zugvogel richtiger anzusehen, denn als
Standvogel.
Beobachtet ist also das Vorkommen von 230 Arten, davon sind:
2slandvözelin.. var. 2042 8,
b. Brütende Zugvögel . . . 127 = 5511, %
c. Durchreisende und Irrgäste 49 = 21'/, %
do Wintergäste u. ns en, ni bl 15
230 Arten.
Wie man aus diesen Ziffern ersehen kann, ist also der Uman’-
sche Kreis, mit rein continentalem Klima, fern dem Meere liegend,
reich an Brutvögeln, arm an durchziehenden, denn unter den 49
angeführten Arten sind viele blos zufällig vorkommende (14) und
nur 35 mehr oder weniger regelmässig durchreisende. — Diese
Armuth erklärt sich leicht dadurch, dass Uman weit ab von einer
grossen Heerstrasse liegt, der Dnjeper ist 150 Werst entfernt.
Zugleich will ich hier auch noch das von meinem lieben Freunde
Holz im Ornithologischen Centralblatt 1877, pag. 76 und 77, 81
und 82 angegebene Verhältniss der Vögel Pommerns zu denen
Umans berichtigen, da nach meinen späteren, oben publicirten Beob-
achtungen das Verhältniss ein anderes ist, als Holz, gestützt auf
seine und meine älteren Beobachtungen, im Centralblatt angab.
Darnach erweist sich: dass von den Raubvögeln ausschliesslich
dem Pommer’schen Gebiet als Brutvögel nur Falco peregrinus,
Pandion haliaetus angehören, sowie Oius drachyotus, dass dem
Cab. £. Journ. Ornith. XXVII, Jahrg. No, 147. Juli 1879, 18
274 H. Goebel: Ueber Vögel des Uman’schen Kreises.
Uman’schen speciell Ag. «mperialis, pennata, minuta, orientalis,
Buteo tachardus, Falco lanarius, Feldeggi, cenchris, vespertinus,
Scops zorca angehören, die übrigen alle. gemeinsam sind.
Von Sperlingsvögeln finden sich in Pommern ausschliesslich:
Parus cristatus, ater, Oypselus apus, Lanius ruficeps, Cynehramus
schoeniclus, Turdus pilaris, Cinclus aquaticus, Rutieilla tithys,
Phyllopneuste trochilus, Curruca garrula, Pyrrhula vulgaris, Frin-
gila spinus, Picus martius, minor. Im Uman’schen: Parus pen-
dulinus, Muscie. |albicollis, Saxic. rubicola, Sylvia melanocephala,
Alauda calandra, brachydactyla, Emberiza cirlus, Cynehramus
pyrrhuloides, Boarula sulphurea, Merops apiaster, Picus canus,
Locustella luseinioides, Luscinia major.
Von den Watern gehören Pommern ee an: Oedi-
cnemus, Tot. calidris, Aegialites hiatieula, cantianus, Haem. ostrea-
legus, Strepsilas, Scolopax rusticola, Machetes pugnax (ist aber
auch vielleicht in Uman seltener. Brutvogel), Pelidna alpina, Num.
arcuatus, Charadrius pluvialis, Recurvirostra, Ciconia nigra, Uman
dagegen: Grus virgo, Ardea purpurea, egretta, garzetta, nycticoraz,
comata, Tot. stagnatiis, Limosa melanura, Glareola pratincola.
Von den Schwimmvögeln gehören Pommern: Sterna minuta
(die im Sommer in Uman vorkommenden, will ich gerne, Holz’s
Ansicht theilend, für nieht brutfähige Exemplare halten), $%. ma-
croura, Larus argentatus, fuscus, canus, Mergus merganser, serrator,
Colymbus arcticus, Cygnus olor, Anas tadorna, celypeata, acuta,
crecca, clangula. Uman gehören an: Hydrochelidon leucoptera,
leucopareja, Anas nyroca. —
Es gehören also ausser den, beiden Gebieten gemeinsamen
NRENT,
Vogelarten, aussehliesslich an:
Raubvögel Uman 10, Pommern 3.
Sperlingsvögel „re H 14.
Scharrer y 1; " 2.
Water R: 9, 4 13.
Schwimmvögel PHERIBES? u 14.
36 46
Abgesehen nun von den Schwimmvögeln, die natürlich über-
wiegen müssen, weil Uman das Meer fehlt, erweist sich kein Pro-
centsatz zu Gunsten Pommerns. — Nehmen wir nun noch in An-
schlag die vielfach den Uman’schen Kreis überwiegende Grösse
Pommerns, so dürfte man Uman für gar nicht so artenarm zu
halten brauchen. — Wenn auch die Wälder klein, theilweise, oder
Dr. 6. A. Fischer: Briefl. Reiseber. aus Ost-Afrika. IV. 275
vielmehr durchgängig der Privatbesitz vollständig ruinirt ist, so
hat das keinen Einfluss auf die kleinen Singvögel, da die Wälder
hauptsächlich aus Hainbuchen bestehen, welche starken Wurzel-
-ausschlag geben, der sofort den Schlag überzieht. — Freund Holz
erinnert sich doch der vollständigen Raubvögel-Kolonien, Horst
steht ganz nahe vom Horste, die Vögel drängen sich eben mehr
zusammen, sie begnügen sich mit kleinen Revieren, wenn sie nur
Futter genug finden, und daran ist ja gerade die Uman’sche Ge-
gend so sehr reich. —
'In den 2!/, Jahren, die ich jetzt hier in Petersburg und im
Nowgorodschen, meist im Waldai, zugebracht habe, hatte ich
wenig Musse zu Beobachtungen und zu wissenschaftlichen Beschäf-
tigungen, ausser Beobachtungen über die Zugverhältnisse habe ich
kaum etwas von Interesse zu verzeichnen Gelegenheit gehabt.
Das Interessanteste, was ich beobachtete, war das Erscheinen eines
Paares Cypselus apus am 15. October. Sie umkreisten einen Thurm
auf Wassily Ostrow hier in Petersburg, nachdem die Thurmsegler
schon in den ersten Tagen des September alle fortgezogen waren.
Briefliche Reiseberichte aus @st-Afrika. IV.
Von E
Dr. 6. A. Fischer,
An Dr. Reichenow. Sansibar im Mai 1879.
Bei der im Mai vorigen Jahres unternommenen Reise in das
Wapokomoland berührte ich zunächst wieder das schon im Jahre
1877 kennen gelernte Küstengebiet Malindi-Kipini; doch war die
Jahreszeit diesmal noch nicht soweit vorgerückt, wie bei meinem
ersten Aufenthalte dort, indem die Regenzeit eben begonnen hatte.
Diesem Umstande ist es zum Theil zuzuschreiben, dass ich in
diesem Terrain mit einer Anzahl Arten bekannt geworden bin,
die ich früher daselbst nicht bemerkt hatte, weil sie nicht mehr
durch ihren Gesang ihren versteckten Aufenthaltsort verriethen.
Von Tagraubvögeln traf ich in dem Küstengebiete dieselben
Arten, die ich auf der ersten Reise schon kennen gelernt. Be-
richtigend muss ich hervorheben, dass es in meinem Berichte
Journal für Ornithologie No. 143 p. 271 statt „Vultur fulvus“
heissen muss: „Neophron pileatus“. Vultur fulvus traf ich auf
der ersten Reise nur einmal bei Takanugu, ein einzelnes Exemplar
in einer Mangrove-Waldung. Neophron pileatus traf ich im vorigen
18*
276 Dr. G. A. Fischer:
Jahre in grosser Anzahl in einem südlich von der Tana-Mündung
zwischen dieser und der Ortschaft Mambrui gelegenen Terrain, das
zahlreichen Antilopen und Zebra zum Aufenthalt diente. Hier
sah ich die Vögel zu 50—100 Stück in den höchsten Lüften
kreisend nach Beute spähen oder in geringer Höhe schwebend die
Stellen bezeichnen, wo in der letzten Nacht ein Löwe seine Mahl-
zeit gehalten. Am 15/6. wurde mir in Malindi ein Junges von
Spizaötus occipitalis gebracht von 21 cm. Länge. Das Nest hatte
angeblich in einem belaubten hohen Baume gestanden und nur das
eine Junge enthalten. Dasselbe war braunschwarz, zum Theil noch
mit weissem Pflaum bedeckt. Die ca. 5 em. langen Schwingen
zeigten an der Innenfahne ein weisses Band, die Schwanzfedern
trugen einen schmalen gelbbraunen Spitzenrand. Die Iris war
braun, Wachshaut und Beine blassgelb. Bei Kipini erlegte ich
Bubo lacteus (No. 270), der in einer alten Mimose ruhte. Das
erste Mal, als ich ihn hier traf, strich er sofort bei der Annähe-
rung in ein nahe gelegenes dichtes Kleinholz. Das zweite Mal
war er nicht so furchtsam, sondern sah neugierig mit gesenktem
Kopfe herab. In seinem Magen fand ich ein Eichhörnchen (Balg
S. 6), welche Art allenthalben an der Küste häufig ist. Nachts
streicht diese Eule auch über die Ortschaften, um auf den Dächern
schlafende Hühner oder über dieselben weglaufende Ratten weg-
zufangen. Die Bein- und Flügelknochen dieses Vogels sind sehr
gesucht; man hängt Stücke derselben kleinen Kindern um den
Hals, damit die Eule keine Macht über diese habe; denn man
sagt, wenn die Kinder Nachts viel schreien, so komme die Eule
auf’s Dach geflogen und ahme das Geschrei jener nach, in Folge
dessen die Kinder verstummten, aber von dem Augenblicke zu
kränkeln anfıngen. Ferner geht die Fabel: wenn man sich den _
Augenringknorpel an den kleinen Finger der rechten Hand stecke,
so erlange man keinen Schlaf, wenn an den der linken Hand, so
schlafe man drei Tage hindurch. Die Art wurde von den Suaheli
Jundujundu genannt.
Von Laniiden fand ich zwei bisher noch nicht erlegte Arten:
Chlorophoneus quadricolor und Rhynchastatus funebris. Ersterer
machte sich durch seine laute Flötenstimme im Mai bei Malindi
sehr bemerkbar, doch bildete er unter den Vertretern der Gattung
Laniarius die seltenste Art. Sein Gesang theilt sich durch eine
kurze Pause in zwei Theile, der erste besteht aus einem, der
zweite aus vier Tönen; der Rhythmus ist: —, vu —; das 2 nimmt
Briefliche Reisebgrichte aus Ost-Afrika. IV. 277
am Gesange nicht Theil. Seinen Aufenthaltsort bilden dichte Dorn-
‚und Akaziengebüsche, man trifft ihn in diesen täglich an bestimmter
Localität, die er nicht verlässt. Seine volle Stimme scheint er
nur während einer kurzen Periode des Brutgeschäftes hören zu
lassen. Denn bei meinem ersten Aufenthalte in Malindi im Sep-
tember wurde dieselbe nicht vernommen und während des vor-
jährigen Aufenthaltes zu Kipini im Juli vernahm man den Ge-
sang der Art nur sehr selten und sehr unvollkommen. Später war
er gänzlich verstummt, obwohl er auch im Wapokomolande längs
des Flusses zu Hause ist. Der bei Kipini erbeutete Dryoscopus
funebris unterscheidet sich durch seine Stimme sehr gut von
lugubris; sie klingt wie twiü twiü; von dem $ habe ich nur ein
krächzendes trr vernommen. Er bewohnt ebenfalls ganz bestimmte
Localitäten, an denen er immer anzutreffen ist; er ist sehr scheu
und verlässt das Dickicht nur äussert selte.. Von Dryoscopus
leucopsts erhielt ich am 30/5. und 9/6. zu Malindi eben flügge
Junge, die in derselben Weise wie die Alten gefärbt waren; ihre
Stimme war ein flötendes „tüe“. Nach Angabe der Eingebornen
nistet die Art in geringer Höhe in dichten Sträuchern und legt
2 Eier. Dryoscopus No. 203 u. 280, der, soviel ich mich erinnere,
mit Dryoscopus sublacteus in der Färbung übereinstimmt, hat, wie
ich mich ferner wiederholt überzeugt habe, eine wesentlich ver-
schiedene Stimme.
Bradyornis pallida wurde überall vereinzelt angetroffen; ein
jüngeres & erlegte ich bei Mambrui; auf einem Akazienstrauche
sitzend spähte es nach Insekten, die es aus der Luft fing; ein noch
jüngeres Thier (No. 286) erbeutete ich bei Kau, welches in Ge-
meinschaft mit den Alten Insekten jagte. Die Färbung des Jugend-
kleids zeigt gut die Stammverwandtschaft mit Muscicapa grisola.
Terpsiphone Ferreti ist' eine häufige Erscheinung im Küstengebiete.
. Auf Sansibar habe ich die Art im weissen Kleide nie bemerkt,
obwohl ich sie während der Fortpflanzungszeit (April und Mai)
dort wiederholt beobachten konnte, und zwar trugen die ZZ die
verlängerten Schwanzfedern, zum Theil waren letztere noch in der
Verlängerung begriffen. Da aber die langen mittleren Schwanz-
federn nur während der Fortpflanzungszeit getragen werden, so
müssen demnach die 4& im braunen Kleide schon fortpflanzungs
fähig sein, und das weisse Kleid muss erst im späteren Alter an-
gelegt werden. Bei Malindi erlegte ich am 11/6. eine Terpsiphone-
Art im weissen Kleide, die sich in starker Mauser befand; sie
278 Dr. G.74, Fischer:
stimmte mit der in Hartl. und Finsch beschriebenen melanogastra
überein, doch trugen die grossen Schwingen und Deckfedern einen
schmalen weissen Saum an der Aussenfahne. Die wenigen Hauben-
federn waren ganz zerschlissen; der Hals war fast kahl, die
Schwanzfedern sprossten zum Theil neu hervor, die mittleren waren
noch wenig verlängert, die alten kurzen waren sehr zerschlissen,
der schwarze Saum theilweise abgenutzt; von einer braunen Fär-
bung keine Spur. Dieser Befund scheint nur dafür zu sprechen,
dass das weisse Kleid, wenn es einmal angelegt ist, für das ganze
spätere Leben beibehalten wird, dass es also nicht eigentlich ein
Hochzeitskleid ist. Das Dunkel des Waldes verlassen diese Vögel
nur selten; sie halten sich meist in nicht grosser Höhe über dem
Erdboden auf, selten kommen sie auf denselben herab; in steter
Bewegung erhaschen sie flatternden Fluges Insekten im Innern
der Bäume; das Knacken der Schnäbel ist häufig hörbar; der Ge-
sang ist leise und kurz, aber nicht unschön. Man trifft diese Vögel
meist einzeln an. Bei Kipini beobachtete ich einigemale Campephaga
nigra; es waren immer Weibchen, die sich einzeln geräuschlos am
Rande eines Waldes umhertrieben und theils Insekten aus der
Luft fingen, wobei sie aber nicht grosse Fluggewandtheit zeigten,
theils von den Blättern Raupen etc. ablasen. Auch Zosterops ist
in dem Küstengebiete vertreten; bei Kipini und Kau sah ich
Z. tenella nicht selten zu 2—4 Stück in Hochbäumen Insekten
nach Meisenart von den Zweigen und Blättern absuchen. Criniger
strepitans (No. 191 und 192) findet man im dichten Gebüsch immer
in Gesellschaft von 4—8—12 Stück, nähert man sich, so erhebt
derselbe ein krächzendes Geschrei.
Ausser der an der Küste überall häufigen Cossypha Heuglini
erlangte ich noch C. natalensis (No. 193) und Thamnobia quadri-
virgata (No. 263); die erstere war allenthalben auf der Strecke
Malindi-Kipini in dichten Akazien- und Dorngebüschen anzutreffen,
wo sie sich meist nahe dem Erdboden aufhält, auf dem sie häufig
in dürrem Laube Futter suchend gesehen wird. Ihre Stimme ist
wenig auflallend. Die andere Art beobachtete ich nur bei Kipini,
wo sie ein dichtes mit vielen Dornen durchwachsenes Kleinholz
bewohnte, das sie nicht verliess. In ihrer Lebensweise gleicht sie
der vorigen Art, mit der sie gemeinschaftlich dasselbe Terrain be-
wohnte, jedoch an Zahl sehr hinter jener zurückstand. In dem-
selben Terrain traf ich auch eine schöne Drosselart, 7. guttatus
No. 265 und 266), die einen eigenthümlichen wundervollen Gesang
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 279
besass, den sie jedoch nur selten hören liess; bei Mambrui ver-
nahm ich denselben ebenfalls, kannte aber damals den Urheber
noch nicht. Auch diese Art verliess den Wald nicht; paarweise
trieb sie sich häufig auf dem Erdboden umher und hielt sich be-
sonders gern in der Nähe von Ameisennestern auf. . Die Vögel
waren sehr scheu und man musste, um sie zum Schusse zu
bekommen, ruhig im Versteck sitzend abwarten, bis sie sich
näherten. Ein nicht weniger vorzüglicher Sänger, Cichladusa gut-
tata, ist bei Malindi keine Seltenheit; sie hielt sich hier in dem-
selben Terrain mit Cossypha (193) auf, in der Nähe des Erdbodens,
und zeigte sich sehr wenig scheu. Auch bei Kipini und Kau hörte
man des Morgens und Abends ihre herrliche Stimme in der Nähe
der Ortschaft. TZurdus tephronotus bemerkte ich nur einmal am
17/7. bei Kipini; das erlegte Thier war in der Mauser, Hals und
Brust theilweise fast ganz nackt.
Anthus Raalieni war auf den weiten mit Sesam bestellten
Feldern bei Mambrui eine häufige Erscheinung; auch bei Kipini
und Kau wurde er bemerkt.
Unter den Cisticolinen ist die gemeinste Art in dem besuchten
Küstenstriche Ciszicola haematocephala (No. 177). Eier derselben
erhielt ich im Juni bei Malindi; das Nest ist zwischen Grashalmen
in ähnlicher Weise wie das von Cisticola cursitans angelegt. Cisti-
cola tenella (No. 259) bewohnte bei Kipini ein unmittelbar bei der
Ortschaft gelegenes mit kleinen Mimosenbüschen, Ricinus und
kurzem Grase bestandenes Terrain. Sylviella leucopsis (No. 174)
- traf ich einige Male bei Malindi und Kipini; sie hält sich paar-
weise in niedrigen Bäumen und Schlinggewächsen auf, in denen
sie Insekten sucht. Das & lässt, wenn man sich nähert, in Einem
fort sein „tritri“ hören. Von Aäirundo Monteiri hielten sich im
Mai und Juni bei Malindi etwa 10 Paare auf, die sich von Zeit zu
Zeit auf den Spitzen mächtiger Adansonien ausruhten. Den 11/6.
sah ich ein Pärchen, das auf einem durch Regen anfgeweichten
Wege Lehm zum Nestbau sammelte. Nach Aussage der Einge-
bornen legten sie ihre aus Lehmklümpchen zusammengefügten
Nester in den Moscheen an. Jedenfalls schliefen sie des Nachts
in denselben, denn es wurde mir eine solche Schwalbe lebend ge-
bracht, welche des Abends in einem Mauerloche einer Moschee er-
griffen worden war. Ihre Stimme klingt wie „terri“ und erinnert
an die mancher Meropiden. Im December sah ich einige Exem-
plare dieser Art an der Tana-Mündung. Coraphites leucotis (199)
Ev
280 Dr. G. A."Fischer:
bemerkte ich an der Küste einmal bei Malindi, wo sie in der Nähe
der Ortschaft auf einem Wege nach Futter suchend umherlief.
Von Fringilliden habe ich dieselben Arten wie auf der ersten
Reise angetroffen. Nest und Eier von Crithagra butyracea erhielt _
ich am 4/6. in Malindi. Amaurestes fringilloides bin ich auch dies
Mal nirgend begegnet; eben so wenig Pyrenestes untcolor, Hy-
pargos niveiguttata beobachtete ich einmal bei Malindi. Unter den
Ploceiden ist Vidua prineipalis eine sehr häufige Erscheinung. In
Tschara setzte sie sich auf vorspringende Theile der Häuser und
suchte zugleich mit Pytelia minima zwischen den Haushühnern
Futter. Man bemerkt selten ein & mit einem 9, meist ist ersteres
in Begleitung von 2—3 Weibchen; die Eingeborenen behaupten
daher, diese Art lebe in Vielweiberei. Bei Kau beobachtete ich im
August grosse Schwärme dieser Art von über 100 Stück, welche
sich auf den mit einzelnen dürren Bäumen bestandenen Viehtriften
in der Nähe der Ortschaft umhertrieben. In Waldungen habe ich
die Art nie angetroffen, sondern immer nur im offenen Terrain.
In jenen Schwärmen befanden sich sowohl 4 in vollkommenem
Hochzeitskleide wie solche im Uebergang begriffene und solche im
Jugendkleide. Die 29 waren am zahlreichsten vertreten, sie unter-
scheiden sich von den jungen Z& durch geringere Grösse. Eu-
plectes flammiceps begann Ende Mai bei Malindi mit Nestbau;
Euplectes diadematus zeigte sich nicht; zur Zeit der Mtama-Reife
im Juli, August und September soll er vornehmlich bei Malindi zu
finden sein. Ploceus sangutnirostris wurde mir am 17/6. in Malindi
gebracht; sie waren auf Leimruthen gefangen worden. Nördlich
von Mambrui begegnete ich grossen Schaaren von Ploceus aethio-
picus im Hochgrase; unter ihnen befand sich auch ein weisses
Exemplar; später im Juli eben solchen bei Kipini und Kau, wo
sie allmorgenlich in einer Anzahl von 2—-300 Stück in dürren im
Sumpfe stehenden Sträuchern sich versammelten. Ayphanturgus
nigricollis, den ich früher von dem Festlande bei Lamu und Ay-
phanturgus melanoxanthus, den ich von Mombas eingeschickt, haben
sich als & und 2 herausgestellt. In Malindi erlegte ich am 3/6.
ein mit Nestbau beschäftigtes 9, am 7/6. an demselben Neste ein
zweites Weibchen. Erst in Kipini traf ich 8 und 92 zusammen;
am 17/7. fand ich dort eine kleine Colonie von 5 Paaren in einem
dürren im Wasser stehenden Strauche. In einem der Nester be-
anden sich 2 Eier, die andern Nester waren noch nicht vollendet;
ich besuchte den Ort täglich und sah & und 2 (H. nigricollis und
en ne
in.
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 281
melanoxanthus) an demselben Neste bauen. Die Gattungen Ay-
phantornis, Hyphanturgus und Sycodrotus unterscheiden sich auch
durch ihre Lebensweise wohl von einander. Die Arten der Gattung
Hyphantornis, deren vorzügliehster Repräsentant unter den von
mir beobachteten Arten Hyphantornis nigriceps ist, sind exquisit
gesellige Vögel, leben fast ausschliesslich von Getreide, das sie in
grossen Schaaren heimsuchen, brüten in grösseren Colonien und
bauen beutelförmige Nester aus Grashalmen ohne Eingangsröhre.
Ihre Stimme besteht in einem lauten etwas krächzenden Gezwitscher.
Männchen und Weibchen sind wesentlich verschieden gefärbt. Fy-
phantornis Cabanisi neigt insofern zu der Gattung Ayphanturgus,
als er weniger Körnernahrung nachgeht und häufig dabei betroffen
wird, wie er in Gesellschaft von 3—6 Stück die Bäume nach In-
sekten absucht; ferner baut er Nester mit langem röhrenförmigen
Ansatz; die 22 sind aber denen der Gattung Hyphantornis ähnlich
gefärbt. Die Arten der Gattung Ayphanturgus sind nichts weniger
als gesellig; die Nester werden einzeln an der Spitze herüber-
hängender Zweige befestigt, sind aus einer starken Grasart, die in
feine Stränge gespalten wird, gewebt und besitzen Retortenform mit
langer Eingangsröhre. Sie gehen einzeln’ oder seltener zu Paaren
nach Nahrung aus, die ausschliesslich in Insekten besteht, die sie
von den Zweigen und Blättern ablesen. Ihre Stimme ist ein un-
bedeutendes „sisi“. Die 4 unterscheiden sich, was die Färbung
betrifit, nicht beträchtlich von den 99. Die Gattung Sycobrotus
scheint hinsichtlich der Lebensweise mit der vorhergehenden über-
einzustimmen, soweit ich nach der einen Art, welche ich kennen
lernte — Sycobrotus Kersteni — urtheilen darf. Insekten bilden
die ausschliessliche Nahrung, die die Vögel einzeln oder in kleinen
Familien die Wälder durchstreifend sammeln; während der Fort-
pflanzungszeit scheinen sie sich aber immer in Paare zu sondern.
Die Nester sind ebenso wie die der vorigen Art angelegt. Syco-
brotus Kersteni besitzt, wie schon früher angegeben, einen charak-
teristischen hübschen flötenden Gesang. SS und 22 sind gleich
gefärbt.
Von Sturniden fand ich eine mir auf meiner ersten Reise nicht
begegnete Art, Speculipastor bicolor (No.: 238, 239, 240). Man
konnte sie in kleinen Flügen von 4—10 Stück täglich im Juli bei
Kipini in einem Terrain antreffen, das mit vielen Beeren tra-
genden Sträuchern bestanden war, die sie der Nahrung wegen auf-
suchten. Nur um diese Jahreszeit scheinen sie sich hier aufzu-
282 Dr. G. A. Fischer:
halten. Zuweilen traf ich sie in Gemeinschaft mit ZLamprocolius
melanogaster (No. 256). Auch bei Bagamojo im Januar dieses
Jahres beobachtete ich jene Art. In den Mangrove-Waldungen
bei Kau war Oriolus Rolleti (278) häufig; seine laute Flötenstimme
hat mit der unseres Pirol wenig Aehnlichkeit und erinnert einiger-
massen an die der Dryoscopus-Arten. Das Nest von Coracias cau-
data fand ich am 19/7. bei Kipini in einem hohlen Aste einer
Hyphaena; es enthielt 3 Eier. Merops nubiceus traf ich in grösserer
Anzahl im Juni nördlich von Mambrui auf einer mit Mimosen be-
standenen Weidefläche ; Merops minutus wurde wiederholt zu 4—10
Stück bemerkt, die von niedrigen Sträuchern aus, die sie täglich
als Beobachtungsplatz benutzten, Insekten fingen. Von Coliiden
lernte ich noch eine zweite Art kennen, Colius senegalensis (No. 227),
der von den Suaheli „Ulungui“ genannt wurde und in Flügen bis
zu 12 Stück vorkam; die Art zeigte sich bei weitem scheuer und
unruhiger als Colius leucotis; ihr Flug ist etwas gewandter und
weniger flatternd, die Stimme besteht in einem klagenden „tü“, das
an den Ruf gewisser Regenpfeifer erinnert. Bei Mambrui begegnete
ich der Art zuerst, und noch bei Kipini war sie keine Seltenheit.
Zwei Indicator-Arten könnte ich an der Küste nachweisen, Indk-
cator maculicollis (368) und Indicator minor (No. 195); der bei
Kau erlegte Indecator minor trieb sich zu mehreren in Dumpalmen
umher, die unaufhörlich ihr „tsetse‘“ ausstiessen. Eine mir früher
noch nicht begegnete Centropus-Art, Centropus nigrorufus (237),
lernte ich in jenem schon früher erwähnten ausgezeichneten Jagd-
terrain zwischen Mambrui und der Tana-Mündung kennen. Sie
ist eine nicht nur durch die verschiedene Färbung, sondern auch
durch verschiedene Stimme und Lebensweise mit Centropus super-.
ciliosus nicht zu verwechselnde Art; weniger zahlreich als letzterer,
ist sie in ihren Aufenthaltsorten viel wählerischer, sie liebt mehr
offenes Terrain und besonders mit einzelnen Gruppen von Sträu-
chern bestandene Weideflächen; hier hält sich die Art nahe dem
Erdboden auf; meist sieht man sie frei auf einem Zweige sitzen oder
auf kleinen aus dem Grase kaum hervorragenden Dornsträuchern;
Oentropus superciiosus liebt verstecktere Aufenthaltsorte, doch
kommen beide Arten in demselben Terrain auch gemeinsam vor.
Die Stimme ist weniger kräftig als von swperciliosus und besteht
in einem kurzen klingenden „ku-ku“, das selten in grösserer An-
zahl, zehn bis zwölf Mal rasch hintereinander ausgestossen wird,
doch nicht in der ab- und aufsteigenden Weise, wie es superciliosus
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 283
thut. Bei Kipini kommt die Art nicht vor, doch ist sie in einem
beschränkten Terrain zwischen der Tana-Mündung und der Ort-
schaft Tschara ziemlich häufig. Bei Kau in dem Mangrove-Gebüsch
war Chrysococcyx Claasi? nicht selten; der Mageninhalt der Vögel
bestand ausschliesslich aus Blattwanzen. Ein überall häufiger
Kukuk in dem Küstengebiet Malindi-Kipini ist Zanclostomus
australis (257, 258), der aber seines sehr versteckten Aufenthaltes
wegen wenig bemerkbar ist, wenn er ihn nicht durch seine laute
von Zeit zu Zeit ertönende Stimme verräth; dieselbe klingt zwischen
kä und ä, welche Laute zehn Mal hintereinander ausgestossen werden,
die ersten vier Mal langsam, die andern rasch hintereinander, wobei
die letzten schwächer und tiefer werden. In seinem Lockton, den
man nur vernimmt, wenn man sich ruhig abwartend in’s Busch-
werk setzt, sollte man eher den einer Czsticoline vermuthen; er
besteht in einem sehr leisen, etwas gezischten „te-te“. Seine Nah-
rung bilden wie bei Centropus grosse Heuschrecken; noch ver-
steckter lebend wie jener ist dichtes Strauchwerk und Kleinholz,
das mit kleinen Grasplätzen durchsetzt ist, sein Lieblingsaufent-
haltsort. Coccystes pica (No. 273) sah ich nur einmal am 5/8. bei
Kipini; der Mageninhalt bestand ausschliesslich aus behaarten
Raupen. Ebenfalls selten in unserm Gebiete scheint Cuceulus linea-
tus (274) zu sein, dem ich zwei Mal begegnete; der Magen dieser
Art enthielt neben behaarten Raupen auch kleine Käfer und Hy-
menopteren. Eine Barbatula-Art, B. affinis (1732), fand sich
allenthalben in dem Küstengebiete vor; das meist einzeln, seltener
zu Paaren angetroffene Vögelchen machte sich durch seine laute
Flötenstimme sehr bemerkbar, die aus zwei Tönen besteht, die. den
Rhythmus __ u haben; meist auf einem höheren Baume sitzend, lässt
er diese lange Zeit ertönen, wobei er auch bauchrednerische Eigen-
schaften zu üben scheint; häufig, wenn man dem Orte, von wo
die Stimme herkam, ganz nahe gekommen, klang dieselbe plötz-
lich wie aus weiter Ferne, dann wieder näher und bald auf der
rechten, bald auf der linken Seite. Pogonorhynchus irroratus
(No. 222) war in der Umgebung Mambruis im lichten Walde sehr
zahlreich; meist waren 3—6 Paare zusammen. Wenn das Z seine
laute Flötenstimme, die den Rhythmus _—_ v v hat, hören lässt, so
bläst es sich etwas auf und macht nickende Bewegungen.
Auf den frisch geackerten Feldern, auf denen Sesam gezogen
wurde, sah ich unweit nördlich von Mambrui Oena capensis zu
4—6 Stück umherlaufen. Die niedlichen Vögel, die ich zum ersten
284 Dr. G. A. Fischer:
Male hier traf, waren sehr wenig scheu. Ausser Turniz lepurana, |
deren Eier ich Mitte Juni in Malindi erhielt und die überall häufig '
ist, bemerkte ich in den Grasflächen zwischen Mambrui und dem
Tana noch eine zweite Wachtel-Art von dunkler, zum Theil fast
schwarzer Färbung und etwas bedeutenderer Grösse als Zepurana,
Francolinus Granti und eine Pternistes-Art (Pt. Oranchi) waren
hier ebenfalls häufig. Francolinus nudieollis (No. 247) erlegte ich
bei Kipini; die Art hielt sich in den mit Ayphaena bestandenen
und mit Gebüschpartieen durchsetzten Grasflächen zwischen Kau
und der Küste auf. Morgens in der Dämmerung bäumte sie auf
eine Ayphaena, meist ein Pärchen beisammen, und das & liess
dann sein hässliches schnarrendes, wie ‚„quarre“ klingendes Ge-
schrei hören. Otis maculipennis (236) ist die häufigste Trappe
des südlichen Gallalandes, die ich auch bei Kipini erlegte. Ausser
dieser konnte ich noch zwei andere Arten flüchtig beobachten, die
eine mit zum Theil schwarzer Unterseite (melanogaster ?), die andere
von bedeutender Grösse, aus der Ferne wie ein junger Strauss er-
scheinend. Einen grossen weiblichen Strauss sah ich unweit süd-
lich der Tana-Mündung etwa 1 Stunde von der Küste entfernt. -
Nach Aussage eines uns begleitenden Jägers hält sich dieses eine
Exemplar schon eine grosse Reihe von Jahren in diesem Terrain
auf. Am 13/6. wurde mir in Malindi Numida Pucherani, das auf
dem Felde in einer Falle gefangen worden, gebracht.
Oharadrius pecuarius (No. 227a) trieb sich in einigen wenigen
Exemplaren auf einer Sandfläche bei Mambrui umher. Scopus
umbretta war täglich in der Umgebung Kipinis im Juli an kleine-
ren seichten Teichen anzutreffen, aber immer nur in vereinzelten
Exemplaren. Nur einmal sah ich die Art in einer Anzahl von
20 Stück in der Nähe von Kau auf einem schlammigen Terrain,
das unter Wasser gestanden hatte, Futter suchen. Bei Malindi
zeigten sich einige wenige Exemplare von Ardea Goliath. Ardea
melanocephala, comata und purpurea wurde neben vielen weissen
Reihern in den Sümpfen bei Malindi und Kipini häufig bemerkt;
auch Anastomus lamelligerus wurde einige Male an letzterem Orte
beobachtet. Ausser den beiden früher schon hier gesehenen Gra-
culus africanus und lucidus erlegte ich auch Graculus carbo. Zwei
noch nicht flügge Junge letzterer Art wurden mir am 2/8. gebracht.
Zahlreiche alte Nester von Graculus sah ich auf abgestorbenen in
einer grossen Wasserfläche stehenden Bäumen zwischen Kipini und
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 235
'Kau. Auch einige Nettapus auritus hielten sich in einem Teiche
‚bei Kipini auf.
Nachdem ich Ihnen im Vorstehenden das Bemerkenswerthere
der auf meiner zweiten Reise in dem unmittelbaren Küstengebiete
gemachten Beobachtungen mitgetheilt, will ich nun zu dem Gebiete
übergehen, dessen eigentliches Ziel die vorjährige Reise war, dem
Flussgebiete des Tana resp. dem Wapokomo-Lande. Da zu Wasser
vorgedrungen wurde, so ging mancher Tag für das Sammeln ver-
loren; an den Flussufern boten sich im Allgemeinen dieselben
ornithologischen Erscheinungen dar. Bei einem Zuge durch die
Galla-Ebene hätte jedenfalls mehr beobachtet und mehr erbeutet
werden können, vornehmlich auch an hühnerartigen Vögeln, an
denen das Galla-Land sehr reich ist. Das Terrain, in dem ge-
sammelt werden konnte, bildete das in unmittelbarer Nähe des
Flusses gelegene Gebiet, da man sich von dem Flusse resp. den
Ortschaften nicht weit entfernen durfte, weil die räuberischen
Somali, welche alljährlich das Tana-Gebiet durch ihre Streif- und
Raubzüge unsicher machen, erschienen waren. Leider war es ver-
schiedener Umstände halber nicht möglich, -weiter als Malacote,
6—7 Tagereisen von der Küste, etwa die halbe Länge der Schiff-
barkeit des Flusses, vorzudringen. Gerade in jenem Districte be-
gann ein ornithologisch sehr interessantes Terrain mit vielen für
mich neuen an der Küste nicht anzutreffenden Arten.
Unser Gebiet beginnt mit der Ortschaft Ngau, der ersten Wa-
pokomo-Niederlassung, ca. 1!/, Tagereisen von der Küste. Hier
gedeiht die Cocosnusspalme nicht mehr und hier hört, sowohl was
die Bodenbeschaffenheit als auch was die Fauna anbetrifft, ‚das
eigentliche Küstengebiet auf. Wenn man von Kau kommend durch
den bekannten Osi-Tana-Canal nach Tschara gelangt ist, so bietet
sich von letzterem Orte an dem Auge kaum mehr als ein un-
geheures Grasmeer. In der Regenzeit ist dasselbe von Mannshöhe,
doch ist es kein Futtergras, sondern ein dickes, breites, mehr
schilfähnliches, das besonders dicht an den Ufern des Flusses
steht, die es mit wenig Unterbrechungen in dem grössten Theile
seines Unterlaufes begrenzt; später tritt mehr Uferwald auf oder
die eigentliche Steppe des Gallalandes tritt an den Fluss heran.
Im Unterlaufe reicht jenes Gras noch eine weite Strecke vom
Flusse aus in’s Land hinein, welches zu einem grossen Theile des
Jahres unter Wasser steht. Streckenweise reiht sich hier Reisfeld
236 Dr. G. A. Fischer:
an Reisfeld, weshalb die Fringilliden hier zahlreich vertreten sind,
unter welchen besonders Penthetria azxillaris, von Suaheli und -
Wapokomo „Tschonguö“ genannt, hervortritt, dessen Lieblings-
aufenthaltsort sumpfige, mit Öyperus bestandene Stellen bilden. Er
zeigte sich als ein scheuer unruhiger Vogel, der selten längere Zeit
an einer Stelle verweilt; die && sind besonders in steter Bewegung,
blähen sich, besonders wenn das ? in der Nähe ist, auf und breiten
den Schwanz aus. Diese Art ist, soweit Reis gebaut wird — mit
der Ortschaft Muniuni, 3'/, Tagereisen von der Küste, hört die
Reiseultur auf — längs des Flusses eine gewöhnliche Erscheinung.
Spermestes cantans, cucullata und rufodorsalis fehlen nirgends,
Euplectes flammiceps und nigriventris lieben auch den Reis. Auch
Euplectes diadematus zeigte sich zwei Mal. Habropyga astrild,
Pytelia phoenicotis und minima scheinen Grassämereien zu bevor-
zugen; man findet sie, oft in Gemeinschaft mit Ploceus aethiopieus
(389) und sanguwinirostris (397) an den Flussufern an den Samen
tragenden Gräsern sitzend. Passer Swainsoni wurde nur sehr selten
bemerkt. Einer der schädlichsten Reisdiebe ist Ayphantornis
nigriceps, der in grossen Schaaren oft von. mehreren hunderten
in die Felder .einfällt; wo der Reis aufhört, macht er sich an die
jungen Erbsen. Negerhirse wird bei den Wapokomo nieht gebaut.
H. nigriceps ist der häufigste Webervogel in diesem Gebiet. Mor-
gens in der Frühe ziehen die Vögel von ihren Ruheplätzen aus,
zu welchen meist grössere am Wasser stehende Bäume dienen,
auf Nahrung aus, in den Mittagsstunden ziehen sie sich für kurze
Zeit in schattiges Laubwerk zurück, um gegen Abend wieder in
die Felder einzufallen. Mit Sonnenuntergang begeben sich die
Schaaren, bestimmte Wege einschlagend, zu gewissen Versamm-
lungsorten, wo sie, ähnlich wie unsere Sperlinge es thun, unter
lautem Gezwitscher sich herumtummeln, dann begeben sie sich zur
Ruhe. Zum Theil verbringen sie die Nacht in den Ruhenestern,
welche sie gerne in Bäumen anlegen, die über dem Wasser über-
hängen; dieselben sind weniger gross wie die zur Fortpflanzung
bestimmten und auch weniger solid und sorgfältig gebaut; sie
scheinen für sehr lange Zeit benutzt zu werden. Ihre Brutnester
N
legen sie in höheren Bäumen in mehr oder ‚weniger grossen Colo-
nieen an; sie enthalten meist 3 Eier. Ayphantornis Bojeri sieht
man auch in den Reisfeldern, doch ist er bei weitem nicht so zahl-
reich wie der vorhergehende. Hyphantornis aureoflavus habe ich
nicht nachweisen können.
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 237
Cisttcola haematocephala liebt jenes Terrain nicht, sie ist an
den mit kleinem Strauchwerk und kleinem Grase bewachsenen
Stellen an den Flussufern anzutreffen. Die laute Stimme von
Ceniropus superciliosus hört man allenthalben während der Fahrt
auf dem Flusse von Zeit zu Zeit erschallen. Sein Nest fand ich am
5/9. bei Ngau in einem im Hochgrase stehenden kleinen Strauche
i Fuss über dem Erdboden; es war in derselben Weise angelegt
wie das früher erwähnte und eingeschickte und enthielt 3 Eier.
Die 4 Nester, welche ich bisher Gelegenheit hatte zu sehen, sassen
alle in nur geringer Höhe über dem Erdboden, doch behaupten die
Eingebornen von Sansibar, dass sich solche auch in Mangobäumen
fänden. Centropus nigrorufus kommt am Flusse nicht vor, doch
findet er sich jedenfalls an den ihm zusagenden Stellen im Galla-
lande. Ohrysococcyx cupreus wurde nur selten bemerkt und dann
meist in den Anpflanzungen um die Ortschaften.
Ein nicht unbeträchtlicher Theil der Ufer des Flusses, beson-
ders in seinem Mittellaufe, wird von dichtem Walde eingenommen.
Derselbe ist jedoch bei weitem nicht von der Schönheit, wie ich
ihn in der Nähe von Wito gesehen; die Hochfluthen richten zuviel
Verwüstung an und die alten Stämme werden von den Eingebornen
zur Herstellung von Canoes benutzt. Eine Fiederpalme mit kleinen
süsslich schmeckenden Früchten findet sich besonders an den
feuchteren Stellen des Waldes, einzelne mächtige Mimosen und die
„msefu“ genannten weissrindigen, unsern Silberpappeln nicht un-
ähnlichen Bäume ragen aus dem Walde hervor, der nach dem Flusse
zu stellenweise durch dichtes Strauchwerk und Schlinggewächse ab-
geschlossen wird. In diesem Uferwalde findet sich überall Cossypha
natalensis und Cossypha Heuglini; jedenfalls kömmt auch letztere
hier vor, denn ihr charakteristischer Lockton ist nicht zu verkennen.
Ferner ist auch Cichladusa gutiata (197) und Turdus guttatus (265)
hier zu Hause; ferner Oriniger flaviventris (316), Oriniger Fischeri
(No. 322) und Oriniger strepitans (No. 191). Andropadus flaves-
cens und Pyenonotus nigricans lieben mehr offeneres Terrain
und sind in diesem Gebiete weniger häufig als an der Küste. Von
Crateropus habe ich nur rubiginosus bemerkt. Die Laniiden sind
mit den auch an der Küste gefundenen Arten in dem Dickicht längs
des Flusses vertreten. Zaniarius Salimae, leucopsis, sublacteus (280),
quadricolor, Meristes olivaceus, an lichteren Stellen auch Telephonus
erythropterus. Auch Prrionops graculinus war in den Uferwaldungen
nicht selten. In Anzahl von 3—6—10 Stück hält er sich im In-
288 Dr. G. A. Fischer:
nern von Hochbäumen auf, Insekten aus der Luft fangend; das
Schnabelknacken war deutlich und oft vernehmbar; dasselbe wird
auch, ohne dass Insekten gefangen sind, hervorgebracht; ein ange-
schossenes Exemplar that es in sehr energischer Weise; die Haube
wird abwechselnd gehoben und gesenkt; die Vögel zeigten sich
wenig scheu; die &d liessen einen nicht unangenehmen, an den
von Dicrurus erinnernden Gesang hören. In dem Uferwalde lernte
ich auch eine zweite Art von Dicrurus kennen, D. Ludwigi (No. 336).
Geschiekten Fluges fingen sie meist zu Paaren vereint von dürren
Zweigen aus Insekten. Die Art ist lebhafter als fugax, der Gesang
ist angenehmer und wird auch häufiger vernommen; in lichtem
Terrain traf ich die Art nicht, sondern nur im Walde, während
fugax mehr offenes Terrain vorzieht. Terpsiphone melanogasira
treibt in dem Dunkel der Uferwaldung ebenfalls ihr Wesen, ferner
Trochocercus bivittatus (No. 319 und 337), welche letztere in An-
zahl von 4—6 Stück zusammen waren; auch Muscicapa cinereola
(No. 326) lebte hier. Platystira pririt, senegalensis und peltata
wurden ebenfalls beobachtet. Apalis chariessa (400) u. Zost. te-
nella (269) strichen Insekten ablesend in kleinen Familien von
4—10 Stück durch die Hochbäume, Campephaga nigra (No. 320)
hielt sich meist in den dichtesten Verzweigungen lautlos versteckt.
Camaroptera brevicaudata (344), das so weit über Afrika verbreitete
Vögelchen, fehlte auch hier nicht. Ueberall vernimmt man die zarte
Stimme von Ayphanturgus ocularius, der einzeln oder zu Paaren
Bäume und Sträucher nach Insekten absucht. Das Nest dieser Art
fand ich am 20/8. bei Tschara in 11); M. Höhe vom Erdboden an
dem Ende eines Blattes eines jungen Cocosnussbaumes befestigt;
es enthielt zwei nackte Junge; das alte ? wurde in dem Neste er-
griffen. Seltener sieht man Ayphanturgus nigricollis, dagegen ist
Sycobrotus Kersten‘ sehr häufig im Uferwalde. Zwei recht eigent-
liche Bewohner des letzteren sind dann noch Corythaix Fischer!
und Trogon narina; ersterer findet sich sehr zahlreich von Ngau
ab stromauf; allenthalben trifft man kleine Gesellschaften von
3—6—8 Stück. Des Morgens mit Tagesanbruch kommen sie her-
vor aus ihren Verstecken, um nach Futter zu gehen, das sie sich
in den höheren Bäumen, besonders in den später noch zu erwäh-
uenden „Mkuju“-Bäumen suchten. Sobald die Sonne höher steigt,
ziehen sie sich wieder in den Wald zurück. Die Vögel sind sehr
scheu und vorsichtig und man muss sie, um ihrer habhaft zu
werden, im Dickicht beschleichen, was in der sumpfigen, eine Un-
kn.
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 289
zahl Moskitos bergenden Uferwaldung keine geringen Schwierig-
keiten hatte. Des Morgens besonders hört man ihr lautes „Kuru
kuru kuru kuru kuru“, besonders die &3 haben eine tiefe fast
knarrende Stimme. Ein angeschossenes Exemplar flüchtete in die
Höhlung eines Baumes; ein Eingeborner, der anderen Tages hinauf-
stieg, fand nichts in derselben als wenige trockne Kothmassen und
Stücke von den Früchten, welche diese Vögel fressen. Vielleicht
bildete diese Höhle also eine Zufluchts- oder nächtliche Ruhestätte.
Trogon narina verlässt das Dickicht nicht, er ist durchaus nicht
selten, fällt jedoch wegen seiner stillen verborgenen Lebensweise
wenig auf. Die schöne Färbung der nackten Stellen am Kopfe
und Halse scheinen die Vögel besonders zur Fortpflanzungszeit
nach beendister Mauser zu erhalten. In der Mauser befindliche
männliche Exemplare zeisten nur eine graublaue Färbung der
nackten Stellen, junge Vögel ebenfalls. Ihre Nahrung besteht aus
Maden, Raupen und Orthopteren; bei den Wapokomo heissen sie
Nzazavajume. Die unschöne Stimme von Zanclostomus australis
(257) erschallte auch hin und wieder aus dem Walde. Cuculus
validus (No. 330) dagegen mit seinem lauten flötenden Geschrei
trieb sich sehr offen umher, besonders das lichter bewaldete Terrain
liebend; ein sehr unruhiger Vogel, der in steter Bewegung ist,
bald treibt er sich in den höchsten Baumgipfeln umher, bald sieht
man ihn an niederen Sträuchern im Grase sitzen; bald fliegt er
leichten Fluges über die höchsten Bäume hin, wobei er einiger-
massen einem Raubvogel ähnlich sieht, weshalb ihn die Eingebornen
auch mit „kipanga“ (Falke) bezeichnen. Das 9, welches ich er-
leste, hatte nur Raupen im Magen; ein leider durch den Schuss
zertrümmertes reifes Ei befand sich in der Legeröhre; dasselbe
war nicht stärker als ein Ei von Zuplectes flammiceps, aber etwas
länglicher, sehr dünnschalig und auf blassgrünlichblauem Grunde
mit spärlichen kleinen braunen und graubraunen Flecken besprengt.
Am Ovarium befand sich ein erbsen- und doppelterbsengrosses Ei.
Von Spechten wurde Picus nubicus häufig bemerkt (No. 331 und
332), zwei Weibchen erlegte ich, als sie an einem Stamme dicht
beisammen sassen; ich vermuthete & und 2 in ihnen, zumal das
eine Exemplar rothen Hinterkopf trug. Schliesslich muss ich
noch als Bewohner des Uferwaldes der Eulen erwähnen, deren
ich 3 Arten beobachten konnte: Syrnium Woodfordi, Bubo lac-
teus (270) und Scotopelia Peli. Erstere findet sich sehr häufig;
allnächtlich vernimmt man in der Nähe der Ortschaften ihre
Cab. Journ. f Ornith. XXVIL Jahrg. No. 147. Juli. 1879. 19
290 Dr. G. A. Fischer:
sonderbare dem Gurren der Tauben nicht unähnliche Stimme. Die
Angabe in meinem früheren Berichte, dass die Stimme dieser Eule
wie „ihu“ klinge, beruht auf einem Irrthum; diese Laute gehören
wahrscheinlich Bubo lacteus an. Syrnium Woodfordi giebt ein tiefes
hohles: „kur&ü-kuhüru“ von sich. Des Tags über hält sie sich in dem
dichtesten Laubwerk des Uferwaldes versteckt, meist ein Pärchen
beisammen, oder sie sitzt auch wohl dicht am Stamme eines alten
Baumes; wird sie aus ihrem Versteck aufgestört, so fliegt sie nur eine
kurze Strecke weit, doch in sicherem Fluge. Käfer und Mäuse be-
fanden sich in dem Magen der Vögel. Ein am 4/10. erlegtes 2
zeigte 3 stark erbsengrosse Eier am Ovarium. Die Wapokomo
nennen sie Mdjanguküru, mit welcher Bezeichnung sie ihre Stimme
wiedergeben wollen. Auch auf Sansibar ist diese Art zu Hause;
hier ruht sie den Tag über in den dichten Mangobäumen, aus
denen sie mit der Dämmerung ihre Stimme hören lässt. ‚Scoto-
pelia Peli kann in unserm Gebiete ebenfalls nicht mit dem Prädicat
selten belegt werden, wie denn überhaupt die meisten Arten, auch
solche, welche Einem nur in vereinzelten Individuen vorzukommen
scheinen, später, wenn man ihre Aufenthaltsorte, ihre Lebensweise
und vor Allem ihre Stimme kennen gelernt, zu gewöhnlichen Er-
scheinungen herabsinken. Nachdem ich die eigenthümliche Stimme
der letzteren Eule kennen gelernt, so bemerkte ich, dass sie allent-
halben im Uferwalde zu Hause ist. Von Kau bis Malacote hielten
sich mindestens 6 Paare auf; zu ihrer Beobachtung gaben be-
sonders die nächtlichen Fahrten bei der Heimreise gute Gelegen-
heit. Ich fand diese Eule immer paarweise; jedes Paar hatte sein
bestimmtes Revier, wo es sich allnächtlich umhertrieb. Die Stimme
besteht in einem tiefen summenden „Hm“, welches geisterhaft in
der Stille der Nacht durch die Waldung klingt; als ich den Ton
zum ersten Male vernahm, glaubte ich, er rühre von einem schla-
fenden Menschen her; & und 2 lassen diesen Ruf wechselweise
hören; das „Hm“ des @ ist etwas höher. Das Treiben des Pär-
chens, aus dem ich in der Nähe von Kau das 2 erlegte, war
während der Fahrt auf dem Flusse bei herrlichem Mondschein
sehr gut zu beobachten; bald flogen sie auf die höchsten Spitzen
dürrer Uferbäume, bald tauchten sie geräuschlosen Fluges in das
dichteste Dickicht, immerzu sich gegenseitig ihr „Hm“ zurufend.
Die zahlreichen im Uferwalde lebenden Eichhörnchen, Otolienus
und Ratten machen wohl ihre Hauptnahrung aus. Die Eingebornen
behaupteten, diese Art frässe auch Fische.
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 291
An den Ufern und in der Umgebung des Flusses wuchsen
grosse spärlich belaubte Bäume in grosser Menge, doch immer
einzeln stehend, welche die Eingebornen ‚„mkuju“ nannten. Seine
runden, doppeltkirschgrossen, grüngelben, süsslich schmeckenden
Früchte, die zu mehreren an einem kurzen Stiele den dicken Aesten
seitlich unmittelbar aufsassen, dienten vielen Vögeln als Nahrung.
Allmorgenlich versammelten sich in diesen Bäumen Pogonorhynchus
melanopterus und irroratus, Treron Wakefieldi (No. 308), Buceros
buceinator und melanoleucos, Colius und Corythaix Fischeri. Die
Treron-Art war besonders zahlreich, es waren deren oft in einem
Baume 20—30 Stück versammelt, die sich hier so wenig scheu
zeigten, dass sie nach einem Schusse gleich wieder in den Baum
zurückkehrten. Die Stimme der grünen Tauben ist eine ganz son-
derbare, die mit der der anderen Tauben nicht die entfernteste
Aehnlichkeit hat. Man glaubt gar nicht, wenn man sie zum ersten
Male hört, dass sie von einem Vogel herrührt; zuerst werden eigen-
thümlich quiekende Laute ausgestossen, denen dann einige meckernde
folgen. Die Iris dieser Tauben ist sehr hell, die der alten Thiere
weiss oder bläulichweiss, die der jüngeren grauweiss. Dass diese
Vögel niemals auf die Erde herabkommen, ist allen Eingebornen
bekannt; sie heissen bei den Wapokomo sowohl wie bei den Sua-
heli der Küste und auf Sansibar „Ninga“,
Ein ganz eigenthümliches Aussehen verleihen der Landschaft
am Flusse die Borassus- Palmen, die meist in kleinen Wäld-
chen auftreten. Zum grössten Theil sind die Stämme ihrer Kronen
beraubt, da die Eingebornen zur Gewinnung von Palmwein das
Herz ausschneiden; wie mächtige Pallisaden bieten sich dem Kom-
menden die stehen gebliebenen, zum Theil hohlen, nackten Stämme
dar. Sie geben manchen Vögeln gute Nistplätze; Coracias cau-
data, Eurystomus afer trieben sich hier umher, die mehr offenes
Terrain lieben; auch Irrisor cyunomelas und erythrorhynchus wurden
hier bemerkt. Coracias garrula (No. 372) traf ich zu vielen Exem-
plaren zusammen mit caudata in einem solchen Terrain. Etwas
unterhalb Malacote traf ich an einer solehen Stelle eine Colonie
von Vultur pileatus und perenopterus, von letzterer Art sahen die
Jungen oben aus einem abgestorbenen Palmenstamme heraus. Diese
Gegend war überhaupt sehr reich an Geyern, da hier besonders
Elephanten von den Waboni und Wagalla gejagt werden; aus dem
Grunde trieben sich hier auch einzeln Vultur fulvus, der bei den
Wapokomo „Komedja“ heisst, umher; man erzählte mir auch noch
19*
292 Dr. @. A. Fiseher:
von einem andern grossen Geyer mit „blaurothem Kopfe“ (ocei-
pitalis?), der in dieser Gegend vorkommen soll. Neophron pileatus
wurde auch oft am Wasser auf Sandbänken angetroffen. Haliaötos
vocifer ist am unteren Laufe häufiger als am Mittellaufe,; sein
Nest sah ich am 6/9. in der Nähe von Eugatana in der Krone
einer alten Mimose, Spizaötos occipitalis wurde seltener bemerkt
als an der Küste. Asturinula monogrammica und Buteo augur
wurden mehrere Male gesehen; einmal Helotarsus ecaudatus. Poly-
boroides typieus konnte ich zwei Mal in der Nähe der Ortschaft
Ualimi beobachten, wo sich viele abgestorbene Borassus fanden;
hier habe ich ihn des Morgens dabei betroffen, wie er die hohlen
Stämme nach Nestern, vielleicht auch nach anderer Beute absuchte.
Er flog von Stamm zu Stamm, klammerte sich wie ein Specht an
die glatten Stämme seitlich an, um in die Löcher hineinzusehen,
flog dann auf die Spitze und sah von oben begierig in die Höhlung,
in welche er sich zuweilen auch hineinbegab, um die Beute, die er
entdeckt, herauszuholen. Avicida orientalis (No. 323) traf ich nur
einmal bei Muniuni. Ein Pärchen sass beisammen im Innern eines
grossen Baumes, in dessen Spitze sich viele Treron herumtummelten,
Der Mageninhalt des erlegten Thieres bestand nur aus grossen
Heuschrecken. Von den Wapokomo wurde der Vogel Kifuagongo
(d. h, der Streifbrüstige) genannt.
In der Nähe der Ortschaften, über deren keiner natürlich die
üblichen Milvus parasiticus fehlen, sieht man nicht selten Zampro-
tornis purpuropterus und melanogaster. Buphaga erythrorhynchus
ist am Flusse nicht anzutreffen, da Vieh nirgends vorhanden ist.
Doch ist der Vogel dem Wapokomo wohl bekannt. Corvus sca-
pulatus kommt am Tana-Flusse nirgends vor, auch bei Kipini
habe ich diesen nie bemerkt, während er bei Malindi anzutreffen
ist. Ebenso wenig sind Papageien in dem von mir kennen gelern-
ten Theil des Flussgebietes vertreten. Die Wapokomo, denen ich
Abbildungen zeigte, kannten derartige Vögel nicht.
An gewissen Stellen des Flusses begegnet man einer Schwalbe,
Hirundo filifera (No. 291), die in ihrem Benehmen an unsere
rustica erinnert und über dem Wasser hin und herfliegt. Bei
Tschara flog diese Schwalbe auch um die Hütten der Eingebor-
nen, liess sich auf vorspringenden Theilen derselben nieder und
benutzte sie auch, um im Innern derselben ihre Nester anzulegen.
Die Wohnungen der Suaheli sind nämlich theilweise offene, mit
schrägen grasbedeckten Dächern versehene, aus Lehm gebaute Hütten,
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 293
die den Thieren gute Nistplätze geben. Das aus Lehmklümpchen
zusammengesetzte Nest lehnte sich theils an einen Dachsparren,
theils an das Gras an und enthielt 4 noch unbebrütete Eier; nach
Aussage der Eingebornen soll diese Schwalbe bis zu 12 Eier legen.
In den Ortschafıien der Wapokomo findet sie sich nicht, weil deren
backofenförmige allseitig geschlossene Hütten ihnen keine Nist-
plätze bieten. Oberhalb Tscharas wurde sie daher immer an sol-
chen Stellen angetroffen, wo die Uferwände ihnen das Anlegen
des Nestes gestatteten; in der Nähe von Eugatana fand ich das
Nest mit 2 Eiern an der Uferwand ca. 1 Mtr. über der Wasser-
fläche. Alle an den Uferwänden angebrachte Nester waren etwas
kleiner und zierlicher als diejenigen aus den Hütten, weil das Be-
festigen an jenen leichter ist als in den letzteren. Arundo rustica
erschien Mitte October am Tana-Flusse; am 20/10. erlegte ich
oberhalb der Ortschaft Ualimi ca. 4 Tagereisen von der Küste
eine solche. Es befanden sich an der Stelle des Flusses 14—20
Stück, welche über dem Wasserspiegel hin flogen und sich auf aus
dem Wasser ragenden dürren Aesten ausruhten. An einer Stelle
des Flusses, bei der Ortschaft Ualimi traf ich eine Oypselus-Art
(stictilaemus) (No. 360). Hier befand sich, in der Nähe eines
Wäldchens abgestorbener Borassus-Palmen ein mit Fiederpalmen
und mancherlei Strauchwerk durchwachsener Sumpf, über welchem
die Art bald in grösserer bald in geringerer Höhe nach Cypselus-
Art umherjagte. Die Eingebornen behaupteten, sie schliefe und
niste in den hohlen Stämmen .der Borassus. HAalcyon orientalis
und irrorata zeigten sich ab und zu an lichteren Stellen des Ufer-
waldes, während chelicutensis mehr Wiesenplätze liebt. Aalcyon
semicoerulea hielt sich besonders an den Lagunen auf, welche nach
zurücktretender Fluth in dem Uferwalde zurückbleiben. Alcedo
cristata sah man hin und wieder auf einem dieht über dem Wasser
hängenden Zweige sitzen. Ceryle rudıs fand sich an den Stellen
des Flusses, wo die Ufer Gelegenheit zum Nisten boten. So war
er unter Anderm bei der Ortschaft Ngau häufig. Die Nester be-
fanden sich in den lehmigen Uferwänden oft nur wenig über dem
Wasserspiegel. Die Gänge verlaufen fast wagerecht; die ganze
Nestlänge beträgt ca. 75 cm.; die Eingangsöffnung hat einen
Durchmesser von 6—7 cm. Von der zweiten Hälfte an beginnt
sich der Gang zu erweitern, bis er in eine kleine ovale Höhle
endet. Der Grund derselben ist mit kleinen Fischgruppen und
Fischgräten belegt, wenigstens an der Stelle, wo die Eier liegen
294 Dr. G. A. Fischer:
deren Zahl 4—6 beträgt. Die Brütezeit fällt hier in die Monate
Juni bis October. Mitte October dürfen keine Junge mehr im
Neste sein, weil sie sonst bei der regelmässig um diese Zeit ein-
tretenden Hochfluth zu Grunde gehen würden. Ceryle mazxima
sah ich drei Mal während der Flussfahrt; immer nur ein einzelnes
Exemplar. Diese Vögel waren sehr scheu; im Magen des erlegten
fand sich nur eine ölige Flüssigkeit. Bei Ngau, 1!/, Tagereisen
von der Küste stellte sich eine Bachstelze ein, Motacilla vidua,
die uns von da an nicht mehr verliess und vorzüglich an sandigen
Ufern und Sandbänken anzutreffen war und zwar in Paaren; sie
hiess bei den Eingebornen: „Tüitüi“ und zeigte ganz das Beneh-
men unserer Bachstelzen; das & besitzt einen hübschen kurzen
Gesang. Ende August wurden mir Eier, die angeblich dieser Art
angehörten, gebracht; das aus feinen Wurzelfasern gebaute Nest
soll zwischen dem Grase dicht über dem Erdboden gestanden
haben. An den abseits vom Flusse gelegenen Seen, deren Wasser
schon etwas zurückgetreten war, sah ich Anfangs October zahl-
reiche Motacilla flava. Ein erlegtes 2 hatte nackte Stellen am
Kopfe und an der Kehle; der Oberkopf war olivengrün, die Spitzen
der Federn bräunlich, Zügel und Superciliarstreif gelb. Auf der
Kehle befand sieh die Andeutung einer schwarzen Binde, indem
die Federn hier zum Theil schwarzen Spitzenrand, zum Theil einen
schwarzen Fleck trugen. An diesen Localitäten zeigte sich ferner
Anthus Raalteni und Macronyx croceus, auch Megalophonus Fischer!
war in dem in der Umgebung der Seen aufgeschossenen Grase zu
finden. Einzelne Zandus caudatus sassen auf niedrigen dürren
Bäumen und spähten nach Raub. Merops nubicus war hier sowohl
wie auch an manchen Stellen am Flusse in Anzahl von 10—20—30
Stück mit Insektenfang beschäftigt.
Zur Fluthzeit, wenigstens bei der Hauptfluth, welche Ende
Mai oder Anfangs Juni eintritt, ist das Land in der Umgebung des
Flusses, besonders in seinem Unterlaufe für eine kurze Zeit über-
schwemmt, bei seinem Rücktritte bleiben noch mehr oder weniger
ausgedehnte Lagunen lange Zeit zurück. Der Fluss behält jedoch
noch 3—4 Monate Jang einen hohen Wasserstand. Um Mitte Oc-
tober beginnt die zweite weniger starke Fluth einzutreten, bei wel-
cher der Fluss meist nicht über die Ufer tritt. Zu Ende der
trocknen Jahreszeit, im Februar, März und April, enthält der Fluss
nur wenig Wasser, wenigstens in seinem Mittel- und Oberlaufe,
viele Sandbänke tauchen auf und an einigen Stellen ist das Wasser
PeRN
se N ER ve
Du DIR
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 295
so seicht, dass man hindurchwaten kann. Dann sind auch die
meisten Seen ausgetrocknet. Die Breite des Flusses schwankt
zwischen 15 und 40 Schritt, die Ufer sind meist flach, an einigen
Stellen erheben sie sich 1—2—3 Mtr. über den Wasserspiegel.
Die meisten Wat- und Schwimmvögel zeigen sich an seinem Unter-
laufe. Wenn man von Kau kommend nach dem Tana zu fährt, sq
tritt Einem bald ein sehr reges Treiben von Wasservögeln ent-
gegen, welche auf einem in der Nähe des Kanals gelegenen, zur
Ebbezeit trocken liegenden Terrain sich einfinden. Dendrocygna
viduata, Chenalopex aegyptiacus, Ibis Hagedasch und aethiopicus,
Ardea purpurea, melanocephala, Ardea alba und garzetta, auch einige
Ardea Goliath treiben sich hier umher. Graculus sitzt am Ufer
auf abgestorbenen Bäumen und Pelecanus rufescens sieht man in
den Lüften schweben. Ist man in den Tana-Fluss gelangt und
fährt weiter stromauf, so bieten sich an einzelnen bevorzugten
Orten ähnliche Bilder. Besonders war dies der Fall oberhalb der
Ortschaft Ngau, wo der Fluss mit grossen Seen in Verbindung ge-
treten ist, die theilweise durch grosse Sandbänke nach dem Flusse
hin abgegrenzt und von Waldung, fruchtbaren Wiesen und schlam-
migem Ackerlande eingeschlossen sind. Auf den Sandbänken
lagerten Heerden von Pelecanus rufescens in Anzahl von 30—50
Stück, die sich aus der Ferne wie Schafheerden ausnahmen; sie
waren Anfangs so wenig scheu, dass man sich mit dem Canoe auf
10—15 Schritt nähern konnte, zu Lande liessen sie jedoch nicht auf
Schussweite herankommen. Später, nachdem sie die Europäer als
gefährlich kennen gelernt, nahmen sie immer frühzeitig die Flucht.
Ihr Fleisch musste uns wiederholt in Ermangelung anderer Fleisch-
nahrung zur Speise dienen, wurde aber des oft sehr starken Fisch-
geschmackes wegen bald zuwider. Die Eingebornen lieben das
Fleisch des Pelikans, den sie Hajawa nennen, sehr. Morgens in der
Frühe zogen die einzelnen Gesellschaften auf den Fischfang aus,
indem sie, in langen Reihen nebeneinander geordnet, das Terrain
absuchten. In den Mittagsstunden sah man sie häufig in hoher
Luft kreisen; eine solche Gesellschaft dahinschwebender Pelikane ge-
währt einen prächtigen Anblick, an dem man sich nicht satt sehen
kann. Des Nachts ruhten sie in der Spitze hoher Uferbäume oder
in einem Wäldchen von Borassuspalmen. Diese Art wurde überall
am Flusse angetroffen, besonders aber hielt sie sich in den Reis-
distrieten auf, wo die Eingebornen breite Gräben zur Bewässerung
des Landes gezogen haben, die sehr viele Fische enthalten. Im
296 Dr..6. A. Fischer:
Flusse selbst trifft man immer nur einzelne Exemplare. Sie brüten
nicht in der Nähe des Flusses; die Eingebornen gaben an, dass
sie mehrere Tagereisen von demselben entfernt auf einem sandigen
Terrain ihre Eier legten. An der oben genannten Stelle des
Flusses bei Ngau war Hoplopterus spinosus (No. 404), Tirangole
bei den Wapokomo genannt, sehr häufig; die Vögel flogen, wenn
man sich näherte, eine Strecke in die Luft und umkreisten dann
unter fortwährendem Geschrei die Menschen. Oedienemus vermi-
culatus wurde hier wie überhaupt an den Flussufern häufig be-
merkt, er heisst Keriombe bei den Eingebornen; auch Limnetes
crassirostris (403) sah ich zuerst, später noch mehrmals an Seen,
die mit dem Flusse in Verbindung standen. In ungeheurer Schaar,
zu 2—300 Stück, erschien allmorgendlich auf dem fruchtbaren
feuchten Ackerlande Glareola ocularis, gegen 10 Uhr entfernten
sie sich wieder, um häufig Abends hierher zurückzukehren. Nur
an diesem Terrain bei Ngau bekam ich die Art zu sehen.
Ibis aethiopica und Hagedasch viele Reiher und Scopus umbretta
fanden hier auch reichliche Nahrung. Chenalopex aegyptiacus bot
hier eine tägliche willkommne Beute; sie sucht sich, wenn man
sich nähert, zunächst durch Laufen der Gefahr zu entziehen.
Ueberall am Flusse wurde sie angetroffen, besonders an solehen
Stellen, wo, der Fluss Ausbuchtungen hat, in denen das Wasser
ruhiger floss; an solchen Stellen schien sie auch ihre Brutplätze
zu haben. Die ersten noch nicht függen Jungen sah ich im August,
später solche im September und October, welche in das dichte
Gras der Flussufer flüchteten, während die Alten laut schreiend
den Platz umkreisten. Die pfeifende Stimme von Dendrocygna
viduata hörte man alle Morgen und Abend, wenn die Züge ihre
bestimmten Wege von resp. zu den Schlafplätzen machten. Sar-
eidiornis melanotus erlegte ich mehrere Male an einem kleinen See
bei Eugatana. Unweit der seeartigen Verbreiterung des Flusses
bei der Ortschaft Ngau befand sich auf einem in den Fluss vor-
springenden Landstücke ein Wäldchen von Borassus-Palmen, die
ihres prächtigen Blätterschmuckes noch nicht beraubt waren. Hier
befand sich eine Colonie von Zeptoptüos crumenifer; es waren
jüngere Thiere in einer Anzahl von etwa 25 Stück, die sich noch
nicht von der ihnen lieb gewordenen Geburtsstätte trennen moch-
ten und Mittags während der heissen Zeit und Nachts hier ruhten.
Alte Vögel waren nicht zur Stelle. Auf den mächtigen Blatt-
stielen sassen auch die aus starken Reisern erbauten umfang-
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 297
reichen Nester dieser Art. Nach Aussage der Eingebornen, die
den Marabu ebenso wie die Suaheli „Babalona“*) nennen, hatten sie
hier im April gebrütet.
An den Gräben und Kanälen, welche überall durch die Reis-
felder gezogen sind und von dem Wasser des Flusses gespeist
werden, trieb sich zu einzelnen Exemplaren Aectitis hypoleucus
(No. 309) umher. Hin und wieder wurde an den Ufern des Flusses
ein Ardea Goliath gesehen; am 6/11. wurde mir in Malacote ein
weisses Ei gebracht, das angeblich diesem „Argale“ genannten
Vogel angehörte Das Ei sollte auf dem Sande in der Nähe des
Ufers gelegen und der Reiher über demselben gesessen haben.
Von andern Reihern machten sich während der Fahrt auf dem
Flusse bemerkbar: Ardea purpurea, melanocephala, alba, garzetta,
comata, atricapilla; letzterer trieb sich einzeln am Rande des Ufer-
waldes umher. In einer Anzahl von 6—10 Exemplaren zeigte sich
einige Male Ardea nycticorax. Platalea sah ich nicht, doch kennen
ihn die Wapokomo unter dem Namen „Balacombe“. Anastomus
lamelligerus watete oft in Anzahl von 50—100 Stück in dem seichten,
auf überflutheten Wiesenflächen stehenden Wasser; „Kokola“ nennen
ihn die Eingebornen. Scopus umbretta machte sich mir in einzelnen
Exemplaren an kleineren Teichen bemerkbar; er heisst bei den
Suaheli „Sinje“, bei den Wapokomo „Kitotore“. Tantalus Ibis
stand häufig zu 4—6 Stück am Flusse; am 4/10. wurden mir in
Muniuni zwei junge Nimmersatt gebracht, die angeblich im Mai
aus dem Neste genommen worden, das sich in einer Borassus-Palme
befunden haben soll. In dem dichten, noch in den Fluss hinein-
reichenden Grase haust Podiceps minor und Ortygometra nigra und
pygmaea (No. 340); diese sowie auch Parra africana finden sich
ebenfalls in den meisten Sümpfen und Teichen nahe dem Flusse;
von letzterer Art erhielt ich im October Eier. Auch Podica Petersi
lebte im Flusse, von welcher Art ich am 18/9. ein 2.bei Muniuni
erlegte. Dieser Vogel ist ausserordentlich vorsichtig, lässt sich nur
selten blicken und hält sich besonders an solchen Orten auf,
wo dichtes Gestrüpp über die Ufer herüberhängt; auch in dem
unter Wasser stehenden Uferwalde treibt er sich umher und ist
auch in den mit Schilf durchwucherten Seen zu finden. Die son-
derbare Stimme des Thieres vergleichen die Eingebornen mit dem
Tone, der beim Schlagen ihrer Trommel entsteht; man vernimmt ein
*) Dieser Name ist in meinem früheren Berichte fälschlich für PARoenz-
copterus angegeben.
298 Dr. G. A. Fischer:
dumpfes gedämpftes tiefes duhü. Die Graculus wurden weiter
stromauf viel seltener, als sie es in der Nähe der Küste sind.
Zweimal machte ich die Bekanntschaft von Zhynchops flavirostris;
das erste Mal auf der Fahrt von Ngau nach Engatana am 6/9. an
einer Stelle des Flusses, wo eine Sandbank in denselben hinein-
ragte und eine kleine Bucht bildete, in der das Wasser nur wenig
Strömung hatte; an dieser Stelle befanden sich auch sehr viele
Krokodile. Die Vögel, ungefähr 100 Individuen, ruhten auf der
'Sandbank, ihre Federn putzend auch wohl miteinander spielend.
Von Zeit zu Zeit flogen einige Exemplare, auch wohl der ganze
Schwarm unter klagendflötenden Lauten auf, führten einige kühne
Schwenkungen in der Luft aus und liessen sich dann wieder auf
dem Sande nieder. Bei der Rückfahrt traf ich denselben Schwarm
an einem ähnlich gestalteten Terrain des Flusses am 11/11. ober-
halb der Ortschaft Valimi. Von den 6 erlegten Individuen hatten
nur 3 eine ölige Flüssigkeit im Magen, eines neben dieser einige
Wirbel kleiner Fische, bei zweien aber war der ganze Magen so
mit feinen spitzen Fischgräten vollgepfropft, dass er schon aussen
ein höckeriges Aussehen hatte und sich stachelig anfühlte; von
Fleisch oder sonstigem Inhalt keine Spur. Das Fleisch der Vögel
hatte einen starken Fischgeruch.
Wenn man vom Flusse aus durch den Uferwald gedrungen
ist, der eine Breite von 1—200 Schritt hat, so gelangt man in ein
sehr charakteristisches Terrain, in die eigentliche Steppe des süd-
lichen Gallalandes. Diese beginnt erst einige Tage von der Küste
entfernt, das Hochgras mit den Dumpalmen verliert sich, der Lehm-
boden macht einem körnigen, röthlichbraunen, mit Sand untermischten
Platz; ein kürzeres Gras bedeckt den Boden, das schon bald nach
der Regenzeit wie verbrannt aussieht. Grössere Schirmakazien
und kleine verkrüppelt aussehende Mimosen sind fast die einzigen
Bäume, um welche zu Gruppen zusammen stachlige Wolfsmilch-
gewächse, zum Theil mit rundlichen wurmähnlichen Blättern, zum
Theil mit breiten, stachligen stehen, die täuschend wie Cactus
aussehen. Dazwischen standen auch stachlige, den Agaven ähn-
licbe Gewächse, die mit jenen nach dem Flusse hin eine undurch-
dringliche Mauer bildeten. Nur an wenigen Stellen, meist alten
Elephantenpfaden, ist es möglich, vom Flusse aus durchzukommen.
In diesen bald dichteren, bald lichteren Akazienhainen, welche sich
soweit das Auge blicken kann ausdehnen, nur zuweilen durch eine
sumpfige Niederung mit üppigerem Gras- und Baumwuchs oder
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 299
einem kleinen See unterbrochen, und welche, obwohl sie einen
öden Eindruck machen, doch auf den Beschauer einen grossen
Reiz ausüben, leben eine grosse Anzahl von Vogelarten, die man
zum Theil nur hier findet. Die Zeit, welche hier zu verbringen
mir vergönnt war, war nur eine sehr kurze, so dass bei dem
vielen mir Unbekannten, dass sich hier bot, ein Beobachten der
Lebensweise und Kennenlernen der Stimmen kaum möglich war;
ein längeres Verweilen und besonders ein noch weiteres Vordringen
in’s Innere hätten eine bei weitem grössere Artenzahl ergeben.
Zunächst fiel durch seine eigenthümlichen Stimmlaute Trachy-
phonus squamiceps (No. 356) auf; er sass meist frei auf Akazien-
büschen; dann Prionops poliocephalus (382) mit seiner lauten, an
die Flötentöne der Dryoscopus-Arten erinnernden Stimme. Einzelne
Exemplare von Coraphites leucotis suchten auf dem Erdboden nach
Futter; Fringillaria flavigaster (No. 375) sah ich nur einmal;
Passer petronella (392), den ich zwei Mal bemerkte, scheint ein
ruhigeres Leben zu führen und weniger lebhaft zu sein als seine
Verwandten. Sazicola isabellina (407) und (386) sassen auf nie-
drigen Sträuchern, Bradyornis pallida fing nach Fliegenfängerart
Insekten aus der Luft. In Flügen von 4—10 Stück streifte der
prachtvolle Glanzstaar Cosmopsarus regius (No. 573), ein sehr scheuer,
vorsichtiger Vogel, durch den Hain; in grösserer Anzahl, aber eben-
falls bei der geringen Deekung schwer zu erreichen, Lamprocolius
Hildebrandti (No. 393). Schizorhis leucogaster belebte in Gesell-
schaften von 4—10 Stück die höheren Bäume. Auf dürren Bäumen,
auch wohl in wenig belaubten Mimosen sassen nach Insekten
spähend Zanius (397) und Merops albicollis. Indicator Sparrmanni
(355), bei den Eingebornen „Titu“ genannt, kam, sobald er der
Menschen ansichtig wurde, unaufhörlich sein „te te te u. s. w.“
schreiend, heran ; seltener zeigte sich Indicator maculicollis (366);
Colius leucocephalus (362) hockte zu mehreren dicht bei einander
im Innern der Mimosen. In Flügen von 4—10 Stück strichen
durch leicht bewaldete Stellen Macrony& tenellus (364); rasch über
den Boden hinlaufend, sucht sie sich zunächst der Gefahr zu ent-
ziehen und lässt sich, aufgescheucht, auch bald wieder auf denselben
nieder, seltener flüchtet sie sich auf Bäume. Ihr Flug ist schwach
wellenförmig, ihre Stimme ähnelt der von Anthus Raalteni. Textor
Dinemelli, von dem ich nur wenige Exemplare zu Gesicht bekam,
hat eine von andern Webervögeln sehr abweichende Stimme. In
-—- kleinen Schwärmen streifte Vidua Verreauxi (359) umher, : grössere
*
300 Dr. @. A. Fischer:
Schwärme von Vidua principalis suchten auf dem Boden Futter
und flüchteten zwitschernd auf die Gipfel höherer Bäume. Von
Vidua splendens (393) sah ich nur wenige Exemplare, auch sie
trieben sich wie die vorige Art, mit der sie in Benehmen, Stimme
und Flug die grösste Aehnlichkeit haben, auf dem Erdboden umher.
Neetarinia Longuemarü (387) streifte paarweise durch die Akazien,
Blätter und Zweige nach Insekten absuchend. Zahleich waren
auch niedliche Fringilliden, welche an reifen Grashalmen kletterten:
Pytelia (No. 374, 385 und 377); auch eine der Pytelia melanotis
ähnliche Art bemerkte ich unter ihnen. An einer sumpfigen Stelle
in der Nähe des Uferwaldes sah ich zwei Exemplare von Pyre-
nestes (No. 384). Von alten Bekannten fand ich in diesem Terrain
noch: Terpsiphone melanogastra, Dryoscopus funebris (244), dessen
Stimme fast aus jedem Akaziengebüsche tönte, Meristes olivaceus,
Dierurus fugax, Nectarinia collaris, und Kalckreuthi, während guttu-
ralis sich an einigen Stellen in der Nähe des Flusses aufhielt.
Crithagra butyracea, Hyphantornis Cabanisi, Ploceus, Hyphanturgus
nigricollis, Speculipastor bicolor, Oriolus Roletti, Colius leucotis
und Chrysocoeeyz Claasü (243), Caprimulgus Fossei, der Morgens und
Abends sein meckerndes Geschrei, das wie „päpäpäpä u. Ss. w.'
klingt, lange Zeit hören lässt, Turtur semitorquatus zu 20 —30 Stück
auf den Schirmakazien sitzend, in deren Innern ich ihr Nest fand,
Turtur capieola, Chalcopelia afra und tympanistria. Ein seltener
Vogel scheint Falco semitorguatus zu sein, von dem ich nur in
diesen Akazienhainen zwei Mal ein Exemplar zu Gesicht bekam;
das eine, welches ich erlegte, war ein blaurückiges, das andere ein
rothrückiges Individuum; im Magen befanden sich kleine Eidechsen,
die zahlreich über den trocknen Boden huschten. Hin und wieder
lief ein Cursorius cinctus (381) aus dem Euphorbiengebüsch hervor;
ein erlestes Weibchen trug ein kirschgrosses Ei am Ovarium.
Eine kleine graubraun gesprenkelte Trappe, der verdeckte Basis-
theil der Federn der Unterseite zartockerfarben — der Balg ging
verloren — lebte zu Paaren in diesem Terrain. Numida Pucherani
flog häufig in Ketten von 50—100 Stück unter lautem Schreien
empor, auch Aeryllium vulturinum findet sich im Flussgebiet des
Tana, wie ein lebendes Exemplar bewies, welches am 10/11. bei
Malacote im Uferwalde in einer Schlinge gefangen worden. Das
laute hässliche Geschrei von Francolinus Granti wurde hier auch
überall gehört. Der Strauss hält sich in der Nähe des Flusses
nicht auf, da er hier zu sehr beunruhigt wird. Ein Mboni brachte
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 301
am 27/9. in Muniuni ein ziemlich frisches Ei, das er zwei Tage-
reisen vom Flusse entfernt gefunden hatte.
Die Wapokomo sind keine Thierfreunde; das Huhn ist das
einzige Hausthier, welches sie besitzen; es unterscheidet sich in
nichts von den unsern gewöhnlichen Bauernhühnern gleichenden
Hühnern der Suaheli. Die Hühner der Galla sind dagegen hoch-
beiniger und starkknochiger wie diese. Die Suaheli haben Cairina
moschata eingeführt, die aber wenig verbreitet ist. Einmal sah ich
domesticirt Ohenalopex aegyptiacus, die jung eingefangen waren
und wie zahme Gänse in der Ortschaft umherliefen. Auch im
Fangen von Vögeln zeigten sich die Eingebornen sehr ungeschickt
und hatten wenig Interesse dafür. Das Fleisch aller Vögel wird
gegessen, mit Ausnahme derjenigen, welche Aas und Schlangen
fressen; aus ersterem Grunde wurde auch das Fleisch von Scopus
umbretta verschmäht. Die Galla verschmähen das Fleisch der
Vögel durchaus, auch Hühner werden von ihnen nicht gegessen.
Die Schwanzfedern des Hahnes, die Straussenfedern und solche
anderer grossen Vögel sind bei den Wapokomo sehr gesucht, welche
sie entweder auf dem Scheitel befestigen oder in die Ohrlöcher
stecken.
Bei meiner Rückkehr zur Küste machte sich die trockne Jahres-
zeit schon sehr bemerkbar; das Laubwerk sah zum grossen Theil
verdörrt aus, kleine Seen und Sümpfe waren schon ausgetrocknet,
so dass sich die an letztere Localitäten gebundenen Vögel nach
anderen Plätzen umsehen mussten. In Folge dessen hatten sich
bei Tschara und Kipini, wo sich grössere Sümpfe befanden.
viele Grallatoren eingefunden, die während der Regenzeit hier nicht
anzutreffen sind. So fand sich hier Zemnetes crassirostris (403)
und zahlreich Hoplopterus spinosus. Auch ein Exemplar von Myc-
teria senegalensis sah ich schweren Fluges über das Wasser hin-
streichen. Wenige Exemplare von Ciconia episcopus standen be-
wegungslos auf kleinen aus dem Wasser hervorragenden Gras-
inseln. Nach Aussage der Suaheli soll auch Phoenicopterus hier
erscheinen, den sie „Kingäamtu“ nennen. Meine Zeit und Gesundheit
erlaubte es leider nicht mehr, mich hier aufzuhalten, es hätten
hier meist interessante Funde gemacht werden können, wie denn
überhaupt eine während der trocknen Jahreszeit gemachte Samm-
lung manche andere Arten ergeben würde; auch wird das Sammeln
in mancher Beziehung erleichtert, weil sich die Thiere an bestimmten
Wasser führenden Orten concentriren. So waren bei Kipini zahl-
302 Dr. G. A. Fischer:
reiche Merops nubicus erschienen; und viele Sazicola isa-
bellina (407) hatten sich hier eingestellt. Auch Zanius caudatus,
den ich sonst hier nicht bemerkt, zeigte sich häufig. Das erlegte
Exemplar, ein 9, trug an den Bauchseiten zwei grosse kastanien-
braune Flecke, die ich bei früheren Exemplaren mich nicht er-
innere gesehen zu haben. Am 15/12. erlegte ich bei Kipini auch
Muscicapa grisola. An der Mündung des Tana-Flusses fand ich
um die Zeit noch einige Webervögel brütend, die meisten hatten
die Brutstätte schon verlassen; es waren hauptsächlich Zyphan-
tornis Bojeri. Doch fanden sich einzelne blassblaue Eier in den
Nestern, welche möglicher Weise von H. aureoflavus herstammen.
Denn die Eier, welche ich augenblicklich auf Sansibar von letzterer
Art sammele, haben, soweit ich mich jener erinnere, dieselbe Grösse,
Form und Färbung. 7. aureoflavus baut übrigens nicht ausschliesslich
in Cocosnussbäumen; ich fand hier in letzter Zeit zahlreiche Nester
dieser Art, die in Artocarpus und Adansonien angelegt waren.
In Mombas fand ich im December Zirundo puella (410) vor,
die hier während der trocknen Jahreszeit — December bis April —
zu brüten scheint. Bei meinem Aufenthalte im Jahre 77 während
der Monate Mai bis August hatte ich die Art in Mombas nicht
bemerkt; sie scheint daher mit Eintritt der Regenzeit anderswohin
zu ziehen. Sie umflog die arabischen Steinhäuser wie unsere Haus-
schwalbe, war sehr zutraulich und liess sich häufig im Innern der
Häuser nieder, die ihnen mit ihren offenen Hallen gute Nistplätze
boten. Ich fand ein eben vollendetes Nest unter dem Gesimse an
einen Balken angelehnt; von diesem lief es in schräger aufsteigender
Richtung zur Decke des Raumes; die Länge betrug 21 cm.; an
der Basis hatte es 30 cm. Umfang an der Spitze 15 cm., so
dass die Eingangsöffnung 4 cm. im Durchmesser hatte. Es war
aus Lehmklümpchen zusammengefügt und hatte im Innern keine
weitere Auskleidung. Die Schwalbe liess bald ein leises „zizi“,
bald ein schnarrendes „terr‘“ hören; die && besassen ausserdem
einen kurzen Gesang, der an den von Sycobrotus Kersteni er-
innerte, aber weniger flötend als zwitschernd ist.
Bei einem Besuche in Bagamojo hatte Februar dieses Jahres
fand ich Hirundo puella dort ebenfalls; auch Zirundo aethiopica
baute dort in den Steinhäusern; eine Brut hatte schon stattge-
funden. Eines Nestes dieser Schwalbe hatte sich Passer Swainsoni
bemächtigt, dessen Junge dem Ausfliegen nahe waren. In den
Cocosnussbäumen traf ich grosse Colonien von Hyphantornis nigri-
,}
Briefliche Reiseberichte aus Ost-Afrika. IV. 303
ceps; es befanden sich zum Theil Junge, zum grössten Theil aber
frisch gelegte Eier in den Nestern. Ich erlangte in Bagamojo noch
eine Petrocincla (No. 412); nur das eine Exemplar wurde bemerkt,
welches auf frisch geackertem Felde sich umhertrieb. Von anderen
Arten bemerkte ich nachfolgende dort: Bessornis Heuglini, Motacilla
flava, Anthus Raalteni, Maeronyx croceus, Cisticola tenella, Cisti-
cola haematocephala, Orithagra butyracea, Pyrenestes unicolor, Vidua
principalis, Verreauxi, Euplectes nigriventris, flammiceps, Spermestes
cueullata, rufodorsalis, Habropyga astrüd, Hyphanturgus ocularius,
Hyphantornis Bojeri, Lamprocolius melanogaster, Corvus scapulatus,
Andropadus flavescens, Pycnonotus nigricans, Lanius caudatus, Tele-
phonus erythropterus, Dryoscopus sublacteus, Salimae, leucopsis, Chlo-
rophoneus quadricolor, Dierurus fugax, Terpsiphone melanogastra,
Platystira senegalensis, Bradyornis pallida, Cypselus parvus; Merops
nubicus in grosser Anzahl, nur in dieser Zeit hier anzutreffen, Me-
rops albicollis, Alcedo cristata, Halcyon semicoerulea, chelicutensis,
Coracias garrula, ebenfalls nur in dieser Jahreszeit hier anwesend,
Buceros abyssinicus, Barbatula affınis (1732), Colius leucotis. Eine
‚Corythaix-Art, ihre Stimme ein helles „ku ku ku ku ku“, ähnlich der
von Corythaix Fischeri, Centropus superciliosus, Chrysococey& cupreus,
Indicator minor, Zanclostomus australis, Coccystes pica;, ein jüngeres
Thier wurde erlegt mit braunen Federn in Schwingen und Mantel; im
Magen befanden sich behaarte Raupen. Pionias fuscicapilus, Mivus
Forskali, Haliaetos vocifer, Chalcopelia afra, Turtur semitorquatus,
Francolinus Granti, Oedicnemus vermiculatus, Parra africana, Orty-
gometra nigra.
Was Buceros abyssinicus betrifft, dem ich hier zum ersten Male
begegnete, so spazierte er auf einem frisch geackerten Felde raben-
artig umher; in der Nähe befand sich ein zweites Exemplar. Bei
Annäherung suchten sie sich zunächst durch Laufen der Gefahr
zu entziehen, flogen dann eine Strecke weit, liessen sich aber bald
wieder auf die Erde nieder; schliesslich bäumte ein Individuum auf
einer Adansonie; die Stimme bestand in einem dumpfen hohlen
„dudu‘“, das vom 2 in etwas höherem Tone beantwortet wurde;
die Stimme war übrigens nicht sehr laut. Das erlegte 2 hatte
weisse schwach grünlichgelb angehauchte Iris, ein schmaler Ring
um die Pupille war braun, Schnabel in ganzer Ausdehnung schwarz,
nackte Haut um’s Auge und die untere Hälfte des Kehlsacks in-
tensiv blutroth, die obere Hälfte des letzteren violett-bleifarben.
Im Magen befanden sich Käfer und Heuschrecken. Auf der fran-
304 August Müller:
zösischen Missionsstation in Bagamojo hielt man längere Zeit einen
lebenden Vogel dieser Art, der sehr zahm war und dem, der ihm
täglich Futter reichte, wie ein Hund nachlief,; er frass rohes
Fleisch, Ratten, Eidechsen, Schlangen, machte sich aber dadurch
sehr unnütz, dass er junge 'Pflanzungen zerstörte, indem er die
Pflänzchen mit dem Schnabel ausriss; Nichts war vor ihm sicher.
Zur Naturgeschichte des Ixos xanthopygius,
Hempr. und Ehrb.
Von
Aug. Müller, Halle a. d. S.
(Hierzu Taf. I. Fig. 4. 5.)
Eine im Herbste 78 an Herrn Wilh. Schlüter in Halle a. d. S.
ergangene Sendung Naturalien, die in der Umgebung von Beirut
in Syrien gesammelt waren, enthielt neben Anderem auch eine
grössere Anzahl von Bälgen von Zxos xanthopygius, worunter sich
ein Exemplar im Jugendkleide vorfand. Ausserdem brachte diese
Sendung das Nest mit 2 zugehörigen Eiern von genannter Species.
Das Kleid des jungen Vogels fand ich — soweit mir die
Literatur vorlag — nur in „Baron C. Cl. v. d. Decken’s Reisen in
Ostafrika“ beschrieben *), allerdings nur sehr flüchtig, zumal der
Verfasser im Zweifel war, den jungen Vogel, oder das 2 vor sich
zu haben. Ei und Nest dagegen sind meines Wissens nach noclı
nicht bekannt, wenigstens noch nicht beschrieben, und dürfte es
deshalb nicht ohne Interesse sein, wenn ich nachstehend, neben
der Beschreibung des jungen Vogels, auch eine solche von Nest
und Ei folgen lasse.
Der Ausbeute des Sammlers nach zu urtheilen, muss Zxos
xanthop. ein häufiger Vogel für die Umgebung von Beirut sein,
und wenn die Sendung an Eiern, im Vergleiche zur Anzahl der
Bälge, so schmal ausfiel, so mag dies seine Ursache wohl darin
haben, dass der Sammler erst gegen Ende der Brutperiode in ge-
*) Diese Beschreibung basirt nicht auf einem Decken’schen Exemplar,
sondern ist eine compilatorische Zugabe in Bd. IV. Die Deeken’schen
Originale wurden von mir in „Bd. III. Vögel“ bearbeitet und ist daselbst
pag. 29 ausdrücklich hervorgehoben, dass der ostafrikanische nigrieans nicht
unbedingt mit dem westasiatischen wanthopygos Ehbg. zu identifieiren sei.
Ich halte immer noch dafür letzteren als grössere Abart gesondert betrach-
ten zu nıüssen, Cabanis.
Zur Naturgeschichte des Ixos zanthopygius. 305
nannter Stadt eintraf, oder aber wahrscheinlicher Weise mit den
Niststellen noch nieht bekannt war. Die Etiquettirung der Bälge,
die, nebenbei erwähnt, eine sehr gewissenhafte genannt werden
kann, zeigt, dass die alten Vögel in der Zeit von Mitte Mai bis
Anfang Juli erlegt worden waren, während das junge Exemplar,
ein d, vom 15/7. datirt ist.
Bei dem alten Vogel ist bekanntlich die ganze Kopfbefiederung,
ebenso die der Kehle eine tief schwarze und der Uebergang im
Nacken in das düsterfarbige Erdbraun des Rückens ein schroffer,
nicht so an der Kehle, indem hier die schwarze Zeichnung nach
dem Kopfe zu allmählig in erd- oder rauchbraune übergeht und
erst auf der Brust in die grauweisse mit bräunlicher Untermischung
verläuft. Nur ein einziges @ zeigt neben etwas geringeren Maassen
eine weniger intensive schwarze Färbung des Kopfes, hervorgerufen
durch eine stellenweise, kaum merkliche Untermischung mit dunkel-
braunen Federchen. Ich vermuthe in diesem $ einen nicht ganz
alten Vogel und bin der Ansicht, dass sich beide Geschlechter im
ausgefärbten Kleide nicht von einander unterscheiden. Das junge
Exemplar dagegen trägt ein durchschnittlich helleres Kleid, ebenso
wie die Schwanzfedern, die bei dem alten Vogel auf ihrer Oberseite
fast schwarz werden, dunkelgraubraun sind. Auch:die schwefelgelben
Bürzelfedern erscheinen weniger intensiv gefärbt. Auffallend hell
in der Färbung ist die Befiederung auf dem Kopfe, dem Kinn und
der Kehle, und .besonders ersterer nicht mehr schwarz, sondern
dunkelrauchbraun zu nennen, so dass eine scharfe Abgrenzung in
der Zeichnung zwischen Nacken- und Rückengefieder überhaupt
fehlt. Obgleich nicht so auffallend, so tritt derselbe Umstand
auch an der Kehle ein, wenn auch hier das Schwarz nicht ganz
verdrängt ist und besonders noch nach den Zügelgegenden und
dem Schnabel zu bestehen bleibt. Ein dem alten Vogel charakte-
ristischer, nur wenig hervortretender gelber, kaum merklich grau
untermischter Streifen am Flügelbug fehlt dem Jungen gänzlich.
Die Maasse des letzteren sind folgende:
Long. tot. caud. rost. #17. GC) al. tars.
18,8 Cm. 8,2 Cm. 1,7 Cm. 8,7 Cm. 2,1 Cm.
Dieselben Messungen, an den alten Vögeln vorgenommen, er-
gaben folgende Durchschnittsresultate:
*) Oberschnabel von der Stirne bis zur Spitze gemessen, jedoch nicht
den Bogen, sondern dessen Sehne.
Cah. Journ, f. Ornitn, XXVII, Jahrg. No. 147. Juli 1979, 20
306 August Müller:
Long. tot. caud. rostr. a. fr. al. tars.
19,75 Cm. 9 Cm. 1,78 Cm. 9,59 Cm. 2,22 Cm.
Die Eier, auf Tafel I. abgebildet, messen:
Fig. 4. 24,1 Mm. : 17,2 Mm.
Fig. 9. 28,8: „et
und wurden nach Angabe des Sammlers am 9/7. in einem und dem-
selben Neste aufgefunden. Es muss deshalb Wunder nehmen, dass
die beiden Eier, die doch von einem und demselben $ stammen,
solche Verschiedenheiten in der Zeichnung zu einander zeigen, wie
ich dies im Bilde wiederzugeben versuchte. Allerdings ist von
Fig. 4 die weniger intensiv gefleckte, von Fig. 5 dagegen die
dunklere Seite copirt, so dass die beiden Eier im Bilde sich gegen-
seitig mehr von einander unterscheiden, als es in der Wirklichkeit
bei einer oberflächlichen Betrachtung der Fall ist. Neben rein
weisse Eier gelegt, lässt ihr Grund einen kaum nennenswerthen
röthlichen Anhauch erkennen, welchen mehr oder weniger scharf
abgegrenzte, theils intensive, theils fast verschwindende, blaugrau
erscheinende, grössere und kleinere Flecken bedecken. Sowohl
über diese, als auch über dem hellen Grunde lagern scharf mar-
kirte, gerundete, hell bis tiefdunkel-rothe Flecken, Punkte und
Pünktchen, die sich bei Fig. 5 nach dem stumpfen Pole zu an-
häufen und verhältnissmässig an Grösse zunehmen, so dass das-
selbe einen deutlichen Fleckenkranz erkennen lässt, zumal wenn
man das Ei mit seiner helleren Seite vor sich liegen hat. Schmutzig-
hellröthlich-braune, unregelmässig gestaltete und verwischte Fleck-
chen, die dem hellen Exemplare fast gänzlich fehlen, über das
dunkle Ei dagegen verbreitet liegen, geben letzterem an und für
sich schon einen düsteren Anhauch.
Wie schon erwähnt, nannte ich die unter der rothbraunen
Zeichnung lagernde Fleckung eine „anscheinend“ blaugraue, eine
Täuschung, die ihre Ursache darin haben mag, dass dunkelbraune
Flecken daneben stehen, oder theilweise decken. In Wirklichkeit
ist meiner Ansicht nach die blaugraue Färbung dadurch entstanden,
dass ursprünglich rothbraune Flecken von einer weissen Kalk-
schicht überdeckt und je nach der Stärke dieser Kalkschicht die
verschiedenen Nuancen gebildet wurden.
Bei einem nicht unbedeutenden Glanze lässt die Schale mit
Hülfe der Loupe nur geringe Unebenheiten erkennen, und nur mit
Mühe gewahrt man deutliche, jedoch nur sparsam vertretene Poren-
bildung. Dabei ist der innere Schein des Eies gelblich,
' Zur Naturgeschichte des /xos zanthopygius. 307
Das Nest, welches auf einem Citronenbaume stand, oder, wie
der Sammler wörtlich schreibt: „unter der Spitze eines Citronen-
baumes“, ohne weitere Angaben bezüglich der Höhe beizufügen,
schwankt hinsichtlich seines grössten Durchmessers zwischen
13,5—15,5 Centimeter, bei einer Höhe von ca. 5,5 Cm. und eines
grössten Umfanges von 45 Cm. Die Dicke der Nestwandung, die
nach dem oberen Rande zu an Stärke zunimmt, wechselt an dieser
Stelle zwischen 2—4 Cm., während die dünne Unterlage, die so-
gar an einer Stelle durchscheinen lässt, ohne dass es den Anschein
nimmt, als sei das Nest nicht vollständig, von 2 bis kaum 1,5 Cm.
Dicke hat. Während der Durchmesser des inneren Napfes, an
seinem oberen Rande gemessen, 8—9 Cm. misst, ergeben sich bei
Messung des Umfanges, das heisst der inneren Weite, ca. 26 Cm.,
bei einer grössten Tiefe von ca. 4 Cm. Trotzdem dass das Nest
sehr gut erhalten ist, lassen sich Spuren von Asteindrücken nur
an zwei Stellen, jedoch höchst undeutlich erkennen. Die Bestand-
theile des Nestes sind zum grössten Theile bastartige Pflanzenstoffe
und scheinbar Thierwolle. Letztere bildet fast ausschliesslich die
äussere Bekleidung und ist besonders nach dem oberen Rande
zu massig angehäuft, so dass sie sich hier stellenweise in voll-
ständigen Wollklumpen ansetzt. Wo sie weniger massig eingefilzt
ist, oder fast verschwindet, treten mehr oder weniger dicke Bast-
stengel hervor, die auf der unteren Nestfläche unregelmässig zwi-
schen den Wolltheilen eingelagert, nach dem oberen Rande zu da-
gegen wohlgeordnet liegen und mit Hülfe der Wolle fest in ein-
ander verfilzt sind und dem ganzen Neste einen festen Halt geben
Hier und da haben die Erbauer neben Moostheilen auch Blatt-
überreste eingewoben. Ausser einer Quercus dex lassen sich die-
selben jedoch nicht bestimmen. Die Wolle, die bei der äusseren
Nestbekleidung das fast ausschliessliche Material ausmacht, fehlt
dem inneren Napfe fast gänzlich und wird durch feine Basttheil-
chen, untermischt mit zarten Würzelehen, ersetzt. Erstere sind
theilweise fein zerschlissen und bilden lange, breite Büschel, deren
Vorhandensein sich nicht nur auf die innere Nestmulde beschränkt,
sondern die die ganze Nestwandung mehr oder weniger durch-
setzen. In seinem Habitus und seiner Bauart erinnert das Nest
an jenes unseres Oriolus galbula.
Nach „Baron C. Cl. v. d. Decken’s Reisen in Ostafrika“ *) ist
die Verbreitung unseres Vogels wie folgt:
*) D. h, nicht nach Bd. III, sondern nach der im Bd. IV. pag. 297 und
20%
308 A. Reichenow und H. Schalow:
Syrien (Hemper und Ehrb., Antinori), steiniges Arabien (Rüpp.,
Heugl.), Palaestina (Tristram, Chambers), Egypten (Rüpp.), weisser
Fluss (Heugl.), Gazellenfluss (Antin.), Namakaland, Oranjefluss
(Levaill.), Kuruman im Betschuanalande, Colesberg im Kapgebiet
(Layard), Windvogelberg im Britisch Caffraria (Bulger), Kaffern-
land (Berl. Mus.), Natal (Mus. Hein., Ayres), Damaraland (Anders-
son), Mosambik (Peters, Sperling), Sambesi (Kirk), Usarammo am
Zusammenflusse des Kurgen mit dem Mgeta, Kasch (Speke), San-
sibar (Kirk, v. d. Decken), Gabon (Hartl.). Nicht in Senahr und
Kordofahn (Antin.).
Ausserdem kommt nach Krüper eine Zxos-Art auf mehreren
Inseln des griechischen Archipels vor, welche wohl die hier be-
schriebene sein dürfte. (Heugl., Ornitholog. N.-Ost-Afrikas.)
Compendium
der neu beschriebenen Gattungen und Arten.
Von
Ant. Reichenow und Herman Schalow.
iR
Die grosse Zahi von Fachzeitschriften aller gebildeten Sprachen,
welche gegenwärtig den Fortschritten der Ornithologie dienen, hat
das Bedürfniss nach einer Literaturübersicht schon lange noth-
wendig erscheinen lassen und uns bereits vor 2 Jahren veranlasst,
in der „Rundschau“ des Ornithologischen Central-
blattes Anzeigen und Referate über alle Publikationen in mög-
lichster Vollständigkeit zu bringen, welche vorläufigen Notizen noch
in der Folge, am Schlusse eines jeden Jahres, übersichtlich geordnet
und mit eingehenderer Inhaltsangabe der Aufsätze, in dem von uns
bearbeiteten ornithologischen Theil des neuen „Zoologischen
Jahresberichtes“ von Prof. Carus in ausführlicher Bearbei-
tung erscheinen werden. Die nöthige räumliche Beschränkung der
genannten Uebersichten hat es aber nicht ermöglicht, über die in
den verschiedenen Zeitschriften neu beschriebenen Arten eingehender
als mit einem kurzen Hinweis zu berichten, und doch ist gerade,
zur Vermeidung von Doppelbeschreibungen, ein Zusammenfassen
der zerstreuten, oft schwer zugänglichen Art-Diagnosen von grösster
Wichtigkeit für den Ornithologen, welcher in der Lage ist, öfters
Sendungen von Vogelbälgen zur Bestimmung zu erhalten. Wir
298 gegebenen Zusammenstellung. In dem reichen Schatze der dortigen
Synonymie und geographischen Verbreitung ist nicht Alles Gold, was glänzt.
Da der vorstehende interessante Aufsatz des Herrn A. Müller sich aus-
schliesslich mit dem westasiatischen zanthopygos Ehrbg. beschäftigt, so
wäre Alles, was sich auf den ostasiatischen nigricans Vieil. bezieht, zur
besseren Klärung der Frage hier wegzulassen gewesen. Cabanis,
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 309
sind daher überzeugt den Herren Collegen einen wesentlichen Dienst
zu leisten, wenn wir in diesem neu begründeten „Compendium“ die
Original-Diagnosen neu beschriebener Arten regelmässig in über-
sichtlicher Anordnung wiedergeben,
Ant. Reichenow. Herman Schalow.
SPHENISCIDAE,.
— Eudyptula Serresian a.
Oustalet, Ann. des Sc. Nat. VH Ser. tome VIII. No. 2
13. Artiele.4.
Es wird keine scharfe Diagnose gegeben. Die Art ähnelt der \
Eudyptula minor aus Neu-Seeland „mais il offre, au dessus des yeux,
deux petites touffes sourcilieres d’un jaune päle, rappelant en
petit celles qui existent chez Kudyptes chrysocoma, et il a d’ailleurs
les plumes du vertex bien plus longues, plus touffues, ce qui fait -..
paraitre la tete plus volumineuse. Lg. tot. 0,520, caud. 0,070,
rostr. 0,038, al. 0,120, tars. 0,038 Mtr.“ |
Hab.: Churruca, Feuerland (Museum d’Histoire naturelle, Paris).
PROCELLARILDAE.
4 Fregetta moestissima.
Salyım, B. 2.5. 1879: p. 30:
Omnino fuliginoso-nigrescens, alis et cauda nigricantioribus;
alis longissimis, cauda valde furcata; reetrieibus latissimis; tarsis
elongatis; digitis fere aequalibus, phalangibus proximis complanatis.
Long. tot. 9,5, alae 9,1, caudae rectr. med. 3,2, lat. 4,2, tarsi 1,9,
dig. med. cum ungue 1,3, rostri a rictu 0,9.
Hab.: Samoan Islands.
RALLIDAE.
Rallus gularis var. aldabrana.
A. Günther, Annales and Magazine of Natural History.
Vol. 3 No. 14 Febr. 1879. p. 164.
Von Rallus gularıs von Madagascar nur durch die Grössen-
verhältnisse der einzelnen Theile, besonders durch sehr kurze
Flügel unterschieden, wie die gegebene Zusammenstellung beweist:
Schnabel Flügel tarsus Mittelzehe
ohne Nagel
Exemplar v. Madagascar juv. 41 148 49 44
> „ „ n 39 147 46 41
5 „ Aldabra 5 44 119 42 38
adult. 45 116 42 34,5.
’ ’ „
Hab.: "Aldabra (Koralleninsel an der Ostküste Afrikas).
Megacrex n. gen.
d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova, XIV.
10. Marzo 1879. p. 129.
Nov, gen. Megacrex ex familia Rallidarum praebet rostrum
mediocre, culmine ad frontem lato et in scutum portice rotundatum,
fere ut in genere Gallinula, desinente; pedes longiusculos, robustos
ut in Rallina trieolori; alas parvas, ad volatum forsan ineptas;
310 A. Reichenow und H. Schalow:
digitum externum alae ungue arcata praeditum; caudam brevissi-
mam; staturam inter aves rallidas permagnam.
Typus: Megacrez inepta dAlb. et Salv.
Megacrex inepta.
d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova, XIV.
10. Marzo 1879. p. 130.
Pileo et cervice fusco-brunneis; fronte cinerascente; lateribus
capitis cinereis, loris obseurioribus, gula albida; lateribus colli,
medio pallide vinaceis, inferius brunneo-olivaceis; dorso olivaceo-
grisescente; uropygio, supracaudalibus et cauda brevissima obtecta,
brunneis; collo antico imo, pectore summo et lateribus pectoris
rufescentibus; pectore medio et abdomine albis, paullum rufo-tinctis;
lateribus olivaceis; abdomine imo et tibiis griseo-olivaceis; dorso
concoloribus; remigibus brunneo-olivaceis; rostro flavo-viridi; pedi-
bus nigris; iride saturate rubro-sanguinea.
Fem. Paullo minor.
Long. tot. 0,540—0,430; ala 0,190— 0,175; cauda 0,040; ostri
a marg. post clipei frontalis 0,077—0,071; tarsi 0,097—0,090 Mtr
Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea).
CRACIDAE.
Mitua salvini.
J. Reinhardt, Videnskab. Meddelelser fra d. naturhist. Fore-
ning Kjobenhavn. Jan. 1879.
9: nigra, chalybeo nitens, ventre imo, crisso et caudae apice
albis; loris dense plumosis; pilei plumis elongatis planis, tota longi-
tudine aeque latis; rostri rubri culmine compresso, postice non
incrassato; pedibus rubris.
Long. 0,664, ala 0,366, cauda 0,333, tarsus 0,110, rostrum
0,048, alt. rostri ad nares 0,028 Mtr.
PERDICIDAE.
Peloperdix rubrirostris.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di ae XIV.
1879. p. 251.
Superne brunneo-olivaces, plumarum marginibus nigris; capite
et collo nigris, plumulis longiusculis albis ad apicem latis, ommatis;
macula utrinque frontali et mento albis; pectore brunneo, plumulis
albis adsperso; abdomine nigro et albo vario; subcaudalibus nigris,
olivaceo-fasciatis; alis fuscis; cauda brunneo-olivacea, dorso conco-
lore; pedibus rubro-brunnescentibus; rostro corallino ; iride brunnea.
"Le. tot. 0,240, al. 0,140, caud. 0,40, rostr. 0,20, tars. 0,045.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
PHASIANIDAE.
Acomus inornatus.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV.
1879. p. 250.
Nigerrimus, plumis dorsi pectorisque et teetricibus alarum
pulcherrime nigro-chalybaeo marginatis; lateribus capitis nudis,
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen, 311
rubris; remigibus et rectricibus nigro-fuscis, minime nitentibus;
rostro fusco, apicem versus (in exuvie) flavido; pedibus griseis.
Lg. tot. 0,470, al. 0,235, caud. 0,150, rostr. 0,029, tars. 0,070.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
STRIGIDAE.
Asco butbro.
Hume, Sfray Feathers Vol. VII. No. 3—5, Dec. 1878. p. 316,
Like Asio accipitrinus but smaller; wing more rounded; tarsi
slenderer and longer; feet smaller and less feathered, exactly in
this respect as in A. madagascariensis; colours of upper surface
altogether different, more those of Bubo coromandus.
Hab.: Omara, Mekrancoart (India).
Ninox spilocephale. |
Tweeddale, P, Z. S. 1878. p. 939.
Nearly allied to N. phiippinensis of Luzon. The frontal and
- coronal feathers are brown, spotted with rufous — in some examples
bright rufous, in others pale tawny rufous. Some have the whole
under plumage, from throat to vent, dark centred; others have the
breast almost uniform rich rufous, without pale margins, and with
a subterminal brown transverse narrow band.
Hab.: Zamboanga, island of Mindanao.
Scops Everetti.
Tweeddale, P.Z.S. 1878. p. 942.
Eine scharfe Diagnose wird nicht gegeben. — „a large form
of S. lempiji as it occurs in Java. Above it has the deep rich
brown colouring of the Java species; the same broad dark brown
mark in the form of a parallelogram on the head and nape; the
same pale-coloured forehead; stripe above each eye and round the
nape, and the broad dark brown stripe leading from behind the
eye, and inclucing most of the ear-tufts. In the Zamboanga species
there are no pale uniform tawny or fulvous scapulars. Underneath,
the markings differ from those of the Javan bird by being more
confused, and by the absence of regular dark brown cross markings
on the abdominal plumes. The general colouring of the under
surface is of a ruddier brown. Wing. 6,50, tars. 1,20, tail. 3,50,
culm. 0,62.“
Hab.: Zamboanga, island of Mindanao.
Pseudoptyna Gurneyi.
Tweeddale, P. Z. S. 1878. p, 940. plate LVIII.
Sides of face bright pure unmarked rufous. Lengthened stiff
plumes springing from base of maxilla rufous mixed with tawny,
and many with dark-brown. Space above front of eyes, uniting
on forehead and extending back over the eyes, pale tawny rufous.
Crown and oceiput dark rufous, many of the feathers with a dark
brown broad mesial stripe. Nape and sides of neck pure rufous.
Lengthened ear-tufts the same, some with very narrow brown mesial
linear markings near their apices. Plumes bordering the facial
disk albescent tawny; some almost pure white, tipped with dark
312 A. Reichenow und H. Schalow:
brown. Chin and upper throat pale tawny rufous. Middle of throat
white. Breast and remainder of lower surface pure rufous, more
dilute on lengthened tibial plumes and under tail coverts. A few
pectoral plumes, with dark brown large terminal drops. Many
abdominal plumes, with dark brown elongated central stripes.
Back rufous, minutely freckled with brown, each feather with a
bold, irregular, dark brown central stripe. Scapulars like the
back, but some of the shorter and outer albescent tawny on outer
webs. The dark brown central marks are so arranged that the
back, together with the scapulars, appears to have three parallel
dark brown stripes running down it. Uropygium and upper tail-
coverts rufous brown, with darker shafts. Reetrices brown, minutely
freckled with pale rufous, and with eight or nine narrow pale
rufous cross bands. Minor and median wing-coverts brown, freckled
with rufous, and each with a dark narrow central brown line.
Major coverts brown on inner web, freckled with rufous on outer.
Quills brown, alternately banded with freekled brown and pale
rufous. Tertiaries pure rufous, with traces of dark brown along
the shafts. Carpal edge white; wing-lining yellowish white; some
of the under carpal coverts rufous. Thigh and tarsal coverts pale
rufous and tawny white.
Hab.: Zamboanga, island of Mindanao.
PLATYCERCIDAE.
Aprosmictus callopterus.
d’Albertise Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV.
10. Marzo 1879. p. 29.
Capite, collo et gastraeo toto rubro-puniceis; interscapulio,
uropygio, supracaudalibus et subcaudalibus pulchre cyaneis; scapu-
laribus nigris, cyaneo-marginatis; alis viridibus, remigibus ultimis
et tectricibus mediis anterioribus saturatioribus, fere nigricantibus;
tectricibus minoribus, mediis et majoribus dorso proximis laetissime
tlavo-viridibus; cauda superne atro-caerulea, inferne nigra; rostro
nigro, maxillae basi superne rubra; pedibus nigris; iride flavoaurantia.
Fem. Viridis, abdomine rubro; uropygio et supracaudalibus
laete caeruleis; cauda superne atro-caerulea; subalaribus viridibus;
collo antico et pectore summo olivaceo-viridibus, plumarum margi-
nibus rubris; rostro nigro, maxillae basi.superne rubescente.
Long. tot. 0,375; al. 0,195; caud. 0,210; rostri 0.023; tarsi
0,020 Mtr.
Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea).
Aprosmictus Broadbenti,
Sharpe, Ann. Mag. Nat. Hist. Vol. 3. No. 16. April 1879.
p- 313.
A. similis A. calloptero Salv. et d’Alb. sed minor, oceipite
nuchaque, ut et interscapulio summo, laete caeruleis, subcaudalibus
caerulescenti-nigris, coccineo terminatis distinguendus. Long. t. 14,
culm. 1,0, alae 7,6, caudae $,7, tarsi 0,7.
Hab.: Neu-Guinea.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 313
TRICH OGLOSSIDAB,
Trichoglossus caeruleiceps. 2 a. * Safred
‚Trichoglossus 7. nigrigulari Gr. lege sed minor ut capite
omnino caeruleo distinguendus.
Capite toto caeruleo, striis laetioribus ornato; gula nigricante;
fascia nuchali lata flavo-viridi; dorso viridi; interscapulii plumis
intus fascia lata obtecta rubra ornatis; pectore summo rubro-
aurantiaco, plumis apicem versus distinete flavescentibus, margine
strieto nigricante; abdomine medio atro-viridi et rubro-vario; late-
ribus rubris, plumarum marginibus viridibus; abdomine imo, tibiis
et subeaudalibus tlavo- viridibus, plumarum apieibus viridibus; alis
superne viridibus; remigibus pogonio interno basin versus late flavis:
subalaribus rubris; cauda superne viridi, subtus flavo- olivacea
nitente; rectricum Jateralium pogonio interno flavo; rostro aurantio;
pedibus nigris; iride rubra.
Long. tot. 0,265; al. 0,135; caud. 0,105; rostr. 0,021 Mtr.
Hab.: Fiume Fly (Neu- -Guinea).
COLIIDAE.
Colius leucocephalus.
Reichenow, Ornitn. Centralbl. 1879. p. 120.
Pileo et capitis lateribus albis; gutture, colli lateribus, cervice
et interscapulio et tectrieibus minimis in fundo albo-cinereo tenue
transversim fasciolatis, gula nigricante; tergo, alis caudaque cinereis;
epigastrio vinaceo; ventre crissoque fulvis. Rostro plumbeo pedi-
bus roseis. Periophtalmiis nudis nigro-cinereis.
Long. tot. 290; ala 85; cauda 210; rictus 12 Mm.
Hab.: Kinakomba (Ostafrica).
CUCULIDAE.
Indicator malayanus.
Sharpe, P. Z. S. 1878. p. 794.
on General colour above ashy, washed with olive-yellow, dimly
di the head and mantle, the feathers oi the back and wings more
mstinctly edged with olive-yellow, the primaries scarcely perceptibly
yargined; tail feathers dark brown, edged indistinctly with olive-
iellow, all but the two centre tail feathers internally whity brown,
tnereasing in extent towards the outermost, which is almost en-
irely whity brown, obliquely dark brown towards the tip; sides
of face and ear-coverts dingy ash-colour with a very faint olive
tinge; under surface of the body pale yellowish, creamy white on
the chin and upper throat, abdomen, thigs and under tail-coverts;
the feathers of the breast and fore neck with mostly concealed
gsreyish bases, imparting a somewhat mottled appearence; lower
flanks mesially streaked with dark brown; under wing coverts
yellowish white, as also the edge of the wing; quills dark brown
below, whitish along the edge of the inner web. Tot. length. 5,7
inches, culmen 0,55, wing 3,9, tail 2,45, tarsus 0,55.
Hab.: Malacca.
Cueulus validus.
314 A. Reichenow und H. Schalow:
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 139.
Notaeo brunneo, nitore chalybeo; capitis et colli lateribus
cinereis; gastraeo albo; subcaudalibus albis, fasciis transversis
fuseis; rectrieibus fuseis, dilutius- vel albo-fasciatis; subalaribus
isabellinis. Iride brunnea; margine oculari flavo; maxilla fusca;
mandibula et pedibus stramineis.
Long. 336; ala 220; cauda 200; rictus 29 Mm.
Hab.: Muniuni (Ostafrica).
BUCCONIDAE.
Barbatula affinis.
Reichenow, Ornithol. Centralbl. 1879. p. 120.
B. uropygiali simillima sed uropygio sulphureo; abdomine al-
bido; pectore stramineo lavato.
Long tot. 95; ala 50; cauda 32; rietus 15 Mm.
Hab.: Kipini (Ostafrica).
PICIDAE.
Öhrysophlegma mystacalis.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova XIV.
1879. p. 182.
Obseure viridi-olivacea, superne laetior; capite obscuriore,
frontem versus rufescente lavato; mento rufescente; gula nigri-
cante; macula utringque malari maris flavido-ochracea, faeminae
brunneo-rufescente; crista inferiore flavissima; ventre fusco-virente,
antice obscuriore; remigibus nigris, intus et exterius maculis rufis
notatis, primariis ultimis exterius rufo tinctis, secundariis et ter-
tiariis in pogonio externo dorso concoloribus; rostro albido, ad
basin fusco; pedibus in exuvie plumbeis; iride saturate sanguinea.
Long. tot. 0,295, al. 0,148, caud. 0,110, rostr. 0,030, tars. _
0,022 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
CAPRIMULGIDAE.
Caprimulgus pulchellus.
Salvadori, Ann. del. Mus. Civ. di St. Nat. di Genova XIV.
1879. p. 195.
Pileo et scapularibus griseis, nigro transfasciolatis, maculis
nigris, magnis medio plumarum, notatis; collare postico obsoleto,
rufo, nigro transfasciolato; scapularibus partim rufo-variis, non-
nullis exterius albido-rufescente marginatis; uropygio et supra
caudalibus nigris, rufo-variis vel transfasciolatis: gastraeo fusco-,
rufo- et albido vario; macula media gulari transversa alba, inferius
late nigro-marginata; gulae lateribus nigris, rufo-variis; pectore
fasciis crebris, strictis, nigris, griseis et rufis ornato; abdomine
faseiis latiuseulis, vel maculis rufescentibus, nonnullis pallidioribus,
notato, remigibus primariis 2a 3a 4a et 5a macula alba medio
notatis; cauda breviuscula nigra, maculis rufis, seriatim dispositis
notata; rectrice extima macula alba apicali in pogonio interno,
rectrice 2a macula alba minore. subapicali mediana, notatis;
vibrissis, rostro et pedibus nigris.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 315
Lg.tot. 0,210, al. 0,164, caud. 0,100, rostr. 0,628, tars. 0,013 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Lyncornis mindanensis.
Tweeddale, P. Z. S. 1878. p, 944.
Keine Diagnose! „The three examples of the species of Lyn-
cornis which inhabits the vicinity of Zamboanga differ from
L. macrotis (ex Luzon) by having the crown, nape, forehead, and
ear tufts dark greyish-brown, and not rufous, by all the browns
of the plumage being much darker and by the wing being shorter.
Wing 9,90 Ctm.
Hab.: Zamboanga, island of Mindanao.
CYPSELIDAE.
Ohaetura picina.
Tweeddale, P. Z. S. 1878. p. 944. pl. LIX.
Black with a blue gloss, greenish in some lights. Chin, throat,
and larger under wing-coverts pure white.
Wing. 6,37, tail 1,25 Ctm.
Hab.: Zamboanga, island of Mindanao.
Chaetura novae guineae.
d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV.
10. Marzo 1879. p. 55.
Superne nitide viridi-caeruleo; collo antico et pectore summo
einereis; abdomine pallide griseo, plumarum laterum scapis nigri-
cantibus; subeaudalibus et subalaribus nitide viridibus; alis dorso
concoloribus; cauda brevissima, aequali, nitide viridi; rostro, pedibus
et iride nigris.
Long. tot. 0,115; al. 0,127, caud. 0,030; rostri hiat. 0,017;
tars. 0,014 Mtr.
Hab.: Fiume Fiy (Neu-Guinea).
Uypselus stictilaemus.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120.
Nigro-fuseus; gutture albo, fusco striolato; fascia uropygiali
et ventrali albis.
Long. tot. 135; ala 135; cauda 50; rietus 16 Mın.
Hab.: Ualimi (Ostafrica).
TROCHILIDAE,
Thaumasius Taczanowskii.
sclater, P. Z. S. 1879. p. 146.
Supra metallice viridis, in capite cupreo lavatus, plumis subtus
einereis; alis fuseis, teetricibus dorso concoloribus; cauda aequali,
supra dorso concolori, versus apicem cupreo tincta, subtus fusca,
versus apicem cupreo-virescente; corpore subtus albo, lateraliter
et in crisso praecipue pallido cinereo perfuso; gutture toto punctis
minutis, cordiformibus, nitenti-viridibus obtecto; rostro forti, pau-
lum incurvo: long. tot. 4,0, alae 2,6, caudae 1,5, rostri a rictu lin.
dir. 0,9 Mm.
Hab.: Guajungo, prov. Cajamarca, Peru.
316 A. Reichenow und H. Schalow:
Obs. Sp. Th. viridierpiti, Gould, ut videtur, affınis, rostro for-
tiusculo, cauda aequali, et maculis gutturis minutis insignis. j
Panychlora inexspectata.
H. von Berlepsch, Ornith. Centralbl. 1879, p. &. u.d.
150: 1879. p-. 209:
Hab.: Bogota.
AMPELIDAE.
Pachyrhamphus intermedius.
H. v. Berlepsch, Ornith. Centralbl. 1879. p. 63. u. J. £.O.
1879. p. 208.
Hab.: Venezuela.
TYRANNIDAE.
1 Myiarchus Sclateri.
Lawrence. Pr. Unit. St. Nat. Mus. 1878. p. 357.
The upper plumage is deep dark olive, the head above
blackish-brown. Unfortunately, the only feathers left in the tail are
the outer four on one side; the outermost two are dark brown and
without rufous edgings on the inner webs; the other two feathers
are brownish black, with their inner webs edged with light rufous
for about one quarter their width; quills dark brown, their inner
webs bordered with pale salmon-color; wing-coverts edged with
dull white; under wing-coverts light ash, with just a tinge of yellow;
throat and breast of a dear cinereous gray; abdomen and under
tail-coverts dull pale yellow; sides cinereous; bill ard feet black.
Length (fresh) 71); in, wing 3°/,, tail 3!/,, tarsus 1, middle toe and
claw !5/, hind toe to end of claw Sf.
Hab.: Martinique.
—{ Taenioptera australis.
R. A. Philippi, Archiv f. Naturg. 45. Jahrg. U. Heft 1879.
p- 158.
Hauptfarbe des Körpers aschgrau, auf Kehle und Brust heller’;
: Bauch, After, Unterschwanzdecken und Flügelfleck rostroth; schmale
Stirnbinde Zügel, Ohrgegend und Schwanz schwarz.
Long. 260; ala 162; cauda 95; culmen 20; rietus 25; tarsus39 Mm.
Hab.: Dinamargeure in Patagonien.
DACNIDIDAE.
Dicaeum albo-punctatum.
d’Albertis eSalvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV.
10. Marzo 1879 p. 75.
Superne nitide nigrum, chalybeo nitens; pileo, uropygio, supra-
caudalibus et collo antico toto pulchre rubris; colli plumarum
rubrarum basi alba; mento albido; lateribus capitis et colli fusco-
nigris; pectore et abdomine sordide albido-virescentibus; sub-
caudalibus pallide rubris; alis et cauda superne dorso concoloribus;
subalaribus albis; rostro, pedibus et iride nigris.
Long. tot. 0,080; ala 0,054; cauda 0,024; rostr. 0,008; tars.
1,011 Mtr.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 317
Obs. Simile .D. rubri-gulari, sed punctatis albis inter apicem
rubrum et basin fuscam plumarum capitis et uropygii diversum.
Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea).
Dicaeum rubrigulare.
d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV.
10. Marzo 1879 p. 74.
Superne nitide nigrum, chalybeo nitens; pileo, uropygio, supra-
caudalibus et collo antico toto pulchre rubris; colli plumarum basi
alba; mento albido; lateribus capitis et colli fusco-olivaceis; pectore
et abdomine sordide virescente-olivaceis; subcaudalibus pallide
rubris; alis et cauda superne dorso concoloribus; subalaribus albis;
rostro, pedibus et iride nigris.
Foem. Collo antico sordide griseo-olivaceo;, colore rubro pilei
et supracaudalium minus laeto.
Juv. Olivaceus, subtus pallidior, supracaudalibus vix aeruginosis.
Long. tot. circa 0,080; al. 0,054; caud. 0,024; rostr. 0,008;
tars. 0,011 Mtr.
Obs. Difiert a D. rubro-coronato Sharpe, collo antico omnino
rubro.
Hab.: Fiume Fly (Neu Guinea).
CERTHIADAE.
Rimator albo-striatus.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV.
1879. p. 227.
Superne fusco-brunneus, inferne pallidior; plumis dorsi, pectoris
abdominisque medio stria alba scapali notatis; uropygio unicolore;
gula alba, lineis duabus utrinque lateralibus, area grisea interposita
separatis, marginata; cauda et alis fuseis; rostro fusco-corneo;
pedibus fuseis; iride brunneo-castanea.
Long. tot. 0,145, al. 0,067, caud: 0,033, rostr. 0,030, tars. 0,030 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
MELIFHAGIDAE.
Zosterops atricapilla.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV.
1619.9..210.
Superne obscure olivaceo-viridis, supracaudalibus laetioribus;
pileo, loris et genis antice fusco-nigris; annulo periophtalmico albo;
collo antico viridi-flavescente, pectore et abdomine ceinereis, medio
longitudinaliter et subcaudalibus citrino-flavis; remigibus fusecis,
dorsi colore marginatis; subalaribus albis; cauda fusco-nigra; rostro
fusco; pedibus plumbeis. Lg. tot. 0,110, al. 0,056, caud. 0,039,
rostr. 0,011, tars. 0,016 Mtr.
Hab.: Monte Singalan. Sumatra.
LIOTHRICHIDAE.
Liothrixz laurinae.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV.
1879. p. 67.
Fronte, gula, collo undique, supracaudalibus, subcaudalibus et
318 A. Reichenow und H. Schalow:
plaga magna ad basin remigum rubro- „sanguineis; pileo, loris, genis
antice et taenia ad basin mandibulae nigerrimis; auricularibus griseo-
argentiis; dorso et uropygio olivaceis; pectore et abdomine olivaceo-
flavescentibus; tectribus alarum olivaceis ‚ dorso concoloribus;
remigibus nigricantibus, apicem versus flavo-aurantio limbatis, ad
basin rubro- -sanguineo marginatis, ultimis tertiariis fuseis, uni-
coloribus; cauda nigra, reetrieibus duabus extimis exterius flavo
limbatis; 'rostro flavo- aurantio; pedibus pallidis; iride brunnea.
Long. tot. 0,195, al. 0,085, caud. 0,080, rostr. 0,015, tars.
0,028 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Heterophasia simillima.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV.
1879. p. 232.
Supra saturate einerca, subtus pallidior, abdomine et subeauda-
libus albidis, vix rufescente tinetis; speculo alari albo; rectricum
apieibus albo- -griseis; rostro niero; pedibus plumbeis. Lg. tot.
0,300, al 0,125, caud. 0,180, rustr. 0.020, tars. 0,020 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Stachyris bocaget.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV.
1879. p. 223.
Superne viridi-olivacea; capite flavicante, pileo, fusco striato,
loris fuseis; corpore subtus flavo, gula laetiore, lateribus viridi-
tinctis; alis et cauda fusco griseis, plumarum, marginibus externis
viridi-olivaceis; rostro et pedibus fuscis; iride castanea. Lg. tot.
0,110, al. 0,053, caud. 0,048, rostr. 0,012, tars. 0,018 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Pyetorhis nasalis.
W. V. Legge, Annals and Magazine of Natural History. Vol. 3
No. 14, Febr. 1879. p. 169.
The Ceylonese race of Pyctorhis sinensis has the nostril
as black as the bill, there being no trace of the yellow colour
round the nostril which characterizes birds from all parts of the
Peninsula and Burmah. It is altogether a darker bird than the
continental, the latter having the head reddish brown an the outer
webs of tbe quills cinnamon or pale chestnutred. The insular bird
has the primaries margined externally with reddish brown, which
imparts a very different appcearance from that which is noticeable
in the red closed wing of the Indian form.
Hab.: Ceylon.
BRACHYPODIDAE.
Criniger strepitans.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879 p. 139.
Notaeo olivaceo- rufescente; gula et ventre medio albis, pectore
et hypochondriis brunnescentibus; subcaudalibus isabellinis; rectri-
cibus rufis. Iride rufa; rostro fusco , mandibulae basi pallida;
pedibus plumbeie.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 319
Long. tot. 165; ala 76; cauda 85; rietus 22 Mm. Hab.: Malindi
(Ostafrica).
Oriniger Fischeri,
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879 p. 139.
Notaeo olivaceo-viridi; gula et ventre medio flavescente albis;
peetore et hypochondriis olivascentibus, subcaudalibus isabellinis;
rectrieibus rufis. Iride albida; rostro fusco; pedibus plumbeis.
Long. tot. 190; ala 79; cauda 90; rietus 24 Mm.
Muniuni (Ostafrica).
CAMPEPHAGIDAE.
Graucalus melanocephalus.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova 1879.
XIV. p. 206.
Saturate cinereus, capite et collo toto nitide nigris; remigibus
nigris, exterius cinereo-marginatis, intus canescentibus; cauda nigra,
reetrieibus duabus mediis et apicibus duarum extimarum cinereis;
rostro et pedibus nigris. Long. tot. 0,260, al. 0,150, caud. 0,110,
rostr. 0,021, tars. 0,025 Mtr.
Hab.: Monte Singalau, Sumatra.
Volvocivora mindanensis.
Tweeddale, P. Z. S. 1878. p. 947.
Adult &: Chin, cheeks, sides of head, space before the eyes,
abroad supercilium, ear coverts, forehead, throat, and upper breast
jet-black. Remainder of breast, crown, and whole under surface of
body dark leaden-grey, paler near the vent and on the under tail-
coverts. Wing-coverts, nape, and axillaries a slightly lighter shade
of leaden-grey, palest on the uropygium and upper tail-coverts,
which are slightly mixed with white. Quills above black, with faint
grey margins. Sixth and remaining primaries tipped with greyish
white. Secondaries and tertiaries leaden-grey on their outer webs.
Part of. inner webs of quills, seen from underneath, pale grey. This
colour commences at the base of the first primary, occupying but
a small part of it, but is more extended on each succeeding quill,
and reaches to the extremities of the inner quills. Rectrices jet-
black; outer pair with a large grey terminal mark, the same colour
being slightly indicated on the next pair. Carpal edge and wing-
lining almost black.
Adult 2: The same as the Z, but the grey colour öf the whole
plumage of a paler shade, the uropygium more albescent, and near
black about the head, throat, and breast. Carpal edge and axilla-
ries pale grey.
Young 2%: Like the adult, but the grey colour not so pure.
The chin, central part of the throat, a few scattered feathers on
the breast and flanks, the wing-lining, and axillaries finely banded
with white. Upper tail-coverts ready pure white. Outer margins
of some of the secondaries and carpal edge inclining to white,
320 A. Reichenow und H. Schalow:
wing tail tars. culmen
dal. 462 4 0,88 0,88
2ad. 450 4 0,88 0,88
2 juv. 448 3,88 0,88 0,87
Hab.: Zamboanga, island of Mindanao.
MUSCICAPIDAE.
Stoparola rufierissa.
Salvadori, Ann. del. Mus. Civ. di St. Nat. di Genova XIV.
1879. p. 202.
Caerulea, sineipite et superciliis cobaltinis; fronte, loris, su-
pracaudalibus et mento nigris, abdomine albido, subcaudalibus laete
rufis; subalaribus pallide rufis; remigibus rectriecibusque nigris,
exterius caeruleo marginatis; rectrieibus (duabus mediis exceptis)
in basi obtecta albis; rostro et pedibus nigris. Leg. tot. 0,140, al.
0,075, caud. 0,056, rostr. 0,008, tarsi 0,018 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Trochocercus bivittatus.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120.
Capite cristato guttureque chalybeo nigris; dorso, rectricibus
et remigibus, cinereis chalybeo resplendentibus; abdomine subala-
ribus et macula magna alari (teetricibus secundarlis formata) albis;
tectricibus primariis et minimis chalybeo nigris, nonnullis albo-api-
catis; iride fusca; rostro plumbeo, apice nigro; pedibus plumbeis.
2: Capite, notaeo toto et gutture cinereis, pileo chalybeo re-
splendente, gutture albo-sticta, ala fasciis duobus angustis trans-
versim notata; abdomine albo; macula alari nulla.
Long. tot. 130—135; al. a. caud. 45—50; ala 66; cauda 70;
rictus 15; tarsus 17 Mm.
Hab.: Muniuni (Ost-Africa).
Cochoa beccarii.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. dı St. Nat. di Genova, XIV.
1879. p. 64.
Nigerrima; pileo caeruleo-violaceo, tectricibus alarum majoribus,
remigibus basin versus, caudaque superne, faseia apicali et rectrice
extima nigris exceptis, caeruleis; rostro et pedibus nigris; iride
brunnea; palpebris carneis. Lg. tot. 0,280; al. 0,140, caud. 0,115,
rostr. 0,020, tarsi 0,031 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Rhipidura atrata.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV.
1879. p. 203.
Nigro-ardesiaca, fere unicolor, fascia superciliari et gula albis;
remigibus fuscis; cauda nigra, rectricum lateralium quatuor api-
cibus late albido-ochraceis; subalaribus nigris, ad apicem albis;
rostro et pedibus nigris. Lg. tot. 0,190, al. 0,078, caud. 0,110,
rostr. 0,011, tars. 0,019 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Niltava sumatrana.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 321
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV
1879. p. 201.
Superne saturate caerulea, fronte, superciliis et uropygio lae-
tioribus; lateribus capitis nieris, gula saturate caerulea, inferne
collare stricto caeruleo laetiore marginata; gastraeo reliquo laete
rufo; alis et cauda dorso concoloribus, hac laetiore; rostro nigro;
pedibus fuscis.
Fem. Superne brunneo-olivacea, pileo et cervice grisescentibus,
supracaudalibus et cauda brunneis; alis fuscis, plumarum margi-
nibus externis brunneis; gula brunneo-olivacea, collo antico inferne
macula alba caelata notato; pectore et lateribus cinereis; abdomine
medio albo; subcaudalibus rufis. Lg. tot. 0,155, al. 0,084, cauda
0,070, rostr. 0,010, tars. 0,019 Mtr. Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Pericrocotus montanus.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV.
1879. p. 205.
Fem. Pileo toto, cervice et dorso ardesiacis, pallum nitentibus;
lateribus capitis einereis; mento albido; gula flavo-tincta; gastraeo
reliquo, dorso imo, uropygio et supracaudalibus pulchre Havis: alis
nigris; area flava 'obliqua ornatis; remigibus primis 4 externis in
pogonio externo immaculatis; cauda nigra, reetrieibus duabus me-
diis unicoloribus, quinque externis apice late flavis; rostro nigro,
pedibus fuscis. Lg. tot. 0,165, al. 0,085, caud. 0,086, rostr. 0,010,
tars. 0,016 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Hemipus intermedius.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. XIV. 1879. p. 209.
Superne nitide niger; fascia uropygiali obtecta alba; supra-
caudalibus albis; alis nigris, tectricibus alarum mediis, et mareine
externo remieum secundariarum albis; corpore subtus albo, collo
antico et pectore sordide griseis; cauda nigra; rectricibus quatuor
lateralibus ad apicem albis, extima etiam magna ex parte pogonii
externi alba; rostro et pedibus nigris. Lg. tot. 0,132, al. 0,065,
caud. 0,058, "rostr. 0,012, tars. 0,041 Mtr.
Hab.: Monte Singalan,
Arrenga melanur a.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV.
18927. 221.
- Nigra, fronte, superciliis et tectricibus alarum minoribus laete
eyaneis; dorso, collo et pectore maculis cyaneis notatis; pileo,
uropygio, supracaudalibus, abdomine, remigibus, rectr icibusque
nigerrimis; rostro et pedibus nigris; iride saturate brunnea. Lg.
tot. 0,230, al. 0,130, caud. 0,091, rostr. 0,018, tars. 0,041 Mtr.
Hab; Monte Singalan, Sumatra.
LANIDAE.
Hyloterpe brunneicauda.
Salvadori, Ann, del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova. XIV,
1879. p. 210.
Cab. Joutn. f. Ornith. XXVII, Jahrg. No. 147. Juli 1879, 21
322 A. Reichenow und H. Schalow:
Superne brunneo-olivacea, capite cinerascente; cauda brunnea;
subtus albida, collo antico et pectore grisescentibus ; alis fuseis,
dorsi colore marginalis; rostro fusco; pedibus griseis. Lg. tot.
0,130, al. 0,072, caud. 0,060, rostr. 0,012, tars. 0,021 Mtr.
Hab.: Ajer manteior, Sumatra.
Pinarolestes Powelli.
Salvin, P. Z.S. 1879. p. 128.
Saturate brunneus, alis et cauda nigricantioribus; abdomine
rufescenti-brunneo; rectricibus tribus utrinque extimis albo termi-
natis; rostro et pedibus plumbeo-corneis. Long. tot. 7,0, alae 3,1,
caud. 3,2, tarsi 0,9, rostri a rietu 1,1 Mtr.
Obs. "Sp. S. vitiensi affınis, sed major, alis et cauda saturatius
brunneis.
Hab.: Tutuila, Samoan Islands.
Dryoscopus nigerrimus.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120.
Dr. funebri simillimus sed uropygii plumis totis nigris nee
albo-variegatis. Iride rufa.
Long. tot. 200; ala 86; cauda 90; ricetus 25 Mm.
Hab.: Kipini (Ostafrica).
Rectes brunneiceps.
d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV. 10
Marzo 1879. p. 70.
Collo postico, dorso et scapularibus rufo-cinnamomeis; uropygio
et supracaudalibus brunneis; capite et collo antico griseo-brunneis;
pectore, abdomine, subalaribus et subcaudalibus rufo-fulvescentibus;
alis fuscis, plumis exterius brunneo-olivaceis; cauda rufo-brunnea;
rostro nigro; pedibus obscure plumbeis; iride rubro-sanguinea.
Juv. Avi adultae similis, sed collo antico rufo, gastraeo conco-
lori, vix infuscato.
Long. tot. 0,265; ala 0,125; caud. 0,105; rostro 0,028; tars.
0,033 Mtr.
Hab.: Fiume Fly (Neu Guinea),
Poecilodryas flavicincta.
Sharpe, Ann. Mag. Nat. Hist. Vol. 3 No. 16. April 1879.
. 313.
5 P. supra flavicanti-viridis: tectrieibus alarum remigibusque
fuscescenti-nigris, viridi dorsi colore marginatis: rectricibus fus-
cescenti-brunneis, extus viridi limbatis et vix albido terminatis;
pileo nuchaque saturate einereis: mento, genis anticis et regione
parotica pileo concoloribus, hac paullo nigricante: genis posticis,
gula ima et jugulo laete flavis, ut et colli lateribus, fasciam latam
transversalem jugularem exhibentibus: praepectore et pectore
summo flavicanti-viridibus: corpore reliquo subtus laetissime flavo:
subalaribus axillaribusque albidis laete tlavo-lavatis. Long. tot. 5,3,
culm. 0,7, alae 3,65, caudae 2,3, tarsi 0,9 Mtr.
Of the same group as P. capito and P. leucops, but quite
different in its coloration.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 323
Hab.: Neu Guinea.
Pachycephala neglecta.
B.L. Layard, P. Z.S. 1879. p. 147.
2. above, back obscure darkish green, with a small patch of
yellow on the immediate rump; head shining jet-black, all but the
throat and chin, and a very small spot (not always present) between
the eye and the nostril, which is of the light brilliant yellow of
the whole of the underparts. In some specimens, a few straggling
black feathers on the lower part of the throat, encroaching on each
side of the chest, seem to point to the formation of a narrow
black collar across the chest, such as is found in my P. intermedia.
Wing primaries edged more or less broadly with greenish grey (tail-
feathers tipped with the same); secondaries broadly edged and tipped
with pale yellow. The yellow of the underparts is a little darker than in
P. flavifrons, agreeing as far as my memory serves, with P. intermedia,
of which Iunfortunately havenot retained a specimen, but is far less deep
(orange-tinted) than is P. graeffü or P. torquata, Layard. Length
er wine 52,94, tail 2",10, tarsus' 13% bill. (to gape) 124.
Bill black; legs bluish; iris black brown.
Hab.: Ovalau, Fijis.
Turdinus rufipectus.
‘= Salvadori, Ann. del Mus. di St. Nat. di Genova, XIV.
1879. p. 224.
Brunneus; superne plumarum marginibus; gula alba; pectore
rufo; abdomine grisescente; alis fusco brunneis; cauda et subcauda-
libus saturate brunneis; rostro et pedibus fuscis; iride brunneo-
castanea. Lg. tot. 0,195, al. 0,095, caud. 0,070, rostr. 0,025, tars.
0,035 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Pteruthius cameranoi.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova, XIV.
1919. D. 232.
Pileo, lateribus capitis, alis et cauda nigris; fascia utrinque
supereiliari, ad occipitis latera dueta, alba; dorso, uropygio et supra-
caudalibus cinereis; "is nigro-marginatis; collo antico et pectore
pallide cinereis; abdomine et subcaudalibus albis; remigibus tribus
ultimis flavo-ochraceis, intus castaneis, nigro-marginatis; remigibus
primariis, 1a et 2a excepta, ad apicem albis; rostro fusco; pedibus
pallidis. Fem. Superne sordide griseo-olivascens, subtus albido
ochracea, gula albicantiore; alis nigris, plumarum marginibus
extemis flavo-olivaceis; cauda flavo-olivacea, rectrieibus apicem
versus nigris, tribus extimis macula apicali albo-favida notatis.
Lg. tot. 0,140, al. 0,075, caud. 0,046, rostr, 0,013, tars. 0,023 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
STURNIDAE.
ÖCosmopsarus.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120.
Genus novum. Lamprothornitum.
22*
324 A. Reichenow und H. Schalow:
Rostrum gracile, elongatum (capite longius), compressum, cul-
mine subarcuato ; naribus apertis.
Alae caudae basin longe superantes, remigibus 3—5 subae-
qualibus longissimis, 2. parum breviore; pogoniis externis remigum
3—6 parte apicale perspicue angustatis.
Cauda elongata, alis longior, valde gradata, rectrieibus longio-
ribus apice angustatis.
Pedes robusti, 5—6 scutis tarsalibus, digito interno externoque
subaequalibus.
Typus: ©. regius.
Cosmopsarus regius.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120.
Capite toto splendide aeneo-viridis, regione parotica coerulea;
dorso et alis splendide violascente coeruleis; abdomine et subalaribus
aurantiacis, sericeo-micantibus; pectore nitide violaceo; remigibus
nigris, purpurascentibus; rectrieibus nigris superne aurichalceo
resplendentibus, exterioribus purpurascentibus, medis sub certa
luce transversim faseiolatis; iride alba; rostro pedibusque nigris.
Long. tot. 350 Mm.; apices alarum caudaeque 160 Mm. remotae;
rictus 26; ala 130; cauda 210; tarsus 30 Mm.
Hab.: Massa (Ostafrica).
Speculipastor.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120.
Genus novum Sturnidarum.
Rostrum mediocre, capite brevius, compressum, culmine arcuato;
naribus apertis.
Alae caudae basin longe superantes, remigibus 2—4 subae-
qualibus longissimis, 5 parum breviore; pogoniis externis remigum
3—6 parte apicale perspicue angustatis.
Cauda medioeris rotundata, alis brevior; rectricibus apice latis.
Pedes robusti, 5 scutis tarsalibus, digito interno externoque
subaequalibus.
Typus: Speculipastor bicolor.
Speculipastor bicolor.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120.
Coracinus; abdomine, subalaribus et remigum primorum par-
tibus basalibus albis; iride aurantiaca; pedibus et rostro nigris.
Long. tot. 204; ala 115; cauda 85; rietus 21; tarsus 26 Mm.
2: Capite toto cinereo, dorso et alis cinerascente fuseis, cora-
cino imbutis; torque pectorali coracino; loris nigris; abdomine,
subalaribus et remigum primorum partibus basalibus, ut in mare,
albis; iride aurantiaca; pedibus et rostro nigris.
Long. tot. 180; al. a. cauda 4; ala 105; cauda 75; rietus 21;
tarsus 26 Mm.
Hab.: Kipini (Ostafrica).
Acridotheres melanosternus.
W. V. Legge, Annals and Magazine of Natural History.
Vol. 3 No. 14, Februar 1879. p. 168.
ERRERE
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 325
Darker than Acridotheres tristis, both as regards the coloration
of the upper surface and of the flanks. The black of the throat
descends down the centre ofthe breast and passes round above the
white abdomen, forming a sort of border to this region. In the
Indian race this part is somewhat lighter than the surrounding
plumage, instead of being darker.
The nearest approach to the coloration of the Ceylonese bird
is found, as one would naturally expect, in those from Travancore,
which have the black of the throat descending a little more upon
the breast than in northern specimens, and have the inner webs
of the feathers, exactly down the centre of the breast, blackish
brown; but this is all, and this trifling amount of nigrescent mar-
king does not continue down to the white of the abdomen.
Hab.: Ceylon.
: PARADISEIDAE.
Chlamydodera orientalis.
J. Gould, Ann. Mag. Nat. Hist. No. 19. 1879. p. 74.
In size it is about the same as C. nuchalis, whose habitation
is on the opposite part of the continent. The great peeuliarity in
the species is the barring of the upper plumage almost approaching
to that of Ch. maculata and guttata. It is less silky in its plu-
mage than the western species, particularly the head, cheeks, throat
and under surface.
Paradisea novae guineae.
d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova, XIV.
10. Marzo 1879. p. 147.
Paradisea ?. apodae (Lin.) aruensi simillima, sed valde minor;
mas colore castaneo laetiore et magis vinaceo; pectore atro-brunneo
saturatiore; tectricibus alarum mediis et majoribus saepe, plus
minusve, sed semper obsolete, auratis.
Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea).
ICTERIDAE,
Quiscalus guadeloupensis.
Lawrence, Pr. Unit. St. Nat. Museum. 1878. p. 457.
Male: The general plumage is of a deep purplish-violet; the
wing-coverts have a decided green lustre; tail black, glossed with
green; quills black, with a greenish tinge; bill and feet black.
Length (fresh) 10%/,; wing 5; tail 4; tars. 1°/,, inch.
Female: The crown is ashy brown; hind neck and upper
part of back olivaceous brown; lower part of back and upper tail
coverts blackish-brown; wings and tail black, the latter slightly
glossed with green; throat ashy white, a narrow dusky line extends
down on each side of it from the under mandible; lower part of
neck and breast dark ash tinged with fulvous; lower part of ab-
domen sides, and under tail-coverts smoky-brown; bill and feet
black. Length (fresh) 9Y,; wing 4?/,; tail 3'/, inch.
Hab.: Guadeloupe.
326 A. Reichenow und H. Schalow:
PLOCEIDAE.
Pitylia caniceps.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 139.
Capite cinereo, genis gulaque albo-, nigroque tenue fasciolatis;
dorso et abdomine einnamomeis, hoc pallidiore; tergo, uropygio et
subcaudalibus albis; alarum teetrieibus brunneis; remigibus et
rectricibus nigris. Iride brunnea; maxilla schistacea, mandibula
dilutiore; pedibus fuscis.
Long. tot. 110; ala 55; cauda 45; rictus 8 Mm.
Hab.: Mussa (Ostafrica).
Uraeginthus ianthinogaster.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120.
Capite toto rufo; regione ophthalmica que genis et uropygio
violascente caeruleis; dorso alisque brunneis: abdomine violascente-
coeruleo, rufo variegato; rectricibus nigris. Rostro corallino; iride
rubra; pedibus nigrescentibus.
Long. tot. 120; ala 53; cauda 62; rictus 10 Mm.
Hab.: Massa (Ostafrica).
2: Capite et pectore dilute rufo, hoc albo variegato; striis
duobus supra et infra oculum albis; dorso alisque pallide brunneis;
uropygio-violascente-coeruleo; abdomine albido; rectricibus, rostro
pedibus et iride ut in mare tinctis,
Long. tot. 110; ala 52; cauda 60; rietus 9 Mm.
Vidua splendens.
Reiehenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 180.
Nigro-caeruleus, nitore chalybeo; remigibus et rectricibus
fuscis, albido-marginatis; subalaribus albis; rectricibus mediis valde
elongatis nigris. Rostro dilute carneo; pedibus et iride brunne-
scentibus.
Long. tot. ad rectricum minorum apices 250; ala 60; cauda 42;
rectr. med. 200; rietus 10 Mm.
Hab.: Kibaradja (Ostafrica).
(Nur durch die verlängerten Schwanzfedern von Hypöchera
ultramarina unterschieden.)
Neochmia phaeton evangelinae!
d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV.
10. Marzo 1879. p. 89.
Rubro-punicea; fronte e lateribus capitis laetioribus; pileo et
collo postico griseo-terricoloribus; dorso, tectricibus alarum et remi-
gibus tertiariis, dorso proximis, sordide rubris; dorsi plumarum
marginibus grisescentibus; uropygio griseo, terricolore, vix puniceo
tineto; supracaudalibus laete rubro-puniceis; gula, pectore et late-
ribus rubro-puniceis, his albo-punetulatis; abdomine medio albido
et plus minusve infuscato, vix rubro-tineto; subcaudalibus et tibiis
fusco-griseis, rubro-tinetis; remigibus fuscis, primariis exterius oli-
vaceo-limbatis; subalaribus albido-griseis; ceauda rubra; rostro
rubro; pedibus albidis; iride pallide castanea.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 327
Long. tot. 0,120; al. 0,050—0,048;, caud. 0,060; rostri 0,010;
tarsi 0,016 Mtr.
Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea).
Munia leucosticta.
d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova XIV.
10. Marzo 1879. p. 88.
Brunnea;; capite fusco, lineis scapalibus albis notatis; dorso et
teetrieibus alarum brunneis, albo-punetulatis; uropygio flavo- mellino;
supracaudalibus nigris; gastraeo rufo- brunneo, gulam versus sensim
albido; pectore albo squamato; subeaudalibus nigricantibus; remi-
gibus fuseis; subalaribus albidis, gula concoloribus; cauda- nigra;
rostro griseo margaritaceo; pedibus einereis; iride nigra.
Long. tot. eirca 0, 100; al. 0,50; caud. 0,036; rostri 0,011;
tarsi 0,013 Mtr.
Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea).
FRINGILLIDAE.
=Loxia atrata. }
Ev. Homeyer. J.f. O. 1879. p. 179.
Hab.: Nord-America,
— + Linaria brunnescens.
E. v. Homeyer, J. f. O. 1879. p. 184.
Hab.: Lappland, Grönland, Schweden.
SYLVICOLIDAE.
—Callithraupis cyanictera.
H. v. Berlepsch, Ornith. Centralbl. 1879. p. 63 u. J. £. 0.
1879. p. 206.
Hab.: Cayenne.
—+ Bastleuterus Cabanisi.
H. v. Berlepsch, Ornith. Centralbl. 1879. p. 63 u. J. £f. O.
1879. p. 207.
Hab.: Venezuela.
SYLVIADAE.
Sylvia Blanfordi.
Seebohm, P. Z. S. 1878. p. 979.
The general colour of the upper parts is brown, the inner-
most secondaries, the quills, and the wing-coverts being narrowly
margined with brownish white. The cheeks, head, and nape are
brownish black. The tail is very dark brown, the outside tail-
feathers (which are much abraded) showing traces of having been
tipped with white. The general colour of the underparts is white,
shading into brown on the sides of the breast, flanks, axillaries,
and under tail-coverts. The bastard primary is between the eighth
and ninth in length. The bird is moulting some of the primaries
between third and the eighth. Both mandibles of the bill are
dark, and the tarsus and feet are dark slate-grey. The wing mea-
sures 2,52, and the tail 2,62. The culmen, which is slightly injured,
measures about 0,51 when perfect.
Hab.: Rairo, Abyssinia (Brit. Mus.).
328 A. Reichenow und/H. Schalow:
Aödon psammochroa.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 139.
Notaeo pallide einereo-brunneo; gula et ventre medio albis;
pectore, hypochondriis et subalaribus pallide-einereo-isabellinis;
stria oculari et macula parva mystacali fuseis; stria superciliari
alteraque suboculari albis; remigibus rufis, faseia ante apicem album
fusca. Iride fusca; maxilla fusca, mandibula pallida; pedibus
brunneis.
Long. tot. 145; ala 80; cauda 60; rietus 19 Mmtr.
Hab.: Massa (Ostafrica).
Thamnobia quadrivirgata.
Reichenow, Ornith. Centralbl.: 1879. p. 170.
Superne brunnea, uropygio rufo; gastraeo albo, fascia pecto-
rali et hypochondriis isabellinis; vitta supereiliari alba; stria pileum
lateraliter eingente, altera per oculum ducta, tertia brevi subocu-
lari, quarta longissima mystacali nigris; remigibus nigris albo-
marginatis, basi albis (quo speculum alare formatum est); teetri-
eibus minimis et ala spuria nigro et albo variis; reetrieibus nigris,
apieibus plus minusve late albis. Iride brunnea; rostro nigro;
pedibus pallidis.
Long. tot. 150—155; ala 77; cauda 73; rietus 19 Mmtr.
Hab.: Kipini (Ostafriea).
Brachypteryx flaviventris.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova XIV.
1879. p. 226.
Supra brunnea; subtus flavescens, abdomine laetiore, lateribus
et tibiis brunneis; faseia supereiliari obsoleta flavescente; loris
fuscis; rostro et pedibus fuseis. Long. tot. 0,118, al. 0,050, caud.
0,050, rostr. 0,010, tars. 0,025 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Brachypteryz saturata.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova. XIV.
1879. p. 225.
Nigro-eaeruleseens, abdomine imo grisescente; macula supra-
oculari obtecta alba; remigibus rectrieibusque nigris; rostro et pe-
dibus nigerrimis. Long. tot. 0,150, al. 0,068, caud. 0,055, rostr.
0,013, tarsi 0,033 Mtr.
Hab.: Monte Singalan, Sumatra.
Sylviella leucopsis.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120.
Notaeo einereo, alis brunnescentibus; gastraeo isabellino; stria
supereiliari, genis, mento et abdomine medio albis; stria per oculum
dueta brunnea. Rostro brunnescente; iride et pedibus fulvis.
Long. tot. 80; ala 38; cauda 20; tars. 17; riet. 13 Mmtr.
Hab.: Kibaradja (Ostafrica).
(Die weissen Kopfseiten und der dunkle Augenstrich über der
weissen Supereiliarlinie unterscheiden diese, auch etwas kleinere
Art von der verwandten S. microura.)
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 329
Apalis chariessa.
Reichenow, Ornith. Centralbl. 1879. p. 120.
Notaeo toto et scuto jugulari nigris; mento, tibiis, subeauda-
libus, subalaribus et fascia alari, remigum secundorum marginibus
formata, niveis; abdomine eitrino, torque pectorali einnamomeo;
rectrieibus nigris, mediis duobus exceptis apice albis. Rostro nigro,
iride et pedibus fulvis.
Long. tot. 110—125; ala 47; cauda 65; tars. 16; riet. 13 Mmtr.
Hab.: Mitole (Ostafrica).
Prinia hypoxantha.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova. XIV.
1519..9., 232.
Superne olivaceo-rufescens, loris plumis palpebralibus et corpore
subtus flavidis, pectoris lateribus olivascentibus; remigibus fusco-
griseis, exterius subtiliter rufescente-olivaceo limbatis, intus rufo-
marginatis; cauda olivascente, rectrieibus decem, apicem versus
nigricantibus, rectrieum apieibus flavidis; rostro fusco; mandibulae
basi et pedibus pallidis. Long. tot. 0,125; al. 0,047; caud. 0,054
rostr. 0,012; tarsi 0,022 Mtr.
Hab.: Sungei Bulu, Sumatra.
Poodytes albo-limbatus.
d’Albertis e Salvadori, Ann. Mus. Civ. Genova. XIV.
10. Marzo 1879. p. 87.
Pileo, uropygio et supracaudalibus rufo-cinnamomeis, immacu-
latis; dorsi plumis et tectrieibus alarum nigris, late rufo-fulve-
scente marginatis; loris et fascia supereciliari albidis; lateribus ca-
pitis albido-rufescentibus; corpore subtus albo, pectore vix fulve-
scente tinceto; lateribus et subeaudalibus rufeseentibus, his pallidio-
ribus; remigibus fusco-nigris, primariis exterius, basin versus rufo-
marginatis, tertiariis undique conspicue albido-marginatis; rectri-
cibus fuscis, ad marginem rufescentibus; maxilla fusca, mandibula
albida; pedibus carneo-brunneis, iride castanea. Long. tot. 0,135;
al. 0,058; caud. 0,058; rostr. 0,015; tars. 0,022 Mtr.
Hab.: Fiume Fly (Neu-Guinea).
RHACNEMIDIDAE.
Myiophonus dierorhynchus.
Salvadori, Ann. del Mus. Civ. di St. Nat. di Genova. XIV.
1879.. p. 227.
Myiophonus M. flavirostri (Horsf.) javensi simillimus,
sed maxilla, magna ex parte, marginibus flavis exceptis, nigra, di-
versus.
Hab.: Ajer manteior, Sumatra.
(Fortsetzung folgt.)
330 Dr. C. Finsch:
Ueber Domicella Kuhli.
Von Dr. O0. Finsch.
Stiller Ocean 2. August 1879, ec. 300 Seemeilen S. W. von Honolulu, an Bord
der Bark „Hawaii“,
Wie uns die „Novara“ zuerst mit der eigentlichen Heimath
von Trichoglossus rubiginosus bekannt machte, obwohl dieselbe
auf dem Originaletiquett bereits richtig als Ponape angegeben
war, so gab neuerdings erst Steers die Bestätigung der Localitäts-
angabe bei Bourjot für diesen reizenden Papagei: die Fanning-Insel!
Diese kleine nur 9°/, engl. Meilen lange Insel liegt unter
3° 51° 26° N. Br. und 159° 22 W., in gerader Linie etwas mehr
als 900 Seemeilen südlich von Oahu, und ist das nächste Land in
dieser Richtung im Süden der Hawaischen Inseln. Fanning-Insel,
1798 von dem amerikanischen Captain Edmund Fanning (Schiff
Betoy) entdeckt, ist eine Coralleninsel mit Lagune, auf der Cocos-
palmen und die gewöhnlichen Pflanzen der niedrigen Coralleninseln
vorkommen. Doch liefert sie auch Guano, der abgebaut und ver-
schifft wird. — Im Hinblick auf die so sehr isolirte Lage ist das
Vorkommen einer Papageienart hier jedenfalls ganz besonders
merkwürdig; wie wir durch Steers erfahren, ist die Art indess nicht
auf Fanning-Insel beschränkt, sondern findet sich auch auf der
70 Seemeilen nördlicher gelegenen nur 31/; (engl.) Meilen grossen
Washington-Insel. Möglicher Weise ist der Vogel hier erst ein-
geführt worden, wie auf Penrhyn (Tongareva), wohin er seit c.
6. Jahren durch die Eingebornen der letzteren Insel gelangte,
welche Fanning öfters besuchen, um Cocosöl zu machen. So theilt
mir, als völlig glaubwürdig, Herr Holland, der zweite Maat unseres
Schiffes, mit, der mit diesen Regionen ganz besonders vertraut ist. —
Nach dem, was Steers aus Fanning’s „voyages‘“ mittheilt, kann kein
Zweifel sein, dass dieser Seefahrer die Papageien vorfand, als er
zuerst die Insel betrat.
Sie leben hier auf Cocospalmen und werden von den Einge-
bornen (einigen Weissen, Kanakas und Eingebornen der Humphry-
Inseln) gefangen. Herr Steers sagt: „Wenn die Insulaner Papa-
geien zu fangen wünschen, so bedienen sie sich zweier Bambus-
stäbe von je einem Yard Länge. An das Ende des einen Stabes
wird ein zahmer Papagei gesetzt, die Spitze des anderen Stabes
ist mit einer Schlinge aus Cocosnussfaser versehen. Auf das
Geschrei des Lockvogels fliegen die Wildlinge herbei, setzen sich
auf den Bambusstab und werden nun geschickt mit der Schlinge
gefangen.“
Als ich während meines Aufenthaltes in Honolulu von der
Ankunft eines Schiffes von Fanning-Insel hörte, begab ich mich
sogleich an Bord und erfuhr zu meiner Freude, dass einer der
Eingebornen ein Pärchen dieses reizenden Papageis mitgebracht
hatte. Glücklicher Weise gelang es mir, den Mann aufzutreiben,
und so kamen die Vögel in meinen Besitz. Doch hatte ich mich ihrer
Bericht über die April-Sitzung. 331
nicht lange lebend zu erfreuen: schon am 3. Tage waren beide todt.
Meine Erfahrungen waren also ganz dieselben als Steers’ ; doch zweifle
ich demohnerachtet nicht, dass sie sich lebend erhalten lassen.
Die Fanningleute sagten mir, es sei sehr leicht, die Vögel lebend
zu erhalten, und zwar mit Cocosnuss und Zuckerrohr. Der frühere
Besitzer der Vögel hatte sie mit aufgeweichtem Biseuit (Schiffsbrot)
gefüttert und behauptete, sie damit lange Zeit halten zu können.
Doch waren ihm auf der Reise von 7 Stück 4 gestorben.
Diese Papageien waren das Reizendste, was man sehen konnte,
und verdienen, wie Steers bemerkt, mit vollem Recht den Namen
„Love-Birds“. Sie sassen stets dicht beieinander, schnäbelten sich
und putzten sich gegenseitig die langen Federn auf Kopf und
Nacken. Sie schienen sehr zahm, konnten es aber nicht ertragen,
als ich das Bauer, um es zu reinigen, öffnete. Sie erschraken
davon so heftig, dass sie in Krämpfe fielen, die den Einen in
kurzer Zeit, den Anderen am nächsten Morgen tödteten.
Ich gebe die Beschreibung nach den Exemplaren im Fleisch:
Männchen. Oberseite des Kopfes prachtvoll grasgrün; die
Federn des Hinterkopfes schmal und etwas verlängert; von gleicher
_ Beschaffenheit sind die tiefblauen Federn des Nackens; übrige
Oberseite schön dunkelgrasgrün; Bürzel und obere Schwanzdecken
ölgelb (d. h. mit einem schwachen Scheine in’s Grüngelbe); hintere
Scherkelseiten rein und lebhaft citrongelb; Zügel, Kopf- und Hals-
seiten und ganze Unterseite tiefscharlachroth, die Basis der Federn
schiefergrau; auf dem Bauche sehr schmale undeutliche violette
Endsäume der Federn, wodurch undeutliche Wellenlinien entstehen.
Aftermitte und vordere Schenkelseiten tief violett, Tibia fast schwarz;
untere Schwanzdecken grünlichgelb, die längsten roth gespitzt;
untere Flügeldecken und Achseln grün, wie Rücken, Schwingen
innen schwarz, aussen dunkelgrün gerandet, die ersten 3 an Basis-
hälfte, wie der Afterflügel mit sehr schmalem dunkelblauen Aussen-
saume; Schwanzfedern aussen tiefviolett in’s Schwarze, innen
scharlachroth mit schwarzem Enddrittel und grünem Spitzenfleck;
mittelste 2 Schwanzfedern einfarbig schwarz. Schnabel horn-
schwärzlich an Basis in’s Röthlichbräunliche; Beine bräunlich;
Iris hellbraun mit innerem gelben Ringe, zunächst der Pupille. —
Weibchen gleichgefärbt: Schnabel heller.
Die Zunge ist weit vorstreckbar und trägt an der Spitze ein
schwärzliches horniges Knöpfehen, welches cylinderartig ein Büschel
heller Fasern umschliesst, zeigt also ganz die eigenthümliche Be-
schaffenheit der echten Trichoglossen.
Allgmeine deutsche menithulogieche Gesellschaft zu Berlin.
Bericht über die April-Sitzung.
Verhandelt Berlin, Montag den 7. April 1879, Abends
72, Uhr, im Sitzungslocale.
Anwesend die Herren: d’Alton, Mützel, Brehm, Bolle,
Cabanis, Hausmann, Reichenow, Schalow, Böhm,
Thiele, Grunack und Lestow.
332 Allgem. deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin.
Von auswärtigen Mitgliedern: Herr Prem.-Lieutenant Krüger-
Velthusen (Spandau).
Als Gäste die Herren: Dr. Taschenberg (Halle a. S.),
Schmidt, Lindemann, Schmelzpfennig (Berlin).
Vorsitzender: Herr Bolle, Schriftführer: Herr Schalow.
Der Bericht über die März-Sitzung wird verlesen und in der
vorliegenden Fassung angenommen.
Der Vorsitzende widmet dem am 17. d. vergangenen
Monats in Dresden verstorbenen Geheimen Hofrath Prof. Dr.
Ludw. Reichenbach in warmen, tief empfundenen Worten einen
ehrenden Nachruf. In allgemeinen Zügen entrollt er ein Bild des
Lebens des Dahingeschiedenen und weist auf die hohe Bedeutung
hin, die der Verstorbene sich durch seine Arbeiten in verschiedenen
Fächern der Wissenschaft erworben. Seine Verdienste um die
Ornithologie sind so allgemein anerkannt, dass sie nicht in einem
Nachruf eine gewisse officielle Bestätigung nöthig haben. n
Die Mitglieder ehren das Andenken LudwigReichenbach’s
durch Erheben von den Sitzen.
Ein kurzer Nekrolog findet sich im Ornithologischen Central-
blatte, Seite 56.
Herr Reichenow legt die neu eingegangenen Publicationen
vor und bespricht die wichtigeren derselben in eingehender Weise,
so besonders E. F. v. Homeyer: die Spechte und ihr Werth in
forstlicher Beziehung, sowie ferner: Sharpe, Catalogue of the Pas-
seriformes or Perching Birds in the Collection of the British Museum,
Cichlamorphae pars r. Containing the families Campephagidae and
Muscicapidae (London 1879).
Herr Reichenow nimmt ferner Veranlassung, kurz über die
Mittheilungen zu berichten, die für das verflossene Jahr an den
Ausschuss der Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands ein-
gegangen sind. Es ist darunter viel brauchbares Material, und die
Menge der eingehenden Arbeiten legt Zeugniss davon ab, wie der
Gegenstand an Ausdehnung zunimmt und die Betheiligung an den
Beobachtungen von Jahr zu Jahr eine regere wird. Sehr verdient
hat sich, wie im vergangenen, so auch in diesem Jahre der Verein
in Grossenhain um das Sammeln und Zusammenstellen von Beob-
achtungen gemacht. Er hat gezeigt, was geleistet werden Kann,
wenn mit Lust und Liebe die Sache in Angriff genommen und mit
Eifer gearbeitet wird. Die eingesandten Beobachtungen sind klar
und präcis und verdienen das weitgehendste Lob. Mögen auch
andere Gesellschaften dem Verein in Grossenhain recht bald nach-
folgen und Aehnliches leisten.
Auf Antrag des Herrn Brehm wird beschlossen, dem Verein in
Grossenhain im Namen unserer Gesellschaft den Dank für seine rege
Betheiligungan denArbeiten der Beobachtungsstationen auszusprechen.
Herr Hausmann spricht über das Vorkommen von Otis tetra»
in Mecklenburg. Wir entnehmen den Ausführungen des Vor-
tragenden die folgenden Notizen, die derselbe von Herrn Gym-
Bericht über die April-Sitzung. 333
nasiallehrer C. Struck, dem Conservator des Maltzaneum in Waren,
erhalten hat. „Im Jahre 1377 zeigten sich auf dem Gute Schwarzen-
hof bei Waren in den Tagen vom 16.—18. Decbr.: 4 Zwergtrappen,
die meistens auf einem Roggenschlag nach Futter suchten. Es hatten
dort Lupinen vorher gestanden und es ist zu vermutben, dass sie nach
dem ausgefallenen Samen, der sich dort vielfach zeigte, äugten. Am
18. December 1877 schoss der dortige Inspector mit Hühnerschrot
dazwischen und erlegte 1 Exemplar. — Die Flügel und Federn hat
Herr Struck selbst gesehen; das Thier aber war leider gebraten
und verspeiset. Die andern 3 Stück verschwanden aus der Gegend.
Das in unserm Museum zu Waren befindliche Exemplar wurde
im October 1828 zu Niekranz bei Rostock zwischen frischeu Dung-
haufen geschossen. Es ist ein Weibchen und war lange eine
Zierde der Sammlung des Dr. Benefeld in Rostock. Nach Bene-
feld’s Tode erwarb Herr Struck dies Exemplar für’s Warener
Museum. Ferner hat der Kreiswundarzt Herr Schmidt in Rostock
in seiner Sammlung 1 Exemplar, das in den 50er Jahren auf der
Insel Poel bei Wismar erlegt wurde. —
Auch bei Steenbock in Rostock soll nach Herrn Struck’s Erinnerung
1 Exemplar sich befinden, welches bei Doberan geschossen ist.
Schon Siemessen führt an, dass bei Ludwigslust Zwergtrappen
beobachtet worden sind und dass sich 1 Exemplar von Ende des
vorigen Jahrhunderts in der Lembke’schen Sammlung in Schwerin
befinde (welches ebenfalls aus Mecklenburg stammen soll). Jeden-
falls ist der Zwergtrappe in Mecklenburg öfter erlegt, wenn auch
nichts darüber bekannt wurde.
Der im Museum zu Waren befindliche „Kragentrappe‘‘ (Otis
Maegueeni G.) wurde 1847 von dem Herrn C. Seer auf der Feld-
mark des Gutes Rederank bei Kröpelin mit einer einläufigen Schrot-
flinte erlegt. Es zeigten sich dort 2 Exemplare, die so wenig scheu
waren, wie Seer selbst Herrn Struck erzählte, dass er ganz nahe
herangehen konnte. Das erlegte Exemplar ist ein altes Männchen.“
Mit Bezug auf die letzte Mittheilung des Herrn Hausmann
über das in Mecklenburg erlegte Exemplar des Ötis Maqueeni
Hardw. entspinnt sich eine längere Discussion. Herr Schalow be-
spricht kurz die Charaktere dieser Art sowie die der nahe ver-
wandten und mit jener oft verwechselten Otis Houbara Gm. Die
erstere Art ist als eine asiatische, die letztere als eine mediterrane,
bezüglich afrikanische zu betrachten. Die Angaben, welche sich
in vielen Arbeiten über die Vögel Deutschlands auf ein Vorkommen
der Otis Houbara in dem genannten Gebiet beziehen, lassen sich
in fast allen den Fällen, in denen Beschreibungen der betreffenden
Exemplare gegeben werden, auf die asiatische Art, auf ©. Mac-
queeni Hardw. zurückführen. Herr Brehm führt eine Reihe von
biologischen Beobachtungen über ©. Houbara auf, die er in Afrika
machen konnte. Herr Bolle vervollständigt diese Mittheilungen
und spricht über das Vorkommen des afrikanischen Kragentrappen
auf der canarischen Insel Fuorteventura.
334 Allgem. deutsche ornithologische Gesellschaft zu Berlin.
Herr Brehm giebt eine Reihe von Mittheilungen über die
Zugstrassen der Vögel im westlichen Sibirien.
Derselbe giebt ferner einen kurzen Bericht über einen
Besuch, den er vor einiger Zeit dem Pester Nationalmuseum abge-
stattet, und weist auf einige Seltenheiten hin, die die ornithologische
Abtheilung jener Anstalt besitzt. Zu erwähnen aus jener Samm-
lung ist eine schöne im Jahre 1878 im Neacrater Comitate geschos-
sene Xema Sabinü (Leach): weiss, ein Fleck hinter dem Auge
dunkelaschgrau, Mantel lichtmövenblau, Nackenband und obere Reihe
der Flügeldeckfedern mattschwarz. Vielleicht ist noch zu erwähnen
eine im Cipser Comitate geschossene Frocellaria haesitata Kuhl.
Herr Brehm bespricht das bisher gänzlich unbekannte regel-
mässige Brutvorkommen von #rismatura leucocephala (Scop.) in
Siebenbürgen. Er theilt eine Reihe von Beobachtungen über diese
Art mit, die er von dem Custos des Pester Museums Herrn
Otto Hermann erhalten. Danach erscheint die Ente Mitte Mai in
dem Gebiet und sucht sich ein mit Röhricht stark besetztes Wasser-
becken auf. Zuerst zusammen haltend trennen sich bald die ein-
zelnen Paare. Plötzlich verschwindet das ? und man sieht nur
noch das Z allein auf dem Wasser; der weisse Kopf desselben
leuchtet weithin. Das 2 brütet, wo wusste Hermann nicht zu sagen.
Der Vorsicht, mit der diese Ente sich dem Jäger entzieht, der aus-
gezeichneten Tauchfähigkeit, wird noch besonders Erwähnung gethan.
Herr Reichenow legt einen von unserem auswärtigen
Mitgliede Herrn Baumeister Sachse (Altenkirchen) eingesandten
Magen von TZetrao bonasia vor, zur Untersuchung des Inhalts.
Herr Bolle wird diese Untersuchung vornehmen u. z. Z. darüber
berichten.
Herr Böhm legt eine kleine Schrift vor: R. von Meyerinck,
Naturgeschichte des Wildes, 2. Auflage, und referirt kurz über
den ornithologischen Theil derselben.
Herr Reichenow bespricht eine vor Kurzem an das Berliner
Museum gelangte Sammlung des Afrikareisenden Schütt. Derselbe
sucht im Auftrage der Deutschen afrikanischen Gesellschaft die
Route des Dr. Pogge zu verfolgen und in das Innere einzudringen.
Von Paolo de Loanda aus hat er seine Reise angetreten, über
Dondo nach Malange. Durch verschiedene Widerwärtigkeiten auf-
gehalten, musste er eine Zeit lang in dem letztgenannten Orte ver-
weilen und benutzte die unfreiwillige Musse zu naturwissenschaft-
lichen Sammlungen. Die ornithologische Collection enthält zwar
keine für die Wissenschaft neuen Arten, wohl aber solche, die für
das Gebiet neu sind und von Barboza du Bocage in seiner
Ornithologie Angolas nicht genannt werden. Herr Reichenow legt
einzelne Arten vor und knüpft an verschiedene derselben Mit-
theilungen über Färbung und Verbreitung.
Zum Schluss der Sitzung verliest Herr Reichenow das Programm
für die diesjährige Ende Mai dieses Jahres in Stettin stattfindende
Jahresversammlung unserer Gesellschaft, wie dasselbe von den beiden
ee I ng
Bericht über die Mai-Sitzung. 335
Localgeschäftsführern Dr. Dohrn und Dr. Bauer vorläufig ent-
worfen und an den Vorstand eingesandt worden ist.
Bolle, Schalow. Cabanis, Gen.-Secr.
Bericht über die Mai-Sitzung.
Verhandelt Berlin, Montag den 5. Mai 1879, Abends
ur Uhr, im Sitzungslocale.
Anwesend die Herren: Cabanis, Reichenow, Mützel,
Sy, Hausmann, Jahrmargt, Böhm, Schalow, Walter,
Krüger, Grunack, Thiele und d’Alton. Als Gäste die
Herren: Schmeltzpfennig, Thiede, Schellack, Bohnen-
stengel und Lindemann, sämmtlich aus Berlin, Vorsitzen-
der: Herr Cabanis, Schriftführer: Herr Schalow.
Der Bericht über die April Sitzung wird verlesen. Mit Bezug
auf die in demselben gegebenen Mittheilungen Brehm’s über das
Brüten von Eriswatura leucocephala in Siebenbürgen weist Herr
Schalow nachträglich auf die eingehenden Beobachtungen hin,
welche von Danford und Harrie Brown über das Brutvorkommen
dieser Ente in dem beregten Gebiet im Ibis (1875 p. 427) veröffentlicht
worden sind, und deren Herr Brehm nicht Erwähnung gethan hatte.
- Anknüpfend an eine kleine Arbeit seines Vaters, des Herrn
Joh. F. L. Hausmann, über: „Das Gebirgssystem der Sierra Newada
und das Gebirge von Jaen im südlichen Spanien“ (Göttingen 1842),
bespricht Herr Hausmann eingehend den geologischen Bau und die
Vegetationsverhältnisse derjenigen Gebiete der iberischen Halbinsel,
welche demnächst von S. K. K. Hoh. dem Kronprinzen Erzherzog
Rudolf von Oesterreich und Dr. Brehm werden besucht werden.
Herr Hausmann sucht im Verlaufe seiner Mittheilungen den Nach-
weis zu führen, dass die geologischen Formationen eines Gebietes
für die Entwickelung der Lebensweise der Thiere von nicht zu
unterschätzender Bedeutung seien.
Herr Hausmann giebt eine Reihe kleinerer Mittheilungen
über das Eintreffen einzelner Vögel in diesem Frühjahre in der
Umgegend von Berlin. Diese Mittheilungen werden durch die
Beobachtungen anderer Mitglieder ergänzt und erweitert. \
Herr Cabanis spricht in einer längeren Mittheilung über die |
Fluvicolinen-Gruppe Aulanaz. Nach kurzer Charakterisirung der
‚Arten A. nigricans (Sws.) von Mexico und A. aquaticus (Sclat.) aus
- Central-America, wendet er sich der von ihm im Museum Heineanum
' (I. p. 68.) beschriebenen A. latirostres zu, von der das Berliner
. Museum seiner Zeit ein jüngeres Exemplar aus Bolivien erhalten hatte.
4-4. latirostris ist die grösste der 4 nahe verwandten Arten
(oder Abarten) und hat ausserdem breitere weisse Ränder an den
Schwingen und Flügeldecken. Diese Art wurde neuerdings von
. Herrn Prof. A. Döring an den Bergbächen im Gebirge von Tucuman
‚ beobachtet. Sie hat also die s ‚üdlichste geographische Ver-
‚breitung von allen 4 Arten: Bolivien und Argentinien.
Mit A. cineracea (Lafr.) von Venezuela ist sie durchaus nicht
336 Nachrichten. An die Redaction eingegang. Schriften.
identisch, denn A. eineracea ist kleiner und in Grösse und Färbung
der aquatica am ähnlichsten.
Herr Reichenow macht einige geschäftliche Mittheilungen
über die in den Tagen vom 23. bis 26. Mai in Stettin stattfindende
Jahresversammlung unserer Gesellschaft sowie über die für den
7. Juni festgesetzte Frühjahrsexcursion nach dem Spreewalde.
Kleinere Mittheilungen und allgemeine Discussionen bilden
den Schluss der Sitzung. Schalow. Cabanis, Secr.
Nachrichten.
An die Redaction eingegangene Schriften.
(Siehe Seite 223,224.)
1534. Dr. Th. Studer. Die Fauna von Kerguelensland. [Separat-
abdr. aus Archiv f. Naturgesch. XXXXV. Jahrg. V. Bd.] —
Vom Verfasser.
1535. Dr. Ad. Döring, Prof., Noticias ornithologicas de las Regiones
Ribereüas del Rio Guayquiraro. [Abdr. aus Organo de la
Sociedad Zoologica Argentina. I. Buenos Aires, 1875.] —
Vom Verfasser.
1536. The Ibis. A Quarterly Journal of Ornithology. Edited by
Salvin and Sclater. Fourth Series, Vol. III. No. 11. July 1879.
— Von der British Ornithologist’s Union.
1537. Index of Genera and Species and Index to the Plates in
„Ihe Ibis“ (First, Second and Third Series) 1859—1876.
Edited by O. Salvin. London 1879. — Von Derselben.
1538. Th. Salvadori. Prodromus Ornithologiae papuasiae et
Moluccarum. VII. Passeres. Hirundinidae - Muscicapidae.
(Separat-Abdr.) — Vom Verfasser.
1539. W. A. Forbes.. On the Systematie Position of the Genus
Laihamus of Lesson. [From Proc. Z. Soc. London, Febr. 18,
1879.] — Vom Verfasser.
1540. W. A. Forbes. On the Systematic Position and Scientific
Name of „Le Perroquet mascarin“ of Brisson. — [From The
Ibis, July 1879.] — Von Demselben.
1541. @G. N. Lawrence. Catalogue of the Birds colleeted in
Martinique by F. A. Ober. [From Proc. Unit. St. National
Museum, Mai 10. 1879.) — Vom Verfasser.
1542. G. N. Lawrence. Catalogue of a Collection of Birds
obtained in Guadeloupe by Ober. [From Proc. U. St. National
Mus. Apr. 22, 1879.] — Von Demselben.
1543. G. N. Lawrence. A. General Catalogue of the Birds noted
form the Islands of the Lesser Antilles visited by Ober,
with a Table showing their Distribution and those found in
the United States. [From Proc. Unit. Nat. Mus. 1879, 486—
88] — Von Demselben,
@. Pätz’sche Buchdruckerei (Otto Hauthal) in Naumburg a/8.
Cab. Journ f. Orn. 1879 Tab, I
I Cosmopsarus regius.. 2.3.Speculipastor bicoler _
“4 5. Kier von Ixos xanthopygius. H.eet Eihrb
T ar atalt+r r > pe
* ei: n ri 5
N N OR
JOURNAL
für
ORNITHOLOGIE.
Siebenundzwanzigster Jahrgang.
N 148. October. 1879.
Uebersicht der von Dr. 6. A. Fischer auf einer zweiten Reise
durch das ostafricanische Küstenland von Mombassa bis
? Wito und am Tana-Fluss gesammelten Vögel.
Von
Dr. G. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow.
FAM. CHARADRIUDAE.
1. Charadrius pecuarius Tem.
227a: 2. Mambrui 23/6. Iris braun, Schnabel schwarz, Tibia
schwärzlich, Tarsus grau, Zehen grauschwarz. Länge 150, Flügel
100, Schwanz 45, Lauf 30, Mundspalte 20 Mm.
2. Hoplopterus spinosus (L.).
404: d. Tschara 8/12. Iris karminroth, Schnabel und Beine
schwarz. Wapokomo-Name: Tirangole. Flügel 195, Schwanz 100,
Lauf 68, Mundspalte 30 Mm.
3. Limnetes crassirostris (de Fil.).
403: 9. Tschara 8/12. Iris schmutzig korallenroth, verbreiterte
Augenlider korallroth, Basis des Schnabels bis über die Nasen-
löcher weinröthlich, Spitzendrittel braunschwarz, Beine purpur-
roth. Länge 280, Flügel 210, Schwanz 105, Lauf 80, Mundspalte
34 Mm.
4. @Glareola ocularis Verr.
300: d. Ngau 2/9. Iris dunkelbraun, Schnabel braunschwarz,
Ränder und Basis lackroth, Beine schwärzlichbraun. Länge 211,
Flügel 195, Schwanz 75, Mundspalte 24, Lauf 27 Mm. — 299: 2.
Ngau 2/9. Länge 220, Flügel 190, Schwanz 72, Mundspalte 22 Mm.
Nackte Theile wie beim & gefärbt.
5. Cursorius cinctus Heugl.
381: 2. Massa 4/11. Länge 220, Flügel 150, Schwanz 75,
"Lauf 65, Mundspalte 25 Mm. Iris braun, Oberschnabel und Spitzen-
Cab. Journ. £. Ornith. XXVII. Jalırg. No. 148, October 1879. 22
338 Dr. @. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow:
drittel des Unterschnabels braunschwarz, Oberschnabel um die
Nasenlöcher und Unterschnabel graugrün, Beine blasshornfahl.
6. VOedicnemus vermiculatus Cab.
369: 92. Ualimi 27/10. Iris grüngelb mit schwarzen Punkten
und Adern, Schnabel schwarzbraun, Fleck um das, Nasenloch und
Basis des Unterschnabels gelbgrün, Beine blassgrünlieh. Vulgär-
name (Wapokomo): Keriombe. Länge 364, Flügel 200, Schwanz
110, Lauf 80, Mundspalte 55 Mm.
FAM. OTIDIDAE.
7. Otis maculipennis Cab.
on.
236: 2. Gelidja 29/6. Iris gelbbraun, Oberschnabel Tat E
braun, Unterschnabel blasshorngelblich, ebenso breiter Rand des
Oberschnabels, Beine gelblichweiss. Länge 600, Flügel 350, |
Schwanz 125, Lauf 13, Mundspalte 62 Mm.
Von dem Typus im Berliner Museum unterscheidet sich das
vorliegende Exemplar durch: etwas abweichende Rückenzeichnung,
indem die helle Zeichnung auf den Federn lanzenförmige Spitzen
bildet, und durch die Schwanzfedern, » welche weniger deutliche
Querbinden zeigen. Die äussersten Schwanzfedern sind fast ganz
schwarzbraun, nur an der Spitze gelbbräunlich gezeichnet.
FAM. SCOLOPACIDAE.
8. Actitis hypoleucus (L.).
309: &. Engatana 12/9. Iris braun, Obersulmißel, und Sitzen.
theil des Unterschnabels braunschwarz, Basis des Unterschnabels
fahl, Füsse blass grünlichgrau. Länge 141, Flügel 107, Schwanz
55, Lauf 25, Mundspalte 30 Mm.
FAM. RALLIDAE.
9. Parra africana Gm.
296: pullus. Tschara 18/3. Oberseite rothbraun, ein:Band |
über den Oberkopf und Nacken schwarzbraun, ebenso 'ein Strich,
der vom Schnabel durch das Auge läuft und sich hinter demselben
mit dem Nackenbande vereinigt, Untenseite weiss, Iris braun,
Schnabel blaugrau, Basis des Unterschnabels hornfahl, Beine |
grünlich. Länge 180 Mm.
10. Ortygometra pygmaea (Naum.).
340: & jun. Muniuni 2/10. Iris gelblichroth, vchite ee |
lidrand hell lederbraun, Oberschnabel braun, an der Basis undoden
Rändern mehr grünlichbraun, Unterschnäbel grüngrau wie die
Beine. Länge 150, Flügel 83, Schwanz 40, Lauf 27, Mundspalte
20 Mm. AO N
' Vögel. von Ostafrika. . 339
FAM. SCOPIDAE.
11. Scopus umbretta L.
: 868: d. Ualimi 24/10. (Scelett).
FAM. ARDEIDAE.
12. Oeniscus atricapillus (Afzel.).
302: 3. Ngau 6/9. Iris gelb, über dem schwarzen Zügel ein
grüngelber Streif, Oberschnabel und Rand des Unterschnabels
‘schwarz, Unterschnabel gelblichgrün, Beine vorn braun, hinten
‚gelb. Flügel 170, Schwanz 65, Lauf 46, Mundspalte 73 Mm.
FAM. TETRAONIDAE.
13. Turnix lepurana (Smith.).
207: &. Malindi 8/6. Iris hellgelb, Oberschnabel und Spitze
des Unterschnabels braun, Rand des Oberschnabels gegen die Basis
‘zu und Unterschnabel blassblaugrau, Beine hornweisslich. Länge
122, Flügel 70, Schwanz 35, Lauf 20, Mundspalte 15 Mm.
14. eu Granti Hartl.
272: 2. Kipini 2/8. Iris braun, Oberschnabel braun, Unter-
schnabel ebenso, aber Spitze und Basis hornfahl, Beine schmutzig
‚korallroth. Länge 275, Flügel 135, Schwanz 80, Lauf 35, Mund-
spalte 22 Mm.
15. Francolinus nudicollis (Gm.).
247: 2. Kipini 19/7. Iris braun, Schnabel, nackter Kopf und
Halstheile, sowie die Beine korallroth, Schnabelspitze hornfahl,
'Schnabelfirste an der Basis bräunlichroth. Länge 314, Flügel
180, Sun uz 75, Mundspalte 30 Mm.
FAM. COLUMBIDAE.
16. Chalcopelia afra (L.).
226: & jun. Mambrui 22/6. Iris:braun, Schnabel braun-
schwarz, Füsse röthlichbraun. Länge 173, Flügel 100, Schwanz
68, Mundspalte 16 Mm. an
17. Treron Wakefieldi Sh.
-308:&. Engatana 11/9. Iris seidenweiss, Spitzenhälfte des
Schnabels bläulichweiss, Basishälfte bis etwas über die Nasenlöcher
«zinnoberroth. Länge 240, Flügel 155, Schwanz 87, Mundspalte 23 Mm.
FAM. FALCONIDAE.
18. Falco semitorguatus Smith.
376: 92. Massa 2/11. Iris braun, nackte Haut um’s Auge und
‚Wachshaut gelblichroth, Schnabel weisslichblau, Spitze blauschwarz,
‚Beine gelbroth, Mageninhalt Eidechsen. Länge 170, Flügel 110,
Schwanz 75, Mundspalte 15, Lauf 25 Mm.
19. Avicida Verreauxt Lafr.
340 Dr. &. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow:
323: 2. Muniuni. 21/9. Iris gelb, Oberschnabel und Spitze
des Unterschnabels dunkelschwarzbraun, Unterschnabel sonst blass-
blaugrau, Beine dunkelgelb, Mageninhalt Heuschrecken. Länge
437, Flügel 300, Schwanz 210, Lauf 31, Mundspalte 26 Mm.
FAM. STRIGIDAE.
20. Scotopelia Peli (Temm.).
|
406: &. Kau. 10/12. Iris tiefbraun, Wachshaut bleifarben,
Beine blassgraugelb. Länge 520, Flügel 410, Schwanz 240, Lauf
70, Mundspalte 47 Mm.
21. Budo lacteus (Temm.).
270: 2. Kipini 29/7. Iris dunkelbraun, Oberaugenlid fleisch- |
farben, das untere bläulich, Schnabel blassblaugrau, Wachshaut
bleifarben, Zehen graublau. Länge 530, Flügel 420, Schwanz 230,
Lauf 70, Mundspalte 45 Mm.
22. Syrnium Woodfordi (Sm.).
342: 9. Muniuni 4/10. Iris braun, Schnabel, Beine und Wachs-
haut hellgelb. Länge 320, Flügel 240, Schwanz 160, Mundspalte
27 Mm. — 324: 3. Muniuni 22/9. Iris braun. Länge 320, Flügel
255, Schwanz 155, Mundspalte 26 Mm.
FAM. MUSOPHAGIDAE,
23. Corythaix Fischeri Rchw.
329: 2. Muniuni 25/9. Iris braun, Schnabel dunkelbraunroth,
Augenlid korallroth, Beine glänzend braunschwarz. Länge 360,
Flügel 170, Schwanz 190, Mundspalte 23 Mm. — 352: 2? Muniuni
12/10. Länge 380, Flügel 170, Schwanz 190, Mundspalte 27 Mm.
— 346: &. Muniuni 5/10. Iris braun, Schnabel dunkelbraunroth,
Augenlidhaut korallroth, Beine glänzend braunschwarz. Länge
380, Flügel 170, Schwanz 190, Mundspalte 26 Mm.
24. Schizorhis leucogaster Rüpp.
380: &. Massa 3/11. Iris braun, Schnabel und Beine schwarz.
Länge 440, Flügel 210, Schwanz 260, Mundspalte 27 Mm. —
379: 9. Massa 3/11. Iris braun, Schnabel grün, Basis des Unter-
schnabels graublau, Beine schwarz. Länge 440, Flügel 210,
Schwanz 250, Mundspalte 29 Mm.
FAM. COLLIDAE.
25. Colius senegalensis Gm.
243: 9. Kipini 13/7. Iris, Basishälfte des Oberschnabels,
nackte Haut um’s Auge und am Grunde des Unterschnabels lack-
roth, Schnabel schwarz, Beine schmutzig weinröthlich. Länge
312, Flügel 88, Schwanz 230, Mundspalte 16 Mm. — 227: 2. Mam-
Vögel von Ostafrika. 341
brui 23/6. Iris roth, Oberschnabel, Augenlidrand, nackte Haut
um’s Auge und Basisrand des Unterschnabels lackroth, Spitze des
Oberschnabels und Unterschnabels schwarz, Füsse schmutzig wein-
röthlich. Länge 330, Flügel 88, Schwanz 230, Mundspalte: 14 Mm.
26. Colius leucocephalus sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 114.
362: &. Kinakomba 23/10. ‚Iris dunkelbraun, Haut um’s
Auge grauschwarz, Schnabel blassblau, Spitze des Oberschnabels
hornbraun, des Unterschnabels hornfahl, Beine blass rosenroth.
Länge 290, Flügel 35, Schwanz 210, Mundspalte 12 Mm.
FAM. CUCULIDAE.
27. Centropus supercilVosus Hempr. Ehr.
186: pullus. (Die Federn noch in Kielen.) Malindi 3/6. Iris
dunkelbraun, Oberschnabel dunkelgraublau, Unterschnabel grau-
blau, Beine bleifarben.
28. Centropus nigrorufus (Cur.).
402: 9. Tschara 5/12. Länge 370, Flügel 165, Schwanz 170,
Mundspalte 27 Mm. — 237: 9. Gelidja 30/6. Iris braun, Schnabel
und Beine schwarz, im Magen Heuschrecken. Länge 390, Flügel
170, Schwanz 180, Mundspalte 28 Mm.
29. Cuculus validus Sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 139.
330: 2. Muniuni 25/9. Iris braun, Augenlidrand gelb, Ober-
schnabel und Ränder des Unterschnabels dunkelbraun, Unter-
sehnabel gelbgrau, Beine strohgelb, im Magen Raupen. Länge
336, Flügel 220, Schwanz 200, Mundspalte 29 Mm.
30. Queulus leptodetus Cab.
274: & jun. Kipini 5/8. Iris gelblichgrau, Spitzenhälfte des
Oberschnabels und Spitze des Unterschnabels hornbraun, ebenso
die Firste an der Basis des ersteren, Schnabel sonst grünlichgelb,
am Mundwinkel orange, Augenlidrand und Beine gelb. Länge
320, Flügel 210, Schwanz 180, Mundspalte 30 Mm.
31. Indicator minor Steph.
195: 3. Malindi 6/6. Iris röthliehbraun, Oberschnabel und
Spitze des Unterschnabels schwarzbraun, Basis des Unterschnabels
fahl, Füsse schmutzig grünlichgrau. Länge 140, Flügel 85,
Schwanz 58, Mundspalte 15 Mm.
32. Indicator Sparmanni Steph.
358:9. Ualimi 19/10. Iris gelbbraun, Schnabel blassbraun, Füsse
graubraun. Länge 180, Flügel 103, Schwanz 67, Mundspalte 17 Mm.
342 Dr. G. A. Fischer und Dr. Ant. Reichönset
33. Indicator variegatus Less.
366: d. Ualimi 24/10. Iris graubraun, Oberschnabel hornbraun.
34. Chrysococcyz Claasi (Steph.).
283: &. Kau 11/8. Iris gelbbraun, Augenlidrand blassgrün- |
lich, Oberschnabel und Spitze des Unterschnabels braun, Unter-
schnabel graugrün wie die Füsse. Länge 160, Flügel 95, Schwanz
74, Mundspalte 20 Mm. — 282: 3. Kau 1/8. er 160, Flügel
93, Schwanz 74, Mundspalte 20 Mm.
35. Öhrysococeyz cupreus (Bodd.).
159: &. jun. Sansibar 20/3. Iris graugelb, Oberschnabel und
Spitze des Unterschnabels röthlichbraun, Unterschnabel und Augen-
lidrand blassröthlich, Füsse bleifarben. Länge 175, Flügel 108,
Schwanz 83, Mundspalte 18 Mm. :
36. Zanclostomus australis (Sh.).
257: 2. Kipini 25/7. Iris bräunlichroth,. Schnabel gelb, Firste‘
braun, Beine glänzend braunschwarz, im Magen Heuschrecken.
Länge 315, Flügel 120, Schwanz 200, Mundspalte 29:Mm. —
258: &. Kipini 25/7.. Iris bräunlichroth, Schnabel gelb, an der
Firstenbasis braun, Beine glänzend braunschwarz, im Magen Heu-
schrecken. Länge 310, Flügel 120, Schwanz 175, Mundspalte 23 Mm.
37. Coccystes pica (Ehrbg.).
273: 3. Kipini 5/8. Iris. braun, Schnabel schwarz; ‚Füsse
bleifarben. Länge 325, Flügel 150, Schwanz 180, Me
FAM. TROGONIDAE.
Trogon narina Vieill.
317: Z jun. Muniuni 18/9. Iris braun, Schnabel grünlichgelb,
Firste und Spitze blass grünlichgrau, nackte Haut am Kopfe 'bläu-
lich, Kehlfleck grau, Beine blass grauröthlich. Länge 290,' Flügel
130, Schwanz 190, Mundspalte 23 Mm. — 304: 9. Engatana 8/9
Iris braun, Schnabel grünlichgelb, Firste bräunlich, Spitze fahl-.
bläulich, nackte Stelle am Kopfe und Kehle graublau, Füsse grau-
röthlich. Länge 280, Flügel 125, Schwanz 180, Mundspalte 25 Mm.
FAM. CAPITONIDAE.
39. Trachyphonus sgquamiceps Heugl. 58
356:&. Kibaradja 18/10. Iris braun, Schnabel fahlgrün, Füsse
bleifarben. Länge 170, Flügel 73, Schwanz 80, Mundspalte 23 Man:
40. Pogonorhynchus melanopterus (Ps). =
301:9. Ngau 3/9. Iris braun, Schnabel fahlbläulich, le
bleifarben. Länge 180, Flügel 88, Schwanz 68, Mundspalte. 27 Mm.
41. Barbatula affinis sp. n. | | ‚dsıdlary
Vögel von Ostafrika. DA er
Ornith. Centralbl. 1879 p. 114.
.260::8. Kipini 26/7. Länge 95, Flügel 50; Schwäng 32,
Mundspalte 15 Mm. Iris röthlich, Schnabel und Band schwarz.
173a: 2. Malindi 31/5. Iris braun, Schnabel und Beine schwarz.
Länge 90, Flügel 50, Schwanz 30, Mundspalte 15 Mm.
FAM. PICIDAE.
42. Picus nubicus Gm.
276: &. Kau 9/8. Iris blassrosenroth, Oberschnabel und
Spitze des Unterschnabels hornbräunlich, Unterschnabel grünlich-
grau wie die Beine, Länge 190, Flügel 105, Schwanz 70,.Mund-
spalte 23 Mm.
43. Picus schoönsis Rüpp.
332: 2. Muniuni 26/9. Iris braun, Oberschnabel hornbraun,
Unterschnabel graubraun, Füsse grünlichgrau. Länge 200, Flügel
122, Schwanz 78, Mundspalte 35 Mm. — 331: 2. Muniuni 26/9.
Iris röthliehbraun, Oberschnabel hornbraun, Unterschnabel grau-
braun, Füsse grünlichgrau. Länge 190, Flügel 120, Schwanz 70,
Mundspalte 32 Mm.
FAM. BUCEROTIDAE.
44. Buceros melanoleucus Lcht.
231: 2. Mambrui 26/6. "Iris gelb, Schnabel ziegelroth mit
schwärzlichen Rändern, Füsse schwarzbraun. Länge 450, Flügel
215, Schwanz 210, Mundspalte 80 Mm.
FAM. CORACIADAE.
45. Coracias garrula L. x
327:9. Massa 1/11. Iris braun, Schnabel schwarz, Beine
grünliehgrau, Sohlen gelblich. Länge 320, Flügel 200, Schwanz
140, Mundspalte 42 Mm.
46. Eurystomus afer (Lath.).
293: 9. Tschara 15/8. Iris erdbraun, Schnabel selb, Füsse
grünliehbraun, Rachenschleimhaut blassgrün. Länge 220, Flügel
165, Schwanz 98, Mundspalte 30 Mm.
FAM. ALCEDINIDAE.
47. Ceryle maxima (Pall.).
371: 2. ‘Massa 31/10. Iris braun, Schnabel schwarz, Basis
des Unterschnabels schieferfarben, Fuss grau. Länge 440, Flügel
200, Schwanz 135, Mundspalte 105 Mm. ' \
048 Haleyonirrorata Rchb.
183: 9. Malindi 3/6. Iris braun, Schnabel korallenroth. Länge
200, Flügel 105, Schwanz 70, Mind te 53 Mm.
344 Dr. G. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow:
49. Halcyon chelicutensis (Stanl.).
171: 2. Malindi 29/5. Iris dunkelbraun, Schnabel braun-
schwarz, an der Basis des Unterschnabels röthlich, Füsse röthlich-
braun. Länge 170, Flügel 73, Schwanz 45, Mundspalte 36 Mm.
FAM. UPUPIDAE.
50. Irrisor cyanomelas (Vieill.).
217: 2. Malindi 17/6. Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz.
Länge 250, Flügel 102, Schwanz 150, Mundspalte 33 Mm.
FAM. CYPSELIDAE,.
51. Oypselus stietilaemus Sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 114.
360: &. Ualimi 22/10. Iris braun, Schnabel und Beine schwarz.
Länge 135, Flügel 135, Schwanz 50, Mundspalte 16 Mm.
FAM. CAPRIMULGIDAE.
52. Caprimulgus Fossii Verr.
170: 2. Sansibar 11/5. Iris braun, Schnabel braunschwarz,
Füsse graubraun. Länge 210, Flügel 155, Schwanz 115, Mund-
spalte 25 Mm.
FAM. ZIRUNDINIDAE.
53. Hirundo Monteiri Hartl.
209: 2. Malindi 11/6. Iris braun, Schnabel und Beine schwarz
Länge 210, Flügel 135, Schwanz 110, Mundspalte 20 Mm. —
210: 2. Malindi 12/6. Länge 220, Flügel 140, Schwanz 110,
Mundspalte 20 Mm.
54. Hirundo filifera Steph.
291: d. Tschara 15/8. Iris erdbraun, Schnabel und Beine
schwarz. Länge 150, Flügel 110, Schwanz 78, Mundspalte 15 Mm. —
Das Nest gleicht ganz dem unserer Hirundo rustica. Ebenso
die Eier.
55. Hirundo puella Temm.
410: 4. Mombasa 21/12. Iris braun, Schnabel und Beine
schwarz. Länge 180, Flügel 100, Schwanz 100, Mundspalte 14 Mm.
56. Hirundo aethiopica Blanf.
194: 3. Malindi 6/6. Iris dunkelbraun, Schnahel schwarz,
Füsse schwarzbraun. Länge 140, Flügel 107, Schwanz 65, Mund-
spalte 15 Mm.
57. Hirundo albigular.s Strickl.
206: 3 juv. Malindi 8/6. Iris dunkelbraun, Ba Br
Beine schwarz. Länge 120 Mm.
Vögel von Ostafrika. 345
FAM. CAMPEPHAGIDAE.
58. Campephaga nigra (Vieill.)
320: 3 juv. Muniuni 18/9. Iris braun, Schnabel schwarz,
Basis des Unterschnabels horngelblich, Haut im Schnabelwinkel
gelb, Beine schwarz. Länge 200, Flügel 100, Schwanz 100,
Mundspalte 21 Mm. — 255: 2. Kipini 23/7. Iris graubraun,
Schnabel braunschwarz, Beine schwarzbraun, Sohle blassgelbgrau,
Mund und Rachenschleimhaut gelb. Länge 190, Flügel 98, Schwanz
98, Mundspalte 20 Mm.
FAM. MUSCICAPIDAE.
59. Muscicapa cinereola F. et H.
326: d. Muniuni 23/9. Iris braun, Oberschnabel und Spitze
des Unterschnabels schwarz, Unterschnabel im Uebrigen blassblau-
grau, Beine grauschwarz. Länge 130, Flügel 75, Schwanz 58,
Mundspalte 17 Mm.
60. Bradyornis pallida (v. Müll.)
166: d. Bagamojo 26/4. Iris braun, Schnabel und Beine
schwarz. Länge 155, Flügel 85, Schwanz 68, Mundspalte 18 Mm.
— 233: & juv. Gelidja 27/6. Oberseite graubraun mit weissen
Tropfenflecken, ebenso die Flügeldecken, Unterseite weiss, Brust-
federn mit braunen Säumen, Weichen grauisabell, Unterflügel-
decken isabellfarben, Iris praun, Schnabel schwarzbraun, Basis
des Unterschnabels fahlgelblich, Beine schmutzig’bleifarben. Länge
150, Flügel 78, Schwanz 65, Mundspalte 20 Mm.
61. Trochocercus bivittatus n.Sp.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 120. 0%
319: &. Muniuni 18/9. Iris braun, Schnabel blau mit schwarzer
Spitze, Beine graublau. Länge 130, Flügel 50, Schwanz 70, Mund-
spalte 15 Mm,
327: 2. Muniuni 24/9. Iris dunkelbraun, Schnabel bläulich
mit schwarzer Spitze, Beine blaugrau.
62. Terpsiphone Ferreti (Gu£r.)
281: 3. (im weissen Kleide) Kau 11/8. Iris braun, Augen-
lidhaut blau, Schnabel blaugrau, Spitze schwärzlich, Beine grau-
blau. Länge 280, Flügel 80, Schwanz 200, kleinere Schwanzfedern
80, Mundsp. 20 Mm.
264: & (im weissen Kleide). Kipini 27/7. Länge 315, Flügel
78, mittlere Schwanzfedern 240, kürzeste Schwanzfedern 80, Mund-
spalte 20 Mm. — 245: & (braun). Kipini 17/7. Iris braun,
Schnabel blaugrau mit schwarzer Spitze, Augenlid blau, Beine
346 Dr. &. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow:
dunkelblaugrau. Länge 180, Flügel 77, Schwanz 110, Mundspalte
20 Mm. — 214: 9. Malindi 16/6. Iris graubraun, Schnabel
bläulichschwarz, Füsse bleifarben. Länge 165, Flügel 72, Schwanz
85, Mundspalte 19 Mm. — 284: & (jun). Kau 11/8. Länge 155,
Flügel 70, Schwanz 90, Mundsp. 19 Mm. | '
63. Platystira pririt (Vieill.) -
162: 2. Sansibar 29/3. Iris gelb, am Aussenrande in’s Grüne
übergehend, Schnabel und Füsse schwarz, Länge 100, Flügel 52,
Schwanz 36, Mundspalte 15 Mm. ui
FAM. LANIIDAE,
64. Nilaus capensis (Shaw). Rn;
363: 3. Kibaradja 23/10. Iris dunkelbraun, Oberschnabel
und Spitze des Unterschnabels schwarzbraun, Unterschnabel blau-
grau, Füsse bleifarben. Länge 110,- Flügel 72, Schwanz 46,
Mundspalte 17 Mm. SD
65. Dryoscopus sublacteus Cass,
203: &. Malindi 8/6. Iris braun, Schnabel schwarz, Füsse
hellbleifarben. Long. 190; ala 90; cauda 83; rictus 26 Mm."
280: 2. Kau 11/8. Long. 180; ala 82; cauda 85; rietus :23 Mm.
66. Dryoscopus nigerrimus Sp. n. F
Ornith. Centralbl. 1879 p. 120. h
244: &. Kipini 15/7. Iris röthlich braun, Beine schwärzlich
graublau, Schnabel schwarz. Länge 200, Flügel 86, Schwanz 90,
Mundspalte 25 Mm. 3 Ioybbik el
67. Dryoscopus lugubris Cab.
176: &. Malindi 1/6. Iris gelbroth. Schnabel schwarz,
Beine bleifarben. Länge 155, Flügel 78, Schwanz 65, zz
23 Mm.
68. Laniarius gquadricolor Üass. |
190: 8. Malindi 5/6. 78. Iris schwärzlich, Schnabel übrare,
Füsse hellblaugrau. Long. 180; ala 72; eauda 80; rietus'22 Mm;
69. Landarius para (Less.)
193a: 9. Malindi 6/6. Iris röthlichbraun, Schnabel ‚ci
Füsse bleifarben. Long. 170; ala 85; cauda 85; rietus 17Mm.
— 307a: 2. Engatana 10/9. Nackte Theile wie vorher. Long.
170; ala 80; cauda 80; rictus 13 Mm. x.
7. Merivieh olivaceus (Vieill.) 2
241: 2. Kipini 12/7. Iris gelb, Schnabel ehr Beiid
hellblaugrau. Länge 230, Flügel 110, Schwanz 105, Mundspalte
31 Mm. 11020096
Vögel von Ostafrika. 347
71. Prionops graculinus Cab.-
312: 2. Muniuni 16/9, Iris gelb; Schnabel orangeroth, an
der Spitze gelb; Augenrand unı Füsse lackroth. Long. 190; ala
117; cauda 37; rietus 25 Mm. — 335: &. Muniuni a on
200; ala 117; Fatsdh 87;.rictus 26 Mm.
72. Prionbps woche (Stanl.)
382: 9. Massa 4/11. Iris und Augenlidrand intensiv gelb,
Schnabel braunschwarz, Füsse orange. Länge 180, Flügel 110,
Schwanz 90, Mundspalte 25 Mm.
73. Eurocephalus anguitimens Smith.
357: 2. Kibaradja 18/10. Iris braun, Schnabel schwarz, Füsse
dunkelgraublau. Länge 210, Flügel 120, Schwanz 105, Mundspalte
24 Mm.
74. Be BRön ie eryihr an (Shaw).
225: 2. Mambrui 22/6. Iris braun, Schnabel schwarz, Füsse
hellbleifarben. Long. 200; ala 80; cauda 90; rictus 20 Mm.
75. Lanius caudatus Cab.
409: 2. Kipini 15/12. Iris braun, Schnabel und Füsse schwarz.
Long. 265; ala 110; cauda 160; rietus 25 Mm.
: 76. Lanius MIN RER N Sev.
408° 2. Kipini 15/12. Iris braun, Oberschnabel und Spitze
des Unterschnabels hornbraun, Rand des Oberschnabels und Unter-
schnabel hornweisslich, Beine braun.. Länge 175, Flügel 90,
-Schwanz 83, Mundspalte 21 Mm.
FAM. LIOTRICHIDAE.
77. Crateropus rubiginosus Rüpp.
294: &. Kau 15/8 Iris gelb. Schnabel und Beine hornfahl-
bräunlich. Länge 220, Flügel 85, Schwanz 110, Mundspalte 21 Mm.
78. Turdirostris leptorhyncha sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 155.
405: 8. Tschara 9/12. Iris gelbbraun. Oberschnabel horn-
braun, Unterschnabel hornfahl, Beine graubraun. Länge 140,
Flügel 60, Schwanz 60, Mundspalte 20 Mm.
FAM. CINNYRIDAE.
79. Cinnyris Longuemari« Less.
387: &. Massa 5/11. Iris braun, Schnabel und Beine a
Länge 115, Flügel 64, Schwanz 50, Mundspalte 17 Mm. — 388:
9. Massa 5/11. Länge 100, Flügel 55, Schwanz 40, an
16 Mm.
80. Cinnyris aliner (Ver).
348 Dr. G. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow:
179: . jun. Malindi 2/6. Iris braun. Länge 90, Flügel 50, Schwanz
35, Mundspalte 17 Mm. — 178: 2. Malindi 1/6. Iris braun. Länge
95, Flügel 53, Schwanz 35, Mundspalte 18 Mm.
81. Cinnyris Kalckreuthi Cab.
290: 4. Tschara 14/8. Iris dunkel. Länge 120, Flügel 61,
Schwanz 42, Mundspalte 22 Mm. — 229: Mambrui 23/6. Iris
braun, Schnabel und Beine schwarz. Länge 115, Flügel 62, Schwanz
43, Mundspalte 24 Mm. — 230: Mambrui 23/6. Länge 102, Flügel
55, Schwanz 38, Mundspalte 22 Mm.
82. Cinnyris gutturalis L.
168: 2. Sansibar 10/5. Iris braun, Schnabel und Füsse
schwarz. Länge 110, Flügel 62, Schwanz 40, Mundspalte 22 Mm.
FAM. DICRURIDAE.
83. Dierurus Ludwigi Sm.
336: 9. Muniuni 29/9. Iris roth, Schnabel und Beine schwarz.
Länge 165, Flügel 100, Schwanz 85, Mundspalte 24 Mm.
FAM. BRACHYPODIDAE.
84. Andropadus flavescens Hartl.
189: 3. Malindi 4/6. Iris gelb, Schnabel und Beine schwarz.
Länge 170, Flügel 78, Schwanz 78, Mundspalte 20 Mm. — 181:
9. Malindi 2/6. Iris gelb. Länge 165, Flügel 83, Schwanz 80,
Mundspalte 20 Mm.
85. Criniger Fischeri sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 139.
322: d. Muniuni 20/9. Iris weisslich, Schnabel dunkelbraun,
Beine bleifarben. Länge 190, Flügel 79, Schwanz 90, Mundspalte
24 Mm.
86. Criniger strepitans Sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 139.
192: 3. Malindi 5/6. Iris röthliehbraun, Oberschnabel und
Spitze des Unterschnabels dunkelbraun, Basis des Unterschnabels
hornfahlbläulich, Beine graublau. Länge 170, Flügel 80, Schwanz
85, Mundspalte 23 Mm. — 191: @. Malindi 5/6. Länge 165,
Flügel 77, Schwanz 82, Mundspalte 22 Mm.
87. Criniger flaviventris (Smith.).
316: &. Muniuni 17/9. Iris rothbraun, Oberschnabel und
Spitzenhälfte des Unterschnabels hornbraun, Basishälfte des Unter-
schnabels dunkelblaugrau, Beine dunkelbleifarben. Länge 215,
Flügel 106, Schwanz 95, Mundspalte 23 Mm.
' Vögel von Ostafrika. 349
FAM. MELIPHAGIDAE.
88. Zosterops tenella Hartl.
269: 3. Kipini 29/7. Iris hellbräunlichgelb, Oberschnabel und
Spitze des Unterschnabels dunkelbraun, Basistheil des Unter-
schnabels graublau, Beine bleifarben. Länge 100, Flügel 52,
Schwanz 38, Mundspalte 12 Mm. — 298: 3. Tschara 24/8. Iris
gelblichbraun, Schnabel dunkelbraun, Basis des Unterschnabels
weisslich, Beine bleifarben. Länge 90, Flügel 52, Schwanz 37,
Mundspalte 12 Mm.
FAM. STURNIDAE.
89. Speculipastor bicolor sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 120.
238:3. Kipini 11/7. Iris orange, Schnabel und Beine schwarz.
Länge 204, Flügel 115, Schwanz 85, Mundspalte 21 Mm. — 240:
9. Kipini 11/7. Iris orange. Länge 185, Flügel 105, Schwanz
75, Mundspalte 21 Mm. — 239: 2. Kipini 11/7. Länge 180 Mm.
90. Cosmopsarus regius Sp. n..
Ornith. Centralbl. 1879 p. 120.
373: &. Massa 2/11. Iris weiss, Schnabel und Beine schwarz,
Länge 350, Flügel 130, Schwanz 210, Lauf 30 Mm.
91. Lamprotornis porphyropterus Rüpp.
367: g. Ualimi 25/10. Iris blassgelb, Schnabel und Beine
schwarz. Länge 290, Flügel 155, Schwanz 146, Mundspalte 28 Mm.
92. Lamprocolius melanogaster (Sw.).
165: &. Bagamoja 25/4. Iris graubraun, Schnabel und Füsse
schwarz. Länge 170, Flügel 101, Schwanz 68, Mundspalte 22 Mm.
— 268: &. Kipini 28/7. Iris intensiv gelb, Schnabel und Füsse
schwarz. Länge 190, Flügel 110, Schwanz 83, Mundspalte 20 Mm.
FAM. ORIOLIDAE.
93. Orviolus Rolleti Salv.
278: &. Kau 9/8. Iris carminrotb, Schnabel braunroth, Beine
bleifarben. Länge 210, Flügel 120, Schwanz 83, Mundspalte 36 Mm.
94. Orvolus notutus Pet.
223: 3. jun. Mambrui 22/6. Iris carminroth, Schnabel röth-
lichbraun, Füsse bleifarben. Länge 210, Flügel 137, Schwanz 90,
Mundspalte 30 Mm.
FAM. PLOCEIDAE.
95. Hyphantornis nigriceps Lay.
251: 2. Kipini 21/7. Iris bräunlichgelb, Oberschnabel braun,
Unterschnabel fahlbläulich, Beine hornbraun. Länge 150, Flügel
350 Dr. &. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow:
80, Schwanz 50, Mundspalte 138 Mm. — 252: 3 jun. Kipini 21/7.
Iris röthlich, Oberschnabel hornbraun, Unterschnabel fahlbläulich,
Beine fahlbräunlich. Länge 150 Mm. — 398: d. Mitele 18/11.
‚Iris röthlich, Beine hellbornbraun. Länge 150, Flügel 83, Schwanz
.55, Mundspalte 19 Mm. | gırdg
96. Hyphantornis Bojeri Hart. et F.
347: &. Muniuni 8/10. Iris gelbroth, Schnabel: schwarz,
Füsse dunkelfleischfarben. Länge 130, Flügel 78, ‚Schwanz '50,
Mundspalte 17 Mm. — 204:3. Malindi 8/6. Iris röthlich, Schnabel
schwarz, Füsse fahlbräunlich. Länge. 140, Flügel 75, Schwanz
55, Mundspalte 16 Mm. — 174: & juv. Malindi 31/5. Iris braun,
Oberschnabel hornbraun, Unterschnabel blassgelblich, . Füsse fahl.
Länge 130, Flügel 68, Schwanz 54, Mundspalte 16 Mm.
97. Hyphanturgus ocularius (Smith). |
188: 2. Malindi 4/6. Iris gelb, Schnabel schwarz, Füsse blei-
farben. Länge 145, Flügel 70, Schwanz 59, Mundspalte 18 Mm.
— 295; 9. Tschara 16/8., Iris blassgelb, Schnabel schwarz, Füsse
bleifarben. Länge 140, Flügel 67, Schwanz 55, Mundspalte 19 Mm.
98. Hyphanturgus ee (Vieill.). |
250: &. Kipini 21/7. Iris roth, Schnabel schwarz, Füsse ‚horn-
bräunlich. Länge 140, Flügel 75, Schwanz 55, Mundspalte 19 Mm.
— 249: &. Kipini 21/7. Iris roth. Länge 140, Flügel 78, Schwanz
58, Mundspalte 17 Mm. — 182: 9. Malindi 3/6. Iris bräunlich-
roth, Schnabel schwarz, Füsse fahl. Länge 130, Flügel 70, Schwanz
55, Mundspalte 18 Mm. — 201: 2. Malindi 7/6. Iris bräunlichroth,
‚Schnabel schwarz, Beine fahlbläulich. Länge 135, Flügel 70,
Schwanz 55, Mundspalte 16 Mm. — 248: 3. Kipini. 19/7. Iris
roth, Schnabel schwarz, Beine fahlbraun. Länge 145, Flügel 75,
Schwanz 56, Mundspalte 17 Mm. — 246: 9. Kipini 16/7. Iris röth-
lich, Beine fahlbraun. Länge 140, Flügel 72, Schwanz 55, Mund-
spalte 17 Mm. Nach den Beobachtungen von Dr. Fischer ist
H. melanoxanthus Cab. das 9. von A. nigricollis. Vergl. Briefliche
Berichte IV. (J. £. O. p. 280). Y
99. Sycobrotus Kersteni Hartl. et F.
307: &. . Engatana 9/9. Iris braun, Schnabel blänlichweise,
Beine hornfahl. Länge 145, Flügel 87, Schwanz 57, Mundspalte
20 Mm. — 349: 2. Muniuni 9/10:. nis röthlichbraun, Schnabel
bläulichweiss, Beine hornfahl. Länge 145, Flügel 83, Schwanz 55,
‚Mundspalte 20 Mm: — 345: 2. Muniuni 5/10. Iris braun,: Schnabel
bläulichweiss, Beine hornfahl. Länge 140, Flügel 85, Schwanz 56,
2 Vögel ‚von Ostafrika. 351
‚Mündspalte 19 Mm. — 350: &. Muniuni 9/10. Iris röthlichbraun,
Schnabel bläulichweiss, Füsse hornfahl. Länge 155, Flügel 89,
Schwanz 58, Mundspalte 20 Mm. .Iris roth, Schnabel blassblau,
-Schneidenränder heller, Beine blassfleischfarben. Länge 150.
100. Textor Dinemelli Horsf. .
354: &. Ndera. 14/10. Iris braun, Schnabel braunschwarz,
nackte Haut um's Auge schwarz. Länge 180,. Flügel 105, Schwanz
70, Mundspalte 21 Mm. — 353: 9. Ndera 14/10. . Iris braun,
‚Schnabel dunkelbraunschwarz, nackte Haut um’s Auge schwarz,
‚Füsse braunschwarz. Länge 175, Flügel 105, Schwanz 75, Mund-
spalte 21 Mm. |
101. Buplectes flammiceps (SW.). =
173: 9. Malindi 30/5. Iris braun, Oberschnabel ‘hornbraun,
‚Unterschnabel fahlbräunlich, Füsse hornbraun. Länge ‚120, Flügel
-65, Schwanz 35, Mundspalte 15 Mm. — 185: 9. Malindi 3/6.
Flügel 67, Schwanz 43, Mundspalte 16 Mm.
102. Orynz zanthomelas (Rüpp.).
164: 8. .Bagamojo 24/4. Iris braun, Oberschnahel schwarz,
Unterschnabel weiss,. Füsse röthlichschwarz. Länge 120, Flügel
65, Schwanz 53, Mundspalte 15 Mm.
103. Penthetria axwillaris (Lin.).
289: 2. Tschara 24/8. Iris dunkelbraun, Ahbrdchnaket horn-
braun, Unterschnabel fahl, Beine braun. Länge 150, Flügel 78,
Schwanz 55, Mundspalte 16 Mm. — 334: & juv. Muniuni 27/9. Iris
braun, Schnabel bläulichweiss, Beine schwarz. Länge 155 Mm.
306: d. Engatana 8/9. Iris. braun, Schnabel bläulichweiss,
Füsse schwarz. Länge 165, Flügel 90, Schwanz 68, Mundspalte
14 Mm. — 288: 3. Tschara 14/8. Iris dunkebraun. Länge 155,
Flügel 82, Schwanz 65, Mundspalte 14 Mm. — 399: & juv. Mitole
19/11. Iris braun, Oberschnabel hornbraun, Unterschnabel hornfahl,
Füsse bräunlich. Länge 145 Mm.
104. Vidua principalis Lin.
228: 2. Mambrui 23/6. Iris braun, Schnabel bräunlichroth,
Füsse braunschwarz. Länge 105, Flügel 63, Schwanz 48, Mund-
spalte 8 Mm.
105. Vidua Verreauxi Cass.
359: &. Kibaradja 19/10. .Iris braun, Schnabel und Füsse
schwarz. Länge 235, Flügel 77, kurze Schwanzfedern 57, lange
Schwanzfedern 170, Mundspalte 12 Mm. — 395: 3. Kibaradja 12/11.
Iris braun, Beine graubraun, Schnabel schwarz. Länge 380, mitt-
352 Dr. 6. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow:
lere Schwanzfedern 310, seitliche 52, Flügel 75, Mundspalte 10 Mm.
106. Vidua splendens n. sp.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 180, '/«
396: &. Kibaradja 12/11. Iris braun, Schnabel blassfleisch-
farben, Beine bräunlich. Länge 250, Flügel 60, mittlere Schwanz-
federn 200, seitliche 40, Mundspalte 10 Mm.
107. Hyphantica quelea (Lin.).
397: &. Mitole 18/11. Iris braun, Schnabel dunkelcarminroth,
Augenlidrand orange, Beine blassfleischfarben. Länge 120, Flügel
65, Schwanz 40, Mundspalte 13 Mm. — 219: 3 juv. Malindi 7/6.
Iris braun, Schnabel dunkelroth, Füsse hellröthlichbraun. Länge
110, Flügel 68, Schwanz 38, Mundspalte 13 Mm,
108. Hyphantica aethiopica (Sund.).
389: d. Massa 10/11. Iris braun, Augenlidrand orange,
Schnabel dunkelcarminroth mit orangefarbener Spitze, Füsse blass-
röthlichbraun. Länge 110, Flügel 65, Schwanz 40, Mundspalte
13 Mm. — 253: &. Kipini 21/7. Iris bräunlichgelb, Augenlidrand
korallrsth, Schnabel blutroth, Füsse röthlichgelb. Länge 105,
Flügel 68, Schwanz 45, Mundspalte 14 Mm.
109. Hyphantica erythrops (Hartl.).
370: 3. Ualimi 27,10. Iris braun, Oberschnabel hornbraun,
Unterschnabel hornfahl, Spitze bräunlich, Beine hornbräunlich.
Länge 110, Flügel 62, Schwanz 33, Mundspalte 13 Mm.
FAM. SPERMESTIDAE.
110. Amaurestes fringilloides (Lafr.).
27: &. Sansibar 13/4. 77. Iris bräunlichroth, Oberschnabel
dunkelbraunschwarz, Unterschnabel horngraublau mit dunklerem
Rande und Spitze, Beine hornschwärzlich.
111. Pytelia citerior Strickl.
374: &. Massa 2/11. Iris gelblichroth, Schnabel korallroth,
Füsse fahlbräunlich. Länge 125, Flügel 58, Schwanz 52, Mund-
spalte 14 Mm.
112. Lagonosticta minima (Vieill.).
175: &. Malindi 31/5. Iris röthlichbraun, Schnabel carmin-
röthlich, Ränder und Mittellinie schwarz, Füsse hornbraun. Länge
95, Flügel 45, Schwanz 34, Mundspalte 9 Mm.
113. Pitylia caniceps n. sp.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 139.
385: 4. Massa 5/11. Iris braun, Oberschnabel dunkelschiefer-
Vögel von Ostafrika. 353
farben, Unterschnabel hellgraublau, Beine braunschwarz. Länge
110, Flügel 55, Schwanz 45, Mundspalte 8 Mm.
114. Uraeginthus danthinogaster Sp. n.
Ornith. Centralbl. 18°9 p. 120.
378: &. Massa 3/11. Iris roth, Schnabel korallroth, Augen-
lidrand hell ledergelb, Beine grauschwarz. Länge 120, Flügel 53,
Schwanz 62, Mundspalte 10 Mm. — 377: 9. Massa 3/11. Iris
roth, Augenlidrand hellledergelb, Schnabel blasskorallroth, Beine
grauschwarz. Länge 110, Flügel 52, Schwanz 60, Mundspalte 9 Mm.
115. Pyrenestes unicolor Fisch. et Rchw.
384: 9. Massa 5/11. Iris braun, Schnabel grünlichgelb, Firste
und Spitze braun, Füsse schwarz. Länge 145, Flügel 80, Mund-
spalte 15, Schwanz 58 Mm. Von dem Weibchen des südlichen
Pyrenestes albifrons unterscheidet sich das vorliegende durch ein
dunkleres Braun der Oberseite und dunklere, braunschwarze, bei
jenem heller braune Strichel der Unterseite.
FAM. FRINGILLIDAE.
116. Criihagra chloropsis Cab.
158: &. Sansibar 20/3. Iris graubraun, Schnabel schwärz-
lich, Unterschnabel und Basis des Oberschnabels hornfahl, Füsse
fahlbläulich.. Länge 100, Flügel 65, Schwanz 41, Mundspalte
11 Mm.
117. Xanthodira pyrgita Heugl.
392: 9. Kibaradja 12/11. Iris graubraun, Schnabel bräunlich-
grau. Länge 130, Flügel 76, Schwanz 53, Mundspalte 14 Mm.
FAM. EMBERIZIDAE.
118. Polymitra flavigastra (Rüpp.)
375: 9. Massa 2/11. Iris braun, Oberschnabel hornbraun,
Rand desselben und Unterschnabel hornfahl, Beine hornfahl. Länge
125, Flügel 70, Schwanz 67, Mundspalte 11 Mm.
FAM. ALAUDIDAE,
119. Corapkites leucotis (Stanl.).
199: 3. Malindi 7/6. Iris braun, Schnabel fahlbräunlich, Füsse
fahl. Länge 120, Flügel 80, Schwanz 17, Mundspalte 14 Mm.
120. Alauda poecilosterna sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 155.
394: 3. Kibaradja 12/11. Iris hellgraugelb, Oberschnabel
und Spitze des Unterschnabels hornbraun, Unterschnabel weisslich-
grau, Füsse hornfahl. Länge 145, Flügel 87, Schwanz 68, Mund-
spalte 13 Mm.
Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 148. October 1879. 23
354 Dr. G. A. Fischer und Dr. Ant. Reichenow:
121. Spilocorydon hypermetrusn. Sp.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 155.
361: &. Kibaradja 23/10. Iris hellbraun, Oberschnabel braun,
Unterschnabel und Rand des Oberschnabels nicht ganz bis zur
Spitze hornweisslich, Spitze des Unterschnabels bräunlich, Füsse
fahl. Länge 205, Flügel 110, Schwanz 80, Mundspalte 26 Mm.
FAM. SYLVIADAE.
122: Oisticola haematocephala Cab.
180: &. Malindi 2/6. Iris gelbbraun, Oberschnabel und Rand
des Unterschnabels braunschwarz, Unterschnabel hornfahlbläulich,
Beine hornfahl. Länge 125, Flügel 54, Schwanz 54, Mundspalte
17 Mm. — 218: 3. Malindi 17/6. Länge 134, Flügel 55, Schwanz
53, Mundspalte 18 Mm. — 177: &. Malindi 1/6. Iris gelbbraun,
Flügel 50, Schwanz 58, Mundspalte 17 Mm.
123. Cisticola tenella Cab.
259: 3. Kipini 26/7. Iris hellbräunlichgelb, Schnabel schwarz,
Beine hornfahl. Länge 115, Flügel 48, Schwanz 50, Mundspalte
15 Mm.
124. Apalis chariessa Sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 120.
310: &. Mitole 13/9. Iris gelbbraun, Schnabel schwarz,
Beine blassfleischfarben. Länge 110, Flügel 47, Schwanz 50,
Mundspalte 13 Mm. — 400: 3. Mitole 19/11. Iris gelbbraun,
Beine hellgelblichbraun. Länge 125.
125. Camaroptera brevicaudata (Rüpp.)
344: &. Muniuni 5/10. Iris bräunlich gelb, Schnabel braun-
schwarz, Basis des Unterschnabels in’s Graublaue, Beine horn-
bräunlich. Länge 95, Flügel 54, Schwanz 29, Mundspalte 16 Mm.
126. Camaroptera olivacea Sund.
411: Z. Sansibar 2/10. Iris hellgelbbraun, schmaler Augen-
rand hellledergelb, Schnabel‘ braunschwarz, Beine fleischfarben.
Länge 110, Flügel 54, Schwanz 41, Mundspalte 17 Mm.
127. Bradypterus brachypterus (Vieill.)
287: 8. Tschara 14/8. Iris gelblichbraun, Oberschnabel
dunkelhornbraun, Unterschnabel horngraublau, Beine bräunlich.
Länge 140, Flügel 55, Schwanz 60, Mundspalte 18 Mm. — Das
Nest hat die Form unserer Schilfsänger-Nester, ist aus Schilfgras
fest gebaut, mit sehr tiefer Mulde, in die Innenseite sind einige
Federn eingewebt. Die Eier sind auf weissem Grunde ziemlich
dicht weiss gefleckt und messen 19 und 14 Mm. |
Vögel von Ostafrika. 355
128. Sylviella leucopsis sp.n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 120.
174a: &. Malindi 31/5. Iris gelbbraun, Oberschnabel und
Spitze des Unterschnabels hornbraun, Unterschnabel hornfahl-
bräunlich, Beine hornfahl. Länge 90, Flügel 53, Schwanz 27,
Mundspalte 15 Mm. — 365: 3. Kibaradja 23/10. Länge 80 Mm.
129. Addon psammochroa Sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 139.
386: 9. Massa 5/11. Iris braun, Oberschnabel und Spitze
des Unterschnabels hornbraun, Unterschnabel blass, Beine horn-
bräunlich. Länge 145, Flügel 78, Schwanz 64, Mundspalte 20 Mm.
130. Thamnobia guadrivirgata sp. n.
Ornith. Centralbl. 1879 p. 170.
263: d. Kipini 27/7. Iris braun, Schnabel schwarz, Beine
hornweisslich. Länge 155, Flügel 80, Schwanz 70, Mundspalte
18 Mm. — 1267: 3. Kipini 28/7. Iris braun, Schnabel schwarz,
Beine blass graublau. Länge 150, Flügel 77, Schwanz 73, Mund-
spalte 19 Min.
FAM. SYLVICOLIDAE.
131. Motacilla vidua Sund.
313: &. Muniuni 17/9. Iris braun, Schnabel und Füsse
schwarz. Länge 180, Flügel 91, Schwanz 97, Mundspalte 20 Mm.
132. Anthus Raalteni Temm.
221:2. Mambrui 21/6. Iris braun, Oberschnabel und Spitze
des Unterschnabels hornbraun, Unterschnabel und Rand des Ober-
schnabels fahlgelb. Länge 144, Flügel 80, Schwanz 60 Mm.
133. Maeronyz croceus (Vieill.)
235: &. Gelidja 29/6. Iris braun, Oberschnabel hornbraun, Rand
des Oberschnabels und Unterschnabel hornblau, Beine hornfahl.
Länge 170, Flügel 85, Schwanz 65, Mundspalte 22 Mm.
134. Macronyz tenellus Oak.
364: &. Kibaradja 23/10. Iris braun, Oberschnabel horn-
braun, Unterschnabel graublau, Beine gelblichgrau. Länge 135,
Flügel 82, Schwanz 54, Mundspalte 18 Mm.
FAM. RHACNEMIDIDAE.
135. Petrocincla saxatilis (L.) _
412: &. Bagamojo 20/11. Iris braun, Schnabel braun-
schwarz, Basishälfte des Unterschnabels grau, Beine grün. Länge
175, Flügel 120, Schwanz 65, Mundspalte 25 Mm.
136. Campicola pileata Gm.
23%
356 Nehrkorn: Nest u. Ei von Rhynchocyclus einereiceps Sclat.
163: &. Bagamojo 23/4. Iris braun, Schnabel und Beine
schwarz. Länge 140, Flügel 90, Schwanz 60, Mundspalte 22 Mm.
137. Saxicola isabellina Rüpp.
407: &. Kipini 15/12. Iris braun, Schnabel und Beine
schwarz. Länge 145, Flügel 102, Schwanz 60, Mundspalte 21 Mm.
138. Cichladusa guttata (Heugl.)
2855: 2. Kau 11/8. Iris braun, Schnabel und Beine horn-
braun. Länge 150, Flügel 74, Schwanz 73, Mundspalte 20 Mm.
— 200: 92. Malindi 7/6. Länge 150 Mm.
139. Bessornis Heuglini (Hartl.)
262: d. Kipini 26/7. Iris braun, Schnabel schwarz, Beine
hornbraun. Länge 180, Flügel 88, Schwanz 80, Mundspalte 21 Mm.
140. Bessornis natalensis (Smith.)
198: 9. Malindi 7/6. Iris braun, Schnabel schwarz, Beine horn-
bräunlich. Länge 160, Flügel 88, Schwanz 73, Mundspalte 22 Mm,
— 213: 2. Malindi 16/6. Länge 150, Flügel 87, Schwanz 72,
Mundspalte 21 Mm. — 216: 3. Malindi 17/6. Länge 155, Flügel
93, Schwanz 76, Mundspalte 21 Mm. — 193: 9. Malindi 5/6.
Länge 155, Flügel 87, Schwanz 68, Mundspalte 21 Mm.
141: Turdus gutiatus Vig.
266: &. Kipini 28/7. Iris braun, Oberschnabel und Spitze
des Unterschnabels hornbraun, Unterschnabel hornweisslich, Beine
fahl. Länge 190, Flügel 110, Schwanz 85, Mundspalte 23 Mm.
265: 2. Kipini 28/5. Iris braun, Oberschnabel und Spitzentheil
des Unterschnabels hornbraun, Basistheil des letzteren hornweiss-
lich wie die Beine. Länge 183, Flügel 108, Schwanz 80, Mund-
spalte 25 Mm.
- Nest und Ei
von Rhynchocyclus einereiceps Selat.
Vor Kurzem erhielt ich unter einer Sendung Eier und Nester
aus Chiriqui (Centralamerika) auch eins mit einem Ei und Vogel-
fragmenten, die Herr Professor Cabanis als obiger Species zuge-
hörig bestimmte.
Das beutelförmige Nest hängt an der Spitze eines Zweiges
(wie ich errathe einer Magnolia) und ist so fest geflochten, dass
der Zweig, an dem noch die schönen grossen Blätter sitzen, nur
mit Gewalt losgerissen werden könnte. Es besteht aus einer hohlen
Kugel und einer ansitzenden Flugröhre, durch die man indess in
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 357
den Napf hineinsehen kann. Die Länge von der niederen Oeffinung
bis zum Napfe beträgt 40 Mm. und die von dem oberen Rande bis
zum Napfe 80 Mm. so dass die Einflugsöffnung 40 Mm. weit ist.
Die Napfbreite beträgt 25 Mm., die Nestwandung durchschnittlich
10 Mm., die ganze Nestlänge 170 Mm.
Die Materialien des Nestes sind meist zarte Gräser, darunter
auch solche, die zähen Bast haben. Am ganzen Bau eingewebt
findet man grünliche Spinnenkokons und vertrocknete Blüthen.
Der Napf ist dicht ausgekleidet mit brauner Pflanzenwolle, die man
ohne nähere Prüfung für Lamawolle halten könnte.
Das Ei, das 22 4 14,, Mm. misst, ist fleischfarben und am
stumpfen Ende mit einem Kranze von violetten Unter- und kleinen
rothbraunen Oberflecken versehen. Es ähnelt bis auf die etwas
gestrecktere Form und weniger lebhafte Zeichnung den Eiern von
Rhynchocyclus brevirostris Cab.
Da dies eine Ei den Napf des Nestes bereits fast vollständig
ausfüllte, so glaube ich mit Bestimmtheit annehmen zu können,
dass der Vogel überhaupt nur 1—2 Eier legt.
Herr Carl Euler beschreibt in Cab. Journ. 1867 das Nest des
Oyclorhynchus olivaceus Gray aus Brasilien, was ziemlich auf das
uns vorliegende Nest passt.
Riddagshausen bei Braunschweig im October 1879. _
A. Nehrkorn.
Verzeichniss
der im Kanton Sehaffhausen vorkommenden Vögel.
Von Emil Aug. Goeldlin, Prof. -
Die vor den Namen befindlichen Sternchen geben die Zahl der im Museum
stehenden, im Kanton Schaffhausen erlegten Exemplare an.
Il. Rapaces.
A. ACCIPITRINAE.
1. *Aquila haliaötos. Gemeiner Flussadler. Ein geübter
Stosstaucher, der die Fische meist so tief hinein verfolgt, dass das
Wasser über iım zusammenschlägt. Ziemlich regelmässig am
Untersee; ein von dort stammendes Exemplar steht im Schaffh.
Museum. Desgleichen lange Jahre regelmässig am hinteren
Hemming (Denggibuck, Winterifohren, Rossberg), wo er durch
Herrn Thierarzt Pfeiffer in Neukirch genau beobachtet und in
mehreren Exemplaren erlegt wurde. Zwei davon stehen in seiner
Privat-Sammlung; die übrigen sind in andere Hände übergegangen
358 Emil Aug. Goeldlin:
Ein von dort her kommendes Gelege ist Herrn Vogel in Zürich
übermittelt worden. Der Fischzucht schädlich.
2. *Milvus ater. Schwarzer Milan. Wird hin und wieder
im Kanton Schaffhausen beobachtet. Ein hübsches Exemplar aus
hiesiger Gegend steht im städt. Museum; ein weiteres aus dem
Klettgau ist in der Privat-Sammlung des Herrn Thierarzt Pfeiffer.
3. *Milvus regalis. Rother Milan. Wird ziemlich häufig
angetroffen, besonders an Orten mit höherer Lage, und scheint über-
haupt ziemlich hoch hinauf zu gehen. Kommt (1879) alle Tage
regelmässig in einem sehr schönen Exemplare bis in die Stadt
hinein geflogen. Nistete 1878 in den Gruben, 1879 auf der
Enge und im Klettgau mehrererorts. Nützlich.
4. *##*Buteo vulgaris. Gemeiner oder Mäusebussard, In
hiesiger Gegend allenthalben häufig. Ich besass 1873 2 Exemplare
lebend, von denen das erstere von Herblingen stammte und jung
aus dem Neste gefallen war, das andere von Neunkirch kam und
durch strömenden Regen in Gefangenschaft gerieth. Nistet auf
dem Kohlfirst, bei Gemmersbrun, bei Herblingen und
Thayngen, auf Griesbach. Vorwiegend nützlich.
5. **Buteo lagopus. Rauhfüssiger Bussard. Viel seltener,
doch kehrt er hin und wieder in unserer Gegend ein. Wurde schon
in mehreren Exemplaren erlegt.
6. *Astur palumbarius. Für den Kleinwildständ sehr
gefährlich; glücklicher Weise seltener als Buteo vulyaris. Verfolgt
die Tauben oft bis in den Schlag hinein und geht verhältniss-
mässig leicht in Stellfallen. Nistet bei Thayngen. Sehr
schädlich. yu
7. Circus rufus. Sumpfweihe. Diesen sonst seltenen
Vogel sah ich zu verschiedenen Malen im Sommer 1878 im
Schaarensumpfe, als der Moorboden weit hin derart ausge-
trocknet war, dass selbst Lerchen dort nisten konnten. Ob die
Sumpfweihe dort in der Nähe vistete, habe ich nicht ermitteln.
können; ich möchte es glauben.
8. Circus cyaneus. Ist in unserm Kanton auf morastigen
Niederungen schon beobachtet worden, hi
9. er Astur nisus. Dieser „Teufel in Vogelsgestalt“ er-
setzt durch Tollkühnheit und maasslose Frechheit, was ihm an
Grösse und Stärke abgeht. Verdient, wie sein Vetter, der Tauben-
habicht, wegen Vertilgung einer Menge kleinerer Vögel (bis zur
Verzeichniss der im Kanton Schafihausen vorkomm. Vögel. 359
‚Grösse eines Rebhuhns) zur gänzlichen Ausrottung empfohlen zu
werden. Noch häufig genug; Gemmersbrunn, Buchthalen,
namentlich im Klettgau z. B. Gächlingen.
10. #**Pernis apivorus. Wespenbussard. Gehört jedenfalls
für unseren Kanton zu den seltenen Nistvögeln. Ein Exemplar
wurde im Klettgau von Hr. Th. Pfeiffer beobachtet, als es sich
mit einem Wespenneste zu schaffen machte; ein zweites steht in
‚seiner Sammlung. In den Nachbarkantonen soll dieser Vogel in
gewissen Jahrgängen mehrfach angetroffen worden sein.
11. **Falco rufipes. Rothfüssiger Falke. Von diesem
hübschen Vogel stehen 2 Exemplare im städt. Museum: ein Männ-
chen und Weibchen, welche beide in unserem Kanton erlegt wurden.
Ob er wohl bei uns nistet?
12. Falco subbuteo. Der Baumfalke ist hier zu Lande
eine ziemlich seltene Erscheinung. Herr Th. Pf. in Neunkirch
sah ein Exemplar hinter seinem Hause auf Schwalben stossen
(nach seiner Meinung ein Weibchen). Einige Tage vorher wurde
ebendaselbst in der Nähe des Bahnhofes ein Männchen geschossen.
Nistplätze sind bis zur Stunde noch nicht entdeckt worden.
13. Falco peregrinus. Dieser edelste unter den inlän-
‚dischen Falken besucht unser Gebiet selten; am Bodensee dagegen
ist er schon hie und da angetroffen worden. Nistplätze sind noch
keine gefunden worden.
14. ####*Tinnunculus alaudarius. Der Thurmfalke, ein
ebenso munterer als kecker Raubvogel, ist in dem oberen Theile
des Kantons eine seltene Erscheinung, was umsomehr auffallen
kann, als die Bedingungen, welche er stellt, reichlich vorhanden
wären (z. B. beim Herblinger Schlösschen). Im Klettgau kommt
er öfter vor, besonders auch als Brutvogel (Aasenberg bei
Neunkirch).
B. STRIGIDAE.
15. Bubo maximus. Der Uhu ist wiederholt um den Mu-
noth angetroffen worden. Zweimal wurde er lebend gefangen. Es
kann auffallen, dass dieser Fürst der Finsterniss, der sonst am
liebsten in einsamen dunklen Berg- u. Waldschluchten haust, auch
die nächste Nähe der Stadt mit seinem, für die gefiederten Sänger
immerhin verhängnissvollen Besuche beehrt. Hr. Ermatinger zum
„Rüden“ schoss ein Exemplar im Hauenthal; nach dem Seiler’-
schen Verzeichniss sollen sich Uhus auch am Hohentwiel vor-
finden. Ob er irgendwo im Kanton nistet, habe ich nicht ermitteln
360 Emil Aug. Goeldlin:
können; Hr. Th. Pfeiffer verneint dies wenigstens für das Kistigas
des bestimmtesten. Schädlich.
16. **Otus sylvestris. Wird in unsern Wäldern alljährlich
gefunden. Griesbach, Enge, Thayngen, Herblingen.
Nützlich.
17. #®#*Syrnium aluco. Unsere gemeinste Eulenart und in
den meisten grösseren Waldungen zu finden. Nistet zuweilen in
unmittelbarer Nähe der Häuser, z. B. lange Jahre bei Rüdlingen,
Munoth, Griesbach, Thayngen, Instetten. 1879 erhielt
ich 2 junge Exemplare des Waldkauzes vom Kohlfirst her.
Nützlich.
18. Athene noctua. Das unschuldig klingende, aber nichts-
destoweniger zu allerlei Mährchen Veranlassung gebende „kuiwitt,
kuiwitt“ des Käuzchens kann zu gewissen Abenden auf dem Munoth,
auf St. Johann, indenKreuzgängen, namentlich aber in der
Nähe der alten Kaserne gehört werden. Auf dem Oberthor-
thurm wohnte ehemals auch ein Pärchen; seit einigen Jahren ist
er verlassen. Der Leichenvogel wird jedoch bei seiner versteckten
Lebensweise nur selten gefangen. Herr Reallehrer Schneider in
Neunkirch besass 1878 längere Zeit ein Exemplar, welches ihm
aus der Umgegend zugekommen war. Nistet wahrscheinlich an
einem der bezeichneten Orte. Nützlich.
19. *Strix flammea. Schleier- oder Perleule. Im oberen
Theile des Kantons nicht häufig; öfter wird sie im Klattgau
angetroffen. Herr Thierarzt Pfeiffer besitzt in seiner ge
mehrere hiesige Schleiereulen. Nützlich.
20. *Otus brachyotus. Die Sumpfrohreule ist für unsere
Gegend nur Zugvogel, indem sie sich erst zur Winterszeit in der
ebenen Schweiz einzustellen pflegt. Doch erscheint sie nur unregel-
mässig und selten so zahlreich, wie sie zu Zeiten in den Nachbar-
kantonen beobachtet wird. Zwei Exemplare stehen in der Samm-
lung des Herr Th. Pfeiffer. 257
21. Strix dasypus. Rauhfüssiger Kauz. Dieser hübsche
Vogel ist selten in unserem Kanton; dazu ist er äusserst scheu
und weiss sich vortrefflich ausserhalb des Bereiches der Schrote
zu halten. Ein aus dem Klattgau stammendes Exemplar een
Herr Th. Pfeiffer.
22. Ephialtes scops. Die Zwerg-Ohreule, ein mehr dm
Süden angehöriger Vogel, wird bei uns bloss hin und wieder beob-
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 361
achtet. Zwei aus unserem Kanton stammende Exemplare hat
Herr Th. Pfeiffer in seiner Sammlung stehen.
II. Scansores.
A. PICIDAE.
23. ”*Picus Martius. Der Schwarzspecht kann hie und
da in unseren Waldungen beobachtet werden, doch nur vereinzelt
und nie regelmässig. Nicht selten trifft man ihn auf dem Kohl-
first, sodann in den Wäldern des Klettgaus. 1878 begegnete
ich ihm auch in der Nähe von Stein a./Rh. Nistplätze sind mir
nicht bekannt.
24. *Picus viridis. Ist öfters wahrzunehmen, sofern der
Beobachter seinem weithinhörbaren Hämmern folgt; versteckt sich
aber meist auf die entgegengesetzte Seite des Stammes, um baldigst
abzustreichen. Brutvogel auf Griesbach, Thayngen; sodann
im Klettgau.
25. *Picus canus. Grauspecht.e. Im oberen Theile des
Kantons ziemlich selten. Im Klettgau dagegen ist er häufiger als
der vorige. Brütet auch dort.
26. Picus tridactylus. Dreizehiger Specht. Zur Selten-
heit in den oberen Randenwaldungen anzutreffen. Dürfte
wohl kaum Brutvogel sein.
27. *Picus major. Der grosse Buntspecht ist bei uns
ziemlich häufig und wird, wie überhaupt sämmtliche Spechtarten,
von Förstern und Landleuten als Pfleger der Bäume anerkannt
und geschont. Ständig zwischen Herblingen und Thayngen;
sodann bei der Enge.
28. Picus minor. In den nämlichen Gegenden wie der
vorige und nirgends selten.
B. CUCULIDAE.
29. *Cuculus canorus. Ist allenthalben zu hören. Eier
und Junge sind mir aus unserer Gegend noch nie zu Gesichte
gekommen, wohl aber Herrn Th. Pfeiffer in Neunkirch. Kohl-
first, Gruben, Enge, Hemming, Randen u. s. w.
30. *Iynx torguilla. Der Wendehals ist bei uns Keine
Seltenheit. Regelmässig sah ich ihn z. B. zwischen Herblingen
und Thayngen an der Landstrasse.
C. HALCYONIDAE.
31. *Alcedo ispida. Der Eisvogel ist im Kanton Schafl-
hausen an den meisten Bächen eine ständige Erscheinung. Tag-
362 Emil Aug. Goeldlin:
täglich wird er z. B. in Thayngen beobachtet und ebenso häufig
nimmt man ihn bei der Biberer-Mühle zwischen Diessenhofen
und Stein a./Rh. wahr. Das Nest zu finden hat bekanntlich seine
grossen Schwierigkeiten; mir ist kein Fall bekannt geworden, dass
eines in unserem Kanton entdeckt wurde.
III. Passeres.
A. DENTIROSTRES.
32. *Lanius excubitor. Der grosse Würger zeigt sich
nicht selten an Waldrändern und auf einzeln stehenden Bäumen
des freien Feldes. Ich beobachtete ihn namentlich auf der Steig;
sodann auch am rechten Rheinufer gegenüber Diessenhofen.
1875 wurde einer auf Charlottenfels lebend gefangen, indem er
gegen ein Fenster stiess. Im Klettgau sieht man ihn oft auf
Telegraphendrähten sitzen und Herr Th. Pfeiffer besitzt mehrere
dort erlegte Exemplare.
33. *Lanius ruficeps. Der rothköpfige Würger lässt sich
oft in Obstgärten sehen, sowie an mit niederem Strauchwerk be-
wachsenen Halden. Felsenthal, Thayngen, Buchthalen.
34. **Laniuscollurio. Der rothrückige Würger oder Neun-
tödter ist ein ganz niederträchtiger Strauchritter, der abscheulichste
Feind der kleinen Singvögel — und ist gerade in hiesiger Gegend
gemein. Auf Spitzwiesen (in der Nähe der Stadt) ist eine
Naturhecke ganz von ihm bevölkert und gar oft sieht man Meisen
Finken, Goldammern oder Schwarzköpfe mit zerschlagenem Gehirn
an den Dornen aufgesteckt; die jungen Frösche haben das Vorrecht,
durch’s Maul aufgespiesst zu werden; vielleicht will er dadurch
seinen Widerwillen gegen ihre Musik bekunden! — Fehlt nirgends,
wo Hecken sind: Steig, Emmersberg, Buchthalen,
Gruben, Mühlithal, Felsenthal, Herblingen u. s. w.
35. *Muscicapa grisola. Der graue Fliegenfänger lässt
sich mit Vorliebe in der Nähe bewohnter Bienenstöcke nieder,
pflanzt sich auf einer Stütze, einem Rebstecken oder Telegraphen-
drahte auf und schnappt die erscheinenden Immlein mit grossem
Geschick weg. Macht sich jedoch durch Wegfanugen einer Unzahl
von Fliegen und anderem Geschmeiss nützlich und wird von nie-
mand behelligt. Brutvogel beim Munoth, bei Neuhausen, auf
dem alten, städtischen Friedhof, Thayngen.
36. Muscicapa atricapilla. Seltener als der Vorige.
37, Muscicapa albicollis. Der Halsbandfliegenfänger kann
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 363
zwar nicht mit Bestimmtheit als in unserem Kanton vorkommend
bezeichnet werden, doch ist es möglich, da er in den Nachbar-
kantonen in vereinzelten Fällen beobachtet wurde.
B. SUBULIROSTRES.
38. *Motacilla alba. Die graue Bachstelze ist überall an
unseren Bächen zu finden und kommt tagtäglich auch in die Stadt
und in die Dörfer herein, um auf den Dächern Kerfe zwischen
den Ziegeln hervorzuholen. Nistplätze allenthalben. Im Herbste
sieht man sie oft noch spät schaarenweise im Winterkleide sich an
den Bächen herumtreiben, ehe sie sich zur Reise anschickt.
39. *Motacilla flava. Ist von mir ein Mal im Frühjahr
nach einem Gewitterregen auf dem Dache der städtischen Thurm-
halle gesehen worden. Im Klettgau wird sie auf dem Zuge
zuweilen in Schaaren beobachtet. In den Randenthälern möchte
die hübsche Schafstelze übrigens auch ständig vorkommen.
40. *Motacilla sulphurea, sive boarula. Die Gebirgs-
stelze steigt im Winter, wenn’s droben unwirthlich, nicht selten
bis zu uns herab. Mit Eintritt freundlicherer Witterung verlässt
sie uns wieder und kehrt an ihre Alpenseen und Gebirgsbäche
zurück. Ein hier erlegtes Exemplar steht im Museum; ein zweites
besitzt Herr Th. Pfeiffer.
41. *Anthus arboreus. Der Baumpieper bewohnt das
Rheinthal vom Bündtnerlande an bis zu uns herab und ist in der
ebenen Schweiz keine seltene Erscheinung.
42. Anthus aquaticus. Der Bachpieper ist schon mehr-
mals beobachtet und erlegt worden und zum Theil in Sammlungen
gelangt.
43. Anthus campestris. Der Brachpieper — von dem
Vorigen durch seine lehmgelbe Farbe und seinen monotonen Gesang
ausgezeichnet — durchzieht das eine Mal im Frühling, das andere
Mal im Herbste unsere Gegend. Als Standvogel ist er noch nicht
beobachtet worden.
44. Anthus pratensis. Der Wiesenpieper, dessen Färbung
im Wesentlichen mit der von Anth. aquaticus übereinstimmt, von
dem er sich aber durch seine lange Kralle an der Hinterzehe
unterscheidet, wird zur Zeit der Wanderung auf Moorboden, Wiesen
und Aeckern hie und da angetroffen.
45. ***Oriolus galbula. Die stattliche Goldamsel führt in
den dichtesten und höchsten Baumwipfeln von Obstwaldungen ein
sehr verstecktes Leben; ist aber nicht so selten, wie es scheinen
364 Emil Aug. Goeldlin:
möchte. Leidenschaftlicbe Kirschenfreundin. Das kunstvolle Nest
ist von mir im oberen Theile des Kantons noch nirgends aufge-
funden worden, wohl aber im Klettgau von Herrn Th. Pfeiffer,
der auch schon Junge erzog. Kloster Paradies.
46. Turdus viscivorus. Die Misteldrossel und die kleinere
47. #*Turdus musicus, Singdrossel, sind die ständigen
Conzertgeber unserer Nadelholzwälder. Geben namentlich mit
Unterholz versehenen Tannenwäldern und herangewachsene Baum-
schulen den Vorzug. Nistet bei Gennersbrunn, auf der
Enge, im Schaarenwalde.
48. *#*Turdus merula. Die Schwarzamsel hat bei der Stadt
Schaffhausen die Scheu vor dem Menschen abgelegt und ist von
der Waldbewohnerin sozusagen zum Hausthiere geworden. Wo
man ihr ein paar junge Tännchen darbietet, kehrt sie gleich ein
und schlägt ihre Wohnung auf — selbst mitten im Getümmel und
Gerassel der Stadt kann man sie tagtäglich ihren flötenden Gesang
vortragen hören. Im Walde dagegen ist sie sehr scheu. Allerorts:
Steig, Promenade, alter und neuer Friedhof, Munoth-
graben und Emmersberg u. s. w.
49. *Turdus iliacus. Die Weindrossel gehört wohl nur
zu den seltenen Gästen; als Nistvogel kommt sie bei uns
nirgends vor.
50. *Turdus pilaris. Die Wachholderdrossel liebt dichte
Waldungen, welche mit Birken untermischt sind; zuweilen trifft
man sie auch in grösseren Obstwaldungen. Gennersbrunn,
Enge. Im Früh- und im Spätjahr zieht sie regelmässig in
kleineren und grösseren Flügen (bis zu 100 Stück) durch das
Klettgau.
51. *Oinclus aquaticus. Der gesangliebende Wasser-
schmätzer bewohnt krystallhelle, wenig tiefe Bäche mit ruhigen
Tümpeln, wo er, auf dem Grunde laufend, die kleinen Fischehen
verfolgt. Dem am meisten tosenden Bach mit dem sprühenden
Mühlrad giebt er den Vorzug. Das Nest findet man in dem
Gewurzel eines bachfreundlichen Baums, in einer Gesteins- oder
Mauerhöhlung, selbst in alten, stille stehenden Mühlrädern und hat
oft ganz ungeheuerliche Dimensionen. Mühlithal, Felsenthal,
Thayngen. Bleibt das ganze Jahr für Forellenzucht gefährlich!
52. Tharrhaleus modularis. Die Hecken-Braunelle ist von
Hr. Th. Pfeiffer am Aasenberg bei Neunkirch mehrfach beobachtet
und zweimal erlegt worden. Sie hält sich mit Vorliebe im Ge-
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 365
büsch auf; der Gesang hat Aehnlichkeit mit dem von Zegulus
flavicaps. Im oberen Theile des Kantons ist sie noch nicht ge-
sehen worden, dürfte aber wohl vorkommen.
53. Pratincola rubetra. Der Wiesenschmätzer ist hier
nicht selten; doch lässt er den Beobachter nicht leicht soweit heran-
kommen, dass er deutlich erkannt werden kann. Ich habe ihn
schon mehrmals beiHerblingen beobachtet, sodann auch in der
Nähe von Buchthalen.
54. Saxzrcola oenanthe. Besucht uns zur Zeit der Wande-
rung fast alljährlich, namentlich aber auf der Herbst- Reise.
Mehrere hiesige Ex. bei Hr. Th. Pfeiffer in Neunkirch.
55. *Zuscinia philomela, Sprosser, und
56. *Zuseinia lusciola, Nachtigall, sind für unsere Gegend
seltene Gäste. Der erstere gehört mehr dem Osten Europas an,
die letztere nistet in der Süd- und Westschweiz. Von einem in
Diessenhofen wohnenden Beobachter soll dieselbe auf dem
Frühjahrszuge am Rheinufer beobachtet worden sein, und Hr. Th.
Pfeiffer erhielt wirklich von dort zwei Exempl., welche in der Ge-
fangenschaft gestorben waren.
57. *?Sylvia rubecula. Das Rothkehlehen nistet mancher-
orts in unserer Gegend, alljährlich z. B. im Munothgraben (der
überhaupt für die verschiedensten Vögel grosse Anziehungskraft zu
haben scheint); ferner im Schlossgraben auf Lauffen, auf
der Enge u. s. w. Einzelne Exemplare überwintern.
58. Cyanecula Wolfii (ohne Stern). Das Blaukehlchen
trifft man in unserem Kanton, ebenso wie das weisssternige
— *Oyanecula leucocyanea — an mit Weiden und Erlen
bewachsenen Bachufern an, besonders in kleineren Trupps zur Zeit
des Frühlingszuges (Mitte April. Thayngen, Mühlithal; so-
dann im Klettgau.
59. **Ruticilla phoenieura. Wälder und Baumpflan-
zungen bilden den bevorzugtet Aufenthaltsort des Garten-Roth-
schwänzchens. Mühlithal, Steig,Munothgraben,Emmers-
berg, Promenade u. S. w.
60. Ruticilla tithys. Der Hansröthling nistet in und um
der Stadt überall, sowie in allen Ortschaften des Kantons, soweit
überhaupt menschliche Wohnungen reichen, und benutzt jeden vor-
springenden Balken, um sein nachlässig, aber warn gebautes Nest
darauf anzulegen. Ist bei uns in der ebenen Gegend in der That
366 Emil Aug. Goeldlin:
zum Hausthiere geworden, während er im Gebirge nach Altväter-
Sitte in Felsspalten nistet. Run
61. Curruca hortensis. Die Gartengrasmücke findet sich
zuweilen da ein, wo Naturhecken angelegt sind, die ihr etwelchen
Schutz gewähren. Das Nest ist meist gut versteckt und im dich-
testen Gestrüppe gelegen. Buchthalen, Klettgau, doch weit seltener
als Sylvia cinerea.
62. Curruca atricapilla. Der muntere Schwarzkopf,
einer unsrer besten Sänger, siedelt sich gern in jedem Obstgarten
an, der ihm eine dichte Hecke oder ein Gebüsch darbietet, in dem
er sein Nest anlegen kann. Alter und neuer städtischer Fried-
hof, Schlossgraben auf Laufen, Munothgraben, Pro-
menade, Steig u. s. w.
63. Curruca nisoria. Die hübsche Sperbergrasmücke ge-
hört leider noch zu den selten gesehenen Gästen unseres Gebietes.
64. Curruca cinerea. Die Hecken-Grasmücke ist wiederum
gleich bereit, einzuziehen, wo man ihr eine Hecke darbietet, die
ihren Lebensbedingungen Genüge leistet. Sie scheut auch die un-
mittelbare Nähe des Menschen nicht besonders. Emmersberg,
Gruben, Steig; allerorts im Klettgau.
65. Sylvia arundinacea. Den Schilfrohrsänger treffen
wir regelmässig da an, wo grössere Rohrbestände ihm einen ange-
nehmen Aufenthalt bieten. Das in einiger Höhe über dem Wasser
stehende und von 3 bis 4 Schilfstengeln getragene Nest ist jedoch
schwer aufzufinden und flüchten die Jungen, selbst wenn sie noch
nicht flügge sind, mit erstaunlicher Geschicklichkeit durch das
Röhricht. Eglen-See bei Thayngen, Schaaren-Weiher und
beide Rheinufer bis zur Höhe von Langwiesen.
66. Sylvia turdoides. Die Rohrdrossel bewohnt die näm-
lichen Reviere. Der Gesang, welcher einfach, aber ansprechend ist,
lautet wie: torre, torre, torre, karre, karre, karre, kei, kei, kei, ki,
ki, ki! und kann fast jedesmal bei Annäherung an das Röhricht
gehört werden. Alljährlich nistend am Schaaren-Weiher, am
linken Rheinufer bis Paradies, am Eglen-See bei
Thayngen. Das Nest ist schwierig aufzufinden und noch schwerer
hält es, zu demselben zu gelangen.
67. Calamoherpe cariceti. Seggenrohrsänger. Dureh die
dunkleren, auf der gelblichen Brust regelmässig vertheilten Feder-
chen leicht kenntlich. Rheinufer und Untersee,
68. Calamoherpe phragmitis, Schilfrohrsänger. Zeichnet
%
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 367
sich durch sein einfaches, lehmgelbes Federkleid und den helleren
Fleck über dem Auge aus. Schaaren; Eglen-See.
69. Calamoherpe locustella, Heuschrecken-Rohrsänger.
Oben olivengrün; unten schmutzig weiss. Der Gesang hat etwelche
Aehnlichkeit mit dem Zirpen einer Heuschrecke. Bewohnt nied-
riges Gestrüpp an Sümpfen und auf Moorboden. Seltener als die
Vorigen. Untersee.
70. Calamoherpe palustris, Sumpfrohrsänger. Ober-
seite bräunlich grau, übrigens Sylvia arundinacea sehr ähnlich.
Mehr in der Nähe von Getreidefeldern und verworrenem Gebüsche.
Gesang sehr melodienreich, ähnlich dem von Turdus polyglottus.
Eglen-See bei Thayngen.
7. Troglodytes parvulus. Der muntere Zaunkönig fehlt
kaum einem Striche unseres Landes, der ihm einen mit Buschwerk
bewachsenen Bach darbietet. Geht auch in die Höhe und ist auf
den obersten Wettertannen des Randens ebenso gut zu Hause als
im Mühlithal, im Felsenthal und an der Rheinhalde.
Singt auch im Winter bei der grössten Kälte unverdrossen sein
eifrig hervorsprudelndes Liedchen.
12. Hypolais hortensis. Der grosse Laubsänger ist im
oberen Theile des Kanton Schaffhausen ziemlich selten. Herr Th.
Tfeiffer hörte ihn im Mai 1862 auf der Promenade bei der Stadt.
Derselbe Beobachter traf ihn zuweilen am Aasenberg bei Neun-
kirch; das in seiner Sammlung befindliche Exempl. stammt von
Schmerlat ebendaselbst. Herr. Th. Pfeiffer betrachtet ihn für
unseren Kanton als Brutvogel.
Diese 3 Species der Wald-
laubvögel beleben mehr
\ st .__ | oder weniger zahlreich alle
13. Phyllopneuste sibilatrix. urkbrahehten, Febaiz
= 1 nn bestände, so z.B. K ohl-
. Phyitopneuste ruja. first, Buchhalde, so-
dann denalten, städti-
schen Friedhof.
[NB. Dank der bevorzugten Lage unseres Kantons haben wir
in Sylvien-Arten einen Reichthum aufzuweisen, wie kaum eine
andere Gegend des Schweizerlandes.. Was die aufgezählten Cala-
moherpen anbetrifft, so mögen dieselben den Bewohnern unseres
Kantons zum grössten Theil noch unbekannt sein, da ihre Beobach-
368 Emil Aug. Goeldlin:
tung vermöge ihrer eigenthümlichen Lebensbedingungen mit be-
deutenden Schwierigkeiten verbunden ist.]
C. CONIROSTRES.
76. *Parus major. Die Fink- oder Kohlmeise ist bei uns
überall zu Hause. Im Herbste, wenn die kalten Tage kommen
stellt sie sich mit Finken und Ammern vor den Häusern ein, um
die hingestreuten Brusamen zu holen, und verliert übrigens bei der
Unbill der Witterung den Galgenhumor keineswegs. — Schädlich
kann sie werden, wenn sie in Hanffelder oder in Gärten einfällt,
wo sie Salat- und Mohnköpfe und Sonnenblumen ausklaubt. Auch
fällt sie nicht ungern über schwächere Vögel her, um ihnen das
Gehirn auszupieken; im Frühjahr vernichtet sie viele Blüten beim
Suchen nach Kerfen.
17. *Parus caeruleus.)\ Von diesen 4 Arten gilt das Näm-
78. *Parus eristatus. |liche. Par. caerul. und —ater sind
19. *Parus ater. allgemein verbreitet; — ceriszat. und
80. *Parus palustris.) — palustris sind weniger häufig.
81. *Regulus flavicapillus. Kommt gar nicht selten in
mit dichtem Unterholz versehenen Tannenwäldern vor. Desgleichen
sein feuerköpfiges Vetterchen
82. *Regulus Ügnicapillus. Ich beobachtete beide Gold-
hähnchen auf der Enge gegen Griesbach hin und bei Gem-
mersbrunn. Hr. Th. Pfeiffer hat ebenfalls beide im Klettgau
wahrgenommen und besitzt sie auch in seiner Sammlung.
83. **Alauda arvensis. Die Feldlerche, dieser Liebling des
Landvolkes, hat sich Dank der Schonung, die ihr zu Theil wird,
schon so vermehrt, dass in denjenigen Gegenden, welche ausge-
dehnte Felder haben, fast jedes Stück Boden 1—2 Pärchen auf-
zuweisen hat. Sie hat auch ohnedies Feinde genug: Raubzeug, Mäuse
und Ratten und noch obendrein das Wasser halten ihr stets Schach
und eine nicht geringe Anzahl von Bruten geht jeweils bei der
Ernte zu Grunde. Buchthalen, Herblingen, Moris-
hausen, Klettgau u. s. w.
84. *Alauda arborea. Wird über niederen Waldungen
und Rodungen nicht selten gehört.
85. Alauda calandra. Die Kalander-Lerche soll schon
beobachtet worden sein; jedenfalls ist sie sehr selten.
86. Alauda cristata. Die sonst seltene Haubenlerche be-
sucht uns hie und da in strengen Wintern, indem sie sich in Ge-
sellschaft mit Ammern, Finkenmännchen und Spatzen vor Scheunen
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 369
und auf Höfen einstellt. So soll sie laut dem Seiler’schen Ver-
zeichniss in dem strengen Winter 1846 mehrmals in der Vorstadt
von Fuhrleuten mit der Peitsche heruntergezwackt worden sein.
NB. Die Mehrzahl der verschiedenen Lerchenarten zieht über
den Winter weg, doch bleiben auch nicht wenige zurück und fristen
in der eben angegebenen Weise ihr Leben. Die todten Exemplare,
die man oft an jenen Orten antrifft, beweisen, dass diese Vögel für
die Kälte sehr empfindlich sind.
87. *Emberiza citrinella. Die Goldammer, hie zu Lande
„Emmeritz, Gelbfink, Strohvogel“ geheissen, ist das ganze Jahr bei
uns zu sehen. Im Sommer sucht sie mit Vorliebe mit Gesträuch
bewachsene Geröllhalden, Kiesgruben und Steinbrüche auf; im
Winter kommt sie bekanntlich schaarenweise in die Ortschaften
herein, um in Gesellschaft mit Lerchen, Finken und Spatzen Bro-
samen zu suchen. Ihr nachlässig gebautes Nest kann man schon
' in nächster Nähe der Stadt, z. B. beim Pulverthurm, auf
Spitzwiesen, finden.
Werden nur vereinzelt wahr-
genommen und höchstens zur
Zugzeit. Nistplätze sind mir
weder von der einen noch
von der andern bekannt.
Stehen in hübschen Exempl.
in der Pfeiffer’schenSammlung.
90. Emberiza cia. Scheint noch seltener zu sein als die
vorigen. Herr Thierarzt Pfeiffer hat sie im Klettgau noch nicht
beobachtet; er erklärt sich dies aus dem Mangel an Hecken. Da
sie indess in unseren Nachbarkantenen Zürich und Thurgau vor-
kommt, wird sie unserer Gegend kaum gänzlich fehlen.
91. Miliaria valida. Die Gerstenammer wird hie und da
zur Zeit der Wanderung gesehen; als Nistvogel gehört sie meines
Wissens dem Kanton Schaffhausen nicht an. Ein schönes Exem-
plar ist von Hr. Th. Pfeiffer im Klettgau erlegt worden.
92. *Fringilla montifringilla. Der „Gägler“ oder
„Bergfink“ kann zu Zeiten auf spärlich bewaldeten Randenhügeln
wahrgenommen werden und zwar vorzugsweise zur Zugzeit.
93. *Fringilla chloris. Der Grünfink fehlt wohl kaum
einem grösseren Obstgarten oder einer Parkanlage. Er wird aber
von Unkundigen wohl nur selten wahrgenommen, da er durch sein
grünes Kleid im Laubwerk trefflich geschützt ist, verräth sich jedoch
Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 147. October 1879. 24
88. Emberiza hortulana.
89. Emberiza schoenielus.
370 Emil Aug. Goeldlin:
dem Kenner alsbald durch seinen eigenthümlichen, monotonen Ge-
sang. Nest in mässiger Höhe über dem Boden auf Pappeln, Birken,
Rosskastanien und Platanen. Friedhof und die umliegenden An-
lagen auf Emmersberg, Munothgraben, Promenade,
Steig u. s. w.
94. #*Fringilla caelebs. Nebst dem Spatzen der ge-
meinste und bekannteste aus der Finken-Familie. Die Unterschei-
dung zwischen Wald- und Feld-Buchfinken scheint mir IpapR Haltes
zu entbehren.
95. *Fringilla carduelis. Der Distelfink gehört wiederum
zu denjenigen Vögeln, welche bei uns von Jahr zu Jahr häufiger
werden und sich immer zutraulicher den von den Menschen be-
wohnten Gegenden nistend nähern. So siedelt er sich jedes Jahr
mitten in der Stadt und an den belebtesten Strassen auf Ross-
kastanien und Platanen an. Vordergasse, Münsterplatz,
Promenade, Munothgraben, Friedhof u. s. w. Zur Zug-
zeit treibt er sich bis gegen Anfang November in Schaaren bis 50
Stück an Wegrändern, auf Feldern und in Obstgärten herum, um
endlich die Reise über die Alpen anzutreten.
96. *Cannabina linota. Den Bluthänfling sieht man oft
in Vorhölzern und Obstgärten, indem er auf der höchsten Spitze
eines Baumes oder auf einem einzeln stehenden Aste sitzend, seinen
hübschen Gesang hören lässt. Gegen Ende Oktober zieht er von
den höher gelegenen Strichen in Schaaren von 6 bis 10 Stück in
die Ebene und vorzugsweise gegen die Rheinufer. Randenhügel,
bei Thayngen, bei Herblingen, bei Lohn.
97. ##Pringilla linaria und Cannabina flavirostris. Wird
hie und auf der Wanderung angetroffen; gehört jedoch den
Birkenwaldungen des hohen Nordens an. Vorzugsweise zur
Winterszeit.
98. Serinus hortulanus. Der Girlitz ist ein zwar noch
meist unbekannter, aber keineswegs seltener Vogel. Er gehört
eigentlich dem Süden an, rückt aber alljährlich weiter nach Norden
vor. Ich beobachtete ibn längere Zeit zwischen Gruben und
Buchthalen, wo er eine ziemlich öde Gegend in der anmuthigsten
Weise belebte.
99. *Spinus viridis. Der Erlenzeisig wird zuweilen zur
Zeit der Wanderung in starken Zügen beobachtet; Niststellen sind
keine bekaunt.
100. *Passer domesticus. Den allbekannten Spatzen, von
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 371
dem man fast noch heutzutage, wie vor 2000 Jahren „zween um einen
Pfennig‘‘ kaufen kann, dürfen wir hier füglich übergehen, — Ueber
Nutzen und Schadens des Sperlings herrschen verschiedene An-
sichten; doch einigt man sich neuerdings mehr zu der Meinung,
dass der auf Kosten des Menschen lebende Schmarotzer dessen
Schutz nicht verdient. Brütet 3 bis 4 Mal im Jahre.
101. *Passer montanus. Der Feldsperling ist scheuer als
sein Vetter, kommt ungezwungen auch niemals in die unmittelbare
Nähe des Menschen. Brütet 2 bis 3 Mal im Jahre in Baumhöhlen
und Felsenspalten. Gesellig lebend. Ober-Neuhaus, Herb-
lingen, Eglen-See bei Thayngen. Vorwiegend nützlich!
102. *Pyrrhula vulgaris. Der hübsche Dompfaff ist so
ziemlich überall zu Hause: in den obersten Wettertannen des
Randen, wie in den Nadelholzwaldungen der Ebene ertönt gleich
oft sein heller Lockruf. Während er im Sommer ein ziemlich
einsiedlerisches Leben führt, nähert er sich im Winter den mensch-
lichen Wohnungen und besucht nicht selten in starken Flügen bis
auf 50 Stück die Platanen unserer Stadt, um von dort aus in
Gemeinschaft mit Ammern, Finken und Spatzen die Strassen zu
durchsuchen. (Promenade, Klosterbogen.) In Gegenden, wo grössere
Strecken mit Nadelwald bestanden sind und dieser heimliche,
wenig besuchte Dickichte enthält, nistet der Gimpel. Enge,
linkes Rheinufer zwischen Diessenhofen und Paradies.
Vorwiegend nützlich!
103. Citrinella alpina... Der Citronfink kommt nur in
unsere Gegenden, wenn er im strengen Winter von der Unbill
der Witterung in den Hochthälern verdrängt wird. Ist sonst
Gebirgsvogel und gehört den obersten Waldungen der Alpen an,
Selten.
104, **Lozia curvirostra. Der Fichtenkreuzschnabel ist
in unseren Gegenden nur dann ein gewöhnlicher Gast, wenn die
Fichten- und Kiefernsaamen, von denen er sich hauptsächlich nährt
recht gut gediehen sind. In solchen Jahren schreitet er auch zum
Nestbau und zwar zu allen Zeiten: im kalten Januar, wenn der
Schnee dick auf den Zweigen liest und alle anderen Waldbewohner
verstummt sind, ebensowohl wie im Hochsommer. Das Nest ist
regelmässig durch vor und über demselbem verlaufende Zweige
nach oben vor dem darauf fallenden Schnee gedeckt. Enge, Randen.
Kann seiner Seltenheit halber nicht als forstschädlich bezeichnet
werden; nützt hingegen dadurch, dass er in saamenreichen Jahren
24*
372 Emil Aug. Goeldlin:
die überladenen Wipfel durch Abbeissen der Fichtenzapfen erleichtert
und diese hiemit erhält.
105. **Lozia pityopsittacus. Der Kiefernkreuzschnabel
stellt sich nur ausnahmsweise, dann aber in mehr oder weniger
zahlreichen Gruppen in unseren Waldungen ein.
106*. #*Coccothraustes vulgaris. Der Kirschkernbeisser
scheint für unsere Gegend nur Strichvogel zu sein und findet sich
nur in solchen Jahren regelmässig ein, wenn seine Lieblingsfrucht
reichlich gediehen is. Er macht sich dann durch seine Ver-
wüstungen in Kirschgärten und Gemüsepflanzungen dem Landmann
verhasst. Schädlich! Klettgau.
106. Bombyeilla garrula. Der Seidenschwanz, dessen
Heimat der hohe Norden Europas und Asien ist und mit dessen
Naturgeschichte wir erst seit 1856 bekannt geworden, verfliegt
sich nur in strengen Wintern bis in’s Schweizerland. In jüngster
Zeit sind mir keine Berichte von seinem Vorkommen in hiesigem
Kanton zu Ohren gekommen.
IV. Corvinae.
A. CORVINAE.
107. Corvus nobilis sive C. corax. Der stattliche Vogel
der Sage, der Rabe, ist in die Alpenregion zurückgedrängt und
in unserer Gegend, wie überhaupt in den Niederungen bis zu
3000 m. absoluter Meereshöhe kaum mehr anzutreffen. In der
„guten, alten Rad- und Galgenzeit“ bewohnte er zweifelsohne auch
den Kanton Schaffhausen.
108. *Corvus corone. Die Rabenkrähe ist bei uns der
grösste Vertreter der schwarzen Familie und allenthalben bekannt.
Schädlich durch Verfolgung kleinerer Vögel, namentlich zur
Brutzeit.
109. *Corvus cornixz. Die Nebelkrähe gehört zu den
selteneren Vögeln; davon, dass sie im Kanton niste, ist mir noch
nichts zu Ohren gekommen. Ich beobachtete sie 1878 zur Winters-
zeit in einem Exemplar auf dem Viehmarkte in der Stadt unter
einer Schaar gewöhnlicher Krähen. Schädlich.
110. Corvus frugilegus. Die Saatkrähe ist für uns nur
Zugvogel. Nistend ist sie noch nirgends angetroffen worden.
Nützlich.
11l. *Pica caudata. Die Elster, „ein Strauchritter und
Gaudieb ersten Ranges“, lässt in ihrer Umgebung kaum eine Brut
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 373
kleiner Vögel aufkommen und kann für eine Gegend zur wahren
Landplage werden. Dabei ist sie ungemein frech, stets aber vor-
sichtig und klug und weiss sich listig ausserhalb des Bereiches der
Schrote des erbitterten Landmannes zu halten. Ständig bei Buch-
thalen und Thayngen. Da einzelne der oberen Gemeinden
hiesigen Kantons ein Schussgeld auf sie gesetzt haben, sah sie
sich zum Rückzuge gezwungen. Auch im Klettgau ist sie nach-
gerade selten geworden. Sehr schädlich.
112. *Corvus monedula. Die Dohle bewohnt zu Hunderten
das alte Gemäuer der Stadt, Auf dem Lande schlägt sie ihre
Wohnung in Felslöchern und Baumhöhlen auf. Gewinnt durch ihr
kluges Benehmen und ihre eleganten Bewegungen; lustig durch
ihr Geschrei und nach unparteiischen Untersuchungen vorwiegend
schädlich. Zudem vermehrt sie durch Anhäufung von brennbaren
Stoffen an ihren Nistorten die Feuersgefahr. Munoth, Ober-
thorthurm, St.Johann, Münster, sowie manche Privatgebäude
in der Stadt. Thayngen, Andelfingen.
113. **@Garrulus glandarius. Der Eichelhäher, hie zu
Lande „Hätzel“ genannt, ist nebst Sperber und Elster wohl der
schädlichste aller unserer Vögel und gerade dieser Gauner schreit
aus jedem Busch sein schnarrendes „Jäg“. Der Schrecken aller
kleineren Vögel und überaus gewaltthätig und mordlustig. Trotz-
dem die Jungen als Leckerbissen gelten, hat seine Anzahl nicht
abgenommen — im Gegentheil, sie nimmt von Jahr zu Jahr zu.
Wäre würdig, dass auf seinen. Kopf ein Schussgeld ausgesetzt
würde!
114. Coracias garrula. Die Blauracke ist im Kanton seit
langen Jahren erst 2 mal beobachtet und erlegt worden. Das
eine Exemplar (2) steht in der Pfeiffer’schen S.; das andere von
H. Haupt. Keller auf dem Hallauer Berge geschossene
Exemplar (2) besitzt Herr Dr. Keller in Hallau. Bei der auffallend
schönen Färbung dieses Vogels ist es kaum wahrscheinlich, dass
früheres Vorkommen oder Durchziehen etwa unbeachtet geblieben
sein könnte. Indess sind sie bekanntlich sehr scheu.
115. *Nucifraga caryocatactes. Der Tannenhäher ist
hier, wie allerorts in der Schweiz, eine Seltenheit. Gewinnt den
Beobachter durch seine Lebhaftigkeit und zeigt viel liebenswürdigere
Eigenschaften als sein pöbelhafter Vetter. Ich beobachtete ihn 1876
beigennersbrunn. Drei schöne Exemplare aus hiesigem Kanton
374 Emil Aug. Goeldlin:
stehen in der Pfeiffer’schen Sammlung: ein Paar davon stammt
von dem Rossberg, der dritte ab dem Randen.
116. **Szurnus vulgaris. Der viel verfolgte Staarmatz
ist allenthalben zu finden, trotzdem man ihm hier zu Lande nur
selten die sog. Staarenkasten auf die Bäume setzt, wie es in der
Ostschweiz überall geschieht. Er begnügt sich hier mit einem
Astloch und ist dabei guter Dinge. Im Herbste aber führt er ein
Schlaraffen-Leben, fällt schaarenweise in Obstgärten und Rebberge
ein und macht den Nutzen zu nichte, welchen er den Sommer über
durch Insekten-Vertilgung geleistet. In unmittelbarer Nähe der
Stadt bei der Rheinhalde, an der Steig und im Hohlen-
baum.
117. Acridotheresroseus. DerRosenstaar, dieser Zigeuner-
vogel par excellence, besucht in Heuschreckenjahren auch unsere
Gegend. Die beiden Exemplare im hiesigen Museum stammen
jedoch aus seiner Heimat Sibirien. Das letzte Mal ist er 1870
gesehen worden.
B. TENUIROSTRES.
118. **Sitta europaea. Spechtmeise, Baumpicker, Kleiber.
Ist einer der häufigeren Vögel. Ein gutmüthiges, regsames, in
seiner Lebensweise in mancher Hinsicht an die Meisen erinnerndes
Thierchen, das durch Insekten-Vertilgung zu unseren nützlichsten
Vögeln gezählt werden muss. Buchthalen, Thayngen u. s. w.
119. Certhia familiares. Der Sichelschnäbler, vom Land-
volke hier „Baumläuferli“ genannt, ist beinahe allenthalben zu
Hause. Belebt die Feldbäume und erfreut den Beobachter durch
sein geschicktes Benehmen. Thayngen, Klettgau.
120. **Tichodroma muraria. Der Alpenmauerläufer,
dieser schönste unter den schweizerischen Vögeln, verirrt sich in
strengen Wintern nicht selten in die Nähe der Stadt. Zuver-
lässigen Erkundigungen zufolge ist er zweimal beobachtet worden:
das eine malam Munoth, das andere mal am Oberthorthurm.
Bedenkt man, dass nicht immer gleich ein Kundiger an Ort und
Stelle ist, wenn uns der hübsche Gast mit seinem Besuche beehrt,
so darf man füglich annehmen, dass er sich bei grosser Kälte
öfters bei uns einstellt. Das Seiler’sche Verzeichniss (1847) giebt
an, dass er in früheren Jahren einmal beim Schützenhause und an
den Ruinen des Hohentwiel öfters wahrgenommen wurde.
121. *Upupa epops. Der komische Gesell, dessen Nest
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 375
die Volkssage einen unerträglichen Gestank andichtet, ist sicherlich
bei uns Brutvogel. Ich beobachtete ihn 1876 zu verschiedenen
Malen in einem Pärchen in einer sumpfigen Niederung an der
Bahnlinie Herblingen-Thayngen, unweit des zweiten Bahn-
häuschens. Nach Herrn Thierarzt Pfeiffer brütete er schon auf
dem Gächlinger Berge. Derselbe Beobachter sah und erlegte
ihn auch am hinteren Hemming. — Die Angabe Seiler’s, dass
der Wiedehopf im ganzen Kanton vorkomme, ist nicht richtig, er
sehört bei uns entschieden zu den seltenen Erscheinungen. Der
von Seiler bezeichnete Nistort, nämlich das Wäldchen vis-&-vis dem
Rheinfall, fällt für unsere Zeit ausser Betracht, da er, wie unsere
Nachforschungen ergaben, dort nicht mehr gesehen wird.
C. FISSIROSTRES.
122. **Hirundo rustica. Rauchschwalbe, beim Volke
unter dem Namen ‚‚Zimmerschwalbe‘“ bekannt. Folgt dem Menschen
überall hin. Mit Vorliebe jagt sie inmitten der Stadt über der
Einmündung des Gerberbachs und über dem alten Friedhof,
wo sich über dem nicht selten stagnirenden Wasser allabendlich
eine Unzahl von Kerfen zeigt. — Versammlungsorte vor der Ab-
reise sind der Münsterthurm und die Telegraphendrähte am
Museum. Ankunft Mitte April, — Abreise Mitte September.
123. *Zirundo urbica. Die von der vorigen Art durch das
Zurücktreten des Schwarzen am Halse ausgezeichnete Stadt- oder
Kirchenschwalbe kommt bei uns in der Stadt häufiger vor als die
Rauchschwalbe und zwar sieht man vielleicht auf 3 von dieser
Art keine von jener. In den Landdörfern trifft dieses Verhältniss
nicht mehr zu.
124. *Hirundo riparia. Die Uferschwalbe ist ein mun-
terer, beweglicher Vogel, welcher öde, sonst an Vögeln arme Fluss-
ufer in anmuthiger Weise belebt. Die grösste Kolonie befindet sich
am rechten Rheingestade in der Nähe der Biberer-Mühle, wo
sie zu Hunderten vorkommt. Ferner ist eine Kolonie unterhalb
Neuhausen und im Sommer 1879 wollte sich eine kleinere
Gruppe dieser Vögel an einer ziemlich steil abfallenden Erdwand
in der Nähe von Buchthalen niederlassen, zog dann aber mit
Hinterlassung ihrer begonnenen Nistarbeiten weiter.
125. **Cypselus apus. Die Spyre bewohnt unsere Thürme
oft in grosser Anzahl und benutzt die Luftlöcher und Spalten der
Mauern, sowie die Dachtraufen der Wohnhäuser, um ihr ärmlich
376 Emil Aug. Goeldlin:
aussehendes Nest darin anzulegen. Die Jungen sind am ersteren
Orte meist einer erdrückenden Hitze ausgesetzt und arg vom Un-
geziefer (Philopterus communis) gequält, am letzteren nicht selten
in Gefahr zu ertrinken im Regenwasser. Erscheint bei uns zu An-
fang Mai und zieht wiederum früher als die Hausschwalbe dem
Süden zu. In der Stadt bewohnt sie ausser manchen Privat-Ge-
bäuden den Oberthorthurm, den Münster- und St. Johann-
Thurm, sowie den Munoth.
126. Caprimulgus europaeus. Der Ziegenmelker ist
auch in dieser Gegend wohl gar kein so seltener Vogel; doch wird
er bei seiner versteckten Lebensweise selten beobachtet und noch
seltener erkannt. Nach Hr. Th. Pfeiffer brütet er im Wan gen-
thal. Zwei aus dem Klettgau stammende Exempl., wovon das
eine bei Neukirch zur Abendzeit durch einen Knaben mit der
Peitsche aus der Luft gezwackt worden ist ‚ Stehen in der Samm-
lung des Hr. Th. Pfeiffer.
V. Columbae.
127. *Palumbus torquatus. Die grösste unserer Wild-
tauben, die Ringeltaube, bewohnt ziemlich zahlreich die Waldungen
unseres Kantons. Das Nest ist sehr wenig solid gebaut, steht 3
bis 30 m. hoch über dem Boden und ist auf Fichten, Kiefern,
Eichen und Buchen, seltener auf Erlen und Linden angelegt. Nistet
in jedem grösseren Wald: Enge-Griesbach, Hemming,
Kohlfirst, Herblingen, Thayngen, Gemmersbrunn,
Gruben u. s. w., ziemlich zahlreich auch am Hohentwiel. Ver-
dient wegen Aufzehrens von Unkrautsamen verschiedenster Art ge-
schont zu werden; trägt auch wesentlich zur Belebung unserer
Wälder bei.
128. Columba oenas. Die kleine Holztaube ist seltener als
die vorige aus dem sehr triftigen Grunde, weil sie nicht wie jene
das Nest auf den Bäumen anlegt und nicht überall leben kann,
sondern an alte Bäume mit passenden Höhlungen gebunden ist.
Sonst bewohnt sie die nämlichen Reviere, wie die vorige. Gem-
mersbrunn, Thayngen. In zahlreichen Schaaren sieht man
sie hie und da zur Zugzeit von Emmersberg herkommend nach
Süden streifen. 2 aus dem Klettgau stammende Exempl. besitzt
Herr Th. Pfeiffer.
129. *Turtur auritus. Mit dem Namen „Turteltaube“ wird
hier zu Lande, wie in anderen Gegenden der Schweiz, die aus Ost-
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 377
afrika und Südarabien stammende Lachtaube (Turtur sive Strepto-
pelcia risoria) bezeichnet, welche zuweilen — und zwar nicht selten
aus Gründen des Aberglaubens — im Käfig gehalten wird, während
die wirkliche Turteltaube meist unbekannt geblieben ist. Sie be-
wohnt die Waldungen der Niederung; doch ist die Anzahl alljähr-
lich stark dem Wechsel unterworfen. Trifft im April ein und ver-
lässt uns im September.
130. **Columba livia. Zahlreiche verwilderte Abarten der
Haustaube, sog. Feldflüchter, nisten auf St. Johann, an der
Schiffslände, an der Münsterkirche und am Museum.
Das Nest stimmt mit dem von der wilden Haustaube überein.
[INB. Die Taubenarten sind laut der Vollziehungsverordnung
zum Bundesgesetz über Jagd (vom 17. Sept. 1875) vom obrigkeit-
lichen Schutz ausgenommen. Absolut schädlich ist keine, dagegen
nützen sie alle durch Vertilgung von Unkrautsaamen. Sie fressen
z. B. mit Vorliebe den Saamen der für die Landwirthschaft so
lästigen Vogelwicke. (Vicia crocea L.)]
Vl1. Gallinae.
A, GALLINACEAE.
131. Tetrao uwrogallus. Dies edle Wild ist nachgerade
zur Seltenheit geworden. Mir sind in jüngster Zeit keine Berichte
zu Ohren gekommen, dass in dieser oder jener Gegend unseres
Kantons ein Auerhahn beobachtet und erlegt worden sei. Indess
dürfte er in höher gelegenen Randenwaldungen vielleicht nicht
gänzlich fehlen und nur Dank seiner verborgenen Lebensweise
nicht wahrgenommen werden.
132. Tetrao tetrix. Der Birkhahn, bei Forstmännern und
Jägern unter dem Namen „Spielhahn‘‘ bekannt, gehört zwar den
hohen Alpen an, wo er sich in den krummholztragenden Hängen
herumtreibt, sowie an freien, sonnigen Berglehnen. Was sein Vor-
kommen im Kant. Schaffhausen anbetrifft, so gilt von ihm das
Nämliche, wie von dem Auerhahn.
133. *Perdix cinerea. Wo bei uns in den ebeneren Ge-
genden die Bedingungen zu seinem Fortkommen vorhanden sind,
zeigt sich das Rebhuhn überall in einzelnen Ketten. Das Nest mit
den Eiern oder die Jungen fallen nicht selten bei der Ernte dem
Landmann in die Hände. Indess gelingt es der Alten häufig, ver-
mittelst ihrer bekannten List den Verfolger zu täuschen.
134. *Perdixz rufa sive saxzatilis. Das Steinhuhn, das
378 Emil Aug. Goeldlin:
mit den verwandten Varietäten ?. rudra und P. petrosa eigentlich
dem Süden Europa’s angehört, wird zuweilen auch bei uns ange-
troffen. Ein Exempl. aus hiesiger Gegend steht im Museum. E
135. Tetrao buona-asa. Herr Th. Pfeiffer traf vor einigen
Jahren in der sog. „Burch“ (Waldtheil zwischen Neunkirch
und Osterfingen) ein auf den Eiern sitzendes Haselhuhn, dem
er sich bis auf einen Schritt nähern konnte. Da er von einem
Holzhauer an die Stelle geführt worden war und in grösster Nähe
einige „Wellenmacher“ arbeiteten, rettete er die Eier für die Samm-
lung des Hr. Vogel in Zürich vor dem rührenden Ende in einer
Osterfinger-Pfanne, das ihnen sicherlich zu Theil geworden wäre.
136. *Coturnix daectylisonans. Die Wachtel ist, wo sie
vorkommt, wegen ihres angenehmen Rufes und Benehmens überall
beliebt und gehegt. In der Nähe der Stadt wird sie nur höchst
selten beobachtet; dagegen fehlt sie dem Klettgau nicht gänzlich.
VO. Grallatores.
137. *Oedienemus crepitans. Ein im hiesigen Museum
stehender Diekfuss soll laut seiner Etiquette im Kant. Schaffhausen
erbeutet worden sein. Leider sind wir nicht im Falle, über das
interessante Vorkommniss des osteuropäischen Vogels Näheres an-
geben zu können. In kantonalen und schweizerischen Verzeich-
nissen wird er nicht aufgeführt, ausgenommen bei Moesch.
138. **Fulica atra. Das Blässhuhn ist so ziemlich überall
zu Hause, wo grössere Teiche oder mit Schilf bewachsene Sümpfe
und Flussufer ihm einen zusagenden Aufenthalt darbieten. Wird
häufig am Untersee beobachtet; hie und da auch im Klettgau.
Seiler führt auch das Mühlithal als Standort an; ich habe es in
den letzten Jahren dort nicht entdecken können.
139. *Gallinula chloropus. Das grünfüssige Rohrhuhn
bewohnt ungefähr dieselben Reviere wie das Blässhuhn. Paradies,
Schaaren, Thayngen, Klettgau. Ein von mir am Eglen-
See erlegtes Exemplar ist in’s Gymnasium gewandert (1878).
140. **Ortygometra porzana. Die gesprenkelte Ralle ist
an den nämlichen Orten, wie die vorige Art, anzutreffen. DUeie
a/Rh., Paradies.
141. *Rallus aquaticus. Ebenso. Mühlithal; Unter-
see und Rhein.
142. Crex pratensis. Man hört den Wiesenknarrer vor-
züglich in der Abenddämmerung seinen wie arp-scharp, kraep,
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 379
kraep klingenden Gesang vortragen. BeiThayngen. Im Klett-
gau wird er von Jahr zu Jahr seltener.
143. Charadrius auratus. Der Goldregenpfeiffer wird in
gewissen Jahrgängen im Spätherbst und Vorwinter zuweilen in
starken Flügen beobachtet.
144. Charadrius minor. Wie der vorige; dürfte wohl bei
uns Nistvogel sein, da er am Bodensee und am Rhein schon
in allen Entwicklungsstadien erlegt wurde. — |
145. #Machetes pugnax. Der Kampfhahn wird nicht gar
selten am Untersee erlegt. Auch im Klettgau wird er wahr-
genommen. Hr. Th. Pfeiffer hat denselben im Frühling schon
mehrmals am Wasser auf den Wiesen um Neunkirch gesehen; ein
Exemp. in. dessen Sammlung ist am dortigen Mühlweiher geschossen
worden. Immer ohne Kragen. '
146. Limosa melanura. Schwarzschwänzige Uferschnepfe.
Besucht hie und da den Bodensee und dürfte dann wohl auch
unser Gebiet berühren.
147. *Actitis hypoleucus. Trillernder Wasserläufer. Ist
mehrfach zur Sommerszeit angetroffen worden, woraus sich
schliessen lässt, dass er in unserem Kanton oder in der Umgegend
brütet.
148. Strepsilas interpres. Der Steinwälzer besucht in
einzelnen Jahrgängen den Bodensee und das st. gallische Rhein-
thal; dürfte dann wohl auch in unserem Kanton anzutreffen sein.
149, *Vanellus eristatus. Der Kibitz ist für uns nur
Zugvogel; während der Wanderung auf sumpfigen Wiesen anzu-
treffen. Durchzieht alljährlich im März das Klettgau in grossen
Flügen. Ä -
150. Numenius phaeopus. Der Regenbrachvogel wird zu
Zeiten am Bodensee, wenn auch mehr am südöstlichen Theile ge-
funden. Doch trifit man ihn bisweilen auch in unseren Gegenden.
Ein Exempl. aus dem Klettgau besitzt Herr Th. Pfeiffer, ein
zweites ist auf dem Hallauer-Berge geschossen worden.
151. **Numenius arguatus. Im oberen Rheinthale brütet
der grosse Brachvogel regelmässig; dürfte auch bei uns als Brut-
vogel zu finden sein. Zwei Exempl. stehen im Museum. Im „Am-
gatt“ (Klettgau) vernimmt man nach Hr. Th. Pfeiffer bei Nacht-
zeit seinen Ruf öfters aus hoher Luft.
152. Scolopax rusticola. Waldschnepfe. Durchzieht
meist vor Eröffnung der Jagdzeit unseren Kanton und entgeht so-
380 Emil Aug. Goeldlin:
mit den Schroten der Jäger. In ziemlicher Anzahl wird sie in ge-
wissen Jahrgängen zur Herbstzeit bei Andelfingen geschossen.
153. Scolopaz gallinago. Bekassine. Die gemeine Sumpf-
schnepfe wird alljährlich zur Zeit der Wanderung beobachtet, zieht
aber vor Eröffnung der Jagd.
154. Scolopax gallinula. Die kleine Sumpfschnepfe ge-
hört dem Norden an; brütet selbst an der deutschen Küste nur
selten. Zur Zugzeit kann sie hie und da bei uns gesehen werden.
155. *Totanus glottis. Hellfarbener Wasserläufer.
156. *Totanus ochropus. Punktirter Wasserläufer.
Diese beiden Wasserläufer werden fast alljährlich am Boden-
und Untersee beobachtet und erlegt.
157. Totanus stagnatilis. Sumpf-Wasserläufer,
158. Totanus calidris. Kleiner, rothschenkligerWasserläufer.
159. Totanus glareola. Bruchwasserläufer.
Auch diese werden am Boden- u. Untersee gesehen, doch
nur unregelmässig. Der letztere hält sich mehr an Sümpfe und
Teiche als an grosse Wasserflächen; ich sah ihn zu verschiedenen
Malen am Eglen-See bei Thayngen.
160. *Tringa variabilis. Veränderlicher Strandläufer.
Wird zur Zeit der Wanderung gesehen, theils einzeln, theils in
kleineren Schaaren. Er soll übrigens im st. gallischen Rheinthal
als Brutvogel vorkommen,
161. Tringa ferruginea. Isländischer Strandläufer. Be-
wohnt die nördlichen Länder Amerikas, Europas und Asiens und
ist als Küstenvogel auf dem Festlande eine seltene Frscheinung.
Auf dem Zuge kommt er auch etwa durch die Schweiz.
162. Tringa minuta. Zwergstrandläufer. Gehört dem
Norden der alten Welt an. Wird öfter auf dem Herbstzuge als
auf dem Frühlingszuge gesehen. Durch die nordöstlichen Kantone
reist er in gewissen Jahrgängen.
163. *Ciconia alba. Wird fast jedes Jahr beobachtet; doch
gehört der Storch nicht mehr zu unseren Nistvögeln. Vor 1847
soll er, laut dem Seiler’schen Verzeichniss, im hiesigen Kanton ge-
nistet haben und eine Gemeinde auf dem Reyath soll bis vor
wenigen Jahren für ein Storchnest auf einem Privathause ein
Miethgeld bezahlt haben. — Während des Sommers 1878 sah ich
ihn eines Vormittags in geringer Höhe über die Stadt wegfliegen;
1879 ist er beim Schaaren gesehen worden. Auch im Klett-
gau hat ihn Hr. Th. Pfeiffer wahrgenommen und erlegt.
N
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 381
164. **Ardea cinerea. Ständig am Untersee und am
Rhein bis Langwiesen. Horste würden wohl ohne Schwierigkeit
in der angegebenen Gegend aufzufinden sein. Auch bei Thayngen
sieht man ihn öfters, zuweilen auch im Klettgau. So wurden
vor einigen Jahren ab einer Eiche im Aesenberge über den Has-
lacher Wiesen Junge ausgenommen. Für die Fischzucht gefährlich.
165. Ardea purpurea. Der Purpurreiher wird zur grossen
Seltenheit am Bodensee und am Rhein erlegt. 1828 wurde
er bei Arbon (Kant. Thurgau), 1872 bei Lustnau (Oesterreich)
geschossen. Ist in Ungarn und in den Donauländern häufig.
166. *Ardea minuta. Zur Zugzeit wird die Zwergrohr-
dommel in einzelnen Flügen auch bei uns beobachtet. Ein Exemplar
ist im hiesigen Museum; ein zweites besitzt Herr Thierarzt Pfeiffer
in Neunkirch.
167. *Ardea nyeticoraz. Berührt im Osten unser Gebiet,
zumal den Untersee, von wo das im hiesigen Museum stehende
Exemplar stammt. Am Bodensee wird der Nachtreiher hin und
wieder gehört und wahrgenommen.
168. *Ardea stellaris. Am Untersee hört man zur
Paarungszeit die Rohrdommel öfters. Der gebrüllartige Lockruf
lautet wie: „u prumb“ und wird auf weite Entfernungen hin ver-
nommen. Gehört wegen der Unzugänglichkeit ihrer Lieblingsplätze
nicht zu den allgemein bekannten Vögeln. Da sie nebst Tritonen
auch Fröschen, Fischen und jungen Vögeln nachgeht, ist ihr Nutzen
zweifelhaft. Soll schon mehrmals am Schaarenweiher erlegt
worden sein; ein weibliches Exemplar wurde am 7. April 1864 am
„Haslacher-Weiher“ (Klettgau) geschossen.
VIII. Natatores.
A. ANATIDAE.
169. Anas boschas. Die Stockente besucht unsere Gegenden
besonders im Winter in starken, sich bis in die Hunderte belaufenden
Flügen. (Kloster Paradies.) Bei Eintritt wärmerer Witterung
verlässt sie uns und zieht nordwärts. Den Sommer über fehlt sie
als Brutvogel keinem grösseren Teiche; doch wird sie dann nur
paarweise angetroffen. Eglen-See, Schaarensumpf,
Untersee u. S. w.
170. Anas fusca. Sammet-Ente. Wird hie und da zur
Winterszeit am Bodensee beobachtet. Kommt nur so weit
382 Emil Aug. Goeldlin:
südlich, wenn sie durch grosse Kälte aus ihrer Heimat, den Nord-
polarländern, vertrieben wird.
171. Anas nigra. Dasselbe gilt von der Trauerente. Doch
ist diese noch weit seltener und zudem als scheue, grosse Wasser-
flächen liebende Ente schwierig zu beobächten und zu erlegen.
172. *Anas leucophthalma. Die weissäugige Ente besucht
in einzelnen Jahrgängen Ober- und Untersee; so wurde sie
1868 und 1871 gesehen. Ein vom Untersee stammendes Exemplar
besitzt das städtische Museum.
173. *Anas strepera. Die Schnatter-Ente. Auch diese Art
gehört dem Norden. Da sie jedoch für die Kälte sehr empfindlich
ist, ist sie eher in unserer Gegend anzutreffen, als die drei vorher-
gehenden Arten. Das im hiesigen Museum stehende Exemplar
kommt vom Untersee.
174. Anas rufina. Soll nach einem aus dem. Jahre 1808
stammenden Verzeichniss (Hartmann, Beschreibung des Bodensees)
früher am Boden- und Untersee nicht selten wahrgenommen
worden sein.. Auch das Seiler’sche Verzeichniss giebt an, dass
diese Ente bis unterhalb Stein a/Rh. vorkomme. Für die Gegen-
wart ist das Letztere nieht mehr richtig; die hübsche Kolbenente
kehrt nur höchst unregelmässig ein. Ein Exemplar ist im Besitze
des Herrn Thierarzt Pieiffer in Neunkirch.
175. Anas ferina. Tafelente. Gehört mehr der gemässigten
Zone an und bleibt nur in gelinden Wintern das ganze Jahr.
Zieht im November weg und kehrt im März zurück. Duunsz und
Untersee.
176. Anas pterocyanea. Die niedliche und fluggewandte
Knäck-Ente wird fast alljährlich am Untersee und bei Stein a/Rh.
wahrgenommen.
177. *#Querguedula erecca. Das ebenso hübsche Kriek-
Entchen wird jedes Jahr bei Radolfzell und bei Stein a/Rh.
erlegt und scheint am Untersee eine gewöhnliche Erscheinung zu
sein. Vorübergehend hielt es sich auch am Eglen-See bei
Thayngen auf.
178. Olangula glaucion. ;‚Schell- Ente. Spiegel weiss,
Füsse gelb und schwarz. Das eigenthümliche Geräusch, welches
die alten Männchen beim Fliegen verursachen, hat ihr den Namen
eingebracht. Untersee und Rhein.
179. Mareca Penelope. Pfeiffente. Untersee. Kommt auf
Verzeichniss der im Kanton Schaffhausen vorkomm. Vögel. 383
dem Frühjahrszuge auch auf den Neunkircher Wiesen vor, wenn
dieselben Wasser haben.
180. Fuligula cristata. Die Reiher-Ente wird in gewissen
Jahrgängen am Boden- und Untersee beobachtet. Herr Thier-
arzt Pfeiffer hat eine Reiher-Ente in seiner Sammlung stehen,
welche er in den „Wyden“ bei Neunkirch geschossen hat.
181. Anser cinereus. Die Grau- oder Wildgans kann man
ziemlich regelmässig zur Zeit der Wanderung in der bekannten
Winkel-Form durch unseren Kanton ziehen sehen. Doch fliegt sie
meist sehr hoch und gönnt sich keine Rast bei uns.
182. Mergus merganser. Sägetaucher gehören auf dem
Boden- und Untersee zu den regelmässigen Gästen.
B. PELECANIDAE.
183. *Carbo cormoranus. Die Kormoranscharbe wird bei-
nahe jeden Winter in den oberen Theilen des Kantons beobachtet.
Schreit: kra, kra, kra, welches Aehnlichkeit hat mit dem Krähen-
geschrei. Der Fischzucht schädlich.
184. Pelecanus onocrotalus. Der Pelekan ist zu Anfang
dieses Jahrhunderts zwei Mal auf dem Bodensee gesehen worden:
[1806, 1811]. Seither ist von seinem Vorkommen in unserer Nähe
nichts mehr laut geworden.
C. LARIDAE.
185. Lestris catarrhactes. Die grosse Raubmöve stellt
sich nicht gar selten am Untersee ein und dehnt zuweilen ihr
Raubgebiet auch über den Rhein aus. Schädlich.
186. Larus ridibundus. Die Lachmöve ist am Boden-
und Untersee häufig. Auch im Klettgau wird sie zur Zeit
der Wanderung gesehen. Hr. Th. Pfeiffer beobachtete dieselbe ein-
mal in einer Gruppe von ca. einem Dutzend Stück bei Schneege-
stöber über den Grienbänken unterhalb der Ziegler-Fellis’schen
Fabrik. Im März sollen nach dessen Versicherung zuweilen Trupps
von 20 bis 40 Stück wahrgenommen werden. — Das Volk nennt
sie hier „Ragägel“, während es den Reiher blos „Ragel“ zu be-
nennen pflegt. — Die Lachmöve brütet kolonienweise an bewach-
senen Ufern und Inseln mit schwammigem Moorboden. Die Eier
sind geniessbar und werden zu Hunderten auf die deutschen Märkte
gebracht.
187. Sterna Cantiaca. Brand-Seeschwalbe. Von Mistel-
drosselgrösse; leicht kenntlich an dem schwarzen Schnabel mit der
gelben Spitze. Fast alljährlich am Boden- und Untersee,
384 Emil Aug. Goeldlin:
188. Sterna fissipes. Schwarze Seeschwalbe. Ist aus-
schliesslich Süsswasservogel. Kommt zu Ende April und verlässt
uns zu Anfang August. Wird am Untersee angetroffen. Ich
beobachtete sie zur Zeit der Wanderung am Eglen-See bei
Thayngen (1878). —
189. Sterna hirundo. Fluss - Seeschwalbe, Allenbek.
Schnabel und Beine mennigroth. Zugvogel: Kommt nach Mitte
April und geht zu Ende Juli. Bewohnt die meisten Schweizerseen :
Bialer-, Zürich- und Bodensee. Am Untersee und Rhein wird
sie ebenfalls angetroffen.
[NB. Die Seeschwalben-Arten dürften noch zu weiteren Be-
obachtungen veranlassen.]
D. COLYMBIDAE.
190. *Colymbus glacialis. Der hübsch gezeichnete Eis-
taucher zeigt sich hie und da am Untersee und kommt zuweilen
auch den Rhein herab. Ein in der Nähe der Stadt erlegtes
Exempl. steht im Museum.
191. *Colymbus arcticus. Der Eisseetaucher erscheint in
unserem Gebiete hin und wieder; im Ganzen ist er unter den 3
bei uns vorkommenden Arten der seltenste. Ein Exempl. besitzt
Hr. Th. Pfeiffer, ein zweites steht im hiesigen Museum. Boden-
und Untersee.
192. *Colymbus septentrionalis. Nordseetaucher. Der
Häufigste unter den Eistauchern. Die bei uns vorkommenden
Exemplare stehen meist im Jugendkleide.
193. *Podiceps ceristatus. Gehaubter Steissfuss. Wird
nieht gar selten am Bodensee und Untersee erlegt.
194. *Podiceps eornutus. (Gehörnter Steissfuss. Eben-
falls in denselben Revieren. Podiceps arcticus Boje, durch die
schwächer entwickelten Kopffedern und die dunkel gefärbte, erste
Feder des Mittelflügels kenntlich, wird nur als eine nördliche
Varietät angesehen.
195. Podiceps subcristatus. Ist am Einfluss des Rheins
in den Bodensee im Jahre 1868 erlegt worden. Ob er auch unsere
Gegend besucht, bleibt noch zu ermitteln.
196. Podiceps minor. Der kleine Haubentaucher kommt
öfters vom Untersee her den Rhein herab und ist schon in
nächster Nähe der Stadt erlegt worden. Brütete auch schon mehr-
mals im Klettgau und zwar auf dem „Haslacher Weiher“
| Zur Ornithologie der Insel Cypern. 385
| hei Neunkirch, wo Hr. Thierarzt Pfeiffer die Adlterung der in
beobachten konnte.
[NB. Auch in Hinsicht auf Sumpf- und Wasservögel hat sich
unser Kanton einer ganz besonders günstigen Lage zu erfreuen.
Wir haben 32 Sumpfvögel, unter welchen 6 Reiher- und 5 Wasser-
läufer-Arten, sodann 26 Schwimmvögel, unter denen sich 14 Enten-
Arten finden.]
Zur Ornithologie der Insel Cypern.
Von
Aug. Müller, stud. rer. nat.
In den Jahren 1877 und 78 erhielt Herr Wilhelm Schlüter
in Halle a. d. S. mehrere umfangreiche Sendungen Naturalien, die
auf der Insel Cypern, in der Umgebung der an der südöstlichen
Küste gelegenen Hafenstadt „Larnaka“ gesammelt waren. Zum
grössten Theile bestand die ganze Ausbeute aus besagter Insel in
Vogelbälgen und Eiern, von welchen erstere genaue Etiquetten,
bezügl. Datum, Geschlecht ete. trugen, während der wissenschaft-
liche Werth der letzteren dadurch ein um so höherer wurde, als
solche einmal in Gelege gesondert und ferner noch mit genauen
Datum-Notizen versehen waren. Wenn mir auch nicht zur Bear-
beitung dieses kleinen Beitrages zur Ornithologie der Insel Cypern
die ganze Ausbeute vorliegt, so hatte ich doch nicht versäumt,
mir genaue Notizen über den Inhalt der verschiedenen Sendungen
zu machen, um auf diese gestützt: ein Verzeichniss der gesammten
Arten aufstellen und solches soweit als möglich durch Angaben,
die ich den beigefügten Etiquetten entnahm, ‚vervollständigen zu
können. Jedenfalls dürfte dasselbe nicht ohne Interesse sein, um-
somehr, als meines Wissens nach, und soweit ich aus der mir zur
Verfügung stehenden geringen Literatur ersehen konnte, ausser
Unger und Kotschy ‚die Insel Cypern‘‘*) kein wesentlicher Bei-
trag zur Ornithologie dieses Landes besteht. Zudem beschränkt
sich der ornithologische Theil in genanntem Werke nur auf ein
blosses Namensverzeichniss.
Um nun eine möglichst genaue Uebersicht der bis dato auf
Cypern beobachteten Vogelarten geben zu können, werde ich neben
den an Herrn Schlüter gelangten Species, sei es als Bälge oder
Eier, auch die in Unger und Kotschy enthaltenen Arten namentlich
*) Unger und Kotschy, die Insel Cypern, Wien 1865, -
Oab. Journ. f. Ornith. XXVIT. Jahrg. No. 148. October 1879, Pe
386 Aug. Müller:
aufführen, und zwar derart, dass die einzig und allein durch letz-
tere beobachteten Arten durch ein „*“ näher bezeichnet sind,
während es denselben fehlt, wenn sich solche auch unter der an
Herrn Schlüter eingegangenen Ausbeute befanden. Die neuen
Arten dagegen, die also nur ausschliesslich vom Sammler des Hrn.
Schl. beobachtet, resp. eingesandt worden waren, kennzeichnen sich
durch gesperrten Druck.
*|. Gyps fulvus Gr.
*2, Neophron percnopterus Savig.
*3. Falco peregrinus Briss.
4. Falco cenchris Naum.
5. Falco tinnunculus L.
6. Falco rufipes Bes.
12 Stück ($ und 2 ad. sowie junge Exemplare). Eine Sen-
dung enthielt von vorstehend genannten 3 Arten auch eine be-
trächtliche Anzahl Eier, unter welchen Falco tinnunculus am häu-
figsten und Falco cenchris am seltensten vertreten waren. Die
Gelegenstärke wechselte zwischen 4 und 5, während die Fund-
daten vom 16/4.—23/5 lauteten..
7. Falco aesalon Gm.
1 Stück (& juv.) datirt vom 26/11.
*8, Astur palumbarius Bechst.
*9, Astur nisus K. u. Bl.
10. Cireus Swainsoni Smith.
1 Stück (3 ad.) datirt vom 16/2.
11. Strix noctua Retz var. mereidionalis Risso.
1 Gel. a 3 St. (4/6.) und 4 Gel. & 5 St. (8/5.—20/5.).*)
12. Ephialtes scops K. u. Bl.
1 Gel. &5 St. (8/5.) und 3 Gel. & 4 St. (8/5., 8/5. und 23/5.).
*13. Caprimulgus europaeus L.
14. Cypselus melba 1.
1 Stück (2 ad.) während der Frühlingsmonate daselbst erlegt.
*15. Cypselus apus Ill.
16. Hirundo riparia L.
1 Stück (Z ad.) während der Frühlingsmonate daselbst erlegt.
17. Hirundo rufula Temm.
10 Stück, darunter 9 (4 und 2 ad.) sowie 1 juv. 1 Gel. &
4 St. (23/4.), 2 Gel. & 5 St. (15/5. und 27/5.) und 1 Gel. & 6 St. (18/5.).
*) Das heisst: 1 Gelege a 3 Stück datirt v. 4/6. und 4 Beleg a 5 Stück
datirt v. 8/6.—20/6.
Zur Ornithologie der Insel Cypern, 387
#18. Zhrundo urbica L.
19. Hirundo rustica L.
1 Gel. & 4 St. (14/4.) und 1 Gel. & 5 St. (14J4.).
*20, Picus spec. ?
*21. Cuculus canorus L.
22. Cuculus glandarius L.
2 Stück (2 ad.) sowie 5 Eier unter Eiern von Pica caudata Ray.
23. Coracias garrula L.
10 Stück (3 und 2 ad.). 2 Gel. & 4 St. (22/5. und 23/5.) und
6 Gel. & 5 St. (15/5.—4[6.).
24. Merops apiaster L.
86 Stück, darunter 29 (3 und 2 ad.) sowie 57 juv.
25. Upupa epops L.
3 Stück (Z ad.),. wovon ein Exemplar sicher während der Brut-
periode erlegt worden war, so dass diese Species daselbst Brut-
vogel zu sein scheint.
*26. Sıtta syriaca. Ehrenbg.
27. Parus major L.
1 Gel. & 4 St. (23/4.) und 1 Gel. 3.5 St. En)
*28. Parus ater L.
*29, Muscicapa atricapilla L.
*30. Butalis grisola Boie.
öl. Pica caudata Ray.
5 Gel. & 6 St. (15/4.—20/5.), darunter 5 Eier von Cueulus
glandarius L.
*32. Garrulus glandarius Vieill,
#33. Corvus monedula L.
#34. Corvus corax L.
35. Corvus cornix L.
Eine grössere Anzahl Gelege von je 5 St. (20/4. Mid 21/4.).
Auffallend ist an diesen Eiern deren verhältnissmässige Kleinheit,
wenn man solche mit Eiern derselben Art aus anderen nördlicher
gelegenen Gegenden vergleicht. Die beiden für meine Sammlung
acquirirten Gelege aus Cypern messen:
’ Längenachse Breitenachse.
Gelege I 41 Mm. 27,, Mm.
41 285 »
AT 200.5,
42 N, re
Ab 5 Bd»
388 Aug. Müller:
Längenachse. Breitenächse.
Gelege II 41, Mm. 27, Mm.
42» 239»
4l,; ” 29 »
40, ” 27,5 ”
In I
Durchschnittlich: 441 Mm. 27, Mm.,
während 2 andere Gelege, die ich im vergangenen Jahre bei Hei-
ligenstadt im Eichsfelde sammelte, folgende Maasse ergeben:
Längenachse. Breitenachse.
Gelege I 44, Mm. 29,, Mm.
RER 30, 03
44, „ 29 „
Id 30
Gelege II 44 6 lu. us
44,» 3l.,.,%
46 „ 30,8 „
44,; »„ 30 „
45 „” 3l,e „
Durchschnittlich: 44, Mm. 30,, Mm.
36. Oriolus galbula L.
3 Stück (3 ad.) während der Frühlingsmonate daselbst Be
37. Pastor roseus Temm.
1 Stück (juv.) während der Brutzeit erlegt.
+38. Turdus merula L.
+39. Turdus musicus L.
40. Monticola cyanea Cab.
2 Stück (3 und 2 ad.).
*41. Saxicola oenanthe Bechst.
42. Sazicola saltatrix K. u. Bl.
4 Stück (3 und 2 ad.) während der Frühlingsmonate erlegt.
43. Sazicola aurita Temm.
1 Stück (Z ad.) während der Frühlingsmonate erlegt.
44. Sazicola stapazina Temm.
3 Stück ( und 2 ad.) während der Frühlingsmonate erlegt.
45. Sazicola leucomelaK. u. Bl.
Dieser Vogel scheint für Cypern ein äusserst häufiger Brut-
vogel zu sein, und erstaunte es mich deshalb solchen in dem Werke
von Unger und Kotschy nicht erwähnt zu finden. Neben einer
grossen Anzahl Bälge (Z und ? ad. sowie juv.) hatte der Sammler
Zur Ornithologie der Insel Cypern. 389
auch eine nicht unbedeutende Menge Gelege gesandt, die laut Eti-
quetten in der Zeit vom 10/4.—1/6. gesammelt waren. Eine fer-
nere zu Anfang des Jahres 78 von Cypern eingegangene Sendung
brachte abermals Eier dieses Vogels, welehen jedoch, trotzdem sie
in Gelege gesondert waren, die Datum-Notizen fehlten. Die Brut-
zeit dieses Vogels reicht somit noch in den Juni und vielleicht
auch noch in den Monat Juli hinein, wenn nicht etwa, was aller-
dings hei einem grossen Sammelterrain kaum vorauszusetzen ist,
die. späteren Bruten durch Ausnehmen der ersten Gelege bedingt
wurden. Keiner unserer Saxicoliden mag wohl in Bezug auf Zeich-
nung der Eier so variiren, als gerade S. leucomela. Die braunen
Flecken sind bei manchen Eiern oft nur fein aufgespritzt und treten
erst nach dem stumpfen Pole zu, woselbst sie in den meisten Fällen
etwas mehr angehäuft sind, deutlicher hervor, während man nach
dem spitzen Pole zu kaum eine Fleckenbildung erkennen kann.
Die Flecken werden grösser und grösser, nehmen an Intensivität
der Farbe zu und bilden oft einen stark hervortretenden, scharf
abgegrenzten, schön dunkelbraunen Fleckenkranz. Nicht immer
häufen sich jedoch die Flecken nach dem stumpfen Pole zu an,
dieselben können auch ziemlich gleichmässig über das ganze Ei
verbreitet liegen und sind alsdann fast regelmässig etwas verwischt,
so dass die unter der braunen Zeichnung meist nur spärlich ver-
breitete schwachviolette Fleckenbildung dem Ei einen besonderen
Charakter verleihen kann. Zwischenstufen und Uebergänge sind
natürlich vorhanden und machen eine sichere Unterscheidung dieser
Eier von jenen der Saxicola stapazina und aurita geradezu unmöglich.
46. Saxicola erythraea Ehrenbg.
1 Stück ( ad.).
*47. Lusciola philomela K. u. Bl.
*48. Sylvia atricapilla Lath.
*49. Phyllopseuste trochilus Meyer.
50. Hypolais elaica Cab.
2 Gel. a 4 St. (17/5. und 4/6.).
51. Calamoherpe arundinacea Boie.
Geha 3 St. (22/5.):
*52, Motacilla alba L.
+53. Budytes flavus Cuv.
54. Budytes melanocephalus Br.
1 Stück (8 ad.) während der Frühlingsmonate daselbst erlegt.
‚*95. Anthus aquaticus Bechst.
390 Aug. Müller:.
56. Alauda cristata L. |
4 Gel. & 5 St. (21/4.—3/5.) und 1 Gel. & 4 St. (15/5.).
*57. Alauda calandra L.
58. Emberiza miliaria L.
1 Gel. &5 St. (18/5.), 2 Gel. & 4 St. (6/5. und 205) und 1
Gel. a 3 St. (4/6.).
*59. Emberiza hortulana L. |
60. Emberiza caesia Cretz. |
10 Stück, darunter 9 ad. und 1 juv. 9 Gel. &5 St. (2114.—18/.), | |
1 Gel. & 4 St. (20/5.) und 2 Gel. a 3 St. (15/5.—4/6.). |
61. Emberiza pyrrhuloides Pall.
1 Stück (3 juv.) datirt vom 13/11.
62. Emberiza melanocephala Scop.
30 Stück (8 und 2 ad.). 2 Gel. & 5 St. (18/5. und 20/5.).
*Fringüla flaveola L. (quid.? —)
*63. Fringüla linaria L.
"64. Carduelis elegans Steph.
65. Serinus hortulanus Koch.
4 Eier, die dieser Art anzugehören schienen.
*66. Passer domesticus Koch.
*67. Passer petronius Koch.
*68. Columba palumbus L.
69. Columba livia Briss.
4 Stück (2 ? ad. und 2 juv.). 1 Gel. & 2 St. (7/5.). Unger
und Kotschy führen allerdings noch Columba oenas L. und Columba
oenas L. ß domestica an, die ich jedoch aus dem Grunde glaube
streichen zu können, als ich unter dieser Col. oenas L. die Col.
livia Briss. vermuthe, umsomehr, als Unger und Kotschy auch unserer
Haustaube den Species-Namen „oenas“ beifügen, was jedenfalls von
Seiten des Bearbeiters auf einem Irrthume beruht, zumal unsere
Columba domestica eine domesticirte Columba livia Briss. ist.
*70. Columba turtur L.
*71. Columba risoria L.
*72. Pterocles alchata Steph.
*73. Meleagris gallopavo L.
*74. Gallus Bankiva Temm.
75. Francolinus vulgaris Steph.
7 Stück (4 ad., 12 ad., 1 juv. und 1 pull.). Er ist auf Cypern
häufiger Brutvogel, von welchem folgende Gelege eingingen:
3 Gel. & 8 St. (4/5., 4/5. und 15/5.), 3 Gel. & 9 St. (4/5. 15/5.,
Zur Ornithologie der Insel Cypern. 391
4/6.), 4 Gel. & 10 St. (16/5., 19/5., 3/6., 3/6.), 2 Gel. & 11 St. (14/5.)
und 1 Gel. & 12 St. (14/5.). Da auch von dieser Species, sowie
der nächstfolgenden noch mit einer späteren Sendung eine Anzahl
Eier eingingen, so gilt von solehen, bezüglich der Brutzeiten, das-
selbe, was ich von Sazxıcola leucomela sagte.
76. Perdix chukar Gray.
Dieses schöne Steinhuhn ist für Cypern sowohl Winter- als
Sommer-Vogel und scheint in grosser Anzahl daselbst vorzukommen.
Die von dort zahlreich erhaltenen Bälge waren zum grössten Theile
während der Monate November, December und Januar erlegt
worden; eine spätere Sendung brachte auch einige Pulli, sowie
Folgendes an Eiern: 1 Gel. & 11 St. (11/4.), 3 Gel. & 12 St. (10/4.,
21/4., 22/4.), 4 Gel. a 13 St. (6/4., 16/4., 22/4., 22/4.), 7 Gel. a 14 St,
(14/4., 11/4, 18/4., 22/4., 23/4., 23/4., 23/4), 5 Gel. & 15 St. (15/4.,
16/4., 17/4., 22/4., 23/4.) und 1 Gel. & 16 St. (15/4.).
Unger und Kotschy erwähnen dieses Huhn nicht, dagegen
Perdiz graeca Briss., die jedoch nichts Anderes als die in Rede
stehende Art sein kann, ein Versehen, welches umso verzeihlicher
ist, als sich Perdiw chukar, ganz abgesehen von der röthlichgelben
Kehlzeichnung, die oft ganz verschwinden kann, nur dadurch von
Ferd. graeca unterscheidet, dass erstere merklich kleiner ist und
ein ausgeprägteres Halsband hat.
77. Coturnix communis Bonn.
1 Gel. & 13 St. (10/4.) und 1 Gel. & 10 St. (15/5.).
78. Otis teirax L.
1 Stück (3 jurv.).
*79. Glareola pratincola L.
80. Oedicnemus crepitans Temm.
1 Stück (8 ad.) datirt vom [5/l.
81. Hoplopterus spinosus Bp.
1 Stück (juv.).
*82. Aegialites hiatieula Boie.
83. Aegialites minor Boie.
1 Stück ($ ad.) während der Frühlingsmonate erlegt.
*84. Haematopus ostralegus L.
*85. Hlimantopüs rufipes Bechst.
*86. Tringa alpina L.
*37. Tringa subarcuata Temm.
88. Tringa minuta Leisl.
3 Stück (3 ad.) datirt vom 4/1., 9/2. und 23/2.
392 Aug. Müller:
*39, Machetes pugnax Quv.
*90. Totanus stagnatilis Temm.
*91, Telmatias gallinago Boie.
*92. Scolopax? Cyprius Sibth. Species ignota. *)
*93. Numenius arcuata Lath.
94. Ibis faleinellus Vieill.
2 Stück (3 und 2 ad.) während der Frühlingsmonate erlegt.
*95. Ardea cinerea Lath.
96. Ardea purpurea L.
2 Stück (3 und 2 ad.) während der Frühlingsmonate erlegt.
*97. Ardea alba L.
98. Ardea Veranyi Roux.
1 Stück (3 ad.) während der Frühlingsmonate erlegt.
99. Ardea comata Pall.
2 Stück (3 und 2 ad.) wälrend der Frühlingsmonate erlegt.
*100. Ardea nyeticorax L. |
*101. Ardeola minuta Br. |
102. Platalea leucorodius Glog.
1 Stück (3 ad.) datirt vom 1/11.
*103. Orex pratensis Bechst.
104. Ortygometra porzana Steph.
4 Stück (3 ad.) datirt vom 11/11. und 13/11.
*105. Gallinula chloropus Lath.
106. Anser cinereus M. und W.
1 Stück (8 juv.) datirt vom 25/11.
*Anser cinereus M. u. W. ß domestica.
*107. Anas boscas L.
*Anas boscas L. ß domestica.
*108. Anas? COypria Sibth. Species ignota.
*109. Anas querquedula L.
110. Fuligula eristata Steph.
1 Stück (3 juv.) datirt vom 28/10,
*111. Sterna minuta L.
112. Larus canus L.
1 Stück (3 med.) datirt vom 30/1.
113. Larus leucophaeus Licht.
5 Gel. & 3 St. (28/4.) und 1 Gel. & 2 St. (28/4.).
Laut brieflicher Mittheilung von Seiten des Sammlers nistet
diese Möve auf Dächern.
*) Wird wohl Telmatias gallinula Boie gewesen sein. Müller,
Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 393
114. Larus ridibundus L.
4 Stück (13 und 3 2 ad.) datirt vom 16/12., 17/12., 1/2. und 14/2.
*115. Larus marinus L.
*116. Nectris major Glog.
*117. Carbo cormoranus M. u. W.
Mittheilungen
über Nester und Eier des Museums Godeffroy zu Hamburg.
Von
A. Nehrkorn.
Dem grossen Interesse, welches der Chef der reichen Firma
J. C. Godefiroy & Sohn in Hamburg Herr Caesar Godefiroy seit
einer Reihe von Jahren der wissenschaftlichen Erforschung der
Südseeinseln widmet, verdanken wir eine Fülle von Material, das
zum grossen Theile bereits seine ständigen Bearbeiter gefunden
hat. Ueber die Fortpflanzungsgeschichte der Vögel war bisher
noch Wenig publicirt, und erging daher an mich das ehrenvolle
Ersuchen: die in dem Museum Godeffroy angesammelten Nester
und Eier zu sichten und zu beschreiben, eine Aufgabe, deren
schwierige Lösung ich mir wohl bewusst war, um so mehr, als ich
häufig gezwungen wurde, bereits vorhandene Notizen zu bezweifeln
und hier und da in der Literatur sich findende Fehler zu berichtigen.
Dem Herrn Custos Schmeltz, der mir bereitwilligst die nöthigen
Notizen gab und mich bei meinen Arbeiten unterstützte, sei hier-
mit der aufrichtigste Dank abgestattet.
Um bereits Bekanntes nicht noch einmal wiederholen zu müs-
sen, wähle ich die Reihenfolge der Vögel nach der „Ornithologie
der Viti-, Samoa- und Tonga-Inseln“ von O. Finsch und G. Hart-
laub und füge die dort nicht angeführten Vögel im System ein.
Astur rufitorqueis Peale.
Die vielen mir vorliegenden Eier variiren mehr, wie alle an-
dern mir bekannten Raubvögeleier, sowohl was Grösse als auch
Färbung anbetrifft. Ich messe 40 Mm. Länge und 34 Mm. Breite
min. bis 46 Mm. und 36 Mm. max.*)
Das von Dr. Gräffe derzeit von den Viti-Inseln eingesandte
erste Ei, welches als das von Platycercus personatus bezeichnet
*) Bei den Eiermaassen bedeutet die erste Zahl für die Folge immer den
Längendurchmesser axis, und die zweite den Querdurchmesser diameter in
Millimetern.,
394 A. Nehrkorn:
war, gehört, wie Dr. Finsch vermuthete, thatsächlich dem Astur
rufitorques an. Spätern Sendungen verdanken wir eine grosse Suite
dieser Eier. Dieselben haben entweder einen weissen Grund mit
kleinen und grössern braunen Flecken, die am stumpfen Ende einen
Kranz bilden, oder die Eier sind ganz weiss, oder aber mit einer
schmutzig gelben Farbe bedeckt, die an bebrütete Podiceps-Eier
erinnert.
Scops podarginaF. &H.
Die beiden mir vorliegenden Eier dieser auf die Palau-Gruppe
beschränkten Eule sind, wie alle Eulen-Eier, weiss und fast rund
und messen 35 + 32 Mm., gleichen daher den Eiern unserer
Scops zorca SWS.
Platycercus.
Die Eier der drei Platycercus-Arten: Pl. tabuensis SwS.,
splendens Peale und personatus Gray gleichen sich vollkommen; sie
sind, wenn unbebrütet, weiss, wenn nicht mehr ganz frisch, vom
Nestmaterial bräunlich gelb gefärbt und messen 38 + 31 bis 41
—- 32 Mm.
Lorius solitarius (Lath).
Früher von Dr. Gräffe auf Upolu und Viti-Levu nicht brütend
beobachtet, ist neuerdings von Kleinschmidt, diesem so überaus
fruchtbaren und zweifellos bevorzugtesten Reisenden des Museums
Godefiroy, von Taviuni nachgewiesen und auch ein Ei eingesandt,
was bei seiner papageiartigen Gestalt und Färbung 26 421 Mm.
misst und ganz matt ist.
Eudynamis taitiensis (Sparrm.)
Ein in der Sammlung befindliches von Herrn Kleinschmidt als
vermuthlich dem Cuculus simus angehörend eingesandtes Ei ge-
hört wohl ohne Zweifel diesem Vogel an. Dasselbe misst 35 + 21
Mm., ist stark glänzend, olivenbraun, am stumpfen Ende mit einem
Kranze von schwarzen verwischten Flecken versehen und birn-
föormig. Es erinnert an ein Parra-Ei.
Cuculus simus Peale.
Kleinschmidt hat aus einem Myiagra-Neste ein Ei eingesandt,
das er als ein Kukkuksei anspricht. Das Ei ähnelt manchen Pälots-
Eiern, hat lachsfarbenen bis gelblich weissen Grund mit verwisch-
ten röthlichen und bräunlichen unregelmässigen Flecken, die am
stumpfen Ende einen Kranz bilden. Ich messe 24 + 19 Mm.
Dacelo sacra Schlegel.
Eier weiss, glänzend und sphärisch. 28 + 25 Mm.
1
|
Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 395
Dacelo chlor?s Schlegel.
Eier weiss, glänzend; die mir vorliegenden nicht so rund als
vorige. 33 + 25 Mm.
Dacelo recurvirostris (Lafrs.)
Im Museum befindet sich ein am 2. Aug. 1876 gefundenes in-
teressantes Nest dieses Vogels. Derselbe hat mittelst des Schnabels
in einem Termitenbau eine Höhle hergestellt, die in den Lichten
40 mm. hält und eine gleichgrosse Einflugsöffnung hat. Die beiden
darin befindlichen Eier sind glänzend weiss und sphärisch und
messen 31 4 24 Mm.
Collocalia spodiopygia (Peale).
6 im Museum befindliche Nester stimmen im Wesentlichen
überein. Alle haben an einer Seite festgesessen und sind daher
halbkreiskugelförmig. Ich messe 25—30 mm. ganze Höhe, 10—20
mm. Napftiefe, 60—80 mm. Breite einerseits und 40-50 Mm.
andererseits.
2 Nester sind durch Herrn Hübner auf Niaufu gesammelt, die
übrigen durch Herrn Kleinschmidt auf Upolu. 2 Nester sind neben
und übereinander gebaut, so dass man auf ein colonieweises Brüten
schliessen darf, was durch Peale bestätigt wird, der darüber Fol-
gendes schreibt: „Eine unterirdische Höhle auf der Südseite Upolu’s
scheint der Hauptsitz dieser Art zu sein. Ein Ton, wie durch
das Rasseln kleiner Kiesel hervorgebracht, führte zu einer Menge
von Schwalben, welche durch unsere Lichter aufgestört worden
waren. Viele andere sahen wir ruhig auf ihren Nestern sitzen,
deren Unterlage kleine Vorsprünge der Lava bildeten und aus
Moos und einer beträchtlichen Masse Leim verfertigt waren. Wie
die Wände der Höhle selbst, troffen diese Nester von Wasser;
jedes enthielt ein Ei oder einen jungen Vogel, und das Brutgeschäft
schien an keine bestimmte Zeit geknüpft zu sein. Einige bauten,
während die Jungen Anderer schon ganz flügge waren. Alte Nester
wurden mit neuem Moose ausgebessert. Einige der alten Vögel
waren so arglos, dass sie sich ruhig von uns mit der Hand von
ihrem Ei heben liessen und, wenn wir uns überzeugt hatten, dass
nur eins vorhanden war, sogleich zu demselben zurückkehrten.“
Die Eier messen 22—23 + 13 Mm. und gleichen in jeder Be-
ziehung allen übrigen Oypseliden-Eiern.
Hirundo tahitica (Gul.)
Die mir vorliegenden beiden Nester dieser Schwalbe von Vanua-
Levu ähneln denen unseres Hausrothschwanzes, wenigstens ist
396 A. Nehrkorn:
aus der Form derselben anzunehmen, dass sie auf einem Balken
oder einer ähnlichen Unterlage angelehnt aufgesessen haben. Die
Unterlage besteht aus Koth oder Moder, und der .Napf ist mit
Grashalmen und zuletzt mit Federn ausgepolster. Ganze Höhe
60 Mm., Napf fast ganz flach; Breite 152 einerseits und 90 Mm,
andererseits; Nr. 2 —= 110 Mm. einer- und 80 Mm. andererseits.
Die Eier ähneln sehr denen unserer Arrundo rustica und messen
20 + 14 Mm.
Zosterops flaviceps Peale.
Die Nester dieses Vogels haben grosse Aehnlichkeit mit denen
unserer Sylvia cinerea. Von den vier mir vorliegenden sind 3 aus
zarten Pflanzenstengeln mit durchflochtener Baumwolle gebaut, und
das vierte ist äusserlich mit Moos decorirt. Alle ermangeln jeg-
licher Ausfütterung und haben auf Zweigen gesessen. Ihre Höhe
beträgt 45—50, die Nesttiefe 30—35, die ganze Breite 70—80
und die innere Breite 50 Mm.
Die Eier sind matt bläulichweiss und messen 18—19 +
13—15 Mm.
Zosterops ponapensis Finsch.
Ein Nest mit 2 Eiern desselben sitzt an einem Zweige, ist
äusserlich aus groben Pflanzenstengeln und Moos nebst weissen bis
10 mm. grossen Theilchen von Spinnenkokons erbaut und inwendig
mit feineren Pflanzenstengeln ausgepolstert. Die Maasse sind: 35
sanze Höhe, 30 Napftiefe, 60 ganze Breiteund 45 Mm. innere Breite,
Die Eier weichen von den übrigen mir bekannten 6 Zosterops-
Species wesentlich ab, indem sie statt bläulichweiss intensiv blau-
grün gefärbt sind wie die Eier von Mimus carolinensis, doch ohne
Glanz. Ich messe 19 — 14 Mm.
Zosterops explorator Layard.
Ein Nest mit 2 Eiern von Taviuni in einer Zweiggabel aus
demselben Material wie voriges erbaut, nur äusserlich statt mit
Moos mit Baumwolle durchflochten. Höhe 45, Napftiefe 30, ganze
Breite 80 und Napfbreite 50 Mm..
Die Eier sind bläulichweiss und messen 138 + 13 Mm.
Zosterops Semperi Hartlaub.
Das von den Palau-Inseln stammende Nest weicht insofern von
den übrigen Zosterops-Nestern ab, als es auf einem dicken Zweige
aufsitzt und ausser den bei den vorigen Species genannten Bau-
materialien mit breiten schilfartigen Blättern ausgekleidet ist.
Höhe 40, Napftiefe 20, ganze Breite 50 und Napfbreite 40 mm.
Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 397
Myzomela jugularis Peale.
Es sind zwei durch Kleinschmidt auf Upolu und Taviuni ge-
sammelte Nester vorhanden, zarte aus Pflanzenstengeln bestehende
Baue. Das eine Nest sitzt auf dem Blüthenstengel einer Cocos-
palme, das andere zwischen dünnen Zweigen. Die Maasse sind:
Ganze Höhe50, Napftiefe 30, ganze Breite 60 und Napfbreite 42 Mm.
Von den beiden mir vorliegenden Eiern gehört: zweifellos nur
das eine dieser Species an. Es hat gelbliche Grundfarbe, ist glän-
zend und mit matten und dunkelern braunen Flecken bedeckt —
den Eiern von Zarus cristatus in der Färbung nicht unähnlich,
Das zweite angebliche M. jugularzs-Ei zeigt Artamus-Charakter.
| Myzomela nigriventris Peale.
Zwei Nester von Upolu, den vorigen sehr ähnlich, doch äusser-
lich mit Baumwolle und Moos bekleidet. Höhe 40, Napftiefe 25,
ganze Breite 75, Napfbreite 50 Mm.
Die Eier haben fleischfarbenen Grund mit verwischten hell- und
graubraunen Flecken, welche am stumpfen Ende einen Kranz bilden
und 17 — 13 Mm. messen.
Myzomela rubrata Less.
Zwei Nester von Ponap& und den Palau-Inseln. Nr. 1 hängt
zwischen Zweigen, bildet einen tiefen Napf und besteht aus Pflanzen-
stengeln ohne jede Auskleidung; Nr. 2 ist äusserlich mit schwarzen
Fasern (Rhizophoren) durchflochten.
Die Eier, theilweise mit fleischfarbenem, theilweise mit
ganz weissem Grunde und am. stumpfen Ende mit einem Kranze
von helleren und dunkleren rothbraunen Flecken versehen, messen
17—20 + 14--14,5 Mm.
Ptilotis carunculata (Gml.)
Einige 20 Nester lagen mir vor. Dieselben sind sämmtlich
ziemlich unordentliche Baue aus dünnen, flachsähnlichen Stengeln
zusammengesetzt und äusserlich mit wenig Baumwolle und Moos
geschmückt ohne jede Auspolsterung. Einige hängen zwischen
Zweigen wie unsere Pirolnester, andere sitzen auf, Es folgen
Maasse dreier Durchschnittsnester:
Nr. 1 von der Insel Kio (Somo-Somo-Meerenge)
Höhe 50, Napftiefe 35, ganze Breite 90, Napfbreite 60 Mm.
Nr. 2 von der Insel Upolu
Höhe 40, Napftiefe 25, ganze Breite 70, Napfbreite 50 Mm,
Nr. 3 ebendaher
Höhe 70, Napftiefe 45, ganze Breite 75, Napfbreite 55 Mm.
398 A. Nehrkorn:
Besonders interessant sind zwei nebeneinander und durch das
Nestmaterial verschlungene zwischen einer Zweiggabel hängende
Nester.
Die Fundangaben der etwa 24 Eier fallen in alle Monate mit
Ausnahme des November.
Die Eier, 2—3 in einem Neste, gleichen sich im Wesentlichen
unter einander. Alle haben einen hell- oder dunkelfleisehfarbenen
Grund mit zum Theil verwischten rothbraunen, theils marquirten
helleren und dunklereu Flecken, die bei allen Eiern mehr oder
weniger einen Kranz am stumpfen Ende bilden. Bei der Hälfte
aller Eier finden sich auch zwischen den braunen schwarze Flecken.
Die Maasse variiren von 23—26 + 17—19 Mm.
Ptilotis procerior Finsch.
Die drei mir vorliegenden Nester von Viti-Levu und Upolu
gleichen denen von Pf. carunculata. Auch in den Eiern ist durch-
aus kein Unterschied zu finden.
Ptilotis provocator Layard.
Das einzige durch Layard von Kandavu eingesandte Nest
gleicht im Allgemeinen den bereits erwähnten Pixlotis-Nestern, ist
nur mit Federn und Pflanzenwolle von Compositen dick ausgepol-
stert und hängt zwischen Zweigen. Die Maasse sind: Ganze
Höhe 56, Napftiefe 35, ganze Breite 80, Napfbreite 55 Mm.
Die beiden Eier meiner Sammlung gleichen durchaus denen
von Pt. carunculata.
Leptornis samoönsis (Hombr. & Jacqu.)
Das einzige Ei, was ich vor mehreren Jahren durch ‚die Güte
des Herrn Schmeltz aus dem Museum Godeffroy erhielt, ähnelt auf
den ersten Blick Sturnus vulgaris-Eiern, noch mehr denen des .Dilo-
phus carunculatus vom Cap. Die Farbe ist ein mattes Blaugrün,
auf dem sich meist nach dem stumpfen Ende zu wenige graue ver-
wischte Flecken zeigen. Ich messe 32 + 23 Mm,
Petroica pusilla Peale.
Ein Nest mit 2 Eiern, deren richtige Bestimmung ich mir
jedoch anzuzweifeln erlaube. Das Nest sitzt zwischen einer Zweig-
gabel und ist aus Wurzeln und Pflanzenfasern erbaut, im Napfe
ohne Auskleidung. Ganze Höhe 100, Napftiefe 40, ganze Breite
70, Napfbreite 50 Mm.
Die Eier haben Aehnlichkeit mit denen von Sylvia conspicillata,
sind jedoch grösser. Die Grundfarbe ist weisslichgrau, und die
Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 399
graubräunlichen Flecken sind unbegrenzt und verwischt, am stum-
pfen Ende gehäuft. Ich messe 17 + 14 Mm.
Psamathia Annae H. & F.
Siehe Myiagra erythrops H. & F.
Lamprolia Vietoriae Finsch.
Ein Nest mit 1 Ei aus Taviuni von Kleinschmidt eingesandt.
Ersteres ist ein eigenthümlicher Bau, äusserlich aus schwarzen
Rhizophoren und inwendig aus trockenen Pflanzenstengeln be-
stehend, mit wenigen Federn im Napfe. Das Nest ist in der Gabel
eines dünnen Zweiges aufgehängt. Ganze Höhe 62, Napftiefe 35,
ganze Breite 100, Napfbreite 52 Mm.
Das am 11. December aufgefundene Ei hat grosse Aehnlich-
keit mit einigen Varietäten unseres Anthus arboreus. Grundfarbe
rosafleischfarben mit nahezu gleichmässig über das ganze Ei ver-
theilten kleineren und grösseren hellbraunen unbegrenzten Flecken.
Ich messe 24 + 18 mm.
Drymochaera badiceps Finsch.
Im vergangenen Jahre übersandte mir Herr Schmeltz 2 Eier
unter obigem Namen. Da ich denselben weder in Gray’s Handlist
noch im Thesaurus von Giebel finden konnte, nur in den Nach-
trägen dieses Werkes erwähnt fand, so durfte ich, da mir die ander-
weite Literatur nicht zur Hand war, nur muthmassen, dass Finsch
den Vogel im System in die Nähe der Sylvven (spec. Rohrsänger)
gestellt haben konnte, Nach Durchsicht der Proceedings of the
Zoological Society of London bestätigte sich auch meine Ver-
muthung. In der That sind die Eier den dunkelsten der Sylvia
Cetti zum Verwechseln ähnlich. Was jedoch Dr. Finsch, veranlasst
hat, den Vogel unter dem Genus-Namen Drymochaera (Waldfreund ?)
in die Wissenschaft einzuführen, ist mir unklar geblieben. Klein-
sehmidt schreibt nach den „Mittheilungen aus dem Museum Godef-
froy von Schmeltz‘“: „Ein weiteres Exemplar erlangte ich am 24.
März 1876 bei Nucke’n ’Dum auf Viti-Levu. In jener Gegend sind
‘viele Rohrdickichte, und hält sich der Vogel meist in diesen auf.
Obgleich man ihn öfters, besonders früh Morgens und gegen Abend
und ganz in der Nähe hört, bekommt man ihn hier nur selten zu
Gesicht, während er auf Vanua-Levu, von wo die ersten Exemplare
stammen, und wo er sich mehr im Forst aufhält, eher zu Schuss
kommt. Gleich europäischen Rohrsängern ist dieser Vogel beständig
in Bewegung, dann und wann durchziehen ihrer zwei den Busch
und antworten sich gegenseitig. Die Nähe von Wasser scheinen
400 A. Nehrkorn:
sie zu lieben“ etc. Es liegen mir 5 Nester vor, von denen 3 mit
seitlichem Eingauge versehen, die beiden andern offen sind. Die
Nester bilden dicke Klumpen, denen unserer Phyllopneuste rufa und
trochilus nicht unähnlich. Das Material besteht aus Moos, Schilf-
blättern, Pflanzenstengeln und Farrenblättern ohne Federn- oder
Haarauskleidung. Ein Nest steht zwischen den Zweigen eines
Busches und ist länger als die anderen: 225 Mm. lang und 150
Mm. breit und enthält einzelne Perlotis-Federn. Die beiden offenen
Nester messen: Ganze Höhe 80, Napftiefe 30, ganze Breite 125,
Napfbreite 50 Mm.
Myiolestes vitienses Hartl.
Die vier mir vorliegenden Nestersind aufZweige gebaut und zei-
gen Aehnlichkeit mit unsern Kernbeisser-Nestern, Der ziemlich kunst-
lose Bau besteht aus Wurzelfasern und ist inwendig mit Rhizophoren
ausgepolstert. Ganze Höhe 66, Napftiefe 25, ganze Breite 120,
Napftiefe 75 Mm. |
Nr. 1 ist am. 9. Sept. auf Upolu mit 2 Eiern
„2 5.» 11. De. „ Taviuni „2 „v(Rlemschuugn
» 3 „ Ende Nov. 2
„-4.,„ am.15 Dee. 3
Dracaene gefunden.
Die Eier haben mit keinem europäischen Ei Aehnlichkeit,
Ihre Grundfarbe ist weiss bis gelblichweiss mit graubraunen kleinen
Schalenflecken und hellbraunen und röthlichen kleinen und grössern
Oberflecken, die am stumpfen Ende einen Kranz bilden. Ich messe
27 + 20 Mm.
Myiolestes nigrogularis Layard.
Ein Nest mit einem Ei von Kandavu. Ersteres ist aus Pflanzen-
wurzeln und Stengeln erbaut und der Napf ohne Auskleidung.
Ganze Höhe 70, Napftiefe 32, ganze Breite 150, Napfbreite
80 Mm.
Das Ei ist etwas grossfleckiger als diejenigen von vitiensis,
28 Mm. lang und 20 Mm. breit.
Pachycephala vitiensis Gray. |
Das mir vorliegende am 26. Oct. 1876 durch Kleinschmidt auf
Kandavu mit 2 Eiern aufgefundene Nest ist aus Pflanzenstengeln
erbaut und mit etwas Baumwolle durchflochten. Ganze Höhe 50,
Napftiefe 25, ganze Breite 100, Napfbreite 70 Mm. |
Die Eier haben im Allgemeinen einen Tyranniden-Charakter;
gelblichweissen Grund mit grauen rundlichen Schalenflecken und
„ In der Spitze einer
Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 401
- gleichfalls rundlichen und länglichen dunkelschwarzbraunen Ober-
flecken, die am stumpfen Ende gedrängter stehen. 27 + 19 Mm.
Pachycephala dcteroides (Peale).
Von diesem Vogel ist ein aus Upolu stammendes Nest vor-
handen, das wie voriges aus Pfilanzenstengeln und Wurzelfasern
erbaut ist und folgende Maasse hat: Ganze Höhe 50, Napftiefe
55, ganze Breite 90, Napfbreite 55 Mm.
Das Ei ist denen von P. vitiensis in der Färbung ähnlich, hat
gelblichweissen Grund mit schwarzen und grauschwarzen Flecken,
die am stumpien Ende einen Kranz bilden und misst 31 4 20 Mm.
Pachycephalatorguata Layard.
Obgleich Dr. Hartlaub (Kleine Mittheilungen aus dem Museum
Godefiroy, Journal des M. G.) diese Species für eine Localrasse
der P. vitiensis hält, so will ich doch, wie Kleinschmidt 1. c. sagt,
nicht unerwähnt lassen, dass die Eier, wenn richtig bestimmt, woran
wohl kein Zweifel zu sein scheint, wesentlich von denen der 2.
vitiensis abweichen. Dieselben haben blaugrünen Grund mit einem
Kranze von graubraunen und schwärzlichen ziemlich grossen Flecken
und messen 29 — 21 Mm.
Das Nest, was zwischen Zweigen stand, ist auswendig aus
grossen Blättern und inwendig aus Pflanzenstengeln und Blüthen
von Gramineen erbaut.
Lalage terat Bodd.
Von den 4 mir vorliegenden Nestern erscheinen 3 als Baum-
wollenklumpen und sind mit dünnen Pflanzenstengeln. durchwebt;
eins hat weniger Baumwolle, dagegen mehr Pflanzenstengel und
sitzt auf einem dieken Zweige. Ganze Höhe 50—60, Napftiefe 25,
ganze Breite 85—90, Napfbreite 60 Mm.
Das in der „Ornithologie der Viti-, Samoa- und Tonga-Inseln
von O. Finsch und G. Hartlaub‘‘ Tab. I. als Aplonis tabuensis ab-
gebildete Ei gehört hierher. Die Eier haben einen blaugrünen Grund
und sind gleichmässig bedeckt mit grauschwarzen langgezogenen
Flecken und messen 22 + 17 Mm.
Artamus mentalis Jard.
Die bisher von dem Museum Godeffroy unter diesem Namen
in den Handel gebrachten Eier sind von mir als zu Myvagra casta-
neiventris gehörig erkannt, mithin die Mittheilungen darüber im
Finsch & Hartlaub 1. c. zu streichen, und ist das Ei Nr. 5 auf
Tab. I zu M. castaneiventris zu stellen. Es war auch wohl kaum
anzunehmen, dass ein so grosser Vogel (Grösse unseres Lanius
Cab, Journ, f, Omith, XXVII. Jahrg. No. 148. October 1879, 26
402 A. Nehrkorn:
minor) so kleine Eier legen sollte. Kleinschmidt hat nun Eier
unter dem Namen Artamus mentalis eingesandt, die zweifellos
richtig sind; dieselben haben röthlichweissen Grund, wie einige
helle Lanius collurio-Eier, mit violetten, leberbraunen verwischten
und zum Theil scharf begrenzten Flecken und messen 26-+-17 Mm.
Die beiden vorhandenen Nester sind ganz unordentliche Baue
mit fast gar keinem Napfe. Das Nestmaterial besteht aus trockenen
Grashalmen. Ganze Höhe 40—45, Vertiefung kaum merklich,
ganze Breite 160— 170, Napfbreite 70 Mm.
Bemerken will ich hier noch, dass die Fier von A. mentalis
mit denen von A. sordidus in Gould’s Birds of Australia, woselbst
ein Nest mit 4 Eiern abgebildet ist, übereinstimmen.
Rhipidura nebulosa Peale.
Auch bei den Eiern, die diesem Vogel angehören sollen, glaube
ich einige Zweifel aussprechen zu müssen. Wer sich eingehend
mit der Oologie beschäftigt hat, wird im Stande sein, auf den
ersten Blick Verschiedenheiten zweier Eier herausfinden zu können,
die einem ungeübten Auge nicht auffallen. Mehrere Eier des Mu-
seums mit der Bezeichnung A. nedulosa haben Lanius - Charakter,
nur 3 weichen wesentlich ab, haben gelblichweissen Grund mit grau-
gelben Unterflecken und graubraunen Oberflecken und messen
17+13 Mm. Diese glaube ich mit grösster Bestimmtheit als zu
R. nebulosa gehörig ansprechen zu dürfen, zumal dieselben mit
denen der R. albiscapa Gould in Gould’s Birds of Australia (Nest
mit 2 Eiern) übereinstimmen. Auch die Eier von R. albifrontata
Frankl. aus Indien zeigen grosse Aehnlichkeit. Hoffentlich gelangen
in neuen Sendungen noch mehr sicher bestimmte Eier in unsere
Hände, um die jetzt obwaltenden Zweifel zerstreuen zu können,
Die Nester sind sehr sorgfältige Baue, aussen aus Baumwolle,
sonst aus Pflanzenfasern bestehend. Ganze Höhe 40, Napftiefe 20,
ganze Breite 55, Napfbreite 45 Mm.
Rhipidura albogularis Layard.
Ein von Kleinschmidt aus Viti-Levu eingesandtes Nest ähnelt
sehr unserm hypolais-Neste, ist mithin ein kunstvoller Bau, bestehend
aus Pflanzenfasern aussen (flachsähnlicb) und dünnen Pflanzen-
stengeln innen. Ganze Höhe 65, Napftiefe 25, ganze Breite 65,
Napfbreite 55 Mm.
Rhipidura versicolor H. & F.
Das von Yap stammende Nest ist dem vorigen ganz ähnlich.
Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 403
Rhipidura Kubaryi Finsch.
Das von Ponap& stammende Nest ähnelt gleichfalls dem be-
schriebenen von R. nebulosa. Die beiden Eier haben gelblich-
weissen Grund mit einem Kranze von leberbraunen, grauen und
violetten Flecken und messen 18-14 Mm.
| Rhipidura personata Ramsay.
Das von Kandavu stammende Nest ist äusserlich mit Pflanzen-
wolle bekleidet und besteht inwendig aus Pflanzenstengeln ohne
weitere Auskleidung. Ganze Höhe 42, Napftiefe 22, ganze Breite
52, Napfbreite 44 Mm,, mithin sehr dünnwandig.
Die Eier haben lachsfarbenen Grund mit mattrosa, hell- und
dunkelbraunen Flecken, die am stumpfen Ende einen Kranz bilden,
Länge 16, Breite 13 Mm.
Monarcha Lessoni (Hombr. & Jacqu.)
Das Nest sitzt in einer Zweiggabel, ist äusserlich ganz aus
Moos erbaut und inwendig nur mit Rhizophoren dicht ausgepol-
stert. Ganze Höhe 75, Napftiefe 40, ganze Breite 60, Napfbreite
40 Mm.
* Die beiden aus Viti-Levu stammenden Eier haben fleischfarbe-
nen Grund mit leberbraunen und hellbraunen ganz feinen Flecken,
die am stumpfen Ende einen Kranz bilden. Ich messe 19 + 14 Mm.
Monarcha Godeffroy: Hartl.
Ein Nest von Yap. Dasselbe sitzt in einer Zweiggabel, ist
auswendig mit Baumwoile, Spinnencocons und Moos bekleidet und
inwendig aus den gleichen zu fast allen Nestern der Südseeinseln
benutzten Pflanzenstengeln (nach Frau Amalie Diedrich einer Pani-
cum-Art) erbaut. Ganze Höhe 60, Napftiefe 30, ganze Breite 75,
Napfbreite 50 Mm.
Myiagra albiventris (Peale).
Die von den Samoa-Inseln stammenden Nester sind dünn-
wandig und durchsichtig, aus Pflanzenstengeln mit wenig einge-
webter Baumwolle und Moos erbaut, ohne Auskleidung und messen
Ganze Höhe 10, Napftiefe 28, ganze Breite 75, Napfbreite 50 mm
Die Eier haben weissen Grund mit hellen und dunkelgrauen
Flecken, Die Oberflecken sind dunkelolivenfarbig über das ganze
Ei gleichmässig vertheilt. Ich messe 18-14 Mm.
Myiagra erythrops Hartl.
Ein Nest. Das dazu gehörige angeblich rothe Eı ist nicht
mit eingesandt. Der Umstand, dass sowohl das Nest, das aus
breiten Schilfblättern erbaut ist, als auch die Angabe über die
26*
404 A. Nehrkorn:
Färbung des Eies veranlasst mich, anzunehmen, dass vielleicht ein
Irrthum vorliegt. Dr. Finsch ist derselben Ansicht und sagt
in „die Vögel der Palau-Gruppe“ Seite 23, dass das der Psamathia
Annae zugeschriebene Nest wohl der Myiagra erythrops, das
unserm Vogel zugeschriebene indess der Ps. Annae zugehören
dürfte. Dafür spricht auch die Färbung des in Spiritus aufbewahr-
ten Eies, das durchaus denen unserer Sylvia Cetti gleicht.
Es haben mithin: Drymochaera badiceps Finsch
Calamodyta Oetti Gray
” cantans »„ (Japan)
und Psamathia Annae H. & F.
fast gleiche Eier.
Das muthmasslich der letztern Species angehörige Nest ist aus
breiten Schilfblättern erbaut und misst: ganze Höhe 60, Napftiefe
40, ganze Breite 80, Napfbreite 50 Mm.
Myiagra pluto Finsch.
Das mir vorliegende Nest von Ponape& ist ein zarter Bau, aus-
wendig mit Moos, inwendig mit Rhizophoren und einigen gröbern
Grasblättchen ausgefüttert. Ganze Höhe 35, Napftiefe 25, ganze
Breite 65, Napfbreite 44 Mm.
Die Eier haben durchaus Würgercharakter, wie alle mir be-
kannten Myiagra-Eier, einen grauweissen Untergund mit matten
grauen und dunkleren, auch schwärzlichen Flecken, die meist einen
Kranz am stumpfen Ende bilden. Ich messe 22-15 Mm.
Myiagra azureicapilla Layard.
Die Eier dieses Vogels von Taviuni stimmen durchaus mit
denen der vorigen Species überein.
Myiagra castaneiventris (J. Verr.).
Mehrere von Kleinschmidt eingesandte Nester liegen mir vor,
und will ich dessen briefliche Mittheilungen darüber hier wieder-
holen: „Obgleich manchmal 2 Eier im Nest, glaube ich dennoch,
dass immer nur ein Junges ausgebracht resp. aufgezogen wird.
Das stark gebaute Nest ist gewöhnlich in einer Gabel erbaut; ich
fand es auf Sträuchern nur 3—4 Fuss von der Erde und auf
Orangen- und andern Bäumen. Es ist aussen, ähnlich dem des
deutschen Buchfinken, mit hellgrünen Flechten bekleidet und über-
haupt sehr elegant gearbeitet. Die Brutzeit dauert von August
bis Ende des Jahres, ja bis in den Januar hinein.“
Die Maasse sind: Ganze Höhe 48—50, Napftiefe 20-25,
ganze Breite 65—70, Napfbreite 50 Mm.
Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 405
Die Eier ähneln denen der übrigen Myiagra-Arten (Würger-
charakter) und messen 19-+15 Mm.
Das bei Finsch und Hartleib (Il. c. abgebildete Ei No. 5) (Arta-
mus mentalis) gehört der Myiagra castaneiventris.
Turdus vanicorensis (Quoy & Gaim.).
Die Nester dieses Vogels weichen wesentlich von hiesigen
Drosselnestern ab. Sie sind innen mit Baumblättern, denen unserer
Fagus-Blätter ähnlich, ausgepolstert, bestehen aber sonst aus Moos
und Pflanzenwurzeln und messen: Ganze Höhe 55, Napftiefe 30;
ganze Breite 130, Napfbreite 75 Mm.
Die vielen mir vorliegenden Eier haben weniger Aehnlichkeit
mit denen europäischer Drosseln, als z. B. mit denen der 7. falk-
landicus, Grayi ete. Sehr stark gefleckte Eier der 7. torguatus
zeigen noch die meiste Aehnlichkeit, nur dass diese ein wenig
grösser sind. Ich messe 27-22 Mm.
Turdus vitiensis Layard.
Die Nester dieses Vogels ähneln durchaus denen unserer
T. merula. Die innere Ausfütterung besteht aus Schilfblättern.
Ganze Höhe 80—90, Napftiefe 35—50, ganze Breite 150, Napf-
breite 100 mm.
Die Eier gleichen im Allgemeinen denen der vorigen Species,
haben nur wie einige der T. plaris einzelne schwarze Flecken
und messen 31-253 mm.
Turdus bicolor Layard.
Das Nestmaterial sind Wurzelfasern und trockene Blätter,
hauptsächlich im Napfe, der damit ausgekleidet ist. Ein Nest ent-
hält lanzettförmige Farrenblätter, die auf der Unterseite fructificiren.
Die Maasse sind: Ganze Höhe 85, Napftiefe 40, ganze Breite 155,
Napfbreite 90 mm. Ein anderes steht auf dem Grunde eines
Farrenbüschels, ist aus Moos, Wurzeln und Pflanzenstengeln erbaut
und ohne jede Auskleidung = 130, 40, 130 und 80 Mm.
Die Eier ähneln sehr denen der beiden vorigen Species und
messen 27421 Mm.
Amblynura Kleinschmidti, Finsch.
Ein Nest und ein Ei. Ersteres ist ein von allen andern
vorhandenen Nestern abweichender Bau und besteht aus feinen
Wurzelfasern mit wenig dazwischen geflochtenem Moos ohne
Auskleidung. Ganze Höhe 45, Napftiefe 20, ganze Breite 80,
Napfbreite 55 Mm.
Das Ei ist bläulichweiss und glänzend und misst 21-15 Mm.
406 A. Nehrkorn:
Erythrura Pealei Hartl.
Kleinschmidt sandte von Kandava 1 Nest mit 3 Eiern ein,
das im Unterbusch nur ungefähr 4 Fuss vom Boden nahe am
Wasser (Gebirgsbach) gestanden hatte. Dasselbe ist ein grosser
ungestalteter Klumpen von Moos, Blättern und Wurzelfasern. Der
Napf ist im Verhältniss zum ganzen Bau klein und mit Blättern
ausgepolstert. Ganze Höhe 90, Napftiefe 50, ganze Breite 191,
Napfbreite 59 Mm.
Die Eier sind, wie alle zu dieser grossen Familie gehörenden
weiss. Auf den mir vorliegenden finden sich verwischbare eisen-
farbige Klexe, die wohl vom Nestmaterial herrühren müssen. Ich
messe 18414 Mm.
Erythrura cyanovirens (Peale).
Das Nest dieses Vogels ist gleichfalls ein unförmiger grosser
Bau aus Bananenblättern und Gras mit tiefem Napfe, auf einem
Zweige sitzend. Ganze Höhe 95, Napftiefe 60, ganze Breite 150,
Napfbreite 55 Mm.
Die Eier sind weiss und messen 17-14 Mm.
Aplonis brevirostris (Peale).
Die Eier haben theils Drossel- theils Staar-Charakter. Ihre
Grundfarbe ist ein mattes Blaugrün; die am stumpfen Ende etwas
gedrängter stehenden ziemlich scharf begrenzten Flecken sind violett
bis röthlichbraun. Zwei Eier meiner Sammlung sind ganz und gar
mit rostbraunen Klexen überzogen, die sich schwer abwischen
lassen. Vielleicht rührt diese Beschmutzung von Erde her, die
zum Nestbau benutzt wurde. Die Form der Eier ist Drosselartig.
Ich messe 27+20 Mm.
Aplonis vitiensis.
Das mir vorliegende Ei dieses Vogels ist denen der A. drew-
rostris fast gleich gefärbt und auch ebenso gross.
Calornis Kittlitzi H. & FE.
Die Eier dieses Vogels gleichen im Allgemeinen denen der
vorigen Species, nur sind die violetten Schalenflecken zum Theil
grösser und die rothbraunen Oberflecken schärfer begrenzt. Die
Maasse sind 26—30-+21—22 Mm.
Calornis nitida Gray.
Die von Duk of York stammenden Eier haben schmutzig blau-
weissen Grund mit unregelmässig geformten und über die ganzen
Eier fast gleichmässig vertheilten mattbräunlichen und violetten
Flecken und messen 27—28-+21—22 Mm.
Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 407
Die 10 mir vorliegenden Nester dieses Vogels sind enorme
Klumpen von allen möglichen Pflanzenstengeln, Wurzeln, Bast und
Blättern, sitzen auf und zwischen Zweigen mit seitlichem Eingang.
Höhe 220, Breite 200 Mm.
Ä Ptilinopus Perousei Peale.
Das Nest dieser Taube ist wie alle Taubennester ein unordent-
lich über einander geschichteter kleiner Haufen Reisig, durch
welchen man die Eier von unten sehen kann. Diese sind weiss
und messen 30-+-21 Mm.
Ptilinopus fasciatus Peale.
Die Eier messen 31424 Mm.
Chrysoena victor Gould.
Ausführliche Mittheilungen über das Brutgeschäft dieser Taube
finden sich in den „Kleinen Mittheilungen aus dem Museum Godeffroy“
von Schmeltz pag. 13. Das Nest, sofern überhaupt von einem
‚solehen die Rede sein kann, ist 130 mm. breit. Die Eier sind,
„abweichend von allen andern Taubeneiern, ganz matt, rauh und
lang gestreckt, was schon aus den Maassen 35-+-23 Mm. hervor-
geht.
Chrysoena viridis Layard.
Das von Herrn Kleinschmidt von Kandavu eingesandte Nest
weicht insofern von dem der vorigen Species ab, dass es gar keine
Vitis-Ranken enthält, wie jenes. Die Eier sind denen der CA. victor
vollkommen gleich.
Columba vitiensis Quoy & Gaim.
Die sehr dünnschaaligen Eier messen 35 +26 Mm.
Carpophaga latrans Peale.
Das mir vorliegende und in meine Sammlung übergegangene
Ei trägt die nähere Bezeichnung: Somo—Somo Straits, Theil von
-Vanua—Levu, Ende November 1875. Die Maasse des glänzenden,
glattschaligen Ei’s sind 50-436 mm.
Carpophaga oceanica (Lesson).
Das durch Kubary aus Ponap& eingesandte Nest besteht aus
2—3 Mm. dicken, etwa 40 Mm. hoch unordentlich über einander
geschichteten Zweigen und ist 190 Mm. breit. Die Eier sind sehr
gestreckt und messen 50-33 Mm.
Phlegoenas Stairi (Gray).
Finsch & Hartlaub, Ornithol. d. V.S. und T. Inseln, sagen
pag. 147 in der Anmerkung: Bezüglich der generischen Stellung
dieser Taube bemerken wir, dass dieselbe ganz mit den von Gosse
408 A. Nehrkorn:.
s. n. Geotrygon gesonderten amerikanishen Erdtauben überein-
stimmt etc. Da nun alle mir bekannten Geotrygon-Eier statt weiss,
bräunlich, wie die Eier der Cochinchina-Hühner, gefärbt sind, so
glaube ich annehmen zu dürfen, dass. entweder die Bestimmung
der mir vorliegenden Eier, die weiss sind und 33 + 23 Mm.
messen, falsch ist, oder dass die Annahme der Uebereinstimmung
mit den Erdtauben (Geotrygon) nicht wörtlich zu nehmen ist, ob-
gleich Kleinschmidt schreibt: „Das Nest findet sich am Boden.“
Didunculus strigirostris (Jard.).
Das mir vorliegende Nest dieser Taube besteht aus Vitis-
Zweigen und -Ranken mit wenigen andern Pflanzenstengeln ver-
mischt und ist wie alle Taubennester durchsichtig. Höhe 20,
Breite 200 Mm. ohne irgend welche napfartige Vertiefung. Die
Maasse zweier Eier sind 43 + 24 und 52 + 36 Mm.
Otis australis Gray.
Die Färbung des mir vorliegenden Eies ist denen unserer
Trappeneier ähnlich, jedoch sehr hell. Die Maasse sind 85 +
58 Mm.
Oedienemus grallarius Latham.
Die Eier gleichen denen unserer O. erepitans und messen 58
-- 42 Mm.
Ardea sacra Gmel.
Die Eier messen 49 + 36 Mm.
Ardea javanica Horsf.
Die von Kandavu durch Kleinschmidt eingesandten Eier messen
45 + 32 Mm.
Rallus pectoralis Less.
Das Nest dieses Vogels ist ein aus Gräsern aufgeschichteter
Bau wie diejenigen unserer Ralliden.
Die etwa 80 von mir verglichenen Eier stimmen alle überein;
ihre Grundfarbe ist rosabraun mit violetten Unterfleeken und ziem-
lich scharf begrenzten hellbraunen Oberflecken, die meist am stumpfen
Ende einen Kranz bilden. Ich messe 37—44 4 30—32 Mm. Ab-
gesehen von der bedeutenderen Grösse stechen diese Eier gegen
die verwandten Europäer durch gesättigtere Farben ab.
Ortygometra quadristrigata (Horsf.).
Die Eier dieses Vogels sind höchst eigenthümlich gefärbt.
Der Grund ist grauweiss bis schwefelgelb; die über das ganze Ei
fast gleichmässig vertheilten rothbraunen, matten Flecken sind ver-
wischt wie bei Porzana minuta Schleg. Die Nester sind 32 -+ 23 Mm.
Mittheilungen ü. Nester u. Eier d. Museums Godeffroy z. Hamburg. 409
Eine Verwechselung mit andern Eiern aus der Familie ist der
eigenthümlichen Färbung wegen nicht möglich.
Parra gallinacea Temm.
Die merkwürdigen Eier unterscheiden sich nur durch die ge-
ringere Grösse von den übrigen bekannten Parra-Eiern. Ich
messe 30 +25 Mm.
Sterna Bergii Licht.
Die in früheren Jahren aus dem Museum abgegebenen Eier
unter diesem Namen gehören der Sterna panaya an; eine Ver-
gleichung mit den Eiern vom rothen Meere führte sofort zu dem
Schlusse und um so sicherer, als später die Eier von S7. panaya
unter diesem Namen in den Handel kamen.
„/Sterna panaya Gmel.
Die Eier haben grauen bis gelblichweissen Untergrund mit
violetten rothbraunen kleinern und grössern Flecken, ähneln den
Eiern der S£. fuiginosa und messen 50—55 4 36-38 Mm.
Sterna melanauchen Temm.
Die Eier haben die Grösse der St. hirundo, 39 + 28 Mm.,
und ähneln auch einigen hellen Exemplaren derselben. Die Grund-
' farbe ist ein schmutziges Lehmgelb mit grauen und fast schwarzen
meist kleineren, aber auch einigen sehr grossen Flecken.
Sterna lunata Peale.
Die mir vorliegenden Eier gleichen den Anous-Eiern, sind 46 Mm.
breit, mithin grösser als die von Anous parvulus und ebenso gross
als die von Anous leucocapillus. Es ist deshalb fraglich, ob sie
nicht mit diesen identisch sind.
Gygis alba (Sparrm.).
Die Eier dieser Seeschwalbe haben so eigenthümliche Fär-
bungen, dass man sie eher für Pierocles- und Cursorius-Eier halten
könnte. Die Grundfarbe ist grau, die Schalenflecken sind violett
und dunkelgrau, und die Oberflecken, Schnörkel und Wurmlinien,
die hauptsächlich an einem Pole gedrängter stehen, schwärzlich-
braun. Die Gestalt ist die der Pierocles-Fier. Ich messe 42—46
—+ 37—39 Mm.
Anous stolidus (Linn.).
Erst die in den letzteren Jahren von den Sammlern des Mu-
seums eingeschickten Eier sind echt, während die früheren zu
Sterna fuliginosa gehörten. Die Grundfarbe ist rosa angehaucht
mit wenigen kaum sichtbaren grauvioletten Schalenflecken und
410 R. Ridgway:
intensiv rothbraunen einzelnen Oberflecken, die am stumpfen Ende
einen Kranz bilden. Ich messe 56—58 +4 39 Mm.
Anous leucocapillus Gould.
Die von Ponap& stammenden Eier haben Form, Farbe und
Fleckung der A. stolidus und messen 44 + 32 Mm.
Anous cinereus (Neboux) parvulus Cassin.
Den Eiern dieses Vogels sieht man sofort die Zugehörigkeit
zu der Familie Anous an; sie gleichen den bereits beschriebenen,
sind nur bedeutend kleiner und messen 41 + 27 Mm.
Larus scopulinus Forster.
Die von Frau Amalie Diedrich in Bowen (Nordostaustralien)
gesammelten Eier dieser Möve haben weissgelben Grund mit grossen
violettgrauen Unterflecken und grössern schwarzbraunen verwischten
Oberflecken und messen 65 + 43 Mm.
Procellaria coerulea Gmel.
Das von Viti-Levu stammende und am 28. April 1878 aus-
genommene Ei meiner Sammlung ist eine Miniaturausgabe von
Pr. glacialis und misst 53 + 38 Mm.
Dysporus cyanops (Sunder.).
Die Eier messen 70—48 Mm.
Dysporus piscator (Linn.).
Die Eier messen 59—60 -+ 41—48 Mm.
Dysporus sula (Linn.).
Die Eier messen 64 + 42 Mm.
Graculus melanoleucus Vieill.
Die vielen von mir durchgesehenen Eier messen 43 4 32 Mm.
und gleichen allen übrigen G@raculus-Eiern.
Ueber den Gebrauch der Trinomina in der zoologischen
Nomenclatur.
Von Robert Ridgway.
(Aus dem Bulletin of the Nuttall ornithological Club 1879. vol. IV. No. 3
p. 129—134 übersetzt von Hermann Schalow.)
Um einen allgemeinen Meinungsaustausch in Bezug auf den
Gebrauch der Trinomina in der zoologischen Nomensclatur hervor-
zurufen, wähle ich diesen Weg, die Fragen einzelner Correspon-
denten zu beantworten, die sich hinsichtlich dieses Gegenstandes
an mich gewandt haben. Erüher oder später muss es einem jeden
wissenschaftlich arbeitenden Naturforscher einleuchten, dass ein nur
Ueber den Gebrauch d. Trinomina in d. zoolog. Nomenclatur, 411
‚binäres System, welches allein für scharf unterschiedene Arten zu
verwenden ist, zur Bezeichnung solcher Formen, die sich noch in
einem werdenden (incipient) Zustande befinden, vollständig untaug-
lich ist. Der Gebrauch eines dritten Namens muss daher bei den-
jenigen Arten zur Nothwendigkeit werden, welche noch nicht vollstän-
dig scharf charakterisirt sind, d. h. also bei denen, die durch ein Er-
löschen der Intermediärformen noch nicht isolirt dastehen. In welcher
Weise nun dieser dritte Ausdruck mit dem Genus- und Speeies-
namen in Verbindung zu bringen ist, das ist eine Frage, bei deren
Beantwortung wohl kaum zwei Autoren übereinstimmen. Und da
es offenbar wünschenswerth erscheint, dass, so frühe als möglich,
eine allgemein annehmbare Form gewählt werde, so hoffen wir,
dass der Gegenstand einer gewissen Beachtung begegnen wird.
[In dem „American Naturalist‘“ vol. V, 1871, pp. 346—373
weist Dr. Coues nachdrücklich auf den Gebrauch der Trinomina
hin und giebt die weitgehendsten und umfassendsten Gründe für
deren Gebrauch; sein ausgezeichneter Aufsatz sollte daher, in Ver-
bindung mit dem gegenwärtigen Gegenstande, sorgfältig gelesen
werden. Der erste Ornitholog, der das trinominale System in der
Nomenclatur in der ausgedehntesten Weise zur Anwendung brachte,
war, wenigstens was Amerika anbetrifft, Professor Baird, der es in
seinem im Jahre 1858 veröffentlichten Musterwerke „Birds of North
Ameriea“ (vol. IX, Pacifie R. R. Reports) und später in seiner
„Review of American Birds“ (1864—66) benutzte. Der Zweck
der vorliegenden Arbeit ist daher weniger der, dieses System der
Nomenelatur zu vertheidigen, da es in Wirklichkeit keiner Ver-
theidigung bedarf, als vielmehr die Nothwendigkeit einer Ueber-
einstimmung zwischen den Ornithologen, in welcher feststehenden
allgemein angenommenen Weise der subspecifische Name mit dem
Speeiesnamen zu verbinden ist, darzuthun. R. R.]
Die Frage ist für Ornithologen von grösster Wichtigkeit und
sollte unverweilt erledigt werden. Um zu zeigen, dass sie auch, früher
oder später, im Auslande wird erörtert werden, seien die folgenden
Ausführungen eines Ornithologen in einer der letzten Nummern des
„Ibis“ mitgetheilt (H. Seebohm, Ibis 1879, pp. 18—21):
„Es ist der Stolz englischer Ornithologen, dass ihr System
der Nomenclatur ein binäres sei. Als Linne an Stelle einer ganzen
Sentenz ein einziges Wort zur Bezeichnung einer Species einführte,
that er einen ungeheuren Schritt zur Vereinfachung der Nomen-
clatur. Die Praxis Brisson’s und früherer Ornithologen schlug fehl,
412 R. Ridgway:
soweitsie sich auf wissenschaftlicheGenauigkeit bezog, wegen der über-
aus grossen Menge von Facten, mit denen man zu rechnen hatte. Es
scheint nun augenblicklich eine Strömung vorhanden zu sein, um
den Gedanken der binären Nomenclatur zu einer pedantischen Höhe
zu erheben. Es ist ein allgemeiner Gebrauch unter den Ornitho-
logen, Speciesnamen ohne Autor aufzuführen, unter dem Vorwande,
dass dies eine streng binäre Nomenclatur zulasse. In neun von
zehn Fällen schadet dies nichts, aber im zehnten kann es die be-
stimmte Art, die gerade bezeichnet werden soll, zweifelhaft lassen.
Gründlichkeit ist die Basis jeder wissenschaftlichen Untersuchung,
und von dem Augenblick an, wo sich ein Zweifel an das knüpft,
was die Bezeichnung feststellen soll, von dem Augenblick an hört
die Bezeichnung auf, eine wissenschaftliche zu sein. Die Thatsache,
dass derselbe Speciesname von verschiedenen Ornithologen ver-
schiedenen Arten gegeben worden ist, macht die Hinzufügung des
Autors zum Speciesnamen in vielen Fällen zur Nothwendigkeit —
für die binäre Nomenclatur unzweifelhaft eine unangenehme Noth-
wendigkeit, aber nichts desto weniger eine nicht zu umgehende
für den in Wirklichkeit wissenschaftlich Arbeitenden. Es wäre gut,
wenn die Verwirrung hiermit zu Eude wäre. Allein unglücklicher-
weise herrscht unter bedeutenden Ornithologen in vielen Fällen
eine Meinungsverschiedenheit auch in Bezug darauf, welche Species
eigentlich durch gewisse von einzelnen Autoren gebrauchte Be-
zeichnungen unterschieden werden soll.
„Saxicola stapazina z. B. ist ein Name, der eine bestimmte
"Steinschmätzerart bezeichnen soll. Sazxicola stapazina (L.) zeigt,
dass dieser Name auf diejenige Steinschmätzerart beschränkt ist,
welche Linn& Motacilla stapazina benannte. Allein seit der Ver-
öffentlichung von Dresser’s „Birds of Europe“ hört der Name Saxi-
cola stapazina (L.) auf, eine bestimmte Bedeutung zu haben, und
der Leser muss stets im Zweifel darüber sein, ob der so genaunte
Vogel die Sazxicola stapazina Linn@’s apud Latham, Vieillot-
Temminck und einer Menge anderer Autoren ist, oder die Saxi-
cola stapazina Linne’s apud Dresser — zwei durchaus verschiedene
Vögel. Um jeden Preis muss wissenschaftliche Genauigkeit gewahrt
werden, und ich sehe keine andere Möglichkeit, als unsere ornitho-
logische Nomenclatur noch weiter zu verwirren und den schwarz-
ohrigen Steinschmätzer Saxicola stapazina (Linn.) et Dresser zu
nennen.
„Es wäre für die Einfachheit der ornithologischen Nomen
Ueber den Gebrauch d. Trinomina in d. zoolog. Nomenclatur. 413
clatur gut, wenn die Verwicklungen selbst hier noch aufhören
könnten. Von den Tagen Linne’s an bis zu denen von Wallace und
Darwin stimmten die meisten Ornithologen darin überein, dass die
Species durch eine scharfe und festbegrenzte Linie getrennt würden»
und dass die Schwierigkeit, welche der Studirende zu überwinden
hatte, darin läge, die Trennungslinie, welche die Natur zwischen
den einzelnen verschieden geschaffenen Species gezogen hatte, zu
erkennen. Jetzt aber, da die meisten wissenschaftlich arbeitenden
Ornithologen die Thatsache anerkannt haben, dass diese scharfen
und festbegrenzten Linien in der Natur selten vorhanden sind,
dass die Arten nicht als Arten geschaffen, sondern sich nach ge-
wissen mehr oder weniger bekannten Gesetzen stufenweise ent-
wickelt haben, und dass es folglich zu jeder Zeit des Daseins der
Erde eine grosse Anzahl von Arten gegeben haben muss, die sich
in einem Zustande der Verschiedenheit befanden, jetzt nun sind die
Schwierigkeiten noch um ein Bedeutendes gewachsen. Naturgemäss
entsteht die Frage: Was ist eine Species? Wir müssen entweder
eine künstliche scharfe und engbegrenzte Linie da ziehen, wo die
Natur keine gezogen hat, oder aber wir müssen die Natur so accep-
tiren, wie sie ist, und auf das beste die Verwickelungen benutzen,
welche nothwendigerweise in unserer Nomenclatur dadurch ent-
stehen, dass wir sie mit Thatsachen, die wir als wissenschaftliche
Arbeiter nicht leugnen können, in Einklang zu bringen suchen. Es
scheint mir daher für die jetzt lebenden Ornithologen durchaus
nothwendig zu sein, das Vorhandensein von Subspecies anzuer-
kennen, d. h. von werdenden Arten, bei denen die Zwischenformen
noch nicht ausgestorben sind und bei denen sich eine Serie von
Formen findet, die von dem einen Extrem zu dem anderen hinüber-
führt. Von der Gefahr einer solchen Praxis bin ich vollkommen
überzeugt. Es ist leicht, den Missbrauch herauszufinden, der damit
getrieben werden kann. Unerfahrene Ornithologen werden oft in
Versuchung geführt werden, Verschiedenheiten des Alters, Ge-
schlechts, der Jahreszeit, zufälliger individueller Varietäten gar
nicht zu gedenken, für Zwischenformen zu halten, denen die Stel-
lung einer Subspecies gebührt, und unsere Nomenclatur kann Ge-
fahr laufen, mit Namen überfluthet zu werden, die ebenso nach-
theilig sein würden wie die unnützen Synonymen des älteren Brehm.
Ich bin indessen der Meinung, dass alle diese Schwierigkeiten im
Laufe der Zeit verschwinden werden. Mir scheint es, als ob die
wissenschaftliche Ornithologie nicht länger im Stande ist, das Vor-
414 R. Ridgway:
handensein von Subspecies in der Natur zu leugnen oder den
Versuch zu machen, die ornithologische Nomenclatur einfacher zu
gestalten, als es die Dinge in der Natur sind, die sie zu elaalE
terisiren bestrebt ist.“
Bis dieser Gegenstand nun durch ein Uebereinkommen der
leitenden Ornithologen endgültig zum Austrag gebracht worden ist,
mag es der freien Wahl eines jeden Schriftstellers überlassen
bleiben, welche Verbindung von Genus-, Species- und Subspecies-
namen er zur Bezeichnung geographischer Varietäten der Thiere
wählt, vorausgesetzt, dass er nicht gegen die wesentlichen Prin-
cipien der von Linn& geschaffenen und, mit Verbesserungen ver-
sehen, von der British Association angenommenen Nomenclatur
verstösst. Linne wie auch die folgenden Autoren des vergangenen
Jahrhunderts gebrauchten nicht selten einen dritten Ausdruck
zur Bezeichnung von Racen oder Varietäten. Wenngleich diese
Praxis durch die Regeln der British Association for the Advance-
ment of Science nicht direct verboten ist, so schliessen doch die
drei ersten Zeilen des dritten Absatzes des $ 1 der vorgenannten
Regeln das Verbot in sich. Die Zeilen lauten: „Da unser Gegen-
stand sich nur auf das binäre System der Nomenclatur bezieht,
auf dasjenige, welches eine Species durch zwei lateinische Worte
charakterisirt, durch einen Genus- und einen Speciesnamen, und
da diese unschätzbare Methode allein Linne ihren Ursprung ver-
dankt,“ u. s. w. Zu der Zeit nun, als Linne schrieb, dachte man
nicht an Zwischenstufen zwischen angenommenen Arten, es war
daher auch keine Vorsorge für die Benennung geographischer Va-
rietäten getroffen, welche in Wirklichkeit werdende Arten sind, und
diese Vorsorge zu treffen wurde auch übersehen, als die wich-
tigen Regeln der British Association im Jahre 1842 zusammen-
gestellt wurden. Selbst in der letztrevidirten Ausgabe dieser
Regeln (1878) wurde dieses wichtige Desiderat vollkommen mit
Stillschweigen übergangen. Wären alle Arten vollkommen fest-
stehend, so würde ein rein binäres System zweifellos genügen.
Allein die neuesten zoologischen Untersuchungen weisen die That-
sache auf, dass verhältnissmässig wenige Arten das sind, was man
als vollständig scharf begrenzt bezeichnen könnte, dass eine sehr
grosse Anzahl noch mit einer Reihe von Individuen verbunden
erscheint, die noch nicht scharf gesondert ist, ja dass sogar oft der
Grad der Verschiedenheit dieser Formen bei getrennten geogra-
phischen Gebieten grösser ist als bei solchen Arten, bei denen
Ueber den Gebrauch der Trinomina in der zoolog. Nomenclatur. 415
Zwischenstufen unbekannt und äusserst unwahrscheinlich sind.
Es ist daher einleuchtend, dass die wahren „Species“ — Formen,
welche durch eine allein binäre Zusammenstellung genau bezeichnet
werden können — diejenigen sind, welche durch das Aussterben
von Zwischenarten isolirt dastehen. Es ist wohl wünschenswerth,
dass dieser Unterschied zwischen wirklichen und werdenden Arten
durch eine passende Ergänzung zu den Regeln der Nomenclatur
praktisch sollte anerkannt werden.
Der Gebrauch eines dritten Namens in Verbindung mit dem
der Species und des Genus, um eine „Race“ oder „Subspecies“
zu bezeichnen, ist deshalb verworfen worden, weil es gegen die
Linne’schen Grundgesetze der Nomenclatur vorstösst; allein wir
finden, dass Linne häufig das, was er als Racen oder Varietäten
einer Art betrachtete, in der Weise benannte, dass er die Buch-
staben des griechischen Alphabets vorsetzte. So finden wir z. B.
in der zwölften Ausgabe des „Systema Naturae“ (1766) auf Seite
270 u. 271, dass Linne sieben Formen von Phasianus gallus unter-
scheidet. Die erste derselben nennt er einfach Phasianus gallus, die
anderen coristatus ß, ecaudatus y, morio d, lanata e, pusiülus & und
crispus n; jede wird von einer Diagnose begleitet. Andere ältere
Schriftsteller, deren Werke nach der 12. Ausgabe des ,„Systema
Naturae“ erschienen, und die das Linne’sche System annehmen,
folgen demselben Plan. Zahlreiche Beispiele findet man bei Gmelin
(1788). Auf den Seiten 539 u. 590 von Lathami „Index Ornitho-
logicus‘‘ (vol. II. 1790) wird die Haustaube „Columba domestica“
genannt, als Species „2“ des Genus Columba. Zwanzig Varietäten
dieser Art werden nun wie folgt benannt „2 f livia“, „2 y rupicola“,
„20 hispanica“, „28 dasypus“ u. s. w. Vierzehn Varietäten des
gemeinen Fasans (Phasianus gallus) werden auf den Seiten 626
bis 628 in derselben Weise aufgeführt. In anderen Fällen charak-
terisiren Linn& sowohl wie Latham die differirenden Formen, von
denen sie annehmen, dass sie zu einer Art gehören, einfach durch
griechische Buchstaben, denen dann eine Diagnose, Nachweise,
Habitat u. s. w. folgen (z. B. Strepsilas interpres, ß, y, d; Lath-
Ind. Ornith. II, p. 738 u. 739).
Gegen die Bezeichnung „var.“ zwischen dem Speciesnamen und
dem der Race ist einzuwenden, dass eine Varietät eigentlich „eine
unbeständige oder nicht unveränderliche Verschiedenheit, die durch
einen zufälligen Wechsel hervorgebracht ist“ (Webster) bezeichnet,
und in diesem Sinne würde sie nur bei Individuen zu verwenden sein,
416 R. Ridgway:
die eine abnorme Abänderung, wie Albinismus, Melanismus, Ery-
thrismus oder eine ungewöhnliche Form des Schnabels, Fusses u. s. w.
zeigen, Verschiedenheiten, die aber wenig, wenn überhaupt, irgend
welche Beziehung zur geographischen Verbreitung haben. Als ein
passendes Beispiel mögen hier die beiden gewöhnlichen nord-
amerikanischen Formen des Colaptes (auratus und mezxicanus)
genannt werden. Sie bewohnen die entgegengesetzten Seiten des
Continentes. Auf dem neutralen Gebiete nun längs der Trennungs-
oder vielmehr der Verschmelzungslinie ihrer beiderseitigen Wohn-
gebiete werden wenig Exemplare gefunden, die der einen Form voll-
ständig gleichen. Und nicht blos dies. Es werden nicht selten Formen,
die den intermediären Charakter tragen, weit im Westen oder Osten
des Gebietes aufgefunden, welches als das Centralverbreitungs-
gebiet der typischen Form zu betrachten ist. CÜolaptes auratus und
O. mexicanus unterscheiden sich in ihren Typen weit mehr, als dies
bei vielen nahe verwandten Arten der Fall ist, bei denen man die
Zwischenformen nicht kennt (z. B. die kleinen Drosseln des Genus
Hylocichla, viele der Fringilliden und zahlreiche andere Gruppen)!
Früher vermuthete man, dass diese Zwischenformen Bastarde
wären; allein es ist schwer, sich einen Hybridismus in solch’ unge-
heurer Ausdehnung zu denken. Was ist hier nun zu thun? Sehr
wenige Ornithologen werden vermuthlich damit einverstanden sein,
die ganze Serie einfach C. auratus zu nennen, während es anderer-
seits, da es sich zeigt, dass sie speeifisch nicht verschieden sind,
begreiflicherweise falsch ist, durch den Gebrauch eines Species-
namens in jedem Fall, solche Verschiedenheit zu folgern.
Es scheint als ob Linne selbst gezeigt hat, wie die Schwierig-
keiten zu lösen sind. Wenn die Thatsachen, die oben mitgetheilt
worden sind, ihm bekannt gewesen wären, so würde er zweifellos
die ganze Serie ©. auratus genannt haben und zugleich die west-
liche vielleicht mit ,„® mezicanus“ und die intermediäre mit
„Y hybridus“ bezeichnet haben. — Also noch ein Mal kurz zu-
sammengefasst: da es sich als nothwendig herausgestellt hat, jede
wahre Race oder Subspecies zu benennen, so habe ich gefunden,
dass die von Linne angezeigte Methode, wie ich sie oben beschrieben,
weit einfacher ist als eine jede andere und einer jeden Anforderung
genügt. Wenn man diese Methode annimmt, so erscheint die Frage
einer zweckmässigen Nomenclatur um Vieles vereinfacht, weil diese
Form besseı als jede andere bis jetzt erprobte die relative Stellung
Vögel des Uman’schen Kreises. 417
der Formen, welche durch Namen bezeichnet werden soll, er-
kennen lässt. —
[Nicht alle amerikanischen Ornithologen theilen die von Ridgway
in dem oben gegebenen Aufsatze niedergelegten Anschauungen über
den Gebrauch der Trinomina, welche der Genannte in seinem Be-
richt über die „Ornithology of the Fortieth Parallel“ zuerst prak-
tisch verwerthet hat. So verwerfen z. B. J. A. Allen in einer
längeren Note und Dr. Elliot Coues in einer kürzeren Notiz (Bull.
of the Nutt. ormith. Club. vol. IV, 1879, No. 3 p. 168 u. 171) die
Vorschläge Ridgway’s.. Sie treten gleichfalls für eine trinäre
Benennung ein, setzen die drei Namen aber einfach nebeneinander,
ohne ein viertes Wort wie var. subsp. aberr. oder einen griechischen
Buchstaben zwischen Species- und Subspeciesnamen einzufügen.
HS]
Vögel des Uman’schen Kreises.
Herr Forstmeister Goebel bringt weiter vorn p. 266 unter die-
sem Titel einen Nachtrag zu seinen früheren Mittheilungen über
diesen Gegenstand. In diesen nachträglichen Mittheilungen sind
einige Arten aufgeführt, deren Vorkommen daselbst einer näheren
Begründung bedarf, bevor man dieselben als sicher beobachtet be-
trachten kann, indem theils keine irgend bezeichnende Beschreibung
gegeben wird, theils die bis jetzt bekannte Heimat der fraglichen
Arten doch gar weit entfernt liest.
Es wäre daher wünschenswerth, wenn Herr Forstmeister
Goebel es vermöchte, genauere Daten anzugeben, um die vermeint-
lich beobachteten Vögel auch sicher festzustellen.
Vorzugsweise handelt es sich hier um drei Raubvögel, die wir
nachstehend näher betrachten wollen.
No. 211. Falco Feldeggi. Es wird von diesem Vogel nur
gesagt: „Die kleineren, dunklen, an der Bauchseite durch die
grobe Fleckung derselben, erscheinenden Falken, die ich nach ober-
flächlicher Untersuchung geschossener Exemplare, an Feldeggi gar
nicht denkend, für peregrinus nahm, gehören entschieden ersterer
Art an.“
In Vorstehendem ist nun nichts enthalten, was berechtigen
könnte, den fraglichen Vogel für Feldeggi zu halten.
Der Feldeggfalke ist nicht kleiner als peregrinus, sondern
etwas grösser und die Fleckung der Unterseite weniger stark, als
Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 148. October 1379. 97
418 E. F. v. Homeyer:
gewöhnlich bei den meisten gleichaltrigen Wanderfalken. Auch |
von diesem giebt es Vögel, welche auf der Oberseite sehr dunkel
sind, weit dunkler, als der Feldeggfalke jemals vorkommt. Es
liegt daher in der kurzen Angabe nichts, was für die Wahrscheinlich-
keit spräche, dass ein Feldeggfalke vorgelegen hätte. Wäre dies
der Fall, so hätte doch der rostrothe Nacken bemerkt werden
müssen, was bei alten Vögeln kaum zu übersehen ist. Wäre eine
genaue Untersuchung vorgenommen, so hätte auch schon das Ver-
hältniss der Zehen zum Tarsus die Art klar legen müssen.
Wie es scheint hat Herr Forstmeister Goebel den Artikel ge-
schrieben, ohne ein Exemplar zur Hand zu haben — aus der |
Erinnerung und das bleibt doch sehr unsicher. Aus der Be-
schaffenheit der Eier lässt sich vollends gar nichts schliessen,
da sie von denen des Wanderfalken nicht zu unterscheiden sind,
wenn auch durchschnittlich etwas grösser sein mögen.
Für Europa ist der Feldeggfalke bisher nur in der westlichen
Türkei und in Griechenland aufgefunden, weder von Finsch und
Krüper am Balkan, noch von Sintenis in der Debrutscha, oder
von Demidoff in Südrussland. Goebel will nun von diesem Vogel
26 Eier erhalten haben und muss derselbe daher dort nicht selten
nisten. Es ist überhaupt sehr zu bedauern, dass wir von Vögeln
aus der Gegend von Uman fast nichts kennen, als das Wenige,
was Holtz bei seinem kurzen Aufenthalt daselbst sammeite.
214. Aguila orientalis.
Der Vogel ist nur gesehen, nicht erlegt und die Bestimmung
scheint wesentlich nach den Eiern gemacht zu sein, was doch
immer sein Bedenkliches hat, wenn man erwägt, wie ähnlich die
Eier sich in gewissen Färbungen sind. Auch das Horsten auf
einem Baume ist für den Steppenadler ungewöhnlich. Es bleibt
daher eine genauere Feststellung wünschenswerth.
Agquila Bonelli.
Dieser südliche Adler soll schon am 4. März 1873 in der
Gegend von Uman gesehen sein. Goebel hat den vermeintlichen
Vogel ganz in der Nähe, am Rande eines Waldes gesehen, leider
ohne darauf zu schiessen. Derselbe spricht von den leuchtenden
Schulterflecken, was doch gar nicht zu Bonelli passt, mehr der
lange Schwanz und die helle Unterseite. Man kann danach nicht
bestimmen, was Goebel sah, aber ein Aguila Bonelli kann es un-
möglich gewesen sein.
Schliesslich wird mit Bezug auf eine frühere Arbeit von Ludwig
Vögel des Uman’schen Kreises. 419
Holtz die Avifauna von Uman mit der Pommerns verglichen.
Holtz hatte nachgewiesen, dass Pommern wesentlich mehr Vögel
habe als der Kreis Uman, und trotz der von Goebel gegebenen
Nachträgen wird man wohl bei dieser Ansicht bleiben müssen, zu-
mal Holtz verschiedene Vögel unerwähnt gelassen hat, welche sicher
in Pommern beobachtet sind. Goebel meint nun, Uman liege nicht
an einer grösseren Zugstrasse, weil dort kein grosser Fluss sei.
Nach dieser Aeusserung zu schliessen, ist auch Goebel davon
durchdrungen, dass die Vögel auf Palmens Wunsch, um in der
Nähe von Wasser zu bleiben, Kreuz- und Querzüge machen. Es
wird aber wohl daran liegen, dass die grosse Zahl der durch-
ziebenden Vögel weniger beobachtet sind, weil Goebel wesentlich
nur die Brutvögel beobachtet hat. Es fragt sich auch, ob derselbe
Seeen und Teiche so in der Nähe gehabt hat, um die Stationen der
ı Vögel hinlänglich beobachten zu können, was doch bei seinen
Berufsgeschäften nicht immer möglich sein mochte. Auffallen aber
muss doch die geringe Zahl der beobachteten Vögel.
Aehnliche Erfahrungen hat man ja auch im südlichen Russland
und im Nordosten der Türkei gemacht, wo im Vergleich zum
Westen Europas die Artenzahl eine geringe ist, wenn auch manche
Art ausserordentlich reich an Individuen auftritt.
Auffällig ist das Fehlen mancher Arten für den Kreis Uman
allerdings und es ist wohl anzunehmen, dass noch manche der-
selben bei fernerer Untersuchung gefunden werden. Es lässt sich
doch wohl annehmen, dass:
Phillopneuste trochilus, Curruca garrula, Cynchramus schoeniclus
und manche andere Arten dort vorkommen, wussten wir doch vor
Goebel nichts über die dortige Ornis und müssen demselben
Dank wissen, den Anfang für eine genauere Kenntniss gemacht
zu haben. Sicher kann es aber nur ein Anfang sein. Zu bedauern
bleibt nur, dass der Vogelzug fast ganz unberücksichtigt geblieben
ist. Es liegt leider keine einzige Beobachtung vor, welche
dazu beitragen könnte, unser Wissen über diesen so wichtigen
Gegenstand zu bereichern. Dazu zähle ich nicht die Ankunft oder
den Wegzug dieser oder jener Art, dazu gehört wesentlich die
Mitberücksichtisung der begleitenden Umstände, als da sind:
Richtung des Zuges, Windrichtung, Witterung, Tageszeit und
namentlich wann die Masse zieht, denn die Vorläufer und Nach-
zügler haben wenig zu bedeuten, wenn es sich um die Zugbeobach-
tung handelt. Nur bei solcher Auffassung haben Beobachtungen Werth.
97*
420 Ant. Reichenow und Herman Schalow:
Uebrigens wiederhole ich hier, dass ich weit entfernt bin,
Herrn Forstmeister Goebel irgend einen Tadel auszusprechen, ich
strebe nur dahin, zu verhüten, dass nicht Arten in eine Fauna
aufgenommen werden, die nicht dahin gehören. Dergleichen
Irrthümer sind sehr schwer wieder aus der Literatur zu entfernen.
E. F. v. Homeyer.
Compendium
der neu beschriebenen Gattungen und Arten.
Von
Ant. Reichenow und Herman Schalow.
(Fortsetzung von Journ. f. Ornith. 1879 p. 308—329.)
1.
COLYMBIDAE.
Eudyptes Filholi.
Hutton. Proc. Linn. Soc. of New South Wales, 1879. IH.
. 534. |
b In color and in length of crest, this species is intermediate'
between E.chrysocome and EZ. chrysolopha; but is easily distinguished
from both by the supereiliary yellow streaks commeneing behind
the termination of the culmen instead of between the termination
of the eulmen and the nostrils, and by the dark color of the back‘!
advancing on the sides of the lower neck. From E. chrysocome it!
is also distinguished by the narrowness of the bill, and the different
shape of the black mark on the under surface of the apex of the
wing, in which #&. Frlholi resembles E. chrysolopha. From the latter
species it is also distinguished by its color.
Lgth. 23 inch. bill. 2; culm. 1,75; wing 5,75; tail. 4,5; tars. 1.
Hab: Campbell Island.
RALLIDAE.
Gallinula Frankii.
H. Schlegel, Notes Roy. Zool. Mus. Leyden. No. 3. 1879.
‚163: |
n It is similar to @. olivacea but has the frontal plate smaller.
The culmen of the upper mandible is more curved and the bill!
itself, yellowish in Gallinula olivacea is dusky brown in our new
species. Legs and feet are grayish brown in the latter species,
grayish yellow in the former. Of all the characteristics however,
the coloring of the plumage presents the most striking difference, |
the Gallinula Frankii having all parts tinged formely with a dark}
grayish brown, washed with olivaceous, with the exception of thel
belly, that of the throat, the color of which is somewhat lighter;)
an that of the quills and tailfeathers which are of a pure dark]
rown.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 421
Wing 5 inches (French measure) and 3 lines. Tail 2i. 4L
Tarse 42 i. Middle toe without nail 22 1. Bill 1 inch.
Hab.: New Guinea.
Porphyrio ellioti.
T. Salvadori, Atti R. Accad. Sc. Torino Vol. XIV. (Giugno
1879) p. 1168.
Oceipite, lateribus capitis et cervice summa nigris; lateribus
colli, cervice ima, pectore et lateribus saturate ceeruleis; genis
inferne, collo antico, gutture, humeris et subalaribus eoeruleo-vire-
scentibus; abdomine imo nigro; crisso albo; tibiis nigris, coeruleo-
tinetis; dorso, uropygio, supracaudalibus et alis fusco-nigris, paullum
virescentibus; remigibus primariis, earumque tectricibus exterius
eonspieue coeruleo-marginatis; cauda fusco-nigra; rostro, pedibus
et iride rubris.
Long. c. 0,400; ala 0,235; caud. 0,080; tars. 0,084; rostri a
marg. post. elypei 0,070 M.
Hab.: Isole dell’Ammiragliato.
Rallus macquariensis.
Hutton, Ibis 1879. p. 455.
(Statt einer kurzen Diagnose (Linne bestimmte für eine solche
bekanntlich drei Zeilen!) eine seitenlange Beschreibung! „Per-
haps the new species approaches Rallus Dieffenbachi more than other
species; but it is a smaller bird with a longer wing, and the dif-
ferences in plumage are considerable.“ Die peinliche Wiedergabe
jeder Feder kann hier wegen des beschränkten Raumes, der uns
zur Verfügung steht, nicht abgedruckt werden! Ersetzt auch kaum
eine kurze präcise Diagnose. Hab. Mäcquarie Island. H. S.)
ARDEIDAE.
Ardea Lansbergei.
H. Schlegel, Not. Roy. Zool. Mus. Leyden. No. 2. 1879.
2.119.
The plumage presents properly but two colors, viz. white and
blackish slate-color. The white however strongly inclines to ashy
gray on the front, the crown, the sides of the head and the basal
part of the feathers of the throat. The dark color occupies the
mantle, the whole back, the tail with its upper and under coverts,
the feathers of the thighs, the sides of the body and the whole
underside of the wings, which however are lined with white on
their external margin. The bill is of a yellowish color and the
feet appear to have been of this same color.
Wing seven inches. Bill from front twenty six to thirty lines.
Tarse thirty two to thirty five lines. Middle toe without nail twenty-
three lines.
Hab.: Macassar (S. Celebes).
MEGAPODLUDAE.
Megapodius Layardi.
Canon Tristram, Ibis 1879. p. 194.
M. supra et infra fuliginoso-niger, tergo imo et supracauda-
422 Ant. Reichenow und Herman Schalow:
libus brunneo tinetis, secundariis extremis brunneo vix lavatis;
remigibus et rectricibus atrofuseis; facie, sincipite et cervice undis
plumulis angustis, ubique sparsis, oceipite cum pileo nigro, tarsis et
pedibus laete flavis, rostro flavo, unguibus corneis, iride brunnea.
® mari similis, & lg. 17; al. 9,5; caud. 4; tars. 2,7; dig. med. 1,85;
unguis 1; rostr. a riet. 1,12; 2 lg. 15,25; al. 9; caud. 4,75; tars.
2,5; dig. med. 1,6; unguis 0,92; rostr. a rict. 1,1.
Hab.: Vat& Island, New Hebrides.
Talegallus pyrrhopigius.
H. Schlegel, Notes Roy. Zool. Mus. Leyden. No. 3. 1879.
159%
A It is in all its dimensions somewhat smaller than Zalegallus
Cuvieri. The bill is shorter, more rapidedly bent downwards and
of a brownish gray horn color and not yellow as in Tal. Cuwere,
The legs, feet and celaws are throughout of a brown horn color
and show notthe yellow tint of those parts in the common species.
The feathers of the neck and the upper part of the throat are
much more developed and more numerous. There exists finally a
very striking difference in the coloring of the upper tail coverts
and the rump, these parts being in 7. Cuvieri of the same tint
as the rest of the plumage, whereas these parts in T. pyrrhopigius
present a fine chestnut color, lively on the upper tail coverts, faint
on the rump. Wing eight inches and ten lines (French measure).
Tail five inches and five lines. Tarse three inches. Bill eleven
lines. Hab. Nordwest Neu Guinea.
TETRAONIDAE.
Bambusicola hyperythra.
Sharpe, Ibis 1879. p. 266.
Supra olivascenti — brunnea, nigro transfasciata, dorso postico
et uropygio latius fasciatis; tectrieibus alarum saturate brunneis,
late olivascenti-brunneo terminatis, majoribus sordide rufo termi-
natis; primariis brunneis, extus late sordide rufo vel rufescenti-
brunneo marginatis, secundariis autem nigro terminatis et subter-
minaliter pallide olivascenti-brunneo transfasciatis, intimis prope
apices pallide albicanti-brunneis; cauda saturate brunnea; pileo
summo nuchaque nigris faseia nigra per collum posticum angustata;
loris, supercilio angustiore, et fascia lata, per colli latera superiora
ducta, sordide eineraceis; linea nigra angusta supra et infraoculari
ad fasciam latam nigram per colli latera vera ductam conjuncta;
regione parotica et genis posticis sordide ceineraceis; genis anticis
et corpore subtus castaneo-rufis, hypochondriis magis aurantiacis,
et plumis nigris pulchre macula ovali subterminali alba ornatis;
abdomine medio albicante; subalaribus cinerascenti - brunneis,
axillaribus albido terminatis. Leg. tot. 10,5; ceulm. 0,85; al. 5,2;
caud. 2,2; tars. 1,6.
Hab.: Lumbidan, north-western Borneo.
Hematorty«.
Sharpe, Ibis 1879. p. 266.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 423
Genus affine generi Rollulo, sed hallucis ungue majore, pilei
crista minore et aliter formata, crista nuchali obsoleta, frontisque
erinibus absentibus distinguendum. Typus est
Hematortyx sanguiniceps.
Supra sepiaria, alis dorso concoloribus; cauda paullo saturatiore,
nigrieante; pileo vix cristato et nucha sordide coccineis, plumis
medialiter pallidius lineatis, fronte paullo pallidiore; capitis lateribus
pallide coceineis; gutture cervino vix coccineo lavato, plumis etiam
pallide fulvo striatis; jugulo et praepectore castaneis; corpore reliquo
subtus sepiario, plumis obscure pallidiore brunneo marginatis; suba-
laribus pectori concoloribus; subcaudalibus laetissime coccineis. Lg.
tot. 12,5; culm. 0,85; alae 5,85; caud. 2,8; tars. 1,85.
Hab.: Lawas River, Borneo.
Francolinus Petit:.
Bocage, Jorn. Sc. Math. Phys. Num. XXV Lisboa Majo 1879 p. 68.
&: Supra olivascente-fuscus; pileo unicolore; dorso alisque
fusco-variis et tenuissime vermiculatis; colli postiei et lateralis
plumis macula scapali fusciori marginibusque pallidioribus; subtus
pallidior, abdomine medio dilute fuscescente, plumis omnibus scapis
marginibusque obscurioribus; gula albicante; remigibus dilute olivas-
cente fuseis; rectricibus obseurioribus. Rostro pedibusque (ut videtur)
aurantiaco -rubentibus. Long. tot. 340, alae 185, caudae 98,
rostri 30, tarsi 55 Mm.
2: Minor; dorso fulvo nigroque laete variegato; teetrieibus
caudae et rectricibus fulvo nigroque fasciatis. Rostro pedibusque
utin mare. L. t. 310, alae 160, caudae 76, rostri 25, tarsi 50 Mm.
Hab.: Landana.
(Nach späterer briefl. Mittheilung des Autors synonym mit
Fr. squamatus Üass.)
Pternistes Lucani.
Barboza du Bocage, Jorn. Sc. Math. Phys. Lisboa Num. XXV
Majo de 1879 p. 68.
9: juv. Similis P. Oranchü, sed diversus: pectore abdomineque
maculis fuseis scapalibus nullis*; regione ophthalmica, gula, rostro
pedibusque laete rubris.
L. t. 300, alae 175, caudae 66, rostri 21, tarsi 50 Mm.
Hab.: Landana.
(* 3: striis scapalibus tenuibus fuscis. A. R.)
PHASIANIDAE.
Gallus straminevcollis.
Sharpe, P. Z. S. 1879. p. 317.
General colour above black, shot with green and purple; wing-
coverts like the back; the innermost and the scapulars with a
slight subterminal shine of coppery brown; primary coverts and
primaries black, the secondaries externally green; feathers of the
lower back and rump straw-yellow, with darker longitudinal centres
of black or green; upper tail-coverts and tail glossy oil-green;
erown of head and nape black; hind neck and neck-hackles, as
424 Ant. Reichenow und Herman Schalow:
well as sides of neck, straw-yellow, deeper on the hind neck, with
green longitudinal centres to.the feathers; remainder of under surface
of body black with a green gloss; comb short and rounded; sides
of face and entire throat bare.
Tot. length 35,5; culm 1,1; wing 9,0; tail 17,5; tars. 3,4.
Hab.: Sooloo Islands.
Pucrasia Biddulphi.
G. F. L. Marshall, Ibis 1879. p. 461.
(Keine Diagnose, sondern dafür eine Beschreibung, die über eine
Seite einnimmt! H.S.
„Mantle black, edged with grey, and tinged with rufous at
back of neck. Lanceolate feathers at side of neck black, broadly
margined with pure ashy grey. Under tail coverts rich chestnut,
with a broad tip of pure white, separated from the chestnut by a
black line. Side-feathers of the tail deep brown, conspicuously
tipped with pure white & length of wing 8,75; Light mesial
crest equal in length to the dark "sineipital tufts.
Hab.: Kashmir.
COLUMBIDAE.
Carpophaga (Globicera) Richardsi.
Tristram, Ibis 1879. p. 443.
©. cupreo-viridis; capite, cervice et tergo summo eanis; jugulo
albo-vinaceo, mento pallidiore; pectore, abdomine, crisso, femoribus
et tectrieibus caudae inferioribus castaneis; remigibus reetrieibusque
atro cyaneis viridi micantibus; cervinate tumido rubro; pedibus
rubris. Lg. 15,75; al. 9; caud. 6.
Hab.: Solomon Islands.
Janthoenas Leopoldi.
Canon Tristam, Ibis 1879. p. 193.
J. capite et corpore supra fuseis tantisper metallieis; alis caudaque
paene nigris; pectore fusco, metallice resplendente, peetore imo et
abdomine castaneis, fusco interruptis; subalaribus fuseis; rostro ad
basin rubro, ad apicem corneo, pedibus carneis. Lg. 16; al. 8,65;
caud. 9,2; rostr. a riet. 1,15; tars. 1.
Hab.: Vate Island, New Hebrides.
Macropygia Arossi.
Tristram, Ibis 1879. p. 443.
M. omnino interne castanea; oceipite et thorace nigro punctatis,
mento pallidiore; tectricibus remigum et cauda intensioribus; reetri-
cibus externis macula subterminali nigra in pogonio interiore prae-
ditis; remigibus brunneis. Lg. 15,5; al. 5,45; caud. 5,95.
Hab.: Solomon Islands.
TRERONIDAE.
Ptilopus ceraseipectus.
Tristram, Ibis 1879. p. 442.
& P. supra totus viridis; fronte solum usque ad regionem
ocularem ceraseo-purpureo; rectricibus alarum indistinete nigro
maculatis; rectrieibus quatuor externis fascia lata viridi-nigrescente,
er.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 425
postea fascia albescenti-viridi terminatis, remigibus nigrescentibus
viridi limbatis; torque pectorali flavo; pectore et abdomine ceraseis,
lateribus viridibus; subalaribus schistaceis; abdomine et crisso Havis;
rostro plumbeo pedibus ceraseis; 2 supra et subtus omnino viridis;
abdomine et crisso flavis, quoad caudam mari similis.
Lg. 8,2; al. 4—6; caud. 3,5; tars. 0,7.
Hab.: Solomon Islands.
Treron Teysmannii.
H. Schlegel, Not. Roy. Zool. Mus. Leyden No. 2 1879. p. 103.
Front, throat, rump and upper tail-coverts greenish yellow.
Under part of body yellowish green. The middle pair of tail-
feathers yellowish olive color. The other tailfeathers grayish at
the base, passing into a large band of dark bluish gray, while
more than the last third of these feathers is of a grayish white
color which spreads also over the upperside of the other tail-
feathers, but in deereasing extension towards the outer feathers.
Under tail-coverts green, very broadely margined with fulvous
yellowish white. Crown and sides of the head, neck, small wing-
coverts, shoulder-feathers and mantle green with a grayish hue;
with the exception of the hindest part of the mantle and the
hinder shoulder-feathers, which are both of a brownish red incli-
ning to purple. Quills black, but the tertiairies washed with green.
Middle wing coverts black, very broadely margined with limonyellow
like the tertiairies; great wing-coverts with somewhat smaller,
and primaries with very small yellow margins. Entire underside
of the wing bluish ashy gray.
Habitat: Sumba (Sandelwoodisland).
FALCONIDAE.
Microhierax latifrons.
Sharpe, Ibis 1879. p. 237. plate VIL
M. similis. M. fringillario, sed fronte latissima alba et fascia
alba hujus speeiei per latera colli deeurrente nulla distinguendus.
Lg. 6,5; culm. 0,45; al. 4,0; caud. 2,3; tarsi 0,75.
Hab.: Lumbidan, north-western Borneo.
Urospizias pallidiceps.
Salvadori, Ibis 1879. p. 474.
Aceipiter eruentus part. Wall. P. Z. S. 1863. p. 22 (Bourou).
Aceipiter torquatus part. Wall. Ibis. 1868. p. 11 (Bouron).
Astur Wallaeit' part. Sharpe Cat. B. 1. p. 123 (juv. Bourou).
Urospizias torguatus, part. Salvad. Ann. Mus. Civ. Gen. X.
p- 38 u. 28. 1878 (Bourou).
Nisus rufitorgues, part. Schleg. Not. Leyd. Mus. 1. p. 2. 1878
(Bouron).
Urospizias pallidiceps, Salvad. Orn. d. Papuasia e. d. Molucche 1.
p-. 64. 1879 (ex Schlegelio).
„Entire head and neck to the middle of the mantle of a light
greyish white, inclining to a vinous colour on the chest. Breast,
belly, under tail-coverts, thigh-feathers, and under wing-coverts of
426 Ant. Reichenuow und Herman Schalow:
a vinous rusty-red colour. Underside of quills and tail feathers
light grey. All the upper parts behind the mantle, back, outside
of wings, and upperside of tail slaty grey. Cere yellow. Length
of wings 7 inch. 5 lines, tail 5,3, tars. 1,9, middle toe (without
nail) 1,3, hind toe 0,8, distance from the tips of the primaries to
the tips of the secundaries 2,4.‘ Schlegel in litt.
Hab.: Bourou.
STRIGIDAE.
Asio butrio.
Hume, Stray Feathers Vol. VII No. 3—5, Dec. 1878. p. 316.
(Zu verbessern für Asio butbro in: Compendium I, Journ. f.
Orn. p. 311; daselbst Diagnose. A. R.).
Strix inexspectata,
H. Sehlegel, Notes from the Royal Zool. Mus. Leyden No. 1,
1879. p. 81.
In general appearance, size and distribution of colours, Striz
inexzspectata recalls to the mind Strix Rosenbergii, but
it shows, on a close examination very different characteristics. One
of the most striking of these is the shortness of the wings, occa-
sioned by much shorter primaries which overreach the secundaries
in a degree lesser than the half as it is the case in Strix Rosen-
bergü, as will be seen from the comparative measures of the fore-
said part designated under the name of point of wing. Another
very remarkable character occurs in the black bars both of the
primaries and secundaries being smaller and more numerous in
our new species and fading gradually away on the underside of
the inner webs of the primaries, running or passing from the last
to the first of these quills, the latter showing no bars at all. The
ground-colour of the underside of the primaries is moreover much
darker and gray with a oilverish hue. The tail of Strix inexspec-
tata is furnished with nine bars, that of Strie Rosenbergü only
with five. The downy feathers of the tarsus are more developped
and cover the foot down to the toes, exactly as in Sirix Novae
Hollandiae and castanops. The toes are somewhat shorter and
much more slender. The ground-colour of the upper parts is a
very bright rufous and not shaked with gray, but the white spots
are smaller. The ground-colour of the underside of the body is
as rufous as in the darkest specimens of Strix Rosenbergü, but
the face is darker and as dark as in Strix castanops and Novae
Hollandiae.
I state in addition to the foregoing remarks that in Sirix
inexspectata the first primary shows eight the second nine black
bars, where as there are seven such bars on the secondaries. In
Strix Rosenbergii, there are, on the contrary, only four bars on the
first primary, five on the second, and four on the seeundaries.
The measure of the principal parts of Strix «nexspectata are
as follows. Wing nine and a half inches; point of wing 20 to 24
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 427
lines; tail four inches six lines; tarsus 2Y/, inches; middle toe
16 lines. Hab. Nord Celebes.
Strix Oustaleti.
Hartlaub, J.f. O. 1879. p. 191.
Hab.: Viti-Levu.
Strix tenebricosa Arfaki.
H. Schlegel, Not. Roy. Zool. Mus. Leyden. No. 2. 1879.
p. 101.
The bird is in New Guinea the representant of Szrix tene-
dricosa Gould from South-Eastern Australia. Closely resembling
the latter, it differs by its smaller size, by the white spots of the
feathers being larger and more regular orbicular and by the light
sooty brown color of the face strongly inclining to white.
Measures (French): Wing 9 inches 1 line; tail 4 inch. 4 L.;
tarse 30 lines; middle toe (without nail) 18 lines,
Hab.: New-Guinea.
TRICHOGLOSSIDAE.
Oharmosyna Margarethae.
Tristram, Ibis 1879. p. 442. tab. XL.
C. fronte, regione oculari, mento, thorace et collo toto rubris;
occipite nigro, pectore et tergo monili aurantiaco ceireumdatis, hoc
nigro arcte fimbriato; tergo viridi; uropygio aurantiaco-viridi; cauda
graduata, rectricibus quatuor mediis rubris aurantiaco terminatis,
rectricibus lateralibus ad basin rubris, utrinque viridescenti-nigro
limbatis et aurantiaco terminatis; remigibus nigris, in pogonio
externo viridi lavatis; abdomine rubro; crisso viridi; pedibus et
rostro carneis. Long. tot. 7,8; al. 3,85; caud. 4; tars. 0,5; mandib.
sup. 1,6; mand. inf. 0,3.
Hab.: Solomon Islands.
Trichoglossus caeruleiceps.
(In Compendium I, p. 313 des Journ. f. Orn. ist das folgende
Citat bei vorstehender Art nachzutragen:)
d’Albertis et Salvadori, Ann. Mus. Civ. Gen. XIV. 10.
Marzo 1879. p. 41.
PALAEORNITHIDAE.
Tanygnathus Burbidgii.
Sharpe, P. Z. 8. 1879. p. 313.
Similis 7. Mueller‘, ex Celebes, sed dorso toto sordide prasino,
capite flavicanti-viridi et alis omnino viridibus distinguendus.
Hab.: Sooloo Islands.
CUCULIDAE.
Cuculus Audeberti.
H. Schlegel, Notes Roy. Zool. Mus. Leyden No. 2. 1879.
»9B:
5 Similar to ©. sparveroides Vig. but the whole underpart of an
uniform pure white, without the least trace of longitudinal streaks
on the chest, or transverse bands on the breast, flanks, and belly;
nor is the chest by no means washed with rufous. The feathers
428 Ant. Reichenow und Herman Schalow:
of the shanks equally white and only marked, instead of by nume-
rous regular bands, by a few dark transverse spots. The under
tail-coverts, one inch longer than in (uculus sparveroides, show,
on the contrary, each, several large and complete transverse black
bands, whereas in the Indian species this marking oceurs only
accidentally and is, moreover, reduced to a few obsolete and im-
perfect transverse spots. The under coverts of tne wing are pure
white, and not of a rufous colour, transversed with brownish
black bands. The black bands, so conspicuous on the inner webs
of the quills in the Indian bird are entirely wanting in the
species of Madagascar. The dark colour of the upper parts is,
in our new bird, more dusky, without any reddish hue or ashy
tinge. The tail-feathers show the usual terminal large black band,
but it is bordered, at the end, with white and followed by a white
spot, but the other bands, four or five in number, which render the
tail-feathers of the Indian species so conspicuous, do not exist in
our new bird. Last of all, it must be observed that the bird has
the extremities of both series of quills and of the great wing-
coverts margined with pure white and that the bill is stronger and
much larger at its base and that the nostrils have not a sort of
tubular aspect but that of a simple oblique split. Iris of an uniform
black color.
Measures of a female speeimen: Total length fourteen inches
(French measure). Wing eight inch. and nine lines. Tail eisht
inch. Tarse eleven lines. Bill from front eleven lines.
Hab.: Madagascar.
PICIDAE.
Dendropicus Sharpii.
M.E. Oustalet, Nouv. Arch. d. Mus. 11. S., T. IL, Fasc. I. p. 62.
D. Lafresnayi affınis, sed colore et statura diversus: pileo
fusco-rufescente, occipite coccineo, cristato; eapitis lateribus gulaque
albis, vix nigro striatis; dorso et uropygio laete olivaceo-flavescen-
tibus; caudae tectrieibus superioribus dorso concoloribus; alarum
tectricibus fuseis, albido limbatis; remigibus brunneis, extus flavo,
intus albido transversim signatis; reetrieibus brunneis flavido utrinque
signatis; remigum et rectrieum scapis flavis; subtus albo-virescens,
crebro nigrante striolatus, rostro et pedibus fusco-plumbeis. —
Q: mari concolor, sed oecipite nigro.
& juv: dorso transversim fusco zonato, gula striata, oceipite
rubro et nigro maculato.
Long. tot. 0,130; ala 0,085; cauda 0,055; culmen 0,010; tarsus
0,013 M.
Hab.: Ogowe (Westafrica).
ALCEDINIDAE.
Ceyz gentiana.
Tristram, Ibis 1879. p. 488 tab. XI.
C. rostro nigro; capite nigro, ultramarino striato, macula inter
nares et oculos necnon macula postauriculari albis, dorso medio et
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 429
cauda azureo resplendentibus, utrinqgue ultramarino eircumdatis;
alis ultramarino striatis, remigibus atris: subtus tota alba. Lg. tot.
5,8; rostr. 1,8; al. 2,5; caud. 1,25; tars. 0,55; dig. med. 0,6; dig.
post. 0,2.
Hab.: Solomon Islands.
TROCHILIDAE.
Bourceria assimklis.
D. G. Ellioth, Monogr. of the Trochilidae 1879. p. 78.
Top of head blackish-brown; nape black with a bluish gloss.
Back black, but viewed from behind iridescent, being metallic-red
sraduating into golden on the rump. Chin brownish-black; throat
metallic-purple.. On either side of the chest a large patch of
white. Under parts black with a purple gloss. Under tail coverts
black fringed with white; upper tail coverts dark purple. Tail
purplish-black. Bill black. Total length 4°, in. Wing 27], in.
Tail 2 in. Culmen 1'/,, in. Although the general plumage of the
bird is like the B. prunelli, the coloring of the throat is very
difierent, approaching that of the B. Wülsoni. Hab. Ecuador.
Campylopterus phainopeplus.
Salvinand F. du Cane Godman, Ibis 1879. p. 202.
& splendide viridescens, capite summo et fronte paulo obseurio-
ribus, gula tota nitide caerulea, alis et cauda chalybeo-cyaneis, hac
unicolori: Lg. 5,3, al. 2,8, caud. 1,8, rostr. a. rict. 1,1.
Hab.: Sierra Nevada de Santa Marta, Columbia.
Leueolia Pelzelni.
Taczanowski, P. Z. S. 1879. p. 239.
? Rostrum subarenatum, dimidia parte corporis sublongius;
pileo viridi nitido; corpore supra viridi-subcupreo; cauda subtrun-
cata, vix emarginata, rectrieibus viridi-aeneis, externis in apice
cinereis et macula longitudinali fusca notatis; corpore subtus albo
sericeo; lateribus colli et capitis maculis splendidis viridi-caeruleis
ornatis; lateribus epigastrii viridi maculatis; ventris lateribus viri-
dibus; subcaudalibus albis.
Hab.: Guajango, Nord du P£rou.
CYPSELIDAE.
Cypselus Lowi.
Sharpe, P.’2.S. 1879. p. 333.
©. similis C. infumato, sed multo major, et corpore subtus
cinerascente et cauda vix fuscata distinguendo. Lg. 5, al. 5,3, caud. 2,
tars. 0,7.
Hab.: Labuan Island.
AMPELIDAE.
—ÖOhiromachaeris coronata.
Boucard, P. 2. 8.1879. 9.478 pl. AVIE
Head black encircled by yellow feathers forming a coronet;
back, tail-and wing coverts silky black; wings and tail brownish
black, paler internally; throat and breast black; abdomen and
under tail-coverts grey with a whitish spot in the centre of each
430 Ant. Reichenow und Herman Schalow:
feather, but this can only be seen by separating the feathers;
under wing-coverts white with yellow edges; bill on the upperside
black, paler underneath; feet yellow. Tot. Igth. 3/, inches, bill 4!/,
lines, wing 2 inches, tail 1 inch.
Hab.: Columbia.
Pipreola Lubomirskii.
Taczanowski, P. Z. S. 1879. p. 236. pl. XXI.
g laete viridis, capite colloque antico nigro coracinis; abdo-
mine medio, crisso subceaudalibusque luteis; rostro corallino; pedibus
nigricantibus, iridibus aurantiacis.
9 mari similis, capite dorso concolori, pectore abdomineque
flavo striatis; subcaudalibus flavis viridi maculatis; rostro rubro-
brunneo.
Hab.: Tambillo, Nord du Perou.
TYRANNIDAE.
Leptopogon minor.
- Taczanowki, P. Z. S. 1879. p. 233.
Supra olivaceo viridis, pileo schistaceo, supereiliis albidis,
macula auriculari nulla, subtus flavus, gula albida, alis nigricantibus
rufo bifasciatis, secundariis rufescenti marginatis. Rostrum nigrum;
pedes nigricantes; iris fusco-brunnea.
Hab.: Tambillo, Nord du Perou.
ANABATIDAE.
Synallazis maranonica.
Taczanowski, P. Z. S. 1879. p. 230.
Capite et nucha brunnescenti-griseis, superciliis pallidioribus vix
distinctis; dorso rufescenti-brunneo; subtus grisea, hypochondriis
brunnescentibus; alis viride cinnamomeis, cauda obscuriore. Rostri
nigricantis mandibula inferior pallida; pedes fusci, iris fusco-brunnea.
Hab.: Guajango; Nord du Perou.
CINNYRIDAE.
Oinnyris (2?) dubia.
Ramsay, Proc. Linn. Soc. New. South. Wales. 1879. p. 83.
Ad. &, all the front of the head, sides of the head, crown,
ear coverts, and throat black; back of the neck, chest, and all
the upper and under surface of the body, olive yellow, of a clearer
yellow on the inter-capular region and back; wings and tail fus-
cous black; the outer webs of all the quills, except the first two
primaries, and the outer two rectrices, margined with olive yellow;
under wing coverts, and the basal portion of the inner webs of the
quills, white; axillaries, yellowish; under surface of the wings and
tail; blackish brown under tail-coverts dark brown washed with
olive yellow. T. length 4, wing 2—6, tail 2, tars. 0,7, bill 0,86.
Hab.: Savo, Solomon Islands.
MELIPHAGIDAE.
Glycyphila satelles.
Canon Tristram, Ibis 1879. p. 185.
G. supra olivaceo-cinerea; cauda viridescente, remigibus et
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 431
rectrieibus fuseis, olivaceo marginatis; subtus, thorace et peetore
olivaceo-fuscis, nec fuscis; abdomine item flavescente. Leg. 5,45,
al. 2,6, caud. 2,25, rostr. a. rich. 0,7.
Hab.: Lifu, Loyalty Islands.
Myzomela caledonica.
rorbes, P. 2. 8.1878. p. 260.
& M. sanguinolentae simillima, sed tectricibus alarum
marginibus albidis carens.
Hab.: Nova Caledonia.
Myzomela Lifuensis.
Canon Tristram, Ibis 1879. p. 186.
M. & nigerrimus; capite, thorace, tergo et uropygio coceineis,
linea oculari ad nares nigra, rostro pedibusque nigris. ? tota fusca,
fronte et gula rubidis. Long. tot. 4,25; al. 2,3; caud. 1,9; rostr. a
rictu 0,65.
Hab.: Lifu, Loyalty Islands.
Myzomela Sclateri.
Borbess P. 2 8.1819. p. 265. pl. AXV. fie. 2
& corpore supra, alis caudaque fusco-nigricantibus, eapite satu-
ratiore, plumis dorsi inferioris apice flavidis; remigibus, alarum
tectrieibus et rectrieibus externe olivaceo-flavo limbatis ; gula splendide
coceinea; corpore subtus griseo-favido, gutture sordidiore; subala-
ribus et margine interna remigum albis; rostro nigro pedibus
obseuris. Lg. circa 4,5; al. 3,65; caud. 1,7; rostr. 0,6; tars. 0,59.
Hab.: Nova Britannia.
Myzomela splendida.
Canon Tristram, Ibis 1879. p. 191.
M. corpore, alis et cauda nigris, capite, cervice, tergo, et
uropygio thorace et pectore summo coceineis, linea oculari nigra.
9 fusca, fronte et gula rubescentibus. Lg. 5,6; ala 6; al. 0,30;
caud. 2,2; rostr. a riet. 0,85.
Hab: Tauna, New Hebrides.
Zosterops vatensis.
Tristram, Ibis 1879. p. 444.
3. Z. griseonotae aflınis, sed robustior, rostro fortissimo,
thorace et collo favis, abdomine et erisso cinereo-albis. Lg. tot. 5,4;
al..2, 55; caud. 2,2.
Hab.: Solomon Islands.
LIOTRICHIDAE.
Dendrocitta cinerascens.
Sharpe, Ibis 1879. p. 250 plate VII.
D. affınis D. oceipitali ex Sumatra, sed dorso cinerascente,
pileo einereo et plaga oeccipitali alba nulla, facile distinguenda. Lg.
tot. 15,5; culm 1,15; al. 5,3; caud. 10; tars. 1,1.
Hab.: Lumbidan, north-western Borneo.
Janthocincla Treachert.
Sharpe, P. Z. S. 1879. p. 248.
J. similis J. mitratae ($. Müll.) ex Sumatra, sed genis, mento
432 Ant. Reichenow und Herman Schälow:
et regione parotica sicut caput castaneis facile distinguenda. Lg. 10;
culm. 0,85; al. 4,15; caud. 4,5; tars. 1,5.
Hab. North western Borneo.
Thryothorus Selater:i.
Taczanowski, P. Z. S. 1879..p..222,
Supra griseo-rufus, pileo vix rufescentiore ; subtus albo nigroque
undulatus; genis et lateribus colli albo nigroque variis; supereiliis
albis nigro maculatis; cauda griseo nigroque transfasciata, fasciis
rectricum externarum albis. Rostrum corneum; pedes grisei; iris
fusco-brunneo.
Hab.: Guajango, Northern Peru.
BRACHYPODIDAE.
Andropadus marchei.
M.E. Oustalet, Nourv. Arch. Mus. S. II, T. II, Fase. I p. 100.
A. flavostriato aftinis, sed rostro robustiore nigrescente, alis
longioribus: supra brunneo-olivaceus, infra sordide albescens,
hypochondriis olivaceo tinctis, gula albida, pedibus nigrescentibus.
Long. 0,205; ala 0,110; cauda. 0,110; culm. 0,017; tars. 0,023 M.
Hab.: Ogowe (West-Africa).
Buchanga stigmatops.
Sharpe, P.Z. S. 1879. p. 247.
DB. similis B. leucophaeae, sed macula lorali alba magna
distinguenda. Lg. 10; culm. 0,9; al. 5,5; caud. 5,1; tars. 0,7.
Hab.: North western Borneo.
Chibia Borneensis.
Sharpe, P. Z. 8. 1879. p. 246.
C. similis C. pectorali ex insulis Sulaensibus, sed plumis
lanceolatis colli lateralis metallice chalybeo-viridibus nec purpura-
scentibus, et maculis jugularibus et praepectoralibus valde minoribus
et conspicue metallicis chalybeo-viridibus distinguenda. Lg. 10;
culm. 1,3; al. 5,9; caud. 4,5; tars. 0,85.
Hab.: North Western Borneo.
Criniger ruficrissus.
Sharpe,P. Z.S. 1879. p. 248.
C. similis ©, gutturali, sed supra ubique sordidior, supracau-
dalibus caudaque saturate rufescenti-brunneis; loris et regione
oculari cum genis et regione parotica sordide cinereis, gula alba,
corpore reliquo subtus sordide olivascente, subcaudalibus castaneis.
Lg. tot. $; culm. 0,85; al. 4,0; caud. 4,0; tars. 0,7.
Hab.: North western Borneo.
Jxzidia wedbberi Hume.
Stray Feathers Oct. VIII No. 1. 1879. p. 40.
Like J. sguamata, but the yellow of upper surface darker
and more olivaceous; the abdomen and flanks like the breast, and
almost the whole inner web of the outer tail-feather white.
Length 6,0; wing 3,2; tail 2,75; tarsus 0,6; bill, at front,
from frontal bone 0,62.
Hab.: Tonka (Malacca).
|
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 433
Rubigula montis.
Sharpe. P. Z. 8.1879. p. 247.
R. similis R. Aaviventri, sed multo minor et gula flava nee
nigra distinguenda. Lg. tot. 5,7; culm. 0,5; al. 3,1; caud. 2,8;
tars. 0,7.
Hab.: North western Borneo.
CAMPEPHAGIDAE.
Dierurus Sharpei.
M. E. Oustalet, Nouv. Arch. du Mus. S. IL, T. I, Fase. I
p. 97.
D. Ludwigü affınis sed rostri et alarum longitudine pluma-
rumque coloribus diversus; corpore toto nigerrimo, nitore vix sub-
ceoeruleo, nec aeneo; rostro et pedibus nigris.
Long. tot. 0,180; ala 0,105; cauda 0,100; culmen 0,018;
tarsus 0,016 M.
Hab.: Ogowe (Westafrica).
Edoliisoma Salomoniıs,.
Tristram, Ibis 1879. p. 440.
2 E. supra totum cinereum; alis et cauda nigris, tectrieibus
superioribus arcte cinereo marginatis; loris nigris; gula, pectore,
abdomine, tectrieibus inferioribus et subalaribus laete castaneis;
rectrieibus externis castaneis pogonio interno ad basin nigro, proxi-
mis castaneo marginatis, tertiis stria castanea terminali praeditis,
mediis einereo tinetis.
2 jr. superne cinereum, plumis undique albo terminatis; tectri-
cibus superioribus, primariis et secundariis rufo terminatis: subtus
castaneum, maculis infrequentibus nigris. Lg. tot. 8,6; al. 4,25;
caud. 4; tars. 0,9.
Hab.: Solomon Islands.
Graucalus Lifuensis.,
Canon Tristram, Ibis 1879. p. 190.
@G. unicolor, totus niger, intense fuliginosus, minime cinereus.
be. 14; al. 7,5; caud. 0,7; tars. 1,25; rostr. a riet. 1,75; Sexus
similes.
Hab.: Lifu, Loyalty Islands.
Graucalus monotonus.
Tristram, Ibis 1879. p. 441.
@G. supra et subtus caeruleo-cinereo; loris, remigibus primariüs
et secundariis nigris, his ad marginem cinereo lavatis; reetrieibus
mediis nigris cinereo adumbratis, lateralibus cinereo terminatis;
rostro et pedibus nigris. Lg. tot. 9,75; al. 4,75; caud. 4,3; tars. 1;
rostr. a riet. 1,25.
Hab.: Solomon Islands.
Graucalus pusillus.
Ramsay, Proc. Linn. Soc. New. South Wales 1879. p. 71.
ad. The whole of the upper and under surface is of a bluish
lead grey, the tail becoming black above, washed with bluish grey
on the outer webs of the centre two feathers, and dull blackish
Cab. Journ. f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 148. October 1379, 28
434 Ant. Reichenow und Herman Schalow:
with an ashy grey tinge below; wings black, the third and remaining
quills margined narrowly on the primaries, broadly on the secondaries,
with the same tint as the back, which increasing on the tertiaries
occupies the whole of their outer web, the under surface of the
wing is asıy grey, becoming whitish ash colour towards the bare
of the inner webs; the under wing-coverts and axillaries with narrow
transverse bars of black and white. The lores from the nostrils
to the eye are black, which color is slightly produced anteriorly
beneath that organ; bill and legs black. Lg. 8,5; wing 4,9; tail 4,2;
tars. 4,2.
Hab.: Guadalcanar, Solomon Islands.
AÄrses aruensis.
R.B.Sharpe, Notes Roy. Zool. Mus. Leyden. No. 1 1879. p. 22.
? ad. macuia anteoculari aurantiaca; pileo nigro; dorso fusces-
centi-brunneo, collo postico aurantiaco dissimili; supracaudalibus
vix aurantiaeis, pallidioribus; cauda fuscescenti-brunnea. Hab. in
insulis Aruensibus et in Nova Guinea meridionali.
The male in this species only differs from that of A. telescoph-
thalmus in being rather smaller and in having the a on the
throat less extended.
Arses batantae.
R.B. Sharpe, Notes Roy. Z. Mus. Leyd. No. 1 1879. p. 21.
2: Macula anteoculari alba; pileo semper cinereo; dorso au-
rantiaco, alis dorso concoloribus , secundariis intimis omnino au-
rantiacis, medialiter haud brunneis, vel saturatioribus; uropygio et
supracaudalibus dorso concoloribus; cauda aurantiaco-castanea, haud
ad apicem brunnescente.
Hab. in insulis papuanis „Batanta“ „Waigiou“ dietis. The
male as well as the female is larger than A. telescophthalmus,
and the eye-wattle in tlie male bird appears to have been yellow
during life.
Clytomyias.
R.B.Sharpe, Notes Roy. Z. Mus. Leyden No. 1 1879. p. 31.
Genus Museicapidarum inter genera Todopsis et, Malurus inter-
cedens, sed cauda quam ala longiore et valde gradata, tarso quam
culmen longiore, ala rotundata, remigibus primariüs cubitales a
longitudine culminis haud excedentibus, rostro valde depresso,
culminato, elongato, latiore quam altum, distinguendum.
Typ.: Olytomyias insignis.
Olytomyias insignis.
R. B. Sharpe, Notes Roy. Z. Mus. Leyden No. 1 1879. p. 31.
2 ad: supra olivaceo - cinerascens, supracaudalibus ochra-
scenti-fulvo terminatis; reetricibus brunneis hoc colore lavatis,
lateralibus pallide ochrascenti-fulvo terminatis; teetricibus ala-
rum minimis ochrascenti-brunneis, medianis et majoribus fuscis
sordide ochrascenti-fulvo marginatis; remigibus fuscis extus rufes-
cente marginatis; pileo summo nuchaque, capitis lateribus, genis
et regione parotica castaneis; loris fulvescentibus; gula alba;
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 485
corpore reliquo subtus fulvescente, hypochondriis saturatius fulvis;
pectoris summi lateribus saturatioribus et magis olivaceo lavatis;
tibiis castaneis; subcaudalibus fuseis castaneo terminatis; subala-
ribus cervinis; remigibus infra fuscis intus rufescente marginatis.
Long. 5,3; culmen 0,6; ala 2,15; cauda 2,7; tarsus 0,9 poll.
Hab.: Tjobonda in montibus arfakianis.
Monarcha Brodie:.
Ramsay, Proc. Linn. Soc. New South Wales. 1879. p. 80.
ad &. I'he whole of the head, chin and throat, ear coverts,
and all the upper surface of the body, wings and tail deep shining
black; wings below blackish brown, a little lighter on the margins
of the inner webs, under margin of the shoulder black, some of
the feathers tipped with white, under wing coverts white; smaller
wing coverts above, and the shoulders black, the greater secondary-
coverts white, forming a large white patch on the wing, tail dull
black below, the outer three rectrices largely tipped with white.
From near the angle of the mouth, and below the ear-coverts
extending on either side of the throat and neck a broad patch of
white, joining the chest, which with the remainder of the under
surface and under tail coverts is white; thighs black tipped with
white; the featers of the throat elongate, spreading of the white
on the sides and capable of semi-erection as in M. loricata
Wall, M. leucotis Gould and M. verticalis; the feathers on
the forehead short and erect; legs lead color; bill black at the
base, culmen and tip, sides bluish-white, margins and tip of lower
mandible whitish; bristles black shorter than the bill. Tot. Igth.
5,6, wing 5, tail 2,85, tars. 0,74, bill 0,63.
Hab.: Lango, Guadalcanar, Solomon Islands.
Myiagra cervinicauda.
Tristram, Ibis 1879. p. 439.
M. M. modestae Gr., aftinis;, capite plumbeo, dorso ferrugineo
tincto, pectore et abdomine castaneis; rectricibus tribus exteriori-
bus per totam longitudinem laete cervinis, ceteris brunneis neque
albo terminatis. Long. tot. 4,8, al. 2,47, caudae 2,42.
Hab.: Solomon Islands.
Myiagra ferro-cyanea.
Ramsay, Proc. Linn. Soc. New South Wales. 1879. p. 78.
ad. d. The whole of the head, neck, upper part of tlıe chest,
the back, rump, and upper tail and wing-coverts black, with
steel blue reflections; wings and tail above black; under wing-
coverts, and the basal portion of the secondaries and all except the
first two primaries, white in the inner webs, remainder of the
feathers blackish brown; tail below black, under tail coverts, and
a narrow line at the base on the inner web of the outer two
feathers pure white; the lower part of the chest, the breast, thighs,
and remainder of the under surface snow white. The feathers on
the crown of the head slightly produced, erectile.
Tot. lg. 5, wing 2,6, tail 2,5, tars 0,65.
28*
436 Ant. Reichenow und Herman Schalow:
Hab.: Guadalcanar, Solomon Islands.
Myiagraintermedia.
Canon Tristram, Ibis 1879. p. 189.
d corpore supra schistaceo, pileo intensiore, thorace et pectore
laete castaneis, abdomine albo; reetrieibus externis albo marginatis
in utroque pogonio, ceteris rectrieibus albo arcte terminatis.
? mari similis, sed pectore et thorace dilutioribus. Lg. 5,25, al. 2,87,
caud. 2,75, rostri a rietu 0,75, tars. 0,65.
Hab.: Lifu, Loyalty Islands.
Myiagra luguieri.
Canon Tristram, Ibis 1879. p. 188.
3 & 2. Supra tota nitide nigro-virescens, infra gula et pectore
splendenti-nigro-virescentibus; abdomine, subeaudalibus et subalari-
bus albis; rectricibus ad apicem albo marginatis, rectrice extima
in pogonio interno albo marginata, rostro et pedibus nigris. Lg. 5,7,
al. 2,8, caud. 2,96, rostr. a rietu 0,75, tars. 0,7.
Hab.: Lifu, Loyalty Islands.
Myiagra pallida.
Ramsay, Proc. Linn. Soc. New South Wales. 1879. p. 79.
The whole of the head, except the throat, ear coverts, back
of the neck, and mantle dark bluish ashy grey; back brown, with
a rufous tinge; wings dark brown; the shoulders ashy; the pri-
maries, all except the first two, narrowly margined except at the
tip, and the secondaries broadly margined with pale rufous; sca-
pulars and upper coverts washed with the same tint, upper tail-
coverts and tail pale rufous, the centre two feathers, and the two
on either side on the outer web, washed with brown; under surface
and the under tail-coverts light rufous; the inner webs of the
secondaries, and basal portions of the inner webs of the primaries
pale rufous buff; under wing-coverts white; throat, chest, and
remainder of the under surface white; bill bluish horn color; legs
lead blue. T. length 5, wing 2,6, tail 2,5, tars, 0,55, bill 0,65.
Hab.: Lango, Guadaleanar, Solomon Islands.
MyiVagratannaensis.
Canon Tristram, Ibis 1879. p. 192.
d copore supra schistaceo, pileo nigrescente, thorace et pectore
laete castaneis, abdomine dilutiore, reetricibus fuseis, pogoniis
internis pallido albo limbatis. 2 mari similis, coloribus subtus
dilutioribus. Lg. 5,25, al. 2,75, caud. 2,6, rostr. a riet. 0,65,
tars. 0,65.
Hab.: Tanna, New Hebrides.
Piezorhynchus vidua.
Tristram, Ibis 1879. p. 459.
P.3 capite nigro resplendente; collarialbo, dorso nigro ; uropygio
albo, cauda nigra, rectrieibus tribus externis albo terminatis; teetri-
cibus superioribus albis, mediis margine nigro circumdatis; remigi-
bus nigris; mento et thorace nigris; pectore, abdomine et crisso
albis. Leg. tot. 5,95, al. 3, caud. 3, tars. 0,8.
Compendium der neu beschriebenen Arten und Gattungen. 437
Hab.: Solomon Islands.
Rhipidura cervina.
Ramsay, Proc. Linn. Soc. New South Wales. III. 1879. p. 340.
All the upper surface dull earthy brown; the frontal feathers
tinged with ashy brown at the base, the lores, sides of the head,
and ear-coverts of a slightly darker tint of brown than that of
the head, a line of buff over the eye; throat whitish; chest, and
‚all the under surface, and the under wing-coverts light fawn color,
a little paler on the under tail-coverts; wings blackish brown, the
secondaries narrowly margined on the outer web with buff, the
scapularies rather broadly margined with white and buff; the coverts
of the secondaries and scapularies distinetly tipped with buff; tail,
blackish brown, lighter on the inner webs, the shafts of all, except
the centre two feathers, white on both sides; the outer feathers,
on either side, margined on both webs, and largely tipped with
buffy white, all the rest, except the centre two, margined on the
inner webs with the same tint; bill black; feet and legs blackish
brown; bristles black, extending to beyond the bill. Tot. Igth. 6
inch.; wing. 3 inch.; tail 3,65; tars. 0,8.
Hab.: Lord Howes Islands.
Rhipidura elegantula.
R. B. Sharpe, Notes Roy. Zool. Mus. Leyden No. 1.1879. p. 23.
R. affınis R. sguamatae ex Banda, sed capite nuchaque cin-
namomeis dorso concoloribus et pectore albo, nee nigro alboque
squamato, valde diversa.
Long. 6,5; ala 2,9; cauda 3,9; tarsus 0,85; rostr. a fronte
0,5 inches. -
Hab. in insula „Lettie‘“ dieta.
Rhipidura rubrofrontata.
Ramsay, Proc. Linn. Soc. New South Wales. 1879. p. 82.
This species comes close to R. torrida Wall, P. Z. S. 1865.
p. 477. but is smaller, has the ear coverts brown, not black; the
black of the chest confined tho that region and not extending over
the breast; more rufous on the forehead; and much more white
on the tips of the tail feathers.
Lgth. 5,2; wing 2,6; tail 3,1; tars. 0,7; bill 0,55.
Hab.: Lango, Guadaleanar, Solomon Islands.
(Fortsetzung folgt.)
Allgmeine dentsche urnithulagische Gesellschaft zu Berlin.
Bericht über die September-Sitzung.
Verhandelt Berlin, Montag den 1. September 1879,
Abends 71), Uhr, im Sitzungslocal, Unterden Linden 13.
Anwesend die Herren: Falkenstein, Leschke, Krüger,
Hausmann, Mützel, d’Alton, Cabanis, Reichenow,
438 Bericht über die September-Sitzung.
Schalow, Böhm, Walter und Grunack. Von auswärtigen
Mitgliedern: Herr Reg. Rath Henriei (Frankfurt a. d. ©.)
Vorsitzender: Herr Cabanis. Schriftführer: Hr. Schalow.
Die erste Sitzung nach den Ferien ist spärlich besucht, da
noch viele Mitglieder abwesend sind.
Herr Cabanis hat in einer früheren Sitzung eine kleine
Macrony»-Art vorgelegt, die von dem Afrieareisenden Hildebrandt
in einem Acazienhain in Taita gesammelt und von dem Vor-
tragenden als Macronyx tenellus beschrieben worden ist. Die
s. Z. erhaltenen Exemplare, ein $ und 9, waren anscheinend noch
jüngere im Uebergangs-Kleide befindliche Vögel und noch nicht
vollkommen ausgemausert. Der Vortragende hatte schon damals
bei der Characterisirung dieser neuen Form darauf aufmerksam
gemacht, dass die Tibia bei dieser Art nicht bis zum Ende be-
fiedert sei, sondern nur ungefähr bis zur Mitte Federn trage. Der
untere, nackte Theil der Tibia ist mit Schildehen besetzt. Ein
schönes ausgefärbtes altes $, welches von Dr. Fischer im Wapo-
Komolande gesammelt und mit einer reichen Sammlung anderer
Arten vor kurzem an das Berliner Museum gelangte, zeigt nun
denselben eigenthümlichen Character und beweist zugleich, dass der-
selbe constant bei dieser Art vorkomme. Auf Grund dieses wichtigen
Momentes trennt Herr Cabanis die Art von dem Genus Macronyx
und erhebt sie zum Typus einer eigenen Gattung, für welche er
den Namen T7metothylacus in Vorschlag bringt. Typus der Gattung.
ist: Tmetothylacus tenellus (Cab.) Der Vortragende schliesst
seine Bemerkungen über diese Art mit dem Wunsche, dass wir
bald in den Besitz biologischer Beobachtungen über diesen Vogel
gesetzt werden möchten.
Herr Reichenow legt die 3. und 4. Lieferung seiner „Vogel-
bilder aus fernen Zonen“ vor und bespricht die auf den Tafeln
dargestellten Arten in eingehender Weise. Wie den bereits er-
schienenen Lieferungen so ist auch diesen beiden vorliegenden,
die demnächst zur Ausgabe gelangen werden, in Bezug auf
die Zeichnung der einzelnen Arten wie auch auf die treftliche
Wiedergabe durch den Farbendruck das uneingeschränkteste Lob
zu zollen.
Herr Reichenow legt 17 neue Arten vor, welche sich in
einer Sendung des Herrn Dr. G. A. Fischer gefunden haben.
Bericht über die September-Sitzung. 439
Herr Dr. Fischer hat sich augenblicklich als Arzt in Zanzibar
niedergelassen und damit dürfte ein gewisser Abschnitt in den
zoologischen Arbeiten des genannten Forschers eingetreten sein.
Herr Reichenow giebt eine kurze Uebersicht über die ausser-
ordentliche Thätigkeit, die der Genannte auf ostafrieanischem Boden
entwickelt hat und weist auf die grossen Verdienste hin, die sich
die Arbeiten und Sammlungen Fischer’s um die Erweiterung unserer
Kenntniss der ostafriecanischen Avifauna erworben haben.
Dr. Fischer verliess um die Mitte des Novembers 1876 Europa
und begab sich nach Zanzibar. Hier hielt er sich längere Zeit
auf, um seinen Reisegefährten, Herrn Ingenieur Denhardt, der
später Deutschland verliess, zu erwarten, um mit demselben den
Versuch zu machen, den Tanafluss aufwärts zu gehen, nach Witu
vorzudringen und auf diesem Wege das unbekannte Innere des
africanischen Continentes zu erreichen. Während seines Aufenthaltes
in Zanzibar durchforschte Fischer auf das eifrigste dieses Gebiet
und sandte reiche Sammlungen, unter denen sich auch mehrere
neue Arten befanden, die von ihm und dem Vortragenden im Orni-
thologischen Centralblatte beschrieben worden sind, nach Berlin.
Vor allen Dingen aber sind es ausserordentlich reiche, umfangreiche
und sorgfältige biologische Beobachtungen, die Fischer sammelte
und in seinen „Brieflichen Reiseberichten‘“ im Journal für Ornithogie
veröffentlichte. Sie haben einen ausserordentlichen Werth, enthüllten
vieles Neue und Unbekannte und suchten mit Eifer längst empfundene
Lücken auszufüllen. Für diese biologischen Beobachtungen sind
wir dem Forscher zu tiefstem Dank verpflichtet. Nach Ankunft
seines Gefährten ging Dr. Fischer -mit diesem den Tanafluss auf-
wärts bis in das Wapokomoland, wo längere Zeit gesammelt wurde.
Der Widerstand der Eingeborenen, die Unmöglichkeit, auf diesem
Wege weiter vorzudringen, sowie eine Reihe anderer Zwischenfälle,
veranlassten die Reisenden nach der Küste zurückzukehren. Denhardt
kam hier krank an, suchte in Zanzibar die nothdürftigste Heilung
und ist augenblicklich auf der Rückreise nach Europa. Dr. Fischer,
der vom Klima gar nicht gelitten, liess sich in Zanzibar als Arzt
nieder und wird nach wie vor seine freie Zeit seinen naturwissen-
schaftlichen Studien widmen und zweifellos den Weg weiter be-
schreiten, den er mit so grossem Erfolge betreten.
Ueber die von ihm auf Zanzibar und während einer Reise
durch das Küstenland von Mombassa bis Wito gesammelten oder
sicher beobachteten Vögel hat er mit dem Vortragenden in einer
440 Bericht über die October-Sitzung.
längeren Arbeit im Journal für Ormnithologie für 1878 berichtet-
Nicht weniger als 158 Arten konnten hier aufgeführt werden. Bei
der Reise in das Innere, auf der die Gebiete von Massa, Kipini,
Muniuni, Kibaradja, Mitole und Kinakomba sammelnd und be-
obachtend durchforscht wurden, wurde die grosse und ungemein
reichhaltige Collection von Vögeln zusammengebracht, die vor
kurzem an Herrn Reichenow gelangt ist und von demselben in der
heutigen Sitzung des eingehenden besprochen wird. In seinen
Mittheilungen weist der Vortragende auf die bemerkenswerthe
Thatsache hin, dass sich in dieser Fischer’schen Sammlung, mit
Ausnahme gewöhnlicher überall auftretender Formen, nur wenige
der selteneren Arten gefunden haben, die von Hildebrandt und
v. Kalkreuth, welche in grosser Nähe von Fischer sammelten, ein-
geschickt wurden, und umgekehrt. Von den sich in der Sammlung
vorfindenden neuen Arten wurden bereits zwölf in den No. 14. u. 15
des Ornithologischen Centralblattes beschrieben.
Von den noch nicht veröffentlichten characterisirt Herr Reiche-
now noch die folgenden als neue: Pitylia caniceps n. sp., Quculus
validus, Orin’ger strepitans, Oriniger Fischeri und Addon psammochroa.
Herr Henriei (Frankfurt a. O.) theilt mit, dass auf einem
Felde bei Frankfurt am 1. December v. J., zerstreut umherliegend,
fünfzehn Eier von Perdix einerea gefunden wurden, die sich bei
der Untersuchung noch als vollkommen frisch erwiesen. Ferner
wurde Mitte October desselben Jahres ein Weibchen vorgenannter
Art beobachtet, welches noch auf sieben Eiern sass. Dasselbe wurde
aufgescheucht und kehrte dann nicht wieder zu den Eiern zurück.
Herr Henrici berichtet ferner über den Fund eines blauen
Kukukseies in einem Neste von Sylvia rubecula.
Schluss der Sitzung.
Schalow. Cabanis, Gen.-Secr.
Bericht über die October-Sitzung.
Verhandelt Berlin, Montag den 6. October, im
Sitzungs-Local.
Anwesend die Herren: Böhm, Walter, Krüger, Gru-
nack, d’Alton, Mützel, Cabanis, Bolle, Brehm,
erchespe: Schalow, By Ririchleldorft, Thiele, Jahr-
margt, Lestow und Ha
Als Gäste: Die Afrieareisenden O. Schutt, Girow und
Dr. Pogge.
Bericht über die October-Sitzung. 441
Ferner die Herren: Lindemann, Schmidt, v. Cochrane,
Schmeltzpfennig, Lehmann, Spiess, Dr. Hilgendorf
und von Riesenthal.
Vorsitzender: Herr Bolle, Protokollführer: Hr. Schalow.
Zur Eröffnung der Sitzung ergreift Herr Bolle das Wort und
heisst in einer längeren Ansprache die in der Gesellschaft an-
wesenden Africareisenden auf das herzlichste willkommen. Seine
Worte aufrichtiger Freude und hoher Verehrung richten sich vor-
nehmlich an Herrn Schütt und dessen Gefährten Herrn Girow, die
von ihren erfolgreichen Reisen im Innern des westafricanischen
Continentes vor kurzem heimgekehrt sind und vor wenigen Tagen,
nach mehrjähriger Abwesenheit, den deutschen Boden wieder be-
treten haben. Möge ihnen hier die Entschädigung für ihre Mühen
und Strapazen und die Anerkennung für ihre sorgfältigen Arbeiten
in reichstem Maasse rückhaltlos zu Theil werden!
Der Bericht über die Sitzung des verflossenen Monats wird
verlesen und in der mitgetheilten Fassung angenommen.
Herr Brehm schildert in einem zweistündigen Vortrage den
Jagdausflug, welchen er im Frühjahr dieses Jahres in der Begleitung
S. K. K. Hoheit des Erzherzogs Kronprinz Rudolf von
Oesterreich-Ungarn nach Spanien unternommen hatte. In
anziehender und fesselnder Darstellung unterwirft der Vortragende
ein Bild der Reise. Bei dieser Schilderung des Gebietes sowie
der beobachteten Thierwelt wird länger verweilt, und in scharfen
Umrissen das ganze der gesammelten Beobachtungen nach dem
sorgfältig geführten Tagebuch mitgetheilt, jene Skizze dagegen
nur flüchtig angedeutet und ihrer nur soweit gedacht, als sie im
Zusammenhange nothwendig und zum Verständniss des Ganzen
erforderlich ist. Der Vogelwelt wurde auf der ganzen Reise die
weitaus grösste Beachtung geschenkt; es wurde viel gesammelt
und für die Privatsammlung S. K.K. Hoheit desKronprinzen
präparirt. Es kann nicht in unserer Absicht liegen, den ganzen
Vortrag hier wiederzugeben. Wir beschränken uns darauf, einige
Züge aus demselben an dieser Stelle mitzutheilen und in kurzen
aphoristischen Notizen den Verlauf der Reise zu schildern.
Am 1. Mai verliess die Kaiserliche Yacht „Miramar‘‘ mit dem
Kronprinzen und dessen Begleitern an Bord den Hafen von Nizza.
Einige Procellaria wurden beobachtet, ohne jedoch die Species in
der Entfernung mit Sicherheit ansprechen zu können. Auch
Sturmtaucher in ihrem characteristischen wechselvollen Fluge machten
442 Bericht über die October-Sitzung.
sich hin und wieder bemerkbar, durch ihre zierlichen, ewig sich ver-
ändernden Flugübungen das Auge des Beoabchters, das nie müde wird,
ihnen zuzuschauen, fesselnd. In der Nähe der spanischen Küste zeigten
sich einige ZLestris-Arten, wahrscheinlich Zestris pomarina. Der
Cours richtete sich zunächst auf Barzelona, wo die Gesellschaft an
Land ging. Nicht Zarus melanocephalus, wie man allgemein er-
wartet hatte, sondern Chroicocephalus ridibundus flog im Hafen
umher, seinen heiseren Schrei ausstossend. Auf den Wiesen und
in dem brüchigen Terrain der Umgegend des Hafens wurde das
Vorkommen von Numenius tenuirostris beobachtet. Von Barzelona
aus machte der Kronprinz mit seinen Begleitern einen Ansflug
nach Montserrat. Herr Brehm widmete dieser Excursion eine
längere prächtige Schilderung, die aber aus naturgemässen Gründen
wenig Ornithologisches — die Gegend ist nach des Vortragenden
Mittheilungen ungemein vogelarm — enthalten konnte. Den
grossen, weitausgedehnten Bruch- und Moorgegenden an der
Mündung des Ebro galt der folgende Besuch. Allein man kehrte
von demselben ziemlich enttäuscht zurück, da sich die Hoffnungen
auf Erlangung seltener Arten, sowie auf einige erfolgreiche Jagden
nicht in der gewünschten Weise verwirklichten. Fulica atra brütete
hier in ausserordentlichen Mengen; Fulica ceristata wurde nicht
beobachtet. Ausser vielen anderen Vögeln führt das Tagebuch
Numenius phaeopus, Emberiza pyrrhuloides, Recurvirostra avocetta,
Faleinellus vgneus, Egretta alba, Motacilla cinereocapilla und Sylvia
eisticola als hier gefunden und erlegt in seinen Blättern auf. Eine
hübsche Schilderung entwifrt Herr Brehm von dem hier beobachteten
Leben der Sylvia cinerea. In dem dichten, oft eng verfilzten Ge-
strüpp der hier in reichster Fülle wachsenden Salieornia-Arten
führt diese kleine Grasmücke ein sonderbar verstecktes Leben, so
ganz anders, als sie dies sonst zu thun pflegt, dass sie bei ihrem
ersten Erscheinen selbst einen Beobachter wie den Vortragenden
über die Artzugehörigkeit der beobachteten Species in Zweifel
zu setzen vermochte. Auf kleinen freien Stellen inmitten des Ge-
strüppes lief dieser Sänger wie eine Bachstelze auf dem Boden
umher. Ein erlegtes Exemplar zeigte Sylvia cinerea. Dieses
sowohl, wie mehrere andere daselbst geschossene, zeigten eine
merkwürdig blasse Färbung in ihrem Gefieder. — Auch der als
ornithologisch reich bekannte See von Valencia, wohin sich der
Kronprinz vom Ebro aus begeben hatte, gewährte keine nennens-
werthe Ausbeute. In die mächtigen eng verflochtenen und ver-
Bericht über die October-Sitzung. 445
wachsenen weit ausgedehnten Schilf- und Rohrhorste konnte man
ohne besondere Vorkehrungen, die mit grossem Zeitverlust verknüpft
waren, nicht eindringen. Das einfache Vordringen in dem Kahne
erwies sich nach mehrfachen Versuchen als unmöglich. Beobachtet
wurden hier Ardea purpurea, Anas rufina, die hier brütet, viele Rohr-
sänger, Weihen, Parus biarmicus. Dem Besuche von Madrid wurden
die folgenden Tage gewidmet. Soweit es die zu Ehren des hohen Gastes
veranstalten Festlichkeiten gestatteten, wurden Ausflüge in die Um-
gegend von Madrid unternommen und Jagden veranstaltet. Eine
reiche Ausbeute gewährte eine solche in der Umgegend des königl.
Lustschlosses, der Casa del Campo, im Süden von Madrid. Die
mittelspanische Vogelwelt war hier in Arten wie in Individuen reich-
lich vertreten. Unter vielen Anderen wurden Coceystes glandarius
und Caprimulgus ruficollis erlegt. Mit gleicher Befriedigung konnten
die Reisenden auf die Jagden zurückblicken, die in den grossen
mit immergrünen Eichen, Kiefern und Ulmen reich bestandenen
Gehegen des königl. Jagdschlosses El Pardo am 10. Mai unter-
nommen wurden. Neophron percnopterus, Milvus migrans, Merops
apiaster, sowie ein prächtiger Aguila Adalberti, den der Kronprinz
schoss, wurden hier den Sammlungen zugefügt. Von Madrid aus
sing die Reise wieder südlich. Dem Besuch des prächtigen Palmen-
waldes von Elche in seiner eigenartigen Scenerie, der Umgegend
von Murcia, wo auf den Excursionen ausser Aedon galaciodes und
Galeria Teclae nur gewöhnliche Formen beobachtet und gesammelt
wurden, galten die nächsten Tage. In Almeria bestiegen die
Reisenden das Schiff, welches von Valeneia hierher beordert worden
war, und begaben sich nach der Insel Alboran, um dort die
prächtigste Möve der mediterranen Ornis, Zarus Audouini, welche
auf der Insel brüten sollte, zu beobachten. Die Vögel selbst wurden
gesehen, Eier aber nicht gefunden. Dass die Möve aber auf der
Insel brüte, ist zweifellos durch einige Eier festgestellt worden,
welche der Leuchtthurmwächter Herrn Brehm übergab. Lord Lilford,
der um die Ornithologie Spaniens so hoch verdiente englische Orni-
tholog, hatte kurz vor dem Besuch des Kronprinzen ebenfalls Alboran
aufgesucht, um Zarus Audouini daselbst zu beobachten und wenn
möglich einige Exemplare für seine Sammlung zu erlegen. Von
Alboran kehrte der Kronprinz nach dem Festlande zurück. In der
Umgegend von Malaga wurde eine kleine Calanderlerche, vielleicht
die Calandrella baetica Dresser, erlegt. Mit dem Besuch von
Granada wurde ein Ausflug in die Sierra Newada verbunden. Hier
444 Bericht über die October-Sitzung.
hatte der Kronprinz das grosse Glück in der Zeit einer Stunde
ungefähr am Horste erst das Männchen und darauf das Weibchen
von Gypaetus barbatus zu erlegen. Ein Junges, welches der Horst
EN
enthielt, wurde ausgenommen. In Gibraltar wurde den Reisenden
der liebenswürdigste Empfang zu Theil. Aquila Bonellii wurde
hier, auf dem Horste sitzend, beobachtet. Am 24. Mai brachte
„Miramar“ den Kronprinzen und dessen Begleiter nach Tanger.
Zu Ehren des hohen Reisenden wurde hier eine grosse Jagd auf
Wildschweine veranstaltet, die durch die Theilnahme vieler Araber
in ihren malerischen Costümen ein ungemein farbenprächtiges Bild
gewährte. Der Aufenthalt auf africanischem Boden währte nur
kurze Zeit. Nach der Rückkehr nach Spanien verweilte Kronprinz
Rudolf in Cadix und fuhr dann mit seinem Schiffe den Guadalquivir
aufwärts zum Besuche der Marismas. Hier war ein reiches Vogel-
eben und in fesselnder Darstellung entwirft Herr Brehm eine
Schilderung desselben. Wohl 4—6000 Flaminjos brüten hier in
den ausgedehnten Brüchen und herrlich ist der Anblick, wenn sich
die Schaar erhebt und in die Lüfte steigt. Leider wurde kein
Exemplar von Phoenicopterus erlegt. Neben den Flamingos, die
das hauptsächlichste Interesse in Anspruch nahmen, wurden hier
noch Recurvirostra avocetta, Himantopus rufipes, Vanellus, Glareola,
Pterocles, Calendrella baetica, die letztere sehr häufig, für die
Sammlungen erlegt. Eine kurze Rast in Sevilla, und die Yacht
führte die Reisenden nach Lissabon, zum Besuche des Königs von
Portugal. Einen Aufenthalt in den berühmten prächtigen Gärten
von Cintra, im Norden von Lissabon, wählt der Vortragende zum
Gegenstand einer prächtigen Schilderung, die aber nichts an orni-
thologisch Interessantem bietet. Von Lissabon aus fuhr der Miramar
nach Norden. Ein Besuch der Gebirge Asturiens bildete den Schluss
der Reise. Dem Kronprinz gelang es hier, Aguila fulva zu erlegen,
neben vielen anderen weniger nennenswerthen Arten. Herr Brehm
weist darauf hin, wie wenig die Sierren der asturischen Gebirge
erforscht sind und wie Vieles da noch zu erforschen ist. Reich
ist hier die Vogelwelt vertreten, reicher wohl als in jedem anderen
Gebirge der iberischen Halbinsel. Der leider nur zu kurz be-
messene Besuch dieses höchst interessanten Gebietes bildete, wie
schon erwälınt, den Abschluss der’ Reise. Ueber Paris kehrten der
Kronprinz und seine Begleiter, um die Mitte des Juni, in die Heimath
zurück. —
Dies einige aphoristische Notizen aus dem Vortrage des Herrn
Bericht über die November-Sitzung. 445
Brehm, für welchen der Vorsitzende dem Vortragenden den Dank
der Gesellschaft ausspricht.
Schluss der Sitzung.
Bolle. Schalow. Cabanis, Gen.-Secr.
Bericht über die November-Sitzung.
Verhandelt Berlin, Montag den 3. November 1879,
Abends 74, Uhr, im Sitzungslocale.
Anwesend die Herren: Grunack, d’Alton, Cabanis,
Reichenow, Schalow, Böhm und Krüger- Velthusen.
Als Gäste die Herren: v. Oertzen, O.Schütt, v. Coffrane,
Lehmann, Lindemann, Brune, Spiess und Schmelz-
pfennig, sämmtlich aus Berlin.
Schriftführer: Herr Schalow.
In Abwesenheit des Vorsitzenden übernimmt Herr Cabanis
den Vorsitz.
Der Bericht über die Octobersitzung wird vom Schriftführer
verlesen und in der mitgetheilten Fassung angenommen.
Herr Cabanis legt diejenigen bis jetzt bekannten und be-
schriebenen Arten des Genus Corythaix vor, deren verlängerte Schopf-
federn weisse Spitzen haben, und erläutert dieselben in eingehendster
Weise. Es sind dies die Formen Corythais albieristata Strickl.,
C. maerorhyncha Fras. sowie O0. Livingstoni Gray. Der Vor-
tragende bespricht die Kleider der genannten Arten, geht speciell
auf die differirenden Charactere der einzelnen Formen und deren
geographischer Verbreitung ein. Zugleich nimmt er Veranlassung,
eine hierhergehörige neue Species vorzulegen, welche von dem
in der Sitzung anwesenden Afrikareisenden Herrn Otto Sehütt
im Innern des südwestlichen Africa, zugleich mit C. Livingstoni
und Musophaga Rossae gesammelt worden ist.
Die neue Art:
Corythais Schuetti Cab.
ist die kleinste der Gruppe. Durch die lebhaft bläulich violette
Färbung der Flügel und der Schwanzfedern sowie des Rückens
und Bürzels ist sie scharf characterisirt und von den genannten
_ verwandten Arten auffällig unterschieden. Herr Cabanis hat diese
neue schöne Form zu Ehren ihres Entdeckers, des verdienstvollen
Africareisenden Herrn Otto Schütt, benannt.
446 Bericht über die November-Sitzung.
Herr Böhm theilt eine kleine Notiz mit, dass um die Mitte
des September bei Elbing ein Exemplar von Turdus Whitei Eyt.
geschossen worden ist. |
Herr 0. Schütt giebt eine Reihe von Mittheilungen über das.
von ihm beobachtete Leben der Corythaix-Arten, vornehmlich über
das von ©. Schuetti. Wir entnehmen dieser Mittheilungen die
folgenden Beobachtungen.
Im Allgemeinen findet der in Westafrica reisende Forscher
wenig Gelegenheit, die Corythaix-Arten zu beobachten, da sie sich
nur äusserst selten den spähenden Blicken zeigen und nur durch
ihr Geschrei, welches nicht allzu selten gehört wird, ihr Dasein
verrathen. Im dichten engen Gebüsch führen sie ein ungemein
verstecktes Leben; dass sie an der Küste nie vorkommen sollen,
ist wohl zu viel gesagt. Sicher ist, dass sie nur äusserst selten
daselbst beobachtet worden sind. Sie lieben die höher gelegenen
Gebiete im Innern, fern von der Küste. Auf seinen Wanderungen
hat sie der Vortragende ein Mal bei Pungo a N’Dongo, am Quanza.
zu beobachten Gelegenheit gehabt und dann erst wieder östlich
von Malange, weit im Innern des südafricanischen Continentes. Da
wo das Gebirgsplateau zum Congobecken abfällt, wurde ein Mal
ein Pärchen dieser Gattung beobachtet. Nach des Reisenden Wahr-
nehmungen verlangen diese Vögel hochliegende Felsplateaus, bedeckt
mit dicht verfilztem, nicht allzu hohem Gestrüpp und Gesträuch
und klare Wasserläufe. Diese scheinen Bedingungen für ihr Vor-
kommen zu bilden. Nie wurden Vögel dieser Art in sumpfigem
Terrain, in der Nähe brackigen Wassers gefunden, aber auch nie
in allein felsigen, ganz vegetationslosen Gebieten. Meist sieht
man sie zu zweien, seltener mehrere Individuen beisammen. Werden
sie aus ihren Verstecken aufgestört, so gurren sie leise im Augen-
blicke des Auffliegens. Ihr Ruf ähnelt dem unserer Columba turtur.
Banänen fressen sie mit grosser Vorliebe. Die Exemplare, welche
Schütt in Gefangenschaft sah, wurden fast ausschliesslich mit Bananen
gefüttert und befanden sich dabei äusserst wohl. Das Fleisch des
Corythaiz ist wohlschmeckend. —
Herr Sehalow verliest die Uebersetzung einer Arbeit Robert.
Ridgway’s: „On the use of trinominals in the zoological Nomen-
clature aus dem diesjährigen Julihefte des Bulletin of the Nuttal
ornithological Club (vol. IV. 1879. No.3 p. 129—134). Die Ueber-
setzung wird, durch eine Reihe von Anmerkungen erweitert, im
Journal für Ornithologie ausführlich abgedruckt. An die Vorlesung
An die Redaction eingegang. Schriften. 447
der Uebersetzung der Ridgway’schen Arbeit knüpft Herr Schalow
eine Reihe von Mittheilungen über die verschiedenen Anschauungen,
die sich bei einzelnen Ornithologen hinsichtlich des Gebrauches
der trinominalen Nomenclatur geltend gemacht haben. Es ist dem
Vortragenden in seinem Referate über diese, namentlich in Amerika
augenblicklich ausserordentlich lebhaft diseutirte Frage weniger
darum zu thun, dieses trinäre System der Nomenclatur zu ver-
theidigen, als vielmehr die Nothwendigkeit einer Uebereinstimmung
zwischen den Ornithologen darzuthun, in welcher allgemein ange-
nommenen, feststehenden Weise der subspeeifische Name mit dem
Genus- und Speciesnamen in Verbindung zu bringen ist. Ridgway
plaidirt dafür, dass der Name der Subspecies durch griechische
Buchstaben von der zugehörigen Art getrennt werde, und stützt
sich hierbei auf einzelne Aufzählungen Linne’s in dessen Systema
naturae. Dr. Elliot Coues dagegen, sowie J. A. Allen, die sich
Beide vielfach mit diesem Gegenstande beschäftigt haben, sprechen
sich in dem gleichen Hefte des vorgenannten Bulletin of the Nuttal
ornithological Club gegen die Ridgway’schen Darlegungen aus und
suchen die Nichtigkeit derselben in überzeugendster Weise darzu-
legen. Sie treten dafür ein — und haben diese Ansicht auch
bereits in vielen ihrer Arbeiten praktisch verwerthet — den sub-
specifischen Namen einfach dem Namen der Art anzuhängen ohne-
ein viertes Wort, wie subspecies, aberratio, varietas oder einen
griechischen Buchstaben, einzufügen. Herr Schalow erörtert kurz.
die Gründe, die ihn bestimmen, der Coues’schen und Allen’schen
Anschauung das Wort zu reden.
Eine lebhafte Discussion, an der sich vornehmlich die Herren
Cabanis, Reichenow, Böhm und Schalow betheiligen, schloss sich.
den vorerwähnten Mittheilungen an.
Schalow. Cabanis, Gen.-Secr.
Nachrichten.
An die Redaetion eingegangene Schriften.
(Siehe Seite 336.)
1544. Leonhard Stejneger. Beiträge zur Ornithologie Mada-
gascar’s. |Separat-Aftryk af Nyt Magazin for Naturviden-
skaberne. Christiania 1877.] — Vom Verfasser.
1545. W. A. Forbes. Synopsis of the Meliphagine Genus Myzo-
mela, with deseriptions of two New Species. Cum. Tabb.
XXIV. 1. Myzomela chloroptera, 2. M. rubrobrunnea, 3. M.
448 Nachrichten. An die Redaction eingegang. Schriften.
1546.
Adolphinae. XXV. 1. M. chermosina, 2. M. Selateri. |From
Proc Z. 8. London, March 4, 1879.| — Vom Verfasser.
M. L. Taczanowski. Liste des Oiseaux receuillis au
Nord du Perou par M. M. Stolzmann et Jelski en 1878.
Cum Tabb. XXI. Cyelorhis Contrerasi. XXIL Pipreola
Lubomirskü. [From Proc Z. S. London, March 4, 1879.) —
Vom Verfasser.
‚G. Hartlaub. On a new Species of Barn-owl from the
Island of Viti-Levu. [From Proc Z. S. London, March 18,
1879.| — Vom Verfasser.
. M. Alph. Dubois. Description d’oiseaux nouveaux. [Extrait
des Bulletins, Acad. royale de Belgique, no. 6. Juni 1879.]
— Vom Verfasser.
„M. A. Dubois. Remarques sur la faune de Belgique. [Extr.
Bull. Ac. royale d. Belgique, no. 6. Juni 1879.] — Von
Demselben.
. Ph. L. Selater. On a fourth Collection of Birds made by
de Rev. &. Brown on Duke-of-York Island and in its vieinity.
Cum. Tabb. XXXVI. Graucalus sublineatus. XXXVIL 1.
Myzomela cineracea. 2. Donacicola spectabilis. 3. Munia
Förbesi. [From Proc. Z. S. London, May 20, 1879.| — Vom
Verfasser.
. Selater. Horned Parrakeets, Nymphieus cornutus, Addition 10
the Menagerie. Cum. Tab. XLIV. [From Proe. Z. $. London,
June 17, 1879.] — Von Demselben.
Sclater and Salvin. On the Birds collected by the late
Mr. Salmon in the State uf Antioquia, United States of
Colombia. Cum Tabb. XLI. Cyphorhinus dichrous. XLIU.
XLIN. Eggs of Antioquian Birds. [From Proc Z. 8. London,
June 3, 1879.] — Von Demselben.
Sclater and Salvin. On the Birds collected in Bolivia
by Mr. C. Buckley. [From Proc. Z. 8. London, June 17,
1879.] — Von Demselben.
Alfr. Newton, Prof. On some moot points in ornithological
Nomenclature. [From Ann. and Mag. Nat. Hist, August
1879.] — Vom Verfasser.
Modest Bogdanow. Die Vögel des Kaukasus. Kasan 1879.
In russischer Sprache! — Vom Verfasser.
The Ibis. A. Quarterly Journal of Ornithology. Fourth Series.
Vol. 3 No. 12. October 1879. — Von der British Ornitho-
logist’s Union. —
Sclater and Salvin. Descriptions of some new Tanagers
of the Genus Buarremon. Cum Tab. X. 1. Buarremon
latinuchus, 2. B. melanolaemus. |From The Ibis, Octob.
1879.] — Vom Verfasser.
m Hi
(9 Tab
Cab Journ f.Orn. 18
ıR ER
m
1.2. Uraeginthus ianthinogaster _ 3.Pitylia caniceps
4. Euplectes diadematus.
Acanthis eanescens, 182,
— Holbölli, 183,
— linaria, 184.
Aceipiter eruentus, 425.
— torquatus, 425.
Acomus inornatus, 310,
Acredula caudata, 69. 101.
123.
Acridotheres melanoster-
nus, 324,
— roseus, 374,
— tristis, 325.
Acrocephalus arundi-
uaceus, 58. 118,
— locustella, 118.
— turdoides, 58. 118. 170.
Acryllium vulturinum, 300.
Actitis hypoleucus, 101.
125. 297. 338. 379.
A&don galactodes, 443.
— psammochroa, 328. 355.
440.
Aegialites cantiana, 271.
273. 274,
— hiaticula, 271. 273. 274.
391,
— minor, 391,
Aegithalus pendulinus, 69.
123. 269.
Aepyornis, 226. 233. 255.
Aethyia nyroca, 272.
Agapornis Swinderiana
224.
Alauda arborea, 368.
— arvensis, 59. 119. 368,
— brachydactyla, 274.
— calandra, 274. 368. 390.
— cristata, 368. 390.
— poecilosterna, 353.
Alecedo cristata, 303.
— ispida, 50. 115. 130.
212. 216. 217. 361.
Amaurestes fringilloides,
352. 280.
Index.
1879.
AmblynuraKleinschmidti,
405.
Anas acuta, 274,
boschas, 5. 80.
246. 381. 392.
casarca, 157.
elangula, 274.
elypeata, 274.
crecca, 128. 274,
ceristata, 392.
cypria, 392.
domestica, 392.
ferina, 382.
fusea, 218. 381.
leucophthalma, 382.
nigra, 382.
nyroca, 274.
penelope, 128.
pterocyanea, 382.
querquedula, 5. 80. 128.
272. 392.
rufina, 382. 443.
strepera, 272. 282.
— tadorna, 274.
Anastomus lamelligerus,
284. 297.
Andropadus flavescens,
303, 348. 287,
— Marchei, 432.
Anous einereus, 410.
— leucocapillus, 409. 410.
— parvulus, 409. 410.
— stolidus, 409. 410,
Anser aegyptiacus, 260.
— albifrons, 127.
— ceinereus, 16. 77. 79.
127. 246. 272. 383. 392,
—. domesticus, 392,
— leucopsis, 205.
— minutus, 127.
— segetum, 127. 246,
— torquatus, 205.
Anthus aquatieus,
389.
123,
363.
Cab. Journ, f. Ornith. XXVII. Jahrg. No. 148. October 1879.
Anthus arboreus, 59. 119,
270. 363. 399,
campestris, 119. 363,
Nattereri, 224.
Pe 119. 368.
aalteni, 279. 294, 299.
303. 355.
— rufogularis, 130.
Apalis chariessa, 288. 329.
354.
Aplonis brevirostris, 406,
— tabuensis, 401.
— vitiensis, 406.
Aprosmietus Broadbenti,
312.
— callopterus, 312.
Apternus tridactylus, 217.
Apteryx, 255.
— Mantelli, 255.
Aquila Adalberti, 443,
— albieilla, 3.
— Bonelli, 268. 273. 418,
— fulva, 34. 110. 216. 444,
haliaetus, 357.
imperialis, 3. 34, 110.
274.
minuta, 273. 274.
naevia, 37. 110. 256.
267. 268.
orientalis, 267.273. 274,
418.
— pennata, 33. 110. 274,
Ara Spixi, 224.
Aramides calopterus, 224.
Archibuteo lagopus, 111.
Ardea, 255. 256.
— alba, 295. 297. 392.
atricapilla, 297.
einerea, 3. 76. 125. 257.
381. 392.
comata, 79. 125. 274,
284, 297. 392.
egretta, 78. 125. 257,
274.
—
29
450
Ardea garzetta, 3. 274.
295. 297.
goliath, 284. 295. 297.
javanica, 408.
Lansbergii, 421.
melanocephala ,
295. 297.
minuta, 125. 381. 392.
nycticorax, 3. 78. 125.
274. 297. 381. 392.
purpurea, 77. 125. 271.
274. 284. 295. 297. 381.
392. 443,
sacra, 408.
— stellaris, 125. 381.
Arrenga melanura, 321.
Arses aruensis, 434.
— batantae, 434.
Artamus mentalis,
402. 405.
Asio aceipitrinus, 311.
— butrio, 311. 426.
— coromandus, 311.
— madagascariensis, 311.
Astur nisus, 358. 386.
— palumbarius, 44. 111,
130. 358. 386.
— rufitorques, 393. 394.
— Wallaeii, 425.
Asturinula monogram-
miıca, 292.
Athene noctua, 114, 360.
Aulanax aquaticus, 335.
336.
— cineracea, 335. 336.
— latirostris, 335.
— nigricans, 335.
Avicida orientalis, 292,
— Verreauxi, 329,
Bambusicola hyperythra,
422.
Barbatula affinis, 283. 303.
314, 343,
— uropygialis, 314.
elle Cabanisi, 207.
208. 223. 327.
— vermivorus, 207. 208.
223.
Bessornis Heuglini, 278.
287. 303. 356.
— natalensis, 278.287.356.
Boarula sulphurea, 269.
273. 274,
Bombyecilla garrula, 122,
372.
Bourcieria assimilis, 429.
runelli, 429,
ilsoni, 429.
284,
401,
Brachypteryx flaviventris, | Campylopterus
328,
INDEX.
Brachypteryx saturata,
328,
Bradyornis pallida, 277,
299. 303. 345.
Bubo ignavus, 114.
— lacteus, 276. 289. 290.
340.
— maximus, 47. 256. 359.
Bucanetes githagineus,
178,
Buceros, 95.
— abyssinicus, 303.
— buceinator, 291.
— melanoleucus, 291. 343.
Buchanga leucophaea,432.
— stigmatops, 432.
Budytes flavus, 119. 389.
— melanocephalus, 389.
Buphaga erythrorhyncha,
292,
Buphus comatus, 271. 273.
Butalis grisola, 387.
Buteo augur, 292.
— lagopus, 258.
— tachardus, 273. 274.
— vulgaris, 41. 111. 273.
358.
Cairina moschata, 301.
Calamodyta cantans, 404,
— ÖÜetti, 404.
— phragmitis, 269.
Calamoherpe arundına-
cea, 169. 170. 270. 389.
— eariceti, 366.
— locustella, 367.
— palustris, 130. 270.271.
367
— phragmitis, 366.
— turdina, 17.
Calandrella baetica, 136.
443, 444.
— brachydactyla, 268.
273
Callithraupis, 206. 207.
223.
— cyanictera, 206, 207.
223. 327.
Calornis Kittlitzi, 406.
— nitida, 406.
Calyptorhynchus Banksi,
212.
Camaroptera brevicau-
data, 288. 354,
— olivacea, 354.
Campephaga nigra, 278.
345.
Campethera punctata, 189.
Campicola pileata, 355.
phaino-
peplus, 429,
Canabina brevirostris, 180,
— flavirostris, 180. 370.
— sanguinea, 180.
Caprimulgus, 252.
— europaeus, 51.376. 386.
— Fossei, 300. 344,
— pulchellus, 314,
— punctatus, 115.
— rufieollis, 443.
Carbo cormoranus, 3. 82.
129. 273. 373. 383.
— Desmarestii, 82,
— leucogaster, 82.
Carduelis caniceps, 174.
— elegans, 62. 174. 390,
— Kawariba, 174,
Carpodacus caucasicus,
178,
— erythrinus, 178.
— frontalis, 178.
— purpuropterus, 178,
— roseus, 178.
Carpophaga latrans, 407.
— melanochroa, 96.
— nigra, 288,
— oceanica, 407.
— Richardsi, 424.
Casuarius, 227. 259.
— galeatus, 246.
Cecropis rustica, 212.
Centropus nigrorufus, 282.
287. 341,
— supereiliosus, 282. 341.
Cereopsis, 260.
Certhia familiaris, 71. 101,
123. 374.
— rudis, 293.
Ceyx argentata, 95.
— gentiana, 428,
Chaetura, 94.
— novae guineae, 315.
— picina, 315.
Chaleites smaragdineus,
188.
Chalcopelia afra, 300. 303,
339.
— tympanistria, 300.
Charadrius auratus, 124.
379,
— hiaticula, 124.
— minor, 73. 124. 329,
— pecuarius, 284. 337.
— pluvialis, 274.
Charmosyna Margarethae,
427,
Chelidon urbica, 68. 122.
Chenalopex aegyptiacus,
295. 296. 301.
Chibia Borneensis, 432,
ee; %
En
Ceryle maxima, 294, 343,
Chibia pectoralis, 432.
Chiromachaeris coronata,
429.
Chlamydodera guttata,325.
— maculata, 325.
— nuchalis, 325.
— orientalis, 325.
Chloris hortensis, 62.
Chlorophoneus quadri-
color, 276. 303.
Chlorostilbon angustipen-
nis Häberlini, 209. 210.
— ınexspectata, 209.
Chroicocephalus ridibun-
dus, 442,
Chrysococeyx Claasi, 113.
300. 342,
— cupreus, 287. 303. 342.
Chrysoena victor, 407.
— viridis, 407.
Chrysomitris Dybowskii,
174,
— spinus, 174.
Chrysophlegma mystaca-
lis, 314.
Chrysotis, 94.
— autumnalis, 212.
— ceoccineifrons, 212,
— farinosa 212.
— festiva, 212.
— Finschi, 203.
— vinacea, 203.
Cichladusa guttata, 279.
287. 306,
Ciconia alba, 76. 125. 247.
256. 258. 285. 380.
— episcopus, 301.
— mycteria, 257.
— nigra, 74. 247. 258. 274.
Cinelus aquaticus, 118.
274. 364.
Cinnyris dubia, 430.
— en 348.
— Jardinei, 347.
— Kalckreuthi, 348.
— Longuemarii, 347.
Cinaetus brachydactylus,
40. 111,
— gallieus, 267.
Circus, 251. 256.
aeruginosus, 47,
cineraceus, 46. 113.
eyanus, 46, 113, 358.
rufus, 113. 358.
Swainsoni, 386.
Cisticola eursitans, 279.
— haematocephala, 279.
2837. 303. 354,
— tenella, 279. 303. 354.
Citrinella alpina, 174, 371.
INDEX.
Clangula glaneion, 382.
Clytomyias, 434.
— insignis. 434.
Coceycolius iris, 187. 188.
189,
Coceystes glandarius, 443.
— pica, 113. 303. 342,
Coceothraustes japonicus,
175.
— melanurus, 175.
— personatus, 175.
— vulgaris, 62. 120. 175,
372.
Cochoa Beccarii, 320.
Colaptes auratus, 416.
— mexicanus, 416.
Colius leucocephalus, 299.
313. 341.
— leucotis, 282. 300. 303.
— senegalensis, 282. 340.
Collocalia spodiopygia,
375.
Collurio, 214.
Columba auritus, 73. 123.
domestica, 390. 415.
livia, 377. 390.
livia fera, 247. 250,
oenas, 72. 123. 247.
376. 390.
palumbus, 71. 123, 247.
250, 390.
risoria, 218. 390.
Schimperi, 189.
turtur, 247. 250. 390.
— vitiensis, 407.
Colymbus arcticus, 129.
217. 272. 273. 274. 384.
— glacialis, 129. 384.
— septentionalis, 129, 384.
Conurus aeruginosus, 222.
— armillarius, 212.
eactorum, 212. 222.
chrysogenys, 222.
chrysophrys, 222.
ocularis, 222.
pertinax, 212. 222.
xanthogenius, 222.
— xantholaemus, 222.
Coracias caudata,
291.
— garrula, 51. 115. 291.
303. 343. 373. 387.
Coraphites leucotis, 279.
299. 353.
Corax nobilis, 268.
Corvus corax, 63. 121. 372,
387.
— cornix,
372. 387.
— corone, 64. 121. 372.
282.
64. 121. 216,
451
Corvus frugilegus, 65. 121.
216. 372.
— monedula, 66. 121. 372.
387.
— nobilis, 372.
— scapulatus, 292. 303.
Corythaixalbieristata, 445.
— Fischeri, 288. 291. 303.
340.
— Livingstoni, 445.
— macrorhyncha, 445.
— Schuetti, 445.
Corythus enucleator, 216.
Cosmopsarus regius, 299.
323. 324. 349.
Coturnix communis,
124. 391.
Cotyle riparia, 68, 122.
— rupestris, 217.
Crateropus rubiginosus,
287. 337.
Crax, 259.
— alector, 258.
Crex pratensis, 126, 378.
392.
Criniger Fischeri, 287. 319.
348, 440.
flaviventris, 287. 348.
gutturalis, 432.
rufierissus, 432.
strepitans, 278. 287.
318. 440.
Crithagra butyracea, 280.
300. 303.
— chloropsis, 353.
Crucirostra, 191.
Crypturus perdicarius,
258,
Cuculus audeberti, 427.
— canorus, 49. 114, 130,
169. 170, 171. 172. 212,
270. 361. 387.
— glandarius, 337.
— leptodetus, 341,
— lineatus, 283,
— simus, 394.
— sparveroides, 427. 428,
— validus, 289. 313. 341.
440.
Curruca atricapilla,
— cinerea, 366.
garrula, 274. 419.
— hortensis, 366,
— risoria, 366,
Cursorius einclus,
337.
Cyanecula
116. 365.
— suecica, 117.
— Wolff, 365.
29*
72.
366.
310.
leucocyana,
452
Cyanocorax cyanomelas,
212.
Cyanopica Cooki, 136.
Cyelorbynchus olivaceus,
357,
Cygnus musicus, 126. 246,
360,
— olor, 126,
260. 274.
— plutonius 246.
Cynchramus pyrrhuloides,
268. 273. 274,
— schoeniclus, 268. 273.
274. 419.
Cypselus apus, 51. 115.
217. 274. 275. 375. 386.
— infumatus, 429.
— Lowi, 429.
melba, 217. 386.
parvus, 303.
stietilaemus, 293. 315.
344.
Dacelo chloris, 395.
— recuvirostris, 395,
— sacra, 394.
Dafila acuta, 81. 128,
Dasycrotopha speciosa,
95.
218. 246.
Dendrocitta cinerascens,
431.
— oceipitalis, 431.
Dendrocygnaviduata, 295.
Dendropicus Sharpii, 428.
Dieaeum albo-punctatum,
316,
— Everetti, 95.
— rubro-coronatum, 317.
— rubro-gularis, 317.
— schistaceum, 95,
Dierurus Ludwigi,
348. 433,
— fugax, 300. 303,
— Sharpei, 433.
Diduneulus strigirostris,
408.
Dilophus
398.
Dinornis, 233. 285.
Domicella Kuhli, 330.
Drepanis, 191.
Dromaeus, 215. 259. 261.
277.
— nova Hollandiae, 246.
Drymochaera badiceps,
299. 404,
Dryoscopus funebris, 300.
322.
— leucopsis, 277, 303.
— lugubris, 277. 346.
288,
carunculatus,
INDEX.
Dryoscopus nigerrimus,
322. 346,
— Salimae, 303.
— sublacteus, 277. 303,
346.
Dysporus eyanops, 410,
— piscator, 410.
— sula, 410.
Eclectus, 94,
Edoliisoma
433.
Fgretta alba, 442.
Eudyptes chrysocome, 420.
— chrysolopha, 420.
— Filholi, 420.
Eudyptula chrysocoma,
309.
— minor, 309.
— Serresiana, 309.
Emberiza caesia, 390.
— cia, 369.
— cirlus, 294.
— citrinella, 60. 119. 369.
— hortulana, 369. 390.
Emberiza melancephalus,
390.
— miliaria, 59. 100. 119.
271. 390.
— nivalis, 119.
— pyrrhuloides, 390. 442.
— schoeniclus, 119. 369.
Enneoctonus collurio, 214.
Ephialtes scops, 360. 386.
Erismatura leucocephala,
334, 335.
— mersa, 260,
Erithacus rubecula,
117.
Erythropus
129. 267,
Erythrospiza obsoleta, 138.
Erythrosterna parva, 270.
Erythrura cyanovirens,
406.
— Pealei, 406.
Eudynamis taitiensis, 394.
Euplectes diadematus,210.
286,
— flammiceps, 212. 280.
286, 289. 303. 351.
— nigriventris, 286. 303.
Eurocephalusanguitimens,
347,
Eurystomus afer, 291. 343.
Faleinellus igneus, 125.
442,
Falco aesalon, 112. 386.
Salomonis,
54.
vespertinus,
Falco lanarius, 41. 104.
112. 266. 267. 274.
peregrinus,112.266.273.
319 386. 417,
rufipes, 286. 359,
semitorquatus, 310.339,
— subbuteo, 42. 112.
389,
— tinnunculus, 43. 112,
386.
— vespertinus, 44. 112.
Fiscus, 214.
— dorsalis 213.
Francolinus elamator, 208,
— Granti, 2834. 300. 303,
339.
— nudicollis, 284. 339,
— Petiti, 423,
— vulgaris, 390,
Fregetta moestissima, 309.
Fringilla borealis, 182,
cannabina, 120.
carduelis, 120. 370.
chloris, 120. 369,
coelebs, 62. 120, 173.
216. 223. 370.
flaveola 390.
linaria, 120. 184. 185.
370. 390.
montifringilla, 120.173.
Be i
rrhula, 177.
REBeNn 174.
— spinus, 120. 274,
Fringillaria flavigaster,
299.
Fulica atra, 79. 126. 272.
378. 442.
— cristata, 442.
Fuligula elangula, 128.
— cristata, 128, 272, 273.
383.
— ferina, 82. 128.
— leucophthalma, 128.
— nationi, 96,
— nyroca, 81.
— rufina, 128.
Galerita eristata, 59. 119,
— Teclae 443,
Gallinula chloropus, 378.
392.
— Frankii, 420,
minuta, 126.
olivacea, 470.
porzana, 126.
Gallus Bankiva, 246. 258.
390.
— cenchris, 44. 274. 386.|— domesticus, 216.
— Feldeggi, 266. 273. 274. |— Sonnerati, 246. 258.
417.
— stramineicollis, 423.
Garrulus glandarius, 66.
122. 287. 373.
Geecinus Sharpei, 136.
Glareola, 444.
— ocularis, 296. 337.
— pratincola, 274. 391.
— torquata, 124.
Glaueidium dasypus, 49.
— noctua, 49.
— passerinum, 130.
Globicera, 94.
Glyeyphila satellus, 430.
Graeulus africanus, 284.
— carbo, 284.
— lueidus, 284,
— melanoleucus, 410.
Grallaria flavotincta, 223.
— ruficeps, 223.
Graucalus Lifuensis, 433,
— melanocephalus, 319.
. — monotonus, 433.
— pusillus, 433.
Grus, 255. 256.
— cinerea, 218.
— virgo, 274.
Gygis alba, 409.
Gypaetus, 256.
Gyps fulvus, 386.
Habropyga astrild, 286.
303
Haematopus ostralegus,
274, 391.
Haematortyx sanguini-
ceps, 423.
Haleyon chelicutensis,293.
303. 344.
— eristata, 293.
— irrorata, 293. 343.
— orientalis, 293.
— semicoerulea, 293. 303.
Haliaetus albieilla, 78.110.
256.
— vocifer, 292, 303.
Halieus, 252.
Harelda glacialis, 128,
Harpyia 256.
Helotarsns ecaudatus, 292.
Hemignathus, 191.
Hemipus intermedius, 321.
Heterophasia simillima,
318.
Himantopus rufipes, 74.
125. 391. 444.
Hirundo aethiopicea, 302.
344.
— albigularis, 344.
— filifera, 292. 344.
— Monteiri, 279. 344,
— puella, 302. 344.
— riparia, 231. 375. 386,
INDEX.
Hirundo rufula, 386.
— rustica, 67, 122, 292,
293. 344. 375. 387,
— senegalensis, 189.
— tahitiea, 395.
— urbica, 375. 387.
Hoplopterus spinosus, 296,
301. 337. 391.
Hydrochelidon
reia, 274.
— leucoptera 274.
Hyloterpe brunneicauda,
321.
Hypargos niveiguttata,
280
leucopa-
Hyphaena 284.
Hyphantica
352.
— erythrops, 352.
— quelea, 352.
Hyphantornis aureoflavus,
286, 302.
— Bojeri, 46. 302. 303.
350.
— Cabanisi, 281. 300.
— nigriceps, 281. 302.
Hyphanturgus melanoxan-
thus, 230. 281. 350.
aethiopica.
— nigricollis, 280. 288.
316. 350.
— ocularius, 288, 303.
350.
Hypochera ultramarina,
326,
Hypolais hortensis, 118.367.
— elaica, 389.
Hypotriorchis
129,
Janthoeinela mitrata 431.
— Treacheri, 431.
Janthoenas Leopoldi, 424.
Ibis aethiopicus, 224. 295.
296.
— faleinellus, 74. 392,
— hagedash, 295. 296.
Impennes, 96.
Indieator maculicollis,282.
299.
— malayanus, 313.
minor, 282, 303. 341.
Sparrmanni, 299. 341.
variegatus, 342.
Irrisor eyanomelas, 291.
344,
— erythrorhynchus, 291.
Ixidia squamata, 432.
— nigricans, 304. 308,
— xanthopygius, 304. 308.
Jynx torquilla, 53. 101. 116.
361,
subbuteo,
453
Lagonostieta minima, 212.
352.
— polionota, 212.
— rhodopareia, 212.
— rubricata, 212.
— rufopicta, 212.
Lalage terat, 401.
Lamprocolius chaleurus,
189,
— Hildebrandti, 299.
— melanogaster, 188. 282,
303. 349.
Lamprolia Vietoriae, 399.
Lamprotornis melanogas-
ter, 292,
— porphyropterus, 349,
— purpuropterus, 292,
Laniarius leucopsis, 287.
— quadricolor, 287. 346,
— Salimae, 287.
— sublaeteus, 237.
— sulfureipeetus, 346.
Lanius, 94. 212.
antinorü, 213.
caudatus, 294. 302. 303.
347.
collaris, 214.
collurio, 17. 67. 100.
122. 170. 214. 270, 362.
dorsalis, 213.
erythronotus, 214.
exceubitor, 122. 362,
major, 216, 223.
minor, 17. 67.
122.
phoenicuroides, 347.
ruficeps, 274. 362.
rufus, 100, 122.
schach, 214.
— Souzae, 213. 214.
Laridae, 96,
Larus argentatus, 274.
— audouini, 443.
canus, 274. 392,
fuscus, 274.
leucophaeus, 392.
marinus, 393,
melanocephalus, 442.
ridibundus, 128. 194.
383. 393,
— scopulinus, 410.
Leptopogon minor, 430.
Leptoptilus, 257.
— erumenifer, 296,
Leptornis samoensis, 398.
Lestris catarrhactes, 383,
— pomarina, 442.
Leueolia Pelzelni, 429.
Ligurinus chloris, 174.
— chlorotieus, 174.
100.
454
Limnetes erassirostris, 296.
301. 337,
Limosa melanura, 274.
379.
Linaria alnorum, 184.
— brunnescens, 184. 327.
— Holboelli, 183. 186.
— Hornemanni, 182. 183.
184. 185. 186,
— rufescens, 185.
— sibirica, 185. 186.
Linota canescens, 181.
— exilipes, 181. 182. 185.
186.
— Holbölli, 181.
— Hornemanni, 181. 182.
— linaria, 181. 183. 184.
186,
— rufescens, 131. 185.
Liocichla, 148.
Liothrix laurinae, 317.
Locustella luseinioides,
274.
Lorius solitarius, 394.
Loxia americana, 129.
— atrata, 179. 327.
— bifasciata, 179.
— curvirostra, 179. 371.
— elegans, 180.
— leucoptera, 179.
— pityopsittacus, 179.372.
—- pyrrhula, 176. 177.
Loxioides, 191.
— Bailloni, 187. 189. 190.
224.
Loxops, 191.
Lusecinia lusciola, 365.
— major, 274,
— philomela, 116. 365.
— vera, 53. 116.
Lusciola philomela, 389.
Lyncornis macrotis, 315.
— mindanensis, 315.
Machetes puguax,
379. 392.
Maeronyx croceus, 294.
503. 355.
— tenellus, 299. 355. 438.
Macropygia Arossi, 427.
Mareca penelope, 382.
Megacrex inepta, 309. 310.
Megalophonus Fischeri,
294,
Megapodius Layardi, 421.
— nicobariensis, 258.
Melanocorypha calandra,
268. 273,
Meleagris gallopavo, 258.
390,
Mergus, 360,
274,
INDEX,
Mergus albellus, 128.
— merganser, 128. 274.
383,
— serrator, 81, 128. 274.
Meristes olivaceus, 287.
300. 346.
Merops albicollis, 299. 303.
— apiaster, 50. 115. 274.
387. 443.
— nubieus, 189. 282. 294.
302. 303.
Microhierax fringillarius,
425.
— latifrons, 425.
Miliaria valida, 369.
Milvus ater, 45. 358.
— Forscali, 303.
— migrans, 113. 443.
— parasiticus, 292.
— regalis, 46. 112. 358.
Mimus carolinensis, 396.
Mitua Salvini, 224. 310.
Mixornis capitalis, 95.
Monarcha Brodiei, 435.
.| — Godefroyi, 403.
— Lessoni, 403.
— leucotis, 435.
— loricata, 435.
— verticalis, 435.
Monticola eyanea, 388.
— saxatilis, 388,
Montifringilla arctoa, 175.
— brunneinucha, 175.
— nivalis, 175.
Morphnus Guianensis, 261.
262. 263. 264. 265. 266.
— taeniatus, 261. 262. 263.
265. 266.
Motacilla alba, 58. 119.
270. 271. 363. 389.
— boarula, 363.
— ceinereocapilla, 442.
— flava, 294. 303. 363.
— stapazina, 412.
— sulphurea, 363.
— vidua, 294. 355.
Munia leucostieta, 327.
Musecicapa albicollis, 67.
274. 362.
— atrieapilla, 362. 387.
— einereola, of8. 345.
— collaris, 122.
— grisola, 67. 122. 302.
362.
— luetuosa, 62. 112.
— parva, 67. 130.
Musophaga Rossae, 445.
Mycteria senegalensis, 301. ii
Myiagra albiventris, 403.| — vermiculatus, 196. 303.)
— azureicapilla, 404.
Myiagra castaneiventris,
401. 404. 405.
— cervinicauda, 435. |
— erythrops, 399. 403. 404.
— ferro cyanea, 435.
— intermedia, 436.
— logieri, 436.
— modesta, 435,
— pallida, 436.
— pluto, 405.
— tannaensis, 436.
Myiarchus Selateri, 316.
Myiolestes nigrogularis,
400.
— vitiensis, 400.
Myiophonus dierorhyn-
chus, 329.
— flavirostris, 329.
Myzomela caledonica, 431.
— jugularis, 397.
— Lifuensis, 431.
- u 397.
rubrata, 397.
— sanguinolenta, 431.
— Selateri, 431.
— splendida, 431.
Nectarinia collaris, 300.
— gutturalis, 300.
— Kalckreuthi, 300.
— lLonguemarei, 300.
Neectris major, 393. |
Neochmia phaeton evan--
gelinae, 326.
Neomorphus radiolosus,,
224,
Neophron perenopterus,,
386. 443. |
— pileatus, 275.
Nettapus auritus, 285.
Nilaus capensis, 346.
Niltava sumatrana, 320.
Ninox philippinensis, 311.,
— spilocephala, 311,
Nisus communis, 45. 111.
— rufitorques, 425. |
|
Nucifraga caryocatactes,,
121. 212. 373. i
Numenius arcuatus, 125.
274. 379. 392.
— phaeopus, 125.379. 442,
— tenuirostris, 442. I"
Numida, 259, |
— Pucherani, 284, 300.
Ocniseus atrieapillus, 339,
Oedienemus, 274. |
— crepitans, 73. 102, 124,
378. 391. |
— grallarius 408.
338.
Oena capensis, 203.
Oraegithus pusillus, 174.
Oriolus galbula, 68. 122,
307. 363. 388.
— notatus, 349.
— Rolleti, 282. 300. 349,
Orthogonys ceyanicterus,
206. 207,
— viridis, 207,
Ortygometra nigra, 297,
303.
— porzana, 272. 297. 378,
392.
— pusilla, 271;
— pygmaea, 279. 338.
— guadristrigata, 408.
Orynx xanthomelas, 351.
Otis, 255. 256.
— australis, 408,
— houbara, 333,
Macqueenii, 333.
maculipennis, 284, 338.
melanogaster, 284.
tarda, 73.
tetrax, 211. 217. 332,
Otus brachyotus, 114. 212.
273. 360,
— sylvestris, 114. 360.
Pachycephala icteroides,
401,
— intermedia, 323.
— neglecta, 323.
— torquata, 323, 401.
— vitiensis, 400. 401.
Pachyrhamphus einereus,
209.
cinnamomeus, 208.
intermedius, 208. 223.
316.
polychropterus, 208.
209.
—
rufescens, 208. 209.
— rufus, 208.
Palaeornis cyanocephala,
211.
— rosa, 211,
Palumbus torquatus, 376.
Pandion haliaetus, 39. 111.
273.
Panychlora aliciae, 209.
— inexspectata, 209. 316.
— stenura, 209.
Paradisea apoda, 325.
— novae Guineae, 325.
Parra africana, 297. 303.
338.
— gallinacea, 409.
Parus ater, 101. 123. 268,
274. 378.
— biarmicus, 443,
INDEX.
Parus caudatus, 223.
— coeruleus, 68, 101. 122.
269. 368.
— eristatus, 274. 368. 397,
— major, 68. 101. 122. 218.
368. 387.
— paluster, 69.
— palustris, 69. 101. 123,
368.
— pendulinus, 130. 274.
Passer eisalpinus, 175. 221,
— domesticus, 60. 119.
175. 219. 370. 390.
— hispaniolensis, 175.221.
— indieus, 175.
— montanus, 30. 61. 119,
175. 371.
— petronella, 299,
— petronius, 390,
— Swainsoni, 286. 302.
Pastor roseus, 120. 216.
388.
Pavo eristatus, 258.
Pelecanus, 252. 253. 272,
273.
— onocrotalus, 383.
— rufesceens, 295.
Pelidna alpina, 274.
Peloperdix rubrirostris,
310.
Penthetria axillaris, 212.
286. 351,
— macroura, 212.
Perdix chukar, 391.
cinerea, 124, 147. 252.
258. 379. 440,
graeca, 391.
petrosa, 247. 252. 258.
378.
rubra, 247. 252. 258.
378,
— rufa, 377.
saxatıllis, 377.
Perierocotus montanus,
321.
Pernis apivorus,
267, 273. 359.
Petrocincla, 303.
— saxatilis, 355.
Petroica pusilla, 398.
Petronia breviroster, 175.
— rupestris, 174.
— stulta, 221.
Pezophaps solitaria, 95.
Phasianus colchicus, 73.
124. 247. 258.
gallieus, 415.
ignitus, 95.
41. 111.
pictus, 247. 258.
455
Phasianus torquatus, 247,
258.
— versicolor, 219.
Phlegoenas Stairi, 407.
Phoenicopterus, 302. 444,
Phyllopneuste fitis, 118.
367,
— rufa, 367, 400.
— sibilatrix, 57. 367.
— trochilus, 274. 389. 419.
Phyllornis aurifrons, 212.
Pica caudata, 66. 121. 372,
387.
Piceus eanus, 52. 101. 116.
274. 361.
leuconotus, 216.
major, 52. 116. 361.
martius, 51. 274, 361.
medius, 116.
minor, 52. 116.
274. 361.
nubicus, 289,
schoe@nsis, 343,
tridactylus, 361.
viridis, 52. 101, 116.
361.
Piezorhynchus vidua, 436.
Pinarolestes Powellii, 322.
— vitiensis, 322,
Pinieola enucleator, 120.
180.
Pionias fuseicapillus, 303.
— senilis, 212.
— sordidus, 212.
Pipreola frontalis, 233.
— Lubomirskii, 430.
Pitta angolensis, 214.
— areuata, 149,
— Rochi, 96.
Pitylia caniceps, 336. 352.
440.
Platalea, 297,
— leucorodia, 392.
Platycereus palliceps, 212.
— personatus, 393.
— splendens, 394.
— tabuensis, 394.
Platystira peltata, 288.
— pririt, 288. 346.
— senegalensis, 288. 308.
Ploceus aethiopieus, 280.
236.
— sanguinirostris ,
286.
Podica Petersi, 297.
Podiceps, 252. 253.
— arctieus, 384.
— auritus, 83. 129.
212.
280.
nychthemerus, 247.258. | — cornutus, 384.
— cristatus, 83. 129. 384.
456
Podiceps minor, 83. 129.
223. 297. 384,
— ruficollis, 129.
— suberistatus, 83. 384.
Poeeilodryas capito, 332.
— flavicincta, 322.
— leucops, 322.
Poephila modesta, 212.
Pogonorhynchus irrora-
tus, 283. 291.
— melanopterus, 291. 342.
Polyboroides typicus, 292.
Polymitra flavigastra, 353.
Polyplectron Schleierma-
cheri, 149,
Poodytes albo limbatus,
329.
Porphyrio Edwardsi, 95.
— Ellioti, 421.
Porzana minuta, 408.
Pratincola rubetra, 55.117.
365.
— rubicola, 55. 117. 268.
Prinia hypoxantha, 329.
Prionops graeulinus, 287.
347.
— poliocephalus, 299.347.
Prionochilus olivaceus, 95.
Procellaria ceoerulea, 410.
— glaeialis, 410.
— haesitata, 334,
Procellariidae, 66.
Psamathia annae, 399. 404.
Pseudoptynx Gurneyi,
311.
Psittacirostra, 191.
— ieterocephala, 187. 190,
Psittacula, 210.
Psittacus Geoffroyi, 211.
— incertus, 210. 211.
— passerinus, 210.
— senegalus, 189.
— timneh, 212.
Psittinus, 211.
— incertus, 211.
Pternistes Cranchi, 284.
423.
— Lucani, 423.
Pterocles, 259. 444.
— alchata, 390.
— arenarius, 157.
— tachypetes, 258.
Pteroglossus Gouldi, 212.
Pteruthius cameran0i,323.
Ptilinopus fasciatus, 407.
— Perousei, 407.
Ptilotis carunculata, 397.
398,
— procerior, 398,
— provocator, 398.
INDEX.
Ptilopus, 95.
— ceraseipectus, 424.
— Gestroi, 95.
pietiventris, 95.
Pucrasia Biddulphi, 424.
Pyenonotus nigricans, 287.
303.
Pyctorhis nasalis, 318,
— sinensis, 318.
Pyranga cyanictera, 206.
207.
— ieteropus, 206.
Pyrenestes, 300.
— albifrons, 353.
— unicolor, 280. 303. 353.
Pyrrhula, 191.
— cineracea, 177. 178.
— coceinea, 175. 176.
erythrocephala, 178.
europaea, 131. 176. 177.
germanica, 176. 177.
223.
major, 131. 175. 176.
nipalensis, 178.
peregrina, 176,
rubieilla, 175. 177. 178.
rufa, 177.
vulgaris, 120. 175. 177.
274, 371.
Pytelia eiterior, 352.
—— larvata, 212,
— melanotis, 300,
— minima, 280. 286.
— phoenicotis, 286.
Querquedula crecca, 382.
Quiscalus guadeloupensis,
325,
Rallina tricoloris, 309.
Rallus aquaticus, 126. 378.
— Diefenbachi, 421.
— gularis aldabrana, 309.
— macquariensis, 421.
— pectoralis, 408,
Rectes brunneiceps, 322.
Recurvirostra, 274,
— avocetta, 125. 442. 444.
Regulus eristatus, 118.
— flavicapillus, 365. 368.
— ignicapillus, 118. 212.
368.
Rimator albo-striatus, 317.
Rhea, 255.
Rhipidura
402.
albiscapa, 402.
atrata, 320,
cervina, 437.
elegantula, 437.
Kubaryi, 403.
nebulosa, 402. 403.
albifrontata,
Rhipidura personata, 403.
— rubrofrontata, 437.
— squamata, 437.
— torrida, 437.
— versicolor, 402.
Rhynchastatus funebris,
276. 277.
Rhynchocyclus breviro-
stris, 357.
— ceinereiceps, 356.
Rhynchops flavirostris,
298.
Rhynchotus rufescens, 258.
Rubigula flaviventris, 43.
— montis, 433.
Ruticilla arborea, 117.130.
— atra, 117. 130.
— phoenicura,54. 270.365.
— tithys, 274. 365.
Sareidiornis melanotus,
296,
Sarcoramphus, 256.
Saxicola aurita, 388. 389.
erythraea, 389.
isabellina, 299. 302. 256,
leucomela, 388. 389.
391,
oenanthe, 55. 117. 365.
388.
rubicola, 274.
saltatrix, 388.
— stapazina, 388.389. 412.
Schizorhis leucogaster,
299. 340.
Scolopax eyprius, 392.
— gallinago, 380.
— gallinula, 380. 392,
— rusticola, 274. 379.
Scops Everetti, 311,
— lempiji, 311.
— podargina, 394,
— zorca, 274, 394.
Scopus umbretta, 284. 296,
297. 301. 339.
Scotopelia Peli, 289, 290.
340,
Serinus hortulanus, 120.
174. 370. 390.
Sitta caesia, 70. 123,
— europaea, 974.
— syriaca, 387.
Sittace severa, 212.
Somateria Stelleri, 216,
Spatula celypeata, 128.
Speeculipastor bicolor, 281. |
300. 324. 349. |
Spermestes cantans, 286. |
— cucullata, 286. 303.
— rufodorsalis, 286. 303,.
Spheniscus, 252. 260.
‚ Spilocorydon
‚trus, 354,
Spinus viridis, 370.
Spizaetus oceipitalis, 276.
292.
Stachyris Bocagei, 318.
Stagnicola chloropus, 79.
126
hyperme-
Steatornis, 151.
— caripensis, 252.
Steganopodes, 96.
Sterna Bergii, 409.
— cantiaca, 383.
— fissipes 384.
— fluviatilis, 128.
— fuliginosa, 409.
— hirundo, 81. 384, 409,
— leucopareia, 81,
—— lunata, 409.
-— macroura, 274,
melanauchen, 409,
minuta, 129. 274, 392.
— nigra, 14. 15. 81. 129,
— panaya, 409,
Stoparola rufierissa, 320.
Strepsilas, 274.
— interpres, 379. 415.
Strix castanops, 426.
— dasypus, 360.
— delicatula, 191. 193,
flammea, 49, 191. 268,
273. 360.
inexspectata, 426.
‚nısorla, 217.
noctua meridionalis,
386.
— novae Hollandiae, 193.
194. 426,
—— nyctea, 216,
— ÖOustaleti, 191. 193, 194.
427.
_ Ben. 193.
— Rosenbergii, 426.
— tenebrieosaArfaki,427.
— uralensis, 216,
Struthio, 255. 261,
Sturnus vulgaris, 63. 120,
374. 398,
Sula, 253.
Surnia nisoria, 113.
Suthora bulomachus, 180,
Sycobrotus Kersteni, 281.
288. 302. 350,
Sylvia arundinacea, 366.
367.
-— atricapilla, 56. 118. 389,
»— Blanfordi, 327,
— cinerea, 17. 57.
396. 442,
— cisticola, 442.
——
—
—
—
—
118,
INDEX.
Sylvia conspieillata, 398.
— garrula, 57. 118.
— hortensis, 56. 118.
melanocephalus, 294,
nisoria, 56. 118. 270.
rubecula, 365.
turdoides, 366.
Sylviella leucopsis, 279.
328. 353.
— microura, 328.
Synallaxis maranonica,
430.
Syrnium aluco, 49. 114.
360.
— uralense, 49.
— Woodfordi, 289, 290,
340.
Syrrhaptes paradoxus,216.
271. 273.
Tachyphonuschloricterus,
206
Taenioptera australis, 316,
Talegallus Ouvieri, 422.
— pyrrhopigius, 422.
Tantalus ibis, 297. _
Tanygnathus Burbidgi,
427.
— Mülleri, 427.
Telephonus erythropterus,
2837. 303. 347,
Telmatias gallinago, 392.
Terpsiphone Ferreti, 277.
345.
— melanogastra, 278. 288,
300, 303.
Tetrao bonasia, 334. 378.
— Mlokosiewiezii, 138.
— tetrix, 271. 273. 377.
— urogallus, 258. 377.
Textor Dinemelli, 299. 357.
Thalassidroma pelagica,
216.
Thamnobia quadrivirgata,
278, 328. 355.
Tharrhaleus modularis,
364.
Thaumasius Tacezanows-
kii, 315.
— viridiceps, 316.
Thrasaetus harpyia, 262.
Thryothorus Selateri, 432.
Tiehodroma muraria, 374.
Tiga Everetti, 96.
Tinamus maculosus, 258.
Tinnunculus alaudarius,
359,
Tmetothylacus, 438.
— tenellus, 438,
Totanus calidris, 74. 274,
380,
457
Totanus glareola, 380.
— glottis, 271. 380.
— ochropus, 102. 125. 380,
— stagnatilis, 74. 274. 380.
392.
Trachypelmus brasiliensis,
258.
— Tao, 258.
Trachyphonus
ceps, 299. 342.
Treron Teysmannii, 435.
— Wakefieldi, 291. 339.
Trichas bivittatus, 208.
Trichoglossus caerulei-
ceps, 313. 427.
— nigrigularis, 313.
— rubiginosus, 330.
Trichophorus, 214.
Trichostomus rufifrons, 96,
Tringa alpina, 391.
— ferruginea, 380,
— minuta, 380. 391.
— subarcuata, 391.
— varlabilis, 380,
Trochocereus bivittatus,
288. 320. 345.
Troglodytes parvulus, 118.
367
squami-
“ A)
Trogon narina, 288, 289,
342,
Turdinus rufipectus, 323,
Turdirostris leptorhyncha,
347,
Turdus atrigularis, 216,
— bicolor, 405,
— falelandicus, 152. 405.
Grayi, 405.
guttatus, 278, 287. 356,
iliacus, 117. 364.
merula, 56. 117. 364,
388. 405.
musicus, 55. 117, 216}
364. 388.
Naumanni, 216.
pilaris, 117. 274. 364.
405.
polyglottus, 367.
ruficollis, 117.
sibiricus, 216,
tephronotus, 279,
torquatus, 405.
vanicorensis, 405.
varius, 216.
viseivorus, 56, 117. 364,
— vitiensis, 405,
Turnix lepurana, 284, 339,
Turtur auritus, 376.
— capicola, 300.
— risoria, 377.
— semitorguatus, 300. 303.
dere
458 INDEX.
Ulula aluco, 256. Vidua prineipalis,
Upupa, 252. 253. 256. 300. 303. 351.
— epops, 71.101.123. 212. !— splendens, 300.
280.| Vultur oecipitalis, 292,
— perenopterus, 291,
316.!— pileatus, 291, 292.
374 387. 352. Xanthodira pyrgita, 353.
Uraeginthus ianthinogas- |— Verreauxi, 299. 303.| Xema Sabinil, 334 |
ter, 326. 353. 351. Zanelostomus australis,
Uragus sanguinolentus, | Volvocivora mindanensis, 283. 289. 303. 342.
178. 329, Zosterops atricapilla, 317.
— sibirieus, 178, Vulpanser tadorna, 272.) — explorator, 396.
Uria, 227. 273. — flaviceps, 396.
Urospiziaspallidiceps,425. | Vultur einereus, 10. 12.) — griseonota, 431.
— torquatus, 425. 17. 26. 27. 109. — ponapensis, 396.
Vanellus eristatus, 74. 124.|— fulvus, 12. 17. 25. 26.] — Semperi, 396.
218. 218. 379. 444, 27. 31. 109. 256. 275.|— tenella, 278. 288, 349.
— gregarius, 218. 219. 291. — vatensis, 431,
1
G. Pätz’sche Buchdruckenei (Otto Hauthe)) in Naumburg a/ß,
JOURNAL
für
ORNITHOLOGIE
DEUTSCHES CENTRALORGAN
für die
gesammte Ornithologie.
In Verbindung mit der
Allgeneinen Veutzchen ornithulagischen Gesellschaft zu Berlin,
mit Beiträgen von
Eug. FE. v. Homeyer, Dr. A. v. Brehm, Prof. Dr. Altum, Dr. Jean Gundlach, Dr. R.
Blasius, Dr. Kutter, Vietor v. Tschusi-Sehmidhoffen, Dr, Ant. Reichenow, L. Taeza-
nowski, A. Nehrkorn, Dir. Dr. A. B. Meyer, Prof. Dr. K. Th. Liebe, Herm. Schalow,
Dir. €. F. Wiepken, Dr. G. A. Fischer, J. Rohweder, Th. Pleske, Dr. R, Böhm
und anderen Ornithologen- des In- und Auslandes,
herausgegeben
von
Prof. Dr. Jean Cabanis,
Custos am Königl. Zoologischen Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin;
General-Seer. d. Allgem, deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin.
XXVI. Jahrgang.
Heft I. Vierte Folge, 7. Band. Januar 1879.
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Leipzig, 1879.
Verlag von L. A. Kittler.
LONDON, PARIS, NEW-YORK,
Williams & Norgate, 14. A. Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co
Henrietta Street, Coventgarden. 524 Broadway.
Preis des Jahrganges (4 Hefte mit Abbildungen) 20 Rimk. praen.
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-. Secretair der Gesellschaft Prof. Dr. Cabanis in Berlin
Inhalt des L Heftes,
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Allgemeine desliche ornith. Gesellschaft zu N!
2. Mitglieder-Verzeichniss der Gesellschaft . . . . »
3. Benachrichtigung für die Mitglieder (Journal-Angelegenhei)
4. Statut der Gesellschaft a a EEE ET
Nachriehten: RR RR ERDE
5. An die Redaction eingegangene Schriften. . . . Sa |
In Angelegenheiten des „Journals für Ornithologie“ sowie. di
logischen Centralblattes“ und der „Allgemeinen deutschen orni gisch
Gesellschaft zu Berlin“ wird gebeten das Folgende zu beachten: RE ar
Alle für die Redaction sowie für die „ornithologische Gese
schaft“ bestimmten Zusendungen, Mittheilungen, Manuseripte Ind
gen Postsendungen, sind an den Herausgeber des Journals w
Jacobs-Str. No. 1034. zu senden; dagegen
alle den Buchhandel perrelelahn oder dureh Buchhä i
heit vermittelten Zusendungen, Beilagen etc. an ‚den Verle er,]
in IRFIE zu richten. .
u Das Schluss-Heft des I unge 1878 (mit Ind ud
innerhalb 1a Ken nachgeliefert, |
9. Pätzsche Buchdruckerel (Ofto Hautha)) in.
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für
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für die
gesammte Ornithologie.
In Verbindung mit der
Allgemeinen ventschen arnithulngischen Gosellschaft zu Berlin,
mit Beiträgen von
Eug. F. v. Homeyer, Dr. A. v. Brehm, Prof. Dr. Altum, Dr. Jean Gundlach, Dr. R.
Blasius, Dr. Kutter, Vietor v. Tschusi-Schmidhoffen, Dr. Ant. Reichenow, L. Tacza-
nowski, A. Nehrkorn, Dir. Dr. A. B. Meyer. Prof. Dr. K. Th. Liebe, Herm. Schalow,
Dir. €. F. Wiepken, Dr. G@. A. Fischer, J. Rohweder, Th. Pleske, Dr. R. Böhm
und anderen Ornithologen des In- und Auslandes,
herausgegeben
von
Prof. Dr. Jean Cabanis,
Custos am Königl. Zoologischen Mus=um. der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin;
General-Secr. d. Allgem, deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin.
XXVI. Jahrgang.
Heft I. Vierte Folge, 7. Band. April 1879.
DEUTSCHES CENTRALORGAN
Preis des Jahrganges (4 Hefte mit Abbildungen) 20 Rmk. praen.
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Leipzig, 1879.
Verlag von L. A. Kittler.
NDON, PARIS, NEW-YORK, |
Williams & Norgate, 14. A. Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co.
Henrietta Street, Coventgarden. 524 Broadway. \ )
Inhalt des II. Heftes.
Aufsätze, Berichte, Briefliches etec.: Seite
1. Ornithologische Beobachtungen in den Auwäldern der Donau bei
Wien. Vom Kronprinzen Rudolf von Oesterreich und
Brehm .. 97
2. Ornithologische Wie aus et ni Una (1878).
Von Vietor Ritter von Ei zu Schmidthoffen.. . . . 189
3. Ueber die Fortschritte auf dem Gebiete der Ornithologie vom Jahre
1875 bis zur Gegenwart. Von Herman Schalow. . . 131
4. Beiträge zur Geschichte des Creulus canorus. Von Forsimeik
HGoacbeksts2t 7, EEE
5. Meine ornithologische Samaluae: yon E. E von Homeyae PR SHg
6. Ueber einige seltene Vögel der Bremer Sammlung. Von Dr. G. Hart-
laud.. en - 187
7. Ueber die sr Eolenie von we ne "Yes Na
NAEH RE ee ee
8. Zur Discussion a I Zuatee Yos Dr, J. A. Palmen. . 1%
9. Ueber ein neues Genus und neue Arten aus Südamerica. Von Hans
Grafvon Berlepsch . ....." 7 „u. SL Er
Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin:
10. Bericht über die November-Sitzung 1878. (Cabanis: Ueber die
Gattung Psittacula. — Reichenow: Ueber Palaeornis rosa und
cyanocephala.) . » » » 210
11. Bericht über die December- Sikrung 1878. (Sch ar. Deber Lok
Arten.) .... - .. 212
12. Bericht über er Ta Se 1879. (Alam: U Br Vogl
sammlung der Forstakademie zu Eberswalde. — Brehm: Häufiges
Vorkommen der Strix nisoria in den Karpathen. — Altum: Ap-
ternus tridactylus in der Mark. — Brehm: Ueber das Leben des
Vanellus gregarius.). - 215
13. Bericht über die Februar Sitzung 1879. (Ca Ba Bar domaa
auf Cuba.) . .. 219
14. Bericht über die Mirz- Ben 1879. (€ a Üaket one
pertinac und verwandte Arten. — Graf von Berlepsch: Neue
südamericanische Arten.) ... > 20.7 20 on en
Nachrichten:
15. An die Redaction eingegangene Schriften . . » . 2 2 2.2... 28
In Angelegenheiten des „Journals für Ornithologie“ sowie des „Ornitho-
logischen Centralblattes“ und der „Allgemeinen deutschen ornithologischen
Gesellschaft zu Berlin“ wird gebeten das Folgende zu beachten:
Alle für die Redaetion sowie für die „ornithologische Gesell-
schaft“ bestimmten Zusendungen, Mittheilungen, Manusceripte und sonsti-
gen Postsendungen, sind an den Herausgeber des Journals und. General-
Secretair der Gesellschaft Prof. Dr. Cabanis in Berlin SW., Alte
Jacobs-Str. No. 1034: zu senden; dagegen
alle den Buchhandel betreffenden oder durch Buchhändler-Gelegen-
heit vermittelten Zusendungen, Beilagen etc. an den Verleger, L. A. Kittler
in Leipzig zu richten. Bin
G. Pätz’sche Buchdruckerei (Otto Hauthal) in Naumburg a/S.
Eug. F. v. Homeyer, Dr. A. v. Brehm, Prof. Dr. Altum, Dr. Jean Gundlach, Dr. R.
JOURNAL
ORNITHOLOGIE,
DEUTSCHES CENTRALORGAN
für die
gesammite Ornithologie.
In Verbindung mit der
Allgemeinen deutschen urnithulugischen Gesellschaft zu Berlin,
mit Beiträgen von
Blasius, Dr. Kutter, Vietor v. Tschusi-Schmidhoffen, Dr. Ant. Reichenow, L. Tacza-
nowski, A. Nehrkorn, Dir. Dr. A. B. Meyer, Prof. Dr. K. Th. Liebe, Herm. Schalow,
Dir. €. F. Wiepken, Dr. @. A. Fischer; J. Rohweder, Th. Pleske, Dr. R. Böhm
und anderen Ornithologen des In- und Auslandes,
herausgegeben
von
Prof. Dr. Jean Cabanis,
Custos am Königl. Zoologischen Museum der Friedrieh-Wilhelms-Universität zu Berlin;
General-Secr. d. Allgem. deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin.
' XXVI. Jahrgang.
Heft III. Vierte Folge, 7. Band. Juli 1879.
Mit 1 colorirten Tafel.
Leipzig, 1879.
Verlag von L. A. Kittler..
NDON, PARIS, NEW-YORK,
Williams & Norgate, 14. A, Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann &4Co.
Henrietta Street, Coventgarden. 524 Broadway,
Preis des Jahrganges (4 Hefte mit Abbildungen) 20 Rmk. praen.
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Inhalt des Hl Heftes,
Aufsätze, Berichte, Briefliches etec.:
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2.
3.
4.
5.
6.
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Allgemeine deutsche ornith. Gesellschaft zu Berlin:
8. Bericht über die April-Sitzung. Verhandelt Berlin, 7. April 1879, .
Betrachtungen über die Selectionstheorie vom St a der De
aus. Von W. v. Nathusius N
Ueber Morphnmus taeniatus Gurney Ber m. Auer Dead En
August.v. Pelzeln
Ueber Vögel des Uman’schen ee \Nachkrer) Won Forstmeister.
H. Goebel { ?) DR
Briefliche Bescherichie: aus ; Asia Brise w. ne Di, 6. * inekas
Zur Naturgeschichte des Icos wanthopygius Hempr. u. Ehrb, Von
Stud. Aug. Müller. (Hierzu Taf.-I. Fig. 4. 5.) ’ -
Compendium der neu beschriebenen Gasen und Arten. % Von
Ant. Reichenow und Hermann Schalow .....,
Ueber Domicella Kuhli, Von Dr. OÖ. Finsch .
(Hausmann: Ueber Otis tetrax in Mecklenburg. — A. Brehm:
Ueber das Brutvorkommen von Zrismatura er in Sieben-
RI.
bürgen.)
Bericht über &e Mai: Bilhny. Verhandiit Horlin,! 5. Mai’ 1879.
(Cabanis: Ueber Aulanaz latirostris und verwandte Arten.)
Nachrichten:
10, An die Redaction eingegangene Schriften .
11,
Taf. 1 Fig. Be Cosmopsarus regius Rehnw.
Fi ig. . 3. Speculipastor bicolor Rthnw. 2 & 3 9
Fig. 4. 5. Eier von Jxos RORAUSHATOE Hmöpr. Ehbg.
In Angelegenheiten des „Journals für Ornithologie“ sowie des ‚Orakine, Be
Seite H N
225
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304
335
logischen Centralblattes“ und der „Allgemeinen deutschen ornithologischen -
Gesellschaft zu Berlin“ wird gebeten das Folgende zu beachten:
Secretair der Gesellschaft Prof. Dr.
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Alle für die Redaetion sowie für die „ornithologische Gesell
schaft‘ bestimmten Zusendungen, Mittheilungen, Manusceripte und Sn.
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G. Pätz’sche Buchdruckerei (Otto Hauthal) in Naumburg a/9.
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ORNITHOLOGIE
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für die
gesammte Ornithologie.
In Verbindung mit der
Allgemeinen eutschen arnithulogischen Genellachaft zu Berlin,
mit Beiträgen von
Kronprinz Rudolf von Oesterreich, Eug. F. v. Homeyer, Dr. A. v. Brehm, Dr. G.
Hartlaub, Prof. Dr. Altum, Aug. v. Pelzeln, Dr. R. Blasius, Dr. Kutter, Vietor
v. Tschusi-Schmidhoffen, Forstmeister H. Goebel, Dr. Ant. Reichenow, W.v. Na-
thusius, Graf v. Berlepsch, A. Nehrkorn, Herm. Schalow, Dr. J. A. Palmen,
Dr. @. A. Fischer, J. Rohweder, Dr. R. Böhm, Prof. E. A. Goeldlin, Stud. Aug. Müller
und anderen Ornithologen des In- und Auslandes,
herausgegeben
von
Prof. Dr. Jean Cabanis,
Custos am Königl. Zoologischen Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin;
General-Seer. d. Allgem. deutschen ornithologischen Gesellschaft zu Berlin.
XXVII Jahrgang.
Heft IV. Vierte Folge, 7. Band. October 1879.
Mit 1 colorirten Tafel.
Leipzig, 1879.
Verlag von L. A. Kittler.
LONDON NEW-YORK,
‚Williams & Norgate, 14. A. Franck, rue Richelieu, 67. B. Westermann & Co.
Henrietta Street, Coventgarden. 524 Broadway.
Preis des Jahrganges (4 Hefte mit Abbildungen) 20 Rmk. praen.
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Prospectus.
Vogelbilder aus fernen Zonen.
Atlas
der bei uns eingeführten ansländischen Vögel,
mit erläuterndenm Text.
Allen Haturfreunden
insbesondere r
den Liebhabern ausländischer Stubenvögel und Besuchern
zoologischer Gärten
gewidmet von
Dr. Ant. Reichenow,
Assistent am Kgl. Zoolog. Museum in Berlin, Stellvertr. Secretair der Allgem. Deutschen
Ornithologischen Gesellschaft und Redacteur des Ornithologeischen Centralblättes.
IL. Theil: Papageien.
Aquarelle von G. MÜTZEL.
—___ ag m>e ———
An alle Vogelfreunde!
D“ Liebhaberei für ausländische Stubenvögel, deren Pflege und
U = r . - > A 3
Zucht in der Gefangenschaft hat m den letzten Jahren einen
‚grossartigen Aufschwung genommen. Die befiederten Bewohner aller
Breiten, insbesondere die farbenprächtigen Vögel der Tropen, haben
in immer weiteren Kreisen sich Beliebtheit erworben, als Hausfreunde,
als Zimmergenossen in Palast und Hütte Eingang gefunden. An
Stelle der früher beschränkten Anzahl nur gelegentlich übergeführter
Arten ist jetzt ein regelmässiger Import der mannigfachsten Vogel-
formen getreten, und der Vogelhandel hat sich demgemäss zu einer
Höhe erhoben, dass er bereits volkswirthschaftliche Bedeutung be-
ansprucht.
Diesen erfreulichen Aufschwung verdauken wir den veränderten
Motiven, welchen die gegenwärtige Vogelliebhaberei entspringt. Das
einfache Wohlgefallen an den hefiederten Zimmergenossen, an ihrer
— — ——— —
y
Färbung, ihrem Gesange, ist jetzt einer ernsteren Auffassung, einem
tieferen Verständniss gewichen, dem Streben nach Erkenntniss und
Belehrung, dem tieferen Eindringen in die reichen Schöpfungen der
Natur, dem-Drange, die Eigenschaften, Sitten und .Gewohnhei
der Pfleglinge za ‚erforschen. Die werthvollen Beobacht m n
gefangenen Vögeln, welche verständnissvolle Liebhaber und- Züchter
in neuerer Zeit so zahlreich uns mittheilen, legen Zeugniss ab von
dieser ernsteren Auffassung, ebenso wie das Streben der Händler,
den Markt mit neuen Arten zu bereichern.
Je weiter aber in diesem Sinne die Vogelliebhaberei sich aus-
breitet, um so dringender wird das Bedürfniss, die gefangenen, ge-
pflegten, zur Schau gestellten Vogelarten richtig zu bestimmen, die
Namen zu wissen, unter welchen dieselben in die Vogelkunde ein-
geführt und allgemein bekannt wurden, um über ihre Stellung in
der grossen Reihe der organischen Wesen, über ihre Bedeutung in
der Entwicklungsgeschichte der 'Thiere, ihren Aufenthalt, ihre Lebens-
weise in der Freiheit sich zu unterrichten. Eine exacte Bestimmung
aber ist oft keine leichte,Aufgabe., Die Schwierigkeit, ohne längere
Uebung nach Beschreibungen in den Handbüchern Vogelarten, ins-
besondere lebende Vögel, zu bestimmen, wird jeder Vogelfreund er-
fahren haben. Die Unkenntniss, ‚Unsicherheit, ja Verwirrung, welche
man hinsichtlich der Namen so vielfach findet, beweist, dass unsere
gegenwärtigen literarischen Hülfsmittel nicht genügen. Das Wort,
mag es noch so genau schildern, ersetzt nicht die Anschauung.
Was man aber durch anhaltendes Studium einer Beschreibung nicht
erreicht, das bietet mit Leichtigkeit eine gute Abbildung. Hierin
liegt ein Zweck unseres Werkes. Es soll Vogelliebhabern, Züchtern
und Händlern durch naturgetreue Abbildungen eine schnelle, richtige
Bestimmung ihrer Vögel ermöglichen, die wissenschaftlichen und TVri-
vial-Namen sie kennen lehren. Es wird in dieser Hinsicht auch Be-
suchern zoologischer Gärten willkommen sein, um unter der oft
grösseren Anzahl gemeinsam die Fluggebauer bevölkernder Vögel
die Bezeichnungen der einzelnen zu erfahren, und wird, dei ber wwissen-
schaftlich genauen. Ausführung der Figuren, in Museen und anderen
zoologischen Instituten als wichtiges Hülfsmittel zur Bestimmung der
Arten dienen. Ferner soll der beigefügte Text in kurzer Darstel-
lung Vaterland, Aufenthalt und Freileben der abgebildeten Vögel
schildern, und da die auf den einzelnen Tafeln in charakteristischen
Gruppen dargestellten Arten mit Rücksicht auf ihr Vorkommen oder
ihre Verwandtschaft ausgewählt sind, so wird man gleichzeitig eine
Charakterskizze der Vogelwelt eines Landes, oder eine Uebersicht
über eine Vogelgruppe in Bild und Wort erhalten. Somit werden
die „Vogelbilder auch allen Naturfreunden belehrende Unterhaltung
gewähren und endlich als Prachtwerk eine Zierde der Büchertische
sein.
Das im Verlage von Theodor Fischer in Cassel
erscheinende Werk wird in Lieferungen ausgegeben. Jede
Lieferung enthält drei Tafeln in Folio, mit begleitendem
Text. — Der Subseriptionspreis ist möglichst niedrig, mit
> Mark für die Lieferung berechnet. Zugleich wird eine
Prachtausgabe auf Carton zum Subseriptionspreise von
8 Mark pro Lieferung veranstaltet.
Der zunächst erscheinende erste Theil wird
auf etwa 15 Tafeln die Papageien enthalten und
ein abgeschlossenes Ganze bilden.
‘Die Tafeln ‚sind Aquarelle des als Illustrator von „brehm's
Thierleben“, des „Journal für Ornithologie“ und als Mitarbeiter an
belletrist. Zeitschriften rühmlichst bekannten Thiermalers G@. Mützel.
Die artistischen Leistungen der Verlagshandlung sind bekannt genug,
um auch für unsere „Vogelbilder“ hinsichtlich des Farbendruckes und
der übrigen Ausstattung das Vorzüglichste erwarten zn lassen.
So empfehle ich denn das neue Werk allen Naturfreunden an-
selegentlichst, mit dem Wunsche, dass es als ein nützliches Hülfs-
mittel, eine belehrende und unterhaltende Darstellung in Bild und
Wort, als ein schmückendes Prachtwerk, in weiten Kreisen Eingang
finden und zur Verbreitung der Vogelkunde, zur Förderung der
Vogelliebhaberei beitragen möge.
Berlin, im März 1878.
Dr. Ant. Reichenow.
ee ee Sy gr NAIMHAHE
Unterzeichneter verweist auf umstehende Kritik des
als Autorität anerkannten Dr. A. E. Brehm, dem die
soeben erscheinende 1. Lieferung vorgelegt ist.
Aufträge vermitteln alle Buchhandlungen des In- und
Auslandes,.
Cassel, im October 1878.
Theodor Fischer,
Verlagshandlung.
Mit ebensoviel Theilnahme als Freude begrüsse ich die erste Lieferung von Reichenows
„Vogelbildern aus fernen Zonen.“
Seit Jahren bestrebt, an Stelle der ungenügenden Thierbeschreibungen nicht minder
anmassender als unwissender Buchschreiber wahrheitsgetreue, den Errungenschaften der Wissen-
schaft entsprechende Schilderungen treten zu lassen, gereicht mir das Erscheinen eines Werkes
wie das vorliegende zu hoher Befriedigung. Ich bin von jeher überzeugt gewesen, dass eine
gute Abbildung das geschriebene Wort weit hinter sich zurücklassen muss, selbst wenn das
letztere zu malen im Stande sein sollte. Daher hat mich, zumal bei Bearbeitung meiner „Ge-
tangenen Vögel,“ vielfach der Gedanke beschäftigt, wie es zu ermöglichen sein möchte,
ernster strebenden Vogelwirten, Liebhabern wie Händlern, farbige Abbildungen, ein für viele
unumgänglich nothwendiges, tür alle willkommenes Hilfsmittel zur wissenschaftlichen Bestimmung
ihrer Pfleglinge unter allscitig annehmbaren Bedingungen zu bieten. Was:ich in dieser Beziehung
überdachte und ersehnte, sche ich in den „Vogelbildern aus fernen Zonen*- so gut auszeführt,
als Farbendruck gestattet, vor mir: liegen. Mützels Meisterhand hat treffliche Zeiehnungen,
Fischers Kunstanstalt Farbendrucke geliefert, welche sich den Besten an die Seite stellen
dürfen, Reichenow die Abbildungen mit kurzem, aber vollkommen ausreichendem, auf: wissen-
schäftlichem Grunde ruhendem Texte begleitet: jeder Vogelwirt, Händler, Züchter, Liebhäber ete,
ist daher im Stande, wit Hülfe der „Vogelbilder etc.* ohne: Zeitverlust und nennenswerthe Mühe
seine Pfleglinge zu bestimmen. Warnıe, rückhaltlose Empfehlung des Werkes an alle, für welche
es bestimmt ist, erscheint-mir aus allen diesen Gründen als Pflicht jedes unbefangenen und un-
parteiischen Beurtheilers. Etc, etc.
Dr. A. E. Brehm.
E
Im gleichen Verlage ist erschienen:
OD. v. KRiesenthal,
Die Raubvögel Deutschlands
und des angrenzenden Mitteleuropa’s.
Darktellung und Befchreibung der in Denifdland und den benachbarten Ländern
von Mitteleuropa vorkommenden Kaubvögel.
\ N 5 R 5 H
Med. 5°, 12 M. nebst 60 Tafeln Atlas in Folio in Chromolitho-
graphie, 60 M.; Pracht-Ausgabe 120 M.
Ausser den in den meisten forst- und landwirthschaftlichen Zeitschriften erfolgten günstigen
Empfehlungen dieses Werkes macht die Verlagshandlung auf nachstehende Urtheile besonders
aufmerksam:
Im Ornitholog. Centralblatt von Dr. Cabanis & Dr. Reichenow erklärt E. F. v. Homeyer:
Das Werk wird voraussichtlich bald so wichtig werden, dass es sowohl für den Naturforscher
wie für den Forstmann und Jäger unentbehrlich ist.
Geflederte Welt von Dr. Russ. Dies vortreffliche Werk dürfte eine besonders hervorragende
Stelle einnehmen... Eine solche Darstellung der deutschen Raubvögel in Wort und Bild ist bis
jetzt entschieden noch nicht vorhanden.
Dr. Müller schreibt in der „„Natur‘ : Kurz, wir begegnen hier einem deutschen Werke, auf
das wir sowohl in Bezug auf seinen Verfasser, wie in Bezug auf seinen Verleger stolz sein dürfen.
A SR En
Ornithologie Nordost-Afrieas, der Nilgnellen nnd Küsten-
vehiete des Rothen Meeres und des nördlichen Somali-Landes,
2 Bände mit 51 'Tfln. eolor. Abbild. u. Karte.
Royal 8°.’ 142 M. 50 Pf.
Dr. J. Cabanis,
Generalzdnder zum FJonenal für Ornithologie.
Inhalts-Verzeichniss der ersten 15 Jahrgänge, 1853— 1867.
In Verbindung hit A. Reichenow und M. Helm herausgegeben.
Gr. 8%. — 15 Mark.
Rich, Zrömner, Cassel. Ü
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F 12090
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